Testbericht von Andreas 13.09.2026

Der Memorymoog gehört zu den Synthesizern, deren Ruf deutlich größer ist als ihre damalige Verbreitung. Moog Music baute nur einige Tausend Exemplare, doch die Kombination aus sechs Stimmen, drei Oszillatoren pro Stimme und einem kräftigen Ladder-Filter machte den 1982 erschienenen Analogsynthesizer zu einer Legende. Gleichzeitig galt das Original als technisch anspruchsvoll, stimmungsfreudig und nicht gerade wartungsarm. Inzwischen lässt sich diese besondere Mischung aus Überfluss und Unberechenbarkeit erheblich bequemer in der DAW erleben.

2026 scheint beinahe zum Jahr des virtuellen Memorymoog zu werden. Nach Arturias Memory V und der vollständig überarbeiteten zweiten Version von Cherry Audios Memorymode betritt nun XILS-lab MemoryTone die Bühne. Ganz neu ist die Idee einer Software-Nachbildung allerdings nicht: Gunnar Ekornås bietet mit Memorymoon bereits seit vielen Jahren eine günstige Windows-Interpretation des Instruments an.

Die wichtigsten Eckdaten wurden bereits im BuenasIdeas-Newsartikel zur Veröffentlichung von XILS-lab MemoryTone vorgestellt. Im Test geht es nun ausführlicher um Bedienung, Klangerzeugung und die Position gegenüber den drei direkten Konkurrenten.

Damit stellt sich nicht nur die Frage, wie gut MemoryTone für sich genommen funktioniert. Ebenso interessant ist, welchen eigenen Platz das Plugin zwischen drei bereits verfügbaren Alternativen finden kann. Reicht ein weiterer Memorymoog für denselben großen Analogsound, oder unterscheiden sich die vier Instrumente deutlicher, als es ihre nahezu identische historische Vorlage vermuten lässt?

MOOG MEMORYMOOG
MOOG MEMORYMOOG

Vom Memorymoog zu MemoryTone

Das Grundkonzept des Memorymoog ist schnell erklärt: Jede seiner sechs Stimmen besitzt drei Oszillatoren, einen Mixer, ein resonanzfähiges 24-dB-Tiefpassfilter, zwei Hüllkurven und einen Verstärker. Im polyfonen Betrieb stehen damit insgesamt 18 Oszillatoren bereit. Werden alle sechs Stimmen im Unisono-Modus übereinandergestapelt, entsteht jener ausgesprochen breite und durchsetzungsfähige Klang, der dem Instrument bis heute seinen Ruf sichert.

XILS-lab übernimmt dieses Fundament, bleibt aber nicht bei den damaligen Grenzen stehen. MemoryTone arbeitet mit bis zu 16 Stimmen, unterstützt moderne Ausdruckssteuerung über MPE, stellt sechs freie Modulationsverbindungen bereit und ergänzt Arpeggiator, Sequencer, Effekte sowie einen zeitgemäßen Preset-Browser. Aus dem sechsfachen Minimoog, als der das Original etwas vereinfachend beschrieben wird, ist somit ein modernes Software-Instrument geworden.

Die grundsätzliche Funktionsweise entspricht der subtraktiven Synthese: Obertonreiche Wellenformen werden zunächst im Mixer zusammengeführt und anschließend mit dem Filter geformt. Hüllkurven und Modulatoren bringen Dynamik und Bewegung ins Spiel. Wer sich zunächst mit den allgemeinen Bausteinen beschäftigen möchte, findet im Professor-Pegel-Artikel über Synthesizer, ihre Geschichte und ihre Klangerzeugung den passenden Einstieg.

Installation, Formate und Aktivierung

MemoryTone wird für Windows und macOS angeboten. Zur Auswahl stehen VST2.4, VST3 und AAX; unter macOS kommt Audio Units hinzu. XILS-lab unterstützt sowohl Intel-Macs als auch Apple-Silicon-Rechner. Unter Windows nennt der Hersteller die 64-Bit-Versionen von Windows 7 bis Windows 11, unter macOS beginnt die Unterstützung bei Version 10.13.

