UJAM GROOVEMATE ONE – Die kleine Gewürzmenage

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 12.05.2021

Eine neue Produktreihe hat bei UJAM das Licht der Welt erblickt. Sie nennt sich GROOVEMATE und ihr erster Ableger hört auf den simplen Namen ONE, woraus man schließen darf, dass in absehbarer Zeit wohl auch TWO, THREE und so weiter folgen werden, Graf Zahl lässt grüßen… GROOVEMATE ONE versteht sich in erster Line als Sidekick zu den VIRTUAL DRUMMER-Plugins und soll diese auf perkussive Weise unterstützen, doch lässt er sich natürlich auch völlig unabhängig davon einsetzen, um dem rhythmischen Fundament eines Songs in wenigen Schritten zu seinem richtigen Groove zu verhelfen.


Natriumchlorid…

GROOVEMATE ONE stellt so ziemlich die gleichen Ansprüche an sein Habitat wie schon zuvor seine Verwandschaft. Softwareseitig ist die Mindestvoraussetzung auf dem PC WINDOWS 7, auf einem APPLE-Rechner geht es ab OSX 10.11 bzw. ab macOS 10.12 los. An Hardware werden mindestens 4 GB an RAM-Speicher und gute 90 MB freier Platz auf der Festplatte. Diese Voraussetzungen überbietet mein Testrechner (CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz, 16 MB RAM) problemlos.

Hinzu kommt im Falle einer Online-Aktivierung noch eine Internetverbindung auf dem Hostrechner, die allerdings lediglich einmalig zur Freischaltung des installierten Plugins benötigt wird, denn anschließend arbeitet GROOVEMATE ONE selbstverständlich auch offline.

An Plugin-Formaten werden wie gewohnt VST, AU 2 (nur für MAC) und AAX geboten, letzteres wird übrigens vom Setup-Programm zumindest unter WINDOWS stets mitinstalliert, ob man es nun braucht oder nicht, das betraf aber auch schon die anderen Plugins von UJAM. GROOVEMATE ONE ist ausschließlich für 64-Bit-Systeme verfügbar.

UJAM GROOVEMATE ONE - Aktivierungsmenü
UJAM GROOVEMATE ONE – Aktivierungsmenü

Die bereits erwähnte Aktivierung über das Internet erfolgt mithilfe der selben Zugangsdaten (E-Mail-Adresse und Passwort), die auch schon für den obligatorischen User-Account auf der UJAM-Website verwendet wurden. Diese Freischaltung muss innerhalb von 30 Tagen erfolgen, bis dahin läuft das Plugin im Demo-Modus. Übrigens, auch wenn es im Manual zum GROOVEMATEONE nicht erwähnt wird, wer über gar keine Internetverbindung an seinem Host-Rechner verfügt, der kann sich zum Zwecke einer ebenfalls möglichen Offline-Aktivierung einfach via E-Mail an https://www.ujam.com/contact-us wenden, dort wird ihm dann weitergeholfen!

UJAM GROOVEMATE ONE
UJAM GROOVEMATE ONE

Dank des stringenten Designs bei UJAM ist GROOVEMATE ONE von seinem GUI her sofort ein typisches Plugin des Herstellers erkennbar und wirkt dabei wie ein kleiner Bruder der VIRTUAL DRUMMER- oder der BEATMAKER-Reihe. Die Bedienoberfläche ist dabei frei skalierbar.

UJAM GROOVEMATE ONE - MIDI-Learn
UJAM GROOVEMATE ONE – MIDI-Learn

Zu den grundlegenden Funktionen gehört ebenfalls eine MIDI-LEARN-Option, erreichbar via Rechtsklick auf den gewünschten Regler, welche die Verbindung mit einem beliebigen Hardware-Controller und die anschließende Steuerung über diesen erlaubt. Die virtuellen Regler reagieren alternativ auch auf die Bewegungen des Mausrads. Des Weiteren ist natürlich eine Parameter-Automation im Rahmen der entsprechenden Möglichkeiten der jeweils verwendeten DAW vorgesehen.

Die Systemauslastung des GROOVEMATE ONE fiel während meines Tests erfreulich gering aus, es hätte mich aber auch gewundert, wenn dies anders gewesen wäre, schließlich werden hier nur die integrierten Samples wiedergegeben, sofern man einmal von den in Echtzeit berechneten Onboard-Effekten absieht.


