Testbericht: AudioRealism BASS LINE 3 (ABL3) – Legal Highs mit 303 Prozent Klangwirkstoff

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Zitronensäure…

Die Geschichte des Tampons, ähhh… der TB-303 ist eine Geschichte voller Mißverständnisse…

Nicht wenige der alten Synthesizer aus den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts genießen heutzutage ja längst einen gewissen Kultstatus, und einige davon vermochten diesen schon zur Zeit ihrer Produktionphase aufzubauen, etwa weil sie aufgrund geringer Stückzahlen und exorbiatanter Preise für die wenigsten Musiker verfügbar waren (so wie heute der SCHMIDT…), oder weil sie, wie beispielsweise der MINIMOOG, bereits von Anfang an durch ihren Klang Begehrlichkeiten weckten.

Nun, zumindest einer dieser zahlreichen Synthesizer hat seinen heutigen Status einer Legende erst auf Umwegen und mit deutlicher Verspätung erlangt, nämlich die TB-303.

Erstes Mißverständnis: Aus irgendeinem, mir nicht nachvollziehbarem Grund hat es sich im deutschen Sprachgebrauch eingebürgert, dieses Gerät mit dem weiblichen Artikel zu versehen, ob wohl das TB eigentlich für “Transistor Bass” steht. Da selbst die Wikipedia diese Tradition fortsetzt (https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_TB-303), möchte ich auch im vorliegenden Testbericht nicht davon abweichen, ungeachtet jeglicher sprachlicher Korrektheit…

ROLAND TB-303
ROLAND TB-303

Nun denn, die TB-303 wurde einst im fernen Japan vom Hersteller ROLAND als einfacher Bass-Synthie mit Sequencer ersonnen, ähnlich wie heutzutage die VOLCA-Serie von KORG handelte es sich hierbei im Grunde genommen um Billigheimer für den Massenmarkt (allerdings mit einer deutlich höheren UVP, als die der VOLCAS heute, der ganze Elektronikkrempel war damals halt noch teurer…).

Anders aber als KORG, hatte ROLAND damals mitnichten die Szene der Elektromusikanten als Zielgruppe auserkoren, vielmehr hatte man dort reichlich optimistisch gehofft, dass die Geräte bei solo agierenden und eher traditionell orientierten Musikern einschlagen und regen Absatz finden würden. Die TB-303 sollte etwa alleinstehenden Gitarristen, Flötisten, Trompetern oder was weiß ich wen zusammen mit der TR-606 (“Transistor Rhythm”) als Bass- und Rhytmusbegleitung dienen (das zweite Mißverständnis…).

ROLAND hatte da allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die anvisierte Kundschaft war offenbar zu konservativ eingestellt und befand das Gespann aus 303 und 606 als ausgemachten Quatsch, da die 303 ebenso wenig nach einem Bassisten klang, wie die 606 nach einem Schlagzeuger.

Die Geräte blieben also in den Ladenregalen liegen wie ranziger Erdbeerkäse und wurden schließlich zu Schleuderpreisen verhökert, nur um sie endlich loszuwerden. Es wird sogar die Geschichte kolportiert, dass sie in irgendeinem Musikladen für schlappe 50,- DM (also umgerechnet rund 25,- Euronen!) direkt von der Palette abverkauft wurden…

Bis in die späten 80er hinein fand man gebrauchte TB-303s dann auch immer wieder mal billigst in diversen Kleinanzeigen angeboten.

Wie auch immer, dieser Umstand dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die TB-303 noch in einem weiteren Punkt eine Ausnahmestellung unter den Vintage-Synths einnimmt. Zumindest ist mir kein weiterer Synthesizer bekannt, der gleich ein komplettes Musikgenre erschaffen hat und quasi als Synonym dafür steht: Acid.

Während ich persönlich der ersten Acid House-Welle eher wenig abzugewinnen mochte, denn ich verschrieb mich zur dieser Zeitphase eher dem EBM von zornigen jungen Männern für andere zornige junge Männer, und ich auch den frühen Ausläufern des Techno Anfang der 90er zunächst mit Argwohn begegnete, fand auch ich in dem gleichen Maße, in dem mir der EBM zunehmend kliescheehafter und langweilig vorkam, sukzessive Gefallen an den neuen Spielarten der elektronischen Musik, und der prägnante, oftmals ein wenig didgeridooartige Acid-Sound hat sich mir ebenfalls recht schnell in die Synapsen eingeätzt, von wo er sich bis heute immer wieder mal zurückmeldet.

Wären TB-303, TR-x0x und Konsorten nicht in den Jahren zuvor noch als “völlig out” so billig vertickt worden, dann wären sie damals vermutlich auch nicht an die Menschen geraten, die anschließend versuchten, so viel wie nur möglich aus ihrem aufgrund von Budgetgründen doch stark begrenzten Equipment herauszuholen.

Ich selbst habe nie eine 303 besessen, hatte in meinem musikalischen Bekanntenkreis jedoch gleich mehrere Leute, an deren jeweiligen Geräte ich Hand und Ohr anzulegen vermochte. Einer hatte seine TB-303 mitsamt allerlei anderer Klassiker noch aus den 80ern herübergerettet, in denen er sie einst günstig erworben hatte, die Anderen kratzten mühsam all ihre Kohle zusammen, um sich eine oder auch gleich mehrere der auf dem Gebrauchtmarkt zu inzwischen immer höheren Preisen gehandelten Maschinen zu ergattern, und sie hatten dabei sogar noch halbwegs Glück, denn anschließend schossen die Preise in noch irrationalere Höhen.

