Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 25.08.2026
KI-FREIER INHALT!

Seit 2020 bringt CHERRY AUDIO ein neues Plugin nach dem anderen heraus. Beim allerneuesten Wurf handelt es sich jedoch um einen alten Bekannten, der als erster Synth von CHERRY AUDIO eine komplette Generalüberholung erhalten hat und nun als MEMORYMODE V2 erneut um die Gunst der Strommusikanten wirbt.


Aufgewärmt

Die erste Version des MEMORYMODE hatte ich bereits vor rund fünf Jahren getestet, wer dieses Plugin noch nicht kennt, dem sei daher die Lektüre meines Testbericht dazu ans Herz gelegt.

MOOG MEMORYMOOG
MOOG MEMORYMOOG

Darin finden sich auch ein paar Informationen zum Vorbild des hier emulierten Synthesizers (MOOG MEMORYMOOG), die ich an dieser Stelle nicht erneut durchkauen möchte.

Erst vor wenigen Monaten hatte ich eine weitere Emulation des MEMORYMOOG zum Test hier, nämlich den MEMORY V von ARTURIA. Wer sich nun fragt, ob CHERRY AUDIO diesen Mitbewerber zum Anlass genommen haben mag, mit einer überholten Version des MEMORYMODE zu kontern, ein Absatz aus der Pressemeldung zum MEMORYMODE V2, den ich nachfolgend zitiere, dementiert dies ausdrücklich:

In case you’re curious, we decided back in February that we were going to do a version 2 of something, and we chose Memorymode. We had no idea Arturia’s Memory V was coming in May, but we decided not to change course. Memorymode was our first flagship instrument (five years ago!) and we felt it was the most deserving of an overhaul.“

Hier eine freie Übersetzung davon: “Falls es euch interessiert, wir haben bereits im Februar beschlossen, eine Version 2 von einem bestimmten Instrument zu entwickeln, und dabei fiel die Wahl auf Memorymode. Wir hatten keine Ahnung, dass Arturias Memory V im Mai auf den Markt kommen würde, aber wir haben uns entschieden, unseren Kurs nicht zu ändern. Memorymode war unser erstes Flaggschiff-Instrument (vor fünf Jahren!) und wir waren der Meinung, dass es eine Überarbeitung am meisten verdient hat.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 (oben) vs.V1 (unten)
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 (oben) vs.V1 (unten)

CHERRY AUDIO zählt beim MEMORYMODE V2 folgende Highlights gegenüber der Vorgängerversion auf:

  • Dual-Layer-Architektur (V1 war nur single layer), wobei jedes Layer optimiert und multithreaded ist, um eine bessere CPU-Leistung als bei früheren Versionen zu erzielen. Jeweils 16 Stimmen.
  • Neue Effekte: WIDE PHASER (ein satterer, vierstufiger Wide-Stereo-Phaser, der aus Kompatibilitätsgründen auf dem in MEMORYMODE V1 enthaltenen Effekt basiert) und ROTARY SPEAKER (identisch mit dem in BLUE3 ORGAN).
  • Polyphone Sequenzer für jedes Layer mit Touch-Animation, die auf die 4X-Touch-Modulation geroutet wird
  • Deutlich verbessertes Analog-Modelling, insbesondere im Filterbereich; originalgetreuer als zuvor
  • Optionale Schaltfläche „Emphasis Compensation“ im Filterbereich
  • Polyphones Aftertouch (nicht in V1) und MPE
  • Option „Multi-Voice“ für den polyphonen Stimmenmodus
  • Import älterer V1-Presets per Drag-and-Drop sowie Import von LAMM-SysEx-Daten und von ursprünglich auf Kassette gespeicherter Patches als WAV-Dateien

Einheitsverpackung…

Einmal mehr beginne ich mit den allgemeinen Merkmale des MEMORYMODE V2, die nichts mit der Klangerzeugung zu tun haben und die mehr oder minder allen Plugins von CHERRY AUDIO zu eigen sind.

Der MEMORYMODE V2 ist als 64-Bit-Software für WINDOWS ab Version 7 und für macOS ab Version 10.13 verfügbar. Es gibt eine Standalone-Version und darüber hinaus die Plugin-Formate VST2, VST3, AAX und AU. In diesem Test habe ich aber wieder einmal nur die VST-Varianten für WINDOWS berücksichtigt.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Installationsauswahl
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Installationsauswahl

Der zum Test verwendete Rechner ist mittlerweile technisch hoffnungslos veraltet, erweist mir jedoch nach wie vor treue Dienste und darf daher auch bis zu seinem Ableben noch in meinem Studio verweilen: CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 GB Arbeitsspeicher sowie WINDOWS 10 als Betriebssystem.

