„Gutes noch besser machen“ – Presonus Studio One 4 Professional – Update Review

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Ein Testbericht von Klaus Feurich

Nachdem Presonus letztes Jahr seine erfolgreiche DAW „Studio One“ auf die Zwischenversion 3.5 aktualisiert hatte, war es vor wenigen Wochen soweit: Die nächste Vollversion mit der Versionsnummer 4 wurde veröffentlicht. Da wir ja auch die 3.5 ausführlich für euch getestet hatten, ist es natürlich klar, dass wir auch auf die neue Version einen genauen Blick werfen werden.

Bei  meiner Begeisterung über die letzte Version liegt die Messlatte natürlich entsprechend hoch, ob der Schritt auf die nächste Versionsnummer die Erwartungen, die man an einen solchen Schritt hat, auch erfüllt werden.

Also wollen wir mal schauen, ob Presonus es geschafft hat, mit „Studio One 4“ die schon sehr gute Version 3.5 noch besser zu machen.

 

 

Da ich in diesem Testbericht nur auf die Neuerungen von Version 4 zu Version 3.5 eingehen werde, empfiehlt es sich, meinen wesentlich ausführlicheren Test der Version 3.5 zu lesen, wenn man noch nicht mit den Grundzügen, der Funktion und der Ausstattung von „Studio One“ vertraut ist. Den Test der Version 3.5 findet ihr hier: https://www.buenasideas.de/test/musikproduktion/daw/mal-was-anderes-presonus-studio-one-3-5-professional-review/

Inzwischen ist auch schon das erste Update für „Studio One 4“ veröffentlicht worden, wir befinden uns also, wenn man ganz korrekt ist, bereits bei Version 4.01.48247 vom 09.07.2018.

 

Überblick Studio One 4

Die verschiedenen Editionen

Auch „Studio One 4“ gibt es in wieder in den drei verschiedenen Editionen Prime, Artist und Professional. Die Unterschiede im Funktionsumfang haben sich auch nicht geändert. Alle Versionen sind für Windows oder Mac erhältlich.  Wer die Unterschiede genau wissen möchte, schaut bitte einmal hier: https://www.presonus.com/produkte/de/Studio-One/version-auswaehlen

 

Alles neu macht der …ähm… ja…

Schauen wir uns grade einmal im „Schnelldurchlauf“ an, was sich laut Presonus bei „Studio One 4“ alles getan hat. Nicht ohne den Hinweis, dass ich auch dieses Mal wieder die Pro Version vor mir habe.

Fangen wir an mit den auffallendsten Änderungen. Auf ein paar davon werde ich später noch genauer eingehen.

Neu in Presonus „Studio One 4“:

  • Das Tool zur Harmonieerkennung und Bearbeitung
  • Ein wesentlich verbessertes Impact, welches sich jetzt Impact XT nennt
  • Ein verbesserter Sampleplayer namens Sample One XT
  • Ein verbesserter Drumeditor
  • Ein Patternsequencer zur Eventeditierung
  • Die Implementierung von ARA 2.0
  • Notizen für die einzelnen Spuren und den Song
  • Angepasste Aussteuerungsanzeigen für Audiointerfaces
  • Die Ergänzung von AAF (Advanced Authoring Format)
  • Etliche Detail und Stabilitätsverbesserungen

Die wesentlichen Funktionen haben sich nicht geändert.

Und, auch nicht unwichtig, es ist nichts weggefallen gegenüber der Vorgängerversion, so dass man verlustfrei auch Projekte und Songs aus der 3.5 weiterbearbeiten kann.

Aber Achtung: Songs und Projekte, die mit 3.5 erstellt wurden, lassen sich natürlich in Version 4 öffnen, werden aber vor dem Speichern konvertiert und können danach nicht mehr in Version 3.5 geöffnet werden. Version 4.0 gibt aber hierzu einen Hinweis und bietet an, den Song als Kopie zu speichern, so dass beide Versionen erhalten bleiben. Und natürlich lassen sich auch mit „Studio One 4.0“ erzeugte Songdateien nicht in Version 3.5 öffnen.