Piper nigrum…

GROOVEMATE ONE beinhaltet gerade einmal vier verschiedene Grundklänge, als da wären ONE SHOT SHAKER, REGULAR SHAKER, TAMBOURINE sowie CLAPS. Das klingt erstmal wenig und ist es auch. Andererseits tritt GROOVEMATE ONE nun aber auch nicht als die ultimative Percussion-Workstation an, sondern vielmehr als Assistent zu vorhandenen Drum-Plugins, insbesondere denen aus der VIRTUAL DRUMMER-Produktlinie. Insofern ist diese Beschränkung auf eine Handvoll Brot-und Butter-Sounds durchaus im Sinne des Erfinders und dient der schnellen Geschmacksanreicherung bereits bestehender Rhythmus-Arrangements.

Die vier genannten Perkussionsinstrumente sind anschlagsdynamisch spielbar und liegen jeweils in mehreren klanglichen Variationen vor, die via Round-Robin-Verfahren abgerufen werden, was man vor allem anhand des Clap-Sounds gut heraushören kann. Der berühmt-berüchtigte „Maschinengewehr-Effekt“ alter Drumcomputer ist hier also nicht mit von der Partie.

Weniger gut gefallen hat mir allerdings, dass die vier Instrumente über keine eigenen Lautstärkeregler verfügen, sondern nur über einen gemeinsamen Volume-Regler. Ebenso fehlt eine Einstellmöglichkeit für das Panorama. Da zudem auch keine Einzelausgänge für die Instrumente vorhanden sind, lassen sich derartige Einstellungen leider auch nicht im Mixer der DAW realisieren. Ein individueller Abgleich zwischen den vier Instrumenten ist somit also nicht möglich (allerhöchstens über den lästigen Umweg separat geladener Plugin-Instanzen). Dies finde ich vor allem deshalb etwas unglücklich, weil der Pegel der einzelnen Instrumente teilweise doch sehr weit auseinander liegt, Tambourine und vor allem Clap sind dabei deutlich lauter als die Shaker.

GROOVEMATE ONE verfügt wie alle Instrumenten-Plugins von UJAM über ein sogenanntes INTERACTIVE KEYBOARD, eine virtuelle Klaviatur, die in diesem Falle den Bereich genau einer Oktave abdeckt. Die einzelnen Tasten lassen sich dabei über ein angeschlossenes MIDI-Keyboard triggern, wobei es hier völlig egal ist, welche Oktavlage bei diesem eingestellt ist, denn es funktionieren einfach alle

UJAM GROOVEMATE ONE - Interactive Keyboard
UJAM GROOVEMATE ONE – Interactive Keyboard

Auf den Tasten von C bis FIS liegen jeweils die einzelnen Instrumente als One-Shot vor, während der Bereich von G bis H (bzw. B) dem Abfeuern der mitgelieferten Phrasen vorbehalten ist. Die beiden Instrumente Tambourine (von dem auch eine etwas länger ausklingende Accent-Variante existiert) und Regular Shaker sind dabei auf mehrere Tasten verteilt, was ein schnelleres Einspielen mit zwei Fingern erlaubt.

Bei den Phrasen existieren jeweils die drei Variationen SOFT, FULL und BUSY, die sich durch unterschiedlich dichte Intrumentierungen auszeichnen, hinzu kommt noch eine FILL-Phrase so wie eine weitere Taste zum Stoppen des Patterns.

Der weiter unten positionierte LATCH-Schalter lässt die jeweils aktive Phrase auch dann weiterlaufen, wenn man die dazugehörige Keyboard-Taste längst wieder losgelassen hat.

Ebenfalls typisch für UJAM ist das MIDI Drag and Drop. Mit dieser Funktion lassen sich die mitgelieferten Phrasen einfach auf eine MIDI-Spur der verwendeten DAW ziehen. Dort liegen sie dann als mitsamt aller Einzelnoten vor und können mit den gebotenen Editiermöglichkeiten nach allen Regeln der Kunst durch die Mangel gedreht werden. Somit lassen sich aus einer einzigen Phrase in Eigenregie unzählige Variationen erzeugen.

UJAM GROOVEMATE ONE - typisches UJAM-GUI
UJAM GROOVEMATE ONE – typisches UJAM-GUI

In der oberen Hälfte des Plugins verstecken sich noch einige weitere Funktionen. Zunächst einmal wird dort das gerade aktive Preset nebst einer kurzen, mehr oder weniger treffenden Beschreibung angezeigt. Diese Presets lassen sich mithilfe der Pfeil-Taster der Reihe nach durchsteppen. Alternativ dazu lässt sich aber auch ein Browser aufrufen, der dann eine direkte Anwahl eines der Presets erlaubt.

