Testbericht: MONOPLUGS MONIQUE – Der Housefrauen-Report…

Eine alte Reviewer-Weisheit besagt: Nach dem Testbericht ist vor dem Testbericht. Da hatte ich neulich doch gerade erst die Begutachtung des BeepStreet DAGGER abgeschlossen und mich schon auf ein paar Tage des Müßiggangs gefreut, als Kollege und Chef-Editor Andreas ganz unvermittelt schon mit der nächsten Anfrage auf der virtuellen Matte stand.

Und wiederum dreht es sich um ein monophones Synthesizer-Plugin, doch dieses Mal um ein weibliches. Wie bitte, seit wann haben Synthesizer denn ein Geschlecht…?! Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, vielleicht ja seit der U-HE DIVA? Ist das nur wieder so ein verrückter Fetisch-Quatsch aus Japan für Leute mit ’nem Nagel in der Kappe? Oder habe ich da bloß eine neue Rächtschraibrevorm verpasst? Sagt man nun etwa auch “die Juno-106”, weil Juno eine altrömische Göttin bezeichnet und damit ja eigentlich weiblich ist?

Fragen über Fragen, die auch ich hier nicht zu klären vermag, deshalb versuche ich das auch gar nicht erst weiter, sondern halte mich einfach an die Nomenklatur des Ziehvaters Thomas Arndt, der hinter MONOPLUGS steckt. Und demnach ist seine MONIQUE, auf diesen Namen hört der Sprößling, eben ein Synthesizer-Mädel. Also lassen wir ihn doch ruhig in diesem Glauben und spielen das Spielchen einfach mal mit… 😉

Speed-Dating…

Bei meinem ersten Rendevouz mit MONIQUE, das selbstverständlich mit einer vorab eingeholten Erlaubnis ihres Erziehungsberichtigten erfolgte, erwies sich MONIQUE, die trotz ihres französischen Namens und ihres anglophilen Gehabes ein deutsches Mädel ist, als recht kosmopolitisch und sehr offenherzig, was die Auswahl des Treffpunkts anging. Es war ihr nämlich einerlei, ob wir uns auf Windows, Mac OSX oder sogar Linux sehen würden (ich lud sie daher zu mir auf Windows 7 x64 ein), und auch gegen das schon in die Jahre gekommene Gefährt, mit dem ich sie abholte (CUBASE 5.5), schien sie keine Ressentiments zu hegen. Ihr schien es eher wichtiger zu sein, dass die Karre genügend PS unter der Haube und ausreichend Platz im Innenraum hat…

Im Klartext: MONIQUE läuft auf den drei oben genannten Betriebssystemen, wobei insbesondere die Linux-Kompatibilität ja nicht unbedingt als alltäglich anzusehen ist. Als Windows-Nutzer habe ich mich auf die VST-Formate (VST2 sowie VST3), die es in 32 und 64 Bit-Ausführung gibt. Auch eine Standalone-Version für den Betrieb ohne Host wird angeboten, diese habe ich jedoch nicht installiert.

Im Instrumenten-Auswahlmenü meines alten CUBASE 5.5 tauchten die VST2-Versionen gar nicht erst auf (das ist bei einigen meiner anderen Plugins ebenfalls der Fall), dafür jedoch die VST3-Version.

Zur Freischaltung der Vollversion ist entweder eine Online-Verbindung des DAW-Rechners notwendig, oder man nimmt den kurzen Umweg einer Offline-Aktivierung mittels Challenge/Response-Codes in Kauf, was ich getan habe. MONIQUE kann übrigens auf bis zu 3 Rechnern gleichzeitig aktiviert werden.

Das ASIO-Meter in CUBASE zeigte mir bei geladener MONIQUE eine Auslastung zwischen 20 und 30 Prozent an (Intel i7-4790K, 4x 4.00 GHz, 16 GB RAM), was ich als moderat bezeichnen würde.

MIDI-Learn, Automation, Mausrad-Steuerung? Alles vorhanden, gut so! Wer MONIQUE gerne direkt befummeln möchte (sie steht offenbar auf sowas…) der kann auch einen Touch Screen verwenden, sie ist darauf ausgelegt von 10 Fingern gleichzeitig berührt zu werden.