 

Was wurde verbessert?

Nach dem „Schnelldurchlauf“ dann jetzt mal ein wenig detaillierter. Zumindest die Neuerungen, die wirklich auffallend sind.

„Impact XT“

War „ImpacT“ bisher eher ein Drumsequencer, so ist mit dem Update auf „Impact XT“ aus dem Tool eigentlich eine ausgewachsene MPC geworden. Laut Presonus hat man über 20 von den Anwendern gewünschte Funktionen hinzugefügt.

Die augenscheinlichsten Änderungen sind dabei mehrere Layer innerhalb eines Presets. Und dass es jetzt auch möglich ist, nicht nur einzelne Samples, sondern den Pads ganze Pattern und Parts zuzuweisen und mit Beat-Quantisierung und mit Echtzeit-Timestretching zu triggern.

 

 

Dazu kommt ein gegenüber der alten Version aufgebohrtes Filter, die Möglichkeit Samples zu normalisieren, transponieren und auch rückwärts abzuspielen. Oder auch mehrere Samples auf einem Pad zu stapeln.

Und: „Impact XT“ lässt sich jetzt auf bis zu 32 Monoausgänge routen. Das ist schon nicht ohne und biete noch eine Menge weitere Bearbeitungsmöglichkeiten innerhalb des Mixers von „Studio One 4“.

 

„Sample One XT“

Und so wie „Impact“ sich durch den Zusatz XT zu einem wesentlich mächtigeren Werkzeug entwickelt hat, ist das bei „Sample One“ ähnlich.

Denn in Presonus „Studio One 4“ entwickelt sich „Sample One“ von einem reinen Sampleplayer zu einem vollwertigen Werkzeug zur Bearbeitung von Samples.

 

 

Insbesondere Werkzeuge für die direkte Samplebearbeitung wie Crossfades, Zuschneiden und automatisches Aufteilen von Samples per Gate, Snap-to-zero, auswählbare Sample-Loop-Modi, Songtempo basiertes Time-Stretching, Schneiden und Umkehren von Wellenformen, etc. sind hier dazu gekommen.

Ebenfalls ergänzt wurden natürlich diverse Synthesewerkzeuge, wie mehrere Envelopes, ein Mapping Tool und ein aufgebohrtes Filter, welches mit seinen Möglichkeiten dem von „Impact XT“ entspricht. Was natürlich nicht verwunderlich ist, da es sich bei beiden Tools um die gleiche Engine handeln dürfte.

Was auch sehr schön ist: in der  neuen XT Version lassen sich jetzt mit „Sample One“ auch endlich direkt Samples innerhalb des Tools aufnehmen. Sie müssen also nicht vorher separat aufgenommen und gespeichert werden, jetzt geht das alles innerhalb des Tools. Sehr schön.

 

Patternsequenzer

Ja, ihr lest richtig. „Studio One 4“ verfügt  jetzt auch über einen Patternsequenzer. Großartig. Damit lassen sich Events jetzt nicht mehr nur mit Pianoroll oder Drumeditor bearbeiten, sondern es ist jetzt auch möglich, mit einem Patterneditor zu arbeiten.

 

 

Das macht natürlich grade mit dem neuen „Impact XT“ richtig Spaß, aber natürlich auch mit jedem anderen Drumsequencer. Wobei natürlich bei anderen Sequencern, also z.b. NI „Battery“ oder Arturia „Spark“, erst noch die Instrumente definiert werden müssen, während das bei den Presonus eigenen schon automatisch vorbelegt ist.

Aber das ist natürlich nicht nur bei Drums richtig praktisch, sondern durchaus auch bei allen anderen Instrumenten. Dafür lässt sich der Patterneditor zwischen einer Keyboard- und einer Listenansicht umschalten.

 

 

Grade der Patterneditor ist natürlich auch ein hervorragendes Kompositionswerkzeug. Gibt nun auch nicht grade wenig bekannte und erfolgreiche Produzenten im Elektronikbereich, die auf diese Weise Akkordfolgen zusammen bauen. Also eine großartige Neuerung.

