Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 08.06.2026
KI-FREIER INHALT!

ARTURIA ist ja nicht die erste Firma, die eine Emulation des MEMORYMOOG herausgebracht hat. Von daher muss sich der neue MEMORY V schon etwas anstrengen, um sich von den Mitbewerbern abheben zu können. Wir sehen und hören mal, ob ihm das gelingt…


Memorabilia…

Wem der nachfolgende Abschnitt bekannt vorkommen sollte, der hat entweder ein sehr gutes Gedächtnis oder erst kürzlich meinen 2021 veröffentlichten Testbericht zum CHERRY AUDIO MEMORYMODE gelesen, aus dem ich ihn der Einfachheit halber kopiert habe, um das Rad nicht neu erfinden zu müssen… 😉

Der MEMORYMOOG aus dem Jahre 1982 war der erste polyphone und speicherbare Synthesizer der Firma MOOG MUSIC. Zwar konnte auch der bereits 1975 erschienene POLYMOOG mit Mehrstimmigkeit aufwarten, verwendete dazu jedoch eine Oktavteiler-Schaltung und alle Stimmen mussten sich mit einem einzigen Filter begnügen. Zudem besaß er keine Speicherplätze für eigene Klangkreationen. Der MEMORYMOOG hingegen verfügte über sechs unabhängige Stimmen mit jeweils eigenem Oszillator-Trio, Filter, Hüllkurven, VCA usw. Und die damit erstellten Klänge ließen sich abspeichern und wieder aufrufen.

Der MEMORYMOOG wurde damals gerne als sechsfacher MINIMOOG betrachtet, dies mag bis zu einem gewissen Grade auch zutreffen, doch trifft die Sache nicht vollständig, den trotz einiger vorhandener Ähnlichkeiten (drei Oszillatoren, Kaskadenfilterschaltung), gibt es auch ein paar Unterschiede in der Klangarchitektur. So wurde etwa die Oszillator-Schaltung mittels der auch bei der Konkurrenz eingesetzten CURTIS-Chips vom Typ CEM3340 realisiert, während sie beim MINIMOOG noch einen diskreten Aufbau aufwies. Dafür ließen sich aber alle verfügbaren Schwingungsformen gleichzeitig nutzen. Der MEMORYMOOG konnte darüber hinaus mit einem separaten LFO sowie der Möglichkeit zur Oszillatorsynchronisation aufwarten. Als Hüllkurven kommen zwei vollständige ADSR-Versionen zum Einsatz, die ebenfalls auf CURTIS-Chips basieren und daher nicht ganz so snappy wie beim MINIMOOG arbeiten.

MOOG MEMORYMOOG
MOOG MEMORYMOOG

Der MEMORYMOOG kam allerdings zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt auf dem Markt. Die Mitbewerber hatten ihre polyphonen Schlachtschiffe größtenteils schon ein paar Jahre früher herausgebracht, und ein Jahr später pflügte der YAMAHA DX-7 das Feld komplett um. Zu Beginn verfügte der MEMORYMOOG auch noch über kein MIDI, klar, diese Schnittstelle existiert ja schließlich erst seit 1983. Eine spätere Baureihe namens MEMORYMOOG PLUS besaß dann endlich auch MIDI sowie einen integrierten Sequencer.

Leider galt der MEMORYMOOG von seiner technischen Seite her nicht unbedingt als der zuverlässigste Synthesizer (was aber auf seine direkten Konkurrenten aus dieser Zeitphase wohl ebenso zutrifft…). Dafür ist sein Klang umso eindrucksvoller und liefert eine volle analoge Breitseite, so fett, dass er im Mix manchmal alle anderen Beteiligten gnadenlos beiseite drückt und dann erst gezähmt werden muss.

1985 war dann schließlich Schluss, die Produktion des MEMORYMOOG wurde eingestellt, nicht zuletzt auch, weil die MOOG MUSIC kurz vor dem Ruin stand und nur ein Jahr später in die Insolvenz gehen musste. Die letzten einhundert Exemplare des MEMORYMOOG sollen übrigens auf den Namen SANCTUARY SYNTHESIZER BY MOOG umgetauft und dann direkt an Kirchen, christlich orientierte Musikgruppen und andere religiöse Vereinigungen vertickt worden sein, ob der Papst sich damals auch einen gekauft hat, weiß ich aber nicht…


Basale Stimulation…

Zu Beginn schauen wir uns wieder erst mal die grundlegenden Merkmale an, die der MEMORY V unabhängig von seiner Klangerzeugung und den erweiterten Funktionen aufweist. Diese finden wir auch in den anderen Plugins von ARTURIA wieder.

