Testbericht: ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Klangmalkasten

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Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 24.01.2021

ARTURIAs Produktpalette im Bereich der Software-Instrumente setzt sich nahezu ausschließlich aus Emulationen zusammen, die allesamt auf bekannten Hardwaregeräten aus dem vergangenen Jahrhundert basieren. Die bisher einzige Ausnahme bildet das Synthesizer-Plugin PIGMENTS, das komplett auf dem eigenen Mist der Franzosen gewachsen ist und zu dem auch kein Gegenstück in der „realen Welt“ existiert. ARTURIA hat seinem Sprössling im Laufe der letzten Jahre sukzessive mit einem Funktionsumfang ausgestattet, der sich sehen lassen kann. Das jüngste Update hebt PIGMENTS auf die Versionsnummer 3.5 und wartet wieder mit allerlei neuen Features auf. Grund genug für einen Test…


Grundierung…

Wer die Vorgängerversionen noch gar nicht kennt, dem empfehle ich zunächst einmal die Lektüre von Stefan Federspiels Schilderungen seiner ersten Eindrücke dazu, die Ihr hier und hier findet.

PIGMENTS ist ausschließlich für 64-Bit-Betriebsysteme verfügbar, das verwundert wohl niemanden, denn ARTURIA hat ja bereits vor einigen Jahren seine komplette 32-Bit-Schiene aufs Abstellgleis geführt. ARTURIA nennt WINDOWS 8.1 sowie macOS 10.13 als Mindestvoraussetzung von Seiten der Betriebssysteme. Vermutlich lässt sich PIGMENTS aber auch noch mit WINDOWS 7 betreiben, so wie es auch bei der V COLLECTION 8 der Fall ist. Da ich meinen zum Test verwendeten Studiorechner jedoch inzwischen ebenfalls mit WINDOWS 10 betreibe, vermag ich diese Annahme leider nicht zu verifizieren. Nachtrag: Kann nun mittlerweile bestätigen, dass PIGMENTS 3.5 auch unter WINDOWS 7 lauffähig ist.

PIGMENTS existiert als Standalone-Version sowie in den Plugin-Formaten VST, VST3, AAX und AU, Letzteres natürlich nur für macOS. Darüber hinaus ist die Kompatibilität mit dem von NATIVE INSTRUMENTS entwickelten NKS gegeben.

Wie alle Plugins von ARTURIA muss auch PIGMENTS über das separat zu installierende ARTURIA SOFTWARE CENTER (ASC) aktiviert werden. Bei Bedarf kann auch der Download und die Installation der Setup-Datei über das ASC erfolgen, dies gilt auch für etwaige Updates. Man erhält die Setup-Datei jedoch auch auf der ARTURIA-Website. Da die Aktivierung sowohl online als auch offline erfolgen kann, ist auf dem Host-Rechner selbst nicht unbedingt eine Internet-Verbindung erforderlich, das lob ich mir!

Im Testverlauf stellte PIGMENTS meinen Studiorechner (CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 GB RAM) vor keine Probleme, auch nicht beim gleichzeitigen Betrieb mehrerer Instanzen. Getestet habe ich übrigens wieder einmal nur die VST-Version des Plugins für WINDOWS.

ARTURIA PIGMENTS 3.5
ARTURIA PIGMENTS 3.5

Die Bedienoberfläche stellt für mein Empfinden einen verhältnismäßig gelungenen Kompromiss zwischen Funktionsvielfalt und Übersichtlichkeit dar. Die Hauptfunktionen findet man im Direktzugriff, gegebenenfalls muss man dann halt noch den einen oder anderen Tab oder einzelne Menüs aufrufen, anderenfalls ließe sich die unvermeidliche Parameterflut wohl auch kaum sinnvoll darstellen, ohne dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Trotz all dieser Bemühungen um eine Bedienfreundlichkeit ist aber dennoch eine gewisse Einarbeitungszeit von Nöten, denn PIGMENTS ist nun mal eben kein Simple-Synth à la JUNO-106…

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - MIDI-Menü
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – MIDI-Menü

Wie bei anderen Instrumenten-Plugins von ARTURIA auch lassen sich die virtuellen Regler des PIGMENTS leider nicht mit dem Mausrad steuern, dafür gibt es allerdings eine umfangreiche MIDI-Learn-Sektion zur Anbindung beliebiger Parameter an einen MIDI-Controller. Zudem existieren vier MACRO-Regler zur unmittelbaren Veränderung diverser Stellschrauben gleichzeitig. Welche das genau sind, lässt sich bei Bedarf vom Anwender festlegen, ansonsten greift man halt auf ARTURIAs durchaus sinnvolle Vorbelegung zurück.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - In-App-Tutorials
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – In-App-Tutorials

Damit insbesondere Einsteiger lernen, sich schnell zurechtzufinden, ohne ständig ins Manual schauen zu müssen, hat PIGMENTS einige Tutorials an Bord, die verschiedene Funktionsbereiche erklären und sinnvolle Anwendungshinweise geben. Um diese nutzen zu können, sollte man allerdings der englischen Sprache mächtig sein. Des Weiteren zeigt PIGMENTS auch noch kleine Hinweise zu den Parametern sowie bei Bedarf spezifische Edit-Tips zu den Presets an.

Übrigens, während das PDF-Manual der Version 3.0 bereits in deutsch vorliegt, muss man sich beim Update 3.5 derzeit noch mit Englisch begnügen, eine deutsche Übersetzung dürfte aber wohl wieder mit etwas Verzögerung nachfolgen. Nachtrag vom 28.01.2022: Ein deutsches Manual zur Version 3.5 ist mittlerweile ebenfalls verfügbar.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Preset-Browser
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Preset-Browser

Der Preset-Browser kommt im typischen ARTURIA-Look daher und bietet gewohnt umfangreiche Optionen zum Finden und Sortieren des Klangguts, inklusive Kategorien, Tags und einer Favoriten-Funktion für die persönlichen Lieblings-Presets. Wer mag, der kann hier sogar neue Soundbänke online erwerben (zumindest auf meinem Studiorechner ist so etwas allerdings völlig tabu).

Die eigentlichen Presets selbst glänzen – wie von ARTURIA nicht anders zu erwarten – sowohl durch ihre enorme Masse als auch durch ihr breites klangliches Spektrum. Die Qualität ist dabei Dank der Verpflichtung zahlreicher talentierter Sound-Designer sehr hoch und auch immer wieder ausgesprochen inspirierend. Man surft durch den Preset-Browser, bleibt hier und da hängen, spielt ein wenig mit den Klängen herum und hat schwupps ein paar Ideen für neue Tracks im Kopf.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Sound Design Tips
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Sound Design Tips

Doch eigentlich soll man einen Synthesizer ja auch zum Erstellen eigener Klänge benutzen, und zu diesem Zweck hält PIGMENTS ja auch allerlei Zutaten bereit. Wer damit nicht gleich von Grund auf beginnen, sondern sich langsam einarbeiten möchte, der dürfte die einblendbaren SOUND DESIGN TIPS als hilfreich empfinden.

Wenn man diese über das Glühbirnen-Symbol in der oberen Programmleiste aktiviert, dann werden beim Darübergleiten mit dem Mauszeiger weitere Hinweise zum aktuellen geladenen Werks-Preset und seinem Designer eingeblendet und darüber hinaus die Parameter gelb hervorgehoben, die als besonders relevant für den jeweiligen Klang erscheinen.