Der Patterneditor verfügt über bis zu 64 Steps und Auflösungen von ½ bis 1/64 inkl. triplets und dotted. Und außerdem Gate, Betonung und natürlich Swing. Dabei sind Eventlänge und die Länge des Patterns unabhängig voneinander. Das Pattern selbst kann also 8 Steps in 1/16-Auflösung haben, das Event selber aber 8 Takte. Das Pattern wird dann einfach entsprechend der Eventlänge wiederholt. Ebenso lässt sich umschalten, ob man die gewählte Note beim „zeichnen“ vorhören möchte oder nicht. Und darüber hinaus kann man innerhalb eines Patterns jede Menge Variationen erzeugen und natürlich auch abrufen. Jede Menge Raum also, um zu experimentieren.

 

Drumeditor

Dem Patternsequencer nicht unähnlich ist der überarbeitete Drumeditor.

 

 

Da hat sich jetzt zwar nicht ganz so viel getan, aber alleine die verbesserte Übersichtlichkeit verdient es, ihn zumindest kurz zu erwähnen.

 

Aussteuerungsanzeige von Audiointerfaces

Wer auch meinen Test vom Presonus „Studio 1824 USB“ Audiointerface gelesen hat (https://www.buenasideas.de/test/musikproduktion/hardware/auf-der-suche-nach-anschluss-testbericht-presonus-studio-1824-usb-interface/), erinnert sich vielleicht an meine Aussage, dass man sich erst an die in der DAW angezeigte Aussteuerung gewöhnen muss. Die Geschichte mit dBu und dBFS. Deswegen zeigte ja die Anzeige in der DAW etwas anderes an, als die am Interface.

Dem hat man sich angenommen und nun zeigt Studio One 4 den Audiopegel korrespondierend zum Interface in dBFS an. D.h. Anzeige am Gerät und in der DAW sind identisch, zumindest bei den Presonus eigenen Interfaces.

Auch das natürlich eine sehr hilfreiche Sache, da man die Aussteuerung am Interface jetzt auch steuern kann, ohne dazu immer den Blick zwischen Interface und Monitor hin und her wandern lassen zu müssen.

 

Notizfunktion

Das klingt im ersten Moment vielleicht unbedeutend, war aber für mich, der mit einigem an externen Klangerzeugern und FX arbeitet, echt etwas, was mir in Version 3 gefehlt hat. Die Möglichkeit, Notizen für die einzelnen Spuren anzulegen. Das geht entweder über das Kontextmenü oder zum Beispiel auch direkt in der Spurinfo.

Um darin dann zum Beispiel Preset oder Bank Nummern und Namen der verwendeten Sounds oder Parameter abzulegen. Denn Spurnamen wie „Spur 5 Basic Pads Chorus Virus C D35 Phattaria“ sind nun nicht grade praktikabel. Jetzt kann ich die Spuren endlich passend fürs Arrangement benennen, und die relevanten Einstellungsoptionen und Preset Bezeichnungen werden einfach schön per Notiz an die Spur angeheftet. Oder die Einstellungen eines extern eingeschleiften Kompressors oder oder oder…

 

 

Ich hab mich schon nach meinem Wechsel von „Samplitude Pro“ auf „Studio One“ extrem oft gefragt, wie man eine solch wichtige Kleinigkeit nicht implementieren kann. Wobei mir das vorher gar nicht aufgefallen ist, WIE wichtig so ein Notepad tatsächlich ist. Merkt man erst, wenn es nicht mehr da ist. Hurra, jetzt gibt es es endlich! Danke dafür!

 

Und als letztes möchte ich dann das hier betrachten. Warum erst zum Schluss?! Nun, weil ich mir lange Zeit nicht wirklich sicher war, was ich davon halten will oder eben nicht.

