Sehr fein, was die Ingenieure von Native Instruments da gezaubert haben: Das Gehäuse aus edlem Aluminium, die Knöpfe und Regler – alle sehr stabil – und der Klang kann sich auch hören lassen. Das KOMPLETE AUDIO 6 Interface bietet wie der Name schon erahnen lässt, 6 Audio-Eingänge, wobei zwei der Eingänge digital (SPDIF) ausgelegt sind. Das bedeutet, dass Ihr ohne einen entsprechenden Digital-/Analogwandler, wie zum Beispiel einem DAT Rekorder, nur vier Eingänge zur Verfügung habt.
Ich habe leider auch Pech, denn mein Technics-DAT-Rekorder aus alten Tonstudiozeiten, ist so sicher mit Kopierschutzmaßnahmen versehen, dass ich ihn im Verbund mit dem KOMPLETE AUDIO 6 leider nicht nutzen kann. Wobei wir schon wieder bei dem Thema Bevormundung durch die Musikindustrie sind, aber das gehört hier jetzt nicht hin. Ich frage mich jetzt gerade nur, was ich mit dem Sch&%$ding eigentlich noch soll. Ich kann mich nur deshalb so schwer von dem Teil trennen, da es mich mal 3000,– Deutsche Mark gekostet hat. Zurück zum Testbericht, Andreas, Disziplin bitte!
Zwei der Eingänge des KOMPLETE AUDIO 6 sind als XLR/Line-Kombibuchsen ausgeführt, die beiden anderen analogen Eingänge sind Line-Eingänge, die digitale Welt nimmt über 2 Chinch-Buchsen Kontakt mit der Umgebung auf, dieser Mist-DAT-Rekorder, grmmpff, Disziplin Andreas, Disziplin!

Was reinkommt, muss ja auch irgendwie wieder raus, so ist das bei uns und auch beim KOMPLETE AUDIO 6. Auch hier hat sich NI nicht mit dem Standard, also einem Stereoausgang, zufrieden gegeben. Wir haben auch sechs Ausgänge, viermal als Linebuchsen ausgeführt sowie die digitale Verbindung als Chinch-Buchse. Da fällt mir wieder dieser Drecks-DAT-Rekorder ein, Disziplin jetzt!!! Außerdem finden wir noch einen MIDI-Eingang und einen MIDI?Ausgang sowie einen regelbaren Kopfhörerausgang. Dieser liegt erfreulicherweise auf der Vorderseite des Audiointerfaces.

Hinter den XLR/Line Kombibuchsen sorgen zwei High-End-Mikrofon-Vorverstärker und Wandler von Cirrus Logic für glasklaren, transparenten Sound. NI muss ein Herz für Musiker und Audioproduzenten haben. Die eingesetzten Wandler müssen sich absolut nicht hinter der höherpreisigen Konkurrenz verstecken. Für die allseits beliebten Kondensatormikrofone kann eine 48-Volt-Phantomspeisung zugeschaltet werden.
Vorsicht bei Bändchenmikrofonen, die könnten die 48 Volt schon einmal übel nehmen und still und leise abrauchen, daher mein Tipp für Besitzer von Bändchenmikros: Lasst die Phantomspeisung standardmäßig aus, gut ist hierbei, dass NI einen Indikator für die Phantomspeisung auf der Oberseite des Gehäuses des KOMPLETE AUDIO 6 spendiert hat, so ist man im Bilde, ob die Spannung anliegt oder nicht. Überhaupt war man nicht geizig mit LEDs. Die Eingangs- und Ausgangssignale werden jeweils über LEDs angezeigt, allerdings nach dem Motto: Ist alles grün, ist die Welt in Ordnung, wird das LED aber rot, dann herrscht Not. Oh Mann, jetzt fängt der auch an zu dichten. Nun gut, immerhin scheint er den blöden DAT-Rekorder vergessen zu haben. Nee, hat er nicht, aber er übt sich in Disziplin.
Zurück zu den vielen bunten Lichtern, die unter einer Acrylglasoberfläche ihren Dienst tun. Sogar die ein- und ausgehenden MIDI-Signale werden vom KOMPLETE AUDIO 6 via LEDs angezeigt, sehr nice, denn so kann man locker überprüfen, ob der Keyboarder überhaupt seine Gage wert ist. Wenn es nicht genug flackert, dann gibt’s weniger Asche. Nein, im Ernst: In manchen Situationen kann es hilfreich sein, wenn die Möglichkeit besteht, eingehende MIDI-Signale visuell zu erfahren, zum Beispiel dann, wenn ein MIDI-Kabel nicht funktioniert oder falsch angeschlossen wurde.

