Ein gemeinschaftlicher Testbericht von
Perry Staltic und Stefan Federspiel,
veröffentlicht am 15.03.2026
KI-FREIER INHALT!

Nachdem ARTURIA bereits im vergangenen Jahr seiner V COLLECTION ein Upgrade verpasst hat und seitdem in zwei unterschiedlich großen Versionen anbietet, ist nun heuer die FX COLLECTION an der Reihe. Als FX COLLECTION 6 PRO ist ihr Umfang um fünf weitere Plugins angewachsen, von denen zwei wieder brandneu sind, und als FX COLLECTION 6 INTRO steht nun ebenfalls ein abgespecktes Bundle zur Verfügung.
Beim vorliegenden Testbericht hatte ich wieder einmal tatkräftige Hilfe von Redaktionskollege Stefan Federspiel, der sich insbesondere mit BUS TRANSIENT (wie zuvor auch schon mit MIX DRUMS) eingehend beschäftigt hat und Euch seine Eindrücke dazu schildert.
Da wir in diesem Testbericht nur die Neuzugänge des Bundles berücksichtigen, verweise ich einmal mehr auf unsere früheren Veröffentlichungen zu den Vorgängerversionen. Erst mit diesen ergibt sich ein vollständiges Bild:
Gleichschaltung…
So unterschiedlich die einzelnen Plugins in der FX COLLECTION auch sein mögen, in einigen basalen Merkmalen gleichen sie sich alle.
Sie sind für 64-Bit-Systeme in den Plugin-Formaten VST, VST3, AAX und AU verfügbar und darüber hinaus kompatibel zum von NATIVE INSTRUMENTS entwickelten Standard NKS. Für macOS nennt ARTURIA als Mindestvoraussetzung Version 11, bei WINDOWS ist es Version 10. Möglicherweise laufen die Plugins inoffiziell auch noch unter älteren Versionen, so wie es früher schon der Fall war, getestet haben wir dies jedoch nicht.

Wir haben uns zudem wieder nur auf die VST-Varianten für WINDOWS beschränkt, weil wir nun einmal mit derartigen Systemen in unseren Heimstudios arbeiten.
In meinem Fall verhielten sich sämtliche Plugins des Bundles auf dem betagten Testrechner (i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 GB RAM), Betriebssystem WINDOWS 10) erfreulich unauffällig, was ihren Ressourcenbedarf anging.

Um die Plugins von ARTURIA auf dem eigenen Rechner freizuschalten, benötigt man ein separate App namens ARTURIA SOFTWARE CENTER, kurz ASC. Wer keine Lust hat, sich die Setupdateien der einzelnen Plugins auf der Webseite zusammenzusuchen, herunterzuladen und nacheinander zu installieren, was ja durchaus ebenfalls möglich ist, der kann dies auch über das ASC erledigen, vorausgesetzt, der Host-Rechner verfügt über eine aktive Internetverbindung. Auch Updates lassen sich auf diese Weise einspielen.
Alternativ dazu lässt sich eine Aktivierung über das ASC auch offline durchführen. Man kann die FX COLLECTION 6 PRO auf bis zu fünf verschiedenen Rechnern gleichzeitig aktivieren und verwenden.
Die Bedienoberflächen der Plugins sind allesamt skalierbar, entweder durch Ziehen mit der Maus oder durch die Auswahl der gewünschten prozentualen Stufe (50 Prozent bis 200 Prozent) im entsprechenden Menü.

Am oberen und am unteren Rand eines jeden Plugins befindet sich jeweils eine Toolbar. In der oberen Toolbar hat man Zugriff auf diverse globale Einstellungen (unter anderem auch die Skalierung), den Preset-Browser sowie die A/B-Funktionen, mit denen sich zwei alternative Parametereinstellungen miteinander vergleichen bzw. kopieren lassen.
Sofern das jeweilige Plugin über eine erweiterbare Bedienoberfläche mit zusätzlichen Funktionen verfügt, findet man hier auch die ADVANCED-Schaltfläche. Bei einigen Plugins, nicht bei allen, gibt es zudem einen Regler für die Gesamtlautstärke

In der unteren Toolbar gibt es ebenfalls sowohl pluginübergreifende als auch -spezifische Funktionen. Zu den Ersteren zählen der Bypass, das mehrstufige Undo/Redo und die Anzeige des Ressourcenverbrauchs in Prozent, zu den plugin-spezifischen die Einstellung der Oversampling-Qualität (diese bieten lediglich einige der Plugins im Bundle).
Nach wie vor wirbt ARTURIA auf seiner Produktwebseite zur FX COLLECTION mit „Echtzeit-Kontrollen“ und behauptet dort: „Jeder Parameter in jedem FX Collection-Plug-In kann deinem bevorzugten MIDI-Controller zugeordnet werden, um so deine Mix-Parameter sofort und praktisch fernzusteuern.“
Schön wär’s, aber dadurch, dass man dies einfach bei jeder Version erneut schreibt, wird es auch nicht wahrer. Es gibt weder ein Zuweisungsmenü für MIDI-Controller noch eine MIDI-Learn-Funktion. Diese ist ausschließlich den Instrumenten-Plugins von ARTURIA vorbehalten. Die Effekte beinhalten diese Funktion nicht.
Nur wenn die jeweils eingesetzte DAW über eine derartige Funktion verfügt, lassen sich die Parameter der FX COLLECTION damit fernsteuern, ansonsten schaut man in die Röhre.
Auch dass die Regler der FX-Plugins auf das Mausrad reagieren, die der Instrumenten-Plugins jedoch nicht, wird wohl eines der ungelösten Rätsel der Menschheit bleiben… 😉

Der Preset-Browser ist bei ARTURIA’s Plugins einheitlich gestaltet. Eine Suche nach Namen und Stichworten ist ebenso möglich wie eine Filterung der angezeigten Ergebnisse durch diverse Kategorien und Attribute, und auch das Erstellen einer persönlichen Favoritenliste ist vorgesehen.

