Testbericht: XLN – Addictive Keys

Die in Stockholm / Schweden ansässige Firma XLN Audio wurde bekannt durch ihr Produkt Addictive Drums, nun legen die Schweden noch einen drauf und präsentieren Addictive Keys das sowohl als Standalone Version wie auch als Audio Plugin für den Einsatz in der DAW fungieren kann.

Wie der im Produktnamen versteckte Hinweis „Keys“ schon vermuten lässt, haben wir es mit einer Tasteninstrumenten Emulation zu tun, wir finden in Addictive Keys drei verschiedene Instrumente, ein Konzertflügel, ein Klavier und ein E-Piano, somit ist für viele Keyboarder schon der Grundstock an Instrumenten abgedeckt.

In Zukunft sollen weitere Instrumente bereitgestellt werden. Interessant ist das XLN nicht nur schon eine Menge an brauchbaren Presets mitliefert, sondern das die drei Instrumente extrem im Klang verändert werden können, so das man zum Beispiel mit dem Konzert-Flügel „Smoke on the Water“ spielen kann und es klingt nach verzerrter E-Gitarre. Aber langsam und der Reihe nach.

Wer XLN Addictive Keys nutzen möchte benötigt einen Internet Anschluss, und zwar möglichst einen von der schnelleren Sorte, ansonsten kann es bei der Installation grausig werden, da knappe 4 Gigabyte durch das Internet gepresst werden müssen. Dazu nutzt XLN einen eigenen Installer der nach Eingabe des Produktschlüssels, welchen man käuflich erwerben muss, die Daten aus dem Internet lädt, XLN erlaubt dabei freundlicherweise den Einsatz von Addictive Keys auf zwei Computern gleichzeitig.

XLN-Online-Installer
XLN-Online-Installer

Allerdings ist es bedingt durch den Installationsprozess notwendig die knapp vier Gigabyte bei jeder Installation erneut aus dem Internet zu ziehen. Neben der Plugin- und Standalone Version installiert XLN auch gleich einen Zugang zu MyCloud an, in dem hier kostenfrei zur Verfügung gestelltem Internet Speicherplatz könnt Ihr Eure Presets ablegen, um diese auf zwei Computern gleichzeitig im Zugriff zu haben oder um die Presets mit anderen Addictive Keys Nutzern zu tauschen.

Der Aufbau von XLN Addictive Keys

Nach einem enorm zügigen Start, die Geschwindigkeit habe ich bisher bei noch keinem Piano Plugin erlebt es sind schätzungsweise 5 – 7 Sekunden dann kann der erste Ton auch schon gespielt werden, erscheint die Bedienoberfläche von AK (ich kürze das jetzt mal ab AK = Addictive Keys). Seltsamerweise wird der erste gespielte Ton quasi eingefadet, beser gesagt der erste Ton hat eine weiche Einschwingungsphase, als ob wir den Attack Regler in der Envelope Hüllkurve voll hochgefahren hätten, beim zweiten Ton ist das Phänomen dann aber auch schon wieder verschwunden.

Die Explorer Maps

Zurück zur Bedienoberfläche, auch bekannt als GUI (Graphical User Interface ), hier sehen wir nach dem Start einen Konzertflügel, insgesamt können hier die drei in AK enthaltenen Instrumente, in wiederum drei verschiedenen Explorer Maps dargestellt und bearbeitet werden.

XLN-Addictive-Keys Review
XLN-Addictive-Keys Producer

Über einen Button mit der Bezeichnung „View“ können auch alle neun Explorer Maps insgesamt angezeigt werden. Wir finden also die drei Instrumente, angefangen bei dem Konzertflügel über ein Klavier bis hin zum E-Piano, mit Pfeiltasten, die nach rechts und links zeigen, können wir zwischen diesen Instrumenten wählen. Sobald eines der Instrumente ausgewählt ist, können wir eine der drei verschiedenen Explorer Maps auswählen.

Als Erstes finden wir die Explorer Map namens Producer, hier kann ein Presetsound ausgewählt und dieser mit einer überschaubaren Anzahl an Macro Reglern klanglich angepasst werden. Was mir sehr gut gefällt ist das bei der Presetauswahl immer ein kleines Musikbeispiel angespielt wird, diese Beispiele können auch beim Speichern eigener Presets selbst angelegt werden. Die Funktion kann allerdings auch über einen kleinen unscheinbaren Button unten rechts namens „Preview“ abgestellt werden.