Auch heute, ein gutes Vierteljahrhundert später, hat sich daran nichts geändert, ein flotter Blick in die Bucht verrät, dass einzelne Geräte dort zur Zeit, in der ich dies hier schreibe, teilweise für über 3000,- Euro als Sofortkauf-Angebote feilgeboten werden, ich habe dort sogar einen Anbieter entdeckt, der bescheidene 5000,- Peitschen dafür verlangt – ob er die dann auch erhält, ist natürlich eine ganz andere Frage, von mir jedenfalls nicht… 😉 Bei den üblichen Auktionen dürften die Kaufpreise vermutlich noch etwas niedriger, aber nach wie vor unangemessen teuer ausfallen. Mal abgesehen davon werden diese Geräte, die nun mittlerweile schon über 30 Jahre auf dem Buckel haben, ja auch nicht unbedingt jünger und haltbarer…

Schon in den 90ern erschienen die ersten Klone von Drittanbietern auf dem Markt, von denen aber kaum einer der 303 klanglich besonders nah kam, zudem fehlt ihnen der Sequencer der 303, welcher dank seiner etwas fummeligen Bedienung mutmaßlich für so manche eigentlich unbeabsichtigte, aber dafür umso coolere Acid-Sequenz verantwortlich sein dürfte. Spätere Nachbauten, wie beispielsweise das DIY-Projekt “x0xb0x”, bringen inzwischen ihren eigenen Seqeuncer mit und klingen auch deutlich “303iger”, obgleich Kenner im Direktvergleich nach wie vor gewisse Unterschiede wahrnehmen (die gar nicht immer zum Nachteil gereichen müssen…). Aber auch diese Hardware-Klone kosten natürlich noch ihren Preis, allerdings liegt der schon deutlich unter den oben genannten Mondpreisen.

Preislich lässt sich da allerdings auf Softwareseite noch einiges machen, denn mit dem Aufkommen der virtuellen Synthesizer für PC und Mac tauchten nach und nach auch verschiedene Kandidaten im Pluginformat auf, die sich als von der TB-303 inspiriert anpriesen, aber die meisten davon klingen leider so wenig nach einer 303 wie ein pfeiffender Teekessel oder ein furzender Frosch.

Eine rühmliche Ausnahme bildete (nicht nur) in meinen Ohren bereits seit ihrer ersten Veröffentlichung die AudioRealism BASS LINE (kurz ABL) aus Schweden, die dem Original bisher schon weitgehend ähnlich kam, jedenfalls ausreichend genug, dass sie zumindest in einem fertigen Mix das tanzende Volk zu täuschen vermochte, und dies zu einem Bruchteil des aktuellen Hardware-Preises. Die letzte Version, ABL2, gehört zu meinen liebsten Plugins im VST-Ordner.

Gemäß dem Motto “Das Besssere ist des Guten Feind” hat AudioRealism nach all den Jahren mittlerweile eine dritte Version namens ABL3 herausgebracht, allerdings war diese zunächst lediglich den Nutzern von REASON als Rack-Extension zugänglich. Inzwischen ist die ABL3 jedoch auch als “normales” VST/AU-Plugin für andere DAWs verfügbar.

Schwedenbitter…

Die ABL3 ist diesmal kein simples Update der Vorgängerversion, sondern ein völlig neu programmiertes Plugin mit eigenständigem Code unter der Haube. Es ist für Windows und OSX verfügbar, als AU und VST2 für 32 und 64 Bit-DAWs. Auch wenn mache Anwender vielleicht gerne noch eine VST3-Version sehen würden, so vermisse ich persönlich eine solche nicht wirklich, zumindest bei mir ist sind die herkömmlichen VST2-Plugins noch in der Überzahl und laufen so zum Beispiel auch mit EnergyXT und MIXCRAFT problemlos und nicht nur mit CUBASE und Konsorten.

 

AudioRealism BASS LINE 3
AudioRealism BASS LINE 3

Der Kopierschutz fällt ebenso benutzerfreundlich aus wie bei den Vorgängern, er besteht nämlich aus einem Nutzernamen und einer Seriennummer, die zur Freischaltung der ABL3 einmalig eingegeben werden müssen, fertig! Das funktioniert somit überall und auch völlig ohne Internetverbindung!

Die Rechnerauslastung der ABL3 ist signifikant höher als die der ABL2 (das ASIO-Meter meines CUBASE 5.5 indizierte einen etwa drei- bis vierfachen CPU-Hunger im Vergleich zur genügsamen ABL2, die sogar noch auf meinem 50-Euro-Tablet mit ATOM-CPU rund läuft, auf welchem die ABL3 leider gar nicht erst starten wollte…), insgesamt aber immer noch als moderat anzusehen. Sie liegt in einem ähnlichen Bereich wie auch die der beiden kürzlich von mir getesteten Monosynths DAGGER und MONIQUE.

