Update Review: Realitone „Fingerpick 2.0“

Ein Testbericht von Klaus Feurich
Veröffentlicht am 28.08.19

Es ist jetzt auch schon wieder einige Tage mehr her, aber Mike von Realitone hat tatsächlich vor einiger Zeit den virtuellen Fingerpick-Spezialisten namens „Fingerpick“ auf eine neue Vollverionsnummer aktualisiert.

Also wollen wir auch da mal einen kurzen Blick drauf werfen, wie viel sich da tatsächlich getan hat, und ob sich ein Upgrade von v1 oder v1.4 lohnt.

Vorab: den ausführlichen Test von mir zu „Fingerpick 1.0“ findet ihr hier: https://www.buenasideas.de/test/musikproduktion/plugins/virtuelle-instrumente/flinke-finger-testbericht-fingerpick-von-realitone-fuer-kontakt-5/

Fingerpick? Fingerpick!

Für die, die nicht direkt den ganzen „alten“ Test der v1 lesen wollen eine kurze Einführung, was wir hier eigentlich haben:

„Fingerpick“ von Realitone ist eine samplebasierte Library für „Kontakt“ von Native Instruments. Als Instrument haben wir hier eine akustische Gitarre, die in der Standardversion der Library mit Stahlsaiten – sowohl 6 als auch 12-saitig – bespannt ist. Das klingt im ersten Moment erst einmal völlig unspäktakulär, aber bei „Figerpick“ ist etwas ganz Entscheidendes anders als bei anderen Gitarrenlibraries.

Der große Unterschied zu den meisten anderen Gitarrenlibraries ist nämlich der integrierte Patternplayer, also quasi ein mitgelieferte Gitarrist, der aus der reinen Samplelibray eigentlich erst den Saitenvirtousen macht. Und wie gut das funktioniert hat mich ja schon bei der v1 überrascht und begeistert. Aber natürlich lassen sich alle Saiten auch einzeln ohne Pattern spielen, aber der Patternplayer ist halt das, was diese Library so besonders macht.

Wie das in der Praxis funktioniert?! Einfach in dem entsprechenden Tastaturbereich einen Akkord mit mindestens 3 Tönen greifen und der Tüp zupft dank erstklassiger automatischer Akkorderkennenung los. Inklusive verschiedener Endings. Dabei lassen sich bis zu 11 verschiedene Pattern per Keyswitch umschalten.

Was und wie sich das konfigurieren lässt, seht ihr auf der folgenden Grafik

Und da „Fingerpick“ eine offiziell von NI lizensierte Library ist, braucht ihr nicht die Vollversion von Kontakt, sondern es reicht der „kleine“ Player. Der natürlich im Bundle auch direkt mit der Library daher kommt.

Das wäre jetzt der Moment, um dann doch einmal kurz in den Test der v1 zu schauen 😉

Der aktualisierte Gitarrist mit neuer Gitarre und neuen Saiten

Jetzt also v2.0. Und dabei natürlich in erster Linie die Frage, was hat sich geändert?! Zum Glück: NICHTS.

Äh, moment, Feurich, warum dann das Update?!

Ganz einfach: Es ist eine ganze Menge DAZU gekommen. Und das lohnt sich. Definitiv.

Geblieben ist somit eine hervorragend gesampelte Stahlsaitengitarre (Steelstring) mit echten 6 bzw. emulierten 12 Saiten, ein großartiger Patternplayer und alles das, was ich in v1 schon so gelobt habe. Also hier.

Und was ist dann dazugekommen?

Im Einzelnen:
Statt der bisherigen 29 Pattern für den Player gibt es jetzt doppelt so viele. Davon jetzt auch einige mehr in 6/8 und 3/4. Die sich jetzt auch komfortabel als Preview per Pfeilicons durchsteppen lassen, ohne sie jeweils erst auf einen Keyswitch legen zu müssen.

Außerdem endlich ein „Latch“-Modus. Man muss also nicht mehr die ganze Zeit einen Akkord fürs Pattern gedrückt halten. Wobei sich Latch on bzw. off auch per Keyswitch steuern lassen. Oder in dem man einfach drei aufeinanderfolgende Tasten im Patternbereich drückt. Auf die gleiche Art und Weise lässt sich auch das Nachklingen der Saiten stoppen. Schön.

Dazu kommen neu die „Squeak“-Samples. Das sind die Geräusche, die ein Gitarrist macht, wenn er mit den Fingern beim Akkordwechsel über die Saiten rutscht. Die lassen sich ebenfalls per Keyswitch in verschiedenen Variationen spielen, oder man lässt das den „Auto-Squeak-Modus“ übernehmen. Wobei sich da beeinflussen lässt, wie oft es „squeakt“. Und vor allem ist die Automatik so intelligent, dass es nur „squeakt“, wenn auch der Grundton des Akkords sich ändert. Also nur dann quietscht, wenn auch tatsächlich ein Umgreifen stattfinden würde. Gut mitgedacht. Hat bei mir einwandfrei funktioniert.

Was fehlt noch, was man mit einer akustischen Gitarre machen kann, was bei der v1 nicht dabei war?! Na?!

Richtig! Auf einem echten Holzkorpus kann man rum klopfen und Fingerdrumming betreiben. Und ja, genau das geht jetzt auch bei „Fingerpick“! Immerhin 12 verschiedene Samples sind hierfür als Block auf dem Keyboard ablegbar.