Der Akkordtrack bzw. das Harmonietool

Ja, wie soll ich sagen, aber mir fällt hier kein Begriff ein, der tatsächlich das wiedergibt, was dieses Tool tatsächlich zu leisten vermag. An sich handelt es sich hier um ein Tool, welches in der Lage ist, von existierendem Audio- oder Midimaterial verwendete Akkorde und Harmonien zu erkennen. Das klingt erstmal extrem unaufgeregt, ist aber tatsächlich wesentlich mächtiger und effizienter, als man erwarten könnte.

Der Reihe nach:
Mit Hilfe des Tools lässt sich eine Akkordspur aus bestehendem Material erzeugen und anschließend bearbeiten. Diese Akkordspur gilt ähnlich wie die Tempospur für das gesamte Arrangement und wird direkt unter der Tempospur angezeigt. Dabei lassen sich Fehlerkennungen entweder manuell über das Harmonierad korrigieren oder aber durch ein angeschlossenes Midi-Keyboard direkt „einspielen“.

 

 

Hat man dann für das gesamte Arrangement oder den Song die Akkordspur fertig gestellt, lässt sich jetzt pro Spur einstellen, ob die jeweilige Spur, egal, ob Midi oder Audio, der Akkordspur folgen soll. Dabei gibt es mehrere Modi, von identisch zum Akkordtool, nächste zur Harmonie passende Note oder nur Grundton, z.B. bei einer Bassspur.

Das wirklich krasse daran ist, dass ich, wenn ich jetzt z.B. eine Gitarrenspur habe und einen Bass dazu einspielen möchte, ich tatsächlich bei aktiviertem „Akkordspur folgen“, quasi nur noch das rhythmische Pattern , mit den passenden Notenwechseln einspielen brauche. Um die Harmonien und korrekten Grundtöne brauche ich mich nicht zu kümmern. Das macht alles das Tool. Nicht beim Einspielen direkt, aber sofort, wenn die Aufnahme beendet ist, wird das umgerechnet.

Und natürlich gilt das auch für eine bereits eingespielte Spur. Auch diese folgt der „tonangebenden“ Akkordspur.

Das ist tatsächlich relativ schwer zu beschreiben bzw. vorstellbar, weswegen ich ausnahmsweise mal auf ein Tutorialvideo der Kollegen von „Studio One Expert“ zurückgreifen möchte, um euch das zu zeigen:

Nicht schlecht, oder?! Und das geht natürlich nicht nur mit dem Grundton von Bass. Sondern natürlich auch mit komplexeren Bassfiguren. Und kompletten Akkorden.

Und wem das noch nicht weit genug geht, nun, es geht ja auch noch weiter:
Denn das Tool kann so den gesamten Song kontrollieren und verändern. Denn Änderungen innerhalb der Akkordspur haben tatsächlich Auswirkungen auf alle anderen Spuren, die an der Akkordspur hängen und ihr folgen. Ich kann also ganze Akkordfolgen ändern, in dem ich einfach nur die Akkordspur bearbeite und muss nicht jedes einzelne Event jeder einzelnen Spur bearbeiten. Und da wird es dann tatsächlich richtig abgefahren. Finde ich.

Klar ist das natürlich in erster Linie bei Midispuren hilfreich. Bei Audiospuren geht das zwar auch, aber bei zu großen Tonhöhenunterschieden zum Ausgangsmaterial kann es hier, rein technisch bedingt, natürlich zunehmend zu Artefakten und Aliasing kommen. Deswegen empfiehlt es sich, Audioparts durchaus neu aufzunehmen. Alleine aber beim Arrangieren kann man sich so eine Menge Arbeit sparen und einfach munter drauf los verschieben und probieren.

Ich muss gestehen, dass ich von dem Tool zu Anfang noch nicht viel gehalten habe und ihm sehr skeptisch gegenüberstand. Grade als jemand, der noch „klassisch“ Harmonielehre etc. gelernt hat, hab ich mich schon gefragt, was ich damit will. Akkorderkennung schön und gut. Aber da hab ich noch nicht gewusst, was dieses Tool wirklich alles kann.  Und das ist an Möglichkeiten und Vereinfachungen innerhalb einer DAW bietet ist wirklich erstaunlich und mich völlig überrascht.

