„Kleiner Bruder“ – Testbericht “Synthmaster One” von KV331


Testbericht von Klaus Feurich

Mit dem „Synthmaster One“ hat der türkische Hersteller KV331 vor kurzem quasi den „kleinen Bruder“ seines mehrfach ausgezeichneten Software-Synthesizers „Synthmaster 2“ veröffentlicht. Wie auch „Synthmaster 2“ ist der „Synthmaster One“ sowohl für PC als auch Mac erhältlich und kommt als VST, AU, AAX und auch mit einer Standalone Variante im jeweiligen Produktpaket daher.

 

 

Im Gegensatz zum großen Bruder liegt das Hauptaugenmerk dabei jedoch nicht darauf, möglichst viele verschiedene Synthesearten anzubieten. Sondern hier geht es ausschließlich um die subtraktive Synthese. Aber, und das ist das Entscheidende, mit der Spezialisierung auf die Wavetablesynthese.

Brachte der „Synthmaster 2“ nur 16 Wavetables mit, so sind es hier über 160 verschiedene Wavetables! Dazu kommen weitere 150 Wellenformen und natürlich auch die 5 Standardwellenformen.

Insgesamt handelt es sich bei dem „Synthmaster One“ dabei um einen typischen 2 Oszillatoren, 2 Subs, 2 Filter, 12 LFO, 4 Envelopes Synthesizer mit bis zu 6 gleichzeitig verwendbaren Effekten und einem Arpeggiator/ Stepsequenzer.

Das verspricht eine Menge Sound, Spaß und viel zu schrauben.

Gehen wir in die Details:

 

Installation

Nach dem Kauf kann man über die Website von KV331 unter Angabe der beim Kauf verwendeten Emailadresse und der erhaltenen Seriennummer den Installer für den „Synthmaster One“ downloaden. Der Installer ist gerade mal 48 MB groß und somit in kürzester Zeit auf dem Rechner.

Beim ersten Aufruf des „Synthmaster One“ wird nach einem License File gefragt, welches man entweder kurz erstellen und downloaden kann oder alternativ schon vorher über die Webseite erzeugt und herunter geladen oder sich per Email hat zu schicken lassen. Sehr schick dabei: Es handelt sich um ein einfaches Keyfile. Es sind keine Dongles, Servicecenter oder ein dauerhafter Onlinezugang nötig.

Auch sehr schön, abgesehen von den üblichen VSTi, AU oder AAX gibt es sowohl für Windows als auch Mac jeweils eine Standalone Version. Man kann also auch gänzlich ohne DAW Host mit dem „Synthmaster One“ Spaß haben.

 

 

Mit im Paket sind 500 Presets verschiedener Produzenten, die wie auch beim großen Bruder wieder sehr komfortabel über einen integrierten Browser mit etlichen Attributen und Sortierungen versehen abgerufen und bearbeitet werden können.

 

Features

Wellenformen und Oszillatoren

Wie eingangs erwähnt bringt der „Synthmaster One“ nicht nur die 5 bekannten Grundwellenformen mit sondern auch noch 150 weitere z.T. von anderen Synths gesampelte Wellenformen.

Am interessantesten dürften aber tatsächlich die gut 160 Wavetables sein, die er auch noch im Gepäck hat.

Der „Synthmaster One“ verfügt über 2 Oszillatoren, die in Lautstärke und Panorama frei einstellbar sind. Jeder Oszillator verfügt dabei zusätzlich über einen Suboszillator, der auch noch einmal über gut 100 Wellenformen verfügt. Dabei ist der Suboszillator nicht nur ein reiner Suboszillator sondern kann auch als Modulator für Ring-, Frequenz-, Phase- und Amplituden-Modulation genutzt werden.

Das die Oszillatoren in Tune, Finetuning und Sync einstellbar sind, versteht sich dabei wahrscheinlich schon von selbst. Zusätzlich sind sie hier aber auch noch in Tone und Phase (bei Wellenformen) und Index (=Startpunkt) und Phase (bei Wavetables) einstellbar

 

Filter

Der „Synthmaster One“ verfügt über 2 Filter, die parallel oder seriell geschaltet werden können. Dabei stehen vier Filtertypen zur Verfügung: Ladder, Bite, Diode Ladder, State Variable. Ladder dabei zum Beispiel mit 12 und 24 dB High- oder Lowpass, Bandpass und Bandstop.

Jedes Filter kann mit LFO 1 oder 2 und Mod Env 1 oder 2 per Regler auf dem Cutoff moduliert werden. Darüber hinaus kann auf jeden anderen Filterparameter per Drag’n‘Drop ein beliebiger Modulator zugewiesen werden.

