Klanghaus 2 von Best Service – Testbericht

Testbericht von Stefan Federspiel

Klanghaus 2 BOX
Klanghaus 2 BOX

Es gibt einen Standardkanon von Instrumenten, die immer wieder und wieder gesamplet werden, mal besser, mal schlechter. Dazu kommen einige Exoten, alte Instrumente, ethnische Instrumente – aber bei Klanghaus in seiner zweiten Fassung gestaltet sich das alles grundsätzlich anders. Was an der ungewöhnlichen Person des Klangkünstlers Ferdinand Försch liegt, der seit rund dreissig Jahren beständig Musikinstrumente erfindet und selbst baut und damit eine einzigartige Grundlage für diese Samplebibliothek geschaffen hat.

Zum größeren Teil handelt es sich dabei um Schlaginstrumente, Trommeln, viele Instrumente aus Metall und etliche Streichinstrumente oder ungewöhnliche Kombinationen aus beidem. Das reicht von kleinen Glockenspiel-ähnlichen Metallelement bis hin zu ganzen Percussion-Wänden als Klangskulptur. Mit diesem ausufernden Instrumentarium begibt er sich dann auf die Bühne und bespielt seine Klangskulpturen in Performances, die wohl am ehesten der Neuen Musik oder experimenteller Klangkunst zuzuordnen sind. Einen Eindruck von seinem Werk bekommt man in einer kurzen Dokumentation:

Wobei hier gleich eine grundsätzliche Kondition klar wird, die aber für jedes komplexere akustische Instrument gilt, das in ein virtuelles überführt wird: Natürlich spielt er diese Instrumente wesentlich differenzierter und holt eine weite Bandbreite an Klängen heraus, die man niemals mit Aufnahmen alle erfassen und abdecken kann. Aber für die erste und nun auch die zweite Fassung von Klanghaus gilt, dass offenbar viel Mühe aufgewendet wurde, um dem Original so nahe wie möglich zu kommen.

 

Inhalt und Preset-Browser

In Klanghaus 2 ist Klanghaus 1 enthalten, das im wesentlichen aus Multi-Instrumenten besteht, die teils tonal gespielt werden können, teils wurden verschiedene Drumsounds auf nebeneinanderliegenden Tasten gemappt. Als technische Grundlage dieses Plugins kommt der Sample-Player Engine zum Einsatz, den Best Service für seine Eigenkreationen verwendet. Engine stammt ursprünglich von Yellow Tools, die den Sampler Independence entwickelten, der sich trotz teils sehr guter mitgelieferter Soundbibliotheken nicht gegen die übermächtige Konkurrenz von Native Instruments Kontakt durchsetzen konnte und schließlich von Magix aufgekauft wurde. Letztendlich von Independence stammen also eine Reihe von Eingriffsmöglichkeiten, die man so zumindest im Kontakt-Player nicht findet.

In Klanghaus 2 kommen neu aufgenommene Loops dazu, ca. 900 an der Zahl, die die feineren Möglichkeiten der Klanggestaltung mit diesen Instrumenten ausloten, die mit gesampleten Multi-Instrumenten nicht so ganz einzufangen sind.

Diese Loops werden in Engine in drei Gruppen zusammengefasst, die auf der virtuellen Tastatur des Plugins und im User-Interface farblich in weiße, grüne und braune Tasten unterschieden werden. Jede dieser Gruppen bekommt einen Set eigene Sound-Modifikatoren, wie Arpeggiator, Step-Sequencer und Effekte spendiert, die unabhängig vom Main-Interface eingestellt werden können. Klanglich bilden diese Loops in ihrer Gruppe meist ein oder mehrere ähnliche Instrumente oder Soundeffekte, wie Swells, Hintergrund-Kangteppiche oder Grooves wie man sie aus cinematischen Soundbibliotheken her kennt.

Hier wird auch die hauptsächliche Stoßrichtung der Klangbibliothek deutlich, die ausgeprägter, als die ursprüngliche Verwendung der Original-Instrumente und die Performances von Försch in Richtung Filmmusik geht.

