Testbericht: CHERRY AUDIO SH-MAX – Maximalversorgung

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 01.03.2026

Mit seinem neuesten Wurf nimmt uns CHERRY AUDIO mit auf eine kleine Zeitreise zurück in die Siebziger, als die ersten Synthesizer von ROLAND das Licht der Welt erblickten. Das Plugin SH-MAX orientiert sich zwar vorrangig am SH-5, aber trägt auch einige Merkmale von SH-3/SH-3AA, SH-7 und weiterer ROLAND-Geräte in sich.


Stammväter

Mit der SH-Reihe begründete ROLAND einst seinen Einstieg ins Synthesizergeschäft und selbst heute noch bietet der Hersteller neue Geräte mit dieser Bezeichnung an. Der erste japanische Synthesizer überhaupt war der SH-1000, der ebenso wie sein Nachfolger SH-2000 über via Kippschalter abrufbare Presets, aber auch schon über einige frei einstellbare Parameter verfügte.

ROLAND-SH-3A
ROLAND-SH-3A

Der „kleine“ SH-3 und sein Update SH-3A verzichteten gänzlich auf Presets und boten bereits eine etwas umfangreichere Synthese-Sektion, deren Besonderheit daran lag, dass sich alle fünf Fußlagen nicht nur kombinieren, sondern sich sogar nach Belieben mischen ließen, was im Prinzip eine sehr rudimentäre Form der additiven Synthese darstellt (oder, je nach Sichtweise, eine Nachahmung der von der Orgel bekannten Register).

ROLAND SH-5
ROLAND SH-5

Eines der Highlights dieser in ihren Anfangsjahren durchweg analogen Reihe stellte der monophone SH-5 mit seiner etwa eigenwilligen, dafür aber umso interessanteren Klangarchitektur dar, die unter anderem gleich zwei Filter beinhaltete. Aus den Klonlaboren von BEHRINGER gibt es davon inzwischen auch eine Nachbildung namens MS-5.

ROLAND-SH-7
ROLAND-SH-7

Das damalige Flaggschiff der Reihe hingegen, der SH-7, konnte mit Oszillator-Synchronisation sowie mit Filter-FM aufwarten, also der schnellen Modulation des Filterfrequenz durch einen im Audiobereich schwingenden Oszillator, immer gut für den einen oder anderen schrägen und/oder aggressiven Klang. Zudem war der SH-7 bei Bedarf auch duophon spielbar.

Vor allem die drei Letztgenannten hat CHERRY AUDIO als Grundlage für ihre neue Emulation hergenommen, wobei, wie eingangs bereits erwähnt, vor allem der SH-5 Pate stand, aber eben auch ein paar der Besonderheiten von SH-3/SH-3A und SH-7 und mehr.


Grundlagenbescheid…

Wie immer beginne ich zunächst mit einer Aufzählung allgemeiner Merkmale, die sich nahezu alle unabhängig von Klangerzeugung und Bedienoberfläche bei jedem Plugin von CHERRY AUDIO wiederfinden.

SH-MAX lässt sich unter WINDOWS ab Version 7 und unter macOS (INTEL- und SILICON-CPUs) ab Version 10.13 aufwärts nutzen, jeweils in 64 Bit. Angeboten werden die Plugin-Formate VST2, VST3, AAX und AU sowie eine Standalone-Version. Für diesen Test habe ich mich jedoch wieder einmal nur auf die die VST-Varianten für WINDOWS beschränkt.

Mein Studiorechner hat nun bald schon ein Jahrzehnt auf dem Buckel und verfügt über folgende Ausstattung: CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 GB Arbeitsspeicher. Als Betriebssystem verwende ich nach wie vor WINDOWS 10, weil mein Rechner laut MICROSOFT angeblich inkompatibel zu WINDOWS 11 sein soll (vielleicht mache ich ja irgendwann doch einmal die Probe aufs Exempel und bügele WINDOWS 11 mit einem der bekannten Hacks drauf…).

CHERRY AUDIO SH-MAX - Installation benötigt Internetzugriff.jpg
CHERRY AUDIO SH-MAX – Installation benötigt Internetzugriff.jpg

Um den SH-MAX komplett installieren zu können, benötigt der Host-Rechner eine aktive Internetverbindung, weil während des ersten Starts unmittelbar nach Installation immer noch diverse Daten bzw. Aktualisierungen nachgeladen werden. Erst danach erscheint die Bedienoberfläche.