MEMORYMODE 2 wird übrigens parallel zu einer eventuell vorhandenen Vorgängerversion installiert. Letztere bleibt also unangetastet und DAW-Projekte, die damit arbeiten, sind somit nicht in Gefahr.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Installation benötigt Internetzugriff
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Installation benötigt Internetzugriff

Wie alle Plugins von CHERRY AUDIO benötigt auch der MEMORYMODE V2 eine aktive Internetverbindung, wenn er nach der Installation das erste Mal gestartet wird. Dabei werden noch diverse Daten nachgeladen, etwa aktualisierte Preset-Listen. Wie man oben sehen kann, hat CHERRY AUDIO der animierten Grafik dieses Fensters einen neuen Anstrich verpasst.

Nach dem Abschluss dieses Download-Vorgangs lässt sich das Plugin auch gleich freischalten, was mit den persönlichen Zugangsdaten des obligatorischen Accounts erfolgt. Wer übrigens schon andere Plugins von CHERRY AUDIO installiert hat, bei dem erfolgt die Aktivierung in der Regel automatisch ohne erneute Eingabe dieser Daten. Völlig ohne Internetverbindung lässt sich das Plugin leider nicht freischalten, denn die Möglichkeit einer Offline-Aktivierung existiert nicht. Zum eigentlichen Betrieb des MEMORYMODE V2 kann der Rechner aber dauerhaft vom Netz bleiben.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2

Die skalierbare Bedienoberfläche des MEMORYMODE V2 fällt etwas größer aus als die seines Vorgängers. Im Gegensatz zu diesem hat man der Neuauflage auch eine virtuelle Klaviatur spendiert, die ich persönlich jedoch nie vermisst hatte und die man zum Glück auch deaktivieren kann, um Platz zu sparen. Es gibt jetzt übrigens auch nur noch ein einziges Farbschema, das sich an der Hardware orientiert. Die helle Variante hingegen ist weggefallen, mich stört’s nicht.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Bedienoberfläche ohne Keyboard
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Bedienoberfläche ohne Keyboard

Auf die wieder einmal vorhandenen perspektivischen Verzerrungen des angedeuteten Pseudo-3D-Looks hätte ich ebenfalls verzichten können, zumindest finde ich es schon etwas albern, wenn dadurch die weiter außen gelegenen Drehregler die darunterliegenden Skalen teilweise überdecken. In dieser Hinsicht gefällt mir die Vorgängerversion, die auf solchen Schnickschnack verzichtet, besser.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Focus
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Focus

Für die Kurzsichtigen unter den Anwendern gibt es auch wieder die FOCUS-Funktion, mit er man einen beliebigen Ausschnitt der Bedienoberfläche auf die volle Fenstergröße zoomen kann, es existiert sogar ein eigener Shortcut dafür: Ein Klick auf die Bedienoberfläche bei simultan gedrückter STRG- (WINDOWS) bzw. CMD-Taste (macOS) aktiviert oder deaktiviert diese Funktion.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - MIDI-Mapping
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – MIDI-Mapping

Die Regler des Plugins können auch mittels mit MIDI-Controller bedient werden. Die Zuweisung erfolgt ganz einfach und schnell mittels Lernfunktion. Vorgenommene Zuweisungen lassen sich auch nachträglich noch anpassen und die Regelbereiche jedes Parameter können bei Bedarf durch minimale und/oder maximale Werte eingeschränkt werden. Außerdem lassen sich die normalerweise linearen Regelkurven durch Ziehen mit dem Mauszeiger in Richtung eines logarithmischen oder eines exponentiellen Verlaufs bringen. Jedes einzelne MIDI-Mapping lässt sich wahlweise global für das Plugin oder auch nur für das jeweilige Preset verwenden.