Wer schon weiter fortgeschritten ist, der kann dieses System auch selbst für seine eigenen Presets benutzen bzw. die Editier-Tipps bereits vorhandener Presets nach seinem Gusto anpassen.


Farbgebende Substanzen…

PIGMENTS kann seine Klänge (genauer gesagt seine Grundwellenformen) auf höchst unterschiedliche Weise erzeugen. Dazu stehen ihm zwei identisch ausgestattete Stränge, ENGINE 1 und 2 genannt, sowie ein dritter, einfacher strukturierter Strang namens UTILITY ENGINE zur Verfügung. Jeder dieser drei genannten Stränge lässt sich bei Bedarf auch komplett deaktivieren. Zudem lassen sich Einstellungen von ENGINE 1 zu ENGINE 2 und umgekehrt kopieren.

Hatte man in der Ur-Version von PIGMENTS bei beiden Engines jeweils nur die Wahl zwischen den zwei Syntheseformen ANALOG und WAVETABLE, so kann man hier inzwischen darüber hinaus auch noch auf Samples und additive Synthese (alias HARMONIC) zurückgreifen. Bei all diesen Engine-Typen lässt sich die Grob- und die Feinstimmung regeln, außerdem können etwaige Tonhöhenmodulationen bei Bedarf auch auf spezifische Notenwerte und Skalen quantisiert werden.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Engine-Typen
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Engine-Typen

Hinter ANALOG verbirgt sich eine konventionelle virtuell-analoge Klangerzeugung mit drei Oszillatoren, die jeweils die Wellenformen Sinus, Dreieck, Ramp (= absteigender Sägezahn), (aufsteigender) Sägezahn oder Rechteck generieren können. Bei Dreieck- und Rechteckwelle lässt sich optional die Pulsbreite einstellen. Der erste und der zweite Oszillator können frequenzmoduliert sowie über die Hard-Sync-Funktion miteinander synchronisiert werden. Zweiter und der dritter Oszillator können zudem von der jeweils gepielten MIDI-Notenummer entkoppelt werden und dann mit festen Frequenzen laufen.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Engine-Typ Analog
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Engine-Typ Analog

Als weitere Klangquelle dient ein Rauschgenerator, der mehr als die übliche Standardkost bietet, lassen sich hier doch mit einem Regler verschiedene Farben von rotem über weißem bis hin zu blauem Rauschen einstellen (die Farben entsprechen tatsächlich der jeweiligen Frequenzverteilung im Rauschsignal).

Für die oben erwähnte Frequenzmodulation der ersten beiden Oszillatoren steht ein Modulator zur Verfügung, der entweder auf den dritten Oszillator oder auf den Rauschgenerator bzw. auf eine stufenlose Mischeínstellung dieser zwei Quellen zurückgreift. Die Modulationsintensität lässt sich nur für beide Oszillatoren gemeinsam justieren, man kann jedoch die FM-Funktion bei jedem Oszillator separat deaktivieren.

Eine interessante Neuerung kommt mit der Version 3.5 ins Spiel: Anstelle des gerade erwähnten Modulators kann alternativ auch die jeweils andere Engine zur FM-Modulation herangezogen werden. Sofern man diese Funktion bei den beiden Engines gleichzeitig aktiviert, erhält man eine sogenannte Cross-Modulation.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Crossmod-Quelle
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Crossmod-Quelle

Wie unterschiedlich sich diese beiden Modulationsquellen anhören können, zeigt das folgende Klangbeispiel. Ich habe dazu einen einfachen „Black & Decker“-Sound mit Hilfe der VA-Klangerzeugung in beiden Engines gebastelt. Zunächst läuft dieser ein paar Takte lang ohne Modulation, dann folgt eine FM-Modulation durch den Oszillator und schließlich durch die zweite Engine.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Klangbeispiel Crosmod Source

Ich will es mal so ausdrücken: Während der Oszillator hierbei eher für ein höhenlastigeres, drahtigeres Klangbild mit einem leichten metallischen Beigeschmack sorgt (erinnert mich etwas an meinen früheren TX81Z), brät die Engine den Bass schön knusprig an und setzt dabei leckere Röstaromen frei.

Die FM-Intensität habe ich bei dieser Demonstration absichtlich nur auf Halbmast eingestellt, es ging mir ja nicht darum, den Grundklang komplett zu zerschreddern, sondern ihn lediglich musikalisch sinnvoll anzureichern…

Diese Crossmod-Option existiert übrigens bei allen Klangerzeugungstypen des PIGMENTS, nicht nur bei ANALOG. Je nachdem welcher Typ in Engine 2 aktuell aktiv ist (also ANALOG, WAVETABLE, SAMPLE oder HARMONIC), stehen in Engine 1 unterschiedliche Parameter für die Modulation bereit (dies gilt andersherum ebenso).

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - enginebezogene Parameter der Cross-Modulation
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – enginebezogene Parameter der Cross-Modulation

Allein mit den oben genannten Ingredienzen plus Filter und Modulatoren lässt sich schon eine große Bandbreite an Klängen erzeugen, die sowohl sehr kraftvoll als auch schneidend-aggressiv ertönen können, mit allen möglichen Zwischenstufen, die ein subtraktiver Synthesizer so zu bieten hat. Hinzu kommen flexible UNISONO-Optionen. Doch damit befinden wir uns immer noch erst am Anfang, denn ich rede hier ja bloß von der Nutzung lediglich einer einzelnen Engine. Schaltet man aber nun auch noch die zweite Engine hinzu, potenzieren sich die klanglichen Möglichkeiten der VA-Engine enorm.

Der Engine-Typ WAVETABLE stellt, man mag es kaum glauben, eine auf Wellentabellen basierende Klangerzeugung zur Verfügung. Das Prinzip wurde bereits vor Jahrzehnten mit den Synthesizern von PPG eingeführt und mit den von WALDORF fortgesetzt, heute findet man es in zahlreichen Hardware- und Software-Instrumenten wieder, darunter eben auch in PIGMENTS.

Der Oszillator kann hierbei nicht nur auf eine einzige Wellenform zurückgreifen, sondern vielmehr auf eine komplette Tabelle mit unterschiedlichen Wellenformen. Interessant wir das Ganze aber erst dadurch, dass dieses Wavetable in Echtzeit mit Hilfe diverser Modulatoren dynamisch durchfahren werden kann, inklusive der dabei entstehenden abrupten oder fließenden Klangveränderungen.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Engine-Typ Wavetable
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Engine-Typ Wavetable

ARTURIA liefert bereits zahlreiche Wavetables unterschiedlichster Couleur mit, im Zuge des Updates auf Version 3.5 wurde der Vorrat um weitere 59 Exemplare auf nun insgesamt 160 Wavetables aufgestockt. PIGMENTS erlaubt aber auch den Import eigener Wellentabellen in Form von WAV- oder AIFF-Dateien, so dass hier nahezu kleine Grenzen gesetzt sind.

Ein Wavetable kann bis zu 256 Positionen umfassen, von denen jede wiederum eine Wellenform mit 2048 Samples beherbergt. Eigene Dateien werden beim Import automatisch in dieses Raster aufgeteilt bzw. gegebenenfalls am Ende abgeschnitten, falls sie länger als die maximalen 524288 Samples sein sollten.

