Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 25.11.2025
Pünktlich zum Black Friday (der sich dieses Jahr einen ganzen Monat hinzuziehen scheint…) ist CHERRY AUDIO mit einem neuen Synthesizer-Plugin am Start. Der MERCURY-8 ist eine virtuelle Nachbildung des JUPITER-8 von ROLAND und trifft damit auf eine Reihe an Mitbewerbern. Wird er sich gegen die schon bestehenden Emulationen behaupten können?
Gasriese…
Über den ROLAND JUPITER-8 muss man eigentlich nicht mehr viel schreiben. Sicherlich gibt es keinen Synthesizerfreund, der nicht schon von ihm gehört hat. Das von 1981 bis 1985 mit etwa 3300 Einheiten produzierte Instrument stellte das damalige Flaggschiff im Portfolio von ROLAND dar und war in vielen Studios als zuverlässiges Arbeitstier zu finden, das ein breites Spektrum an Klängen zu erzeugen vermochte.

Die Liste namhafter Musiker, die den JUPITER-8 besaßen ist sehr lang, noch länger ist die der Produktionen, in denen er zu hören ist.
Neben seinen zweifellos hervorragenden Eigenschaften als Musikinstrument ist der JUPITER-8 aber auch ein Paradebeispiel dafür, wie sich klassische Synthesizer immer mehr zu Spekulationsobjekten auf dem Gebrauchtmarkt entwickeln.
Hat man dieses Gerät nach Abebben der ersten Analogwelle noch zu sehr moderaten Preisen erwerben können, so werden dafür mittlerweile Summen auf dem Preisniveau eines besseren Neuwagens gefordert. So gut der JUPITER-8 nun auch sein mag, solche Preise (sofern sie denn tatsächlich jemand zahlt…) sind eigentlich durch nichts zu rechtfertigen, zumindest nicht technisch oder musikalisch.
Wie auch immer, der JUPITER-8 hat bereits mehrere Softwareschmieden auf den Plan gerufen, die das Instrument in virtueller Form weiterleben lassen, sogar ROLAND selbst ist da mit von der Partie. Insofern kann man CHERRY AUDIO durchaus einen gewissen Wagemut attestieren, begibt man sich mit dem MERCURY-8 doch auf einen Markt, auf dem sich schon einige Platzhirsche tummeln…
Rekapitulation…
Zunächst folgt eine Auflistung der wichtigsten allgemeinen Funktionen. Da diese beim MERCURY-8 denen der anderen Plugins von CHERRY AUDIO entsprechen, können Eingeweihte dieses Kapitel also wieder einmal überspringen, denn hier gibt es keine Neuigkeiten.
MERCURY-8 kann als 64-Bit-Plugin unter WINDOWS 7 oder neuer und unter macOS (INTEL- und SILICON-CPUs) ab Version 10.13 aufwärts genutzt werden. Neben den Plugin-Formaten VST2, VST3, AAX und AU gibt es auch wieder eine Standalone-Version. In meinem Test habe ich aber wie immer nur die VST-Varianten für WINDOWS berücksichtigt.
Mein zum Test verwendeter Studiorechner ist ist wie folgt ausgestattet: CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 GB Arbeitsspeicher. Als Betriebssystem kommt WINDOWS 10 zum Einsatz.

Der MERCURY-8 lässt sich nur dann vollständig installieren, wenn auf dem Host-Rechner eine aktive Internetverbindung zur Verfügung steht, denn es werden beim ersten Start nach der Installation noch einige Daten bzw. Preset-Aktualisierungen heruntergeladen.
Zudem lässt sich das Plugin anschließend nur online freischalten (mit den persönlichen Account-Zugangsdaten), eine alternative Offline-Aktivierung ist leider nicht vorgesehen. Nach Installation und Aktivierung kann der Host-Rechner dann aber wieder vom Internet getrennt werden.

Nach dem Aufruf des MERCURY-8 stahlt uns eine skalierbare Bedienoberfläche entgegen, die fraglos an das Vorbild erinnert (das ist bei den Mitbewerbern aber ebenfalls so), gepaart mit einigen für CHERRY AUDIO typischen Eigenheiten.
So hat man dem MERCURY-8 mal wieder eine dezente Pseudo-3D-Optik inklusive perspektivischer Verzerrungen sowie nachgeahmten Schattenwürfen und Glanzlichtern spendiert. Ich persönlich brauche so etwas nicht, aber offensichtlich scheint ein großer Teil der Kundschaft darauf zu stehen, frei nach dem Motto „das Auge isst auch mit“.