Der Grund für die höhere Rechnerbelastung liegt darin begründet, dass AudioRealism für die ABL3 moderne Programmiertechniken verwendet, wie sie auch in anderen hochwertigen Analogemulationen zum Einsatz kommen, beispielsweise ein vollständiges Audio Rate Processing sowie Oversampling. Die dadurch gewonnene klangliche Authentizität fordert nun mal ihren Tribut an den Rechenknecht. AudioRealism ließ aber verlauten, dass man die DSP-Algorithmen fortlaufend optimiere, auch in Bezug auf die CPU-Anforderungen.

Die Bedienoberfläche der ABL wurde ja seit ihrer ersten Version mehrfach renoviert, und auch die ABL3 macht hiervon keine Ausnahme. Während der Vorgänger sich optisch schließlich komplett vom Design der TB-303 entfernt hatte und sehr modern wirkte (und mir so eigentlich auch immer noch gut gefällt), hat bei der ABL3 mittlerweile wieder eine gewisse Annäherung an das Hardware-Vorbild stattgefunden, zumindest die silberne Farbgebung und die Gestaltung der Drehregler erwecken sofort Assoziationen an die TB-303. Dennoch wirkt das GUI nicht wie eine 1:1-Kopie, die Optik des Step-Sequencers etwa erinnert nun eher an die der KORG VOLCA-Reihe. Somit dürfte AudioRealism auch keinen etwaigen lizenzrechtlichen Anschiss von ROLAND befürchten zu müssen… 😉

ABL3 vs ABL2
ABL3 vs ABL2

Bei der Bedienoberfläche lässt sich zwischen drei möglichen Größenstufen von kleinwüchsig bis zu extrabreit wählen, damit sollte sich bestimmt eine passende Einstellung für jeden Bildschirm finden lassen.

Wen übrigens dieser gelbe “I love Acid”-Sticker rechts oben stören sollte, der lässt sich ganz leicht entfernen: Einfach mit dem Fingernagel etwas am Rand losknibbeln und dann vorsichtig möglichst in einem Stück abziehen, etwaige Kleberreste lassen sich anschließend noch mit einem fusselfreien Lappen und ein wenig Lösungsmittel vom Bildschirm rubbeln.

Per Mausklick in das größere der beiden virtuellen Displays am oberen Rand erreicht man ein Pulldown-Menü mit allerlei Extras. Wie schon die ABL2 bietet auch die ABL3 einige gern gesehene Funktionen, etwa MIDI-Learn oder Parameter-Automation, und die recht praktische Steuerung via Mausrad wurde von AudioRealism ebenfalls nicht unterschlagen.

ABL3 - Dateimenü
ABL3 – Dateimenü

Der Außenwelt gegenüber zeigt sich ABL3 einigermaßen kommunikativ. So lassen sich Patterns sowohl nach REASON als auch als gewöhnliche MIDI-Dateien exportieren. Beim Import stehen Patterns des alten PROPELLERHEAD-Klassikers ReBirth 338 und der hauseigenen iOS-App namens technoBox2 auf dem Programm, aber auch monophone Audiodateien (zum Beispiel von einer echten TB-303), die anschließend zu ABL3-Patterns konvertiert werden können (dazu später mehr).

Atomkraftwerk…

Die Klangerzeugung der ABL3 und deren Parametrisierung ist ebenso rudimentär wie die der TB-303: Ganze sechs Regler und ein Schalter für die Klangeinstellung plus eine Lautstärkeregelung, das war’s dann auch schon. Dass die Leute nicht unbedingt deshalb so viel Kohle für eine echte TB-303 auf den Tisch legen, weil sie sich gerade von diesem Maschinchen tausendundeins Klangvariationen erhoffen, dürfte nachvollziehbar sein, denn sonst würden sie das ganze Geld doch wohl eher in ein Modulsystem investieren…

 

ABL3 - Klangerzeugungs-Parameter
ABL3 – Klangerzeugungs-Parameter

 

Ein einstimmiger Oszillator erzeugt wahlweise eine Sägezahn- oder eine Rechteckwelle, die dann durch ein Filter mit einstellbarer Grenzfrequenz und Resonanz sowie durch Regler für Hüllkurvenstärke, Decay und Accent geformt wird.

So simple gestrickt dieser Synthestrang auch ist, einen praktischen Vorteil bietet er gewiss: Die Zuordnung eines MIDI-Controllers zu den wenigen Bedienelementen ist in einer halben Minute erledigt und benötigt zudem nur einen kleinen Satz an Reglern, etwa die meist ja schon am Einspielkeyboard vorhandenen.