Praktisch sind auch die sogenannten In-App-Tutorials, die ARTURIA in die Plugins integriert hat und die kurze Hilfstexte auf Englisch sowie grafische Hervorhebungen einzelner Funktionsbereiche beinhalten, um diese zu erklären, ohne dass man dazu extra das PDF-Manual bemühen muss. Der eine oder andere Anwendungstipp rundet die Tutorials ab. Beim allerersten Start eines Plugins bietet dieses von sich aus eine kleine Einführungstour an (die man aber auch übergehen kann).
Für die jüngsten Plugins in der FX COLLECTION 6 sind bisher noch keine deutschen Übersetzungen der PDF-Manuale verfügbar, dies ist jedoch wieder nur eine Frage der Zeit, bis sie nachgereicht werden. Für die älteren Plugins hingegen existieren durchweg auch deutsche Sprachversionen.

Nachfolgend noch eine Auflistung aller 39 in der FX COLLECTION 6 enthaltenen Plugins in alphabetischer Reihenfolge, die seit der Vorgängerversion neu hinzugekommenen Effekte sind dabei durch Fettschrift gekennzeichnet:
- BUS EXCITER-104
- BUS FORCE
- BUS PEAK
- BUS TRANSIENT
- CHORUS JUN-6
- CHORUS DIMENSION-D
- COMP DIODE-609
- COMP FET-76
- COMP TUBE-STA
- COMP VCA-65
- DELAY BRIGADE
- DELAY ETERNITY
- DELAY TAPE-201
- DIST COLDFIRE– DIST OPAMP-21
- DIST TUBE-CULTURE
- EFX AMBIENT
- EFX FRAGMENTS
- EFX MOTIONS
- EFX REFRACT– EQ SITRAL-295
- FILTER M12
- FILTER MINI
- FILTER MS-20
- FILTER SEM
- FLANGER BL-20
- MIX DRUMS
- PHASER BI-TRON
- PITCH SHIFTER-910
- PRE 1973
- PRE TRIDA
- PRE V76
- REV INTENSITY
- REV LX-24
- REV PLATE-140
- REV SPRING-636
- ROTARY CLS-222
- TAPE J-37
- TAPE MELLO-FI
Trommelschleuder…
MIX DRUMS macht schon mit seinem Namen klar, dass es sich dabei um einen Effekt handelt, der auf die Bearbeitung von Drum-Sounds und -Bussen spezialisiert ist. Dieses Plugin erschien bereits im letzten Jahr und einen ausführlichen Testbericht dazu hatte Stefan Federspiel im vergangenen Herbst veröffentlicht, siehe hier.
Angesichts dessen ersparen wir uns hier auch eine erneute Betrachtung von MIX DRUMS.

Auch der nachfolgende Abschnitt, der sich mit BUS TRANSIENT befasst, stammt aus der Feder von Stefan (kein Wortspiel beabsichtigt …).
Vorübergehende Verwendung…
BUS TRANSIENT kommt mit einem sehr übersichtlichen Interface daher. Alles, bis auf die Presets, ist direkt auf der Oberfläche sichtbar. Dennoch finden sich alle Funktionen, die ein gewöhnlicher Transient Shaper so haben kann, und diese erlauben auch Feineinstellungen, die den Output präzise in die Richtung biegen, die man gerade braucht.
Außerhalb der reinen Transient Shaper Funktionen findet sich ein Clipper am Ausgang, der bei extremen Einstellungen zusätzlich eine leichte Distortion erzeugt.
Schon luxuriös ist die mögliche Aufteilung in drei flexible Bänder, jedes Band mit dem gleichen Set an Transient- und Body-Parametern und für jedes Band eine eigene allgemeine Gain-Einstellung. Man kann die Bänder auch einzeln stumm schalten und es gibt sogar ein Monitoring für den Signalanteil, den der Shaper verändert.

Es ist also deutlich mehr Transienten-Gestaltung möglich, als in dem vor einem halben Jahr getesteten MIX DRUMS, das dafür aber viel mehr Möglichkeiten bei der Distortion und der Einstellung der Dynamik bietet. Dagegen ist BUS TRANSIENT ein sehr schlanker und purer Effekt.
Einzelheiten
Zu den bescheidenen, aber wirksamen Details von BUS TRANSIENT gehört die Sensivity-Einstellung des Inputs, die bestimmt, ab welcher Schärfe (nicht unbedingt Lautheit) der Shaper zugreift. Man kann so z. B. in einem gemischten Drumloop mit etwas Glück nur die zu scharfe Snare bei den Transienten absenken.

Die zentralen und wichtigsten Einstellungen sind die für Gain und Time bei Transient und Body, die den Anschlag eines Tons anheben und betonen oder abschwächen, den Ausklang verstärken oder absenken. Da man das entweder für ein gesamtes Frequenzband machen kann, was oft auch ausreicht, oder eben getrennt für drei, gibt es einen Spielraum, die Klarheit eines Sounds zu erhöhen oder ihn, wenn passend, weicher zu machen und in den Hintergrund zu drängen. All das innerhalb der engen Grenzen, die Transient Shaping nun mal setzt. Man kann damit keine anderen Drum-Sounds erzeugen, sondern nur etwas umgestalten. Extreme Einstellungen klingen schnell unnatürlich, das macht dann nur in manchen Zusammenhängen Sinn.