Mit dem Computer nimmt das KOMPLETE AUDIO 6 via USB 2.0 Kontakt auf, und das mit erstaunlich niedriger Latenz, was mich gerade wieder an mein (nein, nicht der DAT-Rekorder …) EMU Tracker Pre Audiointerface erinnert. Da habe ich schlussendlich den ASIO4ALL Treiber nutzen müssen, da die Latenz mit dem Originaltreiber einfach fürchterlich war. Überhaupt machte mir der EMU Tracker pre nur wenig Freude, da er gelegentlich einfach mitten in der Produktion meinte, dass für ihn Feierabend sei, und den Dienst quittierte. Zurück zum Native Instrument Audio Interface, das nebenbei auch eine Perle auf meinem Studio-Arbeitsplatz ist. Das Teil ist einfach schön und strahlt eine Wertigkeit aus, die ihresgleichen sucht.
In der Mitte auf der Oberseite befindet sich ein großer und griffiger Volumenregler, der allerdings nur für die Ausgänge eins und zwei tätig ist, die Ausgänge drei und vier sind nicht über diesen Lautstärkeregler ansprechbar. An der Frontplatte finden wir für jeden der Eingänge einen Eingangsregler.
Weiterhin können wir hier auch mittels eines Tasters zwischen Line und HI/Z, also weniger starken Pegeln, wie sie zum Beispiel aus einem E-Bass oder einer E-Gitarre kommen, umschalten. Auch eine Monitorfunktion ist im KOMPLETE AUDIO 6 verbaut. So können wir das Eingangssignal absolut latenzfrei abgreifen und abhören. Ob auf den Kopfhörerausgang die Ausgänge 1+2 oder die Ausgänge 3+4 geschaltet werden, können wir auch festlegen, hervorragend. Einen externen Stromanschluss besitzt das Audiointerface nicht, die komplette Spannungsversorgung geschieht über die USB-2.0-Buchse.
Damit Ihr auch direkt voll durchstarten könnt mit dem AUDIO 6, legt NI „ein wenig“ Software bei, wobei ein wenig hier ironisch gemeint ist, denn KOMPLET ELEMENTS kommt mit guten 3GB an Software, wir finden die Playerversionen von KONTAKT, GUITAR RIG und REAKTOR. Schon höre ich die Stimme, die da sagt, toll das bietet NI doch ohnehin kostenlos an, ja, recht so, aber die Vintage-Drums von ABBEY ROAD oder die Orchester-Instrumente der Vienna Symphonic Library sowie auch die Band- und Ethno-Instrumente und eine Handvoll REAKTOR-Synthesizer plus der acht leistungsstarke Gitarren-Amps, Matching Cabinets und 27 Stomp-Box-Effekte sind in den Player-Versionen so nicht enthalten. Insgesamt habt Ihr ca. 1000 hochwertige NI-Sounds und Instrumente, die Ihr direkt in Eure Produktionen einbinden könnt.
Aber das ist nicht alles, eine LE-Version von CUBASE 4 findet sich auch noch im Paket, damit habt Ihr direkt eine professionelle DAW und könnt sofort mit der Musikproduktion beginnen. Und um das Paket so richtig voll zu machen, legt NI auch noch eine LE-Version der DJ Software TRAKTOR obendrauf. Damit habe ich erst einmal meine private LOVEPARADE durch mein Haus toben lassen. Jetzt weiß ich endlich, wie das mit dem DJ-Kram funktioniert. 🙂 Ein Gutschein über 25,– Euro für den Kauf weiterer NI?Produkte findet sich dann schlussendlich auch noch. Also, was will man da meckern, NI hat das Produkt KOMPLETE AUDIO benannt und das ist es auch, sehr komplett, alles drin, alles dran, und Ihr könnt damit sofort loslegen, gebt Gas, die Charts warten 🙂

FAZIT: Ein beeindruckendes Audiointerface von hoher Qualität, gepaart mit umfangreichen Software-Zugaben zu einem moderaten Preis. Das Audiointerface klingt transparent und klar, ich habe mehrmals mit dem EMU Tracker Pre verglichen und der sah dabei recht alt aus. Alles wird angezeigt, ihr seid immer im Bilde, was da an den Ein- und Ausgängen so gerade passiert. Das KOMPLETE AUDIO 6 unterstützt folgende Samplingraten: 44,1 kHz, 48 kHz, 88,2 kHz und 96 kHz bei 24-Bit-Auflösung.
Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich das Knacken beim Einschalten des Rechners, das den Audio-Monitoren sowie auch den Tonschaffenden einen ordentlichen Schreck beschert. Ich habe mir daher angewöhnt, die Monitore vor dem Einschalten des Rechners zu deaktivieren. Die Hochtöner lieben mich dafür. Ob das nun an meiner speziellen Konfiguration liegt oder am KOMPLETE AUDIO 6 oder sogar an den Monitoren, habe ich noch nicht herausgefunden. (Ich habe eine Information dazu von NI erhalten, demnach ist dieses Problem bekannt. Originaltext Native Instruments: Dies liegt laut unserer Entwickler tatsächlich an dem ersten Production Run der Komplete Audio 6 und wird zukünftig durch eine eingebaute Mute-Schaltung behoben. )
Alles in allem ist mir das neue Audiointerface von Native Instruments einen unbedingten buenasideas.de-Tipp wert. Das Audiointerface eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für alte Hasen.
Benotung:
Gesamtnote: sehr gut |
So, und jetzt kloppe ich den Technics-DAT-Rekorder in die Tonne. Hmm, aber der hat doch so eine schöne große Aussteuerungsanzeige. Na ja, frisst ja kein Brot, das Teil. Jetzt hat „DAT“ schon fast 20 Jahre im Studio herumgestanden, wer weiß, vielleicht finde ich ja mal den passenden Elektroniker, der mir den Kopierschutz entfernen kann. Ist ja meist so: Kurz nachdem Du etwas weggeschmissen hast, brauchst Du es. Schluss jetzt! Warum heißt das eigentlich „dat Rekorder“ ? Richtig wäre doch eigentlich „der Rekorder“. Ja, ja, die Japaner 🙂
Das KOMPLETE AUDIO 6 mit Software und Gutschein kostet aktuell 299,– Euro, der Preis ist für das Gebotene, meiner Ansicht nach, absolut in Ordnung und fair.
Die technischen Daten und weitere Informationen findet Ihr bei Native Instruments: www.native-instruments.com/#/de/products/producer/komplete-audio-6