Insgesamt finden wir im Producer Modus sieben Grundpresets und vier Macro Parameter (beim Konzertflügel: Tone, Soft/Hard, Timbre und FX) zur klanglichen Anpassung, die Art der Parameter ist dabei abhängig vom gewählten Instrument.

Schauen wir uns den nächsten Modus an, dazu klicken wir oben rechts auf „Gallery“ und dann auf „as recorded“, auch hier finden sich wieder verschiedene Voreinstellungen (Presets) insgesamt können wir zwischen acht Einstellungen wählen. Es handelt sich hierbei um verschiedene Aufnahmesituationen, wie z.B.: Deckel offen oder zu, unterschiedliche Mikrophonierung und die Stärke des Raumanteils.

Review XLN-Addictive-Keys
XLN-Addictive-Keys As recorded Upright Piano

Als nächster Modus wartet „Selections“ auf, hier können wir aus 15 Presets wählen die sehr gut darstellen, wo bei AK der Hammer hängt, teilweise sind hier sehr überzeugende Klänge enthalten, die auch Klangbastler zum Staunen bringen dürften. Vom Horrorszenario bis hin zum über eine Fuzzbox gespielten Konzertflügel, hier ist neben den durchsetzungsfähigen Konzertflügelpresets auch allerlei verrücktes Klangmaterial vorhanden.

Die Presetverwaltung:

Bisher hatten wir es in den Explorer Maps von AK nur mit Presets zu tun, davon bietet Addictive Keys (wollen wir es mal wieder ausschreiben… ) allerdings noch sehr viele mehr, und zwar in der Presetverwaltung die sich, in der GUI oben links befindet. Hier werden die enthaltenen Presets der drei Instrumente sehr übersichtlich geordnet dargestellt. Wiederum gibt es für jedes Preset ein kleines Musikbeispiel, wir können zudem wählen ob wir nur die mitgelieferten Presets, nur die eigenen Presets oder beides in der Liste sehen wollen.

XLN-Addictive-Keys- Mark One
XLN-Addictive-Keys- Selections Mark One

Die Memofunktion:

Eine ganz feine Sache ist auch die Möglichkeit eine Idee „mal eben“ aufzuzeichnen, dazu dient der Memo Button oben links. Ein Klick darauf und losgespielt, ein weiterer Klick und das Memo wird abgespeichert und sogar in die MyCloud im Internet hochgeladen, ein Metronom wäre hier vielleicht noch wünschenswert gewesen, es hat ja nicht jeder einen Taktgeber im Kopf eingebaut, aber gut für das Schnelle Aufzeichnen einer Idee ist diese Funktion bestens geeignet!

Grundeinstellungen:

Den Audioausgang und die Midi Einstellungen können über den Button ganz oben Links mit der passenden Aufschrift „Audio Settings“ vorgenommen werden. Neben der Auswahl des Device Types (ASIO, Direct Sound, Windows Audio) ist hier auch die zu verwendende Samplerate und die Größe des Audio Puffers regelbar.

XLN-Addictive-Keys Edit Modus
XLN-Addictive-Keys Edit Modus

Der Editiermodus:

Kommen wir nun zum umfangreichsten und mächtigsten Part von Addictive Keys, der Bearbeitungsmodus für die Klangschrauber und Tüftler, es sei vorausgeschickt, dass ich diese Menge an Möglichkeiten und Effekten nicht unbedingt bei einer virtuellen Piano Emulation vermutet hätte. Aber der Reihe nach. Oben im rechten Bereich befinden sich die drei Buttons: Gallery, Explore und Edit, nach Klick auf Edit befinden wir uns im Bearbeitungsmodus.

Oben links können wir eines der drei Instrumente auswählen oder wir starten unseren Klangbearbeitungsprozess mit einem der enthaltenen Presets. Dabei habe ich etwas, meiner Ansicht nach, Geniales herausgefunden, wenn wir ein Preset vom Mark One, also dem E-Piano laden, welches mit Phaser und Chorus als Lounge Sound aufgepeppt ist und dann das Instrument oben links z.B. auf Konzertflügel (Studio Grand) verändern, bleiben die gesamten Einstellungen des Mark One nun für das Studio Grand Instrument erhalten, eine feine Sache so kann der E-Piano Lounge Sound durch Austausch des Instruments ein ganz neues Klangverhalten erlangen, somit sind extrem verrückte Sounds möglich.

