Testbericht: ESI M8U eX MIDI-Interface – Veni, MIDI, vici!

Ein Testbericht von Perry Staltic
veröffentlicht am 01.07.2019

Von den Produkten der in Süddeutschland beheimateten ESI AUDIOTECHNIK GmbH hatten wir in den vergangenen Jahren bereits einige bei uns im Testlabor (Nahfeldmonitore, Audio-Interface, Monitor-Controller) und konnten diesen dabei durchweg unsere Empfehlung aussprechen, da sie allesamt mit guter Qualität zu fairen Preisen aufzuwarten vermochten.

Auch in meinem privaten Heimstudio werkelt so manches Gerät von ESI, das meiste davon stammt dabei sogar noch aus dem letzten Jahrzehnt und verrichtet seine Dienste nach wie vor einwandfrei, auch unter den aktuellen Windows-Versionen, was heutzutage ja leider nicht die Regel darstellt.

MIDI-Interfaces befinden sich ebenfalls schon sehr lange im Portfolio des Herstellers, die aktuelle Generation führt die Modellbezeichnungen M8U eX und M4U eX. Ersteren dieser zwei Kandidaten hatte ich zum Test hier, da sich das M4U eX technisch jedoch lediglich in der Anzahl der zur Verfügung stehenden MIDI-Ports sowie in den dadurch bedingten geringeren Gehäuseabmessungen von seinem großen Bruder unterscheidet, vermag dieser Testbericht prinzipiell beide Geräte abzudecken.

Und wer übrigens bisher dachte, dass sich dem Thema MIDI-Interface wohl kaum noch wirklich interessante Neuerungen hinzufügen lassen, den belehrt ESI mit seinen Neulingen sehr schnell eines Besseren…

ESI M8U eX - Produktfoto des Herstellers
ESI M8U eX – Produktfoto des Herstellers

Totgeglaubte leben länger…

Es gibt wohl kaum eine andere digitale Schnittstelle, die nun schon über dreieinhalb Jahrzehnte existiert und trotzdem immer noch nicht obsolet ist, als MIDI (was bekanntlich nur die Kurzform von „Musical Instruments Digital Interface“ darstellt). Zunächst wurden darüber nur Synthesizer, Sampler, Sequencer und Drum Machines miteinander verbunden, später kamen dann auch noch der Computer und diverse andere Gerätschaften mit ins Spiel. Da außer dem seligen ATARI ST aber kein Rechner von Haus aus eine integrierte MIDI-Schnittstelle mitbrachte, benötigte man für andere Computer-Plattformen immer schon ein zusätzliches MIDI-Interface (wenn man jetzt einmal über die Verwendung des früher häufig auf Soundkarten anzutreffenden Gameports hinwegsieht…), und so ist es auch heute noch.

Okay, auf so manchem Audio-Interface, das für die Musikproduktion konzipiert wurde, findet sich traditionellerweise zwar ebenfalls eine MIDI-Schnitstelle, doch in der Regel nur mit je einem Ein- und Ausgang, was in umfangreicheren computerbasierten Setups mit mehreren externen MIDI-Geräten einfach viel zu wenig ist, wenn man nicht auf eher unpraktikable Daisy Chains oder auf Thru-Boxes ausweichen möchte.

Auch wenn es bereits zahlreiche MIDI-Keyboards oder -Controller gibt, die direkt via USB mit dem Rechner verbunden werden, so haben die altbekannten 5-poligen DIN-Buchsen, wie es scheint, noch lange nicht ausgedient. Ich persönliche ziehe ebenfalls den Anschluss darüber vor, ganz einfach deshalb, weil man die Geräte dann nach Bedarf ein- und ausschalten kann, während beispielsweise USB-MIDI-Geräte in der Regel vor dem Start der DAW aktiv sein müssen, damit sie von der Software erkannt werden und diese auch darauf zuzugreifen vermag (eine sehr rühmliche Ausnahme stellt hier übrigens ACOUSTICA MIXCRAFT 8 dar, welches auch im laufenden Betrieb das Ein- und Auschalten von USB-MIDI-Geräten erlaubt!).