Das Display über diesen Einstellungen stellt über der Wellenform die Ausschläge oder Absenkungen, die man eingestellt hat, als zackige, schattierte Kurve dar. Das jeweils in der Farbe des Bandes, das man gerade bearbeitet, man bleibt damit also leicht orientiert, woran man gerade herummacht.

Wiederum darüber befinden sich die Bänder mit den Handles für die Einstellung der Crossover-Frequenz und der Lautheit, sowie der Button für das Stummschalten.
Die zwei Einstellungen für Tone darüber mit jeweils -100 bis 100% repräsentieren einen Tilt-EQ, der den Toncharakter von dunkel nach hell verändert. Das ist gegenüber MIX DRUMS sehr simpel, aber wohl meist ausreichend. BUS TRANSIENT ist hauptsächlich für einzelne Drum-Instrumente gedacht, funktioniert aber auch auf kompletten Drumloops oder tonalen Instrumenten.

Das Menü ganz oben links beinhaltet noch die Speicher- und Export-Befehle für die Presets und Einstellungen für die Fenstergröße und das Thema, das es auch in einer hellen Variante gibt. Eine A/B Vergleichsmöglichkeit ist noch rechts beheimatet.
Presets gibt es nicht viele, sie decken aber den Bereich ab, den man mit dem Plugin bearbeiten kann.
Ganz rechts ist der Output mit dem integrierten Clipper mit einer Hard- und Soft-Knee Option, den man auch ausschalten kann. Der Output-Regler dient als Dry/Wet Einstellung.

Ganz unten findet sich noch ein Bypass-Button und eine History der Parameterveränderungen und eine Anzeige der aktuellen Prozessorlast des Plugins.
Betontes
Meist verwendet man einen Transient Shaper um einen Anschlag zu betonen und/oder einen Ausklang zu verkürzen, was den Drums zu mehr Durchsetzungskraft verhilft. Hier gibt es keine automatische Gain-Kompensation, meist wird dabei auch das Signal insgesamt lauter. Der Clipper macht also an sich schon Sinn, je nachdem, wie laut das Eingangssignal ist.
Jedoch war ich während des Testens von BUS TRANSIENT ständig damit beschäftigt, den Gain der ganzen Effektkette einzustellen, denn die Lautstärkebegrenzung wird man eher einem Kompressor oder Limiter übertragen und das Signal im Gesamtkontext unter der Spitze des Mixes halten. Die Presets können eine stark unterschiedliche Lautstärke haben.
Besonders interessierte mich der Vergleich mit MIX DRUMS und ich verwendete BUS TRANSIENT für die Transienten-Bearbeitung, die ich in MIX DRUMS brachliegen ließ, während ich dort nur die Distortion und den EQ verwendete. In dieser Kombination ergänzen sich diese zwei Plugins hervorragend, weil man mit BUS TRANSIENT die Transienten viel feiner einstellen kann. Gut, in der Praxis reichen die Transienten-Parameter in MIX DRUMS meist völlig aus, es ist aber gut, die Möglichkeiten in der Hinterhand zu haben, falls man sie braucht.
Ich baute noch eine Effektkette, bei der ich MIX DRUMS durch den Distortion-Effekt DIST COLD FIRE und den Drum-Kompressor COMP VCA-65 ebenfalls von ARTURIA ersetzte. DIST COLD FIRE bietet noch mal deutlich mehr Distortion-Modelle, als MIX DRUMS – ob das Sinn macht, ist zwar fraglich, aber etwas andere Geschmacksrichtungen extremer Verzerrung bekommt man damit schon hin. Der Kompressor reagiert natürlich schon etwas anders als der Clipper in MIX DRUMS, etwas weicher, doch letztendlich ist der Unterschied subtil.
Die Unterschiede zwischen den Presets in der Lautstärke habe ich nur in Extremfällen nach oben oder unten korrigiert. Eine Transienten-Bearbeitung macht eben unterschiedlich laut. Man muss im Kontext eines Mixes aber meist nur einmal nachregeln, wenn man die passenden Einstellungen gefunden hat.
Klangbeispiel Snare – zuerst das Original, dann drei verschiedene Variationen von BUS TRANSIENT zuletzt dahinter lauter zuerst zusätzlich DIST COLD FIRE und COMP VCA-65 und dann BUS TRANSIENT mit MIX DRUMS:
Klangbeispiel Kick – zuerst das Original, dann vier verschiedene Variationen von BUS TRANSIENT, zuletzt dahinter lauter zuerst zusätzlich DIST COLD FIRE und COMP VCA-65 und dann BUS TRANSIENT mit MIX DRUMS:
Klangbeispiel Hi-Hat – zuerst das Original, dann vier verschiedene Variationen von BUS TRANSIENT, zuletzt dahinter lauter, zuerst zusätzlich DIST COLD FIRE und COMP VCA-65 und dann BUS TRANSIENT mit MIX DRUMS:
Klangbeispiel Drumset – zuerst das Original, dann sechs verschiedene Variationen von BUS TRANSIENT, zuletzt dahinter lauter, zuerst zusätzlich DIST COLD FIRE und COMP VCA-65 und dann BUS TRANSIENT mit MIX DRUMS:
Bei melodischer Percussion, wie z. B. Marimba zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Die möglichen Einstellungen wirken sich anders aus und viele Presets machen entweder kaum einen Unterschied oder keinen Sinn. Distortion, die auf Drums eine positive Wirkung erzeugen kann, geht auf dieser Art Percussion gar nicht. Man hat von MIX DRUMS im Vergleich also keinen Vorteil, sondern die differenziertere Transienten-Bearbeitung durch BUS TRANSIENT im Zusammenhang mit einem Kompressor funktioniert besser.
Klangbeispiel Marimba – zuerst das Original, dann vier verschiedene Variationen von BUS TRANSIENT, zuletzt dahinter lauter, zuerst zusätzlich, dieses Mal kein DIST COLD FIRE, weil hier Distortion im Gegensatz zu den Drums keinen Sinn macht, und dann aber noch COMP VCA-65 und darauf BUS TRANSIENT mit MIX DRUMS, allerdings die Distortion, bis auf den Bassbereich, ausgeschaltet oder heruntergeregelt:
Klangbeispiel Gitarre – zuerst das Original, dann fünf verschiedene Variationen von BUS TRANSIENT, zuletzt dahinter lauter zuerst zusätzlich DIST COLD FIRE und COMP VCA-65 und dann BUS TRANSIENT mit MIX DRUMS. Die Kombinationen mit Distortion passen hier besser als auf der Marimba, das klingt dann wie eine leicht verstärkte und dadurch verzerrte Akustikgitarre:
BUS TRANSIENT von ARTURIA ist eine flexible und sehr brauchbare Transientenbearbeitung mit einer wirklich bedienungsfreundlichen Oberfläche. Vor allem die drei Bänder erlauben feine Anpassungen an das Klangmaterial. Es gibt ja Transienten-Effekte, die spektakulärer daherkommen, weil sie noch andere Effekte dazu kombinieren und z.B. separat auf Transient und Body angewendet werden. Das hier ist jedoch ein schlankes, präzises Werkzeug, das macht, was es soll.
Bandschleifmaschine…
TAPE J-37 wurde schon Ende 2024 veröffentlicht und stellt damit den ältesten der fünf Neuzugänge dar. Wenn wir das DELAY TAPE-201 einmal außer Acht lassen, stellt TAPE J-37 nach TAPE MELLO-FI, das seinerzeit vom MELLOTRON inspiriert war, die zweite Bandmaschinen-Emulation im Bundle dar und orientiert sich dabei an der J37, einer Tonbandmaschine der Schweizer Firma STUDER. Dieses Gerät aus den Sechzigerjahren ist ein echtes Schwergewicht, das rund 150 Kilogramm auf die Waage bringt. Es basiert auf aufwendiger Röhrentechnik und verfügt über vier Aufnahmespuren, was heutzutage wenig erscheint, damals aber Stand der Technik war.
Getreu dem Motto „Das Auge isst mit“ präsentiert ARTURIA sein TAPE J-37 mit einer fotorealistischen Bedienoberfläche inklusive kleiner virtueller Lackabplatzungen. Die Bandspulen sind sogar animiert und drehen sich im Betrieb. Schick sieht das alles aus, das ist keine Frage, ob man so etwas wirklich braucht, schon eher … Wen diese Animation nervt oder wer seine Rechner-Ressourcen schonen möchte, der kann sie einfach abschalten.
Über der virtuellen Bandmaschine befindet sich ein Pärchen VU-Meter, die sich bei Bedarf auch kalibrieren lassen (auf -18dB, auf -14dB und auf -8dB).

