Testbericht: MIDI MOD von HOMEGROWN SOUNDS

Ein Testbericht von Stefan Federspiel,
veröffentlicht am 06.02.2022

Bei diesem Tool für NI Kontakt handelt es sich um ein Exemplar aus der seltenen Spezies der MIDI CC Sequenzer/LFOs. Manch einer mag sich nun fragen, was das ist oder wozu man das braucht. Denn im Allgemeinen bieten alle DAWs in der einen oder anderen Form die Automation von MIDI CC Werten an um Regler und Parameter in Bewegung zu versetzen. Meistens geschieht das in der Form von Automationskurven, seltener als LFOs. Es kommt natürlich auf die DAW an, doch generell bietet MIDI MOD mehr Möglichkeiten konzentrierter an als die jeweiligen Standardwerkzeuge dafür.

MIDI MOD GUI
MIDI MOD Oberfläche

Diese vier Step-Sequenzer sehen zunächst nicht nach einem LFO aus, der normalerweise eher aus einem Regler für die Frequenz und einer Auswahl von Wellenformen besteht. Doch die Stufen der Steps werden interpoliert, also weich miteinander verbunden und man kann sie sich annäherungsweise als Darstellungen von Wellenformen vorstellen, wenn sie schnell durchlaufen werden, oder als kurze Automationskurven, wenn der Playhead gemächlicher voranschreitet. Die Interpolation zwischen den Werten, die die Stufen repräsentieren, ist nicht zwingend. Dreht man den SLOPE-Regler ganz nach links auf 2 springen, die Werte zwischen den tatsächlich sichtbaren Stufen ohne sanften Übergang weiter.

Sequenzer / LFO
Einer der vier Sequenzer/LFOs

STEPS ist auf bis zu 128 Schritte einstellbar, die CLOCK auf Werte zwischen 1 und 256, was dann schon sehr langsam ist und stetige, ruhige Bewegung in lange Passagen bringen kann. Bei 1 SHOT wird der Sequenzer nur ein Mal durchlaufen und funktioniert damit wie eine Envelope. FADE blendet den letzten Schritt in den ersten über, was dem Verhalten eines LFOs näher kommt, ist es deaktiviert, gibt es je nachdem einen harten Übergang zwischen Ende und Anfang, was dann eher einen Attack-Charakter aufweist. RESET erzwingt den Neustart der Sequenz bei jeder neu angeschlagenen Note. Normal ist, dass der Sequenzer weiter läuft, so lange die hereinkommenden Noten sich überlappen.
D und R setzen wie üblich den Sequenzer auf die Default-Werte oder würfeln sie zufällig durcheinander.

In diesem Video wird die Modulation durch die drei aktiven Sequenzer zusätzlich noch mal korrespondierend durch die Oberfläche des Instruments Arca visualisiert.

Durch die Matrix

Unter den vier Sequenzern ist die Modulation Matrix. Jede der sechs Regler-Zeilen kann rechts einem MIDI CC Wert zugewiesen werden. Zu einem kontinuierlichen Strom von MIDI-Werten mit dieser CC Nummer (Continuous Control) wird im Ziel-Plugin ein Regler wie der Filter Cutoff zugeordnet. Der Ping-Button ganz rechts dient dazu ein Signal an das Ziel-Plugin zu senden, wenn dort MIDI-Learn aktiviert wurde. Die Spalten der Matrix geben die Modulationsquellen an. Zuallererst die vier Sequenzer, hier werden pro Zeile die Werte in den Quellen addiert, wenn sie positiv sind und subtrahiert, wenn sie nach links auf der negativen Seite des Reglers sind. Sie mischen sich also wie es zwei oder mehrere analoge Wellen aus Audio-Quellen auch tun würden. Bei diesem Prinzip gibt es zwar eigentlich keine Überraschungen, dennoch, wenn hintereinander mehrere Regler auf positiven und negativen Werten stehen, kann das Ergebnis doch anders sein als auf den ersten Blick eingeschätzt.