MEMORY V ist als 64-Bit-Software für WINDOWS 10 und macOS 11 oder höher verfügbar. Neben einer Standalone-Version werden die Plugin-Formate VST, VST3, AAX und AU angeboten. Es besteht eine Kompatibilität sowohl zu NKS- als auch zu MPE-Controllern. Ich habe übrigens wieder nur die VST-Varianten für WINDOWS installiert und getestet.

Auf der Website findet man die Installationsdateien zum manuellen Herunterladen, wie immer lassen sich Download und Installation sowie spätere Updates aber auch über das ARTURIA SOFTWARE CENTER (ASC) erfolgen, sofern der Hostrechner über eine aktive Internetverbindung verfügt. Da die Aktivierung des MEMORY V, die auf bis zu fünf verschiedenen Rechnern möglich ist, ebenfalls über das ASC geschieht (online oder offline), muss es aber sowieso installiert werden.

Wenn man das Plugin nicht freischaltet, läuft es im Demo-Modus, in dem sich getätigte Einstellungen nicht speichern lassen und in dem die Laufzeit auf 20 Minuten am Stück limitiert ist. Danach muss man das Plugin zunächst erneut laden, um es jeweils weitere 20 Minuten nutzen zu können.

ARTURIA MEMORY V - obere Toolbar
ARTURIA MEMORY V – obere Toolbar

Sowohl am oberen als auch am unteren Rand der Bedienoberfläche befindet sich eine Toolbar. Die obere Toolbar gewährt man Zugriff auf die Presets sowie diverse globale Parameter, darüber hinaus findet man hier die Schaltfläche für das sogenannte Advanced Panel, einen Regler für die Gesamtlautstärke und eine Schaltfläche zum Aufruf des rechtsseitigen Optionen-Menüs.

ARTURIA MEMORY V - untere Toolbar
ARTURIA MEMORY V – untere Toolbar

Die untere Toolbar erlaubt die Einstellung der Stimmenzahl (MEMORY V verfügt über bis zu sechzehn Stimmen), zudem hat man hier Zugriff auf eine eine mehrstufige Undo/Redo-Funktion mit Historie und die vier Macro-Regler Zu guter Letzt wird hier auch die prozentuale CPU-Belastung des Plugins angezeigt.

ARTURIA MEMORY V - Settings
ARTURIA MEMORY V – Settings

Das erwähnte Optionen-Menü verfügt über drei Tabs. Im ersten (SETTINGS) lassen sich verschiedene globale und presetbezogene Einstellungen vornehmen, hier lassen sich etwa der MIDI-Kanal, die Stimmenzuordnung und der Pitch-Bend-Bereich festlegen sowie MPE aktivieren.

ARTURIA MEMORY V - MIDI Learn
ARTURIA MEMORY V – MIDI Learn

Im zweiten Tab (MIDI) können MIDI-CCs den Parametern des MEMORY V zugewiesen werden, entweder manuell aus einer Liste oder via Lernfunktion und einem angeschlossenen MIDI-Controller. Minimale und maximale Werte lassen sich pro Parameter definieren.

Eine Kontrolle der virtuellen Regler mittels Mausrad ist übrigens nicht möglich, aus einem mir unbekannten Grund hat ARTURIA dies lediglich bei seinen Effektplugins vorgesehen, bei denen wiederum keine MIDI-Steuerung implementiert ist.

ARTURIA MEMORY V - In-App-Tutorials
ARTURIA MEMORY V – In-App-Tutorials

Der dritte Tab (TUTORIALS) schließlich beherbergt die In-App-Tutorials, die Funktionsbeschreibungen der einzelnen Sektionen sowie nützliche Tipps in englischer Sprache beinhalten und zumindest den einen oder anderen Blick in Manual unnötig machen.