Links unten finden wir die aus vier Schaltern bestehende COLOR-Sektion. Hier lassen sich unterschiedliche Klangfärbungen auswählen, die von klar bis vintage reichen, namentlich sind dies PRISTINE, WARM, GRITTY und DIRTIEST. Je nach Auswahl ändert sich übrigens auch die Farbe der linken Bandspule.
PRISTINE emuliert ein neues SM911 Tonband, das nach dem Europäischen Entzerrungsstandard CCIR kalibriert wurde. WARM bildet dasselbe Bandmaterial nach, diesmal aber nach der amerikanischen Norm NAB kalibriert. Bei GRITTY wird ein altes, nach NAB entzerrtes SM468 Tonband emuliert, und bei DIRTIEST kommt hierzu noch eine Überbetonung (Overbias).
Mit dem danebenliegenden Schalter MODERN wird die für Bandmaschinen typische Begrenzung der Höhen und Tiefen deaktiviert, was in einem verbesserten Frequenzgang und in mehr Klarheit resultiert.
Mit dem DRIVE-Regler in der Mitte lässt sich der Grad der Verzerrung durch die nachgeahmte Bandsättigung und -kompression kontrollieren.
Ebenfalls Auswirkungen auf das Klangbild hat die simulierte Bandgeschwindigkeit, die mit den beiden Schaltern in der SPEED-Sektion eingestellt wird. Zur Auswahl stehen hier 7,5 und 15 Zoll (38,1 cm) pro Sekunde, wobei die langsamere Variante eine höhere Bandsättigung und eine verstärkte Basswiedergabe bei gleichzeitig reduzierten Höhen bewirkt, während die schnellere mehr Wiedergabetreue aufweist.

In der TRANSPORT-Sektion finden wir Start- und Stopp-Taster, ersterer mit einem Noten-Symbol versehen. Der Stopp-Taster ahmt ein langsames Anhalten der Bandspulen, einhergehend mit einer stetig abnehmenden Tonhöhe. Wenn man mit der Maus auf die visualisierten Bandspulen, die Rollen oder das Tonband klickt und dabei die linke Maustaste gedrückt hält, kann man den Verlangsamungs- bzw. Stoppvorgang auch kurzzeitig manuell simulieren.
Die Länge von Start- und Stoppvorgang lässt sich darüber hinaus auch in sechs Stufen zum Host-Tempo synchronisieren, von einem Vierteltakt bis hin zu acht Takten. Für den Startvorgang lässt sich definieren, ob dieser ohne Verzögerung sofort erfolgen (INSTANT) oder aber der eingestellten Stoppzeit folgen soll (FAST FORWARD).

