Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 26.06.2026
KI-FREIER INHALT!
Emulationen klassischer Vintage-Synths gibt es von CHERRY AUDIO ja sehr viele, doch bisher waren die Vorbilder dabei stets analog. Erstmalig ist nun mit dem ENSONIQ ESQ-1 ein Synthesizer mit einem digitalen Herz an der Reihe. Wir haben ihn mal zu uns ins Testlabor gebeten.
Mischling…
ENSONIQ (übrigens seinerzeit vom Entwickler des bekannten SID-Chips gegründet) produzierte den ESQ-1 gerade einmal zwei Jahre lang, nämlich von 1986 bis 1988. Mit seinen digitalen Oszillatoren plus analogen Filtern zählt er zu den hybriden Synthesizern aus dieser Ära, ähnlich wie auch PROPHET VS, KORG DW-8000 oder PPG WAVE.
Der ESQ-1 ist mit drei Oszillatoren ausgestattet, die jeweils auf ein Wavetable-ROM mit zweiunddreißig Wellenformen in 8-Bit-Auflösung zurückgreifen. Unter diesen finden sich neben Standards wie Sägezahn, Rechteck oder Sinus allerlei komplexere Spektren à la Piano, Chor oder Glocken, aufgrund der zu der damaligen Zeit sehr teuren Speicherchips darf man hier aber keine langen High-End-Samples erwarten. Die Möglichkeit der Amplitudenmodulation vergrößert die klangliche Bandbreite noch einmal. Diese digitale Klangerzeugung durchläuft ein analoges resonanzfähiges Tiefpassfilter, das mittels eines CEM 3379 realisiert wurde, sowie Multi-Stage-Hüllkurven.

Zu dem Synthesizer-Teil gesellt sich noch ein 8-Spur-Sequencer mit einer Kapazität von 2400 Events, und da der ESQ-1 achtfach mulititimbral ist, stellt er eigentlich schon eine frühe Workstation dar, allerdings noch ohne Drums.
Dieser Sequencer fehlt übrigens bei der Rack-Variante ESQ-M, die zudem mit einem kleineren Display auskommen muss, was die ohnehin schon etwas fummelige Bedienung im Stile der späten Achtziger noch weiter in Richtung Videorekorder treibt.

Der ein Jahr später veröffentlichte SQ-80 basierte auf der gleichen Klangerzeugung wie der ESQ-1, bot gegenüber diesem aber ein erweitertes Angebot an Wellenformen (fünfundsiebzig statt zweiunddreißig, inklusive Drums), polyphonen Aftertouch sowie eine größere Kapazität des Sequencers. Der Grundklang beider Synths ist minimal unterschiedlich.
Da ENSONIQ mit seinen Synthesizern vor allem in Konkurrenz zum gefälliger klingenden ROLAND D-50 treten musste, hatten die Geräte es damals etwas schwer auf dem Markt.
Aufgrund seines eher rauen und körnigen Klangcharakters fand der ESQ-1 aber dennoch zahlreiche Freunde, insbesondere im EBM- und Industrial-Bereich, aber nicht nur dort. Zu den bekannten Nutzern zählten unter anderem so illustre Namen wie Skinny Puppy, DAF, John Carpenter oder Andreas Eberhardt. Letzterer hat den ESQ-1 nach wie vor in seinem Studio stehen, was uns später noch dienlich sein wird…
Die Firma ENSONIQ befindet sich übrigens inzwischen längst (ebenso wie E-MU SYSTEMS) im Besitz von CREATIVE TECHNOLOGY (ja, die mit den bekannten SOUND BLASTER Soundkarten), und CHERRY AUDIO darf dank eines entsprechenden Deals sowohl die Markenbezeichnung als auch die originalen Wellenformdateien für seine Emulation des ESQ-1 verwenden.
Grundsatzdiskussion…
Wie immer sind hier zunächst die allgemeinen Merkmale des Plugins an der Reihe, die sich bei nahezu allen Erzeugnissen von CHERRY AUDIO wiederfinden.
Den ENSONIQ ESQ-1 gibt es in 64-Bit-Ausführung für WINDOWS ab Version 7 und für macOS ab Version 10.13. Verfügbar sind die Plugin-Formate VST2, VST3, AAX und AU sowie eine Standalone-Version. In diesem Test habe ich nur die VST-Varianten für WINDOWS berücksichtigt.