 

Modulation und Hüllkurven

Es stehen 2 LFOs mit jeweils gut 100 (!) verschiedenen Wellenformen zur Verfügung und insgesamt 4 ADSR Hüllkurven. Die Hüllkurven lassen sich dabei zwischen einmaligem und kontinuierlichem Durchlauf umschalten.

 

Matrix

Doch damit nicht genug an Modulation.

Über eine 2 geteilte Modulationsmatrix stehen noch 12 weitere Modulationsmöglichkeiten zur Verfügung. Hier können dann wahlweise Midi CC, weitere Events und die LFOs und Envelopes jeweils bis zu zwei Parametern des Synths zugewiesen werden.

 

FX

In Sachen Klangveredelung mittels Effekten stehen 11 verschiedene FX Algorithmen zur Verfügung, von denen sich 6 in beliebiger Reihenfolge miteinander kombinieren lassen. Dabei sind natürlich die typischen Effekte wie Delay, Reverb, Chorus, und Phaser.

 

Arpeggiator und Sequencer

Natürlich hat auch der „Synthmaster One“ einen Arpeggiator. Dieser verfügt über bis zu 16 Steps, ist in Swing und Notenlänge einstellbar und bietet einige Modi mehr als nur „Up“, „Down“ und „Random“.

Zusätzlich kann er nämlich als Chordsequenzer verwendet werden und über entsprechende Einstellungen dann natürlich auch als TranceGate.

Aber: er kann eben auch als Stepsequencer arbeiten und kennt dabei sogar einen „Aufnahmemodus“. D.h. man kann die abzuspielende Sequenz auch per Keyboard einspielen. Einziges Manko: die Sequenz wird nicht passend transponiert. Aber das kann auch kaum ein anderer Synth.

 

Handhabung

Dadurch, dass eigentlich alle Parameter und Regler ohne weitere Tabs oder Seiten sicht- und erreichbar sind, ist das Arbeiten mit der GUI sehr schnell, direkt und intuitiv möglich. Trotz gefühlter unendlicher Wellenformen, Einstellungs- und Modulationsmöglichkeiten.

Einzig FX und Arp teilen sich das „Display“ in der Mitte der Bedienoberfläche und erfordern einen Umschaltvorgang. Und um die beiden Seiten der Modmatrix zu erreichen, muss man im unteren Bereich der GUI ein wenig die Seiten umschalten. Damit kann man aber leben.

Insgesamt ist das in Sachen Überblick ein Riesenvorteil gegenüber dem „Synthmaster 2“, wo alleine schon jeder Oszillator eine eigene Seite hatte.

Dazu kommt, dass alle, also wirklich jede Wellenform auch optisch in der GUI an der entsprechenden Stelle dargestellt wird. Im „Display“ sind dann auch noch die Envelopes und Filter optisch erfassbar.

Sind Modulatoren aktiv und zugewiesen, so werden diese inklusive ihres Regelbereichs auf dem jeweiligen Regler dargestellt. Auch das ist sehr hilfreich.

Überhaupt: das „Display“: in ihm lassen sich verschiedene Blöcke der Synthese an- und abschalten sowie das Routing verändern. Alles mit entsprechender optischer Kontrolle.

 

Sound

Sägende Leads, harte Plucks aber auch schwebende silbrige Pads und langsam wabbernde Flächen, droppende und wobbelnde Bässe. Das sind die Sounds des „Synthmaster One“.  Dazu ein paar Standardkeysboard- und typische analoge Sounds. Und ein bisschen E-Drums kann er natürlich auch.

Alles da. Und zwar richtig gut und druckvoll. Ohne dabei die CPU zu sehr zu fordern.

Und ja, dieser Synth möchte es hart. Das ist kein Brot und Butter Synth für alle Genres. Sondern der fühlt sich in erster Linie in den etwas härteren Gangarten der elektronischen Musik erst so richtig wohl. Natürlich kann auch er die ganz typischen Synthiesounds, die aus den üblichen Wellenformen bestehen. Das ist aber eigentlich nicht sein Metier. Gerade durch die Wavetablesynthese sind hier viel vielfältigere Sounds möglich.

Als erstes drängen sich bei dem Sound natürlich die Vergleiche mit anderen Synths aus diesem Genre auf. Dem „Nexus“ und dem „Lethal“ zum Beispiel. Der große Unterschied dabei ist aber, dass diese beiden eher als reine Player bzw. Rompler angelegt sind. Dagegen hat man beim „Synthmaster One“ den Sound komplett unter Kontrolle. Von der Wellenform angefangen.