Darbietung…

Kamen seine Vorgänger (M8U und M8U XL) noch im 19“-Studiorackformat daher, so handelt es sich beim M8U eX überraschenderweise um ein reines Desktop-Gerät, es werden also auch keine Rack-Ohren zum Anschrauben mitgeliefert.

ESI M8U eX - Frontansicht
ESI M8U eX – Frontansicht

Dies dürften manche Anwender möglicherweise bemängeln, allerdings befinden sich beim M8U eX jeweils acht MIDI-Anschlüsse auf der Vorder – und auf der Rückseite (bei den früheren 19“-Modellen waren es dagegen nur je zwei Anschlüsse auf der Vorderseite), so dass bei einem Rackeinbau dann ja auch gleich bis zu acht MIDI-Kabel vor dem Rack herumbaumeln würden, was wohl auch nicht unbedingt wünschenswert ist.

Wer dennoch nicht auf das gewohnte 19“-Format verzichten will, dem bleibt noch der Erwerb einer dieser kleinen Rackwannen, wie sie etwa in der Bucht für ein paar Euronen feilgeboten werden.

ESI M8U eX - Rückansicht
ESI M8U eX – Rückansicht

Die Verarbeitung macht einen robusten und wertigen Eindruck. Das Gehäuse besteht größtenteils aus gebürstetem Metall und gleicht mit seinem edel wirkenden Farbton in rot-metallic den aktuellen Audio-Interfaces von ESI. Die Seitenteile und die Rückwand bestehen aus Kunststoff, aber einem der stabileren Sorte, also auch hier kein Grund zur Klage.

Das M8U eX ist – ebenfalls im Gegensatz zu seinen Ahnen – ein USB 3.0-Gerät, doch ist es natürlich auch abwärtskompatibel zur älteren und langsameren USB 2.0-Schnittstelle. Ein passendes, rund eineinhalb Meter langes USB 3.0-Kabel befindet sich im Lieferumfang.

Und obgleich auch die Stromversorgung des MIDI-Interfaces über den USB-Port erfolgt, liegt dem M8U eX zusätzlich noch ein kleines 5-Volt-Netzteil mit vier verschiedenen Steckdosen-Adaptern („Reisestecker“) bei, denn das Gerät beherbergt praktischerweise auch gleich noch noch einen USB 3.0-Hub mit drei Anschlüssen, an die man beispielsweise seine Controller, Dongles oder sonst irgendwas anstecken kann.

Dieser Hub benötigt zum Betrieb dann aber zwingend das separate Netzteil, ohne dieses werden selbst eingesteckte Speichersticks, die ja nicht gerade viel Strom benötigen, nicht vom Rechner erkannt. Wer den USB-Hub allerdings nicht benötigen sollte, sondern lediglich das MIDI-Interface nutzen möchte, der kann auch getrost auf das Netzteil verzichten, zumindest beim alleinigen Betrieb an einem Rechner.

Denn das M8U eX kann auch ganz ohne Computer verwendet werden und bietet dann verschiedene Modi, die mit Hilfe eines Tasters nebst eigener Status-LED auf der rechten Seite durchgeschaltet werden können.

Auf der Unterseite finden sich drei versenkt angebrachte DIP-Schalter, mit der spezielle Einstellungen am M8U eX vorgenommen werden können, doch dazu gleich mehr.

ESI M8U eX - Detailansichten
ESI M8U eX – Detailansichten

Ansonsten ist auf der Rückseite noch die obligatorische Einkerbung für ein Kensington-Lock zur Abwehr von Gelegenheitslangfingern ohne Seitenschneider vorhanden, bei einem reinen Studiobetrieb ist diese aber wohl eher irrelevant.

Die von ESI offiziell unterstützten Betriebssysteme sind WINDOWS 7, 8 und 10 sowie MAC OS X. Als Class Compliant Device benötigt das M8U eX keine Treiber, gleichwohl bietet ESI aber einen optional verwendbaren MIDI-Port-Treiber für einen eventuellen Multidevice- bzw. Multiclient-Einsatz an. Damit können dann beispielsweise mehrere Anwendungen gleichzeitig auf das Interface zugreifen.