Auch die Freischaltung des Plugins funktioniert nur online, dies geschieht mit den Zugangsdaten, die man auch für seinen obligatorischen Account bei CHERRY AUDIO verwendet. Eine alternative Offline-Aktivierung ist leider nicht möglich. Wenn die Installation und die Aktivierung erfolgreich durchgeführt wurden, kann man den Host-Rechner jedoch getrost wieder vom Netz nehmen.

CHERRY AUDIO SH-MAX - Bedienoberfläche mit Keyboard
CHERRY AUDIO SH-MAX – Bedienoberfläche mit Keyboard

Die Bedienoberfläche des SH-MAX ist skalierbar, und orientiert sich bei der Gestaltung der Bedienelemente an SH-5 und SH-3/SH-3A, das Layout ist aber nicht völlig identisch zu den Originalen.

Zumindest im Bereich des virtuellen Keyboards setzt CHERRY AUDIO einmal mehr auf ein Pseudo-3D-Design mit perspektivischen Verzerrungen, auch die typischen gefakten Schattenwurf- und Glanzlichter-Imitate sind wieder mit von der Partie. Wer’s braucht…

CHERRY AUDIO SH-MAX - Bedienoberfläche ohne Keyboard
CHERRY AUDIO SH-MAX – Bedienoberfläche ohne Keyboard

Besagtes Keyboard lässt sich aber auch ausblenden, zugunsten einer schlankeren Bedienoberfläche, die weniger Platz auf dem Bildschirm einnimmt.

Bei seinen neueren Synths hat CHERRY AUDIO sich angewöhnt, fast alle Funktionen auf einer einzigen Bildschirmseite unterzubringen und lediglich Zusatzfunktionen wie Effektsektion und Sequencer umschaltbar im Bereich des virtuellen Keyboards zu platzieren. Auf diese Weise befindet sich die Klangerzeugungs-Sektion immer im direkten Zugriff, auch wenn man gerade die Effekte oder den Sequencer einstellt.

CHERRY AUDIO SH-MAX - GUI-Themes
CHERRY AUDIO SH-MAX – GUI-Themes

In der Standardeinstellung erinnert die Farbgebung an der des SH-5 (Mitte), in den Settings lassen sich aber auch alternative GUI-Themen auswählen, die an SH-3/SHSH3A (oben) und an SH-7 (unten) angelehnt sind. Mir persönlich sagt dabei die letztgenannte Farbgebung (Theme 7) am meisten zu, da es mir aufgrund seiner Zweifarbigkeit deutlich übersichtlicher und kontrastreicher erscheint als die beiden monochromen Varianten.

CHERRY AUDIO SH-MAX - Focus
CHERRY AUDIO SH-MAX – Focus

Mittels der für CHERRY AUDIO typischen FOCUS-Funktion lässt sich ein wählbarer Ausschnitt der Bedienoberfläche vergrößert und fensterfüllend darstellen, um so schnell mal eine einzelne Sektion zum augenfreundlichen Editieren in den Vordergrund zu holen, insbesondere bei hohen Bildschirmauflösungen erscheint dies praktisch.

Es gibt dazu auch einen passenden Tastatur-Shortcut: Klickt man bei gleichzeitig gedrückter STRG-Taste (WINDOWS) bzw. CMD-Taste (macOS) auf die Bedienoberfläche, wird FOCUS aktiviert, und ein weiterer Mausklick stellt die normale Ansicht wieder her.

CHERRY AUDIO SH-MAX - MIDI Learn
CHERRY AUDIO SH-MAX – MIDI Learn

Die Zuweisung von MIDI-Controllern zu den Bedienelementen des SH-MAX ist dank Lernfunktion flugs erledigt. Alle Mappings lassen sich auch nachträglich noch verändern und feintunen, etwa indem ein Parameter auf minimale und/oder maximale Werte beschränkt wird oder die Regelkurven mit der Maus in Richtung logarithmisch oder exponentiell verbogen werden. Alle Parameterzuweisung können entweder global oder nur für das aktuelle Preset gültig abgespeichert werden.