ARTURIA MEMORY V - Preset-Browser
ARTURIA MEMORY V – Preset-Browser

Der für ARTURIA typische Preset-Browser befindet sich natürlich auch an Bord des MEMORY V. Er bietet diverse Kategorien, eine Suchfunktion, die sich mittels Filterbegriffen einschränken lässt und eine Favoritenliste, in der sich vorab mit einem Like markierte Presets wiederfinden. ARTURIA liefert zum MEMORY V über dreihundert Presets mit, darunter auch einhundert Nachbildungen der originalen Factory Presets des MEMORYMOOG.

ARTURIA MEMORY V - Preset-Menü
ARTURIA MEMORY V – Preset-Menü

Alternativ zum Preset-Browser kann man auch das einfacher gestaltete Preset-Menü in der oberen Toolbar verwenden, mit dem man ebenfalls Zugriff auf die verschiedenen Kategorien und die jeweiligen Presets darin erhält.


Drehleiter…

Die Bedienoberfläche des MEMORY V ist skalierbar. Zur Auswahl stehen ein dunkles (Standard) und ein helles Farbthema, das hier allerdings lediglich die beiden Toolbars betrifft und nicht etwa wie beim Pendant von CHERRY AUDIO die gesamte Bedienoberfläche. ARTURIA verzichtet übrigens erfreulicherweise weitgehend auf lästige virtuelle Schattenwürfe und perspektivische Verzerrungen, einige nachgeahmte Lichtreflexionen stören hier nicht weiter.

ARTURIA MEMORY V
ARTURIA MEMORY V

Hinsichtlich Optik und Layout ist die Nähe zum MEMORYMOOG unverkennbar, wenngleich an einigen Stellen gewisse Änderungen vorgenommen wurden. So gibt es zum Beispiel bei den LFO-Schwingungsformen und bei den Oktavlagen der Oszillatoren virtuelle Drehschalter statt Buttons, was ein wenig Platz spart und die Übersichtlichkeit verbessert. Vielleicht möchte ARTURIA sich damit aber auch nur etwas von den Mitbewerbern MEMORYMODE und MEMORYMOON abheben, die sich in diesem Punkt mehr an der Hardware orientieren.

ARTURIA MEMORY V - helles Farbthema
ARTURIA MEMORY V – helles Farbthema

Wie dem auch sei, leider lässt sich das virtuelle Keyboard nicht ausblenden, um Platz zu sparen, so wie ARTURIA dies etwa bei seinem MINIBRUTE V ermöglicht. Vielleicht lässt sich das ja künftig noch via Update nachreichen?!

ARTURIA MEMORY V - Synthese-Parameter
ARTURIA MEMORY V – Synthese-Parameter

Der größte Teil auf der Bedienoberfläche wird von den mittig platzierten Sektionen für die Modulation und die Oszillatoren eingenommen. Die Modulationssektion wiederum gliedert sich in zwei Bereiche, nämlich LFO und VOICE MODULATION.

Der LFO verfügt über fünf Schwingungsformen inklusive Sample & Hold und kann bis zu neun unterschiedliche Ziele gleichzeitig modulieren (Tonhöhe und Pulsweite der drei Oszilllatoren, Filterfrequenz, Lautstärke und Panorama). Ein Klick auf die Schaltflächen für PITCH und PW öffnet dabei jeweils ein kleines Popup-Menü, in dem der oder die gewünschten Oszillatoren ausgewählt werden können. Die Geschwindigkeit des LFO lässt sich ebenfalls via Popup-Menü von Hertz auf Host-Synchronisation umschalten (inklusive triolischer und punktierter Notenwerte). Ein Retrigger bei jedem Notenanschlag ist hier auch möglich.

Unter VOICE MODULATION lassen sich sowohl der Oszillator 3 als auch die Filterhüllkurve zu Modulationszwecken heranziehen, Letztere lässt sich dabei auch invertieren. Diesmal stehen sieben Ziele zur Auswahl, und zwar dieselben wie beim LFO minus Tonhöhe und Pulsweite von Oszillator 3 (der hier ja nicht als Klangquelle dient).