 

Stoffwechsel…

Oberflächlich gibt sich Mademoiselle zunächst mal ein wenig kühl und düster angehaucht (etwa Gothik oder Emo, die Kleine…?), macht aber sonst einen organisierten Eindruck. Wenn man MONIQUE feundlich zuredet, dann ist sie auch gerne bereit, durch ihren begehbaren Kleiderschrank zu wandeln und je nach Lust und Laune des Nutzers ein anderes Kleid anzulegen.

 

Monoplugs Monique
Monoplugs Monique

 

MONOPLUGS lässt dem Nutzer nämlich die Möglichkeit offen, die Farbgestaltung von GUI und Bedienelementen in weitem Rahmen dem eigenen Geschmack anzupassen, so er es denn will. Dabei zeigt sich MONIQUE dann auch ausgesprochen farbenfroh, man hätte ihr das vorher gar nicht zugetraut. Und ich befürchtete schon fast, sie sei etwas depressiv veranlagt… Ach ja, diese bunten Umkleide-Sessions lassen sich natürlich auch abspeichern und wieder auffrufen.

 

Monoplugs Monique - farbenfroh
Monoplugs Monique – farbenfroh

 

Bei den Hüllkurven kann man sogar auswählen, ob man lieber Dreh- oder Schieberegler benutzen möchte. Auch die Größe des GUI lässt sich übrigens an den eigenen Bildschirm anpassen.

 

Monoplugs Monique - Tooltips
Monoplugs Monique – Tooltips

 

Ansonsten beschränkt sich die Bedienoberfläche auf eine einzige Bildschirmseite, was dem Workflow sehr zugute kommt. An einigen Stellen verbergen sich noch einige Pop-Up-Menüs mit Parametern, etwa zur Einstellung der LFOs, aber insgesamt hat man alles weitgehend ohne großes Maus-Gehangel im Überblick. Wenn man mit dem Mauszeiger länger über einem Regler stehen bleibt, erscheinen Tool-Tips zu den Parametern als Pop-Ups, wen dies nervt, der kann das auch abstellen.

 

Monoplugs Monique - Oszilloskop
Monoplugs Monique – Oszilloskop

 

Wer MONIQUE gerne etwas offenherziger erleben möchte, der kann anstelle des virtuellen Keyboards auch ein buntes Oszilloskop einblenden, dass ein optisches Feedback zum Klangverlauf bietet.

 

Lebenslauf…

MONIQUE ist zwar ein monophones Synth-Plugin, aber sie ist deswegen nicht einsilbig. Der Aufbau folgt grundsätzlich dem bekannt-beliebten subtraktiven Schema.

Bis zu drei Oszillatoren, deren Wellenformen (inklusive Anzeige derselben) stufenlos von Sinus über Rechteck und Sägezahn bis hin zu weißem Rauschen gemorpht (per Mausrad aber auch in diskreten Stufen umgeschaltet) werden können, sind am Klanggeschehen beteiligt. Während OSC1, dessen Tonhöhe immer durch die gespielten Noten festgelegt wird, in der Phase verschoben werden kann (auch per LFO modulierbar), lassen sich OSC2 und OSC3 in Relation zu OSC1 verstimmen (ebenfalls LFO-Ziele) sowie zu diesem synchronisieren.

Des Weiteren gesellt sich noch ein vierter Oszillator (FM) dazu, der jedoch auschließlich zur Frequenzmodulation der ersten drei Oszillatoren herangezogen werden kann und sich sehr gut dazu eignet, dem Klang eine gewisse Rauheit, Aggressivität und metallische Härte einzuhauchen.