UJAM GROOVEMATE ONE - Preset-Browser
UJAM GROOVEMATE ONE – Preset-Browser

Diese Presets sind jeweils eine Kombination aus vorgefertigten Rhythmusphrasen und dazu passenden Effekteinstellungen. Davon existieren genau dreißig Stück, an dieser Stelle hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn UJAM sich noch ein wenig spendabler gezeigt und etwas mehr davon mitgeliefert hätte.

Ansonsten gibt es im oberen Bereich der Bedienoberfläche noch einen Schalter, um die aktuellen Effekteinstellungen zu fixieren, so dass sie auch bei einem Presetwechsel erhalten bleiben, und auch das MICRO TIMING lässt sich hier aufrufen.

UJAM GROOVEMATE ONE - Micro-Timing
UJAM GROOVEMATE ONE – Micro-Timing

Dieses Menü erlaubt einerseits die Festlegung des Sync-Verhaltens beim Triggern von Phrasen (hier stehen ein sofortiger Start bei Tastenanschlag, bei der nächstfolgenden Sechzehntel-, Achtel- oder Viertelnote oder auch eine Orientierung an der aktuellen Song-Position zur Auswahl). Andererseits kann hier ein Swing-Faktor im Bereich von null (gar kein Swing) bis einhundert Prozent definiert werden.

UJAM GROOVEMATE ONE - Onboard-Effekte
UJAM GROOVEMATE ONE – Onboard-Effekte

Kein UJAM-Instrument ohne eingebaute Effekt-Sektion, und auch der GROOVEMATE ONE macht selbstverständlich keine Ausnahme von dieser bewährten Regel. Hier nennt sich das Ganze AMBIENCE SECTION und beinhaltet die sogenannten Mix-Effekte sowie eine separate Reverb/Delay-Einheit.

UJAM GROOVEMATE ONE - Mix-Efekte
UJAM GROOVEMATE ONE – Mix-Efekte

Insgesamt neun verschiedene Mix-Effekte stehen zur Verfügung, wobei es sich hierbei wiederum um komplexe Effektketten inklusive EQ, Kompression, Panning, Sättigung, Transientenbearbeitung usw. nach Art der hauseigenen FINISHER-Reihe handelt, die mittels eines einzigen Macro-Reglers gesteuert werden. Damit lassen sich zum Teil sehr drastische Klangveränderungen erzielen.

UJAM GROOVEMATE ONE - Reverb-Effekte
UJAM GROOVEMATE ONE – Reverb-Effekte

Unter REVERB verbergen sich drei unterschiedliche Raumklang-Algorithmen und ein punktiertes Delay. Auch hier steht wieder lediglich ein einziger Regler zur Anpassung des Effektanteils bereit.

Wie nicht anders zu erwarten war, befindet sich die Qualität dieser Effekte auf einem professionellen und amtlichen Niveau. UJAM hat ja in der Vergangenheit bereits hinreichend bewiesen, dass man sich dort auf die Programmierung gut klingender Effekte versteht. Doch hört einfach selbst…


Allium sativum…

Ich habe nämlich mal ein kleines Klangbeispiel dazu vorbereitet. Ihr hört ein relativ einfaches Preset des GOOVEMATE ONE, zunächst vier Takte lang ohne jegliche Effekte, anschließend wechselt nach jedem vierten Takt der Mix-Effekt bei voll aufgedrehtem Regler, während der Reverb-Effekt weiterhin deaktiviert bleibt. Wenn die Mix-Effekte alle an der Reihe waren, folgt noch mal ein trockener Durchlauf des Presets, danach werden die vier Reverb-Effekte vorgestellt, ebenfalls mit voller Intensität (die Mix-Effekte sind dafür wiederum völlig zugedreht).