Die Lizenz wird über iLok verwaltet. Ein physischer Dongle ist nicht zwingend erforderlich, denn die Aktivierung kann auch auf dem Rechner erfolgen. Ein kostenloses iLok-Konto und eine Internetverbindung für die Autorisierung bleiben dennoch notwendig. Wer Lizenzmanager grundsätzlich vermeiden möchte, findet bei Cherry Audio oder Memorymoon unkompliziertere Alternativen.

Eine 15 Tage nutzbare Demoversion ermöglicht einen vollständigen Eindruck vor dem Kauf. Gerade bei einem Instrument, das sich einem bereits mehrfach emulierten Vorbild widmet, ist dieser Testzeitraum wichtiger als jede Klangbeschreibung: Ob Oszillatoren, Filter und interne Sättigung den persönlichen Geschmack treffen, lässt sich nur über die eigene Abhöre zuverlässig beurteilen.

Wir haben den MemoryTone von Xils Lab auf einem aktuellen i5 mit 64 GB RAM und 3 TB SSD?Speicher getestet. Das Betriebssystem ist Windows 11 Pro in der aktuellsten Version. Als Audiointerface dient uns das ESI Audio U168XT. Abgehört wird über ein Pärchen Prodipe TDC8. Die Installation war problemfrei und die iLok Aktivierung schnell gemacht.

Memorymoog Emulation - XILS LAB - MemoryTone
Memorymoog Emulation – XILS LAB – MemoryTone

Bedienoberfläche: viel Hardware, wenig Rätselraten

MemoryTone orientiert sich optisch und strukturell deutlich am historischen Vorbild. Die wichtigsten Bereiche liegen gleichzeitig vor: links die Spiel- und Modulationsfunktionen, in der Mitte die drei Oszillatoren, daneben Mixer, Filter, Hüllkurven und Ausgangssektion. Zusätzliche Funktionen werden unterhalb beziehungsweise in ergänzenden Bereichen eingeblendet, ohne dass der klassische Signalfluss völlig unter modernen Menüs verschwindet.

Die hochauflösende Oberfläche kann skaliert werden. Das ist angesichts der vielen Schalter und Beschriftungen keine Nebensache. Der Memorymoog besaß zwar ein für seine Zeit schlüssiges Bedienfeld, war aber alles andere als spartanisch. MemoryTone bewahrt diese direkte Arbeitsweise weitgehend: Ein Klang lässt sich vom Init-Preset aus aufbauen, ohne ständig zwischen mehreren Hauptseiten wechseln zu müssen.

Im direkten Vergleich wirkt Arturia Memory V grafisch besonders aufgeräumt und modernisiert einige Bedienelemente geschickt. Cherry Audio setzt stärker auf den Eindruck des Originals, erweitert das Fenster aber um seine umfangreichen Layer-, Motion- und Effektbereiche. Memorymoon bleibt funktional und bietet mehrere Oberflächengrößen beziehungsweise Skins, erreicht beim Browser und bei der allgemeinen Benutzerführung jedoch nicht den Komfort der neueren Konkurrenten.

MemoryTone liegt dazwischen. Die historische Architektur bleibt gut erkennbar, während die zeitgemäßen Erweiterungen zugänglich bleiben. Wer Synthesizer lieber über Regler als über verschachtelte Display-Menüs programmiert, findet sich schnell zurecht.

Drei Oszillatoren pro Stimme

Jede Stimme von MemoryTone beginnt mit drei analog modellierten Oszillatoren. Puls, Sägezahn und Dreieck können gleichzeitig verwendet werden. Hinzu kommen variable Pulsbreiten, Oszillatorsynchronisation, unterschiedliche Oktavlagen sowie die Verstimmung des zweiten und dritten Oszillators. Oszillator 3 lässt sich außerdem als niederfrequente Modulationsquelle einsetzen.