 

Monoplugs Monique - Synthese-Parameter
Monoplugs Monique – Synthese-Parameter

 

Während drei Oszillatoren nun ja keine besondere Kuriosität in der Synthesizerwelt darstellen, so findet man hier seltener auch gleich drei Filter-Sektionen mitgeliefert. Wie die Oszillatoren durch eben diese geroutet und von ihnen beinflußt werden sollen, stellt man bei den FILTER INPUTS ein. An dieser Stelle sei dann mal ein kurzer Blick ins PDF-Manual (auch in deutscher Sprache verfügbar) empfohlen, damit man sich zurechtfindet, denn hier wird es etwas komplexer, wenngleich auch nicht unbedingt kompliziert. Darüber hinaus kann man sich mit dem Shortcut STRG+W noch ein Routing-Schema über die Bedienoberfläche legen lassen.

 

Monoplugs Monique - Signalverlauf
Monoplugs Monique – Signalverlauf

 

Die drei Filter-Sektionen sind nämlich nicht etwa fest den drei Oszillatoren zugeordnet, sondern lassen sich über mehrere Ebenen seriell und/oder parallel verknüpfen, und die Oszillatoren können in alle drei Filter-Sektionen gleichzeitig geroutet werden, und zwar mit einstellbarem Pegel sowie regelbarer Modulationstiefe durch die Hüllkurven.

Wer an dieser Stelle schon leicht verwirrt sein sollte, dem gebe ich nun wohl den Rest, wenn ich ihm offenbare, dass MONIQUE unter ihrer Haube noch deutlich mehr Filter parat hält, als lediglich die drei sichtbaren Sektionen auf der Oberfläche. Jeder der drei Hauptfilter verbirgt in seinem Inneren nämlich wiederum drei einzelne Filter. Zudem kommen intern auch weitere Filter zum Einsatz, etwa zur Glättung und Verbesserung des Klangverhaltens. Da ich keine Angaben zur Flankensteilheit zu entdecken vermochte, habe ich einfach mal bei MONOPLUGS nachgefragt und so erfahren, dass die einzelnen Filter grundsätzlich jeweils mit 24 db pro Oktave arbeiten, durch die Interaktion miteinander und auch durch gewisse einprogrammierte Non-Linearitäten entstehen in der Praxis nominelle Werte zwischen 18 db und 24 db pro Oktave. Und, wie sieht’s denn jetzt inzwischen mit der anfangs noch leichten Verwirrung aus…? 😉

Okay, für den normalen Anwender sind diese Informationen schließlich nicht weiter relevant, halten wir uns also auch nicht weiter damit auf.

Die drei zugänglichen Hauptfilter bieten jeweils die Modi Tiefpass, Hochpass sowie Bandpass, ein vierter Knopf schaltet den Filter komplett auf Durchzug. Cutoff und Resonanz können frei geregelt, aber selbstverständlich auch via Hüllkurven und/oder LFOs gesteuert werden, was gerade bei dem zweitgenannten Parameter eher seltener der Fall ist. Die Reichweite der Resonanz geht bis hin zur Selbstoszillation des Filters, bei Extremwerten fängt es ordentlich an zu pfeiffen und zu kreischen.

Leider habe ich bei den Filtern keine Einstellmöglichkeit für ein Keyboard-Tracking gefunden, was insbesondere bei Klängen interessant wäre, die mit selbstoszillierenden Filtern erzeugt werden. Man könnte sie dann nämlich tonal stimmen und spielen. Dies soll jedoch via Update nachgereicht werden, so MONOPLUGS.

Darüber hinaus gibt es auch noch eine regelbare Verzerrungsstufe, und jeder Hauptfilter kann frei im Panorama verschoben werden, was natürlich nur dann Sinn macht, wenn man zwei oder drei Hauptfilter parallel benutzt. Jeder Hauptfilter-Ausgang hat einen separaten Pegelsteller, MONIQUE hält hier unter ihrem Rock zudem jeweils einen automatischen Kompressor verborgen, ebenso wie bei ihrem Gesamtausgang, die Monitor-Boxen und auch die eigenen Ohren werden’s einem vielleicht noch irgendwann danken…

Ach ja, aufgefallen ist mir noch, das MONIQUE sehr empfindlich reagiert, wenn man sie über MIDI füttert, die kleine Mimose. Will sagen, sie gehorcht der MIDI-Velocity aka Anschlagsdynamik stets aufs Wort, und es gibt keine Einstellmöglichkeiten in Filter- und Amp-Sektionen zur Begrenzung bzw. völligen Deaktivierung. Wenn man jede MIDI-Note mit voller Lautstärke wiedergeben möchte, dann muss man eben auch Velocity-Werte von 127 an MONIQUE senden, allerdings hat dies dann wiederum auch Einfluß auf die Filter, was nicht immer gewünscht sein mag. Thomas Arndt erklärte auf meine Nachfrage jedoch, dass er dies bereits als Feature für ein kommendes Update eingeplant hat.