Darüber hinaus lässt sich der SH-MAX auch mittels Parameterautomation sowie mit dem Mausrad steuern.

Die UNDO- und REDO-Funktionen sind praktisch, um irrtümlich vorgenommene Änderungen ungeschehen zu machen oder um zwei unterschiedliche Einstelllungen auf einfache Weise miteinander zu vergleichen.

CHERRY AUDIO SH-MAX - QWERTY Keyboard
CHERRY AUDIO SH-MAX – QWERTY Keyboard

Mit QWERTY KEYBOARD bezeichnet CHERRY AUDIO eine kleine virtuelle Klaviatur, die als separates Minifenster über der Bedienoberfläche „schwebt“ und die als behelfsmäßiger Ersatz für ein externes MIDI-Keyboard dient. Das QWERTY KEYBOARD lässt sich sowohl mit der Maus als auch mit der alphanumerischen Tastatur des Computers bedienen.

CHERRY AUDIO SH-MAX - Settings
CHERRY AUDIO SH-MAX – Settings

Globale Grundeinstellungen werden im dreiseitigen SETTINGS-Menü vorgenommen, dazu gehören etwa Bedienoptionen, der Speicherort für die Presets und der Umgang mit eventuellen Updates. Auch die oben schon erwähnten Farbthemen lassen sich hier auswählen.

CHERRY AUDIO SH-MAX - Preset-Browser
CHERRY AUDIO SH-MAX – Preset-Browser

Für die Verwaltung von Klangeinstelllungen ist der Preset-Browser zuständig. Hier gibt es aussagekräftige Kategorien, eine Suchfunktion sowie eine Favoritenliste, in der man seine vorab entsprechend markierten Lieblings-Presets an einem gemeinsamen Ort beisammen hält. Mittels der Pin-Funktion lässt sich das Browser-Fenster so lange geöffnet halten, bis man es selbst von Hand wieder schließt (ansonsten schließt es sich unmittelbar nach der Auswahl eines Presets von alleine).

CHERRY AUDIO SH-MAX - Oversampling Quality
CHERRY AUDIO SH-MAX – Oversampling Quality

CHERRY AUDIO hat dem SH-MAX auch einen interne Oversampling-Funktion spendiert. Diese bietet vier Stufen, die das Oversampling und damit einhergehend auch die Auslastung der CPU-Ressourcen sukzessive erhöhen. Für die Stufe 4x (höchste Qualität) sollte man schon einen einigermaßen leistungsfähigen Rechner besitzen, insbesondere bei der Verwendung mehrerer Plugin-Instanzen.


Pfadfinder

Obgleich die Klangarchitektur des SH-MAX ebenso wie das seines Vorbilds SH-5 in weiten Bereichen dem Schema anderer Analogsynthesizer aus dieser Zeit folgt, gibt es hier einige Besonderheiten, mit denen man sich zunächst vertraut machen muss und die daher eine gewisse Einarbeitungsphase benötigen, um sie gezielt und sinnvoll zu nutzen.

Das Parameter-Layout des SH-MAX dürfte vielen bekannt vorkommen: Links befinden sich die Modulatoren, gefolgt von Oszillatorsektion und Mixer sowie Filter und VCA. Die Hüllkurven sind aus Platzgründen in die zweite Reihe verbannt worden.

Wie beim SH-5 wird das Signalrouting mittels Auswahlschalter festgelegt, Pfeillinien verdeutlichen dabei den jeweiligen Signalfluss. Dies ist schon eine der Besonderheiten, die diesen Synthesizer von einfacheren Architekturen, etwa von der des SH-101 oder der JUNO-Reihe abhebt.

Es existieren gleich zwei LFOs, beide mit unterschiedlichen Schwingungsformen zur Auswahl, die Schwingungsformen von LFO-2 werden dabei nicht alternativ sondern gleichzeitig ausgegeben, ihre Auswahl erfolgt am jeweiligen Modulationsziel. Zusätzlich gibt es noch einen Sample & Hold Generator für Zufallsmodulationen, der sich wahlweise des Sägezahns von LFO-1, der Dreieckswelle von LFO-2 oder des Rauschgenerators als Sample-Quelle bedienen kann.