 

Was hat sich nicht geändert?

Nein, es geht tatsächlich mal nicht darum, was alles immer noch nicht funktioniert oder fehlt oder, na ja…

Es geht darum, welche Features von Studio One zum Glück erhalten geblieben sind, die eben schon vorher hervorragend waren und nicht weggefallen sind. Denn sowas gibt’s es ja leider auch immer wieder mal.

Und auf dieser Liste stehen als allererstes Mal folgende Dinge:
Presonus „Studio One 4“ ist immer noch frei von jeglichen Kopierschutzdongles oder iLok oder ähnlichem. Direkt dazu gehört auch, dass auch die neue Version 4 wieder, wie die Vorgängerversion, ebenfalls wieder auf bis zu 5 PCs installiert werden darf. Es ist also wieder bzw. weiterhin möglich, den eigenen Studio PC und den Fieldrecording Laptop gleichermaßen zu bestücken, ohne Dongles oder irgendetwas anderes hin und her stecken oder transferieren zu müssen. Prima. So sollte das immer sein.

Auch erhalten geblieben ist der Umfang der mitgelieferten Instrumente. Also der Basssynth Mojito und der VA Synth Mai Tai sind weiterhin dabei. Da beide sehr gute virtuelle Instrumente sind, wäre es auch Unsinn gewesen, sie raus zu nehmen.

Ebenfalls erhalten geblieben ist der Sampleplayer „Presence XT“. Der hat schon das XT im Namen, der wurde nicht weiter entwickelt. Kommt aber auch wieder mit der entsprechend großen Samplelibraries daher wie in der Vorgängerversion. Auch hier ist also die Abwärtskompatibilität gegeben. Dankeschön. Gleiches gilt für den Pool an Loops .

Auch nicht geändert, und das empfinde ich als großen Pluspunkt, das hab ich bei anderen DAW auch schon anders erlebt: Look and Feel und vor allem Keyboardshortcuts haben sich alle nicht geändert. Auch das „One Screen“-Design glücklicherweise nicht. Für ältere, „unflexiblere“ Produzenten wie mich ist das gut so. Abgesehen davon, dass das Design der Version 3 sowieso schon hervorragen war.

Und natürlich sind alle Funktionen, die man von der 3 kennt erhalten geblieben. Also das Scratchpad, die Möglichkeit Instrumente und FX per Drag’n’Drop in die Spuren zu ziehen, in der Pro Version auch das Projektmanagement,  und so weiter.

 

Was fehlt denn?

Ja, hm, was ganz Grundlegendes: ein deutsches Referenzhandbuch. Bei Presonus bzw. Hyperactive als deutschem Vertrieb findet sich nur die Kurzanleitung für die Installation zum Downloaden, aber kein ausführliches Handbuch. Klar kann man auf das Referenzhandbuch der Version 3.5 zurückgreifen, aber da sind natürlich grade die neuen Funktionen von „Sample One XT“, „Impact XT“ und natürlich der Akkordspur nicht drin. Autschn.

Fand ich das direkt nach Release noch verschmerzbar, ist es jetzt, ein Vierteljahr später, schon böse, dass das immer noch fehlt.

Immerhin gibt es zwar ein englisches Handbuch, aber: die deutsche Programmversion erkennt das englische Handbuch bei automatischer Installation nicht. Erst wenn man das Handbuch einmal manuell nach installiert hat, wird es von Studio One 4 erkannt. Und wer des Englischen nciht richig mächtig ist, hat halt Pech gehabt.

Nun, die grundliegenden Funktionen haben sich zwar nicht verändert, aber für Neueinsteiger in der Version 4 ist das schon ein herbes Manko. Da würde ich mir dringend wünschen, dass da bald eine deutsche Version nachgelegt wird.

