Testbericht: ROB PAPEN GO2 – Keep it simple!

Ein möglichst übersichtlicher und einfach zu bedienender Software-Synthesizer, der nicht durch eine übermäßige Anzahl an Parametern, unüberschaubar verteilt auf mehreren Bildschirmseiten und Untermenüs, den durchschnittlichen Anwender eher davon abhält, eigene Klänge damit zu kreieren, das war laut ROB PAPEN das vorrangige Ziel bei der Entwicklung von GO2.

Zwar kann man auch den anderen Synthies in Mijnheer Papens Portfolio, beispielsweise BLUE, PREADATOR oder BLADE grundsätzlich durchaus eine gute Bedienbarkeit attestieren, doch ob ihrer jeweiligen Komplexität lassen längst nicht alle ihrer Parameter einen direkten und gleichzeitigen Zugriff durch den Anwender zu, sondern bedingen schon mal den einen oder anderen Mausklick mehr. Beim GO2 hingegen findet prinzipiell jede Klangstellschraube auf der Hauptseite der Bedienoberfläche Platz (Naja, fast jede, denn sehr kleine, vernachlässigbare Ausnahmen bestätigen hier die Regel…).

Dass dadurch natürlich auch eine Schrumpfung der Parameterzahl bzw. eine Vereinfachung der Klangarchitektur fällig wurde, erscheint logisch, denn wer möchte schon von einer ansonsten notwendigen riesigen 4K-GUI erschlagen werden, vollgepackt mit einer Legion von Reglern und Einstellmöglichkeiten?

Rechenvorschriften…

GO2 ist für die Betriebssysteme Windows (ab Vista) und OSX (ab Version 10.6) erhältlich, jeweils in 32 und 64 bit. Die Plugin-Formate VST und AAX werden für beide Systeme angeboten (PRO TOOLS 12 oder höher ist für AAX unter windows erforderlich), für OSX kommt natürlich auch noch eine AU-Version hinzu. Für diesen Test habe ich die VST-Varianten unter Windows 7 verwendet.

Kopiergeschützt wird GO2, wie bei ROP PAPEN schon seit längerem üblich, mittels eines Lizenzschlüssels sowie einem Challenge/Response-System. Zunächst muss man sich, sofern noch nicht vorhanden, einen Account bei ROB PAPEN anlegen, in welchem man GO2 mit der beim Kauf gelieferten Seriennummer registriert. Anschließend kann man dort die benötigten Setup-Dateien herunterladen und zur Installation verwenden.

Nach dem ersten Aufruf des Plugins in der DAW muss man es nun noch aktivieren, wiederum über den zuvor angelegten Account. Dazu muss der DAW-Rechner nicht zwingend über einen Internetzugang verfügen (kann aber…). Das Ganze funktioniert auch über einen separaten Online-Rechner mit Browser, also im Prinzip auch mit einem entsprechenden Smartphone oder Tablet. Das Plugin zeigt dazu eine fünfstellige Hardware-ID an, die man in seinen Account einträgt, um dann einen ebenso langen Code zu erhalten, der im Plugin eingegeben wird, um dieses endgültig freizuschalten. Da es sich jeweils nur um fünf Ziffern handelt, die man sich zumindest als gesunder Mensch leicht merken kann, muss man auch nicht erst groß irgendwelche Textfiles o.ä. von Rechner zu Rechner kopieren.

Übrigens, nach der Registrierung kann der Käufer auch noch kostenlos eine zweite Seriennummer anfordern, etwa für einen zusätzlichen DAW-Rechner bzw. Laptop. Lediglich bei der NFR-Version, die ich für diesen Testbericht erhalten habe, funktioniert dies nicht, insofern konnte ich dies mit dem GO2 auch nicht testen. Ich habe allerdings auch noch ein paar Kaufversionen anderer ROP PAPEN-Plugins in meinem Account, daher kann ich zumindest von jenen berichten, dass auch dieser Vorgang problemlos vonstatten geht.

Den meisten Anwendern dürfte die Möglichkeit einer Installation auf lediglich zwei Computern durchaus ausreichen, dennoch zeigen andere Plugin-Hersteller sich in diesem Punkt bisweilen etwas großzügiger, indem sie beispielsweise bis zu fünf parallele Aktivierungen zulassen (etwa ARTURIA) oder sogar überhaupt keine Einschränkungen hinsichtlich der Anzahl aufweisen (z.B. MELDA PRODUCTIONS). Selbst wenn man nicht mehr als zwei Rechner verwendet, so mag der eine oder andere aber vielleicht schon mal alternativ von mehreren Betriebssystemversionen booten, etwa zum Testen neuer Software oder bei einem OS-Update, ohne dabei das stabil laufende Produktionssystem zu gefährden.