Aus rein subjektiver Vorliebe belege ich mir übrigens gerne das Pitch Bend-Rad mit der Filterfrequenzregelung, mit dem darauf liegenden Zeigefinger kann ich persönlich die typischen manuellen Filter-Modulationen dann weitaus feinfühliger steuern als mit einem normalen Drehregler. Mit ein bischen Übung kann man damit sowohl langsame Sweeps als auch schnelle Sprünge (und sogar beides gleichzeitig!) zurechtschrauben und den Filter zum Tanzen bringen. Die entstehenden MIDI-Daten nehme ich dann jeweils auf eine gesonderte Spur parallel zu der mit den Notenbefehlen auf, so dass ich die ganzen Filtergeschichten nachträglich noch editieren, verschieben oder gegebenenfalls auch neu einspielen kann, ohne dabei der eigentlichen Sequenz ins Gehege zu kommen. Jeder hat halt so seine Angewohnheiten entwickelt…

Kommen wir gleich mal zu einem weiteren Mißverständnis bezüglich der TB-303: Über deren Filter liest man nicht selten, dass es sich dabei um ein sogenanntes dreipoliges Filter mit einer Flankensteilheit 18 dB pro Oktave handele, kann sogar sein, dass ROLAND selbst dies mal behauptet hat. Fakt ist jedoch, dass in der TB-303 ein Vierpol-Filter mit 24 dB/Oktave verbaut wurde. Woher kommt dann also diese merkwürdige Diskrepanz in den Aussagen?

Ganz einfach: Die TB-303 war, wie eingangs schon erwähnt, als preiswerte Schachtel konzipiert und nicht etwa als Edelsynthie mit selektierten Bauteilen. Das Schaltungsdesign wurde dementsprechend kostengünstig realisiert. Das Filter ist vom Aufbau einer typischen MOOG-Kaskade (“transistor ladder”) gar nicht mal unähnlich, allerdings kam bei der TB-303 eine günstiger zu realisierende Dioden-Schaltung zum Einsatz, so wie man sie beispielsweise auch in dem zum Taschengeldpreis erhältlichen Analogsynthie GAKKEN SX-150 MK II findet.

Während das 303-Filter also tatsächlich 24 dB/Oktave unter der Haube hat, sinkt in der Praxis die Flankensteilheit schaltungs- und bauteilebedingt effektiv auf eben bloß etwa 18 dB/Oktave. Im Prinzip ist das also wie ein Auto mit einem Vier-Zylinder-Motor, welcher auf der Straße eine Leistung bringt, als liefe er bloß auf drei Pötten. Ja, ich weiß selbst, dieser Vergleich hinkt wie Hund mit einem Bein… 😉

Frühjahrsputz…

Kennern der ABL2 oder aufmerksamen Betrachtern des vergleichenden Screenshots weiter oben, dürften bereits bemerkt haben, dass sich die ABL3 offensichtlich einiger Parameter der Vorgängerversion entledigt zu haben scheint.

So gibt es nun nicht mehr den kleinen Schalter für das optionale statische Hochpassfilter (das die 303 ja nie hatte…), das Filter selbst in veränderter Form allerdings immer noch, nur eben woanders, dazu komme ich aber erst gleich.

Augenfälliger dürfte hingegen der Wegfall der früheren Verzerrer-Sektion sein, diese bestand aus zwei Reglern für Drive und Distort(ion) sowie einem Schalter für den Distortion-Typus. Wem dieser Umstand nun eher als ein Downgrade gegenüber der ABL2 erscheinen sollte, dem sei gesagt, dass dies keinen sonderlichen Verlust darstellt!

Ich habe den internen Distortion-Effekt der ABL2 eigentlich stets nur als nette Beigabe betrachtet, bzw. angehört. Er reichte mir aus, um beim Komponieren und Arrangieren schon mal einen entsprechenden Klangeindruck zu bekommen, aber für eine Verwendung im Mix erschien er mir persönlich immer als viel zu brav und digital klingend, eher etwas nach einem Rasierapparat, als denn nach einem analogem Verzerrer. Jedenfalls klang er nie so rotzig wie bei der Bassline in dem Acid-Remix von New Order’s “Confusion” (bekannt aus dieser “Bloodbath”-Sequenz im ersten “Blade”-Film…).

Insofern hat AudioRealism hier meiner Meinung nach eine folgerichtige Entscheidung damit getroffen, den Verzerrer gleich ganz über Bord zu werden, eine TB-303 hatte schließlich auch keinen eingebaut!

Nachdem ich mein Glück zunächst mit verschiedenen Plugins für diesen Zweck versuchte, von denen mich aber ebenfalls keines sonderlich zu überzeugen vermochte (mag jedoch sein, dass inzwischen auch in diesem Segment schon glaubhaftere Vertreter existieren), so dass ich schon vor einigen Jahren eine andere Lösung zum Anbraten meiner ABL gesucht und auch gefunden habe, nämlich einen BEHRINGER TUBE ULTRAGAIN MIC100, den ich einst eigentlich mal als Vorverstärker für mein Kondensatormikrofon billigst in der Bucht geschossen hatte. Inzwischen verwende ich zwei davon, die ich als externe Effekte in die DAW einschleife.

 

BEHRINGER MIC100
BEHRINGER MIC100

Aber es gibt natürlich noch weitaus mehr Möglichkeiten, vermutlich auch noch bessere, hier kann und sollte man einfach mal mit den Gerätschaften experimentieren, die man jeweils zur Verfügung hat, zum Beipsiel Gitarren-Verstärker oder -Tretminen, Rack-Effekte, analoge Tapedecks und weiß der Henker, was sonst noch, da hat sicherlich jeder so seine eigenen “Geheimwaffen”…

Animateure…

Die TB-303 besitzt einen eingebauten Step-Sequencer, und in diesem Punkt tat es ihr die AudioRealism BASS LINE schon von der ersten Version an gleich. Wie schon erwähnt, hat das Design nun einen leichten VOLCA-Touch erhalten. Der Sequencer der ABL3 entspricht seinem Vorbild plus ein paar Workflow-Erleichterungen, wie beispielsweise einer AUTO ADV(ance)-Funktion, welche nach erfolgter Step-Eingabe automatisch direkt zum nächsten Schritt springt.