Die beiden LFOs können übrigens auch im One-Shot-Modus arbeiten (nur ein durchlaufener Zyklus), umgekehrt wiederum können sich die beiden zuweisbaren bipolaren ADSR-Hüllkurven in einer Dauerschleife endlos wiederholen, zudem lassen sie sich nicht nur durch MIDI-Noten, sondern auch durch die Modulatoren auslösen.

CHERRY AUDIO SH-MAX - Klangarchitektur
CHERRY AUDIO SH-MAX – Klangarchitektur

Pro Stimme stehen drei Oszillatoren zur Verfügung (VCO-1, VCO-2A und VCO-2B), von denen die ersten beiden klassisch aufgebaut sind, mehrere Schwingungsformen inklusive Pulswelle mit manuell regelbarer oder modulierbarer Pulsweite bieten und sich zueinander synchronisieren lassen, wurde VCO-2B nach dem Vorbild von SH-3/SH3A konzipiert und kann seine sämtlichen fünf Fußlagen gleichzeitig und frei mischbar erzeugen. Zudem lässt sich für jede Fußlage eine eigene Schwingungsform wählen (weitenregulierbare Pulswelle, Sinus oder abfallender Sägezahn), das ist nun wirklich keine Standardkost bei Synthesizern, sondern geht schon eher in modulare Gefilde hinein.

Als weitere Klangquellen gibt es einen Rauschgenerator (weißes oder rosa Rauschen) sowie einen Ring Modulator, der VCO-1 mit entweder VCO-2A oder VCO-2B moduliert, bei Letztgenanntem lässt sich die gewünschte Schwingungsform mittels Schalter auswählen.

Alle diese Signalquellen laufen in einem Mixer zusammen, wo sie sich frei miteinander mischen und im Panorama regeln lassen. Wie es anschließend weitergeht, bestimmen die darüberliegenden Routingschalter: Jede Quelle kann wahlweise in den VCF, in den Bandpass, in beide parallel oder unter Umgehung der Filter direkt in den VCA geleitet werden.

Der Filter gibt es gleich zwei, zum einen das VCF, das als Multimode-Filter die drei Modi Tiefpass, Bandpass und Hochpass sowie die Möglichkeit der Frequenzmodulation durch VCO-2A oder VCO-2B bietet, zum anderen ein separates Bandpassfilter, das einen anderen Klang aufweist als der Bandpassmodus des VCF. Beide Filter sind resonanzfähig.

Im Gegensatz zum ROLAND SH-5 (und auch dessen Nachahmung BEHRINGER MS-5) ist das Bandpassfilter beim SH-MAX nicht bloß manuell regelbar, sondern lässt sich ebenfalls durch die Hüllkurven und die Modulatoren beeinflussen, ein großer Pluspunkt gegenüber der Hardware.

Was das Manual seltsamerweise verschweigt, ist die Tatsache, dass beiden Filtern nicht nur wahlweise ADSR-1 oder ADSR-2 zugewiesen werden kann, sondern außerdem noch eine von zwei zusätzlichen festen Preset-Hüllkurven (SOFT GATE oder PLUCK)

Der VCA kann, wie bereits erwähnt, auch direkt angesteuert werden, also ohne dass das Signal zuvor den Filter durchläuft, dies ist etwa dann sinnvoll, wenn eine der Klangquellen permanent durchstechen soll oder trotz anderweitiger Filterung ein konstanter Pegel gewährleistet werden soll. Dem VCA kann entweder ADSR-2 oder eine von drei festen Preset-Hüllkurven (HARD GATE , SOFT GATE oder PLUCK) zugewiesen werden.

Übrigens weisen einige der Parameter, etwa der VCA, die beiden Filter und VCO-1 eine kleine DRIFT-Stellschraube auf, mit deren Hilfe gewisse Instabilitäten in den Klang gebracht werden können, wie sie auch alte analoge Schaltkreise oftmals aufweisen.