Zu meinem Testrechner, der inzwischen eine alte Gurke ist: CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 GB Arbeitsspeicher sowie WINDOWS 10 als Betriebssystem.

Alle Plugins von CHERRY AUDIO, so auch der ENSONIQ ESQ-1, benötigen beim ersten Start eine aktive Internetverbindung, denn es werden noch einige Daten vom Server zur Komplettierung der Installation nachgeladen. Auch zum Freischalten des Plugins, das mittels der Account-Zugangsdaten geschieht, muss der Rechner online sein. Eine Offline-Aktivierung ist leider nicht vorgesehen. Für den anschließenden Betrieb des Plugins ist aber keine Internetverbindung mehr vonnöten.

Die Bedienoberfläche des ENSONIQ ESQ-1 ist frei skalierbar. Sie lehnt sich optisch zwar erkennbar an ihr Vorbild an, verfügt allerdings über sehr viel mehr Bedienelemente als die in dieser Hinsicht eher spartanisch ausgestattete Hardware
Wie so häufig bei CHERRY AUDIO wurde das GUI mit perspektivischen Verzerrungen sowie, virtuellen Glanzlichtern und Schattenwürfen versehen, in diesem Falle stört das allerdings nicht sonderlich.

Der untere Bereich, in dem wahlweise das Keyboard, die Effektsektion oder der Sequencer angezeigt werden, lässt sich mit einem Klick auf HIDE EXTRAS ausblenden, auf diese Weise benötigt das Plugin dann nur noch den halben Platz auf dem Bildschirm.
Da der ENSONIQ ESQ-1 über ausgesprochen viele Funktionen und Parameter verfügt, kam CHERRY AUDIO nicht umhin, hier einmal wieder mit diversen umschaltbaren Sektionen zu arbeiten, um die Bedienoberfläche halbwegs übersichtlich zu halten und nicht völlig mit virtuellen Reglern und Schaltern zu überfrachten.

Die sogenannte FOCUS-Funktion zoomt einen beliebigen Ausschnitt der Bedienoberfläche auf die volle Fenstergröße, dies lässt sich auch mittels Shortcut durchführen: Ein Klick auf die Bedienoberfläche bei simultan gedrückter STRG- (WINDOWS) bzw. CMD-Taste (macOS) aktiviert oder deaktiviert FOCUS.

Der ENSONIQ ESQ-1 lässt sich problemlos mit MIDI-Controllern aller Art verbinden und steuern, dazu steht eine komfortable Lernfunktion bereit. Alle Zuweisungen können auch nachträglich noch angepasst werden, zudem lassen sich alle Parameter auf einen minimalen und/oder maximalen Wert beschränken, ebenso können die Regelkurven durch Ziehen mit dem Mauszeiger logarithmische oder exponentielle Verläufe annehmen. Eine jede Zuweisung kann wahlweise global oder lediglich für das jeweilige Preset definiert werden.
In den Settings lässt sich einstellen, dass alle Regler auch mit dem Mausrad bedient werden können und natürlich reagiert das Plugin auch auf Parameter-Automationen in der DAW. Es gibt UNDO- und REDO-Funktionen, so dass Parameterveränderungen schnell rückgängig gemacht oder wiederhergestellt werden können.

Mit dem QWERTY KEYBOARD kann das Plugin auch mit der alphanumerischen Computertastatur gespielt werden, wenn mal kein MIDI-Keyboard verfügbar sein sollte. Auch ein paar Spielhilfen wie etwa Pitch Bend oder Modulation sind hiermit abrufbar.

Im SETTINGS-Menü mit seinen drei Seiten nimmt man diverse globale Einstellungen vor, sei es der Speicherort für die Presets, der Umgang mit eventuellen Updates oder das Finetuning der der Bedienoberfläche. Die persönlichen Zugangsdaten für die Aktivierung findet man hier ebenfalls vor.