Der Bereich der Bedienoberfläche, der wahlweise die virtuelle Klaviatur oder die Effektsektion beherbergt, kann auch komplett ausgeblendet werden, das spart wertvollen Platz auf dem Bildschirm.
Wie bei allen neueren Synths von CHERRY AUDIO seit dem ODC 2800 befinden sich nahezu sämtliche Funktionen auf einer einzigen Bildschirmseite im direkten Zugriff, wenn man einmal von der nur alternativen Ansicht Keyboard/Effekte absieht. Die Klangerzeugungs-Sektion ist somit stets zugänglich.

Über die sogenannte FOCUS-Funktion kann ein wählbarer Ausschnitt der Bedienoberfläche vergrößert und fensterfüllend dargestellt werden, damit kann man schnell einzelne Sektionen in den Vordergrund rücken, gerade bei hohen Bildschirmauflösungen kann dies helfen, sich auf einzelne Sektionen zu konzentrieren (und auch auf eine Sehhilfe zu verzichten…).
Der dazu passende Tastatur-Shortcut: Ein Klick auf die Bedienoberfläche mit gleichzeitig gedrückter STRG-Taste (WINDOWS) bzw. CMD-Taste (macOS) aktiviert FOCUS, auf dieselbe Weise deaktiviert man diese Funktion auch wieder.

Bezüglich der MIDI-Funktionen seiner Plugins lässt CHERRY AUDIO sich ja bekanntlich nicht lumpen, und auch beim MERCURY-8 finden wir daher wieder eine MIDI-Lernfunktion, mittels der man einen Controller seiner Wahl mit den virtuellen Bedienelementen des Synths verknüpfen kann.
Die so erzeugten MIDI-Mappings können nachträglich editiert und angepasst werden. So lassen sich etwa minimale und/oder maximale Werte für jeden zugewiesenen Parameter festlegen und die ansonsten linearen Regelkurven individuell verbiegen, um logarithmische oder exponentielle Verläufe anzunehmen. Eine jede vorgenommene Parameterzuweisung lässt sich global oder aber lediglich für das aktuelle Preset abspeichern.
Parameterautomation beherrscht der MERCURY-8 natürlich auch, und wer möchte, der kann auch das Mausrad zur Bedienung der virtuellen Regler verwenden.
Es gibt UNDO- und REDO-Funktionen, mit denen man Parameterveränderungen wieder rückgängig machen kann, dies ist auch praktisch, um schnell zwei alternative Einstellungen miteinander vergleichen zu können.

Das sogenannte QWERTY KEYBOARD lässt sich als separates Minifenster aufrufen und ersetzt bei Bedarf ein herkömmliches MIDI-Keyboard nebst Spielhifen. Man kann es zwar auch mit der Maus bedienen, doch viel praktischer ist die Verwendung der alphanumerischen Computertastatur

Für die Grundeinstellungen steht ein eigenes Menü bereit (SETTINGS), das in drei Tabs umfangreiche Optionen bietet. Das Verhalten der Bedienoberfläche lässt sich hier ebenso feintunen wie der Umgang mit möglichen Updates. Auch das Verzeichnis zur Speicherung der Presets lässt sich einstellen, die eigenen Account-Daten können bei Bedarf geändert werden und so manches mehr lässt sich einstellen.

Die Klangkreationen werden über den Preset-Browser verwaltet und aufgerufen. Dieser bietet diverse Kategorien, eine Suchfunktion und eine Favoritenliste, zu der man alle Presets hinzufügen kann, die einem besonders gefallen, damit man sie später leichter wiederfindet und schneller im Zugriff hat. Nach der Auswahl eines Presets im Browser schließt dieser sich automatisch wieder. Möchte man dies verhindern, verwendet man einfach die Pin-Funktion, die das Browser-Fenster so lange geöffnet hält, bis man es nicht mehr benötigt.

