„Darf‘s ein wenig mehr sein?!“ – Test Presonus „Faderport 8“

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Wer in erster Linie mit dem heimischen PC Musik produziert und auch nicht den Platz für ein richtig großes Mischpult hat, ist in der Regel gezwungen, mit Maus oder, wie in meinem Fall, einem Trackball, die Mixeroberfläche der eigenen DAW zu bedienen.

Ein Testbericht von Klaus Feurich

 

Presonus Faderport 8 Titelbild

 

Da das nicht immer den eigenen haptischen Ansprüchen Genüge tut – der Mensch möchte gerne auch Sachen „begreifen“ – und sich auch häufig nicht so präzise bedienen lässt, wie Fader oder Potis eines „echten“ Mischpults, kommt man schnell an den Punkt, wo man den Prozess dann doch gerne mit ein wenig Hardware in Form eines Controllers verbessern möchte.

So gibt es bereits seit einiger Zeit die verschiedensten Hardwarecontroller unterschiedlicher Hersteller. Am bekanntesten dabei dürften sicherlich noch  Mackie und Avid (bzw. ehemals Euphonix) sein, die in der Regel mit (erweiterbaren) 8 Kanalzügen aufwarten und, je nachdem, auch noch etliche Tasten und Regler für die weiteren Funktionen der DAW mitbringen.

Wollte man es ein wenig kleiner für den ganz kleinen Producer-Arbeitsplatz, so gab es nur den einkanaligen Faderport der Firma Presonus, der außer einem hervorragend arbeitenden 100mm ALPS Motorfader aber nur noch einige wenige weitere Bedienelemente, wie eine Transport- und Automationssteuerung und eine Umschaltung der verschiedenen Arbeitsfenster, mitbrachte.

Nun aber hat Presonus Ende letzten Jahres kräftig nachgelegt und ebenfalls einen 8-kanaligen Hardwarecontroller präsentiert: den „Faderport 8“. Also nicht mehr nur ein Fader sondern gleich deren acht – ein wenig mehr eben. Und um genau dieses schicke Teil Hardware geht es jetzt hier.

 

Wenn der DHL Bote zweimal klingelt – Ein Überraschungspaket

Da hat der DHL Bote aber einen richtig großen Karton vorbei gebracht. Und schwer ist er auch noch. Beim Auspacken wird dann auch ganz schnell klar warum. Der „Faderport 8“ von Presonus ist richtig, richtig schwer und extrem solide verarbeitet. Geschuldet ist das Gewicht in erster Linie der Metallplatte der Oberfläche, die fest mit der ebenfalls sehr robusten Kunstoffwanne verschraubt ist, in der sich die Elektronik des Controllers versteckt. Das Gewicht in Zusammenhang mit den Gummifüßen des „Faderport 8“ sorgt aber andererseits auch für rutschfesten Stand auf dem Producer Arbeitsplatz.

 

Presonus Faderport 8

 

Auf der Oberfläche finden sich natürlich zum einen die 8 motorisierten und berührungsempfindlichen 100mm-ALPS Fader, wobei jeder Fader einzeln mit der Frontplatte verschraubt ist. Da wackelt nichts! Die Fader selbst laufen seidig weich, aber mit einem gut definierten Widerstand, sobald das Gerät betriebsbereit ist.

Dazu kommen 8 mehrzeilige Minidisplays, eins pro Kanal, die im Hellen gut ablesbar sind, aber auch im abgedunkelten Studio nicht blenden. Und dabei immer, trotz des recht flachen Winkels, sehr gut ablesbar sind.

 

Presonus Faderport 8 Display

 

 

Weiterhin haben wir 58 bunt beleuchtete Gummitaster und 2 Endlos-Encoder. Auch die sitzen alle gut und beinahe spielfrei in der Frontplatte. Und, was mir als Besitzer eines „kleinen“ Faderports sofort aufgefallen ist, die fühlen sich wesentlich besser und „weicher“ an, als die Taster der kleinen Variante, die ja aus Hartplastik sind. Der Druckpunkt ist gut fühlbar und sie fassen sich eben wesentlich angenehmer an.

An Anschlüssen gibt es nicht all zu viel, lediglich ein USB Anschluss für den PC und einen fürs Netzteil, das hier aber auch nicht optional wie beim „kleinen“ verwendet werden kann. Der „Faderport 8“ muss immer mit Strom versorgt werden, nur USB reicht nicht. Ein- und Ausgeschaltet wird der „Faderport 8“ durch einen kleinen, aber gut erreichbaren Schalter auf der Gehäuserückseite. Dazu gibt es dann noch einen Anschluss für einen Fußschalter.

