Osmose Keyboard von Expressive E

Im Bereich elektronischer/digitaler Studiotechnik gibt es nur sehr selten Hardware oder Software, von der man beim Erscheinen schon ziemlich sicher weiss, dass das ein Meilenstein in der Geschichte dieser Sparte sein wird. Bei dem Keyboard Osmose von Expressive E kann man das mit guten Gründen annehmen.

Schon der MIDI Controller Touché war in meinen Augen eine Innovation, die sehr heraus stach, sehr berührungsempfindlich, über drei Achsen Sensorsaten sendend und ein wirklich ästhetisches Stück Technik. Die günstigere Variante Touché SE aus immer noch wertigem Plastikmaterial statt Holz schon nicht mehr ganz so, dafür auch eher in Reichweite von Home-Produzenten. Die Software dazu machte auch einen innovativen Eindruck, die darauf zugeschnittenen String-Instrumente beeindruckten.

Es gab ja über die Jahre hinweg immer wieder neue Ansätze Computer-Musikern und Keyboardern mehr Expressivität und unmittelbare Live-Dynamik zu ermöglichen, als es mit den sehr eingeschränkten Mitteln eines normalen Keyboards und dem Uralt-Standard MIDI möglich war. Die verschiedensten und exotischen Controller-Typen wurden ersonnen, gebaut, auf den Markt gebracht und die meisten verschwanden dann wieder oder besetzten eine exklusive, teure Nische, wie die Eigen-Harp oder die Soundplane von Madrona Labs.

In den letzten Jahren kam wieder mehr Schwung in die Controller-Szene, am spektakulärsten allen voran das Seaboard von Roli, der musikalische Gel-Sattel… Und das Linnstrument, das den Touch-Screen um die Reaktion auf Druck bereicherte. Im Grunde hatte das aber seit 2010 schon das iPad mit unzähligen Apps und Controller-Oberflächen vorbereitet.

Was vor 10 Tagen schon angedeutet worden war ist nun vorgestellt worden: ein Keyboard, das tatsächlich fast aussieht wie ein ganz normales Keyboard, bis auf die ungewöhnliche Verlängerung der Tasten hinten und offensichtlich auch ganz traditionell gespielt werden kann. Ganz im Gegensatz zum Seaboard, das dem Keyboarder einiges an Umgewöhnung abverlangt.

Doch die Details von Osmose (seltsame Namensgegung, die ich mit diesem Gerät nicht so recht zusammenbekomme…) haben es in sich, jedoch fragt man sich nun, so wie Jordan Rudess in seinem Interview, warum es das nicht schon längst gab.
Die Tasten reagieren kontinuierlich auf Druck- oder weniger Druck, wie ein Expression-Pedal im Grunde, lassen sich aber, und das ist das Erstaunliche, eben ganz normal spielen. Gleichzeitig reagieren die Tasten aber schon auf eine leichte, impulshafte Berührung, einen Tap, und lösen dann einen ganz anderen Ton aus als bei einem kontinuierlichen Druck. Wird eine Taste seitlich bewegt, sozusagen geschüttelt, ergibt das einen Pitchbend, der als ein sehr natürliches Vibrato verwendet werden kann. Sehr schnelle, zitternde Auf- und Ab-Bewegungen lassen auch den Klang erzittern, wie wenn eine Saite sehr schnell mit einem Plektrum bewegt wird. Eine Strum-Funktion durchläuft mehrere Töne beim langsamen Herunterdrücken der Tasten. Ein wohl genau richtig reagierendes Aftertouch rundet das Ganze ab.
In einem nicht verlinkbaren Video auf der Produktseite werden diese ungewöhnlichen Funktionen des Keyboards vorgeführt.
Tatsächlich scheint es zunächst die Erfahrung der Entwickler mit den Sensoren des Touché als Voraussetzung für die Erfindung dieser innovativen Funktionen gebraucht zu haben. Aus Laiensicht ist es etwas schade, dass dieses Streichen über die Längsachse beim Touché, das wirkt wie ein Modulationsrad, keinen Eingang in die Tasten-Funktionen von Osmose gefunden hat. So ähnlich, wie die entsprechende Geste auf dem Seaboard, die zusätzlich den Klang verändert.

Als interne Klangerzeugung des Osmose kommt die EaganMatrix Sound Engine des Haken Continuum Fingerboards zum Einsatz. Eine erstaunliche Kooperation mit den Entwicklern von Haken, die mit ihren Controllern schon seit 25 Jahren ganz vorne an der Qualitätsfront mitmischen und eine sehr große Erfahrung damit haben, wie man Unmengen an Sensordaten sinnvoll in ein ausdrucksvolles Spiel umsetzt.

Ansonsten scheinen die Leute von Expressive E mit ihrem Prototypen des Geräts um die Welt gereist zu sein und konfrontierten bekannte Keyboarder, Musiker und Produzenten damit, die offensichtlich sehr verblüfft und angetan von dem Instrument waren.

Beispielhaft das Interview mit einem enthusiastischen Jordan Rudess, das auf der Produktseite einen Fehler hat, aber auf YouTube direkt dann zum Glück doch läuft.

Jedoch die anderen drei Videos, die bisher online sind, sind auch sehr sehenswert. Ja, es sieht schon so aus, dass dieses Gerät ein Game-Changer wird und für die, die es sich leisten können unverzichtbar sein wird.

Bis Ende Dezember kann man das Osmose noch zum Frühbesteller-Preis von 1079 € plus 50 € Versand in Europa mit einer Anzahlung von 300 € vorbestellen (regulärer Preis 1799 danach). Die Anzahlung bekommt man wieder zurück, wenn man sich anders entscheidet, ausgeliefert wird das Keyboard voraussichtlich erst im Sommer 2020. Das ganze ist also eine Art Kickstarter-Kampagne, bei der man aber nicht die gesamte Summe gleich bezahlen muss. Wer das Geld bis in gut einem halben Jahr Problemlos zusammenbekommt, sollte also möglichst gleich vorbestellen, wenn man vermutet, dass Osmose das persönliche Spiel sehr viel ausdrucksvoller machen kann. Gründe dafür scheint es handfeste zu geben.

Produktseite Osmose:
https://www.expressivee.com/discover-osmose

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