Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 15.09.2025
Der XSYNTH stellt ESI’s Debut auf dem Synthesizermarkt dar, und wie es aussieht, ist den sympathischen Leonbergern damit auch ein kleiner Überraschungserfolg gelungen, denn die ersten Produktionsmargen waren immer sofort ausverkauft, wenn sie aus China eintrafen, so dass ich mich ein wenig gedulden musste, bis endlich auch ein Testexemplar bei mir eintraf. Doch nun ist es da, legen wir also gleich los!
Der XSYNTH stellt die Kombination gleich mehrerer Funktionen in einem Gerät dar: Ein digitaler Synthesizer, ein portables MIDI-Keyboard mit Controller-Funktion, ein einfaches Audiointerface sowie ein MIDI-Interface tummeln sich hier unter einer gemeinsamen Haube.
Den Vertrieb des XSYNTH in den USA übernimmt wie auch schon beim XJAM und beim XKEY wieder einmal ESI’s Kooperationpartner ARTESIA PRO, die Verpackung trägt somit auch den Namen beider Firmen.
Exoskelett…
Äußerlich ist der XSYNTH unverkennbar ein Geschwisterchen von XJAM und XKEY. Hier kommt das gleiche wertige Aluminiumgehäuse mit vorne abgerundeter Kante zum Einsatz wie bei den beiden Vorgenannten.
Maße und Gewicht entsprechen nahezu denen des XKEY 25, aufgrund der Drehregler ist es aber im hinteren Bereich ein kleines bisschen höher. Auch die Breite der Klaviatur ist identisch zu der des XKEY 25, die einzelnen Tasten sind lediglich ein paar Zentimeter kürzer, weil ja noch ein wenig Platz für die Bedienelemente und das Display benötigt werden. Insgesamt ist der XSYNTH in etwa so groß wie eine flache Computertastatur ohne Nummernblock.
Die Unterseite besteht wieder aus schwarzem Kunststoff und durch das abgerundete Profil vorne kann man den Synth auch sehr gut über einer Tischkante platzieren, wo er dann bündig anliegt.
Was die Stabilität angeht, so braucht man sich hier keine Sorgen machen, durch die Aluminiumlegierung ist der Korpus sehr verwindungssteif.
Und die allgemeine Robustheit des XSYNTH hatte mir der UPS-Bote bereits bei der Anlieferung unfreiwillig unter Beweis gestellt, als ihm das ungepolsterte Paket ungeschickterweise aus den Händen glitt und einen Sturzflug aus etwa einen Meter Höhe auf den Asphaltbelag der Straße hinlegte, was bei mir nach einer Schrecksekunde sogleich für einen unwohligen Schauer sorgte.
Die anschließende Kontrolle nach öffnen des Pakets förderte zum Glück (auch für den UPS-Boten…) aber einen komplett unversehrten XSYNTH zutage.
Packungsbeilage…
Neben dem XSYNTH selbst hat ESI auch wieder mal einige Goodies mit in den Karton gelegt. Dazu gehören neben einem USB-C-Kabel und einer zweisprachigen Schnellstartanleitung (Deutsch und Englisch) auch ein paar Gutscheine mit Codes für das im Download verfügbare Softwarepaket.
In diesem sind wieder einmal BITWIG STUDIO 8-TRACK für WINDOWS, macOS und LINUX sowie STEINBERG CUBASIS LE 3 für iOS enthalten und als Audiobearbeitungssoftware gibt es statt des früheren STEINBERG WAVELAB LE 10 nun WAVELAB CAST (WINDOWS und macOS). Außerdem erhält man drei Monate lang jeweils 3000 Freiminuten für die Musiker-Kollaborationsplatform JACKTRIP.
ESI behält sich vor, das genannte Softwarepaket von Zeit zu Zeit auch zu verändern, etwa enthaltene Programme durch neuere Versionen oder gleichwertige Alternativen auszutauschen.
Neben der erwähnten Schnellstartanleitung findet sich auf der Produktwebseite übrigens auch ein ausführliches Benutzerhandbuch im PDF-Format, das nicht nur alle Funktionen ausführlich erklärt, sondern auch noch zusätzliche praktische Hinweise liefert.
Der Verfasser dieses Manuals scheint offenbar eine ausgesprochene Frohnatur zu sein, so bekommt man lustige Sätze wie „WARNUNG: Wenn Xsynth in einer instabilen Position ist, können Schäden und Verletzungen entstehen. Abgesehen davon blamiert man sich vor allen Zuschauern.“, „Schlage niemanden mit einem Xsynth, der deine Musik nicht mag.“ oder auch „WARNUNG: Auf keinen Fall Channel vol auf 0 setzen, ansonsten ist das gesamte Gerät stummgeschaltet. Außerdem wird dich ein fliegender Eiswagen erschlagen.“ und allerlei ähnlichen Schabernack zu lesen. Ab und zu gehen mit dem Autor auch schon mal die Pferde durch und er kalauert dann nach Strich und Faden.
Berührungspunkte…
Wie ich oben schon erwähnte, verfügt der XSYNTH über ein ähnliches Keyboard wie die XKEY-Reihe, bloß mit etwas verkürzten Tasten. Diese reagieren gleichermaßen auf Anschlagdynamik und auf (polyphonen!) Aftertouch.
Die Tasten besitzen eine völlig andere Mechanik als übliche Keyboards, diese ähnelt nämlich eher der einer Notebook-Tastatur, bei der die gesamte Taste abgesenkt und nicht hebelartig geneigt wird. Somit ergibt sich zwar eine andere Haptik beim Spielen, doch wie schon beim XKEY empfinde ich das nicht als Nachteil.
Im Gegenteil, schon nach kurzer Eingewöhnungszeit kann man recht gut auf dem XSYNTH spielen, auch seine kürzeren Tasten stören dabei nicht. Alles in allem finde ich diese Tastatur sogar angenehmer als so manches billige Klappergestell herkömmlicher Bauart.