Wer will, der kann in den Settings die Steuerung der Regler mittels Mausrad aktivieren, und selbstverständlich verarbeitet MEMORYMODE V2 auch Parameter-Automationen. Beim Editieren sind die UNDO- und REDO-Funktionen ebenfalls sehr hilfreich

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - QWERTY Keyboard
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – QWERTY Keyboard

Das sogenannte QWERTY KEYBOARD dient dazu, um das Plugin mit der alphanumerischen Computertastatur spielen zu können, falls gerade kein MIDI-Keyboard am Rechner angeschlossen ist. Zumindest zum Editieren reicht das allemal. Auch ein paar Spielhilfen wie Pitch Bend oder Modulation sind vorhanden.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Settings
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Settings

Das SETTINGS-Menü besitzt drei Bereiche (General, Interface und Account), in denen man verschiedene globale Einstellungen vornehmen kann, etwa die Festlegung des Speicherort für die Presets, wie mit eventuellen Updates verfahren werden soll oder das Verhalten der Bedienoberfläche. Auch die persönlichen Zugangsdaten für die Aktivierung finden sich hier.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Preset-Browser
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Preset-Browser

Beim MEMORYMODE V2 hat CHERRY AUDIO den Preset-Browser ein wenig kosmetisch aufgehübscht, was ihn nun etwas moderner wirken lässt. Die altbekannten Funktionen sind hier alle nach wie vor vorhanden, seien es die verschiedenen Kategorien, die Suchfunktion oder die Favoritenliste, die alle bevorzugten Presets aufnimmt, die man vorher als solche mit einem gelben Sternchen markiert hatte.

Wer in Ruhe durch die Presets stöbern möchte (das funktioniert auch mit den Cursor-Tasten), der aktiviert einfach die Pin-Funktion, die dafür sorgt, dass der Browser solange geöffnet bleibt, bis man irgendwo außerhalb auf die Bedienoberfläche klickt. Bei deaktivierter Pin-Funktion schließt sich der Browser unmittelbar nach Auswahl eines Presets wieder von alleine.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Oversampling Quality
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Oversampling Quality

Der MEMORYMODE V2 verfügt über eine in vier Stufen einstellbare Oversampling-Qualität. Standardmäßig aktiviert ist 1x (normale Qualität). Je höher die Qualitätsstufe, desto höher steigt auch der Bedarf an CPU-Ressourcen.

Auf meinem betagten Rechner vermochte ich gerade mal sechs parallel geladene Plugin-Instanzen mit Qualitätsstufe 4x störungsfrei betreiben, ab der siebten Instanz geriet die Audiowiedergabe dann gehörig ins Stottern, auch wenn die ersten sechs Instanzen dabei passiv waren. Auf einem modernen Rechner mit aktueller CPU- und RAM-Ausstattung geht da sicherlich weitaus mehr. Auch mag dies abhängig davon sein, ob die jeweiligen ein oder zwei Layers verwenden.

Mit Qualitätsstufe 1x hingegen war es kein Problem, zwanzig Instanzen auf meinem Rechner zu benutzen (vermutlich auch mehr, ich hatte das im Rahmen meiner Klangbeispiele nur nicht getestet).


Aufrüstung…

Layout und Optik der klangerzeugenden Sektion entspricht abgesehen von diversen Ergänzungen weitgehend der des Vorgängers und orientiert sich wie dieser sehr stark am Vorbild MEMORYMOOG. Hier muss man sich also nicht umgewöhnen. Aus diesem Grund werde ich hier auch nicht erneut den gesamten Signallpfad beleuchten, sondern mich auf die wesentlichen Änderungen beschränken, die beim MEMORYMODE V2 im Rahmen des Upgrades vorgenommen wurden.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Synthesesektion
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Synthesesektion

Die wichtigste Neuerung ist wohl die Bi-Timbralität, mit der der Neue gegenüber seinem Vorgänger aufwarten kann. Die komplette Klangerzeugung ist nun gleich doppelt vorhanden (LOWER LAYER und UPPER LAYER), womit sowohl Dual- als auch Split-Sounds möglich werden. Jedes Layer kann dabei auf bis zu sechzehn Stimmen zurückgreifen. Während ich persönlich Split-Sounds nicht unbedingt benötige (ich trete mit dem Plugin ja nicht live auf), finde ich ich einige der Dual-Klänge ob ihrer Klangfülle sehr beeindruckend.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Layer-Kontrollen
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Layer-Kontrollen

Gut, innerhalb der der DAW könnte man so etwas natürlich auch mit monotimbralen Synthesizern realisieren, aber Anwender der Standalone-Version hätten davon ja nichts. Zudem geht es direkt im Plugin ungleich schneller und diese Kombinationen können auch bequem in einem einzigen Preset gespeichert werden. Mittels UTILITY können übrigens auch Einstellungen zwischen den beiden Layers übertragen werden.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Modulationssektion
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Modulationssektion