 

Preset-Kategorien

Bei den neuen Loops für Klanghaus 2 gibt es Ordner für verschiedene Kategorien, wie AG-Ambient, Metal-Enhanced oder auch „Alexander Seidel“ -was nahelegt, dass hier bei der Zusammenstellung der Loops verschiedene Sound Designer am Werk waren. In diesen Ordnern ist meist an erster Stelle ein Preset/Instrument/Layer (etwas schwierig hier mit der Terminologie, wie das Kind nun heissen soll…) mit der Erweiterung „Core“ steht, was bedeutet, dass das sozusagen die Original-Loops sind und alle weiteren Presets in diesem Ordner Variationen davon. Soweit ich es nachvollziehen kann, kommen diese Variationen mithilfe der Modifikatoren und Effekte von Engine zustande und die Loops werden dabei oft ziemlich durch die Mangel gedreht.

Wo und wie das geschieht, lässt sich teils anhand der Einstellungen in der „Quick Edit“ -Bedienoberfläche von Klanghaus 2 nachvollziehen, teils aber auch nicht. Was daran liegt, dass unter der „Quick Edit“ -Bedienoberfläche noch die „Pro Edit“ Oberfläche liegt, die mit dem Tab neben „Quick Edit“ erreichbar ist und Zugriff auf weitere Parameter und Modifikatoren, wie „Step Modifier“ ermöglicht.

 

Oberfläche

Womit wir schon mitten in der Bedienoberfläche wären. In der obersten Menüleiste findet man die Buttons für die verschiedenen Sektionen. Um überhaupt etwas zu hören, muss zunächst ein Layer aus dem Browser geladen werden. Er erscheint dann links neben der Übersichts-Liste, es können mehrere Layer geöffnet werden, die sich dann in der linken Spalte stapeln und über verschiedene MIDI-Kanäle angesprochen werden.

Klanghaus - Der Preset-Browser
Klanghaus 2 – Der Preset-Browser

Die normale Oberfläche des Plugins befindet sich unter dem Button „Quick Edit“ und gliedert sich in etliche Sub-Screens. Als Erstes das „Main Setup“, das generelle Einstellungen, wie Volumen, ADSR-Hüllkurve und einen dreibandigen EQ enthält. Auch Effekte wie Reverb, Delay und Filter finden sich hier schon, die auch auf den Gruppen-Unterseiten erscheinen, nur hier jedoch ein Kompressor und Ausgangslimiter. Volumen und Pan für alle Klänge des Layers moduliert man über ein Auswahlmenü, das sich mit Klick auf das entsprechende Feld öffnet. Dieses Prinzip des Auswahlmenüs aus einer Reihe von in Kategorien verpackten Modifier-Presets zieht sich durch die gesamte Quick-Edit Oberfläche.

Klanghaus - Der Main Setup Screen
Klanghaus 2 – Der Main Setup Screen
KLanghaus - Das Auswahl-Menü für die Modifier Presets
KLanghaus 2  – Das Auswahl-Menü für die Modifier Presets

In der ARP/STEP/FX+ Sektion kann aus etlichen Presets für den allgemeinen Arpeggiator und Step-Sequencer gewählt werden oder zusätzliche Effekte, wie Phaser, Ring-Modulator, Rotoscope oder Tube-Distortion eingestellt werden.

Klanghaus - Der ARP/STEP/FX+ Screen
Klanghaus 2 – Der ARP/STEP/FX+ Screen

Bei den Layer-Presets für die in Klanghaus 2 hinzugekommenen Loops gibt es noch je einen Screen für die drei Gruppen, in die die Loops dieses Layers zusammengefasst werden. Jede der drei Gruppen, deren Oberfläche und die zugeordneten Tasten auf dem virtuellen Keyboard in weiss, grün oder braun Farbkodiert sind verfügt nun wiederum über Modifikatoren für Volume und Pan und einen Arpeggiator und Step-Sequencer. Auch die wichtigsten Elemente des Main Setup wiederholen sich, auch hier gibt es eine Hüllkurve, einen EQ und die Effekte Reverb, Delay und Filter. Man kann so die Klangeigenschaften einer meist ähnlich klingenden Gruppe Loops gezielt beeinflussen und die anderen unverändert lassen oder individuell einstellen.