Insgesamt bieten die drei verknüpf- und modulierbaren Filter-Sektionen durch ihr pfiffiges Routing-Schema deutlich mehr klangliche Möglichkeiten, als dies bei den meisten subtraktiven Synthesizern üblicherweise der Fall ist (oppulent ausgestattete Modulsysteme seien hier einmal ausgeklammert…).

 

Monoplugs Monique - Hüllkurve im Pop-Up
Monoplugs Monique – Hüllkurve im Pop-Up

 

Unerwähnt gelassen habe ich bisher noch die diversen Modulatoren, die MONIQUE mit sich herum trägt, also Hüllkurven und LFOs. Die primären vier Hüllkurven, von denen die ersten drei den einzelnen Filter-Sektionen und die Vierte dem Verstärker zugeordnet sind, hat man stets auf der Oberfläche im Auge, zudem werden sie auch grafisch im Oszilloskop dargestellt. Darüber hinaus führt MONIQUE unter ihrer Bluse noch allerlei weitere Hüllkurven mit sich, welche sich bei Bedarf als Pop-Ups aufrufen lassen und dann jeweils auch ihr eigenes Grafikdisplay mitbringen.

 

Monoplugs Monique - Hüllkurve mit Retrigger
Monoplugs Monique – Hüllkurve mit Retrigger

 

Mitten zwischen den bewährten ADSR-Parametern findet sich auch ein nicht so weit verbreiteter Regler namens RETRIG(ger). Damit kann die Hüllkurve automatisch neu gestartet werden, wenn Sie die Sustain-Phase erreicht (siehe auch die Beispielgrafik oben). Lediglich bei der AMP-Hüllkurve fehlt dieser Parameter, hier sind ja die MIDI-Notenbefehle zuständig. Mit SLOPE (im Manual noch als SHAPE bezeichnet…) lässt sich die Charakteristik der Hüllkurven-Phasen mehr in Richtung Linearität (oder eben davon weg) verbiegen.

 

Monoplugs Monique LFO-Parameter
Monoplugs Monique LFO-Parameter

 

Auch die meisten LFO-Einstellungen verbergen sich in Pop-Ups, inklusive grafischer Darstellung. Die Wellenform lässt sich auch hier wieder morphen, und die synchronisierte Geschwindigkeit wird praktischerweise wird in Notenlängen (16/1 bis 1/64) eingestellt, bei einem Song-Tempo von 120 BPM enstpricht die maximale Geschwindigkeit 16 Hz, reicht also nicht bis in das hörbare Spektrum hinein.

Hüllkurven und Filter können auf verschiedene Parameter (die dann jeweils über einen MOD-X getauften Schalter verfügen, die Modulationstiefe stellt man prozentual via Drehregler ein) der zugehörigen Filter-Sektionen einwirken, darunter erfreulicherweise auch auf die Resonanz.

 

Make-Up…

Etwas eitel wie manche Damen nun mal sind, führt MONIQUE stets ein kleines Schminkset in der Handtasche spazieren und scheut sich auch nicht, regen Gebrauch davon zu machen, wie ihre Presets beweisen. Allerdings, wie viele pubertierende Mädels (aber auch so manches doch schon etwas ältere Mädel…) meint es MONIQUE damit häufig etwas zu gut, will sagen, sie trägt bisweilen zuviel davon auf. Weniger ist manchmal mehr…