Die Änderungen an der Synthesesektion sind auf den ersten Blick zwar geringfügig, tatsächlich jedoch keineswegs unbedeutend. Bei der zunächst eigentlich kaum verändert wirkenden Modulationssektion etwa fällt rechts unten ein neu hinzugekommener Schalter namens MOD SELECT auf. So unscheinbar dieser auch aussehen mag, so bedeutsam ist seine Funktion: Die Modulationssektion wurde beim MEMORYMODE V2 nämlich mal eben in zweifacher Ausführung implementiert, und zwar pro Layer! Mit MOD SELECT schaltet man zwischen MODULATION 1 und MODULATION 2 um.

Es gibt nur geringe Unterschiede zwischen diesen beiden Sektionen: Der LFO von MODULATION 2 besitzt einen Sinus statt einer Dreckswelle sowie eine Rechteckwelle mit gegenläufiger Phase zu der von MODULATION 1.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Oszillatorsektion und Mixer
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Oszillatorsektion und Mixer

Die Oszillatorsektion des MEMORYMODE V2 wirkt optisch identisch zu der des Vorgängers, die wesentlichen Änderungen fanden hier unter der Haube statt, denn CHERRY AUDIO hat sich noch einmal des Grundklangs angenommen und diesen verbessert.

Der DRIFT-Regler ist offenbar aus Platzgründen von ganz rechts ebenfalls in diese Sektion umgezogen (wo er eigentlich auch thematisch besser hinpasst). Mit ihm erzeugt man einstellbare zufällige Schwankungen in der Stimmung der Oszillatoren. Niedrige Einstellungen sorgen für subtile Bewegung, mittlere Einstellungen bewirken deutlichere Schwebungen und einen Vintage-Charakter und hohe Einstellungen schließlich erzeugen eine absichtlich instabile Stimmung, was manchmal ja durchaus erwünscht sein kann.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Filter und Verstärker
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Filter und Verstärker

Auch das Filter hat beim MEMORYMODE V2 eine klangliche Überarbeitung erfahren, laut CHERRY AUDIO wurde hier insbesondere hinsichtlich der Resonanz, der Sättigung und des Ansprechverhaltens des Filters auf das eingehende Oszillatorsignal nachgebessert.

Der Resonanzregler, im MOOG-Jargon EMPHASIS genannt, besitzt jetzt einen zusätzlichen Schalter, mit dem man den wahrgenommenen Pegelverlust und das Ausdünnen des Bassbereichs bei zunehmender Resonanz, was beides dem Design des MOOG-Kaskadenfilters geschuldet ist, zu kompensieren vermag. So sind dann auch satte Bässe bei gleichzeitig hohen Resonanzwerten möglich.

Bei den gemeinsamen Kontrollen für die beiden Hüllkurven gibt es nun noch die Möglichkeit, die MIDI-Daten eines Pedals zum Halten der Sustainphase zu verwenden.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Keyboard-Modi- Multi-Voice und Touch
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Keyboard-Modi- Multi-Voice und Touch

Ganz links lassen sich Einstellungen bezüglich der Keyboard-Modi und der Polyphonie, der Stimmenzuweisung sowie der Reaktion auf Aftertouch vornehmen. Es gibt hier verschiedene polyphone und monophone Modi. Ein Unisono-Modus mit regelbarer Verstimmung existiert ebenfalls.

MULTI-VOICE ist eine Funktion, die man schon von einigen früheren Synthesizern von CHERRY AUDIO kennt. Bei Aktivierung erhält man Zugriff auf ansonsten ausgegraute zusätzliche Bedienelemente, mit denen sich positive oder negative Parameteroffsets für die Stimmen 2 bis 4 (sowie 6 bis 8, 10 bis 12 und 14 bis 16) einstellen lassen, um auf diese Weise subtile bis drastische Klangabweichungen von der ersten Stimme zu ermöglichen.

Die mit TOUCH betitelte Sektion bietet vier bipolare Drehregler, denen via Popup-Menü jeweils einer von zahlreichen Parametern zugewiesen werden kann, welcher dann über eingehende Aftertouch-Befehle moduliert wird. Die Intensität lässt sich dabei sowohl positiv als auch negativ einstellen. Anstatt durch Aftertouch können die Modulationen auch durch den Sequencer des MEMORYMODE V2 ausgelöst und automatisiert werden (siehe unten). MEMORYMODE V2 kann übrigens sowohl monophonen als auch polyphonen Aftertouch verarbeiten.


