Die Überschrift kommt aus fernen Erinnerungen, die aus der Metzgerei stammen. Die Verkäuferin hatte damals immer die Angewohnheit, etwas mehr als es eigentlich verlangt wurde, auf die Waage zu legen. Dann kam die Frage, ob es denn auch etwas mehr sein dürfte, und da auch die Nachbarn dort einkauften, wollte sich meine Mutter wohl kaum knickerig zeigen, und so gab es immer ein wenig mehr. Das Schöne daran war dann die nächste Frage, welche da lautete: „Möchte der Kleine ein Stück Wurst auf die Hand?“ Klar, mochte er, und so war alles wieder Wölkchen, denn die Extrazulage war gratis.
Warum krame ich hier in den ollen Kamellen meines Lebens herum, wo es doch um die vielleicht weltbeste DAW nämlich Cubase in der Version 7.5 gehen soll? Ganz einfach: Mit dem Update 7.5 legt Steinberg auch etwas mehr auf die Waage, was mit einem kleinen Obolus von knapp 50 Euro bezahlt werden muss. Das Stück Wurst, was es dann aber dafür noch obendrauf gibt, ist gigantisch – verzeiht mir bitte diese Metapher.
Wer übrigens Cubase 7 oder Cubase Artist 7 ab dem 15. Oktober 2013 aktiviert hat, der bekommt das 7.5 er Update komplett gratis mittels eines Grace-Period-Updates von Steinberg.
Cubase gibt es in drei Versionen, Cubase 7.5 ist die große Version mit Komplettausstattung (32-Bit/192 kHz Steinberg Audio-Engine mit 5.1 Surround-Unterstützung | unlimitierte Audio- und MIDI-Spuren | 256 physikalische Ein- und Ausgänge), Cubase Artist 7.5 ist die Version, welche zwar nicht ganz so viele Funktionen aufweist (32-Bit/192 kHz Steinberg Audio-Engine | 64 Audio- und 128 MIDI-Spuren | 32 physikalische Ein- und Ausgänge), aber dafür um einiges preiswerter ist. Cubase Elements 7 (jepp, kein Update auf 7.5 bisher) als Einsteigerdroge (32-Bit/192 kHz Steinberg Audio-Engine | 48 Audio– und 64 MIDI-Spuren | 24 physikalische Ein- und Ausgänge) in die Cubase-Welt, von Elements gibt es auch ein kostenlose 30-Tage-Probierversion, welche OHNE Elicenser-Stick auskommt.
Schauen wir mal, was es so alles gibt für die aufgerufenen 50,– Euro für das Cubase 7.5 Update:
- Einen komplett überarbeiteten Groove Agent, der nun auf die Bezeichnung SE 4 hört und mit vielen neuen Funktionen und Drumsamples, sowie reichlich Midi-Loops daherkommt.
- Ein neues algorithmisches Hall-Plugin namens REVelation, das wirklich erstaunlich gut und lebendig klingt.
- Die Wiedergeburt des Bandsättigung-Plugins namens Magneto 2, eine echte Bereicherung fürs Mixen und Mastern. (Das alles wäre nach meiner Ansicht die 50 Euro schon alleine wert gewesen.)
- Die TrackVersions ermöglichen es, auf der gleichen Spur mehrere Variationen zu „parken“, um diese dann jeweils im Zusammenspiel auszuprobieren.
- Die überarbeitete Spurverwaltung sorgt für mehr Übersichtlichkeit in der Spurenübersicht durch Ein- und Ausblenden von Spuren und Spurengruppen.
- Ganz besonders interessant ist das nagelneue Instrumentenrack. Damit ist es möglich, multitimbralen Plugins (HALion Sonic, Groove Agent, KONTAKT usw.) mehrere Instrumente zu entlocken, die dann auch noch auf einzelne Spuren geroutet werden können.
- Auch der in Cubase integrierte Sample-Player HalionSonic SE wurde runderneuert. Hier finden sich nun eine große Anzahl frischer und neuer Sounds sowie ein neues Synthmodul namens Trip.
- Song-Construction-Kits: Mit der jetzt in Cubase 7.5 enthaltenen EDM-Toolbox findet Ihr zahlreiche Midiloops, die direkt einem der in Cubase 7.5 enthaltenen Synthesizer zugewiesen wurden. So ist es recht einfach, eine neue Idee zu finden.
- Mit dem Effekt LoopMash FX lassen sich auf eine Audiospur schnell Stutter, Glitching und weitere interessante Effekte anwenden.
