Wormhole von Zynaptiq Testbericht

Das neue Effekt-Plugin von Zynaptiq vereint einige grundsätzlich bekannte Komponenten, wie einen Pitch- und einen Frequency-Shifter, Reverbs und ein Delay mit einem neuen Effekt „Warp“ und einem dazugehörigen Poles-Parameter. Das alles aber grundsätzlich neu, denn auch die bekannten, normalen Effekte basieren auf neuen, so noch nicht da gewesenen Algorithmen, bis hin zum Wet/Dry -Regler, der auch nicht nur einfach die Signale überblendet, sondern dazu die Firmeneigene Audio Morphing Technologie verwendet.

Wormhole von Zynaptiq

Als Folge der neuen Methoden geschehen da Dinge, die es vorher nicht gab: quasi Artefaktfreies Pitch-Shifting über vier Oktaven rauf und runter, Frequency-Shifting, das deutlich klarer und harmonischer klingt, als jemals und mit Warp eine neue Geschmacksrichtung zwischen Ringmodulation und Frequency-Shifting.

Wormhole klingt vom Namen her wie ein abgespacter Science Fiction -Effekt und ist auch einer, denn er produziert im Handumdrehen Scifi Maschinengeräusche, verhallte Ausserweltliche Drones, sowie alle Arten von Roboter- und Monsterstimmen. Doch damit hört es noch lange nicht auf, es gehen auch subtile Chorusartige Widening-Effekte, allerlei aufhübschende Zusatzharmonics und Klänge, die man eher einem alten Gitarren-Effektpedal zuordnen würde.

Die zwei wichtigsten Sektionen, links und rechts neben dem prominenten Warp Tilt Kreis in der Mitte angeordnet sind Warp und Shift.

Warp

Die einzigartige Methode, die hinter Warp steckt, nennt sich „time-domain local spectrum inversion („frequency warping“)“ Auf der Zeitachse wird also lokal das Spektrum invertiert. Hm… nö… also keine AHNUNG, was das bedeuten soll. Es gibt dazu schöne Spektrogramme auf der Website und im Manual, die optisch verdeutlichen, was da vor sich geht. Jedenfalls klingt der Effekt deutlich komplexer, als eine Ringmodulation und je höher der Warp-Parameter eingestellt wird um so mehr „wickelt“ sich das Signal um den Frequenzbereich des Ursprungssignals.
Nur der Warp-Parameter in Schritten erhöht. FX-Blend ist auf X-Fade gestellt.

Wormhole von Zynaptiq

Durch den Poles-Parameter wird das noch verstärkt. Bei hohen Werten wird die Tonhöhe nivelliert und Stimmen bekommen einen Robotersound. Der Tilt-Parameter von Warp verhält sich ähnlich, wie ein Pitch- oder Formant-Shifter, färbt zusätzlich hell oder dunkel ein und bringt etwas Verzerrung durch Aliasing mit hinein.
Die Dry/Wet bzw. FX Blend Sektion spielt hier auch noch je nach Blend-Mode eine deutliche Rolle.
Das Zusammenspiel dieser Parameter versuche ich in dem Video wiederzugeben.

Shift

Die Shift-Sektion besteht aus einem Frequency-Shifter und einem Pitch-Shifter. Der Frequency-Shifter verbiegt das Signal bis zu 4000 Hz nach oben oder nach unten, der Pitch-Shifter +- vier Oktaven (!). Das Ganze in beiden Fällen ohne Aliasing.
Der Pitch-Shifter basiert nicht auf herkömmlichen Methoden und zeigt keine der klassischen damit einhergehenden Störungen und Phasing-Probleme. Der Klang wird schon etwas verfärbt, eine natürlich wirkende Klanghöhenkorrektur, wie mit darauf spezialisierten Tools, wie z. B. zplane Elastique Pitch ist damit nicht möglich. Das ist aber auch nicht der Zweck dieses Kreativeffekts.