 

Wie sieht es in der Praxis aus

Sind wir mal ehrlich, das meiste hab ich ja jetzt schon beschrieben. Und der bereits in der 3.5 exzellente Workflow, grade mit Drag’n’Drop von FX und Instrumenten, die Möglichkeit Favoriten anzulegen und Presets direkt bei Auswahl aus dem Instrumenten- und Effektpool mitzuladen, bleibt natürlich komplett erhalten. Alles andere wäre auch ein Rückschritt gewesen.

Aber es wird grade durch den Patterneditor zum Teil eben noch einfacher und praktikabler, Events und Parts zu bearbeiten. Und trotzdem bleibt alles überschaubar und wirkt nicht überfrachtet.

Was mich hingegen erst auf den zweiten Blick richtig vom Hocker gehauen hat, ist jedoch das Tool zur Harmoniebearbeitung bzw. die Akkordspur. Grade mal eben die Harmonien aus einem angelieferten Track oder einer Loop extrahieren – kein Problem. Aber dann: Akkordspur anlegen, und einfach auch ohne tiefgreifende Kenntnis der Harmonielehre mal eben eigene Parts ergänzen – unbezahlbar. Die Harmoniefolge gefällt noch nicht richtig?! Gut, einfach in der Akkordpsur ein wenig rum probieren, bis es passt. Und das gesamte Arrangement folgt. Ohne auch nur ein weiteres Event bearbeiten zu müssen. Heftig.

Das Zusammenspiel mit Presonus eigener Hardware, wie Audiointerfaces und auch den Faderports läuft subjektiv auch noch ein bisschen geschmeidiger als vorher. Grade die korrekte Pegelanzeige der Interfaces ist natürlich ein großer Vorteil.

 

Zusammenfassung

Und jetzt kommt sie, die alles entscheidende Frage: Lohnt sich das Update von „Studio One“ Version 3.5 auf Version 4.

Oberflächlich und im ersten Moment betrachtet möchte man vielleicht mit einem entschiedenen „Jein“ antworten. Denn die offensichtlich und auf den ersten Blick auffallendsten Neuerungen sind die Verbesserungen von „Impact“ und „Sample One“ sowie die Ergänzung um das Harmonietool. Und wer die tatsächlich nicht nutzt oder braucht oder meint sie nicht zu brauchen, mag sich zu Recht die Frage stellen, ob man das Update denn dann braucht.

Auf den zweiten Blick zeigen sich dann aber auch die nicht ganz so offensichtlichen Verbesserungen bei „Studio One“. Und das sind meiner Meinung nach die entscheidenderen. Abgesehen von dem Killerfeature des Akkordtrack, was sich aber eben auch erst auf diesen zweiten Blick wirklich und in seiner ganzen Tiefe offenbart.

Insbesondere sind da dann die Ergänzung um den Patterneditor, den verbesserten Drumeditor und weitere durchaus kleinere Verbesserungen, wie das – ja ich lebe von Wiederholungen – Notizpad zu erwähnen. Und grade diese kleineren, vermeintlich unbedeutenden Verbesserungen machen in meinen Augen tatsächlich wesentlich mehr aus, als die zunächst offensichtlicheren Neuerungen. Und das in einem Umfang, dass es in meinen Augen auch so schon völlig gerechtfertigt ist, dies nicht als kostenfreies Update zur Verfügung zu stellen, sondern daraus ein kostenpflichtiges Majorupdate zu machen.

Und natürlich wurde auch im nicht sichtbaren Bereich einiges verbessert. Sei es die Implementierung von ARA 2.0 und natürlich Fixes und Bugeliminierung oder weitere erhöhte Stabilität.

Von daher möchte ich die Frage, ob sich das Update auf „Studio One 4“ lohnt auf den zweiten und genaueren Blick ganz entschieden mit JA beantworten. Es lohnt sich! Definitiv.

Insbesondere auch bei dem minimalen Preis von unter 150,- € beim Update von den vorhergehenden Pro Versionen auf die aktuelle Pro Version. Das Update der Artist Edition (jede vorherige Artist Edition  auf Artist 4) ist natürlich mit gut 48€ günstiger. Wobei die zugekauften Add-ons der 3er Version natürlich weiter verwendet werden können. Grade auch der VST Adapter in der Artist Edition. Und natürlich gibt es auch entsprechende Crossgrade Optionen. Die Preise der Vollversionen für Neueinsteiger liegen weiterhin auf dem Niveau der Vorversion (s. u.).