 

Presonus Faderport 8 Rückseite

 

Das externe Netzteil bringt ausreichend lange Kabel mit, so dass man den Strom auch von etwas weiter her holen kann, aber: es hat eine grüne LED, die anzeigt, dass Spannung anliegt. Das ist sicher ganz sinnvoll so, aber die LED ist so hell, dass sie mein ganzes Studio grün illuminiert. Von daher ist es sicher sinnvoll, das Netzteil an eine schaltbare Mehrfachdose zu klemmen und sie zentral zu schalten. Sonst hat man, abgesehen von dem immer gezogenen Standby-Strom, auch immer noch eine grünliche Illumination im Raum.

Was noch im Paket ist?! Ganz wichtig und sehr praktisch: eine Lizenz der Presonus Recordingsoftware „Studio One Artist“. Die erhält man nach der Registrierung des Faderports 8 in seinem eigenen Presonus Account kostenfrei dazu.

 

Installation

Ok, ausgepackt ist das Ding jetzt, von allen Seiten begutachtet auch, schließen wir es mal an unseren Studiorechner an.

Und da fällt einem als erstes auf: der „Faderport 8“ braucht keine Treiber. Er ist USB classcompliant und kommt unter Windows ohne weitere Treiber aus. Nichts desto trotz bringt er ein kleines Programm namens „Universal Control“ mit, welches für einige andere Presonus Mischpulte und Interfaces zwar Treiber mitbringt, nicht aber für den „Faderport 8“. Hier dient es lediglich dazu, die Firmware zu aktualisieren. Dazu weiter unten mehr.

Wobei: mein Rechner läuft unter Windows, der Faderport arbeitet aber natürlich auch am Mac.

Ist der „Faderport 8“ noch „jungfräulich“, wird als das erste Mal eingeschaltet, kommt er mit der Frage um die Ecke, in welchem Modus er arbeiten soll. Zur Auswahl stehen dabei die drei Modi „Studio One“ (für die Presonus eigene DAW, logisch), Mackie Control (MC) und HUI (Human Universal Interface). Außerdem kommt man hier in ein kleines Setupmenü in dem sich z. B. die Reaktionsgeschwindigkeit der Motorfader oder die Helligkeit der Minidisplays regeln lässt. In die Auswahl der Arbeitsmodi und dieses Menü kommt man später jederzeit wieder, wenn man während des Einschaltens des „Faderport 8“ die beiden linken „Select“-Taster gedrückt hält.

Und das war es eigentlich schon mit der Installation. Mehr ist nicht nötig. Startet man jetzt die bevorzugte DAW, so erkennt „Studio One“ den „Faderport 8“ natürlich sofort automatisch und nativ. Bei anderen DAWs müssen diese erst für den „Faderport 8“ konfiguriert werden. Für die gängigsten DAWs ist das im Handbuch erklärt. In der Regel reicht es dafür, den „Faderport 8“ eigenen Midikanal mit einem Controllerpreset zu verbinden

War das alles erfolgreich, fängt der „Faderport 8“ jetzt das Leuchten an und die Motorfader bewegen sich auf die aktuellen Positionen, wie die DAW sie ihnen vorgibt.

 

Die Arbeitsmodi

Die drei verschiedene Arbeitsmodi des „Faderports 8“ erklären sich folgendermaßen: nutzt man die Presonus eigene Recordingsoftware „Studio One“, nimmt man natürlich diesen Arbeitsmodus. In ihm entsprechen alle Beschriftungen des „Faderports 8“ den Funktionen in der Software und es werden wirklich alle Funktionen des Controllers unterstützt.

Die meisten anderen DAW, wie z. B. „Cubase“, „Ableton“ oder „Samplitude“ verstehen diesen Modus hingegen nicht. Dafür verstehen diese aber den quasi Industriestandard „Mackie Control“. Das bringt zwar einige wenige Einschränkungen mit sich, funktioniert aber trotzdem sehr gut. Dazu später mehr.

Arbeitet man hingegen mit „ProTools“, muss man auf den HUI Modus zurückgreifen.  Den verstehen „Cubase“ und „Samplitude“ zwar auch, können damit aber wesentlich weniger mit anfangen, als mit MC.