 

ABL3 - Classic Step-Sequencer
ABL3 – Classic Step-Sequencer

Accents und Slides können ebenfalls eingegeben werden, und wenn man die Schalter für die Oktavenverschiebung (DOWN und UP) in einem Schritt gleichzeitig aktiviert, dann erzeugt man damit einen dieser typisch säuselnden Vibratoeffekte der 303.

Während ich dem Original-Sequencer der TB-303 ehrlich gesagt nie so richtig viel Sympathie entgegenzubringen vermochte, ich fand ihn damals ausgesprochen fummelig, kann ich AudioRealisms Adaption schon deutlich mehr abgewinnen.

 

ABL3 - Pattern-Ansicht
ABL3 – Pattern-Ansicht

Eine Neuerung im Sequencer-Abteil der ABL3 stellt die alternative Pattern-Ansicht dar, wie man sie auch in anderen Plugins schon mal findet. Hier hat man alle Schritte einer Sequenz inklusive der Tonhöhe sowie gesetzter Pausen, Oktavierungen/Vibratos, Accents und Slides in einer einzigen Matrix zusammengefasst im Überblick. Eine gute Sache und auch schneller im Workflow, sofern man nicht gerade ein eingefleischter Anhänger des klassischen 303-Sequenzers ist und dessen Bedienung schon so verinnerlicht hat wie etwa das Radfahren. Dank MIDI-Out der ABL3 kann der Step-Sequencer übrigens auch externe Plugins und Geräte bedienen.

Assimilation…

“Wir sind die Borg. Deaktivieren Sie Ihre Schutzschilde und ergeben Sie sich! Wir werden Ihre biologischen und technologischen Charakteristika den unsrigen hinzugefügen. Ihre Kultur wird sich anpassen und uns dienen. Widerstand ist zwecklos!” Keine Ahnung wieso, aber dieses alte Trekkie-Zitat kam mir sofort in den Sinn, als ich mich mit dem Wave Analyzer der ABL3 beschäftigte, einer überaus pfiffigen Option, welche bereits die Vorgängerversion aufwies. Bei der ABL3 kommt sie optisch an das neue Design angepasst daher.

Diese ermöglicht es die Sequenzen einer TB-303, eines ihrer Klone oder auch eines artverwandten Gerätes in Form von vorab aufgenommenen Audiodateien in die ABL3 zu übertragen, wo diese dann analysiert und anschließend ins Pattern-Format der ABL3 konvertiert werden können.

ABL3 - Wave-Analyzer
ABL3 – Wave-Analyzer

Ich vermute mal, dass dies mittels Pitch- und Transientenerkennung funktioniert, letzteres ähnlich wie bei den diversen Sclicing-Algorithmen (ReCycle und Kollegen). AudioRealism hat zum ersten Ausprobieren eine Handvoll an entsprechenden MP3-Dateien beigefügt, aber im Test wurde auch das WAV-Format klaglos akzeptiert.

ABL3 - Analyse-Anleitung
ABL3 – Analyse-Anleitung

Damit die Analyse des Audiomaterials auch korrekt funktioniert, gilt es einige Vorgaben zu beachten, die merkwürdigerweise nicht im Manual zur ABL3 aufgeführt sind, praktischerweise jedoch innerhalb des Plugins angezeigt werden können.

Man wählt zunächst die Sägzahnwelle an der TB-303 und stellt alle Klangparameter auf ihren Maximalwert ein, bis auf die Resonanz, welche völlig heruntergedreht wird. Der Tuning-Regler steht auf 12 Uhr, die Lautstärke wird soweit reduziert, dass keine Übersteuerungen entstehen, und das Tempo wird ebenfalls heruntergeregelt. Dann nimmt man von dem gewünschten Pattern einen Takt auf, lädt die entstandene Audiodatei in den Analyzer der ABL3, stellt die Schrittanzahl mit STEPS ein und klickt zuletzt den DETECT-Button an.

Experimentierfreudige können den Wave Analyzer gerne auch als Ideengeber zweckentfremden, indem sie einfach mal einige der oben genannten Vorgaben mißachten oder indem sie artfremdes Audiomaterial einlesen und analsysieren lassen, etwa einen Drumloop.

Fahrt ins Blaue…

Einen weiteren Ideeneinflüsterer stellt der Randomizer dar, der neue Patterns nach dem Prinzip des kontrollierten Zufalls generiert. So lassen sich etwa Parameter wie die Notenskala und der Grundton, aber auch die prozentuale Notendichte sowie die Häufigkeit von Tonhöhenänderungen, Slides und Accents festlegen.

ABL3 - Zufallsgenerator
ABL3 – Zufallsgenerator

Ein Klick auf APPLY erstellt aus diesen Vorgaben dann ein neues Pattern oder auch gleich mehrere (mit NEXT SEED). Mit dem Schalter FIX SCALE kann man übrigens festlegen, dass die verwendeten Noten aus der Skala links nicht zufällig, sondern hübsch nach Tonhöhe geordnet eingefügt werden. Auf diese Weise lassen sich recht einfach Arpeggiomuster und dergleichen erstellen.

