Testbericht: GForce HALOGEN FM – Frequenzmodulation für alle

Ein Testbericht von Nika Farra,
veröffentlicht am 12.09.2025

GForce ist vor allem für seine akkuraten Synthesizer-Emulation diverser Vintage-Instrumente bekannt. Nun haben sich die umtriebigen Briten an einen völlig eigenständigen Synthesizer gewagt. Der HALOGEN FM verfolgt dabei ein völlig anderes Ziel als bisher und sieht sich in erster Linie als minimalistischer, kreativer FM-Synthesizer. Ob das Konzept aufgeht, erfahrt Ihr in unserem Test.

FM-Synthesizer sind zugegeben nicht die beliebtesten Instrumente unter Musikern, gelten sie doch auch schwierig programmieren, eigenwillig und wenig durchschaubar. Korg hat allerdings mit dem OpSix und Yamaha mit dem RefaceDX gezeigt, dass FM auf abstrahierte Weise auch die breitere Schichten ansprechen kann. Im Plugin-Sektor gibt es hier noch sichtlichen Nachholbedarf.

Historisch gewachsen wird bei klassischen FM-Synthesizern die Summe aus Sinus-Oszillator, Modulation und Hüllkurve als Operator bezeichnet. Filter gab es beim DX-7 und seinen Kollegen nicht. Die Operatoren werden jeweils nach einem bestimmten Schema – dem Algorithmus – seriell und parallel verschaltet, mal mit Rückkopplung, mal ohne.

GFORCE Halogen FM

Die Operatorkerne

Anders als bei klassischen FM-Synthesizern, welche vier oder sechs, freie Operatoren anbieten, besitzt der HALOGEN FM zwei feste Operator-Kerne mit je zwei, seriellen Operatoren. Die klassischen Algorithmus-Modelle zum Verschalten der Operatoren entfallen somit. Das macht den Synthesizer zwar weniger komplex, dürfte aber für mehr Verständnis seitens der User sorgen.

Im Gegensatz zur subtraktiven Synthese nämlich, beeinflussen sich bei FM die Operatoren gegenseitig. Das Klang entsteht also in erster Linie durch Modulation. Viele User empfinden dieses Prinzip als wenig beherrschbar und stehen mit FM mehr oder minder auf Kriegsfuß. Genau an dieser Stelle hakt sich HALOGEN FM ein und bietet sich als leicht verständlicher Synthesizer an.

Um dieses Konzept zu vervollständigen, hat GForce dem Plugin sinnvolle Random (Spark Buttons) und Modulations-Funktionen spendiert, die aus den vier Operatoren unerwartet vielseitige Klänge herausholen.

Operatorkern OPR-1

Wenn weniger mehr ist

HALOGEN FM kommt mit einer schicken, sehr aufgeräumten Oberfläche, welche das Ziel des Synthesizer unterstreicht schnell und agil für frische FM-Sounds zu sorgen. Die gesamte Arbeit spielt sich in diesem „One-Pager“ ab – es gibt keine langen Menüs, nervige Fenster und überfrachtete Optionen.

GForce hat hier stringent auf Minimalismus gesetzt und sämtliche Parameter auf die Essenz eingedampft. Die Beschriftungen sind meist selbsterklärend – der ein oder andere Blick ins Manual schadet aber definitiv nicht, um sich Klarheit zu verschaffen. Andererseits lädt der Synthesizer aufgrund des sehr direkten Zugriffs auf sämtliche Klangfaktoren auch zum blinden Experimentieren und „Learning by doing“ ein.

Innere Werte

Zur Linken und Rechten finden wir die Sektionen der beiden Operator-Kerne OPR 1 und OPR 2, welche intern jeweils aus zwei FM-Operatoren inkl. Rückkopplung bestehen. Man könnte diese beiden Stränge auch vereinfacht als zwei Soundgeneratoren betrachten, die man in der Summe zu einem Klang zusammenmischt.

Über die verschiedenen Parameter lässt sich nun einstellen, wie sich diese beiden Operatoren des Kerns zueinander verhalten sollen. Hier finden sich klassischen Parameter wie Ratio, Frequenz oder Ringmodulation. Timbre legt die Tiefe der eigentlichen Frequenzmodulation fest, während Distort weitere Obertöne addiert und den Klang in Richtung Sägezahn verschiebt. Bright sorgt für mehr Obertöne im Präsenzbereich. Damit sind sehr vielfältige Klänge möglich.

Im unteren Bereich finden wir die Hüllkurven für Modulation und Lautstärke, welche jeweils über einen Repeat-Parameter verfügen. Damit lassen sich definitiv spannende Dinge anstellen. Eine Modulationsmatrix, wie man sie von anderen Synthesizern kennt, gibt es beim HALOGEN FM nicht. Dennoch sind lebendige Modulationen der klangformenden Parameter möglich und auch direkt dort einzustellen.

Der kleine, unscheinbare XMOD-Regler in der Sektion rechts legt darüber hinaus die Verschaltung von OPR 1 und OPR 2 fest und kann stufenlos von seriell auf parallel gestellt werden. Das wirkt sich grundlegend auf den Klangcharakter der beiden Kerne zueinander aus.

Modulation

Aufgrund der fehlenden Modulationsmatrix bringt das Plugin lediglich fest verkabelte Modulationsstrecken mit, was sich in Hinblick auf das Minimalismus-Ziel als durchaus sinnvoll erweist. Selbst ich als bekennender FM-Nerd fand schnell Gefallen an den verschiedenen Möglichkeiten den Klang zu verbiegen ohne lange etwas zusammenklicken zu müssen.

