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Testbericht: ESI JULI@ eX – Internal Affairs

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 30.09.2025

Es ist noch kein halbes Jahr her, dass wir hier ein externes Audiointerface von ESI Audiotechnik getestet haben, das AMBER i4 mit USB-C-Anschluss. Nun ist zur Abwechslung mal ein internes Audiointerface an der Reihe, das JULI@ eX mit PCIe-Schnittstelle.

ESI JULI@ eX

Kartenspiele…

Wenngleich interne Audiointerfaces heutzutage immer seltener werden und stattdessen vermehrt solche mit USB-, Thunderbolt- oder sogar Netzwerkanschluss zum Einsatz kommen, waren sie doch einst der Standard und in der Überzahl. Und selbst heute gibt es immer noch gute Gründe, die für die Wahl einer Steckkarte zum Einbau in den Rechner sprechen, etwa die in der Regel geringere Latenz und die Platzersparnis.

Die JULI@-Reihe hat bei ESI eine ebenso lange Tradition wie die „kleinere“ MAYA-Reihe. Die Vorvorgängerin des aktuellen Modells, damals noch mit PCI-Schnittstelle und schlicht JULI@ genannt,hatte in den Nullerjahren viel Lob geerntet und war mein erstes professionelles Audiointerface mit vernünftigen ASIO-Treibern, nachdem ich zuvor nur herkömmliche Soundkarten mit unakzeptablen Latenzen benutzt hatte.

Die erste ESI JULI@ mit PCI-Schnittstelle

Letztendlich musste ich die JULI?@ einige Jahre später nur deshalb durch ein anderes Modell ersetzen, weil meine Wahl beim Selbstbau eines neuen DAW-Rechners seinerzeit auf ein ASUS A8N-VM (Mainboard) gefallen war, bei dem sich anschließend herausstellte, dass dort PCI und Firewire über die PCIe-Lane angebunden waren.

Dies sorgte im Betrieb entsprechender Audiointerfaces regelmäßig für unvermittelt auftretende, mutmaßlich durch Desynchronisation entstandene Artefakte (das gesamte Audiosignal klang plötzlich wie durch einen Bitcrusher gejagt), die bis zu einem Rechnerneustart andauerten (und dann nach einer Weile wieder auftraten).

Auf einem Zweitrechner mit demselben Mainboard trat beschriebener Effekt in Zusammenhang mit einem Firewire-Interface von TERRATEC exakt gleich auf, was somit einen Fehler des Audiointerfaces bzw. des Treibers ausschloss, sondern tatsächlich eine Macke dieses Mainboard-Modells war.

ESI MAYA44e

Irgendwann hatte ich endgültig die Nase voll davon und habe dann für beide Rechner jeweils eine ESI MAYA44e mit PCI-Schnittelle gekauft, ab dann war Schluss mit mit den unerwünschten Störungen. Ich habe beide Karten immer noch hier, auch wenn sie derzeit nicht zum Einsatz kommen, weil ich aufgrund einer zwischenzeitlichen Anhäufung diverser Hardware-Synthies ein Audiointerface mit mehr Eingängen und ADAT-Schnittstelle verwende.

Auch die aktuelle JULI@ eX tritt wie schon ihre Großmutter als Referenz-Audiointerface an, richtet sich somit also nicht nur allein an Musiker, sondern auch an HiFi-Enthusiasten sowie an Audio-Ingenieure im Aufnahme- und Postproduktionsbereich.

ESI JULI@ eX – Anschlussalternativen

Eine Besonderheit zieht sich durch alle Generationen der JULI@-Reihe hinweg: Diese Karten verfügen sowohl über unsymmetrische als auch über symmetrische Eingänge und Ausgänge. Da diese jedoch nicht alle auf dem einen Slotblech Platz finden können, bestehen die JULI@-Karten jeweils aus zwei separaten miteinander verbundenen Einheiten, von denen eine sich drehen lässt und so beide Anschlussarten alternativ zur Verfügung stellt.


Aufgedeckt


Die JULI@ eX wird in einer kleinen Schachtel ausgeliefert, in dieser befinden sich neben der PCIe-Karte selbst noch eine daran ansteckbare Kabelpeitsche mit zusätzlichen Anschlüssen. sowie ein Plastiktütchen, dass eine Schnellstartanleitung und diverse Kärtchen mit Lizenz- bzw. Download-Codes für die inkludierten Software-Beigaben beherbergt.