Das Schminkset alias Onboard-FX besteht zum einen aus der Effektkette Distortion, Chorus, Delay, Fill und Reverb, zum anderen aus einer resonanzfähigen EQ-Bank. Die Qualität der Effekte geht für eine Onboard-Sektion schon in Ordnung, ich persönlich würde jedoch in den meisten Fällen meine favoristierten FX-Plugins bemühen, insbesondere beim Reverb, das ich bei MONIQUE als etwas zu aufdringlich und synthetisch empfinde, aber das ist letztendlich bloß Geschmackssache. Was mir hingegen wirklich fehlt, ist ein separater FX-Bypass-Schalter (ein Doppelklick auf den Mix-Regler ermöglicht allerdings einen Wechsel zwischen den beiden letzten Werten), denn so muss man beim Preset-Wechsel jedesmal erneut den Mix-Regler bemühen, wenn man denn seine eigene Effektkette zu verwenden gedenkt (sofern man sich nicht vorher die Mühe macht, und die Presets alle trocken noch mal erneut abspeichert…). Auf Nachfrage erfuhr ich von Thomas Arndt, dass auch ein solcher Bypass-Button bereits auf der To-Do-Liste für ein Update steht.

Schön dass es immer noch Entwickler gibt, die prompt auf ein konstruktives Feedback von Nutzerseite eingehen! Es gibt in dieser Hinsicht nämlich ausreichend Gegenbeispiele von Einmann-Companies angefangen bis hin zu großen Firmen, die es auch nach mehreren Jahren und einigen kostenpflichtigen Upgrades nicht hinbekommen, elementare Wünsche der Anwender zu berücksichtigen oder altbekannte Fehler zu eliminieren, wir könnten hier bei BuenasIdeas dazu schon fast eine eigene Kategorie anlegen…

 

Monoplugs Monique - FX
Monoplugs Monique – FX

 

Auf zwei der Effekte möchte ich noch mal kurz gesondert eingehen, dies sind Distortion und Fill.

Der Verzerrer macht seine Aufgabe bei einigen bestimmten Sounds nämlich ziemlich gut, und ohne ihn hören diese sich dann auch an, als habe man ihnen die Kleidung geraubt. Für meine Ohren klingt die Distortion ziemlich hart und “digital”, aber bei einem einfachen 08/15-Bass zum Beispiel konnte ich damit den Klang zunehmend in eine Richtung verbiegen, die mich doch sehr an den guten, alten DX7 erinnerte, und zwar meine ich nicht etwa dessen langweilige E-Pianos und Glöckchen, sondern die eher gemeineren Klänge. Kennt jemand noch die frühen Werke von The Invincible Spirit, beispielsweise “Push!” oder “Contact”…? Heutzutage sind solche Klänge ja ebenfalls wieder recht angesagt, werden inzwischen aber in einer ganz anderen Art und Weise eingesetzt als früher. Denkt nur mal an den Sound einer typischen Mercedes-Werbung von heute oder sowas, ich meine diese metallisch-harten und zwischendurch gerne auch hochgepitchten Electro-Sequenzen!

Fill ist kein typischer Standard-Effekt, den man allerorts findet. Im Prinzip handelt es sich dabei um die Simulation eines Bandschleifen-Echos. MONIQUE samplet einfach ihr eigenes Ausgangssignal noch vor dem Reverb-Effekt in einen bis zu vier Takte langen Puffer und kann dabei Loop um Loop übereinanderschichten bis der Strom ausfällt. Das Reverb kann diesem Live-Loop dann anschließend zugemischt werden, was sinnvoller ist, als es mit durch den Looper laufen zu lassen. Diese mit Fill live erzeugten Schichttorten können logischerweise nicht mit einem Preset gespeichert werden, wer also etwas ganz einmaliges gefunden zu haben glaubt, der sollte flugs einen Audiomitschnitt davon anfertigen!

 

Monoplugs Monique - EQ
Monoplugs Monique – EQ

 

MONIQUE bietet noch einen der Effektkette vorangestellten Equalizer mit sieben Bandfiltern, die neben ihren eigenen Hüllkurven auch noch über einen gemeinsamen Resonanz-Parameter verfügen. Damit lässt sich der Synthesizersound noch gehörig zurechtschnitzen, bevor es dann in die Effektkette geht. Diese EQ-Bank teilt sich den GUI-Platz mit der Effekt-Sektion und ist daher per Umschalter zu erreichen.