Wormhole von Zynaptiq

Das komplexe Obertonspektrum eines Pianos gibt die Wirkung des Pitch Shifters deutlich wieder. Zunächst die Phrase in der Original-Lage, dann mit Wormholes Pitch Shifter mit dem Modus „Smooth“ eine Oktave nach unten getuned, dann mit dem Time Machine Pro Tuning-Algorithmus von Kontakt, der sich sehr ähnlich anhört, dann mit dem normalen DFD-Algorithmus von Kontakt, der in diesem Fall die natürlichsten Ergebnisse bringt, zum Abschluss im Vergleich die Phrase auf dem virtuellen Piano einfach eine Oktave tiefer gespielt.

Das selbe eine Oktave höher

Wie extrem die Tonhöhe verbogen werden kann, ohne dass es zu wüsten Artefakten kommt zeigt dieses Beispiel, zwei- dann drei Oktaven nach unten und oben.

Die beiden normalen Pitch Shifting Modi Smooth und Tight unterscheiden sich im Einfluss auf die Obertöne und auf den Klangverlauf. Zuerst jeweils Smooth, dann Tight.

Die normalen Pitch-Shifting Modi sind sehr klar und arbeitet mit einer sehr weiten Bandbreite verschiedenster Klänge mit guten Ergebnissen.

Detune A und Detune B. Die Detune-Modi verschieben den linken und rechten Stereokanal gegeneinander um bis zu +- 48 Cent und machen so ein Mikro-Pitch-Shifting, das den Sound nur etwas anfettet oder verstimmt wie ein altes Bar-Piano. Es wird ein Modus A oder B angeboten.
Ein Gitarren-Riff mit dem Detuning Modus, immer weiter in die eine oder andere Richtung aufgedreht und zwischen Modus A und B gewechselt. B klingt etwas harmonischer und runder.

Der Frequency-Shifter ist ein Phänomen, denn er arbeitet tatsächlich völlig klar ohne Störungen über den gesamten Bereich, das ist mir bisher noch nicht begegnet. Damit kann man wesentlich extremere Einstellungen machen, ohne dass alles von Störungen und Verdoppelungen überlagert wird.
Radiosprecher nach und nach weiter nach unten und oben mit dem Frequency Shifter.

Ein weiterer Parameter wirkt auf den Output beider Shifter ein, und regelt die Decay-Time, damit kann der Sound aufgeräumter wirken, auch das Klingeln hochgepitchter niedriger Frequenzen lässt sich damit reduzieren. Generell ist zu beobachten, dass bei aktiviertem Shift-Modul auch bei voll aufgedrehtem Decay Time Parameter der Ausklang gegenüber dem Original etwas verkürzt wird.

Pitch- und Frequency-Shifting gleichzeitig ist generell ein stark verfremdender Effekt und wird hier durch die sehr weit nutzbaren Frequenzbereiche auf die Spitze getrieben.

Reverb

Eine wichtige Sektion ist im Gesamtzusammenhang der Hall, hier bekam Wormhole gleich zwei Stück spendiert, die vor oder nach FX Blend, also der Dry/Wet Stage plaziert werden können oder beide gleichzeitig.

Sie sind einfach, mit einem Algorithmus ausgestattet, der eine große Halle simuliert und mit zufälliger Modulation versehen bei hohen Werten sehr verwaschen klingen kann. Was für Drones nicht schlecht ist. Bei niedrigen Werten und wenig Dämpfung nimmt er einen sehr hohlen Charakter an.

Delay

Das Delay ist sehr einfach, kann aber auf das trockene oder das effektierte Signal wirken oder beides. Es kann auch auf die Stereokanäle in entgegengesetzter Richtung einwirken, damit gelingen super-weite Effekte, die aber immer noch um die Mitte des Panoramas konzentriert sind.