Nahrungsergänzungsmittel

CHERRY AUDIO hat seinem SH-MAX noch einige weitere Extras gegönnt. Eine davon ist die AUTOBEND-Funktion, die dem Klang eine Tonhöhenbeugung hinzufügt. Einstellbar sind hier die Zeit, bis diese Beugung wieder zu der ursprünglichen Tonhöhe zurückkehrt, wie stark VCO-1, VCO2A und VCO-2B jeweils davon beeinflusst werden sollen, die Polarität (aufsteigende oder abfallende Tonhöhenänderung) und außerdem auch noch der Auslöser (entweder Notenbefehle oder Aftertouch).

CHERRY AUDIO SH-MAX - Autobend
CHERRY AUDIO SH-MAX – Autobend

Mit TOUCH EFFECT CONTROL bezeichnet CHERRY AUDIO eine vom SH-2000 inspirierte Funktion zur parallelen Steuerung mehrerer Parameter via Aftertouch. Bis zu vier verschiedene Parametern lassen sich gleichzeitig beeinflussen, wie stark jeweils, wird mit separaten Schiebereglern eingestellt, sie sowohl positive als auch negative Werte erlauben. Eine virtuelle LED-Kette visualisiert dabei den aktuell ausgeübten Druck. Neben monophonen (Channel-)Aftertouch, der alle gespielten Stimmen gleichzeitig beeinflusst, verarbeitet des SH-MAX auch polyphonen Aftertouch, bei dem sich jede gespielte Stimme individuell beeinflussen lässt.

CHERRY AUDIO SH-MAX - Touch Effect Control
CHERRY AUDIO SH-MAX – Touch Effect Control

Welche vier Parameter im einzelnen durch den Aftertouch gesteuertwerden sollen, lässt sich über ein Ausklappmenü einstellen. Zur Auswahl stehen hier nahezu alle Parameter der Synthesesektion, aber auch die Geschwindigkeit des Step-Sequencers. Lediglich die Effektsektion bleibt hier außen vor.

Wie man sich schon fast denken kann, ist der SH-MAX im Gegensatzzu seinen ganzen Vorbildern nicht bloß monophon, sondern auch mehrstimmig spielbar. Die Einstellungen hierfür werden in der Sektion links oben vorgenommen. Die Polyphonie kann vier, acht oder sechzehn Stimmen betragen, zudem lassen sich die Stimmen im Unisono-Modus auch mit frei regelbarer Verstimmung übereinanderschichten.


Schönheitssalon

Der SH-MAX ist mit einer großzügigen Effektsektion ausgestattet, die identisch zu denen von MERCURY-8 und TRIDENT MK III ist. Die Übereinstimmungen gehen sogar so weit, dass sich erstellte Effektketten zwischen diesen drei Instrumenten austauschen lassen. Eigentlich eine gute Idee! Es ist anzunehmen, dass CHERRY AUDIO dies auch bei künftigen Instrumenten fortsetzen wird, so dass die Anzahl derart kompatibler Plugins zunehmend wächst.

CHERRY AUDIO SH-MAX - minimierte Effektsektion
CHERRY AUDIO SH-MAX – minimierte Effektsektion

Die Effektsektion befindet sich am unteren Rand der Bedienoberfläche, wo sie standardmäßig in minimiertem Zustand sichtbar ist und nur grundlegende Einstellungen zulässt. Sobald man sie maximiert, nimmt sie den Platz ein, den sonst die virtuelle Klaviatur (oder aber der Sequencer) beansprucht, und bietet vollständige Zugriff auf alle ihre Parameter.

CHERRY AUDIO SH-MAX - vollständige Effektsektion
CHERRY AUDIO SH-MAX – vollständige Effektsektion

Hier gibt es mehrere separat aufrufbare Effektketten mit jeweils fünf Slots, die wiederum einen von insgesamt zwanzig Effekt-Algorithmen aufnehmen können. Zur Verfügung stehen diverse Modulationseffekte, Delays und Reverbs, aber auch EQ, Filter, Ring Modulator, Panner, Pulser, Verzerrer, Kompressor und ein Lo-Fi-Effekt.

CHERRY AUDIO SH-MAX - getrennte Effektketten für VCF, Bandpass und VCA
CHERRY AUDIO SH-MAX – getrennte Effektketten für VCF, Bandpass und VCA

Wer sich (zu recht) darüber wundert, dass der SH-MAX über gleich mehrere Effektketten verfügt, obwohl er doch nur einen Layer besitzt und damit monotimbral ist, hier ist die Auflösung: Wie oben erwähnt, können die einzelnen Signalquellen (VCOs, Ring Modulator und Noise) separat in die Sektionen VCF, Bandpass und VCA geroutet werden.