Das Entscheidende ist weniger die bloße Zahl der Oszillatoren als deren Zusammenspiel. Bereits ein einzelner Sägezahn liefert den Ausgangspunkt für klassische Bässe, Bläser und Leads. Mit drei leicht gegeneinander verstimmten Klangquellen werden daraus breite Akkorde, schwebende Flächen oder sehr dichte Unisono-Sounds. Werden mehrere Wellenformen pro Oszillator kombiniert, wächst das Obertonspektrum nochmals deutlich.

Ein Suboszillator ergänzt den unteren Frequenzbereich und kann ebenfalls Modulationsaufgaben übernehmen. Damit erweitert XILS-lab die klassische Architektur an einer sinnvollen Stelle. Für druckvolle Bässe muss nicht zwingend ein kompletter zweiter Layer bemüht werden, wie ihn Memorymode 2 bereitstellt.

Memorymoog Emulation - XILS LAB - MemoryTone ohne Tastatur
XILS LAB – MemoryTone ohne Tastatur

Mixer, Sättigung und Ladder-Filter

Die drei Oszillatoren und der Rauschgenerator laufen in einem Vierkanalmixer zusammen. Die Pegelsteller dienen dabei nicht nur der Lautstärkebalance. Höhere Werte treiben die nachfolgende Schaltung stärker an und erzeugen eine zunehmend hörbare Sättigung. Genau dieser Übergang vom sauberen zum verdichteten und schließlich deutlich angerauten Klang gehört zum Charakter des Memorymoog-Konzepts.

Der Zusammenhang wird im Professor-Pegel-Grundlagenartikel zur Sättigung in der Musikproduktion ausführlicher erklärt. Bei MemoryTone ist Sättigung kein nachträglich aufgesetzter Effekt, sondern Teil des Weges vom Oszillator zum Filter. Dadurch reagieren Filterresonanz und Eingangspegel miteinander und verändern nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Obertonstruktur.

Das Tiefpassfilter arbeitet mit einer Flankensteilheit von 24 dB pro Oktave. Resonanz, bei Moog traditionell als Emphasis bezeichnet, reicht bis zur Selbstoszillation. Keyboard-Tracking und eine eigene ADSR-Hüllkurve erlauben sowohl klassische Filterverläufe als auch tonal spielbare Resonanzklänge.

MemoryTone verzichtet damit auf die umschaltbare 12-dB-Variante, die Arturia und Cherry Audio zusätzlich anbieten. Das ist einerseits weniger flexibel, andererseits bleibt der Filterbereich konsequent am ursprünglichen 24-dB-Konzept. Wer häufig luftige Zweipol-Klänge programmiert, findet bei den beiden Konkurrenten mehr Auswahl. Für klassische Memorymoog-Bässe, Bläser, Leads und Flächen ist die steilere Ladder-Charakteristik jedoch der zentrale Modus.

Hüllkurven, LFO und Stimmenverhalten

Zwei ADSR-Hüllkurven übernehmen Filter- und Lautstärkeverläufe. Ein LFO liefert Dreieck, auf- und absteigenden Sägezahn, Rechteck sowie Sample & Hold und arbeitet in einem weiten Geschwindigkeitsbereich. Zusammen mit Oszillator 3 und dem Suboszillator stehen mehrere zyklische Modulationsquellen bereit.

MemoryTone bietet Mono-, Poly- und Unisono-Betrieb. Im polyfonen Modus werden bis zu 16 Stimmen verwaltet. Hinzu kommen monofones und polyfones Glide. Letzteres lässt die einzelnen Töne eines Akkords unabhängig zu den Noten des nächsten Akkords gleiten. Das ist nicht nur eine Komfortfunktion, sondern ein eigenständiges Werkzeug für verschmierte Übergänge, schwebende Pads und ungewöhnliche Akkordbewegungen.