Aerobic

Wo der erste MEMORYMODE nur einen einfachen Arpeggiator besaß, verfügt MEMORYMODE V2 über eine komplette Motion-Sektion, wie sie auch in einigen anderen neueren Synthesizern von CHERRY AUDIO vorhanden ist, etwa dem ESQ-1. Die Motion-Sektion erscheint bei Aufruf an der Stelle, an der auch das virtuelle Keyboard oder die Effektsektion platziert sind.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Motion-Sektion
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Motion-Sektion

Der Arpeggiator im MEMORYMODE V2 gleicht denen, die CHERRY AUDIO seit einigen Jahren in seine Synth-Plugins implementiert und ist damit dem seines Vorgängers an Features deutlich überlegen.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Arpeggiator
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Arpeggiator

Es stehen verschiedene Optionen für die Notenreihenfolge (PATTERN) und die Abspielrichtung (DIRECTION) zur Verfügung. Zudem werden die Parameter SWING, CHANCE (Wahrscheinlichkeitsfaktor) und FEEL (geringer Zeitversatz) eingesetzt. Das Arpeggio kann über eine, zwei, drei oder vier Oktaven laufen. Die Abspielgeschwindigkeit lässt sich frei einstellen oder kann dem Host-Tempo folgen. Der Arpeggiator kann wahlweise über manuell gespielte oder in der DAW gesetzte Noten oder über den angrenzenden Sequencer getriggert werden.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - Sequencer
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – Sequencer

Auch diesen kennen wir bereits in ähnlicher Ausführung vom hauseigenen ESQ-1. Auch beim MEMORYMODE V2 gibt es gleich zwei Sequencer, einen für jedes der beiden Layers.

Die Sequencer vermögen nicht nur Notenfolgen zu erzeugen, sondern auch bipolare Modulationssequencen. Beide Funktionen können dabei sowohl simultan als auch einzeln genutzt werden.

Für Notenfolgen gibt es gibt vier Patterns, die jeweils bis zu sechzehn Schritte umfassen können. Gebundene Noten können via TIE erzeugt werden. Wie beim Arpeggiator stehen auch hier verschiedene Abspielmodi sowie die Parameter SWING, CHANCE und FEEL zur Verfügung, und die Synchronisierung zum Host-Tempo ist selbstredend ebenfalls möglich. Fortlaufende Notenfolgen ohne Pausen können auch via MIDI eingegeben werden (LIVE RECORD), ebenso wie sich eine Sequenz bei Bedarf auch über das Keyboard transponieren lässt (TRANS).

Beim Einsatz des Modulationssequencers stehen vier parallel nutzbare Spuren zur Verfügung (T1 bis T4), von denen dann jede einem der oben erwähnten vier Touch-Modulatoren zugeordnet ist (diese reagieren dafür dann nicht mehr auf Aftertouch). Die jeweils gewünschten Modulationsziele werden ebenfalls direkt bei den Touch-Reglern festgelegt. Es werden zudem zahlreiche vorgefertigte Muster angeboten, die über ein Popup-Menü ausgewählt und dann in die aktive Spur geladen werden können, neben einfachen linearen Verläufen stehen hier auch komplexere Rhythmen zur Auswahl.


Feuchtzone

Die Effektsektion wurde beim MEMORYMODE V2 gegenüber dem Vorgänger ebenfalls gehörig aufgebohrt. Hier kommt nun der im vergangenen Jahr mit dem TRIDENT MK III eingeführte neue Standard zum Einsatz, der einerseits mehr und flexibler konfigurierbare Effekte enthält und anderseits kompatibel zu allen Plugins von CHERRY AUDIO ist, die denselben Standard implementiert haben.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - minimierte Effektsektion
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – minimierte Effektsektion

Die Effektsektion ist am unteren Rand der Bedienoberfläche platziert und erscheint im Normalzustand als schmaler Streifen, der nur rudimentäre Einstellmöglichkeiten bietet. Wird die Effektsektion dann über die dedizierte Schaltfläche aufgerufen, erstrahlt sie in voller Pracht, und zwar an der Stelle, an der sonst das Keyboard oder die Motion-Sektion dargestellt wird.