 

Medusa…

Eine weitere Besonderheit, welche wie auch der Fill-Effekt die Live-Tauglichkeit MONIQUES untermauern soll, stellt sogenannte MORPH MIXER dar. Mit diesem kann man jeweils zwei Presets benennen, zwischen denen dann manuell oder automatisiert hin und her gemorpht werden kann, und zwar getrennt für die Oszillatoren, die Filter, dem Arpeggiator (der kommt gleich noch dran…) sowie den FX- und EQ-Einstellungen!

 

Monoplugs Monique - Morph-Mixer
Monoplugs Monique – Morph-Mixer

 

Im Klartext kann man also insgesamt bis zu acht Presets in diesen Morph-Prozess miteinbeziehen. MONOPLUGS vergleicht das Handling mit dem Auflegen eines DJs, der in seinem Set satte 4×2 Decks gleichzeitig bedient. Im Manual gibt es zu diesem Thema eine derart ausführliche Tuturial-Sektion, dass ich hier gerne darauf verweisen möchte und mir die Arbeit an dieser Stelle einfach mal spare… 😉

Von MONOPLUGS erfuhr ich, dass bei MONIQUE unter der Haube wieder mal aufwendig kodiert wurde, so etwa fangen zur Interpolation zwei gleichzeitig eingesetzte Filterstufen unschöne Übergänge beim Morphen ab und vermeiden so auch etwaige Knackser!

Insgesamt stellt der MORPH MIXER eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, den Sounds eine gehörige Portion Lebendigkeit einzuflößen, in Verbindung mit dem Arpeggiator (ja doch, gleich…) und dem Fill-Effekt kann man Ergebnisse erzielen, die leicht vergessen lassen, dass es sich bei MONIQUE lediglich um eine(n) monophone(n) Synthie handelt.

 

Kästchenhüpfen…

So, nun ist endlich der bereits mehrfach erwähnte Arppegiator MONIQUES dran. Eigentlich ist er ja vielmehr ein richtiger kleiner, live transponierbarer Step-Sequencer mit 16 Schritten und Lauflichtprogrammierung nach Art des ARTURIA BeatStep (MONIQUE hat aber noch einige zusätzliche Parameter, wie etwa schrittweise Velocity-Werte).

 

Monoplugs Monique - Arpeggiator und Step-Sequencer
Monoplugs Monique – Arpeggiator und Step-Sequencer

 

Der Arpeggiator (belassen wir es bei dieser Bezeichnung) speichert seine Einstellungen zusammmen mit dem Preset, er kann auf Wunsch aber auch global ein- und ausgeschaltet werden, beispielsweise, um unerwünschte Nebeneffekte bei einem Preset-Wechsel auszuschließen. Selbstverständlich kann das Tempo bei Bedarf wieder zur MIDI-Clock synchronisiert werden, so wie beim Delay, beim Fill-Looper und bei den LFOs auch.

Dank der großen virtuellen Step-Tasten lässt sich der Arpeggiator zudem recht gut über einen Touch Screen bedienen, sofern denn vorhanden.

 

Carrie…

Eigentlich wollte ich mich ja an genau dieser Stelle ein wenig über den Werbespruch mockieren, der noch bis vor kurzem ganz oben auf der MONIQUE-Webseite prangte und welcher da lautete: “Analogue Bass in the digital World.” Denn “analog” ist nun nicht unbedingt das Attribut, dass ich mit dem klanglichen Output MONIQUES in Assoziation bringen würde. Klar, wie mit so ziemlich jedem subtraktiv aufgebauten Synthesizer kann man natürlich auch mit MONIQUE typische Klänge erzeugen, die denen analoger Synthies durchaus ähneln, allerdings empfinde ich subjektiv den Grundklang zumeist erkennbar “digitaler” Natur.