Zur Simulation analoger Bauteiltoleranzen lassen sich Abweichungen zwischen den Stimmen erzeugen. Zu viel Drift verwandelt einen Akkord schnell in eine reparaturbedürftige Zeitmaschine. In kleinen Dosen sorgt sie jedoch für jene Bewegung, die einem vollkommen identischen digitalen Stimmenverbund häufig fehlt.

Sechs freie Modulationswege und MPE

Neben den fest verdrahteten Verbindungen stellt MemoryTone sechs frei belegbare Modulationsslots bereit. Anschlagdynamik, Aftertouch, polyfoner Aftertouch, Expression und weitere Quellen lassen sich auf unterschiedliche Klangparameter führen. Sechs Verbindungen wirken neben einer großen modularen Matrix zunächst überschaubar, reichen innerhalb der klar gegliederten Grundarchitektur aber für viele ausdrucksstarke Patches aus.

MPE erweitert diese Möglichkeiten auf einzelne Noten. Tonhöhe, Druck und Bewegung können bei einem geeigneten Controller pro Note ausgewertet werden. Ein gehaltener Akkord muss dadurch nicht länger als geschlossener Block behandelt werden: Einzelne Töne können sich in Tonhöhe, Lautstärke oder Klangfarbe unabhängig entwickeln. Die Hintergründe dazu erklärt Professor Pegel im Beitrag Was ist MPE?.

Arturia geht bei der frei gestaltbaren Modulation weiter. Memory V kombiniert zusätzliche Hüllkurven, LFOs, Funktionsgeneratoren, Random-Quellen, einen Modulationssequencer und vier Makroregler. Cherry Audio begegnet dem Thema mit seiner Motion-Sektion, vier Touch-Modulatoren und einem vierspurigen Modulationssequencer. MemoryTone besitzt somit nicht die größte Modulationsabteilung des Vergleichs, hält die Bedienung aber kompakter und näher am Grundinstrument.

Arpeggiator und Sequencer

Der Arpeggiator beschränkt sich nicht auf einfache Aufwärts- und Abwärtsbewegungen. Mono- und Poly-Modi, Oktaverweiterungen, Zufallsmuster, Gate und Swing machen aus ihm ein brauchbares Kompositionswerkzeug. Ergänzend steht ein programmierbarer Sequencer für rhythmische und melodische Abläufe bereit.

Cherry Audios Stärke ist hier die enge Verbindung aus zwei vollständigen Synthesizer-Layern, polyfonen Sequencern und Touch Animator. Dadurch können zwei voneinander unabhängige Bewegungen innerhalb eines Presets aufgebaut werden. Arturias vier Arpeggiator-Spuren und die zusätzliche Modulationssequenz sind ebenfalls umfangreicher. MemoryTone bleibt einfacher, deckt aber die typischen Aufgaben von Bassfiguren über Akkordbrechungen bis zu pulsierenden Flächen gut ab.

Effekte: sechs Werkzeuge mit freiem Routing

Chorus, Phaser, Delay, Reverb, Equalizer und ein dreibandiger Resonator bilden die interne Effektsektion. Die Reihenfolge lässt sich flexibel gestalten. Vor allem der Resonator erweitert das Instrument über die üblichen Vintage-Zutaten hinaus, weil sich damit tonale Peaks, metallische Färbungen und ungewöhnliche, beinahe perkussive Spektren erzeugen lassen.

Memorymoog Emulation - XILS lab MemoryTone FX Settings
XILS lab MemoryTone FX Settings

Chorus und Phaser unterstützen die klassische Aufgabe, einen ohnehin breiten Analogsound weiter in Bewegung zu versetzen. Wie ein Chorus Breite und schwebende Tonhöhenunterschiede erzeugt, erläutert der Grundlagenartikel Professor Pegel erklärt Chorus. Delay und Hall übernehmen räumliche Aufgaben, während der Equalizer die Anpassung an das Arrangement ermöglicht.