An sich ist aber alles gegeben, um mit fast jeder Recordingsoftware vernünftig zusammenzuarbeiten.

 

Funktionsumfang – alles im Griff?!

Der „Faderport 8“ ist natürlich wesentlich mehr, als nur ein paar Fader und eine Transportkontrolle. Als „Automationscontroller“ tritt er mit dem Anspruch an, Tastatur und Maus zumindest in Sachen Abmischen fast komplett zu ersetzen. Und damit das funktioniert, braucht man natürlich einiges an Kontrollmöglichkeiten.

Prinzipiell orientiert sich der „Faderport 8“ dazu an dem Aufbau eines typischen Digitalmischpults, wie man im Bild sehr gut erkennen kann. Sprich: man wählt einen Kanal mittels „Select“ aus und führt dann auf diesem die gewünschten Funktionen aus. Eigentlich ganz einfach.

 

Presonus Faderport 8 Panel

 

Mittels der verschiedenen Funktionsmodi lässt sich hier allerdings nicht nur die Gesamtmischung inklusive Sendlevels, VCA und Subgruppen pegeln und automatisieren, es können ebenso die einer Spur zugewiesenen Effekt Plugins geregelt werden. Damit meine ich nicht nur den Send oder Effektlevel sondern tatsächlich auch ausgewählte Parameter des jeweiligen FX Plug-Ins.

Und es lässt sich einstellen, was die acht Motorfader jeweils darstellen sollen. Denn die können nicht nur alle vorhandenen Kanäle darstellen. Außerdem können sie, wie erwähnt, die Parameter eines Plug-Ins eines per Select ausgewählten Kanals darstellen, die Sends aller Kanäle, aber auch die Panoramaregelung aller Kanäle, die normalerweise pro Kanal über den Endlosencoder links oben vorgenommen wird. Diese Umschaltung erreicht man über die Funktionstaster rechts oben neben den Minidisplays. Aber das war noch nicht alles: eine Ebene darunter findet sich die nämlich noch die Konfiguration dessen, was die Regler im Trackmodus darstellen. Hier ist es nämlich für die bessere Übersicht möglich, nicht nur alle Kanäle darzustellen, sondern auch nur die VCA Gruppen, die Audiospuren, die virtuellen Instrumente oder nur Subgruppen. Über Shift sind auch noch die In- und Outputs, die FX Kanäle und die Midikanäle regelbar.

Aber auch Marker, Metronom, Zoom und mehr Funktionen lassen sich direkt über den „Faderport 8“ schalten und verwalten. Oberhalb der Transportsektion finden sich dazu acht weitere Taster, die auch allesamt mit Doppelfunktion belegt sind.

Auch kann man sich einzeln durch die Kanäle schalten oder direkt immer in 8ter Sprüngen die Kanäle wechseln.

Und natürlich gibt es auch noch eine komplette Transportsektion inklusive eines Looptasters.

Aber hier muss ich das erste Mal ein klein wenig Kritik üben: die Arbeitsweise der „Shift“-Taste  ist zwar so, wie auch beim „kleinen“ Faderport, aber auf Dauer hier doch ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Zur Erklärung: der „Shift“-Taster arbeitet nicht als Einmal-Taster, sondern quasi wie ein CapsLock. Heißt, er bleibt aktiviert, bis man ihn wieder ausschaltet. Allerdings ist es bei mir im Workflow eher so gewesen, dass es wirklich meist nur um eine einmalige Betätigung einer einzelnen, mittels „Shift“ erreichbaren Funktion ging. Selten brauchte ich mal mehrere nacheinander. Von daher wäre es für mich besser, wenn sich „Shift“ jeweils nach einer Betätigung automatisch wieder deaktivieren würde. So musste ich erst ein wenig die Arbeitsfolge „Shift -> Funktion -> Shift“ im Workflow  etablieren, um nicht versehentlich wieder etwas zu bedienen, was ich eigentlich in dem Moment gar nicht wollte.

Dabei ging es dann meist um die sekundären Funktionen (F1 bis F8) oberhalb der Transportkonsole, die bei der DAW „Studio One“ u.a. die verschiedenen Arbeitsfenster umschalten.

 

Presonus Faderport 8 Detail

 

Oberhalb des rechten, großen Endlos-Encoders finden sich dann noch die benötigten Funktionstaster für die tatsächliche Trackautomation.