Die Auswahl der Wavetables erfolgt über einen eigenen kleinen Browser, der eine Unterteilung in aussagekräftige Kategorien besitzt. Hierüber können bei Bedarf dann auch eigene Samples geladen werden. Leider existiert keine Vorhörfunktion für die Wavetables, man kommt also nicht umhin, sie einzeln zu laden und dann eine Note zu spielen, um sie hören zu können.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Wavetable-Browser
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Wavetable-Browser

Wie bei einigen anderen Wavetable-Synthies auch, gibt es bei PIGMENTS ebenfalls eine grafische Darstellung der Wellentabellen bzw. -formen, die wahlweise eine zwei- oder dreidimensionale Ansicht bietet. Das sieht zwar schick aus, allein der praktische Nutzwert erschließt sich hier für mich bisher noch nicht so wirklich (das meine ich jetzt ganz allgemein, nicht allein auf PIGMENTS bezogen!). Klar, man kann damit die aktuelle Position bzw. Wellenform innerhalb einer Wavetable identifizieren und die Auswirkungen diverser Modulationsvorgänge betrachten, jedoch halte ich hier die Verwendung der beiden links und rechts am Kopf angebrachten Sensoren namens Ohren für deutlich sinnstiftender… 😉 Nun gut, man kann diese Anzeige beim PIGMENTS auch dazu benutzen, um die Position mit der Maus einzustellen, der eigentlich dafür zuständige Positionsregler wird dann automatisch aktualisiert.

Selbstverständlich kann eine solche Positionsänderung nicht nur manuell erfolgen, sondern auch mit Hilfe unzähliger Modulatoren, also etwa durch Hüllkurven, LFOs, Funktionsgeneratoren usw. automatisiert werden.

Ein sehr wichtiger Parameter verbirgt sich hinter dem unscheinbaren kleinen MORPH-Schalter. Ist dieser aktiviert, dann erfolgt der Übergang zwischen den einzelnen Wavetable-Positionen nicht mehr sprunghaft, sondern mit einer nahtlosen Interpolation, was somit fließendere Klangverläufe ermöglicht.

Das geladene Wavetable kann nun noch mit Hilfe von mehreren Waveshaping-Verfahren gehörig durch die Heißmangel gedreht werden, als da wären Frequenz- und Phasenmodulation (FM und PM), Phasenverzerrung (PD) mit sechs Zielen sowie Wavefolding. FM kann sowohl linear als auch exponentiell erfolgen, PM entspricht eigentlich dem, was in den klassischen FM-Synthesizern à la DX7 oder SYNCLAVIER stattfand (wo es wohl aus Marketing-Gründen fälschlicherweise als FM bezeichnet wurde…), und PD kennen wir bereits von den CASIO-Synthesizern der CZ- und VZ-Serien. Beim Wavefolding im PIGMENTS wird die Wellenform nicht wie sonst üblich auf sich selbst zurückgefaltet, vielmehr wird dazu eine der drei auswählbaren Wellenformen Sinus, Dreieck oder Rauschen verwendet.

Für Modulationszwecke existiert ein separater Schwingkreis mit zehn Wellenformen, dieser kann allerdings darüber hinaus auch als zusätzlicher Oszillator mit eigener Audioausgabe eingesetzt werden. Alternativ kann hier aber auch wieder die andere Engine als Modulator fungieren (siehe weiter oben).

Erwähnt sei hier ebenfalls noch, dass auch der Wavetable-Modus über dieselben UNISONO-Möglichkeiten verfügt, wie schon der VA-Modus.

Dass der Engine-Typ SAMPLE nun mal mit Samples als Oszillatorbasis arbeitet, dürfte wohl nur kognitiv beeinträchtigte Anwender in Erstaunen versetzen. Wenngleich wir es hier nicht mit einem ausgewachsenen Mega-Sampler à la KONTAKT, HALION oder UVI WORKSTATION zu tun haben, ist die Ausstattung im Rahmen eines Synthesizers doch relativ umfangreich. Zudem kann PIGMENTS mit Granular-Synthese-Funktionen aufwarten.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Engine-Typ Sample
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Engine-Typ Sample

PIGMENTS kann bis zu sechs Samples pro Engine verarbeiten und bietet dazu die Slots A bis F an. Für jeden Slot sind dann eigene Parametereinstellungen verfügbar. Geladen werden die Samples über einen eigenen Browser, der dem der Wavetable-Sektion gleicht, allerdings erfreulicherweise eine Vorhörfunktion bietet. Auch eigene Samples können hier wieder als WAV- oder AIFF-Dateien geladen werden (Bit-Tiefe: 16 oder 24 Bit, Samplerate: 44,1 kHz bis 192 kHz).

Die von ARTURIA mitgelieferten Samples sind bunt gemischt und bieten von jedem etwas. Neben den unvermeintlichen Pianos findet man auch andere akustische und elektrische Instrumente, aber auch Stimmen, Naturgeräusche, Aufnahmen von diversen Gegenständen und Maschinen sowie allerlei synthetische Klanggut. Für Version 3.5 wurden aber anscheinend gerade mal vier neue Samples hinzugefügt.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Sample-Browser
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Sample-Browser

Der Bereich unterhalb der großen Wellenformanzeige kann je nach Modus unterschiedliche Parameter beherbergen. Im MAIN-Mode findet man hier die Bedienelemente der Granular-Synthese, welche gesondert aktiviert werden muss (ansonsten funktioniert PIGMENTS als herkömmlicher Sample-Player). So können etwa Länge, Anzahl, Häufigkeit und Abspielrichtung der Grains ebenso wie ihre Hüllkurvenform oder die Zufälligkeit ihrer Tonhöhe, ihrer Lautstärke, ihrer Stereoposition und einiges mehr eingestellt werden. Im Sample-Browser findet man auch eine Kategorie namens GRANULAR FRIENDLY, in der speziell für die Granular-Synthese geeignete Samples abgelegt sind. Aber natürlich lässt sich auch jedes andere Sample dazu verwursten.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Granular-Synthese
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Granular-Synthese

Im EDIT-Mode können die einzelnen Samples gestimmt und in ihrem Abspielverhalten beeinflusst werden, auch eine Loop-Funktion sowie Regler für Lautstärke und Panorama findet man hier vor. Start- und Endpunkte sowie Loop-Phasen inklusive Crosssfade-Einstellungen lassen sich direkt in der Wellenformanzeige bearbeiten. Über dem Sample-Display taucht in diesem Modus ein SNAP-Schalter auf, der bei Aktivierung dafür sorgt, dass sämtliche Schnitt- und Loop-Markierungen zur Vermeidung von Knacksern automatisch an den nächstgelegenen Nulldurchgängen ausgerichtet werden. Sehr nützlich!

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Sample-Edit-Modus
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Sample-Edit-Modus

Im MAP-Mode schließlich legt man fest, nach welchen Abspiel-Mustern die Wiedergabe der Samples erfolgen soll. Möglich sind hier etwa über die Oktaven der Tastatur verteilte Multisamples, Velocity Layers, Round Robin, serielles Abspielen der Sample-Slots nach der Reihenfolge der eingehenden MIDI-Noten oder Zufallswiedergabe.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Sample-Map-Modus
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Sample-Map-Modus

Auf der linken Seite ist auch noch ein Menü mit diversen Shaper Modes verfügbar. Wer beispielsweise auf den LoFi-Klang der frühen Hardware-Sampler steht, der kann versuchen, diesen mit Hilfe von Bit-Tiefen und Sampleraten-Reduktion nachzuahmen. Darüber hinaus findet man hier auch noch einen Resonator, Frequenz- und Ringmodulation sowie Unisono-Optionen.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Shaper Modes in der Sample-Engine
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Shaper Modes in der Sample-Engine

Der bei allen Klangerzeugungsverfahren vorhandene Modulator kann auch hier wieder als zusätzlicher Oszillator dem Audiosignal beigemischt werden, ebenso wie an seiner Stelle die andere Engine als Modulationsquelle dienen kann.