Die Presets werden über den dazugehörigen Browser verwaltet. Dieser verfügt über verschiedene Kategorien, eine Suchfunktion und auch eine Favoritenliste, die alle vorab markierten Lieblings-Presets beinhaltet. Das Fenster des Preset-Browsers schließt sich normalerweise automatisch, nachdem ein Preset ausgewählt wurde. Dieses Verhalten lässt sich mittels der Pin-Funktion deaktivieren, so dass der Browser solange im Vordergrund geöffnet bleibt, bis er manuell geschlossen wird. Auf diese Weise kann man in Ruhe alle Presets durchforsten, übrigens auch via Cursor-Tasten.

Die Oversampling-Qualität des ENSONIQ ESQ-1 kann in vier Stufen eingestellt werden, Standard ist dabei 1x (normale Qualität). In der höchsten Qualitätsstufe (4x) schneidet sich das Plugin natürlich eine dickere Scheibe von den vorhandenen CPU-Ressourcen ab.
Wellenfunktion…
Der virtuelle ESQ-1 ist zwar nicht achtfach multitimbral wie sein Vorbild (was bei der Nutzung in einer DAW auch weniger sinnvoll erscheint), dafür aber immerhin bitimbral, so das sich mit Hilfe seiner zwei Layer auch Split- und Double-Sounds realisieren lassen.
Im Gegensatz zu den anderen Synthesizer-Plugins, die CHERRY AUDIO in der jüngeren Vergangenheit veröffentlicht hat, befinden sich beim ESQ-1 nicht alle Parameter der Klangerzeugung auf einer einzigen Bildschirmseite, sondern verteilen sich auf mehreren, zwischen denen sich mittels der rechtsseitig platzierten Buttons PLAY, EDIT, MOD und ENV umschalten lässt (der fünfte Button namens SEQ ist nur eine alternative Möglichkeit zum Aufruf von Step-Sequencer und Arpeggiator, er macht also dasselbe wie der MOTION-Button ganz links unten).

Der Play Mode bietet Zugriff auf die vier Macro-Regler sowie auf einige Grundfunktionen von Oszillatoren, Filter und vierter Hüllkurve. Die jeweiligen Oszillator-Wellenformen werden grafisch dargestellt. Sie lassen sich aus einem Popup-Menü direkt anwählen, man muss sich also nicht erst mühsam der Reihe nach durchklicken.
Die zweiunddreißig originalen Wellenformen umfassen die Bereiche klassische Standardwellenformen wie Sägezahn, Sinus, Rechteck oder Pulswelle, Samples und Multisamples (zum Beispiel Voice, Bass, akustisches und elektrisches Piano, Orgel usw., hierbei handelt es sich wie weiter oben schon beschrieben nicht um hochaufgelöstes Klangmaterial, sondern eher um digitale Andeutungen der genannten Instrumente, aus denen sich tolle synthetische Klänge zaubern lassen), additiv erzeugte Wellenformen, vokalartige Formant-Wellenformen sowie bandlimitierte Wellenformen, aus denen bereits bestimmte Anteile des harmonischen Spektrums entfernt wurden bzw. die nur aus bestimmten Harmonischen bestehen.
Oszillator 1 lässt sich auch zu Oszillator 2 synchronisieren, ebenso kann er DCA 2 amplitudenmodulieren.

Im Edit Mode hingegen lassen sich die Parameter der Klangerzeugung detaillierter bearbeiten. Zwischen den drei Oszillatoren und den dazugehörigen DCA 1 bis 3 muss dazu umgeschaltet werden, während sich Filter, DCA 4 und vierte Hüllkurve stets im unmittelbaren Zugriff befinden.
CHERRY AUDIO hat dem Filter übrigens ein paar zusätzliche Modi spendiert. Neben dem originalen Tiefpass mit einer Flankensteilheit von 24 dB pro Oktave gibt es auch eines mit 12 dB pro Oktave, darüber hinaus stehen noch ein Hochpass und ein Bandbass zur Verfügung. Wie schon beim Original reicht die Resonanz nicht bis zur Selbstoszillation.
Die vierte Hüllkurve (ENV 4) ist mit der finalen Ausgangsstufe (DCA 4) hinter dem Filter verknüpft. Sie bietet ansonsten dieselben Parameter wie die multipel zuweisbaren ENV 1 bis ENV 3.

Diese wiederum sind über den Env Mode erreichbar. Jede Hüllkurve lässt sich sowohl mit Hilfe virtueller Schieberegler oder eines grafischen Displays einstellen. Es gibt hier jeweils drei Level- und vier Time-Parameter, wodurch die Hüllkurven flexibler reagieren als bei einer klassischen ADSR-Ausführung.