Diese Aussage ist nun wiederum keineswegs als Wertung gemeint, sondern stellt lediglich eine Beschreibung meines subjektiven Höreindrucks dar. Es geht dabei nämlich gar nicht um die langweilige alte Diskussion, ob nun “analog” oder “digital” besser klingt (Was klingt besser: Holzblasinstrumente oder Blechblasinstrumente…? Klavier oder E-Piano…? Gitarre oder Geige…? Vuvuzela oder Pressluft-Tröte…? Rotkehlchen oder Goldammer…?), sondern lediglich darum, WIE es sich anhört. Viele analoge Synthesizer klingen super, aber es gibt auch Analoge, die klingen ziemlich kacke, ebeso gibt es digitale Synthesizer, die toll klingen und welche, die einfach Mist sind. Das Ganze lässt sich auch beliebig bis in die virtuelle Welt der Plugins hinein fortsetzen (MONIQUE klingt übrigens gut!).

Doch offenbar scheint Thomas Arndt von MONOPLUGS über eine mediale Begabung zu verfügen, denn bei meinem jüngsten Besuch der Webseite fand ich dort das oben zitierte Motto durch dieses hier ersetzt: “A unique Bass and Lead Synthesizer Plugin”. Und das trifft es meiner Meinung auch deutlich besser als der Verweis auf analoge Klischees, die MONIQUE zwar auch drauf hat, die bei ihr jedoch eine ganz eigene Qualität haben, ähnlich wie auch beim NOVATION CIRCUIT.

Ich habe MONIQUE recht freche Äußerungen zu entlocken vermocht, die ich eher einem DX7 (das erwähnte ich ja schon) oder (etwa bei resonierenden Filtern) meinem früheren JD-800 (mit Distortion-Effekt und einer dieser “härteren” Wellenformen, Nummer 32 oder 33, ich weiß es nicht mehr so genau, habe meinen JD-800 schon Ende der 90er verkauft) zugetraut hätte, nicht aber einem zarten Mädchen… Bisweilen meinte ich auch Anleihen an die alten VZ-Synthies von CASIO (die waren deutlich besser, als die bekanntere CZ-Serie…) zu hören.

Neben solch harscherem Digitalkram, nach dem man sich zu alten EBM-Zeiten sicherlich die Finger geleckt hätte, punktet MONIQUE vor allem auch in bewegten und sich wandelnden Klängen und Sequenzen, nicht zuletzt dank des Morph Mixers und des Arpeggiators, aber auch der flexiblen Filter-Modulationen wegen.

Es folgen die obligatorischen Klangbeispiele. Dabei handelt es sich jeweils um einzelne Presets, die ersten drei davon habe ich während des Tests gebastelt, während ich mich für die restlichen zehn bei den mitgelieferten Werkspresets bedient habe (zum Teil sind diese bereits per Arpeggiator automatisiert, kommen also inklusive einer Sequenz).

Das erste Beispiel besteht aus einem einfachen Sequencer-Sound mit FM-Anteil, bei dem nur eine einzelne Filter-Sektion bemüht wird. Während die Sequenz läuft, drehe ich allmählich den Distortion-Effekt von null auf einhundert Prozent, man kann dabei gut hören, wie der Klang zunehmend obertonreicher und aggresiver wird. Beim zweiten Beispiel habe ich einen Sound mit drei parallel verknüpften Filtern (links ein Bandpass, in der Mitte ein Hochpass und rechts ein Tiefpass) zurechtgedreht, damit Ihr diese gehörmäßig besser trennen könnt, habe ich sie einzeln nacheinander moduliert. Für das dritte Beispiel habe ich einen Effektklang nur aus selbstresonierenden Filtern und ohne die Mitwirkung der Oszillatoren gebastelt. Anschließend hört ihr, wie ja bereits erwähnt, eine kleine Auswahl an Werksklängen, die MONIQUE mit zu unserem Rendevouz gebracht hatte.

 

 

Auf MONIQUES Webseite präsentiert MONOPLUGS übrigens noch eine Reihe an Demotracks, die insbesondere die Tauglichkeit MONIQUES in diversen populären elektronischen Musikstilen verdeutlichen.