 

Audio Demos

Der brachiale Sound des „Synthmaster One“ lässt sich am Besten im kompletten Arrangement darstellen, weswegen ich hier auf die Sounddemos von KV331 verlinke.

 

 

 

Nach etlichen Stunden des Rumspielens dürft ihr mir aber auch so glauben, das Ding klingt wirklich so hervorragend wie in den Demos. Um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen, gibt es auch die Möglichkeit eine Demoversion des „Synthmaster One“ zu bekommen. Mehr dazu weiter unten.

 

Fazit

Ihr wisst, was ein „No Brainer“* ist?! Das hier ist einer! So viel Sound und Möglichkeiten findet man für diesen Preis sonst nirgends. Der „Synthmaster One“ kostet dabei nämlich nicht mal 100€!

Klar ist der „Synthmaster One“ dabei eher auf die etwas härtere Schiene der elektronischen Musik angelegt und nicht der Brot und Butter Synthie für alle Genres. Dieser hier will, Trance, Techno, House und ähnliches machen. Ein bisschen Ambient geht dabei auch noch. Auf alle Fälle ist Elektro seine Welt.

Der größte Vorteil gegenüber ähnlichen Maschinen wie Nexus und Lethal ist dabei aber nicht einmal ausschließlich der Preis, sondern die Flexibilität. Sind die genannten nämlich nicht nur wesentlich teurer, sind sie eher Player/Rompler als Synthesizer. „Synthmaster One“ dagegen ist ein „echter“ Synthesizer. Hier kann man die Sounds von Grund auf schrauben. Oder anders gesagt: weniger Geld – mehr Möglichkeiten. Um nicht zu sagen: unendliche Möglichkeiten. Mit brachialem Sound.

Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber dieses Gerät hat es mir echt mal wieder so richtig angetan.

Und das Ganze dabei durchaus übersichtlich in der Bedienbarkeit – ohne tausende Submenüs und Tabs.

Ähnliches kann eigentlich nur noch der „Massive“, der ist aber auch „massive“ teurer und trotzdem auch nicht so intuitiv zu bedienen. Und der „Serum“ von Xfer, der aber ebenfalls fast das Dreifache kostet, dafür aber ähnlich flexibel ist und zusätzlich die Einbindung eigener Wavetables bietet.

Von daher kann es nur ein Fazit geben: seid ihr in den elektronischen Gefilden unterwegs und arbeitet mit Software Synthesizern, dann führt euch kein Weg an diesem Teil vorbei. Kaufen!

(*No Brainer = da braucht man nicht großartig drüber nachdenken)

Plus:

+ Preis!

+ Sound

+ Übersicht und Bedienbarkeit

+ niedrige CPU Last

Minus:

 

Kommentar von Andreas zu SynthMaster und SynthMasterOne

Ich habe mir sowohl SynthMaster wie auch SynthmasterOne angesehen und angehört, beide VSTi Plugins sind sehr professionell umgesetzt und weisen einen wirklich satten und sehr guten Sound auf. Durch die Verwendung unterschiedlichster Syntheseformen kann so ziemlich alles an Synthsounds generiert werden was nur denkbar ist und das zu diesem unschlagbaren Preis. Hut ab und Respekt, zwei tolle Plugins die mal so richtig Spaß machen!

 

Bezugsquelle

Der “Synthmaster One” ist ausschließlich über die Webseite des Herstellers KV331 als Download erhältlich.

Preis: regulär 79,- US $ (ca. 74 €)

Derzeit (April 2017) gibt es ein Frühlings-Sonderangebot! Dabei ist der “Synthmaster One” für grade mal 63 US $ (ca. 60 €) erhältlich.
Produktseite des Herstellers:
https://www.kv331audio.com/synthmasterone.aspx

 

Kurzes Feature Video

 

Demoversion

Wer den Synthmaster erst einmal testen möchte, findet auf der Downloadseite von KV331 eine Demoversion. Die Demoversion ist 15 Minuten lauffähig, kann keine Presets speichern und erzeugt Audioaussetzer. Für einen ersten Eindruck der Möglichkeiten des “Synthmaster One” ist sie jedoch hervorragend geeignet.


Klaus Feurich
Über Klaus:
Musiker und Techniker: Keyboards, Gitarre, Sounddesign, Ton- und Studiotechnik, Computertechnik
http://lunymarmusic.com