RND erzeugt einen zufälligen Wert, die Rate mit der er neu gesetzt wird, richtet sich nach dem RND CLOCK Regler ganz rechts. PULSE ist ein Rechteckwellen-Generator, der als Werte entweder Null oder Maximal hoch erzeugt. AFT gibt den Aftertouch-Wert des hereinkommenden MIDI-Kanals weiter, MOD die Werte des Mod Wheels.

All die zusammen gemischten Werte pro Zeile werden durch SCALE auf den vollen Umfang von 100% gebracht oder abgedämpft. BASE gibt dabei den Startwert an, auf den alles andere aufaddiert wird.

Modulation Matrix
Modulation Matrix

Durch die Mischung verschiedener Sequenzer zu einer Modulation ergibt sich auch die Möglichkeit sich beständig subtil oder drastisch ändernder und sich nicht so schnell wiederholender Bewegungen der Regler im Ziel-Plugin. Denn man kann ja die Sequenzer mit einer unterschiedlichen Anzahl von Schritten oder ungeraden Clock-Werten sozusagen polyrhythmisch laufen lassen. Auch der Random-Generator kann zusätzliche dauernde Variationen hineinbringen, viele kleine oder längere etwas andere Zustände der Summe der Modulationen, wenn man die Random Clock langsam laufen lässt. Auch das ließe sich zusätzlich noch von aussen mit Automationskurven steuern oder durch ein weiteres MIDI MOD, wenn man das mit der beständigen Modulationsänderung für längere Passagen auf die Spitze treiben will…

Damit hat man den kompletten Signalweg in MIDI MOD, mit Step Sequenzern als hauptsächlicher Quelle der Modulationssignale, die jedoch auch linear zwischen den Werten der Steps moduliert zu einem LFO werden oder mit der 1 SHOT Option zu einer Hüllkurve.
Sechs Modulations-Ziele sind auch meist dafür ausreichend, was man noch sinnvoll an Modulation in einem Plugin von außen erreichen kann.

Eine Automation von Parametern mit einem MIDI-LFO ist ein etwas anderes Prinzip als das, was man normalerweise mit Automationskurven in den Tracks einer DAW erreichen kann. Repetitiver einerseits, andererseits auch wieder flexibel durch die anderen Quellen, die das Geschehen beeinflussen, wie der Random-Generator oder das Mod Wheel. Dazu kommen noch die 12 Patterns, die sich hinter den den kleinen Buttons zwischen den Sequenzern und der Modulations Matrix verbergen. Sie speichern jeweils die Stellung aller Regler, Buttons und Steps, ausser den CC-Zielen und können durch die Tasten einer Extra Oktave getriggert werden. Wo diese liegt, legt das Auswahlfeld TRIGS bei den Optionen rechts oben fest. Man kann also dynamisch mit 12 verschiedenen Patterns im Verlauf eines Tracks die Modulation komplett ändern.

Pattern Buttons
Pattern Buttons

Mit Hilfe der Pattern lässt sich auch das Morphen zwischen Parameter-Zuständen erreichen. Das ist zwar kein komplettes Preset-Morphing, aber bis zu sechs Parameter, die auf einen bestimmten Zustand gleiten und diesen dann halten und nur durch den Wechsel einer Trigger-Note wieder zurück gleiten können, ist eine interessante Sound-Modulation, die man mit Automationskurven nur mühsam erreicht. Entscheidend ist hierbei der Einsatz des One-Shot Modus und die Abstimmung der Trigger-Noten auf die Melodie-Noten des Instruments.

Generell lässt sich MIDI MOD ausgezeichnet sowohl auf kurze Noten und Phrasen als auch auf lange Abschnitte und sich entwickelnde Sound-Landschaften anwenden. Hier ein Beispiel für einen modulierten Pad-Sound.