Der Mod Mode führt uns zur Modulationsabteilung. Links oben finden wir die vier Slots umfassende Mod Matrix. Sie erinnert optisch an das auffällige Display der Hardware. Jeder Slot hat drei Parameter: Modulationsquelle, Via (zusätzlicher Controller zur Beeinflussung der Modulation) und Modulationsziel. Die Auswahl geschieht wieder über Popup-Menüs und ist sehr umfangreich.
Direkt darunter befinden sich die vier schon vom Play Mode bekannten Macro-Regler, von denen ein jeder für die Modulationsintensität des jeweils über ihm liegenden Slots verantwortlich ist. Da diese Regler bipolar funktionieren, sind sowohl positive als auch negative Modulationen mit ihnen möglich.
Rechts der Mod Matrix sind die drei identisch ausgestatteten LFOs untergebracht. Jeder LFO bei Bedarf zum Host-Tempo synchronisieren, mittels Reset bei jeder Note neu starten und mit Human dezent variieren. An Schwingungsformen stehen Dreieck, Sägezahn, Rechteck und Rauschen zur Verfügung.
Eine Besonderheit stellen die zusätzlichen Parameter L(evel) 1, Delay und L(evel) 2 dar: L1 bestimmt die Intensität des LFO bei Notenbeginn, Delay steuert, wie schnell sich L1 zu L2 bewegt und L2 schließlich legt die endgültige Intensität bis zum Loslassen der Keyboard-Taste fest. Die Intensität kann darüber hinaus durch eine weitere auswählbare Modulationsquelle beeinflusst werden.
Bezüglich der Bedienoberfläche und des damit verbundenen Workflows möchte ich an dieser Stelle noch anmerken, dass zumindest Redaktionskollege Andreas davon nicht so ganz überzeugt war, da er als langjähriger und eingefleischter Besitzer der Hardware sich erst einmal gehörig umorientieren musste, um mit dem Plugin ans Ziel zu gelangen. Vermutlich würde ich mich an der Hardware aber zunächst ebenso schwer tun…
Bewegungstherapie…
Ein Arpeggiator an Bord ist immer gut, ein Step-Sequencer ebenfalls. Noch besser ist es allerdings, wenn man beides hat, so wie beim ESQ-1. Diese finden sich in der sogenannten Motion View, die anstelle der virtuellen Klaviatur angezeigt wird und wie oben schon erwähnt entweder über den MOTION- oder den SEQ-Button aufgerufen wird.
Bei bitimbraler Nutzung des ESQ-1 verfügt jeder der beiden Layer über seine eigene Motion-Engine. Diese können dann getrennt voneinander oder gemeinsam gestartet und gestoppt werden.

Der Arpeggiator entspricht denen in vielen anderen Synth-Plugins, die CHERRY AUDIO in den vergangenen Jahen veröffentlicht hat, lediglich die optische Gestaltung wurde an den ESQ-1 angepasst.
Wieder einmal stehen verschiedene Optionen für die Notenreihenfolge (PATTERN) und die Abspielrichtung (DIRECTION) bereit, auch die Parameter SWING, CHANCE (Wahrscheinlichkeitsfaktor) und FEEL (minimaler Versatz auf der Zeitachse) kommen wieder zum Einsatz. Das Arpeggio kann sich über bis zu vier Oktaven erstrecken. Die Abspielgeschwindigkeit lässt sich manuell einstellen, wahlweise kann sie aber auch dem Host-Tempo folgen. Angesteuert werden kann der Arpeggiator über von Hand gespielte bzw. in der DAW gesetzte Noten oder über den direkt nebenan platzierten Sequencer.

Bei diesem handelt es sich nicht etwa um eine Nachbildung des Achtspur-Sequencers in der Hardware, der würde in einem Plugin, das vorrangig im Rahmen einer DAW genutzt wird auch nur wenig Sinn ergeben, zumal der virtuelle ESQ-1 ja lediglich bitimbral ist.
Stattdessen hat CHERRY AUDIO hier eine Variante seines hauseigenen polyphonen Step-Sequencers implementiert, wie er beispielsweise auch im MERCURY-8 zum Einsatz kommt. Beim ESQ-1 wurde er jedoch noch einmal etwas aufgebohrt, denn er kann nicht nur Notenfolgen wiedergeben, sondern ebenfalls als bipolarer Modulationssequencer (MOD SOURCE) arbeiten, dies wahlweise auch alleine.