Im Vergleich bleibt MemoryTone bewusst überschaubar. Arturia bietet 18 Effekte in einem Rack mit vier Slots. Cherry Audio geht mit 22 Algorithmen und jeweils fünf Slots für beide Layer sowie einer zusätzlichen globalen Kette am weitesten. Memorymode 2 kann deshalb komplette, stark bearbeitete Presets erzeugen, ohne ein weiteres Plugin zu laden. MemoryTone konzentriert sich auf die wichtigsten Werkzeuge und ergänzt mit dem Resonator einen eigenen Akzent.

Presets und täglicher Workflow

Der XILS-lab-Preset-Manager sortiert Klänge nach Bank, Autor, Typ, Stil, Stimmung und Projekt. Favoriten, ausgeblendete Presets und A/B-Vergleiche erleichtern die Verwaltung eigener Varianten. Die mitgelieferte Bibliothek deckt typische Kategorien wie Bässe, Leads, Pads, Keys, Plucks, Streicher, Glocken, Effekte, Drums und gestimmte Percussion ab. Auch Programme, die sich an den Werksklängen des historischen Memorymoog orientieren, sind enthalten.

Gerade bei einem Synthesizer mit drei Oszillatoren und üppigem Grundklang ist die Qualität der Presets nicht nur an der Größe zu messen. Ein spektakulärer Einzelsound kann im Arrangement zu viel Raum beanspruchen. Nützliche Programme lassen deshalb genügend Platz für Schlagzeug, Bass, Gitarren und Gesang oder bieten über Modulationsrad, Velocity und Aftertouch kontrollierbare Varianten.

Video: XILS LAB MemoryTone Soundcheck

Der Klang von MemoryTone

MemoryTone ist konstruktiv auf einen breiten, obertonreichen und bei Bedarf rauen Analogsound ausgelegt. Drei Oszillatoren pro Stimme sorgen bereits vor dem Filter für erhebliches Gewicht. Die pegelabhängige Sättigung des Mixers fügt Verdichtung hinzu, während Drift und Stimmenvariation statische Akkorde beleben. Polyfones Glide und MPE führen das Instrument anschließend deutlich über eine reine historische Nachbildung hinaus.

Die entscheidende Qualitätsfrage lautet nicht, ob MemoryTone „analog“ klingt. Dafür ist der Begriff zu unscharf. Wichtiger ist, wie überzeugend das Plugin auf kleine Pegeländerungen, Resonanz, Verstimmung und unterschiedliche Spielweisen reagiert. Ein gutes Modell liefert nicht nur einen beeindruckenden Sägezahn, sondern verändert seinen Charakter musikalisch, wenn der Mixer angefahren, das Filter geschlossen oder ein Akkord mehrfach mit unterschiedlicher Anschlagstärke gespielt wird.

MemoryTone gegen Memorymode 2, Memory V und Memorymoon

Obwohl alle vier Instrumente vom Memorymoog ausgehen, verfolgen sie unterschiedliche Ziele. Die folgende Tabelle vergleicht nicht die Werbeaussagen zur „Authentizität“, sondern die praktisch relevanten Möglichkeiten.