Jeder einzelne der Kanalzüge verfügt im Übrigen über einen Select, einen Mute und einen Solo Button. Wobei die beiden M und S Buttons doch ein wenig klein sind. Da wäre sicher noch Platz gewesen, um die in der gleichen Größe wie die „Select“-Taster auszuführen. Aber das ist schon wieder Jammern auf hohem Niveau.

Ein Wort zu der Arbeit bzw. der Bedienung von FX Plug-Ins. Hat man einen Kanal mittels „Select“ ausgewählt und sind diesem bereits FX Plug-Ins oder interne Effekte zugewiesen, so lassen sich diese mittels Aufruf über „Edit Plugins“ bearbeiten. Dazu werden dann im Display die jeweiligen Slots mit FX dargestellt, von denen man das zu bearbeitende erneut mit „Select“ auswählt. Daraufhin werden die regelbaren Parameter in den Displays dargestellt und können über die Fader und/oder den „Select“-Button bedient werden. Bei den internen FX von „Studio One“ sind diese Parameter bereits voreingestellt, bei FX Plug-ins anderer Anbieter müssen erst die einzelnen Parameter den jeweiligen Reglern oder Tastern des „Faderport 8“ zugewiesen werden. Zumindest im „Studio One“-Arbeitsmodus. Im „MC“-Modus und anderen DAWs ist es durchaus möglich, dass die FX Plug-Ins bereits entsprechende Voreinstellungen mitbringen und direkt bedienbar sind.

Und grade auch durch diese Möglichkeit kann man mit dem „Faderport 8“ ab einem bestimmten Moment im Produktionsprozess fast komplett auf Maus und Tastatur verzichten und fast alles mit dem Controller erledigen. Und das macht richtig, richtig Spaß. Einzige Voraussetzung: es muss bereits vorher alles im jeweiligen Kanal der DAW eingerichtet und aktiviert sein. Das betrifft die Plugins, aber grade auch die AUX Sends. Diese sind bei „Studio One“ nicht standardmäßig aktiviert, auch wenn sie vorhanden sind, und somit dann auch nicht über den „Faderport 8“ erreichbar. Das geht nur, wenn sie auch im jeweiligen Kanal aktiviert sind.

 

Zusammenspiel mit Studio One

Wie man sich eventuell denken kann, ist das Zusammenspiel des „Faderport 8“ mit der Presonus eigenen Recordingsoftware „Studio One“ natürlich am problemlosesten. Da Beides aus dem gleichen Hause stammt, ist natürlich alles erstklassig aufeinander abgestimmt. Da macht jede Taste das, was sie soll und was man von ihr erwartet. Da brauch man nicht mal groß durchs Handbuch zu schauen. Das Meiste erklärt sich tatsächlich von selbst.

Bei den internen FX sind die Regler und Taster für die Insert Bearbeitung mittels des „Faderport 8“ bereits passend vorkonfiguriert. Für FX Plugins anderer Hersteller muss man diese erst zuweisen, was aber durch die hierfür vorgesehene Zuweisungsfunktion von „Studio One“ wirklich extrem einfach ist. Einfach den passenden Regler mit dem Cursor markieren und dann die benannte Funktion einfach auf den gewünschten Regler in der Konfiguration des „Faderport 8“ ziehen. Fertig. Wobei  man hier frei konfigurieren kann, ohne auf irgendwelche Herstellervorgaben festgelegt zu sein. Schön dabei: hat man die Parameter einmal zugewiesen, merkt „Studio One“ sich diese Zuweisung und sie steht ab sofort jedes Mal bei der Benutzung des spezifischen FX Plugins zur Verfügung.

 

Zusammenspiel mit anderen DAW

Mit anderen DAWs als „Studio One“ sieht es hingegen ein bisschen anders aus. Getestet habe ich hier nur das Zusammenwirken des „Faderport 8“ mit „Samplitude Pro X2“ und „Cubase“.

Natürlich wird der Controller bei beiden DAW unterstützt. Allerdings eben nicht nativ sondern per Mackie Control. Dass bringt natürlich einige Einschränkungen mit sich, zumindest ist das Arbeiten nicht ganz so intuitiv wie mit „Studio One“.

(Der „kleine“ Faderport wurde z.B. bei „Samplitude“ noch nativ unterstützt. Für den „Faderport 8“ hingegen gibt es bisher kein Preset. Allerdings lässt „Samplitude“ ja einiges an eigenen Anpassungen zu, da kann man also auch noch ein wenig nachjustieren.)