Rob Papen Go2 - GUI
Rob Papen Go2 – GUI

Formelsammlung…

Der Bedienoberfläche des GO2 mangelt es tatsächlich nicht an Übersichtlichkeit, und wer nicht gerade das allererste Mal einen Synthie vor sich hat, egal ob Hard- oder Software, der dürfte sich hier auch sehr schnell zurechtfinden, denn der Signalfluss erklärt sich mehr oder minder von selbst.

Die einzelnen Sektionen im Synthesestrang sind gut voneinander abgegrenzt, auch dies ist der Bedienung und dem Workflow förderlich.

Trotz der eher dunklen Farbgebung ist der Kontrast für die Augen ausreichend hoch, auch für mein nun doch schon älteres Paar, dass vermutlich in naher Zukunft ein Sehkraft-Upgrade in Form einer Hardware-Erweiterung (eine sogenannte „Brille“) benötigen wird.

Nur der Vollständigkeit halber: Die virtuellen Regler lassen sich nicht via Mausrad verstellen, früher hätte es dafür einen Punktabzug von mir bekommen (Stichwort PowerMate…), doch seit ich einen KONTROL MASTER von TOUCH INNOVATIONS verwende, lässt mich dieser Umstand inzwischen kalt.

 

Rob Papen Go2 - MIDI-Menü
Rob Papen Go2 – MIDI-Menü

 

Dafür verfügt GO2 mit dem ECS (External Controller Setup) eine sehr einfach zu bedienende Funktion, um vorhandene MIDI-Controller an gewünschte Parameter zu binden. Diese lassen sich dann übrigens auch in die ebenfalls vorhandene Modulationsmatrix einschleifen, sehr schön!

Ach ja, die CPU-Belastung stellt übrigens auch keine großen Herausforderungen an den Rechner, selbst das weiter unten folgende Klangbeispiel mit mehr als einem Dutzend Instanzen rangen meinem I7 deutlich unter 10% Leistung ab, so mag ich das!

 

Geometrie…

GO2 zählt zu den subtraktiven Synthesizern, bei denen obertonreiche Ausgangswellen mittels eines Filters in Form gebracht werden. Den Kern bildet eine Oszillator-Sektion, die auf dem ersten Blick nur über einen einzigen Schwingkreis zu verfügen scheint, in Wirklichkeit werkeln aber – je nach Einstellung – unter der Haube noch weitere Kollegen von ihm mit.

 

Rob Papen Go2 - Oszillator-Sektion und XY-Pad
Rob Papen Go2 – Oszillator-Sektion und XY-Pad

 

Dieser virtuelle Oszillator vermag bis zu zwei Wellenformen gleichzeitig erzeugen (WAVE A und WAVE B), im sehr reichhaltigen Fundus befinden sich sowohl einfache Formen, wie man sie aus klassischen Synthesizern kennt, als auch komplexeres Material. Das Verhältnis der beiden Wellenformen zueinander wird durch einen Slider. So wird bei Extremstellungen des Sliders jeweils nur eine Wellenform (also A oder B) wiedergegeben, in sämtlichen Zwischenstellungen hingegen beide, und verschiedene Modi bestimmen hierbei die Art und Weise ihrer Verknüpfung. WAVE A und WAVE 2 können etwa einfach in Abhängigkeit ihrer Lautstärkeverhältnisse gemischt werden (also wie beim Crossfader eines DJ-Mischpultes), sie können aber auch via Morphing anhand ihrer jeweiligen Obertöne verschmolzen werden (ähnlich wie beim EINKLANG von EISENBERG). Ebenso kann WAVE A von WAVE B frequenz- oder ringmoduliert werden etc.

 

Rob Papen Go2 - Oszillator-Wellenformen
Rob Papen Go2 – Oszillator-Wellenformen

 

Wenn man den SPREAD-Regler aus seiner Nullstellung bewegt, dann wird der ursprünglich einzelne Oszillator verdoppelt, und beide Schwingkreise werden gegeneinander verstimmt, mit den daraus resultierenden Schwebungen lässt sich der Klang flugs anfetten, genauso wie mit dem zusätzlichen Suboszillator, der entweder eine Sinus- oder eine Rechteckwelle erzeugt, welche eine Oktave unterhalb des Hauptoszillators schwingt.