MerkmalXILS-lab MemoryToneCherry Audio Memorymode 2Arturia Memory VMemorymoon 2.0
Grundarchitektur3 Oszillatoren pro Stimme3 Oszillatoren pro Stimme, zwei Layer3 Oszillatoren pro Stimme3 Oszillatoren pro Stimme plus Soundfont-Bereich
Polyfoniebis 16 Stimmen16 Stimmen pro Layerbis 12 Stimmen6 modellierte Voicecards; Soundfont-Bereich 10-stimmig
Layer/Splitneinzwei vollständige Layer, Stack und Splitkein Dual-Layernein
Filter24-dB-Ladder, selbstoszillierend12/24 dB, Modern-Modus, Emphasis Compensation12/24 dB, Bass EmphasisHauptfilter plus zweites Filter mit Overdrive
Freie Modulation6 SlotsTouch-Modulatoren und Motion-Sequencerumfangreiches Advanced-Rack, Mod-Sequencer, 4 Makrosstärker klassisch und direkt aufgebaut
MPEjajajanein angegeben
Arpeggiator/Sequencererweiterter Arpeggiator plus Sequencerje LayerArpeggiator, polyfoner Sequencer und Touch Animatorvier Arpeggiator-Spuren plus Mod-Sequencerhost-synchronisierbarer Arpeggiator
Effekte6, flexibel geroutet22 Algorithmen, 3 Ketten mit je 5 Slots18 Effekte, 4 SlotsDelay und mehrere Verzerrungsstufen
Preset-Komfortmoderner XILS-Preset-Managerüber 800 Presets, moderner Browserüber 300 Presets, Arturia-Browsermanuelle VST3-Preset-Installation
Originaldatenhistorische Factory-Presets als NachbildungenNachbildungen historischer Factory Presets, LAMM-SysEx und Memorymoog-Kassetten-WAV importierbarNachbildungen historischer Factory Presets, keine entsprechende Importfunktion angegebenklassisches Konzept, kein entsprechender Import angegeben
SystemeWindows, macOSWindows, macOSWindows, macOSnur Windows
FormateVST2.4, VST3, AU, AAXStandalone, VST2, VST3, AU, AAXStandalone, VST, VST3, AU, AAX, NKSVST2, VST3
LizenzierungiLok, Rechneraktivierung möglichCherry-Audio-Konto, Online-ErstaktivierungArturia Software CenterDirektkauf, keine komplexe Lizenzverwaltung angegeben
Preis zum Testzeitpunkt79 Euro Einführungspreis, regulär 199 Euro69 US-Dollarregulär 149 Euro30 US-Dollar

MemoryTone oder Cherry Audio Memorymode 2?

Memorymode 2 bietet das mit Abstand größte Paket fürs Geld. Zwei vollständige 16-stimmige Layer, Split- und Stack-Betrieb, drei Effektketten, 22 Effekte, eine umfangreiche Motion-Sektion und mehr als 800 Presets sind für 69 US-Dollar schwer zu schlagen. In unserem Testbericht zum Cherry Audio MemoryMode V2 haben wir außerdem den Grundklang, MIDI-Learn, die Effektsektion und den fairen Preis gelobt. Als wesentlicher Kritikpunkt bleibt die fehlende Offline-Aktivierung

CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2
CHERRY AUDIO MEMORYMODE V2

MemoryTone ist die bessere Wahl, wenn ein einzelner, übersichtlicher Syntheseweg genügt, der XILS-Klangcharakter gefällt und Resonator, polyfones Glide sowie die kompakte Modulationsmatrix wichtiger sind als Layer und Effektmasse. Zum Einführungspreis liegen beide Instrumente nicht weit auseinander. Beim regulären Preis von 199 Euro wird MemoryTone gegenüber dem extrem aggressiv kalkulierten Memorymode 2 allerdings erheblich schwerer zu begründen sein.

MemoryTone oder Arturia Memory V?

Memory V ist die stärkste Alternative für komplexes Sounddesign innerhalb einer eleganten Oberfläche. Arturias Advanced-Bereich mit zusätzlichen Modulatoren, Funktionsgeneratoren, Zufallsquellen, vier Makros und Modulationssequencer geht deutlich über die sechs freien Slots von MemoryTone hinaus. Hinzu kommen ein umschaltbares 12/24-dB-Filter, vier Arpeggiator-Spuren und 18 Effekte.

In unserem Testbericht zum Arturia Memory V haben wir den breiten Grundklang und die überzeugend wirkenden kleinen Instabilitäten hervorgehoben. Der Vergleich mit der ersten Memorymode-Version zeigte zugleich, wie wenig sich nackte Init-Sounds unterscheiden können, während die nachgebildeten Werksprogramme ausgesprochen verschieden klangen. Das ist ein wichtiger Hinweis: Preset-Vergleiche sagen oft mehr über Programmierung und Effekte als über die Qualität des zugrunde liegenden Modells aus.