Klanghaus - Einer der Screens für eine Gruppe Loops in den Klanghaus 2 -Presets
Klanghaus 2 – Einer der Screens für eine Gruppe Loops in den Klanghaus 2 -Presets

Man sieht nun schon deutlich, dass es eine große Zahl an Möglichkeiten zur Klangveränderung und Modulation gibt, die über einige Bildschirmseiten verteilt sind. Einerseits eröffnet das eine weite Spielwiese, andererseits wird es etwas unübersichtlich, welche Modulationen oder Effekte gerade wirken. Dazu kommt, dass es noch die Pro Edit Seite gibt, die noch mehr Modifikatoren hinzufügen kann.

KLanghaus 2 - Die Pro Edit Seite eröffnet einige zusätzliche Möglichkeiten der Klangformung.
KLanghaus 2 – Die Pro Edit Seite eröffnet einige zusätzliche Möglichkeiten der Klangformung.

Im Pro Edit Modus von Engine bekommt man Zugriff auf zusätzliche Modifikatoren und kann selbst Hand an Step Sequencer anlegen oder selbst erstellte MIDI Dateien in einen Arpeggiator einladen. Dabei ist es möglich, die Step Mods auf viele Ziele zu routen und in ihrem Verhalten einzustellen. Das alles lässt sich als separates Preset abspeichern.

Hinter dem Button „FX Active“ verbirgt sich die Effekt-Abteilung, die einerseits die verwendeten Effekte zeigt, aber auch weitere Einstellungen zulässt. Zusätzlich kann man auch noch einige Effekte hinzufügen, die in der Quick Edit Oberfläche nicht vorkommen, wie ein paar Module aus den Vandal-Gitarreneffekten.

Die Mixer-Seite stellt einen Mixer zur Verfügung, mit dem man auf verschiedene Ausgänge routen und pro Mix-Bus Effekte einfügen kann. In diesem Zusammenhang dürfte klein Wunsch offenbleiben.

Klanghaus 2 - Der Mixer von Engine
Klanghaus 2 – Der Mixer von Engine

Klanghaus 1

Die Layer von Klanghaus 1 sind in die Preset-Liste von Klanghaus 2 integriert. Zum größeren Teil handelt es sich hierbei um Multisamples, nicht um Loops, wie bei den Layern von Klanghaus 2. Einzelne Instrumente aus dem Arsenal von Ferdinand Försch wurden Ton für Ton gesamplet.
Gleich beim ersten Instrument, dem T-L Arcton wurde das am ausführlichsten gemacht, hier liegen verschiedene Artikulationen in eigenen Layern vor, ein mal die Saiten des Instruments angeschlagen, mal in verschiedenen Varianten gestrichen, mal als Flageolett. Wobei bei einigen noch mal per Keyswitch die Artikulation variiert werden kann, sodass der Ausklang mal kürzer ist, oder z. B. bei der Stick-Artikulation der Schlegel ein paar Mal auf die Saiten fällt.

Das T-L Arctron Stick Preset mit seinen drei Variationen per Keyswitch.

Schon bei diesem Instrument unterscheiden sich aber je nachdem die Presets stark, manche haben Keyswitches, andere nicht, sondern sind in Tastengruppen ungefähr ähnlich klingender Töne aufgeteilt.
Dabei fällt auf, dass es bei den meisten Layern nach Lautstärke abgestufte Variationen eines Tons gibt, manchmal ergibt sich dabei eine schöne Klangvariation über die Anschlagsstärke, aber offenbar wurden keine Round-Robin-Samples erstellt, die den Maschinengewehreffekt bei schneller Repetition verhindern würden. Einige Layer liegen nur als One-Shots ohne Lautstärkevariation vor.

Die Layer lassen sich über die gesamte Bibliothek kombinieren und über separate MIDI-Kanäle ansprechen, was schon mit Klanghaus 1 zu einer großen Anzahl möglicher Klangbilder führt.


Die unterschiedlich gefärbten MIDI-Noten sprechen die drei Layer auf verschiedenen Kanälen an.

Etwas Besonderes sind die Bonus-Presets von Markus Krause und Oliver Morgenroth, die sich Klänge aus den Klanghaus 1 -Layern zusammengesucht und in ihre Layer gepackt haben (Wenn man das nur auch könnte…). Über Trigger-Tasten werden MIDI-Noten ausgelöst und demonstrieren, was damit geht. Über eine Pianoroll kann man die Klänge wie üblich auch selbst anspielen. Passende MIDI-Loops zu den einzelnen Klanghaus 1 Presets wären auch noch eine nette Dreingabe gewesen.


