Testbericht: ARTURIA MIX DRUMS

Ein Testbericht von Stefan Federspiel,
veröffentlicht am 07.09.2025

MIX DRUMS von ARTURIA ist ein Multi-Effekt für den Drum Bus, der ein weites Feld von subtilen Tweaks bis zu extremen Veränderungen abdeckt. Das herausragende Merkmal ist für mich dabei, dass eine Verstärkung der wahrgenommenen Lautstärke geschieht, ohne dass hörbare Artefakte und Verzerrungen entstehen. Alles bleibt klar, nur der Charakter ändert sich teils drastisch. Es gibt natürlich auch Möglichkeiten den Sound anzuwärmen oder stark zu verzerren oder gar eine metallische Resonanz aufzuprägen.  

MIX DRUMS
ARTURIA MIX DRUMS

Die Anzahl der Kontrollen ist auf den ersten Blick übersichtlich. Es lassen sich jedoch durch die Auswahl der Kopfzeilen der Module zusätzliche Parameter in dem großen farbigen Spectrum  Analyzer einblenden.

LOW und MID/HIGH Sektion
LOW und MID/HIGH Sektion

Clipper

Wichtig ist die Einstellung des Clippers beim Input links, hier muss das Ceiling der Lautstärke der Spitzen des Eingangssignals angepasst werden. Günstig ist dabei ein Eingangssignal, das ca.  -3 dB beträgt, dann hat der Clipper genügend Spielraum und hält das interne Signal, das weiter verarbeitet wird, etwas unter 0 dB.

Unter der Input-Anzeige ist ein Auto Set-Button, der das Ceiling an den aktuell gemessenen Pegel anpasst, dabei kommt es darauf an, was für eine Stelle in einem Loop man erwischt, sie sollte laut sein. Man kann dann etwas nach oben oder unten anpassen. Größere Verschiebungen des Ceilings nach unten senken den Ausgangspegel ab, führen aber auch eine starke, nicht gut klingende Verzerrung ein. Bewegt man sich aber innerhalb des kleinen grünen Balkens in der Mitte zwischen den zwei Input-Anzeigen und bleibt die Pegelanzeige dabei grün, ist die Aussteuerung gut.

Der Regler für die Ausgangslautstärke ganz oben rechts steht in den Presets immer bei 0 dB. Ich fand es günstiger hier immer zwischen ca. -0,7 dB und -3,5 dB abzusenken, dann gab es auch in dem Peak-Limiter, den ich hinter MIX DRUMS zur Kontrolle gehängt hatte, kaum mehr Ausschläge und damit war die Dynamik des geclippten Signals so gut wie möglich ausgeschöpft. Dann kann man die Lautstärke des Drum Busses im Mix ganz normal im Mixer regeln und hat immer maximalen Spielraum nach oben, bei einem lauten Signal ohne Clipping-Artefakte, das MIX DRUMS dann liefert.

Input Clipper
Input Clipper

Ich meide eigentlich Clipper, weil sie noch eher Artefakte und Rauschen einführen, als Kompressoren oder Limiter. Hier hat man sich aber dafür entschieden und das funktioniert erstaunlich gut. 

Tief und Mittelhoch

Das Eingangssignal wird auf die Module Low und Mid/High aufgeteilt, die Crossover-Frequenz stellt man in dem Visualizer ein, der entsprechende Schieber und dazugehörige Kurven erscheinen, wenn man die Kopfzeile dieser beiden Module anklickt. Regeln kann man den Crossover-Punkt mit dem linken, unteren, rechteckigen Handle zwischen 30 und 500 Hz. 

Low bietet einen prominenten Warmth Regler für eine emulierte Verstärker-Sektion, die dem DIST OPAMP 21 Distortion-Effekt von ARTURIA entnommen ist und gleichzeitig das Signal verstärkt und saturiert. Level darunter stellt die Verstärkung ein und Dry den Anteil des unverstärkten und Eingangssignals ohne Saturation. Da Warmth keine weiteren Optionen bietet, ist das an dieser Stelle recht einfach gehalten.

LOW Modul
LOW Modul

Rechts davon befinden sich die Einstellungen für den Transient Shaper. Die kleinen Kurven bestimmen, ob die Transiente oder der Body des Drum-Signals angehoben oder abgesenkt werden, die Schieber dahinter bestimmen die Länge dieses Vorgangs. Das gleiche findet sich auch in dem Mid/High Modul, man kann die Transienten also getrennt für beide Frequenzbereiche einstellen. Das hat dann insgesamt einen deutlichen Einfluss auf die Länge des Signals, den Punch und das Durchsetzungsvermögen im Mix.