Der MECURY-8 bietet bis zu vierfaches Oversampling zur Reduktion von Aliasing und damit zur Steigerung der Klangqualität. Ein separates Menü ermöglicht hierzu die Auswahl der gewünschten Qualität in vier Stufen. Die Standardeinstellung ist dabei 1x. Je höher die Qualitätsstufe, desto stärker natürlich auch die Anforderungen an die Rechenleistung der CPU.
Synthesewerk…
Die Klangerzeugung des MERCURY-8 ist nicht übermäßig komplex und entspricht bis auf geringfügige Änderungen der seines ROLANDschen Vorbilds. Pro Stimme existieren zwei Oszillatoren (VCO-1 und VCO-2), der erste bietet die Schwingungsformen Dreieck, Sägezahn, Puls und Rechteck, der zweite Sinus, Sägezahn, Puls und Rauschen. Die Pulsweite der Pulswellen lässt sich wahlweise manuell, per LFO oder durch die erste Hüllkurve verändern, ebenso lässt sich die Tonhöhe eines oder beider VCOs durch LFO und Hüllkurve (gleichzeitig) modulieren.
VCO-1 kann zu VCO-2 synchronisiert werden und VCO-2 kann gegenüber VCO-1 verstimmt werden sowie diesen für metallische Klänge kreuzmodulieren (CROSS MOD). Außerdem lässt sich VCO-2 in einem LFO-Modus betreiben (LOW FREQ).

Filter gibt es ebenfalls zwei pro Stimme, ein für ROLAND typisches resonanzloser Hochpass (HPF) zum Ausdünnen tiefer Frequenzen sowie ein resonanzfähiger Tiefpass (VCF) mit umschaltbarer Flankensteilheit (12 oder 24 dB pro Oktave). Die Frequenz des Tiefpassfilters lässt sich nach Wahl durch eine der beiden Hüllkurven steuern.
Wo der VCA sich beim JUPITER nur in drei festen Stufen (oder gar nicht) durch den LFO modulieren lässt, bietet der MERCURY-8 einen stufenlosen Regler. Auch KEY FOLLOW (alias Key Tracking) beider Hüllkurven lässt sich stufenlos regeln und nicht bloß ein- und ausschalten.
Die erwähnten Hüllkurven (ENV-1 und ENV-2) besitzen die weitverbreitete klassische ADSR-Parametrik, bei CHERRY AUDIO gibt es noch die zusätzliche Möglichkeit, die Hüllkurvenintensität via Anschlagsdynamik zu steuern. Bei ENV-1 lässt sich die Polarität umschalten. Standardmäßig ist ENV-1 dem Filter und ENV-2 dem VCA zugewiesen, aber wie oben schon beschrieben, können sie auch weitere Ziele ansteuern.
Auch die Parameter des LFO entsprechen weitgehend dem des Originals, CHERRY AUDIO hat dem MERCURY-8 hier lediglich zwei Extraschalter für eine Synchronisation zum Host-Tempo (SYNC) bzw. zum Neustart der LFO-Phase bei jedem Tastenanschlag (RETRIG) spendiert. Ansonsten lässt sich die Geschwindigkeit (RATE) und die Einsatzverzögerung (DELAY) regeln sowie die Schwingungsform (Sinus, abfallender Sägezahn, Rechteck und Zufallsmodulation) auswählen.
Eine weitere Hinzufügung stellt die MOD MATRIX dar, die beim JUPITER-8 nicht existiert. Sie bietet vier Slots, bei denen sich jeweils die Modulationsquelle, das Modulationsziel und die Modulationsintensität einstellen lassen. Als zusätzliches Schmankerl gibt es in jedem Slot noch einen SELECT VIA Parameter, sozusagen zur Modulation der Modulation.
Schichtarbeit…
Der MERCURY-8 bietet verschiedene, für CHERRY AUDIO typische Optionen zur Stimmenzuweisung, darunter auch verschiedene polyphone und einen monophonen Modi sowie Unisono- und Chord-Funktionen. Die maximale Polyphonie beträgt sechzehn Stimmen, lässt sich aber auch auf acht oder vier Stimmen reduzieren.

Eine Besonderheit stellt der MULTI-Modus dar. Aktiviert man diesen, erscheinen unterhalb der Schalterreihe fünf zusätzliche Stellschrauben und ein Auswahlschalter. Hiermit kann man positive oder negative Parameteroffsets für die Stimmen 2 bis 4 (bzw. 6 bis 8, 10 bis 12 und 14 bis 16) einstellen, also Klangabweichungen von der ersten Stimme. CHERRY AUDIO hat Derartiges bereits bei einigen seiner früheren Synthesizer implementiert.