 

Fazit:

Tja, die gute MONIQUE ist bestimmt kein Mädchen für eine Nacht, also schminkt Euch eventuelle Begehrlichkeiten in diese Richtung am besten gleich wieder ab! Sie steht generell zwar durchaus auf Fummeln, das ist es ja gar nicht, aber Mademoiselle legt dabei schon ziemlich Wert darauf, dass man Ihre Individualität respektiert, ihr seine Zeit widmet und auf ihre Charaktereigenheiten eingeht, wie die Weibsbilder eben so sind… 😉

Wenn man sich darauf einzulassen vermag, dann belohnt MONIQUE einen mit einer sehr hohen Flexibilität und Ausdrucksstärke. Bisweilen vergisst man dabei sogar schon mal, dass sie ja eigentlich nur einstimmig ist. Für sesshafte Studiofrickler macht MONIQUE gerne auf fleißige Housefrau, und dem live agierenden Musiker offenbart sie sich als wildes Partygirl.

Als Synthesizer präsentiert sich MONIQUE sehr modern, sowohl von ihrem Grundklang her, der nicht zuletzt auch durch die an verschiedene Stellen im Signalweg eingeschleiften Auto-Kompressoren bereits ohne weitere Nachbearbeitung sehr durchsetzungsfähig und auch mit ordentlich Druck auf den Hupen daherkommt, als auch von ihrer technischen Seite, etwa der Touch Screen-Fähigkeit und der Fähigkeit auf multiplen Plattformen lauffähig zu sein, inklusive Linux. Modern ist auch der Morph Mixer, der nicht nur im Live-Betrieb für allerhand Bewegung im Klanggeschehen sorgen kann. Dagegen sind die von mir unten aufgeführten negativen Punkte eher als marginal anzusehen, zudem werden sie laut MONOPLUGS demnächst per Update aus der Welt geschafft.

Mancher würde sich vielleicht zwar auch noch einen polyphonen Modus wünschen, aber für einen ausgewiesenen Bass-, Lead- und FX-Synthie ist sowas eigentlich nebensächlich, und MONIQUE will auch keine Flächenkleistermaschine sein. Eine Mehrstimmigkeit dürfte wiederum für einen gehobeneren CPU-Bedarf sorgen, und auf diesen wollen wir gerne verzichten.

Bis zum 18.04.2016 gibt sich Euch MONIQUE noch zum Einführungspreis von 79,- Euro hin, danach will das Frollein gerne 99,- Euro auf die Kralle, pardon, auf das zarte Händchen haben.

Wer sich vor einer endgültigen Eheanbahnung erst einmal vergewissern möchte, ob ein Zusammenleben mit MONIQUE überhaupt tragbar ist, der kann vorab ein ausgiebiges Probewohnen mittels der Demoversion arrangieren. Diese ist voll funktionsfähig, lediglich das Speichern von Klangeinstellungen sowie der Audio-Export ist nicht möglich. Ja, ich weiß, natürlich könnte man, mit einer passenden Audiokarte oder entsprechenden Softwaretools ausgestattet, immer noch MONIQUES Ausgangssignal in ein externes Aufnahmeprogramm umleiten und dann damit absamplen, aber so ein umständliches Gefrickel tun sich doch sowieso nur Sparfüchse an, die auch ihr Toilettenpapier stets beidseitig verwenden, die ihre gebrauchten Ohrstäbchen den Nachbarskindern als Lutscher schenken und deren Camembert  im Kühlschrank bereits die Klonkriege mitgemacht hat und erst entsorgt wird, wenn er durch Selbstentzündung den Rauchmelder auslöst… 😉

 

Positives:
+ durchsetzungsfähiger Grundklang
+ durchdachte Klangarchitektur
+ sehr flexible Filter
+ Morph Mixer
+ Arpeggiator/Step-Sequencer
+ Für Windows, OSX und Linux verfügbar
+ moderate Rechnerbelastung
+ MIDI-Learn-Funktion
+ Parameteränderungen per Scroll-Wheel möglich
+ geeignet für Touch Screen
+ Offline-Aktivierung möglich

 

Negatives:
Keine Begrenzung der Anschlagsdynamik möglich
Kein Keyboard-Tracking für die Filter
Keine Bypass-Funktion für die Effekte
(Diese Features sind für ein Update geplant.)

 

Produktwebseite: http://monique.monoplugs.com/

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