Jeder dieser drei Sektionen ist nun auch eine eigene Effektkette zugeordnet die separat bestückt und eingestellt wird. Dies eröffnet interessante Klangformungsmöglichkeiten innerhalb eines Patches. Die VCF FX sind dabei rot gekennzeichnet, die des BP FX grün und die VCA FX blau.

Eine vierte, globale Effektkette, grau gekennzeichnet, sitzt am Ende des Signalwegs und beeinflusst somit den kompletten Klang. Jede dieser vier Effektketten besitzt einen eigenen EFFECTS MODULATOR. Dabei handelt es sich um LFO mit diversen Schwingungsformen zur Modulation ausgewählter Effektparameter. Praktischerweise kann man die komplette Effektsektion mit Hilfe der Lock-Funktion vor Veränderungen schützen, wenn man das Preset wechselt.

Was die Qualität der Effektalgorithmen angeht, diese sind gewohnt brauchbar bis gut und erweitern das klangliche Potential des SH-MAX enorm, insbesondere durch die Position der Effektketten innerhalb des Synthesepfads.


Bewegungsprofile

Der schon kurz erwähnte Step-Sequencer ist laut CHERRY AUDIO vom MODEL 104 aus dem SYSTEM 100 von ROLAND inspiriert. Er bietet vier Spuren (A, B, C, und D) mit zu sechzehn Schritten, die bei Bedarf auch für längere Patterns (32 oder 64 Schritte) miteinander verkettet werden können.

CHERRY AUDIO SH-MAX - Step-Sequencer
CHERRY AUDIO SH-MAX – Step-Sequencer

Jede der vier Spuren kann unabhängig von den jeweils anderen aktiviert werden und verfügt über ihre eigene Schrittlänge, womit polymetrische Sequenzen kein Problem darstellen.

Die Wiedergabe jeder Spur lässt sich einzeln festlegen, so kann sie etwa nur einmal abgefeuert werden, in einer Schleife laufen, abwechselnd vorwärts und rückwärts oder mit zufälliger Schrittfolge gespielt werden. Natürlich ist auch eine Synchronisation zum Host-Tempo möglich.

Es lässt sich nicht nur die Tonhöhe, sondern alternativ auch das VCF, der Bandpass oder der VCA ansteuern, auch dies für jede Spur separat. Gleichfalls einzeln pro Spur können die prozentuale Wahrscheinlichkeit (CHANCE) und mikrotemporäre Abweichungen (Feel) eingestellt werden. Lediglich der Swing-Faktor und die Gate-Länge werden global für alle Spuren gemeinsam festgelegt.

Wie man sich vorstellen kann, ist der Sequencer des SH-MAX dazu prädestiniert, abwechslungsreiche Muster zu erzeugen, auf Wunsch mit sich ständig ändernder Klangfarbe.


Max und Moritz…

Sowohl den alten ROLAND SH-5 als auch den aktuellen BEHRINGER MS-5 kenne ich bisher leider nur aus den Präsentationen und Klangbeispielen, die sich im Netz finden lassen. Daher vermag ich hinsichtlich der klanglichen Authentizität des SH-MAX auch mal wieder kein Urteil aus erster Hand abzuliefern, sondern kann hier lediglich meinen subjektiven Eindruck schildern.

Lässt man zunächst einmal alle internen Effekte des SH-MAX ausgeschaltet und befasst sich allein mit der Klangerzeugung, so erhalten wir recht schnell Ergebnisse, die sehr an die klangliche Ästhetik der ROLAND-Synths aus den Siebzigerjahren erinnern, vielleicht eine Spur sauberer als damals.

Lediglich die Filter-FM könnte für mein Empfinden in Extemeinstellungen gerne noch etwas krasser ausfallen, hier ist noch etwas Luft nach oben, wie bei den meisten Plugins. Ich bin in dieser Hinsicht allerdings auch nur schwer zufriedenzustellen, unabhängig davon, ob es sich um Plugins oder Hardware handelt. Ich habe subjektiv leider nie wieder so gute Ergebnisse erhalten wie einst mit einem entsprechend modifizierten MOOG PRODIGY, der mir damals als Leihgabe zum Absamplen zur Verfügung stand. Dort klang es seinerzeit wie ein purer Stromschlag aus der Hochspannungsleitung.