ARTURIA MEMORY V
ARTURIA MEMORY V

MemoryTone hält die klassische Architektur unmittelbarer im Blick und bietet mit 16 statt 12 Stimmen mehr Polyfonie. Arturia liefert dafür das deutlich tiefere Modulationssystem und eine engere Einbindung in das eigene Software-Ökosystem.

MemoryTone oder Memorymoon?

Memorymoon ist der Außenseiter und gerade deshalb interessant. Gunnar Ekornås’ Instrument kostet lediglich 30 US-Dollar, arbeitet mit sechs Voicecards und drei Oszillatoren pro Stimme und legt großen Wert auf Übersteuerung. Mixer, zusätzlicher Verzerrer und zweites Filter ermöglichen bis zu drei Verzerrungsstufen vor dem Filter. Drift kann getrennt für Oszillatorstimmung, Pulsbreite, Filterfrequenz und Hüllkurvenzeiten eingestellt werden.

Dem gegenüber stehen klare Einschränkungen: Memorymoon läuft ausschließlich unter Windows, wird nur als VST2 und VST3 angeboten und verlangt bei der VST3-Version eine manuelle Installation der Presets. MPE, ein moderner Browser und eine mit den Konkurrenten vergleichbare Effekt- oder Modulationsumgebung fehlen. Die Demoversion erzeugt alle 20 Sekunden Audioaussetzer. Unser Testbericht zum Memorymoon bestätigt dem Synthesizer Plugin einen ausgeprägten fetten Sound mit eigenem Charakter. (Version 1.7)

Gunnar Erkonas MemoryMoon
Gunnar Erkonas MemoryMoon

Memorymoon empfiehlt sich damit für Windows-Nutzer, die einen günstigen, rauen und direkt aufgebauten Memorymoog-Verwandten suchen. Als alleinige Alternative für moderne expressive Performances ist MemoryTone erheblich vollständiger. Als charakterstarker Zusatz für 30 US-Dollar bleibt Memorymoon trotzdem reizvoll.

CPU-Bedarf und Stabilität

Ein Synthesizer mit bis zu 16 Stimmen und jeweils drei Oszillatoren kann bei großen Akkorden, Unisono, langen Release-Zeiten und Effekten erhebliche Rechenleistung beanspruchen. Pauschale Prozentwerte wären dennoch wenig hilfreich, weil DAW, Abtastrate, Puffer, Stimmenzahl und Prozessor das Ergebnis stark verändern.

Auf unserem Testsystem arbeitet der MemoryMode stabil und bringt die CPU auch nicht zur Schnappatmung oder zu Stotteranfällen.

Preise und Verfügbarkeit

XILS-lab bietet MemoryTone zum Testzeitpunkt für 79 Euro an. Der Einführungspreis soll bis zum 1. November 2026 gelten; anschließend ist ein regulärer Preis von 199 Euro vorgesehen. Vor dem Kauf empfiehlt sich ein Blick auf die offizielle Produktseite, da Aktionszeiträume und Händlerpreise abweichen können.

Cherry Audio Memorymode 2 kostet regulär 69 US-Dollar, das Upgrade von Version 1 liegt bei 39 US?Dollar. Arturia Memory V wird regulär für 149 Euro angeboten, wobei registrierte Arturia-Nutzer je nach vorhandenen Produkten individuelle Angebote erhalten können. Memorymoon 2.0 kostet 30 US-Dollar.

Damit ist MemoryTone während der Einführungsphase konkurrenzfähig. Zum späteren Listenpreis wird das Instrument zum teuersten Kandidaten im Vergleich. Der Preisunterschied lässt sich dann weniger über die Menge der Funktionen als über den bevorzugten Klangcharakter, den XILS-Workflow und die persönliche Wertung der Modellierung rechtfertigen.