Klangbeispiel UJAM GROOVEMATE ONE – Onboard-FX

Das zweite Klangbeispiel beinhaltet einen stichprobenartigen Rundgang durch die Presets. Über einen simplen TR-606-Beat, der nur aus Kick und Snare besteht und den ich absichtlich eher langweilig gestaltet habe, damit er nicht weiter ablenkt, lasse ich nacheinander diverse Presets des GOOVEMATE ONE laufen. Am Anfang spielt der Beat ganz alleine, dann folgen einfache Presets, die den Snare-Schlägen auf der 2 und auf der 4 zu mehr Höhenglanz verhelfen sollen. Als nächstes stelle ich die Instrumente des GOOVEMATE ONE jeweils einzeln vor, anschließend im Zusammmenspiel mit verschiedenen Presets. Zum Abschluss gibt es auch noch eine per DAW-Automation realisierte Filterfahrt mit dem passenden Mix-Effekt.

Klangbeispiel UJAM GROOVEMATE ONE – Presets

Für mein Empfinden tendieren die enthaltenen Instrumente des GROOVEMATE ONE klanglich eher in Richtung ihrer akustischer Vorbilder als denn nach Drumcomputer. Dies trifft besonders auf die Clap zu, Sounds à la TR-808/909 oder der frühen digitalen Maschinen aus den Achtzigern sind daher nicht sein Metier. Zwar lässt sich der Klang mithilfe der Onboard-Effekte durchaus noch ein wenig „elektifizieren“, sein vorwiegend akustischer Grundcharakter scheint jedoch auch dabei immer durch.

Aus diesem Grund würde ich das stilistische Einsatzfeld des GROOVEMATE ONE vorrangig im Bereich der Pop- und Rockmusik einordnen, so wie es von UJAM ja auch propagiert wird. Daher bietet er sich in der Tat als sinnvoller Kompagnon für die VIRTUAL DRUMMER-Reihe an und weniger für die BEATMAKER-Produkte. Für Techno, Trance, Dubstep, EBM usw. gibt es fraglos jede Menge Alternativen, die hier mehr Stilsicherheit bieten. Das soll aber nicht bedeuten, dass der GROOVEMATE ONE nicht doch in dem einen oder anderen House-, Dance- oder Hiphop-Track zum Einsatz kommen kann (und sicherlich auch wird…), nämlich immer dann, wenn ein wenig naturidentische Würze gefragt ist.


Fazit:

Ich muss an dieser Stelle gestehen, das mich GROOVEMATE ONE doch mit etwas ambivalenten Gefühlen zurücklässt. Die grundsätzliche Idee eines spezialisierten Plugins, dass sich auf die wichtigsten perkussiven Gewürzbeigaben für eine schmackhafte Song-Malzeit beschränkt, halte ich auf der einen Seite für durchaus gelungen, auf der anderen Seite sind Nutzwert und Bandbreite durch die eine oder andere einige Einschränkung doch auf ein relativ enges Spektrum begrenzt.

Dies betrifft sowohl den stilistisch sehr festgelegten Grundsound als auch die Anzahl der mitgelieferten Presets, ebenso wie die fehlenden Möglichkeiten zur Regelung von Lautstärke und Panorama der einzelnen Instrumente. Möglicherweise hat hier einfach der doch recht niedrige Verkaufspreis den Einsatz des Rotstifts diktiert.

Übrig geblieben ist eine handliche Salz- und Pfeffer-Garnitur, die auf dem Esstisch wenig Platz einnimmt und die bei Bedarf schnell zur Hand ist, um einzelnen Songteilen aus der gutbürgerlichen Pop-Küche zu einem ausgewogeneren Geschmack zu verhelfen.

GROOVEMATE ONE ist für 19,- Euro bei UJAM erhältlich. Wer vor einem Erwerb wissen möchte, ob der Neuzuwachs in UJAMs Portfolio kompatibel zu seinen eigenen Kochkünsten ist, dem sei die volle dreißig Tage lang lauffähige Demoversion empfohlen.

Ich bin schon gespannt, womit wohl potentielle GROOVEMATE TWO und THREE aufwarten werden, vielleicht ja mit Bongo und Conga, Djembe und Darbuka, Tabla und Dholak, Claves und Agogo…?


Positives:

+ natürlich klingende Percussionsounds
+ authentische Rhythmusphrasen
+ sehr einfache Bedienung
+ Drag & Drop-Import von Rhythmen in die DAW
+ gutklingende Onbard-Effekte
+ Offline-Aktivierung möglich

Negatives:

– keine Lautstärke- und Panoramaregelung bzw. keine Einzelausgänge für die einzelnen Klänge
– relativ wenig mitgelieferte Presets


Produktwebseite zum UJAM GROOVEMATE ONE: https://www.ujam.com/groovemate/one/

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