Zur Verfügung stehen vier Patterns mit jeweils bis zu sechzehn Schritten. Verschiedene Abspielmodi sowie SWING, CHANCE und FEEL gibt es auch hier, eine Synchronisationsmöglichkeit zum Host-Tempo natürlich auch.
Wenn der Modulationssequencer verwendet wird, dann stehen hier vier parallel nutzbare Spuren bereit, eine für jedes Macro. Was genau damit jeweils moduliert werden soll, muss in der Mod Matrix festgelegt werden (übrigens wird dazu dort dann DC als Modulationsquelle ausgewählt). CHERRY AUDIO stellt auch zahlreiche vorgefertigte Muster bereit, die via Popup-Menü ausgewählt und dann in die gerade aktive Spur (M1, M2, M3 oder M4) geladen werden, eine gute Idee.
Feuchtigkeitscreme…
Das CHERRY AUDIO dem ENSONIQ ESQ-1 auch noch eine Effektsektion spendiert hat, dürfte nur die wenigsten verwundern. Da sie dasselbe System nutzt, dass im Oktober 2025 mit dem TRIDENT MK III etabliert wurde, lassen sich die damit zusammengestellten Effektketten auch in anderen Plugins von CHERRY AUDIO verwenden, die diesem Standard folgen, ebenso wie der ESQ-1 deren Effektketten zu laden vermag.

Die Effektsektion befindet sich am unteren Rand der Bedienoberfläche und präsentiert sich dort nach dem Laden des Plugins zunächst nur als schmaler Streifen mit wenigen
Eingriffsmöglichkeiten. Erst wenn man sie vollständig öffnet, nimmt sie den Platz ein, an dem auch die virtuelle Klaviatur oder die Motion-Sektion platziert ist.

Dort stehen dann pro Layer fünf Slots bereit, die sich jeweils mit einem von zwanzig verschiedenen Effekt-Algorithmen befüllen lassen. Zur Verfügung stehen diverse Modulationseffekte, etwa Chorus, Flanger und Phaser, mehrere Delays und Reverbs, aber auch Equalizer, Filter, Ring Modulator, Panner, Pulser, Verzerrer, Kompressor sowie ein Effekt namens Lo-Fi , der zur Degradierung des Audiosignals dient.
Jede der beiden Effektketten besitzt einen eigenen EFFECTS MODULATOR, einen LFO mit sechs Schwingungsformen zur Modulation verschiedener vorgegebener Effektparameter, dies bei Bedarf auch synchron zum Host-Tempo.
Wenn man die Lock-Funktion aktiviert, dann werden die gerade aktuellen Effekteinstellungen nicht verändert, wenn man das Sound-Preset wechselt. Die Effektsektion lässt sich übrigens auch global deaktiveren, was insbesondere dann von Vorteil ist, wenn man externe Effekte zu verwenden gedenkt.
Die Qualität der einzelnen Effekte selbst ist gewohnt gut (diese sind ja auch dieselben wie immer…) und muss sich nicht vor der Konkurrenz verstecken.
ESQapaden…
Muss ich bei Emulationen von Vintage-Synthesizern hier ja häufig zugeben, das Original gar nicht persönlich zu kennen, so stellt der ESQ-1 mal wieder eine Ausnahme dieser Regel dar. Als ich Ende der Achtziger einen Synthesizerkurs an der hiesigen Volkshochschule belegte (Offtopic-Funfact: der Kursleiter damals war der Musiker Hans-Werner Schneider, seines Zeichens Vater von Nils Schneider, der wiederum schon einige gute Plugins entwickelt hat, so auch eine hervorragende Emulation des KAWAI K1), gab es dort neben einigen anderen Klassikern (u.a. MS-50, MONO/POLY, JUNO-106), auch einen ESQ-1, an den ich Hand anlegen durfte.
Ich will jetzt deswegen aber nicht groß auf die Kacke hauen, denn eigentlich habe ich nur ein paar Male darauf herumgeklimpert, mich aber nicht wirklich tiefer mit dem Sounddesign an diesem Gerät beschäftigt.