Vermissen könnte man in der Sample-Sektion noch die Möglichkeit eines tonhöhenunabhängien Timestretchings, denn die Samples werden je nach MIDI-Notennummer langsamer oder schneller abgespielt, nicht jedoch mit konstanter Länge.

Der Engine-Typ HARMONIC bezeichnet in PIGMENTS eine additive Klangerzeugung, bei der die Klangspektren aus zahlreichen einzelnen Sinuswellen, den Partialen, zusammengesetzt werden. Bei PIGMENTS bis zu 512 solcher Partiale an einem Klang beteiligt sein. Man kann dies beispielhaft mit einer klassischen Zugriegelorgel vergleichen, bei welcher der letztendliche Gesamtklang aus der Addition der verschiedenen Register entsteht.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Engine-Typ Harmonic
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Engine-Typ Harmonic

Maximale Anzahl und Lautstärke der Partiale lässt sich ebenso festlegen, wie die Ratio, also das Intervall zwischen ihren Frequenzen. Diese Ratio läst sich auch modulieren, entweder über den bereits bekannten Modulator oder über die andere Engine. Das Mischungsverhältnis von geradzahligen und ungeradzahligen Vielfachen des Grundtons kann stufenlos eingestellt werden. Eine PARTIAL-VIEWER getaufte Anzeige informiert in Echtzeit über die Gesamtverteilung der Partiale und stellt Ihre jeweiligen Tonhöhen, Pegel und Stereopositionen dar.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Spectrum-Auswahl
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Spectrum-Auswahl

Unterhalb dieser Anzeige befindet sich der sogenannte SPECTRUM-Bereich, der über zwei Slots verfügt. Für jeden Slot getrennt lässt sich eins von zwölf Spektren auswählen, die nichts anderes als Frequenzprofile darstellen, welche der ursprünglichen Partial-Reihe sozusagen übergestülpt werden. Die Intensität, mit der das ausgewählte Spektrum auf die Frequenzen einwirkt, kann festgelegt werden, außerdem kann die Position des Spektrums über die gesamte Partial-Reihe hinweg verschoben werden. Darüber hinaus lässt zwischen den beiden Spektren der zwei Slots hin und her morphen, was zusätzliche Bewegung in den Klang bringt. Zur Eingrenzung des Frequenzbereichs finden wir noch je ein Hoch- und ein Tiefpassfilter.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Imaging-Modulations-Modi
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Imaging-Modulations-Modi

Des Weiteren existieren noch zwei getrennte Modulationsbereiche, deren Aufklappmenüs verwirrenderweise die selbe Bezeichnung tragen. Zunächst gibt es die IMAGING-Sektion, die es ermöglicht, die Partiale zwecks Erzeugung breiterer Klänge im Stereopanorama zu verteilen. Dazu gibt es drei Modulationsoptionen, nämlich SPLIT, RANDOM und PERIODIC. Während sich im Split-Modus die geradzahligen und ungeradzahligen Teiltöne getrennt voneinander manuell im Panorama positionieren lassen, geschieht dies im Random-Modus per Zufallsgenerator und im Periodic-Modus werden ganze Cluster von Teiltönen auf die beiden Stereokanäle verteilt.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Partial-Modulations-Modi
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Partial-Modulations-Modi

Demgegenüber befindet sich auf der linken Seite die Partial-Modulations-Sektion, deren Aufklappmenü ebenfalls drei Optionen anbietet: WINDOW, CLUSTER und SHEPARD. Im Window-Modus lässt sich ein frei definierbarer Ausschnitt einstellen, in welchem sich dann vorgenommene Lautstärkeänderungen und Frequenzmodulationen auswirken. Im Cluster-Modus werden die Teiltöne in einem ebenfalls wählbaren Ausschnitt gebündelt und näher zueinander zusammengerückt. Der Shepard-Modus schließlich hat seine Bezeichnung vom gleichnamigen Effekt, bei dem die akustische Täuschung einer unendlich ansteigenden oder abfallenden Tonhöhe erzeugt wird.

Insgesamt stellt der Harmonic-Bereich eine großflächige Spielwiese für Sounddesigner dar, erschließt sich allerdings aufgrund ihrer Komplexität auch längst nicht so leicht wie etwa die VA-Klangerzeugung und benötigt daher einiges an Einarbeitungszeit und Experimentierfreude, aber das liegt nun einfach mal in der Natur der Sache.

Neben den zwei Haupt-Engines mit ihren jeweils vier möglichen Klangerzeugungsformen bit es auch noch eine weitere per Tab erreichbare Sektion, nämlich die UTILITY ENGINE. Sie heißt so, weil sie einige kleine Werkzeuge zur Unterstützung der anderen beiden Engines bietet. Es spricht aber auch nichts dagegen, bestimmte Arten von Klängen ausschließlich mit der Utility Engine zu erstellen.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Utility Engine
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Utility Engine

Zunächst einmal gibt es hier zwei separate Rauschquellen. Im Gegensatz zum Rauschgenerator der Analog-Sektion handelt es sich hierbei um Sampleplayer, die über einen großen Fundus an geräuschhaften Wellenformen und Transienten verfügen, auch jenseits der sonst üblichen einfachen Rauschtypen. Damit lässt sich allerhand Edeldreck in die Klänge einweben. Auch zur Erzeugung diverser Drum- und Percussion-Sounds leisten sie gute Dienste.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Utility Engine - Noise-Typen
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Utility Engine – Noise-Typen

Ausgewählt werden die Noise-Typen über einen eigenen kleinen Browser. Der Import eigener Samples ist hier zwar nicht möglich, die Bandbreite der mitgelieferten Geräusche ist jedoch so groß, dass man dies auch kaum vermissen dürfte.

Ein Vorhörfunktion wäre hier sicher auch schön gewesen, fehlt aber leider. Zumindest aber werden die Samples bei gedrückt gehaltener Keyboardtaste automatisch abgespielt, wenn man sie über die kleinen Pfeiltaster oberhalb des Browsers wechselt. Man kann sich auf diese Weise also noch halbwegs flott durch die ganzen Noise-Typen hangeln.

Die Noise-Samples lassen sich als One-Shot oder als Loop wiedergeben und können bei Bedarf auch mit einem eigenen Filter nachbearbeitet werden, das wahlweise als Hoch- oder Tiefpass arbeitet.

Ein zusätzlicher virtuell-analoger Oszillator vervollständigt die Utility Engine. Er gleicht im Wesentlichen denen der oben besprochenen Analog-Sektion und bietet die selben fünf Wellenformen, von denen Dreieck und Rechteck über eine variable Pulsweite verfügen.

Der Utility-Oszillator bietet eine Grobstimmung von bis zu 36 Halbtonschritten nach oben oder nach unten (was also einem Gesamtumfang von sechs Oktaven entspricht), in der Voreinstellung steht er jedoch auf -12, um ihn schnell als Sub-Oszillator, der eine Oktave tiefer mitschwingt, hinzuschalten zu können.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Utility Engine - Oszillator-Routing
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Utility Engine – Oszillator-Routing

Bezüglich seines Signalflusses bekommt der Utility-Oszillator noch eine kleine Extrawurst gebraten. Man kann nämlich festlegen, ob er wie die anderen Klangerzeugungsquellen auch in die Filtersektion geroutet wird oder aber unter Umgehung dieser wahlweise in einen der beiden Effektbusse bzw. trocken zum Ausgang gelangt.