Pimp my ride…

Zu guter Letzt gibt es auch noch eine kleine Setup-Sektion, die allerlei klangliches Finetuning unter der Haube erlaubt. Ein paar der vorhandenen Optionen existierten schon in der ABL2 (zum Beispiel die VCA CLICKS, welche dem Attack des Klangs einen Extraknackser mitgeben), andere wiederum wurden verbannt bzw. ersetzt.

So gibt es nun keine Auswahl mehr zwischen zwei Filtermodellen mit 18 dB und einem mit 24 dB pro Oktave, was angesichts des weiter oben ausgeführten Umstandes, dass auch die TB-303 eigentlich mit einem 24 dB/Oktave-Filter arbeitet, wohl verständlich ist. Der neue Programmcode modelliert laut AudioRealism dessen Verhalten inklusive den nominellen 18 dB/Oktave in Abhängigkeit vom Cutoff direkt nach.

Dafür gibt es nun aber drei verschiedene Oszillator-Modelle zur Auswahl. Standardmäßig ist Modell 2 aktiviert, der dem einer realen 303 am nächsten kommen soll, inklusive eingepflanztem Analog-Edeldreck. Modell 3 ist ähnlich, jedoch etwas sauberer und mit weniger Bassanteil, während Modell 1 eher clean und etwas flacher daher kommt und somit eher an den Klang mancher 303-Klone gemahnt.

ABL3 - Setup
ABL3 – Setup

Das Resonanzmaximum, die Gate-Releasezeit und die Oktavenreinheit (DETUNE) können mittels entsprechender Drehregler feineingestellt werden, ähnlich den Trimmern auf der TB-303-Platine. Eine 12-Uhr-Stellung der Regler, somit also bei 50%, soll dabei laut Audiorealism jeweils dem Klang einer originalen 303 am nächsten gereichen.

Ein vierter Drehregler ist dem vermeitlich weggefallenen Hochpassfilter (LOW CUT) gewidmet, das hier nun mit frei einstellbarer Grenzfrequenz aufwarten kann und auch unterschiedlich mit den drei Oszillator-Modellen interagiert. Bei VCO-Modell 2 entspricht die Mittelstellung des Filterreglers ebenfalls wieder der echten TB-303.

Ins Auge des Betrachters springt natürlich auch noch dieses große Display in der Mitte, das eine entfernte Ähnlichkeit mit der Zielcomputeranzeige des Millennium Falcon aufweist. In Wirklichkeit stellt die geometrische Figur jedoch einen Tesserakt dar, also einen vierdimensionalen Würfel, dessen Kanten sich bis in den Hyperraum erstrecken. Dieser emuliert den in der TB-303 verbauten Flux-Kompensator, mit welchem ja bekanntermaßen eine transversale Tachyonenkaskade in den Neutrino-Flatulenzer oktrosublisziert wird, und zwar völlig semi-permeabel! Ach nee, mein Fehler, war wieder mal der falsche Text, ich muss endlich meinen Schreibtisch aufräumen!

Das war jetzt nämlich versehentlich aus der Anleitung zu meiner neu erworbenen Zeitsprungausrüstung in diesen Testbericht gelangt. Ich hoffe, das Teil hält, was der Hersteller verspricht, denn ich möchte damit demnächst mal einen kleinen Trip zurück in die 80er machen und mir diese legendäre Palette mit den billigen TB-303s besorgen, die ich dann 2016 nach und nach teuer verticken kann.

Zur Vorfinanzierung nehme ich einfach ein paar erfolgreiche Chart-Erfolge aus den 90ern mit in die Vergangenheit (sowas wie zum Beispiel “Thriller” von Michael Jackson, Depeche Modes Spätwerk “People are People” oder das erst nach Madonnas tödlichem Raketenabsturz veröffentlichte “Like a Virgin”) und verkaufe den entsprechenden Urhebern dann bereits in den 80ern die Rechte daran. Falls mein Plan aufgehen sollte, wird sich die Zeitlinie hier und da ein kleines bischen verändern, im Jahre 2016 etwa werden dann alle Leute felsenfest glauben, dass diese Hits immer schon aus den 80ern stammten. Vielleicht habe ich ja tatsächlich Erfolg damit… 😉

Also, diese Anzeige in der ABL3 ist eigentlich nur ein visueller Gag: Die geometrische Figur ändert ihre Form je nach Einstellung von Wellenform, Filter, Hüllkurvenparameter usw. Das sieht zwar ganz nett aus, einen weiteren Nutzwert vermag ich darin allerdings nicht zu entdecken, es frisst dafür aber auch kein Brot… 😉

Aceeeeeed!

Bevor wir nun zu den obligatorischen Klangbeispielen kommen, noch ein paar Worte vorweg:

Ein anderes Mißverständnis in Bezug auf die TB-303 besteht nämlich darin, dass bei Klangvergleichen mit ihren Klonen und Emulationen häufig der Irrtum begangen wird, beide Kontrahenten trocken und direkt abgehört miteinander zu vergleichen und nicht etwa in einem fertigen Mix!