Insgesamt werden die meisten Funktionen und Abläufe unterstützt, vollen Funktionsumfang bekommt man jedoch leider zumindest bei diesen beiden DAW nicht hin. Auch sind die einzelnen Bedienschritte ein wenig anders als bei „Studio One“. Das Meiste lässt sich aber machen. Insbesondere in Sachen Automation funktioniert aber natürlich alles so wie es soll.

Dennoch ist natürlich auch hier ein Arbeiten mit echten Fadern und Bedienelementen wesentlich komfortabler, als reines Mausgeschubse und Arbeiten an der Tastatur.

 

Automation – Fader wie von Geisterhand betätigt

Ja, um jetzt noch Mal darauf zurück zu kommen, der „Faderport 8“ ist ein „Automationscontroller“. Und natürlich kann er auch genau das ganz hervorragend, also Automation. Durch die berührungsempfindlichen Motorfader lassen sich nämlich nicht nur die Pegel der einzelnen Kanäle  in sehr feinen Nuancen regeln. Natürlich lassen sich Änderungen der Pegel auch in entsprechend hoher Auflösung aufzeichnen. Und dank der Motorfader auch jederzeit bei der Wiedergabe optisch wieder nachvollziehen. Die Fader flitzen beinahe latenzfrei und kaum hörbar den jeweiligen Automationskurven hinterher, dass es eine reine Freude ist. Selbst große Reglersprünge werden sofort umgesetzt. Und lassen sich dank Berührungsempfindlichkeit jederzeit korrigieren. Und natürlich werden dabei auch die Werte jeweils im entsprechenden Minidisplay passend dargestellt. Und das Ganze eben nicht nur für die Volumepegel sondern für alles, was sich mit dem jeweiligen Fader grade regeln lässt.

 

Firmware und „Universal Control“

Gestaltete sich ein Firmwareupdate des „Faderport 8“ bis vor Kurzem noch ein wenig tricky, da die mitgelieferte Universal Control Software einen leider fehlerhaften Miditreiber enthielt, so hat sich das Problem seit dem Update von „Univeral Control“ auf die Version 2.1.1 (Juni 2017) zum Glück erledigt. Seit dem Update wird der „Faderport 8“ korrekt erkannt. Vorher gab es das Problem, dass die Software der Meinung war, dass mehrere Faderports angeschlossen wären, obwohl nur einer am PC hing und deswegen das Update verweigerte. Jetzt läuft auch das problemlos. Die aktuelle Version der Firmware  ist v1.10.

 

Zusammenfassung

Die hervorragenden 100mm-ALPS-Motorfader tun fast geräuschlos und so gut wie verzögerungsfrei ihren Dienst. Die griffigen und gut beleuchteten Gummitaster haben allesamt einen guten Druckpunkt und sind dabei sehr griffig. Sehr schick ist, dass die „Select“-Taster sogar in der Farbe des jeweiligen Kanals leuchten – kleines aber feines Gimmick am Rande. Das wirkt alles schon mal sehr hochwertig und macht Spaß, es anzufassen und damit zu arbeiten.

 

Presonus Faderport 8 Illumination

 

 

Mir ging es so, dass ich die Funktionen der jeweiligen Taster innerhalb kürzester Zeit bereits verinnerlicht hatte und dadurch auch richtig auf Geschwindigkeit beim Arbeiten mit dem „Faderport 8“ gekommen bin. Einzig, dass der „Shift“-Taster permanent und nicht nur „einmalig“ ist, hat mich immer mal wieder irritiert. Hier wäre es für mein Empfinden logischer gewesen, diesen per „One Shot“ zu belegen, also “Shift“ aktivieren, Funktion wählen, „Shift“ deaktiviert sich automatisch. Stattdessen muss man „Shift“ halt jedes Mal wieder händisch raus nehmen. Obwohl man ihn meistens nur für die nächste Funktion benötigt. Kann man sich allerdings auch antrainieren.

Insgesamt ist der „Faderport 8“ ein richtig gute Unterstützung im kleinen Home- oder Projektstudio ohne echtes Mischpult, da er doch dafür sorgt, dass man viele Regelvorgänge innerhalb eines Recordingprojekts so wesentlich besser handhaben und vor allem auch visuell im Blick behalten kann. Grade durch die Motorfader hat man eben eigentlich immer einen Mixer im Auge, der einem die wichtigsten Informationen sofort auch optisch vermittelt, wenn man mal kein „Mix“-Fenster in der DAW offen hat. Alleine dafür liebe ich ihn.