In Verbindung mit den Detune Modi des Pitch Shifters und dem Dry/Wet Morphing sind kaum merkliche Klangverbesserungen bis hin zu einzigartigen Soundveränderungen möglich.

Und (zunächst) subtiler:

FX Blend

Die letzte Stufe ist das FX Blend, das im Prinzip einen Dry/Wet Regler darstellt, aber verbessert, denn hier werden die zwei Signale im Spektralbereich ineinander gemorpht und bilden ohne Verdoppelung einen definierten Gesamtklang. FX Blend verfügt über drei Modi, X-Fade, Morph A und B.

Das Audiomaterial wurde mit dem Pitch Shifter eine Oktave nach unten verbogen, die Abfolge ist X-Fade, Morph A und Morph B.

Presets

Die Anzahl der Komponenten und Regler dieses Multi-Effekts sind zwar überschaubar, dennoch bieten sie im Zusammenwirken eine große Variationsbreite an Ergebnissen.
Die Presets von Wormhole bilden das hervorragend ab, es gibt Kategorien zu einfachen Effekten, Stimmverfremdung, subtileren Effekten, die die Tonalität bewahren, Detuning und Widening und verschiedene Kategorien zu starken Verfremdungen und extremeren Post-Production Effekten. Abgespacte Soundscapes sind naturgemäß kein Problem, das Reverb macht hier eine gute Figur. Bei Presets, in denen alle Sektionen aktiv sind kommt es beim Live-Spiel zu sehr starken Verzögerungen, die ein kontrolliertes Spielen erschweren bis unmöglich machen. Man kann sich vorstellen, dass da einiges unter der Haube berechnet werden muss, dennoch ist das eine starke Einschränkung. Es gab einige wenige nicht reproduzierbare Abstürze, in denen nur noch ein Neustart des Hosts half. Insgesamt sind die Presets sehr sinnvoll produziert und geben die Fähigkeiten von Wormhole gut wieder.

Die Random-Funktion bringt durchaus brauchbare Ergebnisse, vor allem bei Sprachaufnahmen.

Fazit

Wormhole ist ein Effekt der Extraklasse, nicht nur, weil er extraterrestrisch klingt, sondern wegen der aussergewöhnlich puren und klaren Ergebnisse. Der Frequency Shifter ist mit seinem weit nutzbaren Bereich ein Alleinstellungsmerkmal, ebenso, wie die Warp-Sektion, die auf Sprachmaterial bisher nicht gehörte Ergebnisse bringt. Über reine Vocoder-Techniken geht das hinaus. In Zusammenarbeit mit dem guten Pitch Shifter, der ebenfalls mit seinen insgesamt acht Oktaven viel Flexibilität bietet beeindruckt Wormhole vor allem bei Stimmverfremdungen. Doch auch auf akustischen Instrumenten, zuallererst Gitarren sind Effekte möglich, die von subtiler Verbesserung, Harmonisierung, Anfettung bis ausserweltlichen Soundscapes reichen. Persönlich verblüffte mich die Auswirkung auf Pianoklänge, die einen fast schon dem Hackbrett ähnlichen Charakter annehmen können.

Völlige Zerstörung und Zerrüttung des Ausgangsmaterials gelingt auf etwas andere Art, als mit den gewöhnlichen oder auch ungewöhnlicheren Distortion-Plugins. Aber auch das Gegenteil mit zurückhaltenden Verdoppelungen in Terz- oder Quintabständen und Erweiterungen des Stereobildes.

In der Praxis stören nur die starken Latenzen, die auftreten, wenn alle Sektionen des Plugins aktiv sind und die ein Live-Spiel unmöglich machen können.

Wormhole bringt Frequency- und Pitch Shifting als Kreativeffekt auf eine neue Stufe und erweitert die Klangpalette in diesem Bereich deutlich.

Produkt-Seite von Wormhole bei Zynaptiq: http://www.zynaptiq.com/wormhole/

Ein Testbericht von Stefan Federspiel

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