ARTURIA MEMORY V - Modulation und Oszillatoren
ARTURIA MEMORY V – Modulation und Oszillatoren

Die Oszillatorsektion verfügt über drei nahezu identisch ausgestattete VCOs, die jeweils die Schwingungsformen variable Pulswelle, aufsteigenden Sägezahn (Ramp) und Dreieck erzeugen können. Im Gegensatz etwa zum MINIMOOG können hier alle Schwingungsformen auch in beliebiger Kombination gleichzeitig verwendet werden.

Oszillator 2 und 3 lassen sich gegenüber Oszillator 1 in einem Bereich von +/- acht Halbtönen verstimmen, außerdem kann Oszillator 2 zu Oszillator 1 synchronisiert werden, ebenso wie Oszillator 1 zu Oszillator 3. Die letztgenannte Option ist eine Hinzufügung von ARTURIA und existiert bei der originalen Hardware nicht.

Oszillator 3 verfügt auch noch über einen LOW-Modus, in welchem er so tief schwingt, dass er unter VOICE MODULATION als zweiter LFO eingesetzt werden kann, ansonsten moduliert er im Audiobereich (= FM). Zudem lässt er sich von der Steuerung durch das Keyboard entkoppeln.

Rechts der Oszillatorsektion schließt sich ein einfacher Mixer an, in dem die Lautstärkeverhältnisse der drei Oszillatoren sowie eines zusätzlichen Rauschgenerators (erzeugt rosa Rauschen) eingestellt werden.

ARTURIA MEMORY V - VCF und VCA
ARTURIA MEMORY V – VCF und VCA

Auf der rechten Seite der Bedienoberfläche finden wir Filter und Verstärker, beides jeweils mit eigener ADSR-Hüllkurve.

Das Filter ist natürlich eine Emulation des berühmten Kaskadenfilters von MOOG, auch als Ladder Filter bekannt. Im Unterschied zum MEMORYMOOG kann es hier nicht nur mit einer Flankensteilheit von 24 dB pro Oktave, sondern auch mit sanfteren 12 dB pro Oktave betrieben werden. Die Resonanz reicht bis zur Selbstoszillation und kann dann auch eine spielbare Sinuswelle produzieren. Das typische Ausdünnen der tiefen Frequenzen kann sich bei Bedarf kompensiert werden, bei der originalen Filterschaltung ist dies nicht vorgesehen. Das Keyboard-Tracking lässt sich übrigens nicht nur in wenigen festen Schritten, sondern stufenlos regeln.

Stets für beide Hüllkurven gemeinsam lassen sich die folgenden Optionen aktivieren: RETRIG FROM ZERO lässt die Attack-Phase auch bei mehreren gespielten Noten jeweils von ganz vorne beginnen. ENTIRE ATTACK durchläuft die Attack-Phase auch bei vorzeitig losgelassener Taste vollständig, bevor die Hüllkurven zur Release-Phase springt. KEYTRACK ENV TIMES setzt die Dauer der Hüllkurven in Abhängigkeit von der gespielten Note, höhere Noten haben somit kürzere Hüllkurven als tiefe. Bei VELOCITY ENV TIMES ist die Dauer der Hüllkurven abhängig von der Anschlagsdynamik, je härter der Anschlag, desto langsamer die Hüllkurven.

Ganz rechts schließlich befindet sich die Ausgangssektion mit Reglern für Lautstärke, Panorama und VCF/VCA-Eingangssättigung (DRIVE).

ARTURIA MEMORY V - Global Section
ARTURIA MEMORY V – Global Section

Auf der linken Seite ist eine Sektion mit diversen übergeordneten Parametern untergebracht, wiederum unterteilt in mehrere Bereiche. PERFORMANCE erlaubt die Einstellung von Portamento (GLIDE), Anschlagsdynamik sowie Pitch Bend und Modulationsrad.

SCOPE bietet ein Oszilloskop, das einerseits das Ausgangssignal anzeigt, andererseits aber auch die Schwingungsformen von LFO und OSC 3, sofern deren Regler in der Modulationssektion angewählt werden. In meinen Augen macht das Ganze nur bedingt Sinn und ist eher eine optische Spielerei.