Schalten man nun noch die Effekte hinzu, ist es ein Leichtes, sehr moderne Klänge zu erzeugen, die in aktuellen Musikstilen guten Dienst verrichten. Was will man mehr?

Auch dieses Mal hatte ich zu wenig Zeit und Muße, um einen kompletten Track mit dem SH-MAX zu erstellen, darum gibt es wieder mal „nur“ ein paar Handvoll ausgesuchter Presets, dreizehn an der Zahl, wobei ich hier auf möglichst viel Abwechslung Wert gelegt habe:

Klangbeispiel CHERRY AUDIO SH-MAX – Factory Presets

Von James Dyson gibt es wieder einmal ein passendes Preset-Paket, das separat angeboten wird und zusätzliche einhundert Klangkreationen beinhaltet. Hier sind zehn davon:

Klangbeispiel CHERRY AUDIO SH-MAX – MAXIMUM OVERDRIVE Preset Pack

Ich muss gestehen, dass ich persönlich dieses Preset Pack jetzt nicht unbedingt vermisst hätte, finde ich die zum SH-MAX mitgelieferten Presets doch schon sehr umfangreich und zum Teil sehr gut gemacht. Aber für umgerechnet 10 US-Cent pro Preset im Erweiterungspaket ist man gut bedient, sofern die Patches einem zusagen.


Fazit:

Mit dem SH-MAX liefert CHERRY AUDIO einmal mehr keine strikte Emulation, sondern vielmehr die Evolution eines Vintage-Synthesizers dar, der im Prinzip so ist, wie man es sich damals zu Zeiten des Originals gewünscht hätte, zumindest hinsichtlich seiner Features.

Die hauptsächlich am SH-5 angelehnte Klangarchitektur hat zwar eine leicht höhere Lernkurve als die einfach gestrickterer subtraktiver Synths, dafür wird man schon nach kurzer Zeit mit zahlreichen Klängen belohnt, die man sonst nur mit Modularsystemen hinbekommt.

Wer auf die synthetischen Klänge der Siebziger steht, sei es Berliner Schule, Space Disco oder früher New Wave, der kommt hier sicherlich auf seine Kosten. Aber wie so oft bei CHERRY AUDIO, eignet sich auch der SH-MAX auch für moderne Genres, nicht zuletzt dank der integrierten Effektsektion, die den Klang ins einundzwanzigste Jahrhundert zu beamen vermag.

Eine direkte Konkurrenz zum SH-MAX ist mir nicht bekannt, selbst in der ROLAND CLOUD gibt es keine Entsprechung zum SH-5 mit seinem dualen Filter.

CHERRY AUDIO bietet den SH-MAXzu einem Preis von 59,- US-Dollar an, was ich angesichts des Gebotenen für mehr als fair halte. Das Preset-Paket MAXIMUM OVERDRIVE lässt sich für weitere 9,99 USD erwerben.

Wie immer kann man die kostenlose Demoversion des SH-MAX 30 Tage lang ohne Einschränkungen testen, lediglich ein periodisch eingeblendetes Störsignal erinnert einen daran, dass es sich nicht um die Vollversion handelt.


Positives:
+ guter Grundklang
+ flexible Klangarchitektur
+ Step-Sequencer
+ sehr brauchbare Effekt-Sektion
+ umfangreiche MIDI-Learn-Sektion
+ viele tolle Presets
+ fairer Preis

Negatives:
– keine Offline-Aktivierung bzw. -Installation möglich


Produktwebseiten:
https://cherryaudio.com/products/sh-max-synthesizer
https://store.cherryaudio.com/presets/maximum-overdrive-for-sh-max

Ein Kommentar

  1. Also wenn Du keine Internet Verbindung hast, vielleicht auch nicht haben willst, kannst du das Plugin nicht aktivieren. Wie bist Du denn an das Plugin gekommen? Ich frage deshalb, weil es eigentlich keine Vertriebswege mehr gibt offline….

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