Abtönung…

Während es bisher in erster Linie darum ging, mit Hilfe der Klangerzeugungsmöglichkeiten mehr oder minder komplexe Obertonstrukturen zu erschaffen, werden diese in in der nächsten Sektion wieder auf subtraktive Weise zurechtgestutzt. Die Rede ist vom Filter, besser gesagt von den Filtern, denn PIGMENTS bietet gleich zwei davon.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Engine-Output
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Engine-Output

Was genau in den Filter gelangen soll, wird an den Outputs der Engines geregelt. Dort gibt es nämlich jeweils einen kleinen bipolaren Drehregler, über den stufenlos eingestellt wird, mit welchem Mischungsverhältnis das Ausgangssignal der entsprechenden Engine in die zwei Filter geleitet wird. In der Mittelstellung werden beide Filter mit dem gleichen Signalpegel gefüttert.

Die Einstellungen eines Filters lassen sich auf den jeweils anderen kopieren, ebenso können die Einstellungen von Filter 1 und Filter 2 mal eben schnell vertauscht werden.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Filtertypen-Auswahl
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Filtertypen-Auswahl

Jedes Filter kann eine eigene Charakteristik annehmen. Zur Auswahl stehen mittlerweile zehn Grundtypen für verschiedenste Anwendungszwecke. Einige davon stellen offensichtlich Wiederverwertungen früherer Emulationen aus dem Hause ARTURIA dar, so etwa SEM, MATRIX 12, MINI oder JUP-8. Auch dem LOWPASS GATE sind wir bereits im BUCHLA EASEL V begegnet.

Die Filter-Typen klingen tatsächlich recht unterschiedlich. Ich habe zu einem akustischen Vergleich noch einmal den „Black & Decker“-Sound von vorhin angespielt und dabei alle paar Takte den Filter-Typ gewechselt, während ich ansonsten alle weiteren Filtereinstellungen unangetastet gelassen habe:

ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Klangbeispiel Filter-Typen

Die meisten dieser Filtertypen besitzen mehrere Modi, die wiederum über ein eigenes Menü aufgerufen werden. Bei einzelnen Filtern, wie etwa dem SEM, kann stattdessen per Drehregler stufenlos zwischen verschiedenen Charakteristika überblendet werden.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Filter-Modi
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Filter-Modi

Mit dem Versionsupdate 3.5 wurde das Kammfilter (COMB) um drei zusätzliche Modi erweitert. So hat man hier mit LP6, BP6 und HP6 nun auch Zugriff auf Tiefpass-, Bandpass- und Hochpassfilter, die über eine relativ geringe Flankensteilheit von nur 6 dB pro Oktave verfügen.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - neue Kammfilter-Modi
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – neue Kammfilter-Modi

Zudem erscheinen exklusiv bei Auswahl eines dieser drei Modi die beiden Parameter DAMPING und ALL-PASS. Letzterer kontrolliert – nicht wirklich überraschend – das integrierte Allpassfilter zur Veränderung des harmonischen Gehalts, während Damping ein weiteres Filter in der internen Rückkopplungsschleife von LP6, BP6 und HP6 regelt. Bei LP6 fallen dadurch die hohen Frequenzen schneller als die tiefen ab, bei HP6 ist es genau umgekehrt und bei BP6 wird auf diese Weise ein Frequenzband zur Erzeugung von Teiltonverstimmungen isoliert.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Filtersektion
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Filtersektion

Parameter wie Grenzfrequenz (Cutoff) oder Resonanz können einerseits über die entsprechenden virtuellen Drehregler verändert werden, anderseits aber auch direkt in den kleinen Grafikdisplays für die Filterkurve. Neben der Lautstärke kann für jedes der beiden Filter auch das Stereopanorama eingestellt werden, damit lassen sich so manche interessante Klangexperimente bewerkstelligen.

Es besteht die Möglichkeit, die Grenzfrequenzen der Filter zu modulieren, gemeinhin auch als Filter-FM bekannt. Welche Quellen dazu verfügbar sind, hängt vom jeweils ausgewählten Filtertyp ab, bei manchen Typen sind einzelne Quellen ausgegraut und somit nicht auswählbar. Mit der Version 3.5 können bei den vier Filtertypen MATRIX 12, SEM, MINI sowie LOWPASS GATE jetzt auch Engine 1 und Engine 2 als Modulatoren verwendet werden. Warum das nur bei diesen der Fall ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Filter-FM-Quellen
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Filter-FM-Quellen

Das auf der rechten Seite verfügbare FILTER ROUTING legt fest, ob und auf welche Weise die beiden Filter miteinander verknüpft werden. Man hat hier die grundlegende Auswahl zwischen PRE-FX SUM und FX SPLIT. Bei der ersten Option kann zwischen serieller und paralleler Verknüpfung wählen, und zwar stufenlos, es sind somit auch alle möglichen Mischungsverhältnisse zwischen beiden Arten realisierbar.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Filter-Routing
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Filter-Routing

FX SPLIT hingegen trennt beide Filter parallel auf und lässt einem anschließend die Wahl, ob Filter 1 in den Effektbus A und Filter 2 in den Effektbus B oder ob Filter 1 in den Effektbus B und Filter 2 in den Effektbus A geleitet werden sollen.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Filter-Routing-Modi
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Filter-Routing-Modi

Alles in allem ist die Filtersektion gleichermaßen umfangreich wie flexibel und lässt somit eigentlich kaum Wünsche offen. Die Klangqualität der Filter muss sich ebenfalls nicht verstecken und fügt sich gut in das Gesamtbild von PIGMENTS ein. Egal, was man vorher auch an klanglichen Gebilden mit den Engines errichtet hat, hier kann man es anschließend noch präzise in die gewünschte Form feilen.


Action Painting…

Jetzt fehlt uns noch etwas zusätzliche Bewegung im Klanggeschehen, und die erzeugt man bei Synthesizern üblicherweise mit diversen Modulatoren. Ein paar davon habe ich ja bereits vorgestellt, nämlich die in den Engines integrierten bzw. die Engines selbst, dies war jedoch erst die Spitze des Eisbergs, denn PIGMENTS hat hier noch so einiges mehr in petto.

Eines der auffälligsten Merkmale von PIGMENTS ist ja der ungefähr in der Mitte positionierte und in zahlreiche Felder unterteilte Streifen, der von links nach rechts über die ganze Bedienoberfläche verläuft und die in anderen Synthesizern oftmals vorhandene Modulationsmatrix ersetzt. ARTURIA nennt ihn einfach CENTER-STRIP. Standardmäßig dient er der Modulationsübersicht.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Modulationsübersicht
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Modulationsübersicht

Jede der vierundzwanzig Unterteilungen beherbergt eine andere Modulationsquelle, deren jeweilige Aktivität in Echtzeit als grafisches Muster dargestellt wird. Unterschiedliche Farbgebungen für einzelne Gruppen von Quellen erhöhen hier die Übersicht.