Ob das M8U eX auch kompatibel zu iOS oder zu LINUX ist, vermochte ich mangels entsprechender Systeme zwar leider nicht selbst zu testen, ich erhielt jedoch von ESI die Auskunft, dass dies tatsächlich der Fall sein soll was bei einem „class compliant“ ausgewiesenen Gerät ja eigentlich auch keine große Überraschung darstellt…). Dafür kann ich allerdings aus eigener Erfahrung bestätigen, dass das M8U eX auch mit ANDROID-Geräten funktioniert.

Neben einer gedruckten Bedienungsanleitung in Deutsch und Englisch (je drei Seiten, mehr braucht es für das M8U eX auch gar nicht) befindet sich übrigens auch noch ein postkartengroßer Gutschein im Karton, auf dem die Seriennummern für drei Plugins der tschechischen Software-Schmiede AUDIFIED (inTone 2 ESI Edition, GK Amplifikation 2 LE und ampLion Free) vermerkt sind, die ESI noch als Goodies spendiert. Die Plugins selbst müssen dann bei AUDIFIED heruntergeladen werden.


Bäumchen wechsle dich…

Normalerweise bieten MIDI-Interfaces ja eine festgelegte Anzahl von Eingängen und Ausgängen, häufig in symmetrischer Ausführung, also nach dem Schema 2:2, 4:4 oder 8:8. Zumindest war dies in der Vergangenheit so, denn beim M8U eX ist das ganz anders.

Zwar gibt es auch hier acht MIDI-Buchsen auf der Vorderseite und ebenso viele auf der Rückseite, doch ist hier meines Wissens zum ersten Mal nicht vordefiniert, welcher Port als Eingang und welcher als Ausgang zu dienen hat, denn das M8U eX verfügt über eine automatische Port-Erkennung.

Das bedeutet, dass man seine MIDI Gerätschaften im Prinzip anschließen kann wie man lustig ist. Beispielsweise könnten MIDI-In und MIDI-Out eines Synthesizers direkt an benachbarte Ports des M8U eX angedockt werden. Okay, das ist jetzt sicherlich noch keine sonderlich spektakuläre Sache.

ESI M8U eX - frei belegbare MIDI-Ports(Serviervorschlag)
ESI M8U eX – frei belegbare MIDI-Ports (Serviervorschlag…)

Der größte Vorteil dieses Systems liegt aber auf der Hand: Der Anwender vermag nun ganz nach individuellem Bedarf selbst zu entscheiden, wie viele Eingänge und Ausgänge sein MIDI-Interface ausweisen soll (natürlich immer unter Berücksichtigung der maximal verfügbaren Port-Anzahl, beim M8U eX also sechzehn Ports, beim kleineren M4U eX dementsprechend acht Ports).

In meinem eigenen Heimstudio etwa habe ich noch die erste Generation der MIDI-Interfaces von ESI im Einsatz, namentlich das M8U und das M4U. Insbesondere beim M8U, habe ich momentan nur etwa zwei oder drei der acht Eingänge belegt, während es bei den ebenfalls acht Ausgängen mittlerweile schon so knapp wird, dass ich dort derzeit gar nicht alle meine Geräte gleichzeitig angeschlossen habe. Wenn ich den selben Gerätepark hingegen an das M8U eX andocke, dann erfolgt die Verteilung der zur Verfügung stehenden Ports deutlich ergonomischer und ich habe dann sogar noch etwas Luft nach oben für künftige Geräte, ohne das dann gleich auch ein neues MIDI-Interface notwendig wird.

Innerhalb des genutzten MIDI-Programms auf dem Rechner, also üblicherweise einer DAW oder einem Synthesizer usw., muss man logischerweise noch festlegen, welcher Port jetzt wie von der Software genutzt werden soll. Die funktioniert wie bei herkömmlichen MIDI-Interfaces auch, im Gegensatz zu diesen ist hierbei lediglich zu beachten, dass in den entsprechenden MIDI-Auswahlmenüs der Programme stets alle sechzehn Ports sowohl unter Eingängen als auch unter den Ausgängen aufgelistet werden.

MIDI-Port-Zuordnung in der DAW
MIDI-Port-Zuordnung in der DAW, hier am Beispiel REAPER (links) und ENERGY XT (rechts)

Man sollte also bei der Zuordnung kurz etwas Konzentration walten lassen, damit man auch die jeweils richtigen Ports auswählt und nicht etwa versehentlich einen eigentlich als Eingang verwendeten Port einem Ausgang in der DAW zuweist (oder umgekehrt).