Hier noch ein Beispiel für eine Modulation aller sechs möglichen Parameter. Die Wave-Harmonics der Oszillatoren von Darmok werden mit einem völlig auf 2 heruntergedrehten Slope moduliert, bei dem der LFO funktioniert wie ein Step-Sequenzer und zwischen den Werten nicht gleitet. Das ist in dem Fall günstiger.

Der MIDI CC Profile Editor auf einem eigenen Tab ist tatsächlich eine separate Anwendung. Damit kann die Liste bearbeitet werden, die im Hintergrund in die Auswahlmenüs der CC Werte am Ende der Modulations-Zeilen geladen wird. Bleibt der Eintrag zu einer CC Nummer leer, erscheint diese Nummer auch nicht in dem Auswahlfeld. Auch lassen sich Listen mit Zielen in Hardware-Synths erstellen. Die schon vorhandene Liste mit den generellen CC Werten lässt sich am ehesten für VST Plugins verwenden, weil sie die freien, nicht fest einer Funktion zugeordneten Nummern mit enthält.

MIDI CC Parameter Profile
MIDI CC Parameter Profile

Wie bei Fractionate ergänzt auch hier ein MIDI Recorder das Werkzeug und erzeugte CC-Streams und Noten werden aufgezeichnet und lassen sich per Drag & Drop in die DAW ziehen. Was nicht in jeder DAW funktioniert, sie muss auch die Übertragung von MIDI CC Werten zulassen und nicht nur von Noten, wie z.B. FL Studio.

Fazit

Es gibt einige wenige ähnliche MIDI-Werkzeuge, die sich aber nur bedingt mit MIDI MOD vergleichen lassen, jedes hat seine eigene Philosophie. Die bekanntesten sind sicher LFO Tool von XFER Records oder MIDI Shaper von Cableguys. VOLbotM ist recht neu und kann noch extremere und experimentelle Modulationen erzeugen, hat aber einen eingeschränkteren Einsatzbereich. Diese vektorbasierten Ansätze sind optisch eleganter als die Step-Sequenzer, die in Kontakt möglich sind. Aber in MIDI MOD hat man vier Modulatoren, deren Werte sich in der Matrix addieren oder subtrahieren lassen, plus die Random und Pulse Generatoren und die externen Mod Wheel- und Aftertouch-Messages vom Keyboard oder einer Automation in der DAW, die ebenfalls dazu addiert werden können. Komplexe polyrhythmische LFO-Wellenformen oder sich langsam entwickelnde CC-Streams sind damit direkt aus einem Plugin heraus möglich. Damit sind immer lebendig und abwechslungsreich bleibenden Klangvariationen der Instrumente oder Effekte in einer DAW oder externer Hardware kaum mehr Grenzen gesetzt.

Produktseite MIDI MOD bei Homegrown Sounds
https://hgsounds.com/product/midi-mod-for-kontakt/


MIDI Snapper

Neu hinzugekommen zu MIDI MOD ist MIDI Snapper, ein kleines, einfaches Plugin, dass aber über acht MIDI CC Zeilen verfügt, für jede Spalte aber feste Werte ausgibt, also über keine Sequenzer/LFOs verfügt. Man kann so je nachdem besser definierte Klänge festlegen, zwischen denen dann gewechselt wird. Damit wird also abrupt zwischen verschiedenen Zuständen eines Instruments oder Effekts hin und her gesprungen. Getriggert werden die Spalten über Pattern-Buttons oder besser noch mit damit gekoppelten rote Tasten auf der Tastatur von Kontakt, und so lange eine Note spielt, werden diese statischen Werte gehalten. Acht Parameter bekommt man kaum mehr sinnvoll gemappt, aber auch schon weniger können wie bei MIDI MOD den Zustand des Ziels stark verändern – oder eben subtiler variieren.

MIDI Snapper
MIDI Snapper

Video MIDI Snapper

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