ESI JULI@ eX – Lieferumfang

Die Schnellstartanleitung besteht aus einem doppelseitigen Faltblatt (eine Seite auf Deutsch und eine auf Englisch), seltsamerweise ist dieses (noch) nicht wie sonst bei ESI üblich zusätzlich als PDF auf der Produktwebseite verfügbar.

Das Softwarepaket beinhaltet einmal mehr BITWIG STUDIO 8-TRACK für WINDOWS, macOS und LINUX, STEINBERG CUBASIS LE 3 für iOS sowie STEINBERG WAVELAB LE 10 für WINDOWS und macOS. Hinzu kommen noch ein paar Effekt-Plugins von AUDIFIED und ein Gutschein für für die Musiker-Kollaborationsplatform JACKTRIP, der zu drei kostenlosen Monaten mit jeweils 3000 Freiminuten berechtigt.

ESI JULI@ eX – Beigaben

Wie immer behält ESI sich vor, das genannte Softwarepaket gegebenenfalls abzuändern und die darin befindlichen Programme auszutauschen, etwa durch aktuellere Versionen oder durch gleichwertige Alternativen.


Wertekommission…

Die JULI@ eX bietet je zwei analoge Ein- und Ausgänge, diese liegen wahlweise als unsymmetrische Cinch-Buchsen mit -10 dBV oder als symmetrische TSR-Buchsen (6,3 mm) mit +4 dBu vor (die gewünschte Anschlusskonfiguration wird vor dem Einbau der Karte vorgenommen).

Die analogen Eingänge der JULI@ eX verarbeiten nur Audiosignale mit Line-Pegel, im Gegensatz zur günstigeren hauseigenen MAYA44 eX gibt es hier weder einen Hi-Z-Eingang für Gitarre oder Bass noch einen Mikrofonvorverstärker. Dies unterstreicht den professionellen Anspruch der JULI@ eX, denn in im Profi-Bereich verwendet man üblicherweise hochwertige externe Vorverstärker.

Zu den analogen Anschlüssen gesellt sich direkt auf der Karte noch ein optischer S/PDIF-Digitalausgang, der eine Abtastrate von maximal 96 kHz übertragen kann.

ESI JULI@ eX – Kabelpeitsche

Über die mitgelieferte Kabelpeitsche, die wie bei ESI üblich mittels einer kleinen achtpoligen DIN-Verbindung angeschlossen wird, stehen zudem je ein koaxialer Digitaleingang und -ausgang zur Verfügung (Cinch-Buchsen), beide erlauben Abtastraten von bis zu 192 kHz. Über den Eingang kann die JULI@ eX auch zu externen digitalen Audiosignalquellen synchronisiert werden.

Sämtliche Analog- und Digitalanschlüsse können parallel verwendet werden (Full Duplex), somit stehen insgesamt vier Eingangs und vier Ausgangskanäle gleichzeitig zur Verfügung.

Die Wandler der JULI@ eX arbeiten beide mit 32 Bit und 192 kHz, der AD-Wandler verfügt dabei über eine Dynamik von 125 dB(a), beim DA-Wandler sind es 120 dB(a), das ist sogar noch höher, als die schon guten Werte des hauseigenen AMBER i4 und auch gegenüber den früheren JULI@-Karten legt ESI hier noch mal eine ordentliche Schippe drauf.

Des Weiteren finden wir an der Kabelpeitsche noch MIDI-In und -Out als herkömmliche fünfpolige DIN-Buchsen, in sehr einfachen Setups wird also nicht unbedingt ein separates MIDI-Interface benötigt, sehr praktisch.


Formwandler…

Nachdem ich nun schon mehrfach erwähnt habe, dass die JULI@ eX wie schon ihre Vorgänge sowohl unsymmetrische Cinch- als auch symmetrische Klinkenanschlüsse bietet, die sich alternativ zueinander nutzen lassen, sei hier einmal kurz die dazu notwendige Prozedur erklärt.

Im Auslieferungszustand ist die Karte auf Cinch-Anschlüsse konfiguriert und lässt sich somit ohne weitere Adapter etwa mit der heimischen Stereoanlage verbinden.

Für Studioanwendungen hingegen dürfte man wohl eher die symmetrischen TRS-Anschlüsse bevorzugen. Die Umkonfiguration selbst geht einfach und innerhalb weniger Minuten vonstatten, funktioniert aus nachvollziehbaren Gründen nur im ausgebauten Zustand der PCIe-Karte bzw. vor dem ersten Einbau.