Und gleich noch ein Mißverständnis hinterher: Wer tatsächlich meint, dass eine TB-303 klingt wie die andere, der glaubt möglicherweise auch, dass der Mond aus grünem Käse besteht. Die echten 303s, an denen ich damals selbst schrauben konnte, klangen alle leicht unterschiedlich bei identischen Reglereinstellungen, was auch nicht weiter verwunderlich war, werkelten in ihrem Innern doch analoge Bauteile, und zwar nicht unbedingt die teuersten. Gewisse Toleranzen in der Serienproduktion waren also an der Tagesordnung.

Dies betrifft übrigens auch andere analoge Klassiker, inklusive der beliebten TR-x0x Drumcomputer. Hersteller wie ROLAND dürften für Pressevorführungen und dergleichen vermutlich auf selektierte Exemplare mit optimierten Klangeigenschaften zurückgegriffen haben…

In dem beginnenden Hype um diese Geräte in den 90ern habe ich mehrfach erlebt, dass die stolzen Käufer teurer Gebrauchtgeräte mit den neuerworbenen Kisten in ihrem Wohnzimmerstudio saßen und sich wunderten, wieso die denn jetzt “irgendwie so anders” klangen, als die ganzen 303s und 909s ihrer musikalischen Vorbilder… 😉

Nun, mit einer echten TB-303 kann ich hier leider nicht zum Hörvergleich aufwarten, und auch auf einen kompletten, abgemischten Acid-Track muss ich an dieser Stelle verzichten (nicht etwa, dass ich dazu keine Lust hatte, allein die Zeit rannte mir davon…).

Statt dessen habe ich die ABL3 mal gegen ihren direkten Vorgänger antreten lassen, der immerhin auch schon seit 2007 oder so die bisherige Referenz darstellte (und die erste Version der ABL erschien sogar bereits 2003!).

Bei beiden Plugins habe ich die gleiche Sequenz verwendet und natürlich auch identische Reglereinstellungen vorgenommen. Die Lautstärke der beiden ABLs wurde ebenfalls angeglichen und zur Sicherheit nachträglich auch noch einmal auf den selben Wert normalisiert, um den altbekannten “Lauter-klingt-besser”-Effekt zu vermeiden. Den Anfang macht bei allen Klangbeispielen jeweils die alte ABL2, gefolgt von der neuen ABL3.

Beginnen wir zunächst mit der Sägezahnwelle. Filter-Cuttoff steht auf Minimum, Resonanz ebenfalls:

Nun mit den Einstellungen wie gerade, jedoch mit Resonanz auf 12 Uhr:

Und jetzt mit Resonanz auf Maximum:

Wie zuvor, allerdings mit einem langsamen Cuttoff-Sweep von Minimum zu Maximum:

Das ganze Spielchen wiederholen wir nun auch noch einmal mit der Rechteckwelle, bei ansonsten gleichen Einstellungen, dafür zur Abwechslung aber mal mit einer anderen Sequenz. Wir fangen wieder mit minimaler Resonanz an:

Dann mit Resonanz auf Mittelstellung der jeweiligen Regler:

Und nun mit Resonanz auf volle Pulle:

Zum Abschluss wieder eine Filterfahrt von null auf hundert bei maximaler Resonanz:

Wer nicht gerade direkt neben der A40 wohnt oder sein täglich Brot mit dem Presslufthammer verdingen muss, dem dürften die klanglichen Unterschiede zwischen der ABL2 und der ABL3 eigentlich sofort ins Ohr springen.

Klar, beide Plugins klingen unzweifelhaft nach einer TB-303 und nicht nach irgendetwas anderem. Für mein Empfinden bringt die ABL3 im Vergleich aber hörbar mehr Pfunde im Bassbereich mit (diese “Werkseinstellung” lässt sich natürlich, wie oben erwähnt, noch weiträumig anpassen) und verhält sich insgesamt auch non-linearer, analoger und lebendiger halt. Die ABL2 hingegen klingt für mich etwas flacher und “polierter” (vielleicht eher “interpolierter”…).

Insbesondere bei hohen Cutoff- und Resonanz-Einstellungen bringt die alte ABL2 im Direktvergleich zur neuen ABL3 noch so einen gewissen, leichten “Plastik-Touch” in den höheren Frequenzen mit, den man in einem ordentlichen Mix zwar durchaus zu kaschieren vermag, bei der ABL3 erscheint so etwas allerdings gar nicht erst notwendig.

Man könnte dies in etwa mit dem Verhältnis von ARTURIA MINI-V oder GFORCE MINIMONSTA zum NI MONARK vergleichen, wenn Ihr versteht, was ich damit meine.

Schon die ABL2 bewegte sich auf einem sehr hohen Niveau, sonst hätte sie sich nicht über all die Jahre hinweg als Referenz unter den Software-303s behaupten können, aber die ABL3 stößt sie nun tatsächlich von ihrem Thron!

Wer jetzt noch behauptet, er könne genau heraushören, ob in einem Track eine TB-303 oder eine AudioRealism Bass Line verwendet wurde, der heißt entweder Clark Kent oder ist ungefähr so glaubwürdig wie die Abgaswerte eines VW-Diesels auf dem Prüfstand… 😉

Fazit:

An diesen Testbericht bin ich, offen gesagt, nicht ganz so unvoreingenommen rangegangen, wie es sonst eigentlich der Fall bei mir ist.