- Die automatische Transientenberechnung erlaubt es in Cubase 7.5, anhand der Audio-Transienten ohne manuelle Erzeugung von Hitpoints zu navigieren. Dies dürfte insbesondere für rhythmische Audiospuren von Interesse sein.
Schauen wir uns jetzt die einzelnen Neuerungen im Detail an.
Groove Agent 4 SE
Der Groove Agent One wurde durch den Groove Agent 4 SE ersetzt. Die Namenserweiterung SE lässt vermuten, dass demnächst eine eigenständige Groove Agent 4-Version mit noch mehr Funktionen bei Steinberg verfügbar sein wird. Der Groove Agent 4 SE bietet eine Menge Drumkits und für viele dieser Drumkits auch direkt die passenden Loops.
Die Loops können aus dem GA4 SE (ich kürze das jetzt einmal ab) mittels Drag und Drop direkt in die Instrumentenspur des GA4 SE in Cubase 7.5 abgelegt werden. Dort können die Loops dann editiert werden. Schade finde ich, dass nicht für jedes Drumkit auch direkt die MIDI-Loops vorliegen. Es können aber über ein Auswahlfeld jedem Drumkit Loops zugewiesen werden, allerdings nur einzeln, Slot für Slot. Ich denke, das ist noch nicht so ganz optimal gelöst, oder ich habe hier etwas übersehen.
Im GA4 SE lassen sich alle Samples sehr detailliert bearbeiten, Effekte können schon im GA4 SE hinzugefügt werden und ein Mixer ist natürlich auch an Bord. Somit können komplette Drumkits samt den dazugehörigen Midi-Pattern und dem Mix inkl. der eingesetzten Effekte einfach im GA4 als Preset abgespeichert werden und stehen so für zukünftige Produktionen bereit.
Eine weitere Neuerung im GA4 SE ist die Anwendung verschiedener Sampling-Wiedergabestile, bezeichnet als „Playback Quality“. Wir finden hier den normalen Stil, also High-End-Qualität, aber auch „Vintage“, was wohl den Sound der alten Akai-MPC-Sampler emulieren soll. Als dritten Vertreter sehen wir die Einstellung „Turntable“ hierbei geht es um einen 12-Bit-Sound, der früher gerne genutzt wurde, als die Sampler noch nicht so viel Speicher zur Verfügung hatten. Um kostbaren Speicherplatz zu sparen, wurden die Samples von einer Schallplatte doppelt so schnell abgespielt und dann mittels einer Reduzierung der Bitrate wieder auf normale Geschwindigkeit gebracht. Der Sound ist beliebt geworden und der GA4 bietet eben dieses Klangbild auch an.
In Cubase ist der GA4 SE so weit integriert, dass alle Instrumente automatisch gemappt werden, und somit als Drum-Maps im Key-Editor oder Beat Designer zur Verfügung stehen. GA4 SE bringt 30 neue Drum-Kits sowie mehr als 200 fertige Midi-Grooves mit.
Das neue REVelation: ein algorithmischer Hall
Bisher hatte Cubase zwei Hall?Erzeuger, zum einen den altbetagten Roomworks, der das Reverb algorithmisch erzeugt, und zum anderen den REVerence, der aus True-Stereo-Impulsantworten bestehende Räume, wie Konzertsäle oder Kathedralen in eure Produktion zaubern kann. Auch wenn der Roomworks kein schlechter Hallerzeuger ist, merkt man doch, dass er bereits etwas in die Jahre gekommen ist, und ich muss selbst zugeben, dass ich lieber das EARreverb von EAReckon oder RP-Verb von Rob Papen einsetze, wenn ich eine algorithmische Hallerzeugung in meinen Projekten benötige. Das hat sich mit Cubase 7.5 aber nun vielleicht geändert, denn mit dem REVelation Reverb hat Steinberg eine Hälfte eines deutschen Edelreverbs wieder auferstehen lassen.
REVelation kann sich absolut mit aktuellen algorithmischen Reverb-Plugins messen, ein sehr lebendiger und warmer Hall wird hier erzeugt. Besonders schön ist die Trennung der zwei Hallanteile gelungen, die frühen Reflexionen lassen sich einzeln regeln, bevor es an die Hallfahne geht. Zudem ist auch eine Modulation auf den Hallanteil anwendbar. Diese ist nur leicht bemerkbar, gibt dem Hall aber in den Fällen, in denen es benötigt wird, noch etwas mehr Lebendigkeit.