TAPE J-37 bietet auch einen ADVANCED-Modus, bei dem die Zusatzfunktionen links und rechts der VU-Meter eingeblendet werden. Auf der linken Seite steht dann ein Equalizer mit drei Bändern (Low Shelf, Mid Bell und High Self) zur Verfügung. Dieser EQ kann vor der Tape-Emulation (PRE), danach (POST) oder aber beiderseits (EMPHASIS) eingesetzt werden, wobei im letztgenannten Fall auf das bearbeitete Audiosignal die genau entgegengesetzten Einstellungen angewandt werden wie auf das unbearbeitete.
Rechts der VU-Meter finden wir die CALIBRATION-Sektion, gefolgt vom DELAY LOOP. Unter CALIBRATION lassen sich für Bandmaschinen typische Instabilitäten wie Wow und Flutter hinzufügen, ebenso lässt sich hier der gewünschte Rauschpegel einstellen.
DELAY LOOP hingegen ahmt eine Verzögerungsstufe im Rückkopplungspfad nach, etwa für Flanging- und Bandechoeffekte. Die Verzögerungszeit kann frei in Millisekunden (10 ms bis 1000 ms) eingestellt oder zum Host-Tempo synchronisiert werden (inklusive punktierter Noten und Triolen). Das Feedback kann ebenso eingestellt werden wie die Abweichung zwischen dem linken und dem rechten Stereokanal (OFFSET). Hochpass- und Tiefpassfilter im Feedback-Weg sowie eine grafische Darstellung runden das Delay ab.
Wie TAPE J-37 nun klingt? Hört einfach selbst! Im ersten Klangbeispiel habe ich einen alten, vier Takte langen Drumcomputer-Loop reaktiviert, den ich für solche Tests gerne verwende. Zunächst ist ein trockener Durchlauf zu hören, anschließend folgen zehn unterschiedliche Bearbeitungen mit TAPE J-37:
Des Weiteren habe ich noch eine weibliche Gesangsphrase aus einer KONTAKT-Library durch das Plugin geschickt. Zu Beginn wieder eine unbearbeitete Version, danach zehn Variationen mit TAPE J-37:
In beiden Fällen habe ich jeweils eher auffälligere Einstellungen gewählt, damit man den Effekt besser heraushören kann. TAPE J-37 eignet sich aber sehr wohl auch für subtile Bearbeitungen, die man eigentlich erst dann wahrnimmt, wenn man das Plugin wieder deaktiviert und nun etwas zu fehlen scheint.
Pitch Black…
Das zweite Plugin unter den Neuzugängen im Bundle, das eine reale Hardware emuliert, ist PITCH SHIFTER-910. Vorbild war hier der H910 HARMONIZER von EVENTIDE, der in der Mitte der Siebzigerjahre erschien und als erstes kommerziell vertriebenes digitales Effektgerät gilt.Der H910 ermöglichte sowohl Pitch Shifting als auch Delay-Effekte, dies auch in Kombination. Mittlerweile kann so etwas nahezu jede DAW, aber da die Digitaltechnik damals noch in ihren Kinderschuhen steckte, darf man vom H910 nicht dieselbe Klangqualität erwarten, die heutzutage möglich ist, dafür jedoch einen ganz eigenen Charakter.

Die virtuelle Nachbildung von ARTURIA verfügt über eine Eingangsstufe, die sich bei Bedarf mit dem DRIVE-Regler auch überfahren und in die Sättigung versetzen lässt.
In der SHIFTER-Sektion finden wir getrennte Regler für PITCH (Tonhöhe) und FORMANT (Vokalresonanzen), die beide einen Wertebereich von plus/minus zwölf Halbtönen aufweisen und sich mittels LINK-Schalter auch miteinander koppeln lassen. Die Formant-Bearbeitung lässt sich aber auch komplett deaktivieren. Im zentralen Display wird die jeweils eingestellte Verschiebung numerisch und grafisch dargestellt.
Mit VINTAGE 10 und VINTAGE 24 gibt es zwei Modi, von denen der erste sowohl den originalen Algorithmus als auch den Signalpfad nachbildet und daher mehr Artefakte aufweist, während Letzterer lediglich den Algorithmus verwendet und somit etwas sauberer klingt.

Die DELAY-Sektion bietet ebenfalls zwei Modi, nämlich DELAY und PITCHED DELAY. Die beiden unterscheiden sich nur dadurch, dass beim PITCHED DELAY die einzelnen Wiederholungen zurück in den Pitch Shifter geleitet werden, während sie beim DELAY direkt zur Ausgangssektion geroutet werden.
Neben Reglern für die Wiederholungsgeschwindigkeit (die sich frei zwischen 24 Millisekunden und 2 Sekunden oder zum Host-Tempo synchronisiert in Notenlängen einstellen lässt) und das Feedback gibt es Hochpass- und Tiefpassfilter im Rückkopplungspfad, die einen Frequenzbereich von 20 Hertz bis 20 Kilohertz abdecken, sowie einen Offset-Regler, der nur auf Stereokanälen funktioniert und einen zeitlichen Versatz zwischen diesen erzeugt. Im DELAY-Modus finden wir zusätzlich noch einen MIX-Regler für das Verhältnis zwischen trockenem und bearbeitetem Audiosignal vor.
Rechtsseitig befindet sich die Ausgangssektion, die neben einem MIX-Regler mit Lock-Funktion noch über eine BRIGHTNESS-Kontrolle verfügt, hinter der sich ein Tilt-Equalizer verbirgt.