Das liegt zum einen daran, dass ich diesen typischen 303-Klang einfach sehr mag (wenn auch nicht ausschließlich), zum anderen stellte der Vorgänger ABL2 (und davor auch schon dessen Vorgänger…) in meinen Ohren bisher die beste verfügbare TB-303-Emulation dar, zumindest in Software-Form. Und dies bereits seit Jahren, ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich jetzt schon meine einst erworbene Lizenz besitze!

Der ewige Zweite, nämlich PHOSCYON von D16 GROUP, kam für mein Empfinden niemals wirklich an die ABL heran und erschien mir im direkten Klangvergleich stets etwas zu „plastikhaft“ (aber nicht etwa plastisch).

Nun denn, mit der ABL3 beweist AudioRealism nach all den Jahren selbst, dass auch mit der ABL2 das Ende der Fahnenstange noch nicht völlig erreicht war. Denn während das Kennerohr zumindest im unmittelbaren Eins-zu-eins-Vergleich (aber nicht unbedingt in einem kompletten Mix!) noch zwischen einer ABL und einer TB-303 gewisse marginale Unterschiede auszumachen vermochte, die ABL2 hatte da trocken abgehört noch diesen ganz leichten „VA-Touch“, dürfte ihm dies bei der ABL3 nicht so einfach gelingen, wenn denn überhaupt.

Die ABL3 verhält sich in Relation zur TB-303 in etwa wie der MONARK zum MINIMOOG und der VIER zum MS-404 und zählt damit zu den besten Analog-Emulationen auf dem Markt.

Ja, mir ist schon klar, wenn jemand mal einen fetten Batzen Kohle für eine gebrauchte TB-303 auf den Tresen gelegt hat, dann wird der vermutlich auch wirklich einen Unterschied hören (wollen…)!

Dass der Distortion-Effekt des Vorgängers bei der ABL3 unter den Tisch gefallen ist, werte ich nicht als Negativpunkt, denn er war sowieso nicht gerade das Gelbe vom Ei. Hier begrüße ich vielmehr die Reduktion auf das Hardware-Vorbild.

Begrüßenswert ist auch, dass der bisherige Preis zusammen mit der erhöhten Klangtreue nicht ebenfalls angestiegen ist, der Preis der ABL3 beträgt nach wie vor 95,- Euro, was angesichts ihres hervorragenden Klangs und ihres einfachen Workflows auch gerechtfertigt und im Vergleich zu den Gebrauchtmarktpreisen für eine echte TB-303 sogar mehr als günstig ist, zumal man soviele Instanzen davon laden kann, wie der Rechner hergibt, während Hardware-Fetischisten erstmal auf die nächste 303 sparen dürfen..

Wer bereits die ABL2 sein Eigen nennt, der muss für das Upgrade auf die ABL3 lediglich 55,- Euro entrichten, auch dies finde ich in Ordnung, schließlich handelt es sich dabei um ein komplett renoviertes Plugin mit neuer Sound-Engine und nicht bloß um alten Wein in neuen Schläuchen (à la WALDORF EDITION 2 oder AAS ULTRA ANALOG VA-2…).

Wer authentischen 303- und Acid-Sound erzeugen möchte und wer dazu nicht vorhat Unsummen für eine alte TB-303 oder einen ihrer Klone hinzublättern, der kommt wohl kaum an der ABL3 vorbei (und wer gar keinen Acid mag, der dürfte sowieso nicht bis hierhin gelesen haben…). Von daher gilt Acid-Junkies mit einer DAW auch meine uneingeschränkte Kaufempfehlung! Und ebenso der BuenasIdeas-Tipp!

Doch Obacht, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor der extremen Suchtgefahr, und laut einer Insiderinformation liegt dem EU-Parlament bereits ein Verbotsantrag vor, so dass es nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte, bis die ABL3 in den Betäubungsmittelindex aufgenommen wird und dann nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist, und zwar zu ebensolchen Preisen wie für eine echte TB-303…

 

BuenasIdeas Acid-Tipp
BuenasIdeas Acid-Tipp

 

Positives:

+ derzeit beste Software-Emulation der TB-303
+ toller und authentischer 303-Klang
+ einfache Bedienung
+ Übersichtlicherer Step-Sequencer
+ Wave Analyzer
+ Randomizer
+ moderate Rechnerbelastung
+ MIDI-Learn-Funktion
+ Parameteränderungen per Scroll-Wheel möglich
+ Offline-Aktivierung möglich

 

Negatives:
Landet womöglich bald auf der Liste verbotener Drogen…

Produktwebseite: http://www.audiorealism.se/audiorealism-bass-line-3.html

Und hier findet Ihr noch einen alten Artikel von mir zum Thema TouchOSC, für das ich unter anderem auch mal ein einfaches ABL2-Template gebastelt habe, das sich auch an die ABL3 anpassen lassen sollte, zumindest teilweise: https://www.buenasideas.de/2014/do-it-yourself-midi-controller-mit-touchosc/

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2 Gedanken zu “Testbericht: AudioRealism BASS LINE 3 (ABL3) – Legal Highs mit 303 Prozent Klangwirkstoff”

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