Auch die berührungssensitiven Gummitaster auf der linken Seite, die anstelle von Rädern oder Touch Strips als Spielhilfen herhalten müssen, lassen sich erstaunlich gut und nuanciert bedienen.
Gleiches gilt für die (ungerasterten) Endlosdrehregler und den Lautstärkeregler im oberen Bereich. Sie wackeln nicht, sind nicht zu leichtgängig und auch griffig genug. Und sie besitzen vor allem keine Gummierung, die sich, wie wir inzwischen aus Erfahrung wissen, nach ein paar Jahren häufig durch emigrierende Stabilisatoren (sogenannte „Weichmacher“) in ein eklig klebriges Gebilde verwandelt, das man nicht mehr anfassen mag.
Der Lautstärkeregler dient gleichzeitig auch als Ein/Aus-Schalter, ähnlich wie bei vielen Radios. Die fünf Encoder arbeiten geschwindigkeitsabhängig, das heißt, je schneller man sie dreht, umso größere Wertebereiche werden damit durchfahren.
Die vier Encoder links neben dem Display lassen sich auch als MIDI-Controller für externe Geräte oder Software verwenden. Wenn man die beiden Buttons MACRO und GLOBAL gleichzeitig drückt, erscheint die MIDI-CC-Page auf dem Display und die Encoder geben dann entsprechende Befehle aus. Diese lassen sich auch via Editor selbst definieren. Es stehen vier Bänke zur Verfügung, was bei vier Encodern bis zu sechzehn verschiedene CCs erlaubt.
Besagtes Display, anscheinend ein OLED, ist zwar recht klein und damit für meine inzwischen gealterten Augen überwiegend nur mit Lesehilfe ablesbar, bietet mit seiner weißen Darstellung auf schwarzem Hintergrund aber einen guten Kontrast. Jüngere Leute sollten damit in der Regel gar kein Problem haben.
Was das Bedienkonzept angeht, so hat es ESI trotz der relativ wenigen Bedienelemente ganz gut hinbekommen, ein halbwegs intuitives Editieren des XSYNTH zu ermöglichen, das ohne schwer zu merkende Doppelbelegungen und auch ohne ausuferndes Menü-Diving auskommt.
Alle wesentlichen Funktionsgruppen lassen sich über einen eigenen Schalter direkt anwählen. Bis zu vier Parameter gleichzeitig werden dann auf dem Display angezeigt und lassen sich mit den dazugehörigen vier Encodern einstellen. Eventuelle weitere Parameter erreicht man über zusätzliche Menüseiten, die sich mit Hilfe der PAGE-Taster erreichen lassen. Auf hierarchische Untermenüs, durch die man sich erst hangeln müsste, wurde komplett verzichtet.
Funktionsgruppen, die gleich mehrfach existieren, etwa Oszillatoren, LFOs und Hüllkurven, lassen sich einfach durch wiederholtes Drücken desselben Schalters der Reihe nach aufrufen, also einmal Drücken auf OSC bringt die Parameter des ersten Oszillators zutage, zweimal Drücken die des zweiten Oszillator und dreimal Drücken die des dritten Oszillators.
Ich hatte den XSYNTH zu Beginn absichtlich ohne Konsultation der Anleitung und ohne die Editor-Software ausprobiert, um zu sehen, wie intuitiv und schnell er sich am Gerät bedienen lässt, und war überrascht davon, dass dies tatsächlich ohne allzu große Abstriche gelingt. Da kenne ich doch einige andere Synthies mit wesentlich schlechterem Handling und lahmeren Workflow.
Schon nach kurzer Einarbeitungszeit hatte ich die ersten eigenen Klänge erstellt und musste erst dann einen kurzen Blick ins Manual werfen, als ich wissen wollte, wie man diese benennen und auf dem gewünschten Speicherplatz ablegen kann.
Ich verrate es Euch an dieser Stelle schon mal: Zur Namenseingabe wird das Keyboard verwendet, die schwarzen Tasten sind dabei für die Ziffern zuständig, während die weißen jeweils zwei Buchstaben in Groß- und Kleinschrift beherbergen, die durch wiederholtes Drücken derselben Taste aufgerufen werden können. Die obersten beiden Tasten dienen zum Löschen und für Leerzeichen.
Mit den beiden Page-Tastern bewegt man sich jeweils eine Stelle im Namen weiter. Nach etwas Eingewöhnung geht das alles eigentlich ganz flott von der Hand.
Alternativ dazu kann man alle Zeichen auch durch Drehen des Preset-Auswahlregler aufrufen, das geht aber nicht unbedingt schneller als über das Keyboard.
Das fertig benannte Preset wird dann mittels der vier Encoder auf den gewünschten Speicherplatz in einer der vier Bänke A bis D befördert, anschließend schließt eine Betätigung des ENTER-Tasters den Vorgang ab.
Anschluss gesucht…
Im Gegensatz zur XKEY-Reihe befinden sich beim XSYNTH sämtliche Anschlüsse auf der Rückseite des Geräts. Neben einer USB-C-Buchse, die sowohl zur Verbindung mit einem Computer (MIDI- und Audio-Signale) als auch zur Spannungsversorgung dient gibt es noch fünf Buchsen Miniklinkenformat (3,5mm).
Zwei davon dienen als MIDI-Eingang und -Ausgang, eine zum Anschluss eines Kopfhörers, eine weitere als Line-Ausgang und die letzte als Aux-Eingang für externe Audioquellen. Die drei Audioanschlüsse sind allesamt unsymmetrisch und in Stereo ausgeführt.