UNISON schichtet die gespielten Stimmen übereinander, wie viele dies jeweils sind, legt man im entsprechenden Menüpunkt in der unteren Toolbar fest. Mittels DETUNE lassen sich die Unisono-Stimmen gegeneinander verstimmen, zusätzlich verteilt der PAN-Regler in der Ausgangssektion sie noch im Stereopanorama.

Unter GLOBAL finden wir Regler zur Transponierung (+/- sechsunddreißig Halbtöne), zur Feinstimmung und zur künstlichen Alterung der emulierten Elektronik (VINTAGE). Letztgenannter Regler erzeugt gewisse subtile Abweichungen zwischen den einzelnen Stimmen, eben so, wie es für alte analoge Poly-Synths typisch ist.

ARTURIA MEMORY V - Dispersion-Parameter
ARTURIA MEMORY V – Dispersion-Parameter

Welche Klangkomponenten im Einzelnen davon betroffen sind und wie stark jeweils, legt man mit den sogenannten Dispersion-Parametern fest, die sich in unter einer virtuellen Abdeckung auf der linken Seite in dem „hölzernen“ Bereich zwischen Keyboard und Synthesesektion verbergen. Der Einfluss auf Tonhöhe, Pulsweite, Lautstärke, Filterfrequenz und -resonanz, Modulation sowie die Hüllkurven kann hier separat eingestellt werden.


Fortschritt…

Das ADVANCED PANEL, Bestandteil vieler Plugins von ARTURIA, findet sich auch beim MEMORY V wieder. Es folgt dem aktuellen Standard der Grenobler, ist also identisch zu dem der meisten ihrer jüngeren Plugins wie JUP-8 V, SYNTHX V oder SEM V3 ausgestattet. Die verschiedenen Funktionsbereiche sind durch Tabs voneinander getrennt.

ARTURIA MEMORY V - Advanced Panel mit Multi-Arp
ARTURIA MEMORY V – Advanced Panel mit Multi-Arp

Ein wesentlicher Bestandteil ist der MULTI-ARP, der erstmals beim SYNTHX V zu finden war. Es handelt sich hierbei um einen umfangreich bestückten Arpeggiator, besser gesagt um eine Kombination aus gleich vier solcher Arpeggiatoren, die simultan mit jeweils eigenen Einstellungen laufen können. Ein jedes Arpeggio kann aus bis zu sechzehn Schritten bestehen.

Jeder der vier Arpeggiatoren besitzt die drei Sektionen ARP, RHYTHM und NOTE. Unter ARP wird der melodische Verlauf des Arpeggios definiert, unter RHYTHM seine rhythmische Struktur und unter NOTE schließlich Optionen wie Gate-Länge, Anschlagsdynamik, zufällige Variationen und Notenwiederholungen. Viele vorgefertigte Muster werden bereits mitgeliefert.

ARTURIA MEMORY V - Effektsektion
ARTURIA MEMORY V – Effektsektion


Die Effektsektion kann mit vier Slots aufwarten. Jeder Slot kann einen Effekt aufnehmen. Insgesamt stehen achtzehn verschiedene Algorithmen zur Verfügung, die mit jeweils mehreren Reverbs und Delays, Kompressoren, Filtern, Verzerrern sowie Modulationseffekten ein breites Spektrum abdecken. Die Qualität gibt ebenfalls keinen Grund zur Beanstandung, handelt es sich bei den zugrundeliegenden Algorithmen doch weitgehend um solche, die man auch in den Effekten der hauseigenen FX COLLECTION wiederfindet.

ARTURIA MEMORY V - Envelope
ARTURIA MEMORY V – Envelope

Die nachfolgenden drei Tabs im ADVANCED PANEL sind nicht mit festen Funktionen belegt, vielmehr lässt sich hier jeweils eine von mehreren zur Verfügung stehenden Modulationsquellen laden, dabei können diese bei Bedarf auch mehrfach verwendet werden.

ENVELOPE etwa stellt eine grafische ADSR-Hüllkurve bereit, deren Einsatz sich zusätzlich verzögern lässt. Darüber hinaus können die zeitlichen Komponenten, also Attack, Decay und Release auch exponentielle oder logarithmische Verläufe annehmen.