Der MERCURY-8 gehört zu den Synthesizern, die eine bi-timbrale Klangerzeugung besitzen. Das bedeutet, dass er zwei verschiedene Klänge (LAYERS genannt) gleichzeitig wiedergeben kann.
Diese können entweder übereinandergeschichtet (DUAL) oder nebeneinander (SPLIT) auf dem Keyboard liegen, Letzteres mit verschiedenen Modi, etwa mit einer harten Trennung am variablen Split-Punkt, einer weichen Überblendung oder einer frei einstellbaren Überlappung.
Natürlich kann aber auch bloß ein einziger Klang über den gesamten Keyboardbereich wiedergegeben werden (WHOLE).
Zwischen den beiden Layers (UPPER LAYER und LOWER LAYER) schaltet man über die entsprechenden Auswahlschalter um. Hierbei lässt sich sogar für ein angeschlossenes Sustain-Pedal festlegen, auf welchen Layer es wirken soll (auf jeweils einen oder auf alle beide).
Die Einstellungen eines Layers lassen sich auch auf den anderen kopieren, zudem können sie zwischen UPPER LAYER und LOWER LAYER getauscht werden.

Damit man sich stets darüber im Klaren ist, welchen der beiden Layers man gerade editiert, hat CHERRY AUDIO ihnen unterschiedliche Farben zugewiesen: Beim UPPER LAYER sind die Markierungen der virtuellen Schieberegler und das zentrale Display rot, beim LOWER LAYER sind sie grün.
Jeder der zwei Layers verfügt über eigene Einstellmöglichkeiten für Lautstärke, Panorama und Stimmung. Ich persönlich hätte auch noch getrennte Einzelausgänge für beide Layers praktisch gefunden.

Wo das Display beim JUPTER-8 lediglich der Anzeige der Presetnummern diente, ist es beim MERCURY-8 für mehrere andere Funktionen zuständig. So stellt man darüber etwa die maximale Stimmenzahl und die Split-Modi ein oder lässt sich die jeweils aktiven Stimmennummern anzeigen.
Weiterhin kann man darüber die Einstellungen des DRIFT-Modus vornehmen. Dieser bildet die klanglichen Unregelmäßigkeiten und die Instabilität nach, die durch das Altern elektronischer Bauteile, zum Beispiel der Kondensatoren, entstehen. Neben einigen manuell einstellbaren Parametern (VCO-, VCF- und VCA-Drift sowie Hüllkurvenabweichungen) gibt es auch diverse Condition-Presets mit zunehmender virtueller Alterung.
Übrigens kann der MERCURY-8 auch Presets des originalen JUPITER-8 zum Austausch zwischen Hard- und Software laden und speichern.
Schaumbad…
Wie die meisten Instrumente von CHERRY AUDIO, bringt auch der MERCURY-8 eine umfangreiche Effekt-Sektion mit, die sowohl optisch als auch funktionell weitgehend der des zuletzt veröffentlichten TRIDENT MKIII entspricht, wenn man einmal davon absieht, dass hier zusätzlich zur globalen Effektkette nur zwei statt drei individuelle Effektketten gibt (der MERCURY-8 besitzt ja schließlich auch nur zwei Layers).

Bei allen neueren Synthesizer-Plugins von CHERRY AUDIO ist man die Effektsektion am stets am unteren Rand der Bedienoberfläche in minimierter Ansicht verfügbar und lässt sich dort lediglich rudimentär einstellen. Um an alle vorhandenen Optionen und Parameter zu gelangen, blendet man die vollständige Effektsektion in dem Bereich ein, in dem sich ansonsten die virtuelle Klaviatur befindet.

Es gibt hier, wie gerade schon erwähnt, gleich drei Effektketten, eine für UPPER LAYER, eine für LOWER LAYER (wiederum durch rote und grüne Farbgebung gekennzeichnet) sowie eine globale, die beide Layers gleichzeitig betrifft.
Jede dieser drei Ketten verfügt über fünf Slots, die wiederum jeweils einen von insgesamt zwanzig Effekttypen aufnehmen können. Gegenüber dem TRIDENT MKIII sind noch drei Algorithmen hinzugekommen (DCO CHORUS, PANNER und PULSER). Darüber hinaus finden wir noch BBD Flanger und verschiedene weitere Modulationseffekte, mehrere Delays und Reverbs, Filter und EQ, Verzerrer, Kompressor, Lo-Fi und einen Ringmodulator vor.
Für jede der drei Effektketten steht ein separater EFFECTS MODULATOR zur Verfügung, das ist nichts anderes als ein LFO mit mehreren Schwingungsformen, mit dem sich bestimmte Effektparameter modulieren lassen.
Praktisch ist auch die Lock-Funktion, damit bewahrt die komplette Effektsektion ihre Einstellungen auch bei einem Presetwechsel, der ja normalerweise auch diese mitverändert.
Über die Qualität der Effektalgorithmen von CHERRY AUDIO muss man eigentlich nichts mehr schreiben, sie ist mehr als brauchbar und ergänzt die jeweilige Klangerzeugung der Synthesizer recht gut, so auch beim MERCURY-8.
Muntermacher…
Der MERCURY-8 bringt auch einen Arpeggiator und einen Step-Sequencer mit. Beide lassen sich bei Bedarf zum Host-Tempo synchronisieren.