Über den AUX-Eingang können nicht nur externe Audioquellen am Rechner aufgenommen, sondern auch durch die Synthesesektion geleitet werden. Momentan wird hier aber lediglich der Zweiband-Equalizer XSYNTH durchlaufen, laut Benutzerhandbuch sind allerdings weitere Optionen für ein Update geplant. Hoffen wir also mal…
ESI gibt an, dass der Außendurchmesser der Klinkensteckerhülse kleiner als 10 Millimeter sein muss, da die Stecker ansonsten durch den hinteren Gehäusevorsprung blockiert werden.
Sofern die Verbindung mit anderen MIDI-Geräten nicht ausschließlich über Miniklinkenkabel erfolgen kann, etwa weil das andere Geräte nur über herkömmliche 5-Pol-DIN-Buchsen verfügt, benötigt man Adapter vom Typ TRS-A, leider gehören solche nicht zum Lieferumfang des XSYNTH.
Dummerweise verfüge ich hier bei mir im Studio derzeit nur Adapter vom Typ TRS-B, die dem NOVATION CIRCUIT und dem ARTURIA BEATSTEP PRO beilagen und nicht zusammen mit dem XSYNTH funktionieren. Deshalb konnte ich die Funktionalität der Buchsen auch noch nicht testen, sondern musste mich bisher ausschließlich mit USB-MIDI begnügen.
Eigentlich ja völlig unnötig, dass hier überhaupt zwei Typen für ein und dieselbe Sache existieren und die Hersteller sich nicht mal auf einen gemeinsamen Standard einigen können…
Ein Dreierset mit passenden, 150 cm langen Adapterkabeln von BEFACO gibt es übrigens für 11,- Euronen bei den einschlägigen Versandhändlern.
Das MIDI-Interface ist class compliant und benötigt somit keine speziellen Treiber. Es dient nicht nur für den XSYNTH selbst, auch andere Geräte lassen sich darüber mit dem Computer verbinden. Zu diesem Zwecke kann man in den globalen Einstellungen auch die interne Synth-Engine des XSYNTH vom DIN-Eingang entkoppeln, so das dieser darüber nicht mehr angesteuert wird. Die beiden DIN-Anschlüsse lassen sich hier zudem auch ganz deaktivieren.
Die USB-Verbindung funktionierte jedenfalls wie gewünscht. ESI rät ausdrücklich von der Verwendung eines Hubs ab, dennoch lief der XSYNTH bei mir daran ebenfalls einwandfrei, jedenfalls zunächst.
Aber als ich auch noch den am selben (passiven) USB-Hub hängenden BEATSTEP PRO einschaltete, fror der XSYNTH ein paar Mal nach dem Spielen einiger Noten ein, vermutlich reichte hier die Spannung einfach nicht mehr aus, um beide Geräte ausreichend zu versorgen.
Und später, als ich die einzelnen Spuren für das Klangbeispiel aufnahm und dabei den XSYNTH auch als Audiointerface für die DAW benutzte, kam es beim Spielen des Synths wiederholt zu der nervigen Fehlermeldung, dass das Audiointerface plötzlich nicht mehr initialisiert werden könne.
Ich dachte schon kurz an einen buggy Audiotreiber (was aber für ESI recht ungewöhnlich wäre…), bis ich dem XSYNTH einfach mal einen eigenen USB-Port am Rechner gegönnt habe, fortan lief alles wie gewünscht und ohne jegliche Komplikationen.
Für den autarken Betrieb ohne Rechner und Netzteil kann man auch eine Powerbank als Stromversorgung verwenden. Ich persönlich empfinde es übrigens als Vorteil, dass ESI hier nicht etwa einen internen Akku verbaut hat. Erstens dürfte ein solcher aufgrund des beengten Platzangebots im Gehäuse eher klein ausfallen und zweitens geben solche Teile erfahrungsgemäß gerne schon nach wenigen Jahren ihren Geist auf und lassen sich dann oftmals nicht austauschen – wenig nachhaltig.
Ein paar Worte noch zum mitgelieferten USB-C-Kabel: Dieses sollte man unbedingt verwenden oder zumindest sicherstellen, dass eine Alternative gleichwertige Funktionalität aufweist.
Als ich den XSYNTH zum ersten Mal antesten wollte, mit einer Powerbank als Stromversorgung und der Stereoanlage im Wohnzimmer als Abhöre, da ließ er sich zwar einschalten und regierte auch auf die Bedienelemente, gab jedoch nicht den geringsten Mucks von sich. Auch am Laptop wurde er weder von WINDOWS noch vom Editor erkannt und blieb weiterhin stumm.
Nach ungefähr einer halben Stunde mit zunehmender Adrenalinausschüttung, in der ich innerlich schon besagten tollpatschigen UPS-Mann zu verfluchen begann, kam ich dann doch mal auf die brillante Idee, vielleicht ein anderes USB-Kabel auszuprobieren (ich hatte der Bequemlichkeit halber vorher einfach eines gegriffen, das gerade in Reichweite lag…). Und siehe da, der XSYNTH spuckte Töne aus, als hätte er nie etwas anderes getan!
Wäre das peinlich abgelaufen, wenn ich den XSYNTH bei ESI voreilig als defekt deklariert hätte und man dort keinerlei Fehler hätte finden können, außer dem vor dem Gerät…
Tonabnehmer…
Das integrierte USB-Audiointerface ist ebenfalls class compliant und erscheint als separates Device am Computer. Es verarbeitet nur Line-Signale mit einer Auflösung von 24 Bit und einer Sample-Rate von 96 kHz. Dabei kann und soll es natürlich keine hochwertige Einzellösung wie etwa die AMBER-Reihe ersetzen, aber als Dreingabe zum Synth taugt es allemal.
Das Audiointerface lässt sich bei Bedarf auch deaktivieren, etwa um Erkennungsprobleme bei Betrieb des XSYNTH an einem autarken USB-MIDI-Host zu vermeiden.