Ich habe ein kleines Klangbeispiel erstellt, alle Parameter auf volle Pulle außer der Modulationssektion. Bei 03:20 Minuten habe ich abgebrochen, da fast nichts mehr zu hören war, allerdings hat mir Wavelab 7 weiterhin Signalaktivität angezeigt. Vorsicht mit euren Boxen, das Klangbeispiel beginnt mit einem Knall.
Klangbeispiel REVelation:
Bandsättigungs-Plugins Magneto 2

So langsam aber sicher entwickelt sich das Musikproduktionssystem Cubase zu einem Rundherum-sorglos- und All-inklusive-Paket, erst der neue algorithmisch berechnete Hall und nun auch noch eine ausgewachsene Bandsättigung. Zugegebenermaßen ist MAGNETO nicht ganz neu, schon in Cubase SX3 war ein Bandsättigungs-Plugin namens Magneto enthalten, später verschwand dieses Plugin dann aus den neuen Cubase-Versionen, war aber immer noch sehr beliebt, wie die Anfragen in vielen Foren zeigten. Jetzt hat Steinberg Cubase 7.5 wieder einen Bandsättigungseffekt spendiert und der ist auch noch um einiges besser als der UR-Magneto.
Mit Magneto 2 kann dem Klangsignal ordentlich Färbung hinzugefügt werden. Dabei könnt Ihr auch einen Modus wählen, in dem nur der hinzugefügte Anteil von Magento 2 zu hören ist. Dies ist recht hilfreich zur Beurteilung, ob die Sättigung zu stark aufgefahren wurde.
Die TrackVersions und die Re-Record Funktion
Eine komfortable Geschichte sind diese zwei Neuheiten, die beim Aufnehmen und Arrangieren den Workflow deutlich rasanter gestalten können. Mit Re-Record ist es möglich, mit nur einem Tastendruck (fast ist es noch genialer, wenn dazu ein Fußschalter als MIDI-Controller hergenommen wird) die gerade getätigte Aufnahme einfach noch mal zu starten. Das kann so oft gemacht werden, bis eben alle mit dem Take zufrieden sind. Es gibt ja zudem auch noch die Möglichkeit, dass jede weitere Aufnahme auf Unterspuren gespeichert wird und man sich aus denen dann auch noch ein Ergebnis zusammenbasteln kann, aber Re-Record ist irgendwie menschlicher, zumindest wenn Ihr genügend Zeit habt 🙂

Mit den TrackVersions können jetzt jeder Spur verschiedene Inhalte hinzugefügt werden, die dann wiederum on the fly umgeschaltet werden können. Ihr legt etwa auf die Bassspur Version 1, Version 2 (andere Rhythmik) und Version 3 (andere Harmonien). Während nun der Song spielt, könnt Ihr zwischen diesen drei Versionen umschalten, um herauszufinden, was am besten passt, und zwar ohne großartiges Mute- und Solo-Gefrimmel, das funktioniert jetzt direkt aus der Spur oder aus dem Inspektor heraus.
Überarbeitete Spurverwaltung
Die Spurverwaltung wurde auch noch etwas übersichtlicher gestaltet. Hier können jetzt einzelne Spuren oder mehrere Spuren, Gruppenspuren, Effektspuren und so weiter ein- und ausgeblendet werden. Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich im Inspektor jetzt bei den virtuellen Instrumenten nicht mehr die Insert- und Send-Bereiche finde. Ich schätze, das liegt wohl an meine Preferences, ist ja auch nicht so schlimm, denn im Mixer ist ja beides wieder vorhanden und im Fenster „Kanaleinstellungen“ auch. Wenn ich dahintergekommen bin, was da nicht richtig eingestellt war, werde ich das hier noch posten.
Neues Instrumentenrack
Hurra, alle meine Gebete wurden erhört! Das neue Instrumentenrack macht es möglich, dass multitimbrale Klangerzeuger wie der HalionSonic SE oder der Groove Agent 4 SE aus einer Instrumentenspur heraus über mehrere Midi-Spuren ansprechbar sind, soll heißen, dass eine Instanz HalionSonic SE nun 16 unterschiedliche Instrumente liefern kann.
Zudem können auch aus dem HalionSonic SE oder aus dem GA4 SE heraus Einzelspuren angelegt werden, die dann in Cubase sowohl im Mixer als auch im Arrange-Fenster erscheinen. Das Ganze geht dann wohl auch mit anderen Samplern und Sampleplayern, Synthesizern und Drumcomputern, die mehr als nur einen Sound gleichzeitig fabrizieren können. Meiner Ansicht nach eine ganz feine Sache, die sich sicherlich viele Cubase-Nutzer schon seit Langem gewünscht haben.