Die Möglichkeiten des Arpeggiators gehen über die herkömmliche Standardkost hinaus und bieten etwa Swing-Funktion, Wahrscheinlichkeit (CHANCE) und Mikrovariationen im Zeitraster (FEEL). Die Abspielreihenfolge der Noten lässt sich ebenso einstellen wie die Abspielrichtung und der Oktavbereich.
Als Besonderheit kann der Arpeggiator nicht für durch eingehende MIDI-Noten angesteuert werden, sondern alternativ dazu auch vom Step-Sequencer.

Dieser arbeitet polyphon und bietet pro Preset vier Patterns (A bis D) mit jeweils bis zu sechzehn Schritten inklusive Tie- und Accent-Funktionen. Patterns lassen sich kopieren. Es gibt verschiedene Abspielmodi (einmal, durchgehend, abwechselnd vorwärts und rückwärts und zufällig).
Die Wiedergabe lässt sich für UPPER LAYER und LOWER LAYER getrennt oder gemeinsam starten und die Sequenzen lassen sich auch via MIDI transponieren. Beim Sequencer stehen ebenfalls wieder die vorgenannten Einstellmöglichkeiten für SWING, CHANCE und FEEL zur Verfügung.
Jovianisch…
Endlich tritt mal wieder der bei mir nicht ganz so häufige Fall ein, dass ich das Vorbild einer Vintage-Emulation tatsächlich schon mal unter den Händen hatte. Ich selbst habe zwar niemals einen JUPITER-8 besessen, doch früher mal die die Gelegenheit das Exemplar eines meiner damaligen Bekannten anzutesten.
Was mich seinerzeit ziemlich überrascht hatte, war die Erfahrung, dass der JUPITER-8 gar nicht so vielfach „fetter“ als mein JUNO-106 klang, wie es es eigentlich nach dem Lesen einschlägiger Lektüre und angesichts des Preisunterschieds erwartet hatte (das Teil galt ja auch schon damals als „Synthesizer von gestern“).
Wie auch immer, gut klang er natürlich trotzdem. Dennoch hatte mein Bekannter ihn schon nach recht kurzer Zeit wieder verkauft. Ob er sich wohl seitdem schon öfters darüber geärgert hat…? Das Teil hatte nämlich für etwa 2000,- D-Mark seinen Besitzer gewechselt, also für rund 1000,- Euro und damit weit entfernt von den heutzutage ausgerufenen Wucherpreisen.
Was ich vom MERCURY-8 zu hören bekomme, zumindest mit deaktivierter Effektsektion, erinnert mich in der Tat sehr an den Klang, der mir vom JUPITER-8 im Gedächtnis geblieben ist (gut, das ist ja nun auch schon wieder über drei Jahrzehnte her…).
Nimmt man dann noch die Effekte hinzu, landet man mit dem MERCURY-8 auch recht schnell in ganz anderen klanglichen Gefilden. Er taugt also nicht nur für klassischen Achtzigerjahre-Sound, sondern kann bedarfsweise auch ziemlich modern ertönen.
Einmal mehr fehlte mir schlicht die Zeit für einen kompletten Track nur mit dem MERCURY-8 (obwohl das mit diesem Synthesizer sicherlich problemlos möglich ist), daher folgt hier eine Präsentation von zwanzig Presets, die ich für besonders gelungen halte (es gibt übrigens noch weitaus mehr davon!):
Übrigens, nachdem ich dieses Klangbeispiel bereits einige Tage zuvor aufgenommen hatte, führte ich nur zwei Stunden vor Veröffentlichung des MERCURY-8 (und dieses Testberichts) noch ein Update durch, bei dem mir Tonnen an weiteren coolen Presets auf die Festplatte gespült wurden, darunter auch ein Paket von James Dyson. Leider war die verbliebene Zeit zu kurz für ein weiteres Klangbeispiel. Hört Euch auf jeden Fall mal die Demo-Version des MERCURY-8 an!