Zur die latenzarmen Nutzung mit einer DAW stellt ESI für WINDOWS 10 und 11 einen zusätzlichen ASIO-Treiber bereit. Das dazu gehörende Control Panel bietet nur rudimentäre Einstellmöglichkeiten. So ist die Sample Rate auf unveränderliche 96 kHz festgelegt, lediglich die Größe des USB-Puffers und die Latenz lassen sich anpassen.
Das Audiointerface kann die interne Klangerzeugung des XSYNTH via USB auch ohne vorherige DA/AD-Wandlung verlustfrei zur DAW schicken, ähnlich wie die BOUTIQUE-Reihe von ROLAND. Das auf diese Weise aufgenommene Signal weist genügend Aussteuerungsreserve auf.
Unter macOS, wo man einfach mehrere Audiointerfaces zu einem sogenannten „Aggregate Device“ zusammenfassen und dann wie ein einziges Interface verwenden kann, ist das natürlich besonders komfortabel.
Unter WINDOWS hingegen gibt es zumindest mit Bordmittteln nur ein entweder/oder, das heißt, wenn man dort den XSYNTH via USB aufnehmen möchte, muss man ihn auch als einziges Audiointerface auswählen, und die Sound-Wiedergabe des Rechners läuft dann ebenfalls über den XSYNTH.
Lustiges Feature dabei: Das eingebaute Oszilloskop, das normalerweise die Wellenform der internen Klangerzeugung anzeigt, tut dies auch mit den Audiosignalen, die vom Rechner kommen.
Wer unter WINDOWS gerne ebenfalls mehrere Audiointerfaces gleichzeitig nutzen möchte, der sollte sich einmal die von VB-Audio als Donationware angebotene Applikation MATRIX bzw. MATRIX COCONUT ansehen, die eine derartige Funktionalität verspricht. Damit ließe sich der XSYNTH zusätzlich zum hauptsächlich genutzten Audionterface einbinden.
Lautverschiebung…
Kommen wir nun endlich zum wichtigsten und spannendsten Teil, dem eigentlichen Synthesizer, schließlich steht und fällt das ganze Konzept des XSYNTH ja mit eben diesem. ESI bezeichnet ihn auf der Verpackung als „virtuell-analogen subtraktiven Synthesizer“, fügt auf der Produktwebseite aber noch ein „mit Sample-ROM“ hinzu.
Nun, nach meinem Verständnis bedeutet „virtuell-analog“ üblicherweise, dass die gesamte Klangarchitektur inklusive sämtlicher Oszillator-Schwingungsformen auf algorithmischen Berechnungen in Echtzeit beruht. Prominente Beispiele hierfür wären etwa der JP-8000, der VIRUS, der NORD LEAD oder der MICROKORG, aber auch die Mehrzahl der Synthesizer-Plugins.
Insofern ist die Bedienungsanleitung hier etwas präziser, Zitat: „Xsynth basiert auf Samples. Die Wellenformen der Oszillatoren sind als Wavefile auf dem Gerät gespeichert.“
Somit lässt sich die Klangerzeugung des XSYNTH also eher mit der eines typischen Wave-ROM-Synthies à la ROLAND JD-800/JD-08, KAWAI K4 oder YAMAHA SY85 vergleichen.
Der XSYNTH ist maximal zehnstimmig polyphon, er kann aber auch monophon genutzt werden und seine Stimmen lassen sich zudem zu Unisono-Klängen schichten und dabei gegeneinander verstimmen.
Im nachfolgenden Blockschema werden der grundlegende Aufbau der Klangarchitektur und die entsprechenden Signalpfade symbolisiert:
Wie man sieht, handelt es sich dabei um klassische subtraktive Synthese, bei der Oszillatoren mit Grundwellenformen sich miteinander mischen lassen, um dann gemeinsam zunächst eine Filter- und anschließend eine Verstärkersektion zu durchlaufen.
Hinzu kommen diverse Modulatoren wie Hüllkurven und LFOs.
Der XSYNTH verfügt über drei Oszillatoren, die jeweils auf einen großzügigen Vorrat an Multisamples als Schwingungsform zurückgreifen können, 59 an der Zahl sind es insgesamt (wenn ich mich nicht verzählt habe…). Die meisten davon sind geloopt, es gibt jedoch auch einige One-Shot-Samples.
Neben den typischen Grundwellenformen wie Sägezahn, Rechteck, Dreieck und Sinus gibt es unter anderem auch komplexere Spektren sowie Samples von diversen Instrumenten, Rauschen, Field Recordings wie Regen, Wind oder Verkehr und auch einige Drumkits.
Zwar ist der XSYNTH nicht multitimbral, doch kann man mit diesen Drums auch mal eben schnell einen Rhythmus zusammenklöppeln und diesen dann zum Beispiel als Audiodatei exportieren oder im Multitrackverfahren aufnehmen. Dazu braucht es dann auch keinen besonders leistungsfähigen DAW-Rechner, was insbesondere bei portablen Setups mit Handy oder Tablet von nutzen sein kann.
Die Instrumenten-Samples etwa von Pianos und Gitarren können und sollen hier nicht einschlägige ausgewachsene Libraries ersetzen, man sollte sie vielmehr als Ausgangsmaterial für synthetische Klänge auffassen, das es nach Herzenslust zu verbiegen gilt. Also, der XSYNTH ist kein Stage Piano, kein Heimkeyboard, keine General-MIDI-Klangschleuder und auch keine Workstation, sondern eben ein Synthesizer im eigentlichen Sinne, und das ist gut so!