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 - vollständige Effektsektion
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – vollständige Effektsektion

Upper Layer und Lower Layer besitzen jeweils eine individuelle Effektkette, zusätzlich steht auch noch eine dritte, global aktive zur Verfügung. Jede dieser drei Effektketten verfügt wiederum über fünf Slots, die beliebig mit den vorhandenen Effekt-Algorithmen bestückt werden können. Mit dem MEMORYMODE V2 ist die Gesamtzahl der Algorithmen von zwanzig auf zweiundzwanzig angewachsen.

Es stehen verschiedene Modulationseffekte zur Verfügung, darunter Chorus, Flanger und Phaser, ebenso wie mehrere Delays und Reverbs. Zudem gibt es Equalizer, Filter, einen Ringmodulator, Panner, Pulser, Verzerrer, Kompressoren und einen Effekt namens LO-FI.

Neu hinzugekommen sind die weiter oben schon erwähnten Effekte WIDE PHASER (dies in erster Linie, um eine Kompatibilität mit den Presets der Vorgängerversion zu gewährleisten) sowie ROTARY SPEAKER, der man der hauseigenen BLUE3 ORGAN entnommen hat. Ich gehe einmal davon aus, das diese beiden neuen Effekte via Update auch in die schon bestehenden Plugins, die eine identische Effektsektion besitzen, integriert werden.

Die drei Effektketten besitzen jeweils einen eigenen EFFECTS MODULATOR, der einen LFO mit sechs Wellenformen zur Modulation verschiedener Effektparameter bietet, wobei dies bei Bedarf auch synchron zum Host-Tempo erfolgen kann.

Durch Aktivierung der Lock-Funktion bleiben die aktuellen Effekteinstellungen unverändert, wenn das Sound-Preset gewechselt wird. Zudem kann die Effektsektion global deaktiviert werden, was hilfreich ist, wenn externe Effekte verwendet werden sollen.

Die Effekte bieten eine durchweg gute Qualität im Vergleich zu Mitbewerbern und machen in vielen Fällen den Einsatz externer Plugins unnötig.


Klangwert

Das ich keinen MEMORYMOOG besitze oder jemals eine persönliche Begegnung mit einem solchen hatte und mir daher keine Beurteilung der Authentizität des MEMORYMODE V2 erlauben möchte, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Schließlich war dies ja auch schon beim Vorgänger bzw. bei den MEMORYMOOG-Emulationen der Mitbewerber der Fall. Daher beschränke ich mich im Folgenden auf die Bewertung der allgemeinen Klangqualität des MEMORYMODE V2 und auf einen Vergleich mit seinem Vorgänger sowie mit seinem direkten Konkurrenten, dem MEMORY V.

Allein nur für sich genommen bietet der MEMORYMODE V2 einen Quasi-Analogsound MOOGscher Couleur, der teilweise sehr voluminös ausfällt. Insbesondere die wuchtigen Bassklänge und tiefen Drones, die meine Boxen zum Beben bringen, gefallen mir gut. Aber auch schöne Pads, Bläser, lebendige Sequenzen sind keine Problem, ebenso wenig metallische Klänge, schräge Sci-Fi-Sounds und atmosphärische Klänge.

Im direkten Vergleich mit der Vorgängerversion sind die Unterschiede zumindest bei den Single-Layer-Sounds nicht riesig, sondern eher subtil (schließlich war der erste MEMORYMODE ja auch schon recht ordentlich), aber durchaus hörbar. Der MEMORYMODE V2 bringt hier noch ein gewisses zusätzliches Klangfundament mit ins Spiel, zudem klingt er beim nackten Init-Sound eine Spur dunkler. Beim Einsatz von Dual-Layer-Sounds hängt er seinen Vorgänger, der hier passen muss, natürlich komplett ab.

Mit Letzteren kann auch der ARTURIA MEMORY V nicht aufwarten (man kann allerdings für so etwas ja auch einfach zwei Instanzen verwenden…), insgesamt würde ich beide Emulationen aber auf dem selben hohen Niveau einordnen, so dass es letztendlich nur eine Frage des Geschmacks und eventuell auch noch des Kaufpreises bleibt. Jedes dieser beiden Plugins bietet über den Klang hinaus unterschiedliche Extra-Features, und je nachdem, in welchem Ökosystem man sich wohler fühlt (dem von ARTURIA oder dem von CHERRY AUDIO), mag man das eine oder das andere bevorzugen.