Nun ist der MERCURY-8 ja beileibe nicht die erste Emulation eines JUPITER-8. Seit einer gefühlten Ewigkeit gibt es den JUP-8 V (ehemals JUPITER-8V), den ARTURIA tatsächlich schon 2007 veröffentlicht und seitdem mehrfach überarbeitet hat. Weiterhin gibt es noch den virtuellen JUPITER-8 aus der ROLAND CLOUD, den TAL J-8 und den THING 8 von ACUSTICA AUDIO (nicht zu verwechseln mit CHERRY AUDIO’s Schwesterfirma ACOUSTICA!).
Von all diesen Mitbewerbern habe ich lediglich dem ARTURIA JUP-8 V der vierten Generation hier und habe diesen auch mal kurz mit dem MERCURY-8 verglichen. Im Gegensatz zum MERCURY-8 ist der JUP-8 V4 nur monotimbral und bietet daher weder Split- noch Double-Sounds. Bei Init-Sounds mit voll geöffnetem Filter gibt es kleinere klangliche Unterschiede aber auch relativ viel Übereinstimmung.
Sobald man aber Einstellungen vornimmt, werden die Differenzen zunehmend größer. Die Regler beider Plugins sind unterschiedlich skaliert und optische 1-zu-1-Einstellungen klingen daher auch völlig verschieden. So weist etwa das Tiefpassfilter des MERCURY-8 einen deutlich größeren Regelweg auf. Während das Filter des JUP-8 V4 auch in Minimalstellung nicht völlig schließt, macht das des MERCURY-8 völlig dicht.
Beide Plugins zeigen die Filterfrequenz in Hertz an, sofern diese jeweils korrekt ist (was ich irgendwie bezweifle), beträgt diese beim JUP-8 V4 in Minimalstellung 19 Hz, rein nach Gehör entspricht dies beim MERCURY-8 einer Einstellung von 190 Hz. Auch in Maximalstellung zeigt der MERCURY-8 eine rund doppelt so hohe Frequenz an. Was stimmt hier nun…?
Sowohl MERCURY-8 als auch JUP-8 V4 bieten Nachbildungen der originalen JUPITER-8 Werksklänge an, die bei beiden Plugins erstaunlich unterschiedlich klingen. Im direkten Vergleich gefiel mir persönlich der MERCURY-8 besser als der JUP-8 V4.
Fazit:
Brauchen wir wirklich noch eine weitere JUPITER-8-Emulation? Nun, wenn sie gut gemacht ist, warum nicht? Und das ist der MERCURY-8 allemal! Er deckt ein weites Spektrum an Klängen ab und bekommt klassische Retro-Sounds ebenso gut hin wie moderne Klänge am Puls der Zeit.
CHERRY AUDIO hat die virtuelle Nachbildung wieder einmal sinnvoll erweitert ohne dabei das originale Grundkonzept zu verwässern. Die Effektsektion und der Step-Sequencer stehen dem MERCURY-8 gut (auch einen JUPITER-8 hat man in der Regel im Studio noch mit diversen Effekten aufgemotzt und nicht bloß trocken gefahren…).
CHERRY AUDIO verlangt für den MERCURY-8einen regulären Preis von 69,- US-Dollar und stellt damit die preisgünstigste JUPITER-8-Emulation außerhalb irgendwelcher Sonderangebote dar. Die kostenlose Demoversion läuft 30 Tage lang ohne Einschränkungen, von einem periodischen Störsignal mal abgesehen, das ist genügend Zeit, um sich ein eigenes Bild vom Plugin zu machen.
Zeitgleich mit dem MERCURY-8 erscheint übrigens auch das SYNTH STACK 6, das alle 36 Instrumente von CHERRY AUDIO in einem Bundle zum Preis von 599,- USD vereinigt.
Positives:
+ sehr guter Grundklang
+ einfache Bedienung
+ bi-timbral
+ Offset-Funktion
+ Step-Sequencer und Arpeggiator
+ sehr brauchbare Effekt-Sektion
+ umfangreiche MIDI-Learn-Sektion
+ moderate CPU-Anforderungen
+ viele tolle Presets
+ fairer Preis
Negatives:
– keine Offline-Aktivierung bzw. -Installation möglich
Produktwebseiten:
https://cherryaudio.com/products/mercury-8
https://cherryaudio.com/products/synth-stack-6