HalionSonic SE
Der HalionSonic SE ist inzwischen ein fester Bestandteil von Cubase geworden, ich glaube, dass kaum jemand dem betagten Halion One nachweint. In Cubase 7.5 wurde auch der HalionSonic SE überarbeitet. Neben einer Menge neuer Sounds ist jetzt auch eine subtraktive Analog-Synthesizer-Emulation, die auf den Namen Trip getauft wurde, enthalten. Diese besitzt ein vielseitiges Arpeggiator-Modul, welches über vier Variationen verfügt. Der Trip Synth hat mehr als 150 gut klingende und absolut brauchbare Sounds. Auch 8 neue Effekte hat Steinberg dem neuen HalionSonic SE spendiert: Wah Wah, Tape Saturator, Envelope Shaper, Step Flanger, Octaver, Vintage Ensemble, Ring Modulator, Auto Filter sowie ein verbesserter Rotary Effekt.

EDM-Song-Construction-Kits
Mein Geheimtipp war ja immer, knapp 80 Euro beim Kauf von Cubase mehr anzulegen und SEQUEL 3 zu kaufen, denn diese eigentlich als Einsteiger-DAW gedachte Software von Steinberg verfügt über Unmengen an brauchbaren Loops, welche nach Stilart geordnet werden und somit schnell eine brauchbare Inspiration liefern können. Nun hat Steinberg in Cubase 7.5 die EDM Toolbox eingeführt. Diese enthält 30 Ordner mit unterschiedlichen Musikstilen. In den Ordnern befinden sich Midiloops, die schon einem der in Cubase 7.5 enthaltenen Instrumente zugewiesen wurden. So ist es recht einfach, sich schnell mal eine Inspiration zusammenzuklicken.
Wie das Ganze allerdings rechtlich aussieht, wenn die Inspiration sich partout nicht einstellen will und die EDM?Spur doch eigentlich auch so schon relativ gut ist und dann aus der Nummer ein Chartbreaker wird, das entzieht sich leider meiner Kenntnis.
LoopMash FX
Mit dem LoopMash FX bietet Steinberg in der neuen Cubase-Version 7.5 die Effektsektion des Loop-Zerhackers LoopMash als Einzeleffekt an. Dieser kann so sowohl auf Audio- als auch auf Instrumentenspuren eingesetzt werden. Wir finden die bekannten Stuttereffekte, Tape Stop, Scratching und vieles mehr. Eine nette Beigabe, die sicherlich viele Freunde finden wird. Besonders interessant wird das Ganze, wenn die Automatisierung ins Spiel kommt.
FAZIT
Muss ich dieses Update haben? Wenn Ihr mich fragt, eindeutig ja! Ich hatte bei dem Siebener-Update schon gedacht: Was will Steinberg nun noch an Cubase verbessern? Und die haben reingehauen und echte Knaller geliefert, die wirklich nützlich sind. Die 49,– Euro, welche das Update kostet, sind wirklich gut angelegt.
Während der gesamten Testphase hatte ich keine Probleme mit Cubase 7.5. Alles läuft stabil und fehlerfrei. Der neue Hall hat es mir besonders angetan und auch der Groove Agent 4 SE ist ein echter Knaller. Dass Magneto 2 jetzt sicherlich ein fester Bestandteil von Cubase bleiben wird, ist zu wünschen. Der TRIP-Synthesizer ist auch eine echte Bereicherung und zudem kinderleicht bedienbar. Neu ist zudem auch VST Connect SE hinzugekommen, mit dem die gemeinsame Produktion über das Internet möglich ist (sein soll, ich habe es bisher noch nicht ausprobiert). Auch dass im Noteneditor jetzt die gleichen Editierfunktionen verfügbar sind wie im Key-Editor gehört zu den Neuerungen.
Alles in allem ein ausgereiftes Update, das mit vielen Neuheiten glänzt. Ich frage mich hier jetzt mal ganz ehrlich: Was brauchst du noch an zusätzlichen Plugins, wenn du schon Cubase 7.5 auf dem Rechner hast? Eigentlich nichts, ist doch alles dabei. Cubase entwickelt sich immer mehr zu einem Komplettpaket, das keine oder kaum noch Wünsche offenlässt.
Cubase 7.5 sowohl für MAC als auch für Windows in 32-Bit- und 64-Bit-Versionen verfügbar
Von mir gibt es für dieses geniale Update einen wohlverdienten buenasideas.de?TIPP.
Hier ist der Link: https://www.steinberg.net/cubase/