Außerdem dazugekommen: ein Mixer. Mit dem sich nicht nur Lautstärke, Tuning und Panoramaposition der einzelnen(!) Saiten einstellen lassen.

Nein, es kommt eine weitere wichtige Neuerung hinzu: „Fingerpick“ gibt es jetzt auch in „klasicher“ Bespannung mit Nylonsaiten. Und das lässt sich im Mixer auswählen, ob man eine Steelstring oder eine mit Nylonsaiten bespannte Gitarre spielen lassen möchte. Und, noch viel krasser, die Gitarre lässt sich pro Saite anders bespannen. Sehr interessant.

Allerdings geht das tatsächlich nur, wenn man das „Steel & Nylon“ Bundle kauft. Die Standardversion umfasst nach wie vor nur die Steelstring. Den Mixer gibts da aber natürlich auch.

Und noch ein schönes Feature ist hinzugekommen:
Man kann die Bereiche der Keyswitches jetzt individualisieren. Und zwar komplett. Es sind also nicht nur neue Bereiche hinzugekommen, zum Beispiel für die „Squeaks“ oder die „Knocks“, nein, ihr könnt die Bereiche auch frei verschieben.

Sehr schön im Screenshot zu sehen: Kontakt bzw. die Library nutzt dabei sogar die Größe des verwendeten Keyboards. Und noch viel schöner, etwas das bei einigen anderen Libraries einfach fehlt, ich kann selbst bestimmen, welche Bereiche für mich wichtig sind. Und nicht, wie eben bei anderen, dann dumm da stehen und einfach Keyswitches nicht nutzen, weil sie einfach nicht auf meinem Keyboard auftauchen. Denn immerhin hat nicht jeder ein 88 Tasten hammerweighted Monster zuhause stehen. Danke.

Zusammenfassung

Mit dem Update hat Mike von Realitone der „Fingerpick“ Library einige wichtige Ergänzungen spendiert.

Die Bedienung und der Spielspaß ist wie in der v1 gegeben, der Klang sowieso. Schön dabei, dass der „virtuelle Gitarrist“ seine Skills verbessert hat und jetzt mehr Pattern kennt und noch dazu ein bisschen gelernt hat, dass auch eine Gitarre als Perkussioninstrument taugt 😉

Aber grade auch die Ergänzung um das berüchtigte „Saitenquietschen“, welches man ja eigentlich zu vermeiden versucht, geben der Library einiges mehr an Authentizität. Mir gefällt so was ja immer extrem gut.

Was mir tatsächlich immer noch ein wenig fehlt, ist die Artikulation der Gitarre mit abgedämpften Saiten, wie es durch das Auflegen des Handballens erreicht wird. Vielleicht wäre das ja eine Anregung für die v3, lieber Mike.

Hervorheben möchte ich noch ein Feature, dass mich insgesamt sehr gefreut hat und bei dem ich mir wünschen würde, dass dies vielleicht auch von anderen Libraries in Zukunft öfter mal in dieser Einfachheit verwendet wird: die freie Konfiguration der Tastaturbereiche durch einfaches Drag and Drop. Grade das ist ein Gebiet, bei dem ich es bei vielen Libraries immer ein wenig ärgerlich finde, dass Keyswitches nicht erwendbar sind, weil das verwendete Masterkeyboard einfach nicht genügend Tasten hat und ein Umprogrammieren meist nur mit recht hohem Aufwand möglich ist. Wie einfache es aber tatsächlich machbar wäre, zeigt Mike von Realitone hier sehr eindrücklich. Super.

Demovideo

Und ganz zum Schluss lassen wir euch Mike das Ganze auch noch einmal schön anschaulich darstellen:

Fazit

Ich bleib dabei. Wie auch bei der v1 von „Fingerpick“ finde ich die flinken Finger des virtuellen Gitarristen und Patternplayer faszinierend von seinen Möglichkeiten her. Und gut klingen tuts natürlich auch. Wie schon in der v1.

Dabei kommen mit dem Update auf die Version 2.0 noch einige interessante und vor allem sinnvolle Features hinzu, wie die freie Belegung des Keyboards und der Mixer.

Und bei dem Preis für das Upgrade von der v1 auf die v2 grade einmal 10$ haben wir hier eigentlich einen absoluten „no Brainer“. Auch wenn die Empfehlung natürlich ist, direkt das Bundle zu nehmen und damit auch den Nylonsaiter dabei zu haben.

Und wer „Fingerpick“ noch nicht hat:
Für nicht ganz 90$ bekommt ihr das Bundle mit dem Patternplayer, beiden Gitarren und jede Menge einzigartigen Spaß im Bereich akustische Gitarre im Fingerpickingstyle.

Bezugsquellen

„Fingerpick 2.0“ von Realitone ist direkt über die Webseite des Herstellers zu beziehen:
https://realitone.com/products/fingerpick-2-0

Preise
Upgrade von v1 auf v2 „steel-only“: 10$
Upgrade von v1 auf v2 „bundled“: 40$

Vollversion: 89,95$


Klaus Feurich Über Klaus:
Musiker und Techniker: Keyboards, Gitarre, Sounddesign, Ton- und Studiotechnik, Computertechnik
http://lunymarmusic.com

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