Bei vielen gleichzeitig aktiven Modulatoren bekommt man hier also eine bunte Lightshow geboten, die ein bisschen an eine futuristische Intensivstation erinnert. Und so existiert zu Beginn des PIGMENTS-Manuals dann auch tatsächlich eine Epilepsie-Warnung! Das ist wohl das erste Mal, dass ich so etwas in Zusammenhang mit einem Synthesizer-Plugin gelesen habe. Ach ja, es gibt dort auch noch eine Warnung vor Hörschäden durch hohe Lautstärken… 😉 Offenbar will ARTURIA mit derartigen Hinweisen von vornherein Ärger aus dem Weg gehen, schließlich wird PIGMENTS auch bei den klagefreudigen Amerikanern vertrieben.

Wenn man mit dem Mauszeiger über einen beliebigen modulierbaren Parameter gleitet, dann erscheint rechts über dem entsprechenden Regler ein kleines Plus-Zeichen. Klickt man auf eben dieses, so wechselt der Center-Strip zu Modulationsquellen-Ansicht, in welcher dann für den aktuell ausgewählten Parameter jede mögliche Modulationsquelle angezeigt wird.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Modulationsquellen-Ansicht
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Modulationsquellen-Ansicht

Über die kleinen, mit einem alphanumerischen Display für die jeweilige Modulationsintensität ausgestatteten Schieberegler lassen sich Modulationszuweisungen vornehmen und verändern. Man weist in dieser Ansicht also einem bestimmten Ziel eine oder mehrere Quellen zu.

Wenn man in der Modulationsübersicht auf eine der vierundzwanzig Bezeichnungen klickt, wird im Center-Strip die ausgewählte Modulationsquelle mitsamt den ihr zugewiesenen Zielen angezeigt.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Modulationsziele-Ansicht
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Modulationsziele-Ansicht

Durch Bewegen der kleinen Mod-Ringe (die übrigens auch Wertebereiche anzeigen und aktive Modulationen animiert darstellen) rund um einen Drehregler kann der entsprechende Parameter als Modulationsziel hinzugefügt werden. Je weiter man dabei diesen Mod-Ring bewegt, desto höher die Modulationsintensität. In dieser Ansicht werden somit einer bestimmten Quelle ein oder mehrere Ziele zugewiesen.

Zu erwähnen sind hier zudem noch die SIDE CHAIN-Optionen in der Modulations-Zuweisung. Eine Modulationquelle kann nämlich ihrerseits durch einen weiteren Modulator ebenfalls moduliert werden. Dieser kann über das SIDE CHAIN-Menü ausgewählt werden. So ließe sich beispielsweise ein Vibrato, das durch einen die Tonhöhe modulierenden LFO erzeugt wird, mittels Modulationsrad ein- und ausblenden.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Modulations-Side-Chain
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Modulations-Side-Chain

Der Side Chain-Modulator wiederum lässt sich gleichermaßen durch eine andere Quelle beeinflussen, so dass etwa ein LFO die Geschwindigkeit eines zweiten steuert, während seine eigene durch einen dritten LFO moduliert wird. Das Resultat sind dann sehr komplexe Modulationen, die auf andere Weise kaum zu erzeugen wären. Da sich dieses Spiel beliebig fortsetzen lässt, sind bei Bedarf hier ellenlange Modulationsketten möglich, sofern diese denn tatsächlich Sinn machen.

Wer genau hingeschaut hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass nicht alle der vorhandenen Modulationsquellen Platz im Center-Strip gefunden haben. So finden sich die bereits erwähnten Modulatoren der Synthese-Engines hier ebenso wenig wie Engine 1 und 2, die sich ja gegenseitig bzw. das Filter frequenzmodulieren können. Das ist aber auch nicht weiter tragisch, da diese Modulatoren ja sowieso nur die die genannten Parameter zu beeinflussen vermögen und nicht etwa frei zuweisbar sind.

Letztere Eigenschaft trifft dafür aber auf die nun folgenden, jeweils via Tab aufrufbaren Modulationsquellen zu. Zunächst einmal gilt dies für die fünf via MIDI zu sendenden Werte Anschlagsdynamik, Aftertouch, Modulationsrad, Keyboardtaste (also der MIDI-Notennummer) sowie Expression-Pedal.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Hüllkurven
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Hüllkurven

Der Tab ENVELOPES bietet drei Hüllkurven, von denen die erste fest mit der Lautstärke (VCA) verknüpft ist. Dennoch lässt sie sich auch anderen Zielen zuweisen, so wie auch der VCA durch andere Modulationsquellen gesteuert werden kann. Die Hüllkurven lassen sich sowohl grafisch als auch via herkömmlicher Drehregler editieren und können wahlweise als ADSR- oder als ADR-Envelopes fungieren.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - LFOs
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – LFOs

Im Tab LFO treffen wir auf drei identisch ausgestattete Niederfrequenzoszillatoren, deren Wellenform sich stufenlos von Sinus über Dreieck und Rechteck zu Sample & Hold überblenden lassen. Symmetrie und Startpunkt der Wellenform sind einstellbar, die Geschwindigkeit lässt sich bei Bedarf synchron zum Host-Tempo mit wählbaren Teilern und Vielfachen regeln.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Funktionsgenerator
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Funktionsgenerator

FUNCTIONS stellt drei Funktionsgeneratoren zur Verfügung. Jeder von ihnen kann Modulationssignale mit bis zu 64 Punkten erzeugen, der Kurvenverlauf zwischen diesen Punkten kann kann mit Hilfe von diversen Zeichenwerkzeugen frei erstellt werden. Es stehen aber auch diverse Presets bereit. Man kann festgelegen, ob ein Generator als eine Art komplexe Hüllkurve oder als ein LFO genutzt werden soll.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Random
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Random

Im Tab RANDOM finden wir drei parallel nutzbare Zufallsgeneratoren. Diese können sowohl freilaufend (die Geschwindkeitseinstellung erfolgt in Hz) als auch synchronisiert arbeiten. Verfügbar sind die drei Modi TURING, SAMPLE & HOLD sowie BINARY.

Turing kann unter anderem Zufallswerte erzeugen, die in einem Zyklus verlaufen, der zwischen 1 und 64 Schrittfolgen umfasst. Sample & Hold entspricht der auch aus anderen Synthesizern bekannten Funktion, bei der diskrete Werte aus einer kontinuierlich verlaufenden Spannung entnommen und dann so lange gehalten werden, bis wieder ein neuer Wert erzeugt wird. Binary schließlich erzeugt bei einstellbarer Wahrscheinlichkeit unterschiedlich lange Abfolgen aus lediglich den Werten 0 und 1.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Combinate
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Combinate

COMBINATE umfasst drei Generatoren, die Modulationen erzeugt, indem sie zwei auswählbare Modulationsquellen durch mathematische Funktionen (beispielsweise Addition, Multiplikation oder Division usw.) miteinander verknüpft und dadurch neue Verlaufskurven erzeugt.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Macros
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Macros

Zu guter Letzt lassen sich auch noch die vier Macro-Regler unten rechts, die wiederum ihrerseits via MIDI-Learn-Funktion durch einen Controller bewegt werden können, als mögliche Modulationsquellen definieren. Wie man sieht, lassen sich die Textfelder unterhalb der Drehregler frei beschriften (maxímal sechzehn Zeichen pro Label).