Die drei Oszillatoren sind weitgehend identisch ausgestattet, doch einige Funktionen sind OSC 1 vorbehalten. So bietet etwa nur dieser PWM (Pulsweitenmodulation, im Benutzerhandbuch irrtümlicherweise als Pulswellenmodulation bezeichnet) für einige (nicht für alle) der Wellenformen an. Die Pulsweite kann dabei sowohl manuell eingestellt als auch via diverser Modulatoren gesteuert werden.
Bei dieser Funktion ist mir ein Bug über den Weg gelaufen: Bei den Wellenformen, die PWM erlauben, fehlt im Menü des XSYNTH der entsprechende Parameter zur manuellen Einstellung (die Pulswellenmodulation mittels LFO etc. funktioniert aber), dafür ist er bei den Wellenformen vorhanden, bei denen gar keine PWM möglich ist (wo er natürlich funktionslos ist). Im Editor zum XSYNTH hingegen funktioniert alles richtig, und der damit verbundenen XSYNTH reagiert auf dort vorgenommene Änderungen auch wie erwartet.
Die PWM wirkt beim XSYNTH im Gegensatz zu einem analogen Synthesizer etwas grob aufgelöst, man kann dies aber auch durchaus als gewollten Effekt einsetzen.
Des Weiteren kann OSC 1 mit OSC 2 ringmoduliert und durch OSC 3 frequenzmoduliert werden.Bei beiden Funktionen muss man mit den Tonhöhen der jeweils beteiligten Oszillatoren experimentieren und wird dann schnell mit allerlei interessanten Sounds belohnt. OSC 2 und OSC 3 lassen sich auch separat voneinander zu OSC 1 synchronisieren. OSC 3 verfügt als einziger über einen DRIFT-Parameter, der die Tonhöhe bei jeder neu gespielten Note zufällig variiert.
Dass der XSYNTH digitaler Natur ist, offenbart er bisweilen durch Aliasing-Artefakte in einigen Einstellungen, und wenn diese häufig auch unerwünscht sind, so empfehle ich doch, sie einfach als weiteres Synthesematerial („Edeldreck“) zu betrachten und zu verwenden, etwa für LoFi-Sounds.
In der Mischstufe lassen sich die Pegel aller drei Oszillatoren, des Ringmodulatorsignals sowie des externen Audioeingangs separat einstellen, die letzteren beiden lassen sich also jeweils auch als alleinige Klangquelle verwenden, indem man alle Oszillatoren stumm regelt. Beim Audioeingang macht das jedoch nur sehr bedingt Sinn, schließlich wird dieser – wie weiter oben bereits erwähnt – bisher nur durch den EQ, aber nicht durch die gesamte Synthese-Engine geleitet.
Das Filter bietet die drei Typen Tiefpass, Bandpass und Hochpass, jeweils mit Flankensteilheiten von 12 dB und 24 dB pro Oktave. Der Filtereingang lässt sich bei Bedarf übersteuern, Hüllkurvenintensität und Keytrack sind ebenfalls einstellbar.
Der Klang geht für meinen Geschmack voll in Ordnung, mit dem Filter lässt sich prinzipiell recht gut arbeiten, vor allem, wenn man die Resonanz ins Spiel bringt.
Mit Letzterer sollte man es allerdings nicht allzu sehr übertreiben, denn bei höheren Werten wird der Klang zunehmend ausgedünnt und wenn es schließlich in Richtung Selbstoszillation geht kling es sehr schnell „unanalog“, schrill und in den oberen Tonlagen auch metallisch (Aliasing).
In diesem Punkt erinnert mich das Filter des XSYNTH deutlich an ihre Gegenstücke in oben schon erwähnten Synthesizern JD-800 und K4, die auch nur bis zu gewissen Resonanzwerten richtig gut klangen, und darüber hinaus ihren digitalen Urspung nicht mehr zu verbergen vermochten. Man kennt dies auch von vielen Plugins.
Aber auch hier gilt wieder: Es ist erlaubt, was gefällt, und für den einen oder anderen schrägen Sound abseits schöngeistiger Lautmalerei ist auch diese Klangeigenschaft sehr wohl brauchbar.
Die Selbstoszillation des Filters eignet sich im Übrigen auch nicht sonderlich für typische Klischees à la Kraftwerk-Zapp, Zylonen-Laser oder Ufo-Geräusche, da sie nicht als alleinige Klangquelle arbeiten kann, denn das Filter ist stets auf ein Eingangssignal angewiesen. Aber auch das ist in der digitalen Domäne nichts Ungewöhnliches.
Hüllkurven und LFOs existieren jeweils in dreifacher Ausführung mit identischer Ausstattung. Die Hüllkurven verfügen alle über die Parameter Attack, Hold, Decay, Sustain und Release. Der Hold-Parameter ist dabei auf einer zweiten Menüseite untergebracht, so das man auf der ersten Seite eine klassische ADSR-Hüllkurve vorfindet.
Die erste Hüllkurve (ENV 1) ist standardmäßig dem Verstärker zugeordnet und die zweite (ENV 3) dem Filter. In der Modulationsmatrix lassen sich diese Verknüpfungen aber aufbrechen und die Hüllkurven auch anderen Zielen zuweisen. Auch ENV 3 wird hier geroutet.
Die Hüllkurven sind jetzt nicht unbedingt die schnappigsten ihr Art, für perkussive Klänge reicht es aber allemal. Dafür ermöglichen sie aber bei Bedarf schön lange Verläufe, was auch nicht jeder Synth drauf hat.
Die LFOs bieten vierzehn verschiedene Schwingungsformen inklusive Sample & Hold und weißem Rauschen sowie logarithmischen und exponentiellen Varianten. Sie können wahlweise pro Stimme oder global arbeiten. Ihre Geschwindigkeit kann bei Bedarf auch mit verschiedenen Teilern/Multiplikatoren zur MIDI-Clock synchronisiert werden, sehr gut.