Ein Symmetrie-Parameter, der sogar dynamisch moduliert werden kann, ermöglicht ein weiteres Verbiegen der Wellenform, beispielsweise zur Veränderung der Pulsweite bei einer Rechteckwelle, aber auch bei allen anderen verfügbaren Wellenformen des GO2 (ausgenommen sind hier aus naheliegenden Gründen lediglich weißes und rosa Rauschen…).

 

Rob Papen Go2 - Spectrum Waves 1
Rob Papen Go2 – Spectrum Waves 1

 

Wie man unschwer erkennen kann, bietet allein schon die Oszillatorsektion vielfältige Möglichkeiten zur Klangerzeugung, und der GO2 muss sich mit ihr keinesweswegs vor anderen Boliden verstecken. Simpler gestrickte Standard-VA-Synths lässt er damit jedenfalls schon mal deutlich hinter sich.

Vektorrechnung…

Erstmals mit dem BLADE eingeführt, verfügen die neueren Synthies aus dem Hause ROB PAPEN bekanntlich über das sogenannte XY Pad. Auch der GO2 macht hier keine Ausnahme. Es handelt sich dabei um einen Modulator in form eines zweidimensionalen Vektorfeldes, der im Prinzip die Aufgabe eines hochkomplexen, grafischen Modulators mit frei bestimmbaren Bewegungsmustern übernimmt.

Jeweils drei Parameter auf der X-Achse und ebenso viele auf der Y-Achse können damit moduliert werden. Zwei der verfügbaren Ziel-Parameter sind hier fest den Wellenformen A und B zugeordnet (X- und Y-Morph), die restlichen vier Ziele sind frei definierbar.

 

Rob Papen Go2 - XY-Pad
Rob Papen Go2 – XY-Pad

 

Die gewünschten Bewegungsmuster können mit der Maus eingezeichnet werden (in bis zu 128 Punkten, um ungewollte Sprünge in der Modulation zu vermeiden, gibt es eine SMOOTH- Funktion), der ganze Vorgang lässt sich dabei auch aufzeichnen, nachträglich vielfältig editieren und anschließend wiedergeben, auf Wunsch auch als synchrone Dauerschleife. Fertig ist damit ein ausgefuchster, programmierbarer LFO, der zudem in seiner zeitlichen und räumlichen Auflösung sowie in seiner Synchronizität zum Host-Tempo angepasst werden kann.

Die aktuelle Wellenform wird dabei in Echtzeit im Display angezeigt. Das XY Pad war ja bereits in den vorangegangen Synthies von ROP PAPEN eine echte Bereicherung, und auch beim GO2 sorgt es einmal mehr auf spielerische Weise für ordentlich Dynamik im Klanggeschehen. Ähnlich komplexe Bewegungen bekäme man sonst wohl bl0ß via aufwändiger Parameterautomation in der DAW hin, also nur durch umständliches Gefummel. Und für ein Live-Spiel wäre dieser Weg dann auch keine Lösung.

 

Subtraktion…

Die Oszillator-Sektion ist also schon mal zu allerlei obertonreichem Grundmaterial fähig. Dieses möchte nun noch gerne etwas gezähmt und in Form gebracht werden, und so etwas erledigt man bei subtraktiven Synthesizern nun mal bekanntlich mit einem Filter.

GO2 ist hier nicht ganz so umfangreich ausgestattet, wie beispielsweise der BLUE/BLUE 2, aber die Filter-Sektion kann sich dennoch sehen lassen. Zunächst einmal gibt es ein Multimode-Filter mit Tiefpass- Bandpass- sowie Notch-Filtern (sowohl mit 12dB pro Oktave als auch mit 24dB pro Oktave Flankensteilheit), hinzu kommt dann noch ein Kammfilter.

 

Rob Papen Go2 - Filtertypen
Rob Papen Go2 – Filtertypen

 

Dieses Multimode-Filter besitzt eine eigene grafische ADSR-Hüllkurve (deren Darstellung lässt sich aber auch auf „normale“ virtuelle Drehregler umschalten), die bedarfsweise auch invertiert verlaufen kann. Neben Grenzfrequenz und Resonanz (Q) gibt es auch die üblichen Stellgrößen für den jeweiligen Einfluss von Hüllkurve, Anschlagdynamik, Key-Tracking sowie Modulationsrad.