Dass man darüber hinaus während des Mischens selber fast vollständig auf Maus und Tastatur verzichten kann, ist der weitere große Pluspunkt. Selbst FX Plugins lassen sich bedienen. Ohne Maus. Man arbeitet also endlich nur noch mit Ohren und Controller und schielt eben nicht permanent noch auf den Monitor, was einen ja doch immer auch wieder dazu verleitet, einen Mix „optisch“ zu fahren.

Dass der „Faderport 8“ auch noch Automation kann, ist fast nur noch eine weitere hervorragend Draufgabe auf das eh schon sehr stimmig Paket.

Aber: leider gilt diese Euphorie in einigen Teilen nur für die Arbeit mit Presonus „Studio One“. Denn in anderen DAW entsprechen die Funktionen nicht immer genau dem, was man durch die Beschriftung der Taster erwartet. Dennoch ist der „Faderport 8“ natürlich auch hierbei ein nicht zu unterschätzendes Arbeitsmittel. Man muss sich halt nur erst einmal ein wenig mehr dran gewöhnen, als wenn man ihn mit der Software verwendet, für die er speziell ausgelegt wurde. Unterstützt die eigene DAW das Mackie Control Protokoll, ist man dabei schon auf einer guten Seite. Bei „Pro Tools“, welches nur auf „HUI“ zurückgreifen kann, sieht es da leider ein wenig schlechter aus.

(Dass ich persönlich eh „Studio One“ als Recordingsoftware bevorzuge ist ein anderes Thema und in meinem entsprechenden Review der DAW hier nachzulesen. Das nur mal als Empfehlung am Rande.)

Alles in allem ist der „Faderport 8“ bei dem derzeit aktuellen Preis eine absolute Empfehlung, wenn man einen 8-zügigen Hardwarecontroller fürs (Heim-)Studio sucht. Für den gleichen Preis bekommt man nicht einmal annähernd eine gebrauchte Mackie Universal Control und auch der Behringer X Touch Compact ist noch um einiges teurer.

Mir hat das Arbeiten mit dem „Faderport 8“ richtig gut gefallen und ich bin jetzt schon traurig, ihn erstmal wieder hergeben zu müssen.

 

Fazit

Mit dem DAW Controller „Faderport 8“ hat Presonus ein feines und sehr wertiges Stück Hardware auf den Markt gebracht. Der Controller erleichtert das Arbeiten mit einer Recordingsoftware nicht nur beim finalen Mix immens, sondern auch schon im kreativen Prozess wird einiges wesentlich leichter und geht schneller und intuitiver von der Hand. Optik, Haptik und Verarbeitung sind allererster Güte, nicht nur die ALPS Motorfader verrichten ihren Dienst hervorragend, auch die beleuchteten Taster und die beiden Endlosencoder tragen zu diesem hochwertigen Gesamteindruck bei.

Einzig einschränkend anzumerken ist, dass man den vollen Funktionsumfang des „Faderport 8“ nur mit der aus gleichem Hause stammenden Recordingsoftware „Studio One“ richtig ausschöpfen kann. Bei anderen DAW ist man auf die Möglichkeiten des Mackie Control oder HUI Protokolls beschränkt, was aber durchaus bedeutet, dass sich der „Faderport 8“ auch dort mit ein wenig Gewöhnung richtig gut nutzen lässt.

 

Presonus Faderport 8 Package

 

Plus:

+ hervorragende Verarbeitung
+ guter Druckpunkt der Taster / sauber laufende Fader
+ sehr gute Unterstützung des Workflows
+ Regler lassen sich FX Plugin Funktionen frei zuweisen
+ sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis

 

Minus:

– Mute- und Solo-Taster relativ klein
– vollständige Unterstützung nur unter Presonus „Studio One“

 

Bezugsquellen

Der Presonus „Faderport 8“ ist im gut sortierten Musikalienfachhandel oder online für den aktuellen Straßenpreis von ca. 550,- € erhältlich.

Im Lieferumfang ist die Recordingsoftware Presonus „Studio One 3.5 Artist“ enthalten!

Weitere Informationen auf der Herstellerseite: https://www.presonus.com/products/FaderPort-8

 


Klaus Feurich
Über Klaus:
Musiker und Techniker: Keyboards, Gitarre, Sounddesign, Ton- und Studiotechnik, Computertechnik
http://lunymarmusic.com

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