Das ADVANCED-Panel klappt nach oben aus und bietet einige interessante Zusatzfunktionen, darunter auch eine MIDI-Steuerung, mit der das Original damals in den Siebzigern natürlich noch nicht aufzuwarten vermochte.

Wenn man MIDI IN aktiviert, wird dies im zentralen Display gut sichtbar angezeigt. Das Plugin reagiert dann sowohl auf eingehende Notenbefehle als auch auf Pitch Bender und Modulationsrad und zeigt dies auf dem stilisierten Keyboard an.
In der unteren Toolbar lässt sich festlegen, ob PITCH SHIFTER-910 monofon (wahlweise im legato oder im Retrigger-Modus) oder aber vierstimmig polyfon spielbar sein soll (MIDI MODE). In allen Modi herrscht dabei die sogenannte Last Note Priority, die die zuletzt gespielten Noten bevorzugt und ältere freigibt.
Voraussetzung für die MIDI-Funktion ist allerdings, dass die DAW das Routing von MIDI-Befehlen auf Effekt-Plugins ermöglicht. Dies ist leider nicht bei allen der Fall. Wenn man den HELP-Button anklickt, der beim Darüberfahren mit der Maus erscheint, öffnet man das In-App-Tutorial zum MIDI-Routing. Interessanterweise erkennt das Plugins einige DAWs, wenn es gerade darin läuft, von selbst und öffnet dann automatisch den dazu passenden Abschnitt im Tutorial. In meinem Fall wurde CUBASE erkannt, STUDIO ONE und MIXCRAFT hingegen nicht.
Es gibt noch eine AR-Hüllkurve (Attack: 2 Millisekunden bis 10 Sekunden, Release: 5 Millisekunden bis 10 Sekunden), einen GLIDE-Parameter (0 Millisekunden bis 5 Sekunden) für Portamento-Effekte sowie einen HOLD-Button, mit dem die aktuelle Note auch nach Loslassen der Taste weitergespielt wird.
Der PITCH-Regler wird bei Aktivieren von MIDI IN übrigens funktionslos, was logisch ist, der FORMANT-Regler hingegen lässt sich weiterhin benutzen und ermöglicht teils drastische Klangveränderungen.
In der Praxis macht diese MIDI-Funktion des PITCH SHIFTER-910 viel Spaß: Einfach mal eine Drone oder sonstige fließende Klänge durch das Plugin schicken und diese dann mit dem Keyboard spielen. Im Prinzip haben wir es hier also mit einer Art Echtzeit-Sampler inklusive Vintage-Artefakten zu tun.
Der Haupteinsatzzweck dürfte allerdings das Erzeugen von Harmonien, Akkorden und unabhängigen Stimmenführungen aus nur einem Eingangssignal sein.

Zwei weitere Funktionen im ADVANCED PANEL nennen sich VOICE MODE und VIBRATO. Sofern MIDI IN aktiviert ist, lassen sie sich bei Bedarf auch über das Modulationsrad steuern.
VOICE MODE erzeugt multiple parallele Pitch Shifts, so als hätte man bei der Hardware gleich mehrere Geräte davon im Einsatz. Es gibt hier zwei Modi: DUAL MONO bietet zwei Stimmen, bei UNISON sind es derer drei. In beiden Modi lassen sich die Stimmen gegeneinander verstimmen (DETUNE) und im Stereofeld auseinanderspreizen (SPREAD), Letzteres nur, wenn es sich um eine Stereospur handelt, ansonsten ist SPREAD nicht verfügbar.
VIBRATO erzeugt den gleichnamigen Effekt mittels LFO. Einstellbar sind Intensität (AMOUNT), Geschwindigkeit (SPEED, 0,01Hz bis 10Hz) und Zufallsvariation (HUMANIZE), und falls MIDI IN aktiviert ist, auch eine Einschwingverzögerung (FADE IN).
Nun zu meinen Klangbeispielen. Als Erstes hört Ihr wieder die weibliche Gesangsphrase von oben, einmal unbearbeitet, danach mit zwölf unterschiedlichen Bearbeitungen durch PITCH SHIFTER-910:
Auch den Drumloop kennt ihr ja schon, auch hier wieder zunächst vier Takte lang unbearbeitet und anschließend zwölfmal durch PITCH SHIFTER-910 gejagt:
Zu guter Letzt noch ein Droneklang aus meinem Fundus. Die ersten vier Takte sind trocken, dann wird PITCH SHIFTER-910 aktiviert und gleichzeitig durch eine MIDI-Spur angesteuert, und nach weiteren vier Takten schraube ich via Automation das Feedback des Delays allmählich bis zum Rechtsanschlag:
PITCH SHIFTER-910 kann und will sicherlich keine moderne Tonhöhenbearbeitung à la MELODYNE o.ä. sein, dafür jedoch ein waschechter Effekt im wahrsten Sinn des Wortes, und diese Aufgabe erfüllt das Plugin meiner Meinung nach ausgezeichnet.
Umgebungsvariable…
EFX AMBIENT ist eine komplette Eigenentwicklung und keine Emulation existierender Hardware. Es ergänzt die hauseigene, bisher aus EFX FRAGMENTS, EFX MOTIONS und EFX REFRACT bestehende Reihe der Kreativeffekte (von mir auch gerne als Mangler bezeichnet …).
Laut ARTURIA ist EFX AMBIENT von diversen Boutique-Gitarrenpedalen inspiriert und um es hier schon einmal vorwegzunehmen: Zumindest ein Teil der mit diesem Plugin erzielbaren Ergebnisse erinnern mich ein wenig an die Effekte von STRYMON .