Die acht zweifarbigen LEDs, die sich links auf der Vorderseite des M8U eX befinden, halten einen dabei übrigens immer auf dem Laufenden darüber, welcher Port denn nun als MIDI-In und welcher als MIDI-Out verwendet wird, denn während sie eine Nutzung als Eingang mit einem grünen Leuchten quittieren, schalten sie bei einem Ausgang auf rot um.

Das System mit der automatischen Erkennung und flexiblen Nutzung von MIDI-Ports finde ich so praktisch, dass ich mich jetzt tatsächlich ernsthaft frage, wieso es eigentlich so lange gedauert hat, bis jemand mal auf diese Idee gekommen ist…


Einzelgänger…

Wie bereits weiter oben erwähnt, lässt sich das M8U eX auch völlig ohne Computer verwenden, wenngleich wohl niemand ein solches Gerät erwerben wird, wenn er es denn nicht auch vorrangig an einem Rechner einsetzen will.

Die Standalone-Modi des M8U eX, drei an der Zahl, lassen sich tatsächlich nur dann aktivieren, wenn kein Computer angeschlossen ist (bei meinem alten M8U gibt es ebenfalls einen einfachen Standalone-Modus, der aber auch bei Anschluss an einen laufenden Rechner funktioniert). Dazu muss dann entweder das mitgelieferte Netzteil oder alternativ auch eine beliebige USB-Stromquelle angestöpselt werden.

ESI M8U eX -- Standalone-Betriebsart WEITERLEITUNGSMODUS
ESI M8U eX — Standalone-Betriebsart WEITERLEITUNGSMODUS

Die erste Betriebsart nennt sich WEITERLEITUNGSMODUS und ähnelt prinzipiell dem Standalone-Modus der früheren MIDI-Interfaces von ESI, hierbei werden nämlich einfach acht Eingangsports auf ebenfalls acht Ausgangsports durchgeschliffen, wobei die Zuordnung nicht flexibel durch den Anwender erfolgen kann, sondern von ESI vorgegeben ist, also sozusagen festverdrahtet. Port 1 wird dann nämlich auf Port 3 geroutet, Port 2 auf Port 4, Port 5 auf Port 7, Port 6 auf Port 8 usw. Wer diesen Modus zu nutzen gedenkt, der sollte sich somit tunlichst bereits beim Anschluss seiner MIDI-Geräte ans M8U eX überlegen, welche Reihenfolge hier tatsächlich auch Sinn macht. Die entsprechend grün und rot leuchtenden LEDs auf der Vorderseite helfen einem dabei einmal mehr die Übersicht zu bewahren.

ESI M8U eX -- Standalone-Betriebsart MIDI THRU MODUS
ESI M8U eX — Standalone-Betriebsart MIDI THRU MODUS

Eine Betätigung des MODE-Tasters schaltet um auf den MIDI THRU MODUS, bei dem Port 1 zum Eingang (grüne LED) definiert wird, während die Ports 2 bis 16 zu Ausgängen (rote LEDs) werden. Alles was auf Port 1 an MIDI-Daten eingeht wird identisch an die restlichen fünfzehn Ports weitergereicht, und aus dem M8U eX wird somit ein 1auf15-Verteiler. Beispielsweise ließe sich so mit einem Hardware-Sequencer bis zu fünfzehn Klangerzeuger ansteuern, ohne das man dazu eine sogenannte Daisy Chain zusammenstecken müsste, die eine MIDI-Thru-Buchse an jedem außer dem ersten und dem letzten Gerät in der Kette erforderlich machen würde und die zudem auch nicht gerade sonderlich förderlich für das MIDI-Timing wäre.

ESI M8U eX -- Standalone-Betriebsart MIDI MERGE MODUS
ESI M8U eX — Standalone-Betriebsart MIDI MERGE MODUS

Ein weiterer Druck auf den MODE-Taster bringt schließlich die dritte und letzte Standalone-Betriebsart zutage, den MIDI MERGE MODUS, der sozusagen die Umkehrung des MII THRU MODUS darstellt. Hierbei werden die Ports 1 bis 15 zu Eingängen (grüne LEDs) und Port 16 wird zum Ausgang (rote LED), und sämtliche auf den fünfzehn Eingängen anliegenden MIDI-Signale werden miteinander verschmolzen und dann auf den Ausgang weiterleitet. Ein Vielzahl an MIDI-Eingabegeäten, wie etwa Keyboards, Drumpads oder Controller könnten somit einen Sequencer oder auch einen Klangerzeuger ansteuern (obgleich man dabei wohl eher selten ganze fünfzehn Geräte auf einmal benötigen wird…).