Übrigens, ich vermeinte während des Tests im Bereich der VCA-Amplitudenmodulation eine kleine Inkonsistenz in der Bedienlogik gefunden zu haben. Dort wählt man nämlich den gewünschten Modulator direkt im Ausklappmenü (siehe Screenshot unten) am Drehregler selbst aus. Gleichzeitig hat dieser Drehregler aber auch einen Mod-Ring zur Zuweisung einer Modulationsquelle wie oben beschrieben. Zunächst erschien mir dies unnötig redundant und ich hatte den Eindruck, dass diese beiden Zuweisungsmöglichkeiten sich teilweise gegenseitig blockierten bzw. aufhoben.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Verstärkermodulationsquellen
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Verstärkermodulationsquellen

Dabei handelte es sich jedoch lediglich um einen Denkfehler meinerseits: Während nämlich die Quellen aus dem abgebildeten Ausklappmenü tatsächlich für die eigentliche Amplitudenmodulation des Verstärkers zuständig sind, werden sie selbst durch die via Mod-Ring hinzugefügten Quellen bloß in ihrer Intensität beeinflusst, also im Prinzip wie bei der weiter oben erwähnte Side Chain-Funktion im Center-Strip.

Insgesamt finde ich das Modulationssystem, wie es ARTURIA hier im PIGMENTS präsentiert, überaus gelungen. Man hat es innerhalb kurzer Zeit erlernt und danach lässt es sich trotz seiner Komplexität doch recht intuitiv bedienen.


Effekt-Lackierung…

Die Effektsektion des PIGMENTS wird über einen gesonderten Tab aufgerufen und nimmt dann den Bildschirmbereich ein, in dem sich normalerweise die Engine- und Filterfunktionen befinden. Es exisiteren drei unabhängige Effektbusse (A, B und AUX), die wiederum mit bis zu drei Effekten bestückt werden können, was nach Adam Riese neun gleichzeitig nutzbare Effektalgorithmen macht. Bie Busse A und B können dabei seriell oder parallel zueinander verknüpft werden, während der AUX-Bus stets parallel zu den anderen beiden geroutet wird.

Sobald man eine der Effektketten auf der linken Seite auswählt, werden rechts davon die Parameter der jeweils darin enthaltenen Effekte editierbar. Effekteinstellungen können von einem Slot in andere kopiert werden, Effekte lassen sich busübergreifend per Drag & Drop verschieben und sowohl die drei Busse als auch die darin enthaltenen Einzeleffekte können bei Bedarf separat deaktiviert werden.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Effektsektion
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Effektsektion

Jeder Effekt-Slot kann mit beliebigen Algorithmus belegt werden. Zur Auswahl stehen Reverb, verschiedene Arten von Delay, Kompressoren, Filter/EQ, zahlreiche Modulationseffekte (darunter auch die von ARTURIA als separate Plugins angebotenen CHORUS JUN-6 und FLANGER BL-20), ein Bitcrusher sowie allerlei Verzerrertypen.

Insbesondere die letztgenannte Kategorie hat ARTURIA im Zuge des Updates 3.5 noch einmal ordentlich aufgestockt. So ruft man jetzt zunächst den Effektmodus DISTORTION aus und kann anschließend noch aus einem Extra-Menü zwischen sechzehn- Verzerrertypen wählen. Die auch in früheren Versionen schon vorhandenen drei Algorithmen DISTORTION, OVERDRIVE und WAVEFOLDER finden sich ebenfalls darunter (es gibt somit dreizehn neue Typen).

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Verzerrertypen
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Verzerrertypen

Für die einzelnen Effeke stellt ARTURIA diverse Presets bereit, gleichwohl können aber auch eigene erstellt und abgespeichert werden, um sie dann später in anderen Klängen des PIGMENTS wiederzuverwenden.

Übrigens, auch viele der Parameter in der Effektsektion lassen sich über das weiter oben beschriebene Modulationsystem beispielsweise durch Hüllkurven oder LFOs beeinflussen und so dynamisch in das Klanggeschehen miteinbeziehen.

Was die Klangqualität dieser Effekte angeht, so dürfte es sich mittlerweile herumgespochen haben, dass ARTURIA auch hierin längst über eine hinreichende Expertise verfügt, welche nicht zuletzt an den Plugins der FX COLLECTION 2 erkennbar wird. Anders ausgedrückt, die Effektsektion des PIGMENTS weiß durch guten Klang zu gefallen und macht in vielen – natürlich nicht in allen – Fällen den Einsatz externer Klangverformer unnötig.


Farbsprühgerät…

PIGMENTS verfügt auch über eine kombinierte Arpeggiator- und Step-Sequencer-Sektion, die sich ebenfalls über einen eigenen Tab erreichen lässt. Arpeggiator und Sequencer lassen sich alternativ zueinander verwenden und bieten zum Teil identische Einstellmöglichkeiten.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Sequencer
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Sequencer

Der hauptsächliche Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass der nur Sequencer über eine Spur zur Eingabe von Notenwerten bzw. der Tonhöhe erlaubt, während diese Reihe ganz oben beim Arpeggiator nicht editierbar ist und stets leer bleibt.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Arpeggiator
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Arpeggiator

Das ist auch logisch, denn beim Arpeggiator wird die gespielte Notenfolge ja schließlich durch die gegriffenen Keyboardtasten (oder die von der DAW getriggerten Noten) sowie durch die ausgewählte Abspielreihenfolge bestimmt. Letztere kann nach Reihenfolge der angespielten Noten, aufwärts, abwärts, auf- und abwärts mit oder ohne doppelt gespielte höchste und tiefste Noten sowie völlig zufällig erfolgen.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Arpeggiator-Modi
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Arpeggiator-Modi

Beim Sequencer können nicht nur die Notenwerte im PITCH-TRACK festgelegt werden, es besteht darüber hinaus auch die Möglichkeit, eine von vierzehn vorgefertigten Skalen auszuwählen oder aber eine eigene Skala zu erstellen. Dabei kann sogar für jede Note einer Oktave die Wahrscheinlichkeit, mit der diese gespielt wird, über kleine Schieberegler eingestellt werden.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Sequencer-Scale
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Sequencer-Scale

Die weiteren Einstellmöglichkeiten für Arpeggiator und Sequencer unterscheiden sich nicht. Sequenzen und Arpeggios können aus bis zu sechzehn Schritten bestehen und verfügen über fünf zusätzliche Spuren, mit denen die Oktavlage, die Anschlagsdynamik, die Wahrscheinlichkeit, mit welcher ein bestimmter Schritt tatsächlich ausgelöst wird, die Schrittlänge sowie gleitende Tonhöhenänderungen (Slides) gesteuert wird. Bei Bedarf kann jede Spur mittlels eines speziellen POLYRHYTHM-Modus auch ihre eigene Länge besitzen. Zudem gibt es in allen Spuren Aufklappmenüs, in denen jeweils ein Geschwindigkeitsteiler im Bereich von Halben bis hin zu Sechzehnteln ausgewählt werden kann.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Geschwindigkeitssteiler im Sequencer
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Geschwindigkeitssteiler im Sequencer

Erwähnenswert sind auch die umfangreichen Zufallsfunktionen im Arpeggiator/Sequencer des PIGMENTS. Zunächst einmal gibt es die durch Würfelsymbole gekennzeichneten, spurbezogenen RANDOM-Einstellungen. Hier kann für jede Spur separat ein prozentualer Wert mit zwei Nachkommastellen festgelegt werden, der bestimmt, wie stark der jeweilige Parameter zufälligen Änderungen beim Abspielen unterworfen ist. Einzelne Spalten eines Patterns lassen sich dabei via Lock-Funktion vor derartigen Abweichungen schützen.