Die Bedienoberfläche wirkt zunächst etwas abstrakt, man findet sich aber nach kurzer Zeit gut darauf zurecht.
Die Farbgebung ist sehr hell gehalten und einen alternativen „Dark Mode“ gibt es leider nicht. In der Vergangenheit gab es aber schon mal findige Anwender, die sich einen solchen bei Plugins von ARTURIA selbst gebastelt haben, indem sie die zugrundeliegenden Grafiken mit einer Bildbearbeitung manipuliert haben…
Im oberen Bereich sind die Eingangs- und Ausgangssektion sowie der MODE SELECTOR untergebracht. Mit Letzterem wählt man den Effekt-Algorithmus aus, der zum Einsatz kommen soll. Zur Verfügung stehen REFLECT, WOVEN, SIREN, ORGANIST, CODEC und SUNKEN.
REFLECT verbindet einen granularartigen Algorithmus, der den Sound vorwärts und rückwärts wiedergibt, mit einem heruntergepitchten Reverb. WOVEN kombiniert ein Delay mit einem hochgepitchten Reverb für Shimmer- und rhythmische Stutter-Effekte. SIREN verwendet einen Resonator für dichte Texturen. ORGANIST fügt dem Signal sich stetig verschiebende Obertöne hinzu. CODEC bietet diverse das Signal degradierende Effekte, wie etwa Bit Crusher oder MP3-Kompression. SUNKEN schließlich erzeugt durch Filterung und Bandsättigungsemulation allerlei „Unterwasser-Atmosphären“.

Je nach ausgewähltem TONE MODE wechselt die animierte Grafik auf der linken Seite im MAIN PANEL. Hinter ihr verbirgt sich ein Regler zur Einstellung der Effektintensität der TONE-Sektion, inklusive danebenliegender LOCK-Funktion.
Ganz rechts finden wir die SPACE-Sektion, mit einem ebenfalls als animierte Grafik getarnten Mix-Regler und LOCK-Funktion.
Den Bereich zwischen diesen beiden Sektionen wird von der MACRO YX CONTROL eingenommen, einem Vektorfeld mit einer sich bewegenden, psychedelisch angehauchten Hintergrundgrafik, die je nach ausgewähltem TONE MODE ihre Farbe ändert. Diese Kontrolle lässt sich ausschließlich manuell mit der Maus bedienen, nicht jedoch in der DAW automatisieren. Bewegungen auf der X-Achse steuern die Parameter, die MACRO 1 zugewiesen wurden, während Bewegungen auf der Y-Achse die von MACRO 2 verändern.