Wenn ich gerade von sämtlichen anliegenden MIDI-Signalen gesprochen habe, so habe ich hierbei eine einzige Ausnahme unterschlagen, nämlich MIDI-SysEx, also die herstellerspezifischen, systemexlusiven Daten, mit denen beispielsweise die Presets eines Synthesizers übertragen werden können (ganz früher, bei meinen TX16W-Samplern habe ich auf diesem Wege mangels Alternativen sogar ganze Samples tröpfchenweise zum Editieren an den ATARI ST und anschließend wieder zurück übertragen, und damals hatte der Begriff „Geduld“ dadurch auch eine völlig neue Qualität für mich erhalten…). Diese SysEx-Daten werden beim M8U eX im MIDI MERGE MODUS lediglich an Port 1 entgegengenommen, an den Ports 2 bis 15 jedoch ignoriert, denn würde man sie einfach wahllos zusammenwürfeln, käme am Ausgang nur noch sinnfreie Datengrütze an…

In einem rechnerbasierten Musikstudio stellen diese drei Standalone-Modi nun nicht unbedingt eine zwingende Notwendigkeit dar, dennoch ist es ganz nett, sie für die eine oder andere Eventualität mit an Bord zu haben.


Mäuseklavier…

Bereits erwähnt hatte ich die drei DIP-Schalter (Dual Inline Package), die sich in einer kleinen Gehäuse-Aussparung auf der Unterseite des M8U eX befinden und die weitere Anpassungen an die eigene Betriebsumgebung ermöglichen. Laut Bedienungsanleitung können Einstellungen nur dann getätigt werden, wenn das M8U eX weder via USB am Rechner hängt, noch am Netzteil angeschlossen ist, also lediglich in einem komplett stromlosen Zustand.

Da wohl nur Ant-Man oder Mister C. in der Lage sein dürften, diese winzigen Schalter mit ihren Fingern zu bedienen, benötigt man zur Durchführung von Einstellungen einen passen Gegenstand, wie etwa einen (sehr) kleinen Schraubendreher, eine Kugelschreibermine oder auch eine aufgebogene Büroklammer und dergleichen, was man halt gerade so zur Hand hat. Solche Einstellungen nimmt man für gewöhnlich auch nicht andauernd vor, sondern normalerweise gemäß dem Motto „set and forget“.

ESI M8U eX - DIP-Schalter auf der Unterseite
ESI M8U eX – DIP-Schalter auf der Unterseite

Der erste DIP-Schalter (das ist der, der sich am nächsten zur Gehäusemitte befindet) ist immer dann sehr praktisch, wenn man zwei M8U eX gleichzeitig einsetzen möchte, etwa weil man ob seines umfangreichen Equipments einfach mehr als „nur“ sechzehn Ports benötigt. Mit Hilfe des DIP-Schalters lässt sich in einem solchen Fall jedem der beiden Einheiten eine eigene ID zuordnen (A oder B).

Der angeschlossene Computer bzw. das Betriebssystem darauf ist dann in der Lage, die beiden ansonsten ja identischen Geräte voneinander zu unterscheiden und sich diese Zuordnung zu merken, selbst wenn eine der Einheiten mal vorübergehend ausgeschaltet war. So erscheinen dann auch in der DAW die zugewiesenen MIDI-Ports in ihrer gewohnten Reihenfolge werden nicht unerwünscht vertauscht.

Da der DIP-Schalter ja nur zwei Zustände kennt (EIN oder AUS), funktioniert dieser ID-Trick eben auch nur mit zwei Geräten. Wer darüber hinaus noch weitere Einheiten an den Rechner anzuschließen gedenkt, der kann dies selbstverständlich tun, dann kann es lediglich schon mal zu Verwechselungen von Seiten der Software kommen, so wie beim gleichzeitigen Einsatz mehrerer identischer MIDI-Interfaces anderer Modellreihen eben auch, weil eventuell mal das eine Gerät und mal das andere Gerät zuerst initialisiert wurde.