Fazit: Nicht der größte, aber ein eigenständiger Memorymoog

XILS-lab MemoryTone ist keine überladene Sammlung beliebiger Vintage-Funktionen. Das Plugin konzentriert sich auf die drei Oszillatoren pro Stimme, den sättigbaren Mixer, das selbstoszillierende 24-dB-Ladder-Filter und die üppige Polyfonie. Modulationsmatrix, MPE, polyfones Glide, Arpeggiator, Sequencer und sechs sinnvoll ausgewählte Effekte machen daraus ein modernes Instrument, ohne das Memorymoog-Fundament zu verdecken.

Die Konkurrenz setzt andere Schwerpunkte. Cherry Audio Memorymode 2 ist der klare Preis-Leistungs-Sieger und bietet mit zwei Layern, drei Effektketten und seiner Motion-Sektion am meisten Ausstattung. Arturia Memory V besitzt das vielseitigste Modulationssystem und verbindet historische Bedienlogik mit einem sehr modernen Sounddesign-Bereich. Memorymoon ist die günstige, raue Windows-Alternative für alle, die auf Komfort und aktuelle Ausdrucksstandards verzichten können.

MemoryTone findet seinen Platz zwischen diesen Extremen. Das Instrument ist direkter als Arturia, weniger monumental ausgestattet als Cherry Audio und erheblich moderner als Memorymoon. Wer bereits Memorymode 2 oder Memory V besitzt, benötigt MemoryTone nicht allein wegen der historischen Vorlage. Wenn jedoch der spezifische XILS-lab-Charakter, die Mixer-Sättigung, das polyfone Glide und der klar gegliederte Ein-Layer-Workflow überzeugen, liefert das Plugin eine eigenständige Interpretation.

Der Einführungspreis von 79 Euro erleichtert die Entscheidung. Beim späteren Listenpreis von 199 Euro sollte die Demoversion unbedingt gegen die vorhandenen Alternativen antreten. Vier Memorymoogs im Plugin-Ordner wären möglicherweise einer zu viel. Derjenige, dessen Filter, Sättigung und Stimmenbewegung beim Spielen die besten Ideen auslösen, ist dagegen genau der richtige.

Positives

  • druckvolle Drei-Oszillator-Architektur mit bis zu 16 Stimmen
  • pegelabhängige Mixer-Sättigung als Bestandteil der Klangerzeugung
  • selbstoszillierendes 24-dB-Ladder-Filter
  • polyfones Glide und MPE-Unterstützung
  • sechs freie Modulationsverbindungen
  • übersichtliche, skalierbare Bedienoberfläche
  • flexibles Effektrouting mit ungewöhnlichem Resonator
  • 15 Tage nutzbare Demoversion
  • attraktiver Einführungspreis

Negatives

  • iLok-Aktivierung nicht für jeden Anwender attraktiv
  • kein Dual-Layer- oder Split-Betrieb
  • nur eine Filtersteilheit
  • weniger umfangreiche Modulations- und Effektsektion als die stärksten Konkurrenten
  • regulärer Preis von 199 Euro im direkten Vergleich hoch

Technische Daten

  • virtueller polyfoner Analog-Synthesizer nach dem Memorymoog-Konzept
  • drei Oszillatoren pro Stimme plus Suboszillator und Rauschgenerator
  • bis zu 16 Stimmen
  • Mono-, Poly- und Unisono-Modus
  • monofones und polyfones Glide
  • selbstoszillierendes 24-dB-Ladder-Tiefpassfilter
  • zwei ADSR-Hüllkurven
  • LFO und Oszillator 3 als Modulationsquelle
  • sechs frei belegbare Modulationsslots
  • Velocity, Aftertouch, polyfoner Aftertouch und MPE
  • Arpeggiator und Sequencer
  • Chorus, Phaser, Delay, Reverb, Equalizer und dreibandiger Resonator
  • skalierbare hochauflösende Bedienoberfläche
  • VST2.4, VST3 und AAX für Windows
  • VST2.4, VST3, AU und AAX für macOS
  • 64 Bit; Intel- und Apple-Silicon-Unterstützung
  • iLok-Autorisierung, Aktivierung auf dem Rechner möglich
  • 15-Tage-Demoversion

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