Fußabtreter:

Weiter geht es mit den Einstellungen für die drei Fußpedale, hier können die Softness, das Sustain und die Geräusche die eine tatsächliche Pedalmechanik verursachen würde eingestellt werden. Mit dem „Velocity to Samples“ Regler kann eingestellt werden inwiefern AK die Anschlagstärke zum umschalten zwischen den verschiedenen Anschlagsstärken Sample- Schichten nutzt.

Sample Playback Sektion:

XLN-Addictive Keys-Edit-1
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Weiter geht es mit der Tonhöhen-, Filter- und Lautstärken-Sektion, alle drei bieten eine ADSR Hüllkurve, die grafisch bearbeitet werden kann. Die Tonhöhensektion kann das gewählte Iunstrumente eine Oktave höher oder tiefer einstellen, was unter Umständen eine feine Sache für Besitzer von 61 oder 49 Tasten Masterkeyboards sein kann, weiter geht es mit dem „Dissonance“ Regler. Dieser kann die Stimmung des Konzert-Flügels (oder des Klaviers bzw. E-Pianos) ordentlich versemmeln, ist dieser Regler voll aufgedreht treibt ihr damit jeden Mitbewohner aus dem Haus und versammelt wahrscheinlich alle Klavierstimmer aus der näheren Umgebung vor eurer Bleibe: Ok Spaß beiseite bis zur Mitte hin aufgedreht macht dieser Regler wahrlich Sinn, weil ein Klavier oder ein Flügel nun mal akustische Instrumente sind, die umweltbedingt nicht 100% gestimmt sein können. Es sei denn, ihr habt ne Flatrate mit Eurem Klavierstimmer abgeschlossen. Will sagen ein wenig Dissonanz macht den Klang authentischer.

Der Regler Sampleshift greift in die Obertonstruktur des Klanges ein, ehrlich gesagt konnte ich den Sinn hier nicht wirklich finden, also wer es braucht, der wird hier fündig. Als Nächstes finden wir noch zwei Regler für das Vibrato, der obere regelt die Geschwindigkeit des Effektes und der Untere den Effektanteil. Wobei wir hier wieder eine recht nützliche AK Innovation finden, neben dem Regler befindet sich ein kleiner Kreis mit diesem stellen wir das Verhalten ein das der zugehörige Regler ausführt, wenn wir zum Beispiel das Modulationsrad an unserem Keyboard betätigen, hier sind sowohl negative wie auch positive Werteänderungen möglich.

Bei den Filtereinstellungen finden wir einen Ein/Aus Schalter der die Filter aktiviert oder deaktiviert und vier verschiedene Filtertypen als da wären LowPass12 & 24 sowie HighPass12 und Bandpass12. Natürlich fehlen bei den Filtereinstellungen die üblichen Verdächtigen namens Cuttoff, Resonance und Keyboard nicht, wobei erfreulicherweise der Cutoff Regler auch wieder z.B. dem Modulationsrad zugewiesen werden kann. Als Nächstes haben wir die Volume Sektion hier kann die Anschlagsstärke und die Lautstärke anhand der auf dem Keyboard gespielten Taste geregelt werden, zusätzlich können wir hier bestimmen, ob die einzelnen Samples ausklingen dürfen oder abrupt enden, wenn wir die gespielte Taste loslassen. Eine Hüllkurve haben alle drei Sektionen, wie ich schon weiter oben angerissen hatte.

Stripp Kanal … Ähh Channel Strip:

Addictive Keys verfügt über einen eingebauten Channel Strip, beginnend mit der Input Sektion können wir je nach Instrument, (weder das Klavier noch der Konzertflügel haben einen Line Out, das E-Piano ist allerdings ohne selbigen schlichtweg unbrauchbar), die Eingangsquellen wählen, bei den beiden akustischen Vertretern Flügel und Klavier sind das verschiedene Mikrofone, welche allerdings fest im Aufnahmeraum platziert sind, ich hatte es rein intuitiv versucht die Mikroständer im Raum zu bewegen, ging leider nicht, da diese festgetackert sind. Die virtuelle Mikrofonauswahl lässt des Tontechnikers Herz sicher höher schlagen, zumindest dann, wenn er diese Schätze in realer Form besitzen würde. Das sieht mir hier schwer nach einigen Neumann Legenden aus, die Bändchen Mikrofone könnten von EMI stammen, ich weiß es nicht genau. Wir haben einge Tube Mikrophone, zwei Bändchenvarianten, zwei Grenzflächen Mikros eine DI Box und einen Line Ausgang zur Verfügung wobei Line Out und DI Box nur beim E-Piano zur Verfügung stehen und die Grenzflächen für den Flügel nicht verfügbar sind.