Wer den letzen Absatz aufmerksam gelesen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass ich bei den angebotenen Filter-Typen gar kein Hochpassfilter aufgeführt habe. Ein solches existiert nämlich zusätzlich zum Multimode-Filter, etwa um damit den Bassbereich aufzuräumen. Das Hochpassfilter besitzt eine Flankensteilheit von 12dB pro Oktave, verfügt ebenfalls einen Resonanzregler, auch ein Key-Tracking kann hier aktiviert werden.

Wer dieses Filter nicht einfach nur statisch einsetzen möchte, der findet beim GO2 dafür zwar keine „festverdrahtete“ Hüllkurve vor, jedoch lässt sich das Hochpassfilter dazu recht einfach als Ziel-Parameter bei einem oder mehreren der vorhandenen freien Modulatoren definieren.

Klanglich vermögen die Filter des GO2 übrigens zu gefallen uind zu überzeugen, eine ja nicht ganz unwesentliche Angelegenheit und längst nicht bei jedem Softsynth der Fall, andererseits war dies von einem ROB PAPEN-Synth aber eigentlich auch nicht anders zu erwarten. Bei Bedarf können die Filter ordentlich zupacken, lassen aber durchaus auch feinfühligere Eingriffe zu.

 

Addition…

Die Verstärker-Sektion wirkt mit ihrer eigenen ADSR-Hüllkurve (ebenfalls umschaltbar zwischen grafischer Darstellung und Drehregler-Ansicht), regelbarer Laut- und Anschlagsstärke sowie einem Panorama-Poti (wer sich fragt, wozu dieser einem nicht multitimbralen Synth wie dem GO2 gut sein soll, nun, er lässt sich auch als Modulationsziel auswählen und ermöglicht somit eine Panorama-Automation schon innerhalb eines Patchs…) erstmal nicht sonderlich spektakulär, sondern bietet lediglich bewährte Standardkost.

Beim Durchhören der Presets waren mir jedoch einige recht angezerrte Vertreter aufgefallen, die mich sehr an diverse EBM-Aggro-Sounds à la DX7 erinnerten. Erst nachdem die dabei jeweils verwendeten Wellenformen oder Oszillator-Modi sich nicht als ursächlich dafür herausstellten, schenkte ich dem leicht zu übersehenden DISTORT-Regler in der Verstärkersektion etwas genauere Beachtung, und siehe da, mit diesem lässt sich der Klang tatsächlich zünftig anbrutzeln. Im Gegensatz zu einem einfach nur nachgeschalteten Verzerrer-Effekt, durch den dann alle gespielten Stimmen zusammen wandern, wirkt DISTORT an dieser Stelle separat auf jede einzelne Stimme ein, dementsprechend wirkt hier der Klangcharakter der Verzerrung auch deutlich weniger verwaschen.

Mittels UNISONO-Modus lassen sich für noch mehr Butter auf der Stulle bis zu vier Stimmen des GO2 übereinander schichten, gegeneinader verstimmen und im Stereo-Panorama verteilen.Interessanterweise wird dadurch aber nicht etwa die 16-stimmige Polyphonie des GO2 reduziert!

Alternativ zur Unisono-Wiedergabe lassen sich übrigens auch komplette Dur- und Moll-Akkorde auswählen und dann mit nur einer Taste wiedergeben.

 

Multiplikation…

Neben dem (an sich schon sehr mächtigem) XY Pad und den beiden fest zugeordneten Hüllkurven für Filter und Verstärker befinden sich auch weitere Klang-Modulatoren mit an Bord. So gibt es noch eine dritte Hüllkurve, zwar ohne grafischer Darstellung, dafür diesmal jedoch frei zuweisbar und mit einer zusätzlichen FADE-Phase zwischen Sustain und Release versehen, die je nach Reglerstellung wie eine zweite Attack- oder Decay-Stufe nach Erreichen des Sustain-Levels. Diese ADSFR-Hüllkurve gab es auch schon bei früheren ROB PAPEN-Synths, etwa beim PREDATOR. Worauf sie einwirkt, bestimmt man in der gleich noch beschriebenen Modulationsmatrix (hiermit kann man dann z.B. auch das Hochpassfilter steuern).