Ansonsten lassen sich noch Einsatzverzögerung, Attack-Zeit und Startphase einstellen. Die LFOs müssen stets via Modulationsmatrix ihren Zielparametern zugewiesen werden.
Besagte Mod Matrix stellt sechzehn Slots bereit, in denen jeweils Modulationsquelle, -ziel und -intensität eingestellt werden kann. Die Modulation kann sowohl positiv als auch negativ erfolgen. Zwei Slots (aber nicht mehr) können jeweils auch kaskadiert werden, indem der zweite Slot als Modulationsziel für den ersten dient.
Es werden insgesamt 35 Modulationsquellen und 80 Modulationsziele angeboten. Bei dieser enormen Menge ist der Editor natürlich von besonderem Vorteil, aber man kann sich auch am XSYNTH selbst durch die entsprechenden Menüseiten hangeln.
Feuchtraum…
Der XSYNTH kann auch mit einer internen Effektsektion aufwarten, genauer gesagt sind es sogar derer drei plus ein semiparametrischer Equalizer. Letzterer bietet zwei Bänder für Hohe und tiefe Frequenzen. Die Frequenz wird hier aber nur in abstrakten Zahlenwerten angezeigt und nicht etwa in Hertz.
Die drei Effektsektionen (FX 1, FX 2 und FX 3) beherbergen jeweils unterschiedliche Kategorien von Effekten. FX 1 beinhaltet EQ Bandpass (beeinflusst Mittenfrequenzen), Distortion (mit den drei Typen Overdrive, Distortion und Fuzz), Compressor und LoFi (Bit Crusher und Samplerate Reducer).
FX 2 widmet sich dem Thema Reverb und bringt die acht Algorithmen Hall 1 und 2, Room 1 bis 3, Stage 1 und 2 sowie Plate mit.
Eine Sache, die ich hier etwas nervig fand, war die Tatsache, dass sich bei einem Wechsel des Reverb-Typs stets der Effektpegel auf einen sehr geringen Wert zurückgesetzt wird. Man muss dann jedes Mal erst wieder auf die entsprechende Menüseite gehen und den Wert wieder auf den gewünschten Pegel bringen. Beim nächsten Umschalten des Reverb-Typs geht das Spiel von vorne los. Schnelle Vergleiche werden somit unnötig erschwert. Ich hoffe hier auf ein Update…
FX 3 schließlich hat zahlreiche Verzögerungseffekte an Bord: allerlei Chorus- und Flanger-Varianten sowie diverse Delays, insgesamt sind es siebzehn verschiedene Algorithmen.
Was die Qualität der Effekte angeht, nun, gegen gute externe Effektgeräte oder Plugins haben sie sicherlich keine Chance, im Rahmen einer Beigabe zum Synth machen sie ihre Aufgabe aber gar nicht so schlecht. Hier fühle ich mich einmal mehr an den JD-800 erinnert (wenngleich da auch ein paar Jahrzehnte zwischen den beiden Geräten liegen…).
Ich muss gestehen, dass ich mich mit FX 1 und FX 2 im Gegensatz zu FX 3 zunächst nicht sonderlich anzufreunden vermochte. Die Distortion klang mir zu digital und aufgesetzt, die Reverbs zu blechern. Ich hatte bei ersten Ausprobieren aber einfach auch nur ein Init-Preset genommen und dort die Effekte volle Kanne drübergekipppt.
Später allerdings, als ich begann, meine ersten eigenen Presets zu basteln, revidierte ich meine erste Einschätzung, denn dann begann ich die zuvor verschmähten Effekte wohldosiert an die entsprechenden Sounds anzupassen (weniger ist hier manchmal mehr…) und siehe da, sie verbesserten den ursprünglichen Sound tatsächlich, verschmolzen mit diesem und wirkten wie ein integraler Bestandteil.
Die Distortions etwa verpassten dem Klang nun eine angenehme Röstnote mit zusätzlichen Obertönen und die Reverbs fügten eine räumliche Dimension hinzu, die insbesondere über Kopfhörer wirksam wurde.
Wer hier nicht gerade einen epischen LEXICON-Hall erwartet, der wird sich mit den Reverbs arrangieren können. Für Liveauftritte reichen sie allemal, und im Studio ersetzt man sie gegebenenfalls durch hochwertigere Spezialisten.
Die Effekte aus FX 3, speziell die Delays, gaben von Anfang an keinen Grund zur Klage.
Kettenkarussell…
Der XSYNTH bringt als zusätzliches Schmankerl noch einen Arpeggiator mit, so etwas ist hier immer gerne gesehen! Er funktioniert nicht nur mit der internen Klangerzeugung des XSYNTH, sondern gibt seine Noten auch über MIDI aus. Die Geschwindigkeit wird manuell in BPM eingestellt, lässt sich aber auch zu einer eingehenden MIDI-Clock synchronisieren, was sehr löblich ist!
Es gibt diverse Abspiel-Modi: aufwärts, abwärts, alternierend in verschiedenen Varianten, aber auch zufällig oder in der Reihenfolge der eingegebenen Noten. Der Modus CHORD spielt die gedrückten Noten nicht nacheinander als Ostinato, sondern rhythmisch als Akkord. Der Oktavbereich des Arpeggios kann von 0 bis 3 eingestellt werden.
Der Arpeggiator muss nicht wie seine klassischen Vorfahren zwangsweise im gleichförmigen Stakkato durchrattern, er beherrscht auch auch eine Vielzahl an vordefinierten rhythmischen Variationen. Diese lassen sich jedoch leider nicht direkt am Gerät auswählen, sondern nur über den Editor. Erst kurz vor Abschluss dieses Testberichts erreichte mich noch eine neue Firmwareversion, bei der alle zusätzlichen Arpeggiator-Parameter nun über eine zweite Menüseite direkt am Gerät aufgerufen bzw. editiert werden können. Hier findet man zwei Bänke mit jeweils 128 durchnummerierten Patterns. Da diese nirgendwo näher beschrieben sind, muss man sie nach Gehör auswählen.