ARTURIA MEMORY V - Function
ARTURIA MEMORY V – Function

FUNCTION erlaubt noch komplexere Verläufe, die entweder als Single-Shot-Hüllkurve oder als zyklischer LFO genutzt werden können. Knotenpunkte und Kurven können wahlweise einem vorgefertigten Muster folgen oder frei mit der Maus definiert werden, für den letzteren Fall stehen auch verschiedene Zeichenwerkzeuge bereit.

ARTURIA MEMORY V - Random
ARTURIA MEMORY V – Random

Bei RANDOM sorgt ein anpassbarer Zufallsgenerator für unregelmäßige Modulationsmuster, die uni- oder bipolar ausfallen können und bei denen sich einstellen lässt, ob der Übergang zwischen den jeweiligen Modulationswerten sehr sprunghaft oder eher fließend geschieht.

ARTURIA MEMORY V - Voice Mod
ARTURIA MEMORY V – Voice Mod

Mittels VOICE MODULATOR lassen sich für die gespielten Stimmen Offsets eines oder mehrerer zugewiesener Parameter herstellen, was ähnlich wie die Dispersion-Regler für mehr Variation im Klang sorgen soll. Wenn man es hier zu sehr übertriebt, kann es aber auch eher chaotisch wirken (was ja durchaus gewollt sein mag…).

ARTURIA MEMORY V - Modulations-Sequencer
ARTURIA MEMORY V – Modulations-Sequencer

MOD SEQ ist die Abkürzung für Modulations-Sequencer, hier werden also keine Notenwerte erzeugt, sondern Modulationswerte, die schrittweise wiedergegeben werden, wahlweise vorwärts, rückwärts, alternierend oder in zufälliger Reihenfolge und sogar mit einstellbarem Swing-Faktor sowie Übergangsglättung zwischen den einzelnen Schritten der Sequenz.

ARTURIA MEMORY V - Keyboard-Einstellungen
ARTURIA MEMORY V – Keyboard-Einstellungen

Die letzten beiden Tabs beherbergen wieder feste Funktionen. KEYBOARD erlaubt die Anpassung von Tastatur und von Spielhilfen wie Modulationsrad, Keyboard Tracking, Anschlags- und Loslassdynamik sowie Aftertouch. Auch die MPE-Optionen lassen sich hier erreichen.

ARTURIA MEMORY V - Macros
ARTURIA MEMORY V – Macros

MACROS schließlich dient der Zuweisung von beliebigen Parametern in ebenso beliebiger Anzahl zu den gleichnamigen Reglern. Verlaufskurven, Intensität sowie minimale und maximale Parameterwerte lassen sich dabei anpassen. Die von ARTURIA vorgeschlagenen Bezeichnungen der vier Macros (BRIGHTNESS, TIMBRE, TIME und MOVEMENT) können übrigens jederzeit abgeändert und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.


Erinnerungskultur…

Ich hatte nie die Ehre, einen echten MEMORYMOOG persönlich kennenzulernen, daher maße ich mir an dieser Stelle auch nicht erst an, die klangliche Authentizität des Plugins bis ins letzte Detail beurteilen zu wollen. Das sollen Leute tun, die die Möglichkeit für einen direkten Vergleich mit dem Original haben.

Der klassische MOOG-Sound im Allgemeinen ist mir aber sehr wohl vertraut, und dieser ist auch zweifellos beim MEMORY V zu erkennen. Bei Bedarf kann der MEMORY V schon typisch breit und wuchtig ertönen, er hat allerdings auch jede Menge Klänge abseits dieser Klischees drauf. Mir persönlich haben insbesondere die kleineren Instabilitäten im Klanggeschehen gefallen, die ARTURIA recht überzeugend emuliert bekommt.

Man muss natürlich auch zusehen, wie man eine derartige geballte Wucht, wie sie der MEMORY V bisweilen bietet, in einem kompletten Mix unterbekommt, ohne alles andere zu verdrängen, aber dieses Problem teilt die Emulation sich mit ihrem Vorbild.