 

Rob Papen Go2 - LFO
Rob Papen Go2 – LFO

 

Direkt darüber findet sich ein synchronisierbarer LFO mit diversen Wellenfomen und Trigger-Modi, der ebenfalls via Mod-Matrix einem oder mehreren Zielen zugewiesen wird. Wer sich die Screenshots genau anschaut, dem mag auffallen, dass sich hier ein kleiner Fehler bei der Beschriftung der Parameter eingeschlichen hat: Die Labels für WAVE und MODE sind hier nämlich irrtümlich vertauscht. Ich hatte dies sogleich, nachdem ich es entdeckt hatte, dem ROB PAPEN-Support mitgeteilt, die prompte Antwort kam vom Chef-Programmierer Jon Ayres persönlich (Herr Papen selbst ist ja bekanntlich nicht der Coder der unter seinem Namen angebotenen Plugins…), und inzwischen wurde dieses kleine Versehen mittels Update korrigiert – ich war jetzt einfach bloß zu faul, nur deswegen extra noch mal neue Screenshots zu erstellen… 😉

Die Modulations-Matrix ist mit ihren acht Slots nicht ganz so umfangreich wie beisspielsweise die des BLUE ausgefallen, für die meisten Anwender dürfte sie aber mehr als ausreichend sein. Übrigens weicht GO2 an dieser Stelle von seiner Vorgabe, alle verfügbaren Parameter stets im direkten Zugriff zu halten, minimal ab, denn es können jeweils nur 4 Slots gleichzeitig dargestellt werden (eben 1-4 oder 5-8), so dass man hier doch zumindest ein winziges Sub-Menü vorfindet. Den Workflow vermag dies allerdings nicht wirklich zu beeinträchtigen. Modulationsquellen und -ziele gibt es zur Genüge, sogar die Parameter der Effekt-Sektionen können moduliert werden.

 

Bruchrechnung…

Auch GO2 besitzt einen für ROB PAPEN typischen Arpgeggiator/Step-Sequencer im Tabellen-Format. Dieser „Excel-Look“ mag ja vielleicht nicht sonderlich cool aussehen, ist dafür jedoch sehr übersichtlich und überaus schnell bedienbar, jedenfalls schneller, als mit irgendwelchen virtuellen Drehreglern oder sowas!

Der Sequencer ist natürlich zum Host-Tempo synchronisierbar, bietet bis zu 16 Schritte, neben diversen Standard-Parametern findet man auch eine Extrazeile für einen via Modulations-Matrix frei zuweisbaren Parameter. Die einzelnen Noten lassen sich nicht nur mit der Maus, sondern auch mit einem externen MIDI-Keyboard setzen.

Ein Novum stellt beim GO2 die CH(O)RD-Zeile dar, mit welcher sich für jeden Schritt der Sequenz separat einer von zahltreichen Akkorden definieren oder auch der Unisono-Modus aktivieren lässt.

Die Sequenz als solche lässt sich via LOCK MODE übrigens auch bei einem Preset-Wechsel erhalten, so dass man sie ganz problemlos mit unterschiedlichen Klängen abhören kann.

 

Integralrechnung…

Go2 bringt einmal mehr seine eigenen Effekte gleich mit. Ich habe zwar an anderer Stelle wiederholt kundgetan, dass ich in der Regel lieber separate FX-Plugins in der DAW verwende, als die integrierten Effekte von Software-Synthesizern, doch gibt es durchaus Anwendungsszenarien, in denen die Onboard-Effekte klare Vorteile gegenüber externen Spezialisten aufweisen.

Beim GO2 lassen sich zum Beispiel auch die Parameter der eingebauten Effekte als Ziel für die Modulatoren auswählen, was logischerweise mit externen Plugins nun mal nicht funktioniert. Die Effekte können somit tatsächlich als integraler Bestandteil eines Patches verwendet werden und nicht nur zur nachträglichen Aufhübschung des Klanges.

Die Effekt-Sektion des GO2 bietet Chorus, Flanger/Phaser und Delay/Reverb an. Flanger und Phaser sowie Delay und Reverb stehen nicht gleichzeitig zur Verfügung, sondern jeweils nur alternativ, und es werden auch bloß die Parameter des aktuell gewählten Effekts angezeigt (das macht hier aber auch Sinn und spart wertvollen GUI-Platz…).

Summa summarum können insgesamt also bis zu drei Effekte gleichzeitig zum Einsatz kommen können (eigentlich sogar vier, wenn man noch den Distortion-Effekt aus der Verstärker- Sektion hinzurechnet…).