Ein Glück also, dass Redaktionskollege Andreas mit dem Original sozusagen auf Du und Du ist und daher einen Direktvergleich für mich vornehmen konnte, den wir Euch nicht vorenthalten wollen. Andreas hat sich eine Handvoll der trockenen originalen Factory-Presets geschnappt (PIANO1, SLOWSTR, MIXED und HEVBRS) und diese zunächst auf der Hardware und anschließend auf der Emulation kurz angespielt. Hier sind die Ergebnisse:
Wie man hören kann, liegen beide Instrumente schon sehr dicht beieinander und klingen nahezu identisch. Die Emulation wirkt vielleicht einen Ticken klarer als die Hardware. Wer übrigens insbesondere über Kopfhörer ein breiteres Stereobild beim Plugin wahrnimmt, dies liegt lediglich daran, dass Andreas seinen ESQ-1 in Mono aufgenommen hat, während das Plugin naturgemäß auf einer Stereospur in der DAW landet…
Unabhängig von der Frage nach Authentizität habe ich noch ein paar der mitgelieferten Presets aufgenommen, die auch Gebrauch von den erweiterten Möglichkeiten (Effekte und/oder Motion-Sektion) machen:
Wie eigentlich fast immer zu einem neuen Plugin von CHERRY AUDIO gibt es auch wieder ein optionales Preset Pack mit einhundert zusätzlichen Kreationen von James Dyson, das gesondert zu erwerben ist. Ich habe es zu meinem Testexemplar dazu erhalten, deshalb nachfolgend ebenfalls einige Presets daraus:
Bleibt noch zu erwähnen, dass Hardware und Emulation auch Presets im SysEx-Format miteinander auszutauschen vermögen (natürlich nur mit den bei allen beiden vorhandenen Parametern). Kurz nach Veröffentlichung seiner Emulation hat CHERRY AUDIO noch ein kostenloses Preset Pack namens VOICE-80 nachgelegt, dass aus sage und schreibe 880 (!) Presets besteht. Dabei handelt es sich um die konvertierten Sounds der elf originalen ROM-Cartridges, die ENSONIQ damals separat verkauft hatte (jede Cartridge beinhaltete 80 Presets). Natürlich greift keines dieser Presets auf die Effekt- oder die Motion-Sektion zurück, die gab es beide schließlich in der Hardware noch nicht.
Um an VOICE-80 zu kommen, muss man nur den virtuellen ESQ-1 bereits sein Eigen nennen, dann kann man das Preset Pack zu seiner Library hinzufügen (Link siehe ganz unten). Beim nächsten Aufruf des Plugins bei gleichzeitig aktiver Internetverbindung wird VOICE-80 dann automatisch heruntergeladen und dem Preset-Browser hinzugefügt.
Ein paar Worte noch zu den unmittelbaren Mitwerbern des ESQ-1. Lässt man einmal samplebasierte Plugins wie den UVI USQ-1 beiseite, bleibt eigentlich nur noch der ARTURIA SQ80 V übrig. Außerdem gibt es noch das Freeware-Plugin SQ8L von Siegfried Kullmann, das jedoch schon lange nicht mehr weiterentwickelt wird und nur in 32-Bit für WINDOWS verfügbar ist. Diese zwei Emulationen bilden allerdings nicht den ESQ-1 nach, sondern dessen Nachfolger SQ-80.
Ich habe diese beiden einmal kurz mit dem ESQ-1 verglichen, und zwar nur den reinen Grundsound der bei allen dreien vorhandenen Wellenformen mit einem Init-Preset. Die zwei SQ-80-Emulationen klangen hier gegenüber dem ESQ-1 jeweils etwas höhenbetonter. Ich habe mir von einem Besitzer beider Hardware-Varianten bestätigen lassen, dass dies dort ebenfalls der Fall sei, zudem scheinen Fachkundige dies sogar aus deren Schaltplänen ableiten zu können. Insofern haben offenbar alle Entwickler zumindest schon mal den jeweiligen Grundsound (abseits von Filter etc.) durchaus authentisch reproduziert.
Fazit:
Die Emulation des ENSONIQ ESQ-1 von CHERRY AUDIO kann sich auf jeden Fall hören lassen. Das meine nicht nur ich, sondern auch mein Redaktionskollege Andreas, der die Möglichkeit zu einem Eins-zu-Eins-Vergleich mit dem Original hat und mir die klangliche Übereinstimmung bestätigt.
Lediglich über die Bedienoberfläche scheint es geteilte Meinungen zu geben. Wer von der Hardware kommt, der mag sich hier vermutlich erst mal eingewöhnen müssen. Wer jedoch nie wirklich mit dem Original gearbeitet hat, so wie ich etwa, dem dürfte dies wahrscheinlich schnuppe sein (mir zumindest ist es das…).
Über die reine Emulation hinaus bietet auch der virtuelle ESQ-1 wieder jede Menge zusätzliche Möglichkeiten, die man beim Original nicht oder nur mit großem Aufwand errreichen kann, etwa durch die Motion-Sektion und die integrierten Effekte.
CHERRY AUDIO bietet seinen ENSONIQ ESQ-1 für faire 69,- US-Dollar an, gratis dazu gibt es das VOICE-80 Preset Pack. Ein weiteres brauchbares Preset-Paket, dass auch die zusätzlichen Möglichkeiten der Emulation nutzt, stellt SONIC ODYSSEYS dar, dass für 9,99 USD erhältlich ist.
Auch zum ENSONIQ ESQ-1 bietet CHERRY AUDIO wieder eine kostenlose Demoversion an, die 30 Tage lang lauffähig ist und abgesehen von einem periodischen Störsignal alle Eigenschaften der Vollversion aufweist. Antesten unbedingt empfohlen!
Positives:
+ guter, authentischer Grundklang
+ flexible Klangarchitektur
+ Motion-Sektion
+ sehr brauchbare Effekt-Sektion
+ umfangreiche MIDI-Learn-Sektion
+ lädt auch Presets der Hardware
+ fairer Preis
Negatives:
– keine Offline-Aktivierung bzw. -Installation möglich
Produktwebseiten:
https://cherryaudio.com/products/esq-1-synthesizer
https://store.cherryaudio.com/presets/esq-1-voice-cartridges
https://store.cherryaudio.com/presets/soniq-odysseys-for-esq-1