XLN-Addictive Keys-Edit-Channel Strip
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Insgesamt können wir drei Eingangsquellen bei jedem der Instrumente kombinieren und diese unterschiedlich im Pegel anpassen sowie auf die integrierten Effekte routen. Die Effekte stammen von PSP Audioware und umfassen ein Delay und Reverb, hier kann zwischen einer Hallplatte, Raum, Ambience und Hall gewählt werden. Für jeden Effektkanal steht auch eine parametrische Equalizer- Einheit zur Verfügung.

XLN-Addictive Keys-Edit Mischsektion
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Ein Fader regelt den Effekt stufenlos zwischen Delay und Reverb pro Effekteinheit. Für jeden der Input Channels stehen verschiedene weitere Effekte bereit, Tremolo, Chorus, Phaser und Compressor mit Röhrensättigung sind jeweils Pre EQ und Post EQ verfügbar. Die Mastersektion bietet noch einmal den gleichen Aufbau. Zusätzlich verfügen die drei Einganssektionen wie auch der Masterkanal über ein Noise Modul mit dem sowohl eine Verzerrung, wie auch unter anderem ein Vinylknistern dem Sound hinzugefügt werden kann. Eine Grafik unten links zeigt uns das gewählte Instrument und die verwendeten Eingangsquellen an.

XLN-Addictive Keys-Edit-FX
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Session Settings:

Über die Session Settings kann unter anderem die Art der Stimmung der Instrumente festgelegt werden, also Werckmeister oder Kirnberger usw. Auch eine eigene Stimmung kann hier erstellt werden welche dann als Vorgabe gespeichert werden kann.

Zum Klang:

Es ist erstaunlich wie schnell Addictive Keys die Instrumente lädt, der Klang ist gut und authentisch, im Vergleich mit einigen anderen hochpreisigen Piano Emulationen mussten wir jedoch feststellen das die Messlatte noch ein wenig höher gelegt werden kann. Begeistert hat uns allerdings der Sound des Mark One E-Pianos, hier stimmt wirklich alles, der Flügel ist kernig und durchsetzungsfähig und das Klavier spielt auch schon in der Oberliga mit. AK gewinnt durch die vielfältigen Möglichkeiten den Klang in der Editier Sektion zu formen, hier werden wirklich sehr viele Möglichkeiten geboten.

Klangbeispiel XLN Addictive Keys- Studio Grand

Klangbeispiel XLN Addictive Keys- Upright Piano

Klangbeispiel XLN Addictive Keys – Mark One

FAZIT:

Ein tolles Produkt zu einem absolut fairen Preis mit gewaltigen Möglichkeiten und sehr vielen absolut brauchbaren Presetsounds. Wer sich nicht zwischen einem virtuellen E-Piano, Klavier oder Konzertflügel entscheiden kann, der bekommt hier für knapp 180,- Euro alle drei zusammen und kann auch noch umfangreich an den Klängen schrauben. Zudem ist die Integrierung von MyCloud sowie die Möglichkeit AK auf zwei Computern legal verwenden zu dürfen, lobend hervorzuheben. Das Einfaden der ersten Note beim Start oder Instrumentenwechsel nervt ein wenig, ist aber sicherlich mit dem nächsten Update bereits behoben, OK ich meckere hier auf hohem Niveau denn dafür ist die Ladezeit von AK absolut spektakulär und kann nur von Moddarts physical Modelling Plugin Pianoteq geschlagen werden, uns ist kein auf Sampling basierendes virtuelles Piano bekannt, das derart schnell „spielfertig“ ist.

Testumgebung:

  • DELL Inspiron Intel-Celeron Dual Core
  • 3GB Speicher
  • Windows 7 64 Bit
  • Edirol UA4 FX Audio Interface
  • Yamaha NS10M Abhöre an Telefunken AMP
  • 88 Tasten gewichtetes Masterkeyboard FAME 88 KX88HC
Bewertung nach Schulnoten:

  • Klang: Gut bis sehr gut (1,8)
  • GUI: Gut (2)
  • Klangvielfalt: Sehr gut (1)
  • Preis/ Leistung: Gut (2)

Gesamtnote: 1,7 = GUT

Weitere Infos findet ihr bei: www.xlnaudio.com

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