Die Qualitiät der Effekte macht ausgewiesene High-End-Spezialisten (die oftmals auch ein Vielfaches des kompletten GO2 kosten) nun sicherlich nicht völlig arbeitslos, für integrierte Effekte eines Synthesizers geht sie aber mehr als in Ordnung, somit gibt es hier auch keinen Grund zu meckern!

 

Kehrwert…

Wenn man auf das GO2-Logo in der Titelzeile des Plugins klickt, kommt die „Rückseite“ zum Vorschein. Neben diversen Credits und Infos zum GO2 findet sich hier auch noch eine kleine Handvoll an globalen Einstellmöglichkeiten, die man in der Regel nur einmal für alle Instanzen direkt nach der Installation vornimmt, beispielsweise den MIDI-Kanal, die Grundstimmung, die Steuerung via Tastatur oder das Verhalten bei empfangenen Proramm- und Bankwechsel-Befehlen.

 

Rob Papen Go2 - Rückseite
Rob Papen Go2 – Rückseite

 

An dieser Stelle kann auch ein automatischer Limiter eingeschaltet werden, der dafür sorgt, dass innerhalb des Signalweges keine Übersteuerungen auftreten. Sehr Praktisch!

 

Zinsrechnung…

Die Verwaltung von fertigen Klängen erfolgt mit dem Bank- und Preset-Manager, der zugunsten einer besseren Übersicht und bequemeren Bedienung ebenfalls eine eigene Bildschirmseite erhalten hat. Zahlreiche Befehle zum Laden, Speichern, Kopieren oder Umbenennen stehen hier zur Verfügung Eine Bank kann beim GO2 bis zu 256 Presets erhalten, die Anzahl der Bänke wird nur durch den vorhandenen Festplattenspeicher begrenzt, in der normalen Praxis also vermutlich überhaupt nicht. Falls man übrigens versucht, in einer Bank mehr als 256 Presets abzuspeichern, werden die überzähligen Kandidaten automatisch in einem OVERFLOW-Ordner einsortiert.

 

Rob Papen Go2 - Preset Manager
Rob Papen Go2 – Preset- und Bank-Manager

 

Für die Presets lassen sich diverse Filter-Tags aktivieren, was ein schnelleres Auffinden des richtigen Sounds ermöglicht. Dazu gibt es die drei Ober-Kategorien TYPE (etwa LEAD, BASS, PAD, SFX, ARP, DRUM usw.), TEMPO/FEEL (z.B. SLOW, FAST, PERCUSSIVE, DRONE, SHORT RELEASE usw.) sowie TIMBRE (DARK, BRIGHT, DISTORTED, CLEAN, FX usw.), die auch mehrfach ausgewählt werden können.

Über eine Volltextsuche kann man ebenfalls sehr flott zu den gewünschten Klängen gelangen. Zudem lassen sich eigene Favoriten mit einem Sternchen markieren und so schneller wiederfinden.

 

Rob Papen Go2 - Preset-Kategorien
Rob Papen Go2 – Preset-Kategorien

 

Ab Werk ist GO2 bereits sehr großzügig mit fertigen Presets ausgestattet. Bei rund 600 Vertretern, die teils von Herrn Papen selbst und teils von anderen renommierten Sound-Designern (z.B. JoMal) beigesteuert wurden, sollte eigentlich jeder, der nicht ganz bei Null anfangen möchte, mit Leichtigkeit fündig werden.

Und wie im Prinzip ja immer bei Synthies von ROB PAPEN, geht die immense Quantität hier nicht auf Kosten der Qualität, bei anderen Herstellern leider nicht immer die Regel. Ich habe jetzt zwar für diesen Testbericht nicht tatsächlich jedes einzelne Preset ausführlich probegehört (sonst wäre ich jetzt wohl immer noch damit beschäfigt…), aber durchaus eine ganze Menge davon. Natürlich gefallen mir nicht alle gleich gut, das wäre allerdings auch ein Wunder, denn die Geschmäcker und auch die Musikstile sind nun mal recht verschieden.

Dennoch war die Trefferquote beim GO2 überdurchschnittlich hoch. Die meisten der Presets, die ich angespielt habe, fand ich gut programmiert und viele davon recht inspirierend, nicht wenige davon erzeugten bei mir sofort den Wunsch, neue Musikstücke damit zu machen.