Ebenfalls nur über den Editor erreichbar ist der sogenannte PHRASE-Mode. Auch der PHRASE-Mode kann mit der neuen Firmware nun am XSYNTH selbst ausgewählt werden. Der spielt kein Arpeggio sondern einfache, nicht editierbare Sequenzen mit auswählbarer Grundnote, die abhängig vom aktuellen Pattern sind. Manche davon klingen cool, andere wiederum weniger…
Ein weiterer Arpeggiator-Parameter, der exklusiv im Editor zugänglich ist, nennt sich BIPOLAR und scheint den eingestellten Oktavbereich des Arpeggios nach unten zu erweitern, von der Grundnote aus gezählt. Das Benutzerhandbuch schweigt sich darüber geflissentlich aus.
Ich hoffe doch sehr, dass ESI hier noch nachliefert, und die bisher nur über den Editor erreichbaren Einstellmöglicheiten auf einer zweiten Menüseite des Arpeggiators auch direkt am Gerät verfügbar macht. Eben genau das hat ESI bereits erledigt, noch bevor ich mit dem Testbericht durch war, super!
Makroökonomie…
Die vier Encoder neben dem Display können nicht nur einzelne Parameter verändern senden, sondern auch auch bis zu drei gleichzeitig, über die sogenannten Macros. Diese Funktionsgruppe verfügt über ihren eigenen Anwahltaster am XSYNTH und arbeitet global, nicht pro Preset.
Drückt man den Taster wiederholt, dann schaltet man jeweils eine Menüseite weiter und kann dort nacheinander für die insgesamt zwölf Slots (drei pro Macro) einen von insgesamt 22 Ziel-Parametern auswählen sowie minimale und maximale Werte definieren und den Modus (entweder proportionale oder absolute Werteänderung) festlegen.
Alternativ dazu kann man sich aber auch mit den PAGE-Tastern in beiden Richtungen durch die Mernüseiten bewegen, für mich persönlich die schnellere Arbeitsweise.
Insgesamt finde ich diese Macro-Funktion aber noch ausbaufähig, denn es steht dort aktuell nur eine, wie ich finde, unvollständige Auswahl an Ziel-Parametern bereit. So lassen sich etwa nur die Attack- und die Release-Phasen der ersten Hüllkurve auswählen, die der anderen beiden bleiben außen vor, ebenso wie die Parameter von FX 1 bis FX 3. Gerade Effekt-Pegel oder Hallzeiten wären hier nett. Da geht doch sicher noch mehr, oder…?
Softie…
Den bereits wiederholt angesprochene Editor kann man sich auf der Website von ESI für WINDOWS (10 und 11, 32 und 64 Bit) und macOS (12 bis 15) herunterladen, die ebenfalls verfügbare iOS-Version ist wie üblich über den APP STORE von APPLE erhältlich.
Mit dem Editor lassen sich Patches erstellen und bearbeiten, vom und zum XSYNTH übertragen sowie auf der Festplatte sichern. Darüber hinaus können damit Systemeinstellungen vorgenommen werden und Firmwareupdates heruntergeladen und auf die Hardware aufgespielt werden. Ein virtuelles Keyboard und ein Monitor für ein- und ausgehende MIDI-Befehle runden das Ganze ab.
Wie schon weiter oben erwähnt, sind ein paar der Parameter des XSYNTH derzeit nur über diesen Editor erreichbar, nicht aber am Gerät selbst. Vielleicht ändert sich das ja noch (?). Ja, das tut es, siehe oben…
Beim Start der Software befinden wir uns auf der OSC-Page, die die Einstellmöglichkeiten für gleich mehrere Funktionsgruppen des XSYNTH übersichtlich zusammenfasst, als da wären Oszillatoren, Hüllkurven, LFOs, Mixer und Filter.
Auf der rechten Seite befindet sich die Preset-Verwaltung, die ebenso wie der MIDI-Monitor und das Keyboard auf allen Editor-Pages verfügbar ist. Übrigens ist es keine schlechte Idee, vor einem Firmwareupdate stets alle selbsterstellten Presets zu sichern, damit diese nicht eventuell verloren gehen.
Weitere Editor-Pages, die alle per Tab erreichbar sind, widmen sich der Modulattionsmatrix, den Effekte und dem Arpeggiator, den Macros, globalen Einstellungen und Firmwareupdates sowie diversen Experteneinstellungen. Einer Änderung der Letztgenannten empfiehlt sich aber nur für erfahrene Nutzer.
Dieser Editor wird jetzt sicherlich keinen Designpreis für die schönste Bedienoberfläche abräumen, dafür präsentiert er sich aber ausgesprochen übersichtlich und logisch aufgebaut, so dass man gut damit arbeiten kann, auch ohne fancy GUI.
Tiramisu…
Über die klanglichen Eigenschaften des XSYNTH habe ich mich stellenweise ja schon weiter oben ausgelassen. Der Grundsound ist vorwiegend digital, was ich einmal mehr nicht als Wertung, sondern als reine Beschreibung verstanden wissen möchte.
Analoge Synthesizer habe ich hier schon in ausreichender Anzahl herumstehen, das muss der XSYNTH also gar nicht abdecken. Er bietet sich eher als Kontrastmittel zu einem Analogsynth an, gegen den er sich gut durchzusetzen vermag, mit dem er sich aber auch gut zu einem komplexen Gesamtklang layern lässt.
Dennoch war ich erstaunt, dass ESI’s Neuling aber durchaus auch den einen oder anderen quasi-analogen Sound in guter Qualität hinbekommt, was in erster Linie den Single-Cycle-Waves zu verdanken ist, die eben auch VA-artige Klänge erlauben.