Somit kann ich das Update uneingeschränkt empfehlen. Bei den Platzhirschen ist für so ein Update wesentlich mehr hinzulegen.

Für die, die jetzt immer noch unschlüssig sind und erst selber ausprobieren möchten, ob es sich das Update bzw. der Einstieg in die Studio One Welt lohnt:
Es gibt auch bei Version 4 wieder eine auf 30 Tage beschränkte, jedoch vollfunktionsfähige Testversion von Studio One. Diese lässt sich auch problemlos parallel zur Vorgängerversion installieren. Bitte habt nur im Kopf, dass mit Version 4 bearbeitete und erstellte Songs nicht mehr in der älteren Version geöffnet werden können. Und probiert unbedingt mal das Harmonietool.

 

Fazit

Mit vielen, kleinen Detailverbesserungen und der wesentlichen Verbesserungen einiger Onboardtools schafft es das Update auf Version 4 von Presonus DAW „Studio One“ tatsächlich, eine bereits sehr gute Recordingsoftware weiter zu verbessern. Grade das Harmonietool ergänzt „Studio One“ um ein gewaltiges, powervolles Tool im Bereich Komposition und Arrangement.

Der Ansatz, den man schon den Vorversionen sehen konnte, dass man sich bei Presonus die besten und wichtigsten Features der anderen DAW abschaut und in Studio One vernünftig und nicht überfrachtet zusammenfasst, wird auch mit diesem großen Majorupdate auf Version 4 konsequent weiterverfolgt. Sei es über den neuen Patterneditor, das Harmonietool bzw. die Akkordspur oder auch nur über die Weiterentwicklung der „Impact“ und „Sample One“ zugrundeliegenden Engine bis hin zu vielen „Kleinigkeiten“ wie einem Notepad für die einzelnen Spuren.

Und das zu einem moderaten und mehr als vernünftigen Preis für das Update.

Und für die, die noch nicht mit „Studio One“ arbeiten: Jetzt ist der beste Zeitpunkt, damit anzufangen 😉

 

Plus:

+ neu: Akkordspur/Harmonietool

+ Sample One und Impact wurden zu vollwertigen Werkzeugen verbessert

+ korrekte Aussteuerungsanzeige digitaler Audiointerfaces

+ neu: Notizfunktion für Spuren und Songs

+ neu: Patterneditor

 

Minus:

–  Noch kein deutsches Handbuch

 

Bezugsquellen

Die Recordingsoftware „Studio One 4“ ist u.a. direkt über die Seite des Herstellers Presonus oder die diversen (Online-)Fachhändler als Download oder auf USB-Stick erhältlich.

Auch bei Version 4 ist es wieder möglich, nach Anlegen eines Accounts bei Presonus eine auf 30-Tage befristete, ansonsten jedoch uneingeschränkte Demoversion der Professional Edition zu bekommen.

http://www.presonus.com/produkte/de/Studio-One/jetzt-mit-studio-one-starten

 

Die Preise der einzelnen Editionen:

 

„Studio One 4“ Prime: kostenlos

 

„Studio One 4“ Artist: ca. 98€

Upgrade von allen Vorversionen von „Studio One“ Artist: ca. 48€!

(das zusätzliche  Add-on für die VST Unterstützung kostet ca. 90€)

 

„Studio One 4“ Professional: ca. 392€

Upgrade von allen Vorversionen von „Studio One“ Professional oder Producer: ca. 146€!

Es werden keine Dongles, eLicenser oder iLok benötigt!

 

Weitere Informationen auf der Herstellerseite:

http://www.presonus.com/produkte/de/Studio-One

 


Klaus Feurich
Über Klaus:
Musiker und Techniker: Keyboards, Gitarre, Sounddesign, Ton- und Studiotechnik, Computertechnik
http://lunymarmusic.com

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