ESI JULI@ eX – Wechsel der Anschlüsse

Alles, was man dazu benötigt, ist ein Kreuzschlitzschraubendreher. Mit diesem löst man die insgesamt sechs Schraubverbindungen (zwei, mit denen das Slotblech befestigt ist und vier, die die beiden Sektionen der PCIe-Karte zusammenhalten).

Anschließend lässt sich I/O-Platine von der Basis-Platine trennen und um 180 Grad drehen, so dass sich die Klinkenanschlüsse auf der Slotblechseite befinden.

Danach werden die beiden Platinen wieder über die Stift- und Buchsenleisten zusammengesteckt und die Schraubverbindungen mit aufgesetztem Slotblech wiederhergestellt, fertig.

Die JULI@ eX kann nun (wieder) in den Rechner eingebaut werden.


Treibriemen

ESI bietet EWDM-Treiber für WINDOWS 10 und 11 auf der Produktwebseite zum Download an (32 Bit und 64 Bit). Während die älteren PCI/PCIe-Karten von ESI auch Apfelrechner unterstützten, ist dies bei der JULI@ eX inzwischen nicht mehr der Fall. Auf meine diesbezügliche Nachfrage antwortete ESI mir, dass der Support von macOS im Moment nicht geplant sei, man aber die Nachfrage beobachten werde.

Abgesehen davon betrifft dies auch nur ältere Rechner, denn die aktuellen Modelle von APPLE mit M4-Prozessor bieten ja gar keine PCIe-Schnittstelle mehr, so dass man dort gezwungenermaßen sowieso via USB oder Thunderbolt auf externe Audiointerfaces ausweichen muss.

ESI JULI@ eX – Control Panel

Das Setup-Programm installiert in einem Rutsch den sogenannten Unified Treiber sowie das Control Panel. Letzteres präsentiert sich im gewohntem ESI-Stil, gegenüber früheren Varianten aber nun mit schickerer dunkler Farbgebung.

Die virtuelle Mischpult-Darstellung bietet Zugriff auf alle analogen und digitalen Ein- und Ausgänge der JULI@ eX. Mit den Master-Fadern auf der rechten Seite können die Eingänge gemeinsam eingepegelt werden. Direkt daneben lassen sich die gewünschte Abtastrate und die Synchronisationsquelle (intern oder extern via S/PDIF) auswählen.

ESI JULI@ eX – Monitoring

Alle Eingänge und die digitalen Ausgänge lassen sich zudem zwecks Monitoring auf das analoge Ausgangspaar routen. Dabei lässt sich dann auch ihre Wiedergabelautstärke separat regeln.

ESI JULI@ eX – Latenzeinstellungen

Über die Menüleiste erhält man man unter anderem auch Zugriff auf die Latenzeinstellungen. Diese reichen in sieben festen Stufen von 32 Samples bis hin zu 2048 Samples. Für Aufnahmen wählt man einen möglichst niedrigen Wert, um einen Versatz zu vermeiden, während es beim Abmischen auch gerne mal etwas mehr sein darf, insbesondere bei der Verwendung sehr vieler Plugins, damit es nicht zu unerwünschten Audioaussetzern kommt.

ESI JULI@ eX – DirectWIRE

Eine Funktion, die ich bei den Audiointerfaces von ESI schon immer zu schätzen wusste, ist das sogenannte DirectWIRE. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Patchbay, die ebenfalls aus der Menüleiste des Control Panels aufgerufen wird.

Hier lassen sich die Ein- und Ausgänge auf digitalem Wege, also ohne den Umweg über die Wandler, miteinander verknüpfen. Es stehen sogar separate Patchpunkte für den WDM- und für den ASIO-Treiber zur Verfügung. Wozu das Ganze gut ist? Nun, da gibt es so einige Anwendungen.

Zum Beispiel lässt sich ein Audiosignal ganz einfach von einer Software in eine andere routen. Damit kann man etwa die Tonspur eines Videos, eines Spiels oder auch der Streaming-App in der DAW bzw. in einem Audiorekorder/editor mitschneiden, ebenso wie sich ein live gespieltes Plugin-Instrument mal eben mit einem anderen Programm aufnehmen lässt. Und dies alles, wie gerade schon erwähnt, ohne eventuelle wandlungsbedingte Verluste oder ein externes Loopback via S/PDIF-Anschlüsse.

Ich selbst habe mir auf diese Weise schon oft Sprachsamples und ähnliches aus Filmen extrahiert.


Praktikum…

Für den Test hatte ich die JULI@ eX in meinen guten alten Studiorechner (CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 GB Arbeitspeicher), der noch unter WINDOWS 10 läuft, eingebaut. Vorab hatte ich die oben beschriebene Prozedur zum Wechsel auf symmetrische TRS-Anschlüsse durchgeführt.