Mittlere Verzerrungen

Das Mid/High Modul beherbergt zwei große Drehregler, der erste stellt eine Bandsättigung dar, die auf dem Mello-Fi-Tape-Saturation-Effekt von ARTURIA basiert, die keine weitere Optionen bietet, außer einem kleinen Level-Regler darunter. Rechts neben diesem Level-Regler ist eine kleine, abgegrenzte Sektion mit zwei Regklern. Tone ist ein EQ mit zwei weichen Bell-Kurven, je nach Stellung werden die unteren Mitten oder die höheren Mitten betont, der sich zwischen der Bandsättigung und der nachfolgenden Distortion befindet. Tilt wiederum ist ein klassischer Tilt-EQ nach der Distortion, der den Anteil der Höhen insgesamt kontrolliert.

MID/HIGH Modul
MID/HIGH Modul

Distortion bietet ein Auswahlmenü für verschiedene Verzerrungstypen. Insgesamt sind das über die Kategorien Analog, Digital und Waveshaper verteilt 16 verschiedene Typen. Gut, einige klingen recht ähnlich, aber es sind doch einige sehr extreme Variationen geboten. Distortion hat auch einen eigenen Level-Regler. 

Es ist wichtig, auf welchen Frequenzbereich sich die Distortion auswirkt, deshalb werden, wenn die Kopfzeile der Low und Mid/High Module aktiv ist im Visualizer drei weitere Handles eingeblendet. Das rechte rechteckige Handle ist ein Low-Pass Filter, das den Frequenzbereich nach oben hin abgrenzt, damit die Höhen nicht verzerrt werden. Nach unten wirken zwei High-Pass Filter, die durch die runden Handles repräsentiert werden. Das rechte davon ist das Filter vor der Distortion, das linke mit der gestrichelten horizontalen Linie ist das nach der Distortion.

Visualizer Distortion Handles
Visualizer Distortion Handles

Ein Video der verschiedenen Distortion Typen

Ist das Distortion-Modul aktiv, erscheint ganz rechts im Visualizer der Parameter Clean Hights. Das sind die Frequenzen, die über dem Low Pass für die Distortion liegen und davon nicht beeinflusst sind. Diese Höhen können hier um bis zu 24 dB verstärkt werden. Angezeigt wird dieser verstärkte Anteil dann im Visualizer in einem blassen Orange.

Raum und Zeit

Das Space Module bietet ein algorithmisches Reverb, ein Convolution Reverb mit verschiedenen Kategorien von Creative über Hall, Plate, Room bis zu Spring und ein Delay, das auch dottet und triplet Unterteilungen beherrscht sowie Ping Pong. Ganz Rechts im Visualizer erscheinen auch hier noch zusätzliche Parameter, wie Distanz und Dämpfung. Ganz links sitzen noch Parameter für Reverb-Ducking und einen Tremolo-Effekt nur für die Hallfahne sowie für einen Gating-Effekt.

Space Modul
Space Modul

Damit lässt sich gezielt ein zu der Situation passender Raumeindruck aufprägen, die Qualität ist hochwertig, da braucht man nichts mehr extra.

Equalizer zu guter Letzt

Ganz am Ende des Signalwegs sitzt noch ein EQ mit drei Bändern, der im Visualizer angezeigt wird, wenn man auf die Kopfzeile des EQ Moduls klickt. Die zwei Regler in dem Modul für Mid/High und Low stellen an dieser Stelle noch einmal eine grobe Balance zwischen den Frequenzbereichen her, Grundlage ist aber die oben angezeigte EQ Kurve.

EQ Modul und Equalizer Kurve im Visualizer
EQ Modul und Equalizer Kurve im Visualizer

Mit diesem abschließenden EQ gibt es zusammen mit den Filtern und den EQs vor und nach der Distortion eine ziemliche Menge an entsprechenden Effekten, die in den Frequenzgang eingreifen. Die Entwickler von ARTURIA haben bei MIX DRUMS darauf geachtet, dass es dabei zu keinen Phasenproblemen kommt. 

Mit angezeigt werden im Visualizer ganz links einige Parameter und ein Auswahlmenü für Noise, den man noch hinzufügen kann. Die Kategorien umfassen hier Bezeichnungen wie Amp, Interference, Machinery, Tape Hiss und erzeugen einen Vintage-Hintergrund, vom Charakter her fast identisch, wie in dem PURE LOFI Instrument von ARTURIA. Auch schon ein Teil der Distortion-Algorithmen können in diese Richtung gehen

Zur Kontrolle gibt es noch eine Output Clipper-Anzeige ganz rechts. Wenn hier das Signal über die 0 dB Grenze rot ausschlägt, ist das nicht bedenklich, man sollte nur entsprechend etwas im generellen Output oben rechts im Interface das Gain etwas zurückschrauben, bis ein Kontroll-Limiter nach MIX DRUMS nicht mehr ausschlägt. Man kann das aber auch ganz sauber machen und je nachdem den Output des Drum-Instruments bzw. -Loops vor MIX DRUMS etwas herunterregeln, wenn das geht.