Für das Klangbeispiel habe ich mir achtzehn der mitgelieferten Presets herausgesucht, die mir besonders ins Ohr gesprungen sind und die ich für exemplarisch halte, und habe einfach ein wenig damit herumgespielt:

Klangbeispiel ARTURIA MEMORY V

Da ich hier auch über einen der direkten Konkurrenten des MEMORY V verfüge, nämlich den MEMORYMODE von CHERRY AUDIO, lag es natürlich nahe, diesen auch einmal kurz mit dem Neuling von ARTURIA zu vergleichen. Da beide Plugins jeweils eigene zusätzliche Ausstattungsmerkmale aufweisen, die über die reine Emulation der Hardware hinausgehen, habe ich mich hierbei auf nackte Init-Sounds sowie auf die ebenfalls trockenen Nachbildungen der originalen Factory Presets beschränkt.

Bezüglich der Init-Sounds (Sägezahn, geöffnetes Filter, Orgelhüllkurve), erscheint mir der MEMORY V etwas statischer im Klang als das Pendant von CHERRY AUDIO, das hier stets leichte Schwebungen aufweist. Dies hat vermutlich mit nicht phasenstarren Oszillatoren beim MEMORYMODE zu tun, ein Phänomen, das mir bereits bei früheren Emulationen von CHERRY AUDIO aufgefallen war. Das bezieht sich jetzt alles nur auf die Oszillatoren im initialen Grundsound, in kompletten Presets klingt der MEMORY V keineswegs statisch oder steril, häufig sogar weniger kontrolliert (im positiven Sinne!).

Was die Factory Presets betrifft, diese klingen bei beiden Plugins bis auf ganz wenige Ausnahmen derart unterschiedlich, dass man sie kaum miteinander verwechseln würde. Woran das liegt, vermag ich nicht zu sagen, vielleicht an unterschiedlich kalibrierter Hardware, die jeweils als Vorlage für die jeweilige Emulation herangezogen wurde (?). Subjektiv gefielen mir mal die Presets des MEMORY V und mal die des MEMORYMODE besser. Welches Plugin hier nun näher an das Original heranreicht, mögen Kenner des MEMORYMOOG entscheiden.

Übrigens, einen weiteren Kandidaten, den MEMORYMOON der gleichnamigen Firma, hatten wir hier bereits im Jahre 2010 im Test. Dieses lediglich für WINDOWS erhältliche, mit SYNTHEDIT erstellte Plugin wurde seit damals aber längst generalüberholt und stand mir für einen Vergleich nicht zur Verfügung.


Fazit:

MEMORY V ist kein neutraler Allrounder, der brav alle quasi-analogen Brot-und-Butter-Klänge abdeckt (obwohl er auch einige solche an Bord hat), der Fokus liegt hier vielmehr auf breite und wuchtige Klänge mit Druck, die eine gewisse Schwere, aber bisweilen auch eine gehörige Portion Aggressivität besitzen.

Wenn es um eine bloße Emulation des MEMORYMOOG geht, mag man woanders zwar deutlich günstiger wegkommen (für ein Drittel bzw. ein Fünftel des regulären Preises eines MEMORY V), aber ausstattungsmäßig hat der Neue von ARTURIA auf jeden Fall die Nase weit vorn (umfangreichere und flexiblere Effektsektion, Multi-Arp sowie Modulationsmöglichkeiten ohne Ende), und da der Klang ebenfalls stimmt, wird der MEMORY V bestimmt bald viele Freunde finden.

Der MEMORY V kostet regulär 149,- Euro, das ist in heutigen Zeiten schon etwas gehoben. Allerdings wissen wir alle auch, dass ARTURIA immer wieder mal Sonderangebote macht, Bestandskunden noch einmal gesondert sparen können (bis zum 14.06.2026 erhalten diese einen individuell Rabatt in ihrem Account) und irgendwann sicherlich auch eine V COLLECTION 12 vor der Tür stehen dürfte. Die kostenlose Demoversion bietet sich als Entscheidungshilfe vor dem Kauf an.


Positives:
+ guter, „moogiger“ Grundklang
+ gute Effekte
+ Multi-Arp
+ umfassende Modulationsmöglichkeiten
+ einfache Bedienung
+ praktische In-App-Tutorials
+ Offline-Aktivierung möglich

Negatives:
– regulärer Verkaufspreis zu hoch


Produktwebseite: https://www.arturia.com/products/software-instruments/memory-v/overview

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