 

Division…

Aus den letzten Sätzen lässt sich im Prinzip ja schon herauslesen, dass mir auch der Grundklang des GO2 zugesagt hat. Hier gibt es trotz seiner etwas übersichtlicheren Aufbaus und weniger Parametern nichts zu bekriteln. GO2 klingt jedenfalls frisch, modern und druckvoll. Obwohl man mit ihm teilweise auch diverse quasi-analoge Klänge hinbekommen kann (wie mit fast allen subtraktiven Synths), ist dies sicherlich nicht sein eigentliches Metier (und will es ja auch gar nicht sein…), zumal es für angemuffte Vintage-Sounds nun wirklich schon genügend Spezialisten gibt. GO2 ist dafür ein sehr gut klingender Digital-Synth.

Revolutionäres, bisher ungehörtes Klanggut sollte man von GO2 allerdings nicht erwarten (das ist jetzt nicht etwa abfällig gemeint! Das erwarte ich heutzutage überhaupt nicht mehr von einem Synth, was soll denn da auch noch groß kommen, was noch nie da war…?), und wer schon andere Plugins von ROB PAPEN oder auch vergleichbare Boliden von der Konkurrenz besitzt, dem mag vieles irgendwie schon bekannt vorkommen, aber man könnte bestimmt auch weitaus schlechtere Dinge über einen Synthesizer behaupten, als gerade dies!

Doch hört am besten einfach selbst. Das nachfolgende Klangbeispiel habe ich wieder einmal ausschließlich mit dem Testkandidaten erstellt, auch die Drumsounds entstammen dabei dem GO2:

Weitere Plugins oder externe Effekte kamen hier nicht zum Einsatz, und der ganze Track ist auch wieder mal ungemastert, um keine Klangverfälschung ins Spiel zu bringen.

 

Fazit:

GO2 ist als ein Synthesizer angetreten, der durch seine Überschaubarkeit zum Basteln eigener Klänge motivieren soll. Das ist ihm durchaus auch gelungen, und wem dennoch selbst ein GO2 noch zu kompliziert erscheinen sollte, der möge sich doch besser auf ganz einfache Hupen mit nur einer Handvoll an Parametern à la TB-303 oder VOLCA beschränken, die auch von Vorschulkindern bedient werden können… 😉

Umgekehrt sollte man jedoch jetzt nicht den irrtümlichen Schluss ziehen, dass es sich beim GO2 lediglich um einen reinen „Einsteiger-Synth“ handelt, denn das würde ihm nicht gerecht, weil seine klanglichen Möglichkeiten deutlich größer sind, als die typischer Simpelheimer. Und auch seine Sound-Qualität vermag zu überzeugen, womit sich GO2 problemlos auch in professionellen Studioumgebungen zu etablieren vermag. Hier glänzt er zudem mit einer Vielzahl an fertigen Presets, die sich sofort und ohne viel Gefrickel in einer Produktion einsetzen lassen.

Über den Verkaufspreis von 49,- Euro lässt sich ebenfalls nicht schimpfen, meines Wissens stellt GO2 damit das günstigste Synthesizer-Plugin in ROB PAPENs Portfolio dar (kann dabei jedoch auch ganz „teuer“ klingen…).

Ich würde GO2 zwar nicht als absolutes „Must-have“ einstufen wollen, dazu ist der Markt mit ähnlich klingenden Synthies mittlerweile einfach schon zu übersättigt, aber wenn man die drei Faktoren Klang(möglichkeiten), Bedienung und Preis(würdigkeit) zugrunde legt, dann räume ich GO2 schon recht gute Chancen ein, sich gegen so manchen Mitbewerber durchzusetzen, der teilweise mehr kostet, weniger zu bieten hat oder durch eine fummelige Handhabung abschreckt. Falsch machen kann man mit dem Go2 hingegen eigentlich nichts. Auf jeden Fall ist das kein Synthie, der hinterher doch nur im Plugin-Ordner vor sich hin gammelt!

 

Positives:

+ Sehr guter Grundklang
+ aufgeräumte Bedienoberfläche
+ geringe CPU-Anforderungen
+ einfaches MIDI-Handling
+ viele gute Presets
+ komplexer Stepsequencer
+ XY-Pad
+ modulierbare Effektparameter
+ polyphoner Distortion-Effekt
+ günstiger Preis

Negatives:

– Aktivierung nur auf 2 Rechner gleichzeitig beschränkt

 

Produktwebseite: https://www.robpapen.com/go2.html

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