Kleiner Funfact: Nachdem ich ja meinen ESQ 1 wieder aus der Mottenkiste geholt habe. Der schläft die meiste Zeit dort, da ich die verdammte Batterie nicht selbst wechseln will und hier keinen finde, den ich das machen lassen würde, und ohne Batterie sind alle selbstgemachten Einstellungen, Presets, Sequenzen usw. beim Ausschalten im Nirwana. Also, nachdem ich den Ensoniq ESQ-1, für den ich in den Achtzigern mehr als 3000,– Deutsche Mark gelassen hatte … Ich schweife schon wieder ab …, erneut neben mir im Studio stehen habe. Ist mir aufgefallen, wie gut die Tastatur des Synthesizers ist. Die ist wirklich verdammt gut, das hatte ich bereits vergessen. Aber allein als MIDI-Controller ist mir der ESQ 1 nun auch zu schade, werde mich daher noch einmal umsehen nach einem guten Elektroniker, welcher mir die Batterie wechselt. Das ist wirklich ein Schwachpunkt des ESQ 1. Und damit jetzt keiner denkt, Andreas ist zu blöd, eine Batterie zu wechseln: Die ist eingelötet in eine doppelte Platine und es ist notwendig, eine Lötabsaugpumpe zu bemühen. Die Geschichte hat den Hintergrund, dass ich mich schon einmal daran versucht habe, ein ROM-Update einzulöten. Das ging dermaßen in die Hose, dass ich heute noch eine Phobie vor Lötabsaugpumpen habe. Der Musikstore hat es schlussendlich gerichtet, nur der ist heute 2000 Kilometer weit weg. Warum ich das hier schreibe? Keine Ahnung, hatte einfach mal Bock darauf, einen Kommentar auf BuenasIdeas zu verfassen. Ihr seid alle eingeladen, auch wieder die Kommentarfunktion zu nutzen, nachdem diese, bedingt durch einen Fehler, welchen ich nicht selbst lösen konnte, ein Jahr lang ohne Funktion war.