Presets und Soundmaterial

Wie sich die Einstellungen in den verschiedenen Presets auswirken, ist stark davon abhängig, welche Sounds bearbeitet werden. Das Beispiel mit dem akustischen Drum Kit aus BFD 3.5 bei dem ich alle internen Effekte deaktivierte, man also nur die nicht ausproduzierten, relativ flachen Original-Sounds des Schlagzeugs hat, reagiert am deutlichsten und unterschiedlichsten auf die Veränderung der Presets. Dagegen ist das bei einem schon fertig effektierten Kit, wie dem aus Monster Drums, nicht so stark zu hören. 

Bei anderem Material ist das unterschiedlich. Bei tonaler Percussion, wie diesem aufgenommenen Xylofon Loop muss das Preset passen, dann wirken sie sich aber nicht so unterschiedlich aus, oder es gibt extreme Klangveränderungen bei Presets, die z. B. die Transienten hervorheben. Insgesamt, bezogen auf die Instrumente mit eigenen Effekten, wie BFD oder Triaz kann man feststellen, dass man mit den on Board Effekten ähnliche Durchsetzungsfähigkeit oder Präzision erreicht. Aber es hört sich mit diesen Effektketten anders an, als das, was man mit MIX DRUMS erreichen kann. Was erst recht für normale, nicht drum-spezifische Effektketten mit den DAW-eigenen oder von Drittherstellern gilt.

Ein akustisches Drum Kit aus BFD 3.5. Die Presets verbessern den Sound der uneffektierten Drums erheblich.

Aus dem gleichen akustischen Kit aus BFD jeweils nur die Kick, die Snare und die HiHat mit jeweils spezifischen Presets dafür – und teils auch allgemeinen Presets. Man kann also auch einzelne Drums verbessern oder stark verändern, was nochmal erweiterte Möglichkeiten eröffnet, ein Kit zu bearbeiten, wenn man die einzelnen Spuren hat.

Ein schon stark mit Effekten optimiertes Kit aus Monster Drums. Hier lässt sich nicht mehr viel optimieren, aber je nachdem stark verändern.

Ein Cajon aus Monster Drums, das Sounds mit einem völlig anderem Charakter bietet. Dieses Instrument kann man damit wesentlich durchsetzungsfähiger machen. Ob das immer so passt, ist eine andere Frage.

Ein Loop mit Trommeln mit Fingern auf einem Tisch in einem Raum mit zu viel Hall. Hier ist es schon interessant, wie viel knackiger man so etwas mit MIX DRUMS bekommt. Meist störte mich der zu hervorgehobene Bass und ich ging in dem Video noch mit dem internen EQ ran. Der Charakter lässt sich zwar nicht völlig verändern, da müsste man noch mit einem Resonanz-Plugin ran, aber es ist einiges möglich.

Ein Kit aus MACE, einem lokalen LoFi KI-Drumgenerator, das nicht so ganz optimal ist. Mit MIX DRUMS  kann man diese Sounds aufwerten. Aber so was von… 

Ein aufgenommener Loop eines Mini-Xylophons, leider ist offenbar mein Field-Recorder kaputt ?? und der rechte Kanal rauscht stark, aber selbst das bekommt man mit einer Transienten-Bearbeitung in  MIX DRUMS hin – also meistens. Auch hier, bei tonaler Percussion ist eine deutliche Verbesserung oder eine Veränderung des Charakters möglich.

Ein Kit aus Triaz mit Holz-Percussion, auch hier wurden wie bei BFD die internen Effekte deaktiviert. Die Presets zaubern wiederum eine weite Palette an Variationen.

Fazit

Mich fasziniert an MIX DRUMS, dass ich diesen Effekt letztendlich nicht nachbauen kann. Und dabei geht es nicht um Nuancen bei der Sättigung oder subtile Klangveränderung, sondern grundsätzlich, wie laut, präsent und vor allem präzise der Sound eingestellt werden kann. Irgendwie hat das etwas von Magie. 

Auch mit einer längeren Effektkette, verschiedenen hintereinander geschalteten Limitern, Kompressoren, einem Transient Shaper, EQ und Distortion komme ich höchstens in die Nähe, aber immer noch ein Stück entfernt von dieser Präsenz und Klarheit, diesen differenzierten Höhen und druckvollen Bass. Auch wenn das Interface übersichtlich ist, ist da doch einiges untergebracht und vor allem optimal aufeinander abgestimmt. Sicher, erfahrene Produzenten mit hochwertigen Plugins und dem genauen Wissen, wie sie so ein Klangbild erreichen können, schaffen ähnliches. Aber als durchschnittlicher User kommt man da nicht hin.

MIX DRUMS bei ARTURIA: https://www.arturia.com/de/products/software-effects/mix-drums/overview

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