ARTURIA PIGMENTS 3.5 - Zufallsfunktionen im Sequencer
ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Zufallsfunktionen im Sequencer

Des Weiteren existiert die sogenannte RANDOMIZE-Sektion, mit der die Einstellungenen eines Patterns in Abhängigkeit zu den gerade erwähnten prozentualen Vorgaben der einzelnen Spuren durcheinandergewürfelt werden kann. Die Zufallsfunktion kann mittels Betätigung der entsprechenden Schaltfläche oder aber automatisiert ausgelöst werden. Letztere Option nennt sich AUTO REGEN und vermag zufällige Änderungen in auswählbarer Länge zu erzeugen. Die Zeitwerte reichen hierbei von 1/16 Takt bis hin zu 8 Takten. Somit kann ein Pattern trotz seiner maximalen Länge von sechzehn Schritten durch stetige Veränderung deutlich länger erscheinen.

Übrigens, der Sequencer im PIGMENTS vermag seine Erzeugnisse auch an die Außenwelt abzugeben, angesichts seiner zahlreichen Zufallsfunktionen ist das sicherlich für den einen oder anderen unter Euch nicht ganz uninteressant.


Malen nach Zahlen…

Zu den klanglichen Qualitäten des PIGMENTS habe ich in den vorangegangenen Absätzen ja bereits vereinzelte Anmerkungen gemacht. Generell gesagt, gefällt mir der grundsätzliche Klang subjektiv sehr gut. Er kann er seine digitale Herkunft in den meisten Fällen nicht verleugnen, und das ist auch gar nicht notwendig.

PIGMENTS vermag zwar durchaus auch den einen oder anderen analogartigen Klang aus dem Ärmel zu zaubern, dieser ertönt hier dann jedoch deutlich geradliniger als bei einer typischen Vintage-Emulation. Seine wirkliche Stärke liegt vielmehr in erkennbar digitalem Klanggut der unterschiedlichsten Art, und hier hat er eine Bandbreite vorzuweisen wie sonst nur wenige Mitbewerber.

PIGMENTS kann bisweilen sehr freundlich und schmeichelnd klingen, aber bei Bedarf auch eine ausgesprochene Härte und Aggressivität an den Tag legen. Auch gläserne oder metallische Sounds gelingen spielerisch mit ihm, und natürlich ebenso alles, was man so mit Wavetables und Samples auf kreative Weise anstellen kann.

Daher stellt PIGMENTS für meinen Geschmack eine sehr gute Ergänzung zu bereits vorhandenen Analogsynthesizern bzw. entsprechenden Emulationen dar, mit denen er in friedlicher Koexistenz auskommt, ohne um Platz im Mix kämpfen zu müssen oder gnadenlos alles andere beiseite zu drängen.

In eine Abmischung fügt sich PIGMENTS problemlos ein, und insbesondere beim Schichten mehrerer Spuren mit ihm wirkt das Klangbild erfreulicherweise nicht matschig oder verwaschen. Der nachfolgende musikalische Erguss wurde allein mit PIGMENTS 3.5 erstellt:

Klangbeispiel ARTURIA PIGMENTS 3.5

Insgesamt achtzehn Spuren mit ebenso vielen Instanzen kamen hierbei zum Einsatz, auch das gesamte Schlagwerk stammt aus dem PIGMENTS. An einigen Stellen habe ich den Lautstärkeverlauf in der DAW automatisiert, aber weitere Klangerzeuger und Effekte kamen nicht zum Einsatz. Auf Kompression und Equalizing habe ich, wie eigentlich immer bei meinen Klangbeispielen, völlig verzichtet. Zur Vermeidung von Übersteuerungen habe ich stattdessen mit vergleichsweise geringem Pegel aufgenommen und anschließend die Audiodatei vor der Konvertierung ins MP3-Format auf -3dB normalisiert.

Die meisten der verwendeten Klänge sind übrigens Presets, zum Teil aus dem neuen Fundus des 3.5-Updates stammend, die ich bisweilen nur etwas angepasst habe. Auch ein paar der Sequenzen und Arpeggios kamen bereits fertig aus der Box, sind also nicht auf meinem eigenen Mist gewachsen. Andere Klänge, wie etwa die Hihat, habe ich „from the scratch“ selbst gebastelt, da dies schneller ging, als erst etwas passendes zu suchen.


Fazit:

PIGMENTS ist sicherlich bei weitem der vielseitigste Software-Synthesizer, den ARTURIA im Portfolio hat, und bildet einen sehr erfrischenden Kontrast zu den ebenfalls angebotenen Emulationen.

Die einzelnen Klangerzeugungs-Typen sind dabei für sich allein genommen ja gar nicht mal so spektakulär und ließen sich durchaus auch mit anderen Plugins nachahmen. Ihre eigentliche Potenz zeigen sie erst im gemeinsamen Zusammenwirken, gepaart mit den hervorragenden Modulationsmöglichkeiten.

Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle noch einmal, dass dies alles mit einem schnell und gut beherrschbaren Bedienkonzept einhergeht. Hier trennt sich dann nämlich doch recht schnell die Spreu vom Weizen und PIGMENTS gräbt so manchem vermeintlich gleichwertigen Konkurrenten das Wasser ab.

Was das Update auf die Version 3.5 angeht, für Besitzer der Vorversion stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, eigentlich gar nicht, denn es ist für sie ja kostenlos erhältlich und erweitert das sowieso schon umfangreich ausgestattete Plugin um weitere interessante Features, wie etwa die Nutzung der Engines für Frequenz- und Crossmodulation. Für Neueinsteiger hingegen erhöhen diese zusätzlichen Funktionen den Kaufanreiz einmal mehr, ihnen sei das Ausprobieren der Demoversion empfohlen.

PIGMENTS ist bei ARTURIA zum regulären Preis von 199,- Euro erhältlich. Viele Mitbewerber mit einer vergleichbaren Komplexität und Klangvielfalt liegt in mehr oder weniger der selben Preisklasse, es geht aber zum Teil auch deutlich teurer.

Wem dies generell zu viel Asche ist, der muss halt so lange warten, bis PIGMENTS irgendwann mal wieder als Sonderangebot verfügbar ist, dann lässt er sich nämlich auch schon mal zum halben Preis ergattern.

Bestandskunden erhalten darüber hinaus häufig noch weitere Rabatte von ARTURIA, ich persönlich beispielsweise hatte kürzlich wiederholt Werbe-Emails in meinem Postfach, in denen mir die Vollversion von PIGMENTS für vergleichsweise schlanke 69,- Euro angeboten wurde.


Positives:
+ guter Grundklang
+ sehr flexible Klangformung
+ gelungenes Modulationssystem
+ eigene Wavetables und Samples ladbar
+ Step-Sequencer und Arpeggiator
+ umfangreiche Effektsektion
+ leicht erlernbare Bedienung
+ praktische In-App-Tutorials
+ umfangreiche MIDI-Learn-Sektion
+ viele gute Presets
+ CPU-freundlich
+ Offline-Aktivierung möglich

Negatives:
– keine Vorhörfunktion im Wavetable-Browser
– kein Timestretching für Samples


Produktwebseite: https://www.arturia.com/products/analog-classics/pigments/overview#de

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2 Gedanken zu “Testbericht: ARTURIA PIGMENTS 3.5 – Klangmalkasten”

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