Weitere Parameter gibt es nicht im MAIN PANEL. Erst wenn man das ADVANCED PANEL öffnet, dieses Mal nach unten hin, erhält man Zugriff auf die jeweils vier Regler der TONE- und der SPACE-Sektion. Bei TONE wechselt deren Bezeichnung je nach ausgewähltem Modus, bei SPACE bleiben sie gleich (lediglich im Modus SUNKEN wird aus dem MODULATION- ein MOVEMENT-Regler).
Unterhalb des Vektorfelds tauchen zudem die Parameter INPUT FILTER, PRE DELAY und DUCKING auf. Ersteres ist ein Bandpassfilter mit zwei getrennten Grenzfrequenzen, die von 20 Hz bis 20 kHz reichen. Mit PRE DELAY lässt sich das Einsetzen der Effektbearbeitung gegenüber dem trockenen Signal in einem Bereich von 0 bis 500 Millisekunden verzögern. DUCKING dient der Absenkung zu lauter Transienten, die Einsatzschwelle kann im Bereich von 0 bis –70 dB eingestellt werden.
Der untere Bereich im ADVANCED PANEL beherbergt mehrere in fünf Tabs untergebrachte Modulatoren, die typisch für ARTURIA sind und die man in ähnlicher Form auch in einigen anderen Plugins der Grenobler wiederfindet, unter anderem auch im Synthesizer PIGMENTS.
Die ersten vier Tabs lassen sich dabei frei belegen. Zur Verfügung stehen ein Modulations-Sequencer, ein Funktionsgenerator, ein Zufallsgenerator und ein Hüllkurvenverfolger. Es können jeweils auch mehrere derselben Funktionen ausgewählt werden (in verschiedenen Tabs). Der fünfte Tab beinhaltet stets die MACRO-Verwaltung.
Die Zuweisung von Modulationsquellen erfolgt ganz einfach via Drang & Drop auf das gewünschte Ziel (bei dem dann auch eine positive oder negative Modulationsintensität eingestellt werden kann). Auf die gleiche Weise werden auch die Macros zugewiesen. Als Modulations- bzw. Makroziele kommen alle Parameter der TONE- und der SPACE-Sektion sowie das Dry/Wet-Verhältnis in der Ausgangssektion infrage. Die beiden Macros können sich darüber hinaus auch gegenseitig beeinflussen.
Was die klanglichen Ergebnisse von EFX AMBIENT betrifft: Diese sind bisweilen schwer in Worte zu fassen und natürlich auch sehr stark von dem Ausgangsmaterial abhängig, das man mit dem Plugin bearbeitet. Manchmal fühlt man sich an Shimmer-Reverbs erinnert, manchmal an Granular- oder Stutter-Effekte und sehr häufig sind erzielte Verfremdungen kaum verbal beschreibbar. Macht Euch also am besten anhand der Klangbeispiele (und gegebenenfalls der Demoversion) selbst ein Bild!
Wieder einmal musste die nun schon hinlänglich bekannte Gesangsphrase dran glauben, einmal trocken und zehnmal mit verschiedenen Presets von EFX AMBIENT bearbeitet:
Auch der Drumloop ist erneut an der Reihe. Wieder sind die ersten vier Takte lang trocken, dann folgen zwölf Bearbeitungen:
Der Droneklang bleibt ebenfalls in den ersten vier Takten unbearbeitet, dann wechselt alle vier Takte das Preset, insgesamt zwölfmal:
Ich persönlich habe bei EFX AMBIENT interessanterweise die besten Ergebnisse mit besonders rhythmischem oder aber sehr statischem Material erhalten.
Fazit:
Perry Staltic meint:
Die FX COLLECTION ist mit der Version 6 um fünf Effekt-Plugins reicher geworden, die sich allesamt sehen (und hören!) lassen können. Zwar ist nichts darunter, dass es nicht in ähnlicher Darreichungsform auch von dem einen oder anderen Anbieter gibt, aber wer gerne im ARTURIA-Ökosystem bleiben und von der konsistenten Benutzerführung profitieren möchte, der wird hier ausgezeichnet versorgt.
Von den Neuzugängen gefallen mir persönlich PITCH SHIFTER-910 und EFX AMBIENT am besten, aber auch der Rest wird sich gut in meinem Plugin-Ordner machen.
Sowohl von der Klangqualität als auch vom Ressourcenverbrauch her habe ich nichts zu bemängeln, lediglich die nun schon seit Jahren auf der Produktwebseite angepriesene Echtzeitkontrolle der Effekt-Plugins mittels MIDI-Controller, die in Wirklichkeit gar nicht implementiert wurde, ist mir weiterhin einen Minuspunkt wert.
Davon einmal abgesehen erhält man mit der ARTURIA FX COLLECTION 6 PRO aber einen umfassenden Werkzeugkasten für die Audiobearbeitung, der nicht viele Wünsche offenlassen dürfte, kaum ein Bereich, der hier nicht abgedeckt wird, von reinen Arbeitstieren über Vintage-Emulationen bis hin zu Kreativwerkzeugen ist alles im Bundle zu finden.
Stefan Federspiel meint:
Die neu zur FX COLLECTION dazugekommenen Plugins decken sehr verschiedene Bereiche ab. Am auffälligsten ist EFX AMBIENT mit seiner modernen Oberfläche und seinen verschiedenen Algorithmen. Erstaunlich fand ich, wie anders das Plugin auf unterschiedliches Klangmaterial reagiert: Auf weichen Pads hört man kaum etwas, auf Mallets mit deutlichen Transienten viel mehr. Die zusätzlich erzeugten melodischen Artefakte klingen organisch und fügen sich gut in das Gesamtbild ein.
Der PITCH SHIFTER-910 erledigt auch noch etwas Delay und Harmonisierung und gefällt mir recht gut und ist bestimmt für etliche Anwendungsfälle, vor allem auf Vocals zu gebrauchen.
Die Tape-Emulation TAPE J-37 wirkt auf mich etwas unspektakulär, vielleicht habe ich schon zu viele Plugins in der Richtung, die „analoge“ Sättigung hinzufügen. Ja, es gibt kleine Unterschiede zwischen den Einstellungen, Ob man diese im Mix wirklich wahrnimmt, bezweifle ich. Aber das ist schon Ketzerei, für mich funktioniert Sättigung, die etwas mehr zugreift, besser.
Insgesamt ist die FX COLLECTION von ARTURIA auf eine Vielfalt angewachsen, mit der man sehr viele Fälle abdeckt, vor allem, wenn man die Plugins miteinander kombiniert. MIX DRUMS fand ich herausragend, als es herauskam, BUS TRANSIENT ergänzt es perfekt. All die anderen klassischen und kreativen Effekte sind auf einem sehr hohen technischen Niveau und man braucht höchstens noch für Spezialfälle etwas außerhalb dieser Sammlung.
Zum Abschluss gibt es noch ein weiteres kleines Klangbeispiel, bestehend aus einer kurzen musikalischen Phrase, die sich wiederum aus zwei Spuren zusammensetzt. Die drei Plugins EFX AMBIENT, PITCH SHIFTER-910 und TAPE J-37 habe ich in unterschiedlichen Anteilen auf die beiden Spuren appliziert. Ihr hört zuerst einen Durchlauf ohne Effekte, dann einen mit:
Nachdem das vergünstigte Einführungsangebot inzwischen abgelaufen ist, wird die FX COLLECTION 6 PRO nun zum regulären Verkaufspreis von 499,- Euro gehandelt. Die neue Einstiegsversion FX COLLECTION 6 INTRO, bestehend aus sechs Effekten, kostet 99,- Euro. Den Preis für einzelne Plugins aus dem Bundle hat ARTURIA mittlerweile gesenkt, so werden je nach Effekt nur noch 49,- oder 79,- statt ehemals 99,- Euro fällig.
Positives:
+ wieder sehr brauchbare Neuzugänge
+ guter Grundklang der einzelnen Effekte
+ große Bandbreite an verschiedenen Effekten
+ gelungener Mix aus retro und modern
+ zahlreiche Extra-Funktionen integriert
+ leicht erlernbare Bedienung
+ praktische In-App-Tutorials
+ Offline-Aktivierung möglich
+ CPU-freundlich
Negatives:
– weiterhin keine direkte MIDI-Controller-Anbindung möglich
Produktwebseite: https://www.arturia.com/products/software-effects/fx-collection/overview#de