So habe ich mit dem XSYNTH ein paar Sounds gebastelt, die solchen sehr nahe kommen, für die ich normalerweise einen MICROBRUTE oder einen WASP DELUXE nehme. Beim XSYNTH sind sie allerdings dynamisch spielbar und zudem speicherbar.
Nun gut, das Haupteinsatzgebiet des XSYNTH sind aber tatsächlich Klänge, die ihre digitale Natur nicht zu verhehlen versuchen, und zwar jeglicher Couleur. Typische ROMpler-Sounds sind genauso drin, wie drückende Bässe, verträume Ambient-Pads oder schneidende Leads, bisweilen entdeckt man auch FM-Anleihen. Der XSYNTH kann dabei wahlweise sehr freundlich oder auch ausgesprochen böse klingen.
Viele Male fühlte ich mich an Synthesizer wie den nun schon mehrfach erwähnten ROLAND JD-800 bzw. JD-08, KAWAI K1 und K4 oder auch dem YAMAHA SY-35 erinnert. Die Klänge des XSYNTH bilden eine gute Schnittmenge mit denen der vorgenannten Geräte, allerdings ohne sich gegenseitig zu ersetzen, dazu bringt jeder der Synthesizer noch individuelle Eigenschaften mit, die den jeweils anderen fehlen. Sie ergänzen sich also vielmehr.
Als Klangbeispiel habe ich mal wieder einen kompletten Track gebastelt, der den Testkandidaten als einzige Klangquelle verwendet. Im Gegensatz zu einem Plugin, das sich mit mehreren parallelen Instanzen in Echtzeit verwenden lässt und dabei gegebenenfalls auch noch Parameteränderungen zulässt, musste ich beim XSYNTH natürlich eine Schicht nach der anderen aufnehmen und die auf diese Weise gewonnenen Audio-Clips dann in der DAW arrangieren. Das ist eine für mich eigentlich eher ungewohnte Arbeitsweise, die mir aber erstaunlich flott von der Hand ging, als ich im Flow war.
Insgesamt sind so 21 Spuren zusammengekommen. Außer den integrierten Effekten des XSYNTH kamen keine weiteren zum Einsatz. Alle Aufnahmen fanden übrigens mit dem internen Audiointerface via USB statt, dabei ließ sich mit einer Latenzeinstellung von nur 32 Samples auch auf meinem alten Rechner ohne Artefakte arbeiten und die Aufnahmen saßen alle verzögerungsfrei auf dem Punkt.
Nur beim späteren Abmischen bin ich wieder auf mein reguläres Audiointerface gewechselt, einfach deshalb, weil dieses einen etwas höheren Ausgangspegel als das des XSYNTH liefert und ich nicht extra die rückseitigen Lautstärkeregler meiner Abhörmonitore bemühen wollte, nachdem mein Monitor-Controller schon auf Vollanschlag stand.
Fazit:
ESI’s Einstand ins Synthesizergeschäft ist meiner Meinung nach ziemlich gelungen. Die Leonberger erfinden das Rad dabei zwar nicht neu, aber präsentieren ein solides Gerät, das sich sehen und hören lassen kann.
Die Klangerzeugung mag von dem einen oder anderen digitalen Klassiker der 80er und 90er inspiriert sein, weist dabei aber durchaus einen eigenständigen Charakter auf. Trotz des ROMpler-Kerns handelt es sich um einen waschechten Synthesizer, mit dem man eigenen Klänge basteln kann und soll.
Auch die Bedienung gibt keine Rätsel auf und geht schon nach kurzer Zeit recht flott von der Hand. Und wem das immer noch zu fummelig sein sollte, der nimmt halt den Editor.
Ansonsten erhält man neben dem reinen Synthesizer auch noch ein sehr handliches MIDI-Keyboard inklusive polyphonem Aftertouch und Controller-Funktionen sowie ein einfaches MIDI-Interface und ein Audiointerface, das auch die Aufnahme des Synths via USB ermöglicht.
Dass es hier und da noch kleine Bugs zu beheben gibt und dass auch noch das eine oder andere Verbesserungspotenzial existiert, vermag das für mich überwiegend positive Gesamtbild kaum zu trüben, zumal ESI ja ganz offensichtlich schon daran zu arbeiten scheint. Im Übrigen ist das ja bei den Mitbewerbern in der Regel auch nicht anders, selbst bei den ungleich teureren nicht (MOOG ONE…).
Daher gibt’s von meiner Seite auch mal wieder einen BuenasIdeas-Tipp!
ESI bietet den XSYNTH mit einer UVP von 369,- Euro an, was mir als ein fairer Preis erscheint, befindet sich der XSYNTH damit doch auf einem vergleichbaren Preisniveau wie die Synthies der BOUTIQUE-Reihe von ROLAND (bei denen das nicht sonderlich hochwertige Keyboard allerdings separat erworben werden muss). Bei den einschlägigen Versandhändlern kann man auch noch ein paar Eurönchen sparen.
Angesichts des guten Eindrucks, den der XSYNTH bei mir hinterlassen hat, regt sich natürlich auch meine Phantasie: Wie wäre es denn mit einem größeren, multitimbralen Modell mit eingebautem Sequencer oder einer XJAM-Variante mit integrierter Sound-Engine…? 😉
Positives:
+ guter und variabler Grundsound
+ sehr handliches Format
+ Verarbeitungsqualität
+ gut spielbare Tastatur
+ polyphoner Aftertouch
+ einfache Bedienung
+ brauchbare Effekte
+ eingebautes Audiointerface
+ eingebautes MIDI-Interface
+ Audioaufnahme via USB möglich
Negatives:
– DIN-MIDI-Adapter nicht im Lieferumfang
Produktwebseite: https://www.esi-audio.de/produkte/xsynth/