Übrigens, wie schon bei meinem Test des MEMORY V, habe ich ebenfalls wieder die Nachbildungen der originalen Factory Presets des MEMORYMOOG miteinander verglichen. Tatsächlich gibt es hier auch zum MEMORYMODE V2 nur sehr wenige klangliche Übereinstimmungen. Die Mehrheit dieser Presets beider Emulationen trägt lediglich denselben Namen, weist aber ansonsten nur wenig Ähnlichkeiten zum jeweiligen Pendant des anderen Plugins auf. Vielleicht fielen die Factory Presets ja auch schon auf den jeweils analysierten MEMORYMOOG-Exemplaren derart unterschiedlich aus…

Nachfolgend hört Ihr eine kleine Auswahl der unzähligen übrigen Presets des MEMORYMODE V2, die ich nach Gutdünken ausgesucht und angespielt habe:

Klangbeispiel CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – diverse Presets

Einmal mehr bietet CHERRY AUDIO noch ein gesondert zu erwerbendes Preset Pack an, dass dieses Mal sogar gleich zweihundertfünfundsiebzig statt der sonst üblichen einhundert Klangkreationen an Bord hat und an dem auch mehrere Sounddesigner beteiligt waren. Hier sind zehn Beispiele daraus:

Klangbeispiel CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2 – FOUNDATION Preset Pack

Wer die Vorgängerversion besitzt und damit eigene Presets erstellt hatte, kann diese übrigens einfach via Drag & Drop in den MEMORYMODE V2 importieren. Eventuell eingesetzte Effekte werden dabei automatisch an das neue System angepasst.

MEMORYMODE V2 vermag, wie weiter oben schon kurz erwähnt, auch Presets der Hardware in Form sogenannter LAMM-SysEx-Daten zu laden. Bei LAMM handelt es sich um eine umfangreiche Hard- und Software-Modifikation des MEMORYMOOG durch die deutsche Firma LINTRONICS, bei der das Gerät unter anderem mit MIDI und einem verbesserten Betriebssystem ausgestattet wird.

Des Weiteren kann MEMORYMODE V2 auch Preset-Daten verarbeiten, die über das Tape-Interface auf Audiokassette abgespeichert und von dort zu WAV-Dateien konvertiert wurden.


Fazit:

Die Frischzellenkur hat dem MEMORYMODE sehr gut getan. Von fast allem gibt es jetzt doppelt so viel. Der vorher ja schon nicht schlechte Softwaresynthesizer wird dadurch deutlich aufgewertet. Dabei wurde nicht nur bloß das Feature-Set erweitert, sondern auch der Klang der Oszillatoren und des Filters überarbeitet und hörbar verbessert. Mit der direkten Konkurrenz aus dem Hause ARTURIA befindet sich der MEMORYMODE V2 meiner Ansicht nach auf Augenhöhe.

Der MEMORYMODE V2 kann bei CHERRY AUDIO für 69,- US-Dollar erworben werden, Er ist damit zwar etwas teurer als sein Vorgänger, aber auch ungleich besser ausgestattet. Wer die erste Version bereits besitzt, zahlt für das Upgrade einen reduzierten Preis von 39,- USD (das entspricht dem damaligen Einführungspreis der V1).

Das optionale FOUNDATION Preset Paket, das mit einer Vielzahl an weiteren guten Sounds aufwarten kann, gibt es für 9,99 USD. Der gesamte Erlös aus den Verkäufen dieses Pakets im August 2026 kommt dabei übrigens der Bob Moog Foundation zugute.

Eine kostenlose Demoversion des MEMORYMODE V2 steht ebenfalls bereit. Diese ist 30 Tage lang lauffähig und bis auf ein periodisch auftretendes Störsignal identisch zur Vollversion.

Wenn ich abschließend noch eine kleine Bitte an CHERRY AUDIO richten darf: Wie wäre es denn mit einem künftigen Upgrade auch noch des DCO-106…? 😉

Positives:
+ sehr guter Grundklang
+ viele Verbesserungen
+ Motion-Sektion
+ sehr brauchbare Effekt-Sektion
+ umfangreiche MIDI-Learn-Sektion
+ lädt auch Presets der Hardware
+ fairer Preis

Negatives:
– keine Offline-Aktivierung bzw. -Installation möglich


Produktwebseiten:
https://cherryaudio.com/products/memorymode-v2
https://store.cherryaudio.com/presets/foundation-for-memorymode-2