Die Bonus-Layer von Klanghaus 1 verfügen über integrierte MIDI-Tracks.

Insgesamt bietet schon Klanghaus 1 sehr ungewöhnliche Instrumente und Sounds, wobei der Schwerpunkt bei Percussion bzw. tonaler Percussion liegt, ergänzt durch einige exotisch klingende Strings und Effektklänge. Natürlich hätte man jedes Instrument tiefer und expressiver und differenzierter spielbar sampeln können, da gibt es vor allem für Kontakt mit seinen Script-Fähigkeiten mittlerweile beeindruckende Beispiele. Das ist zwar bei teuren Soundbibliotheken mittlerweile fast Standard, aber im Grunde sind das doch Extrembeispiele und bei einer Vielzahl an Instrumenten wie hier wäre das sehr aufwendig.

Klanghaus 2

Die Presets mit Loops, die mit Klanghaus 2 dazugekommen sind, ergänzen die ursprüngliche Bibliothek hervorragend. Es kommt auch hier zumindest in Nuancen zum tragen, dass ein eingespielter Loop natürlicher klingt, als hintereinander gereihte Samples.
Aber es lassen sich natürlich Loops und Multisamples aus beiden „Klanghäusern“ kombinieren

Das Alu Bells Preset aus Klanghaus 1 und das Soundscapes II Preset aus Klanghaus 2 kombiniert.

Ob nun Loops oder Multisamples in einem Layer vorliegen ist bei den Klanghaus 2 Presets oft nicht eindeutig, beide liegen häufig nebeneinander, in farblich unterschiedlichen Tastengruppen zusammengefasst.
Bei den Loops ist nirgends ersichtlich, welche die ursprüngliche Aufnahmegeschwindigkeit ist. Sie werden zwar an das Host-Tempo mit einem internen Time-Stretching Algorithmus angepasst, aber das hat natürlich seine Grenzen. Nach unten werden je nach Preset ab ca. 80 BPM deutliche Artefakte hörbar.

Mit einem offenen Konzept wäre das besser lösbar gewesen, dem steht aber das Aktivierungssystem der Bibliothek per Magix-Server im Weg, denn eingeschlossen in das Dateisystem von Engine ist das bei allen anderen Vorteilen des Players von Best Service so nur ein Silber-Standard. Der Goldschatz in Bezug auf Flexibilität beim Tempo und Anordnung wären die Loops von Klanghaus 2, wenn sie als offene REX-Files vorliegen würden… Naja – Wunschträume.

So kann man die Loops zwar aufnehmen und in einem Beat-Slicer zerlegen und umarrangieren, das Ergebnis ist aber nicht dasselbe und Audio-Qualität verliert man dabei auch noch.

Doch, nun gut – wo findet man REX-Loops bei größeren Sample-Bibliotheken? Leider selten.

Für Filmmusik bietet Klanghaus 2 eine sehr reichliche Auswahl an Percussion und hybriden Instrumenten und Effekten, die einen ganz eigenen Charakter haben und exotische Akzente setzen können. Vor allem die Kategorien AG Ambient und die verschiedenen Ausprägungen von Dark Sounds und Soundscapes liefern Material, dass sich gut in einen klassischen Soundtrack integrieren lässt.

Zunächst aufeinandergeschichtete Loops aus Klanghaus 2 solo (das sind nur zwei Layer) und dann mit Orchester.

 

Fazit

Der Grundcharakter der aussergewöhnlichen Instrumente von Ferdinand Förch wurde in Klanghaus 2 noch vielfältiger eingefangen, als in der Vorgängerversion.

Auf der Produkt-Seite von Klanghaus 2 bei Best Service zeigen etliche Demo-Tracks, was kundige Hände damit anfangen können. Nicht nur Filmmusik, sondern experimentelle Spielarten von Ambient, Minimal oder IDM können hervorragend von diesen verspielten Klangwelten profitieren, dabei kommt mit den rein natürlichen, akustischen Sounds ein reicher Charakter hinein, der in der einseitigen elektronischen Sphäre allzu oft zu kurz kommt.

Die Varianten in den Kategorien, die die Effekte und Modulatoren von Engine kreativ durch die Mangel drehen lassen ahnen, was hier noch alles mit externen Effektketten möglich ist.

Klanghaus 2 Produktseite: http://www.bestservice.de/klanghaus_2.html

 

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