Karte und Treiber verhielten sich während des gesamten Testverlaufs absolut unauffällig, stabil und störungsfrei. Das bin ich aber nun auch schon von ESI gewohnt (das eingangs beschriebene Problem mit meiner allerersten JULI@ damals lag ja auch nicht am Treiber, sondern am vergurkten Mainboard).

Aufnahmen über den analogen Eingang mit einer Latenz von nur 32 Samples gelangen problemlos, ohne dass CUBASE mit irgendwelchen Warnmeldungen von wegen überlasteter CPU nervte. Klangverfälschungen der Aufnahmen waren sowieso kein Thema, die Wandler arbeiten völlig „unhörbar“ und transparent. Auch Grundrauschen war nicht zu vernehmen. In dieser Hinsicht wird die JULI@ eX ihrem Anspruch als profitaugliches Referenz-Audiointerface also absolut gerecht.

Die sogenannte Round Trip Latency habe ich mit Hilfe des kostenlosen RTL UTILITY von OBLIGE AUDIO gemessen. Diese betrug bei 44,1 kHz und 32 Samples betrug 5,351 Millisekunden, bei 192 kHz und und 32 Samples waren es gerade mal 1,896 Millisekunden.

Meinem eigentlichen Setup (BEHRINGER UMC1820 plus ADA8200), das ich in erster Linie aufgrund meiner über die Jahre angesammelten Hardware-Synthesizer verwende, ist die JULI@ eX sowohl von der Klangqualität als auch von der Latenz her ohne Frage überlegen.

Ich überlege daher tatsächlich, ob ich künftig nicht wieder eine Patchbay einsetzen soll, damit ich meine Synths zum Aufnehmen zur JULI@ eX routen kann, während das BEHRINGER-Setup mit seinen vielen Eingängen dann lediglich noch zum gleichzeitigen Hören der ganzen Synths während des Track-Bastelns dient. Auch zum späteren Abmischen würde ich dann wohl eher auf die JULI@ eX setzen.


Fazit:

Die JULI@ ist zurück und vermag in ihrer nun schon dritten Inkarnation mit dem Namenszusatz eX erneut zu überzeugen. Dabei übertrifft die Enkelin ihre Großmutter noch einmal hinsichtlich ihrer inneren Werte.

Die Klangqualität ist über jeden Zweifel erhaben und die erzielbaren ASIO-Latenzen fallen angenehm gering aus. Dass man dank der drehbaren I/O-Platine die freie Wahl zwischen unsymmetrischen Cinch- und symmetrischen TRS-Anschlüssen hat, ist schon seit der ersten JULI@-Generation der Fall, aber nach wie vor eine tolle Sache.

Hinzu kommen stabile Treiber und die überaus praktische DirectWIRE-Funktionalität, die schnell und einfach Loopbacks auf digitaler Ebene ermöglichen. Und MIDI-Anschlüsse gibt es als Sahnehäubchen obendrauf.

Ein kleiner Wermutstropfen betrifft die Unterstützung der Betriebssysteme, macOS-Nutzer müssen ebenso in die Röhre schauen wie Linux-Musikanten, ESI bietet seine Treiber bislang nämlich ausschließlich für WINDOWS an, ob sich daran in Zukunft etwas ändert, steht noch in den Sternen.

Wer allerdings im Musikstudio oder als Zuspieler für die HiFi-Anlage sowieso WINDOWS einsetzt, dabei keinen Laptop, sondern einen Rechner mit freiem PCIe-Steckplatz nutzt und mit je einem analogen Ein- und Ausgangspaar auskommt, der kann hier bedenkenlos zugreifen, mehr Qualität in dieser Preisklasse dürfte er wohl kaum finden.

Als unverbindliche Preisempfehlung für JULI@ eX setzt ESI faire 199,- Euro an, bei diversen Online-Versendern habe ich sie auch schon einen Zehner günstiger gesehen.


Positives:
+ sehr gute Audioqualität
+ gute Verarbeitung
+ flexible Anschlusskonfiguration durch drehbare I/O-Platine
+ geringe ASIO-Latenzen möglich
+ MIDI-Ports
+ stabile Treiber
+ DirectWIRE mit mit Loopback-Funktion
+ gutes Preis/Leistungs-Verhältnis

Negatives:
– nur unter WINDOWS nutzbar


Produktwebseite: https://www.esi-audio.de/produkte/juliaex/

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