Der zweite DIP-Schalter dient der Aktivierung des MIDI RUNNING STATUS. Dieser stellt quasi so etwas wie eine Komprimierung des Datenstroms dar, indem das sogenannte Statusbyte eines MIDI-Befehls, welches normalerweise den Datenbytes vorangestellt ist, bei mehreren gleichartigen Befehlen nicht jedes Mal erneut gesendet wird (sondern nachfolgend nur noch die reinen Datenbytes). Dadurch wird die Gesamtmenge der zu übertragenden MIDI-Daten etwas ausgedünnt, was bei einer derart langsamen Schnittstelle, wie sie MIDI halt nun einmal ist, durchaus gewisse Geschwindigkeitsvorteile bringen kann, zumindest in umfangreicheren Setups mit vielen zu sendenden Befehlen.

Heutzutage sollten MIDI-Geräte eigentlich störungsfrei mit diesem RUNNING STATUS umgehen können, lediglich bei sehr altem Equipment aus der Frühzeit der MIDI-Entwicklung kann es vereinzelt zu Problemen kommen, dann empfiehlt es sich, den DIP-Schalter des M8U eX wieder auf AUS zu stellen.

Mit dem dritten DIP-Schalter schließlich kann man das M8U eX vom USB 2.0 KOMPATIBILITÄTSMODUS (der Auslieferungszustand ab Werk) in den USB 3.0 HIGH PERFORMANCE MODUS umschalten, was sich insbesondere für neuere Betriebssysteme wie WINDOWS 10 empfiehlt, während man bei WINDOWS 7 möglicherweise dem USB 2.0 KOMPATIBILITÄTSMODUS den Vorzug geben sollte. Im Zweifel sollte man es einfach mal ausprobieren, an meinem Studiorechner (WINDOWS 7 PRO 64 bit) etwa lief das M8U eX in beiden Modi völlig problemlos, und ich vermochte im Betrieb keinerlei Unterschiede zu entdecken.

Der eingebaute USB 3.0-Hub wird davon übrigens nicht beeinflusst, dieser bleibt auch im USB 2.0 KOMPATIBILITÄTSMODUS weiterhin ein waschechter USB 3.0-Hub. Aber dies natürlich auch nur dann, wenn das M8U eX tatsächlich an einem richtigen USB 3.0-Port angeschlossen ist, logisch!

Allgemein muss man hier auch mal anmerken, dass die gute alte MIDI-Schnittstelle sowieso derart lahmarschig ist, dass es meiner Meinung nach in der Praxis wohl relativ wenig Unterschied machen dürfte, ob die MIDI-Daten nun via USB 3.0 oder USB 2.0 (oder gar noch USB 1.0/1.1) zum M8U eX gelangen, letztendlich müssen sie sich dann ja doch alle durch den engen MIDI-Flaschenhals quetschen… 😉


Einsatz in Manhattan…

Zunächst einmal hatte hatte ich das M8U eX während des Tests an unseren beiden Studio-Rechnern (Desktop sowie Laptop) unter WINDOWS 7 bzw. WINDOWS 10, jeweils in der 64-bit-Variante, im Einsatz. Hier gab es angefangen von der Installation (anstöpseln und fertig…) über die Port-Konfiguration in verschiedenen DAW-Programmen bis hin zum Betrieb mit diversen MIDI-Controllern und Hardware-Synthies keinerlei Auffälligkeiten zu berichten. Mit anderen Worten, das M8U eX verrichtete seinen Dienst exakt so, wie man es erwartet.

Das gilt übrigens nicht nur für das eigentliche MIDI-Interface selbst, sondern gleichfalls für den eingebauten USB 3.0-Hub, an dem angeschlossene Massenspeicher ebenso einwandfrei funktionierten, wie Kopierschutz-Dongles oder Eingabegeräte aller Art.