Das Plugin hat (leider nur) einen LFO an Bord. Dieser verfügt über die gängigen Wellenformen inkl. Noise, bietet Sample & Hold, als auch eine nützliche Smooth-Funktion, die eine dämpfende Wirkung ausübt. Außerdem kann der LFO zum Tempo synchronisiert werden. Trotz dieser Limitierung kann man sehr kreativ damit umgehen. Vom einfachen Vibrato, über deutliche Pitch- und Klangformungen, bis hin zum bitcrusher-ähnlichen Effekten geht da sehr viel.

Der Synthesizer ist mit Sicherheit kein „Modulationsmonster“. Das würde aber auch nicht zur Idee eines leicht zugänglichen FM-Synths passen und eventuell jene abschrecken, die Gefallen an der Simplizität haben.


GFORCE Halogen FM – LFO

Einfach schön – Schön einfach

Wie eingangs erwähnt ist die Oberfläche des HALOGEN FM sehr ästhetisch und aufgeräumt gehalten. Man hat zu keiner Zeit den Eindruck von irgendwelchen Optionen erschlagen zu werden, was maßgeblich dazu beiträgt einen guten Zugang zum Synthesizer zu bekommen. Die reduzierten Möglichkeiten wirken sich nämlich bei der Erstellung von Klängen sehr kreativ aus. Dieses Phänomen ist ja nicht neu und wurde hier zu Nutze gemacht.

Zwischen den beiden Sektionen von OPR-1 und OPR-2 befindet sich eine visuelle Darstellung der Bewegungen der beiden Operatorkerne. Die ist nicht nur hübsch anzuschauen, sondern stellt tatsächlich ein hilfreiches Werkzeug dar. Farblich wird OPR-1 in Mintgrün dargestellt, OPR-2 in Rosa. Schön abzulesen sind Klangveränderungen durch Frequenzmodulationen, LFO und Klanggebern wie Timbre oder Distortion.

Aufgrund seiner Schlichtheit lädt HALOGEN FM definitiv zum Experimentieren ein. Die Wirkung der Parameter der Operatorkerne lassen sich sehr spielerisch erfahren und überwinden dabei jene Hürden, die viele andere FM-Synthesizer mitbringen. Im Vergleich zu Klassikern wie dem DX-7 oder TX81Z wurde die Klanggestaltung deutlich zugänglicher abgebildet. Den Synthesizer würde ich daher als sehr barrierearm einordnen.

Effekte und Macro Bar

Im unteren Bildschirmbereich finden wir die FX-Sektion. Auch bezüglich der Effekte zeigt sich der HALOGEN FM recht minimalistisch und bringt lediglich einen Reverb mit. Mit Blick auf andere Plugins ist das durchaus etwas spartanisch, aber wenn wir ehrlich sind, haben wir doch alle solche Effekte in unserer DAW. Dennoch möchte ich dem Reverb einen tollen Klang bescheinigen, der sich auch wunderbar für längere, spacige Hallfahnen eignet. Vor allem mit den glockigen, pluckähnlichen Sounds aus dem Synth harmoniert er hervorragend.

GFORCE Halogen FM – Reverb

Unter der FX-Sektion befinden sich prominiert die Macro Controls (Spark Buttons). Jeder dieser Buttons steht für einen bestimmten Abschnitt innerhalb der Klangsynthese. Hier lässt sich also der Charakter des Klangs zusätzlich beeinflussen, in dem man damit mehrere Parameter gemeinsam verändert. Mit der S Das ist insofern nützlich, wenn man z.B. nur den Timbre-Charakter neu erzeugen lassen möchte und nicht das ganze Preset. Mit dem Freeze-Button können außerdem die aktuellen Macro Controls in das nächste Preset übernommen werden.

HALOGEN FM bringt über 320 Presets mit, unter denen man interessante Anstöße für eigene Kreationen findet. Sämtliche Parameter können natürlich über MIDI-CC gesteuert werden, was das Paket sinnvoll abrundet.

Sounddemos

Zum besseren Vergleich habe ich vier Sounddemos mit dem selben Arrangement, aber unterschiedlichen Patches aufgenommen. Bis auf die Drums stammen alle Sounds aus dem HALOGEN FM, keine EQs oder anderen Effekte.

Sounddemo #1

Sounddemo #2

Sounddemo #3

Sounddemo #4


Fazit

GForce hat mit dem HALOGEN FM einen tollen, kleinen FM-Synthesizer im Programm, der auch FM-Nerds wie mich überzeugen kann. Nicht weil er von allem etwas mehr hat, sondern etwas weniger. Mit dem Plugin gelingen mühelos typische FM-Klänge, als auch spannende FX-Sounds und schöne, kühle Pads und Atmos. Die Stärken sehe ich vor allem bei Pluck-Sounds und alles, was irgendwie glockig klingen soll. Auch klassische DX-Bässe sind kein Problem, wenngleich es dem Fundament etwas an Druck fehlt.

Der Synthesizer empfiehlt sich insbesondere für Leute, die bisher so ihre Probleme mit FM hatten oder Neueinsteiger. Aber auch erfahrene Anwender sollte mal einen Blick riskieren. Insbesondere dann, wenn sie sich öfter dabei erwischen mehr Zeit für die Soundprogrammierung aufzuwenden, als für den eigentliche Prozess des Musizierens.

GFORCE Halogen FM

Kategorie: VST-Plugin (VST3, AU)
Preis (Street): 79€

Pro:
+ tolle Ästhetik, einfaches Handlung
+ schönes, durchdachtes Konzept für schnelle Ergebnisse
+ vielseitiger Klang trotz reduzierter Möglichkeiten
+ Random-Funktionen (via Spark-Buttons)

Contra:
– nur ein LFO

Weitere Infos: Produktwebseite von GFORCE