Aus Neugier habe ich das Gerät auch einmal via OTG-Kabel mit meinem uralten Billig-Tablet mit ANDROID 4.1 drauf verbunden, und siehe da, es wurde dort ebenfalls sofort erkannt, und anschließend konnte ich mit der App TOUCHDAW problemlos meinen MicroBrute über das M8U eX ansteuern. Hierbei war dann zwar das mitgelieferte Netzteil des M8U eX notwendig, aber das Tablet ließ sich dann darüber praktischerweise auch gleich aufgeladen. Und ein testweise an den USB-Hub angesteckter Speicher-Stick wurde von ANDROID übrigens ebenso klaglos eingebunden.

Ab ANDROID 6 lässt sich USB-MIDI ja sogar auf Betriebssystemebene aktivieren, allein ein fehlendes OTG-Kabel mit passendem USB-C-Stecker hat mich leider davon abgehalten, das M8U eX auch einmal an einem neueren Marken-Smartphone mit ANDROID 8.1 drauf testen zu können…


Fazit:

Schön, dass das Thema MIDI-Interface doch noch nicht ad acta gelegt worden ist und dass sich ein Hersteller hierzu noch ein paar neue Gedanke gemacht hat. Es mögen auf den ersten Blick vielleicht nur Marginalien sein, mit denen ESI sich hier gegenüber der Konkurrenz zu behaupten versucht, aber eben diese vermeintlichen Kleinigkeiten erweisen sich in der Praxis als ausgesprochen nützlich, allen voran die automatische Port-Erkennung, die dem Anwender eine freie Konfiguration der verfügbaren MIDI-Buchsen bietet, abseits vom starren Prinzip fest definierter Ein- und Ausgänge bei vergleichbaren Geräten anderer Hersteller.

Klar, der integrierte USB 3.0-Hub und die verschiedenen Standalone-Modi mögen für manche bloß nette Beigaben sein (für mein persönliches Setup etwa sind sie eher irrelevant), je nach geplantem Einsatzzweck könnten sie aber für den einen oder anderen durchaus den letzten Ausschlag bei der Kaufentscheidung geben. So ist beispielsweise ein separater USB-Hub schon für ein paar Euronen zu haben, wer aber mit dem Laptop musiziert, der leidet in der Regel unter einem Mangel an entsprechenden Ports und freut sich deshalb darüber, wenn beim M8U eX gleich zwei Fliegen mit einer Klappe… ähh… USB-Buchse schlagen kann.

ESIs Verzicht auf die Einbaumöglichkeit in ein 19“-Rack mag zwar bei einigen Anwendern auf Kritik stoßen, stellt nun aber auch kein wirklich gravierendes Manko dar und kann bei Bedarf mit einer einfachen, günstigen Rack-Wanne ausgeglichen werden (dann kommt man auch ohne umständlichen Ausbau an die DIP-Schalter auf der Unterseite ran…).

Das ESI M8U eX hat eine UVP von 249,- Euro (M4U eX: 149,- Euro), ich habe es bei den üblichen Verdächtigen auch schon zu einem „Straßenpreis“ gesehen, der zwanzig Euro darunter liegt. Damit muss sich das M8U eX keineswegs vor seinen Mitbewerbern verstecken, die in der Regel zu höheren Preisen über den Tisch gehen (dafür zum Teil aber auch noch weitergehende Möglichkeiten mitbringen).

Auch wenn ESI mit seinen Produkten für gewöhnlich ja eher auf das Homerecording- und Budget-Marktsegment abziehlt, so ist das M8U eX meiner Ansicht nach zweifelsohne ein Gerät, das auch in professionellen Studio- und Bühnen-Umgebungen keineswegs fehl am Platze ist.

Ich komme somit nicht umhin, dem ESI M8U eX unseren BuenasIdeas-Tipp zu verleihen!

BuenasIdeas-Tipp

Positives:

+ sehr flexibler Einsatz dank automatischer Port-Erkennung

+ integrierter USB 3.0-Hub

+ robuste Verarbeitung

+ einfache Einrichtung

+ benötigt keine Treiber

+ diverse Standalone-Modi

+ faires Preis/Leistungs-Verhältnis

Negatives:

– von Werk aus nicht fürs 19“-Rack vorgesehen


Produktwebseite:

https://www.esi-audio.de/produkte/m8uex/

Der kleine Bruder M4U eX:

https://www.esi-audio.de/produkte/m4uex/

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