Testbericht: ARTURIA FX COLLECTION 2 – Die effektive Familienpackung

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 09.07.2021

„Audio effects you’ll actually use“, mit diesem recht selbstbewussten Versprechen bewirbt ARTURIA sein inzwischen auf eine stattliche Größe angewachsenes Portfolio an Effekt-Plugins. Grund genug für uns, angesichts der frisch veröffentlichten FX COLLECTION 2 mal abzuchecken, ob es sich dabei nur um einen vollmundigen PR-Sprech handelt, oder ob die virtuellen Effekte aus Grenoble wirklich das Zeug dazu besitzen, dass wir sie auch tatsächlich nutzen werden…


Generalvollmacht…

Bevor wir uns die Effekte im Einzelnen anschauen, betrachten wir zunächst einmal ihre Grundeigenschaften und die plugin-übergreifenden Gemeinsamkeiten. ARTURIA setzt softwaremäßig seit einigen Jahren nur noch auf 64-Bit-Betriebsysteme, was heutzutage nun mal Standard ist. Wer sich hingegen zur Randgruppe zählt, die noch zwingend 32-Bit-Plugins benötigt, der muss halt auf eine entsprechende Bit-Bridge setzen, wenn er die FX COLLECTION 2 verwenden möchte.

ARTURIA FX COLLECTION 2
ARTURIA FX COLLECTION 2

Die von ARTURIA offiziell genannten Mindestvoraussetzungen auf Betriebssystemseite sind macOS 10.13 sowie WINDOWS 8.1, ich konnte die FX COLLECTION 2 im Test jedoch auch problemlos unter WINDOWS 7 installieren und einsetzen.

Alle Plugins sind in den Formaten AU (nur macOS), AAX, VST 2.4 und VST 3 verfügbar, wobei ich mich in diesem Test auf die beiden Letztgenannten beschränkt habe. Wer einen der aktuellen Hardware-Controller von NATIVE INSTRUMENTS sein Eigen nennt, der dürfte sich vermutlich über die Unterstützung des NKS-Formats freuen.

Die für die Installation benötigten Setup-Dateien lassen sich einzeln über den persönlichen Account bei ARTURIA herunterladen, alternativ kann man dies über das obligatorische ARTURIA SOFTWARE CENTER, kurz ASC, auf dem Host-Rechner selbst erledigen, eventuelle spätere Updates eingeschlossen. Über das ASC kann dann auch die eigentliche Installation eingeleitet werden, die anschließend zur dauerhaften Nutzung notwendige Aktivierung muss auf jeden Fall darüber erfolgen. Eben diese Aktivierung erfolgt am schnellsten online, dazu muss natürlich eine Internetverbindung auf dem Host-Rechner vorhanden sein. Eine Offline-Aktivierung ist bei Bedarf ebenfalls möglich, der entsprechende Button dafür erscheint jedoch nur dann im ASC, wenn der Rechner auch tatsächlich offline ist. Eine Lizenz erlaubt die Aktivierung auf bis zu fünf verschiedenen Rechnern.

Sämtliche Plugins der FX COLLECTION 2 ließen sich auf meinem Studiorechner (CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz sowie 16 MB RAM) verwenden, ohne dass es dabei zu irgendwelchen perfomance-bedingten Auffälligkeiten kam. CPU-Killer sind sie also nicht.

Die Bedienoberflächen aller Plugins sind in weiten Bereichen skalierbar. Vorgenommene Parameter-Änderungen lassen sich bei Bedarf über eine vierschrittige Undo-/Redo-Funktion inklusiver eigener History-Liste rückgängig machen bzw. wiederholen. Die bei vielen der Plugins vorhandenen MIX- bzw. DRY/WET-Regler verfügen in der Regel über eine LOCK-Funktion, die das eingestellte Mischungsverhältnis auch bei einem Preset-Wechsel beibehält.

Obwohl ARTURIA auf der Webseite zur FX COLLECTION 2 auch die Fähigkeit bewirbt, das sich alle Parameter der Plugins einfach mit einem beliebigen MIDI-Controller verbinden lassen, ist es mir im Test leider nicht gelungen, diese Funktion ausfindig zu machen oder sie gar einzusetzen. Ein entsprechendes MIDI-Learn-Menü ist jedenfalls nicht vorhanden. Auch die jeweiligen Inline-Tutorials und die PDF-Anleitungen schweigen sich dazu aus. Sehr merkwürdig…

Um die Effekte dennoch via MIDI steuern zu können, ist man derzeit also noch auf eine Unterstützung seitens der DAW angewiesen. Die von mir im Test eingesetzten Hosts MIXCRAFT 9 und STUDIO ONE besitzen beide Funktionen zum Anlernen von MIDI-CCs, die sich dann mit beliebigen Automations-Parametern der geladenen Plugins verknüpfen lassen. Im Gegensatz zu ARTURIAs Instrumenten-Plugins reagieren die Regler der FX-Plugins übrigens auf Mausrad-Bewegungen.

ARTURIA FX COLLECTION 2 - Preset-Browser
ARTURIA FX COLLECTION 2 – Preset-Browser

Zu den Gemeinsamkeiten der FX-Plugins zählt auch der Preset-Browser, Wer schon mal mit einem der Plugins aus der V COLLECTION gearbeitet hat, dem wird das Design und die Strukturierung sehr bekannt vorkommen. Neben den einzelnen Presets selbst lassen sich mit Types, Styles und Banks auch diverse Meta-Kategorisierungen anzeigen, mit denen dann die gewünschte Art von Preset leicht vorab sortiert und herausgefiltert werden kann.

ARTURIA FX COLLECTION 2 - In-App-Tutorials
ARTURIA FX COLLECTION 2 – In-App-Tutorials

Wie schon bei der V COLLECTION 8 gibt es auch in der FX COLLECTION 2 die plugin-spezifischen In-App-Tutorials (nur auf Englisch), die auch ohne eine Konsultation der Anleitung eine kurze Einführung in die verschiedenen Funktionen der einzelnen Effekte bieten. Das ist vor allem für Einsteiger sehr praktisch und gefällt mir persönlich auch deutlich besser als irgendwelche Youtube-Videos mit viel Gelaber!

Übrigens, zu allen in der FX COLLECTION 2 enthaltenen Plugins existieren auch ausführliche PDF-Anleitungen in deutscher Sprache. Während dies bei den jüngsten Neuzugängen zu Beginn meiner Testphase noch nicht der Fall war, hat ARTURIA hier inzwischen bereits nachgeliefert, bevor ich mit diesem Testbericht fertig geworden bin.

Noch ein Wort bezüglich meiner Klangbeispiele zu den einzelnen Plugins der FX COLLECTION 2. Manch einer dürfte diese vielleicht als etwas einseitig empfinden und sich hier und da noch mehr alternative Klangquellen wünschen, etwa akustische Instrumente, E-Gitarren oder Gesang usw. Mir ist schon klar, dass ich hier lediglich eine kleine Bandbreite an Beispielen präsentieren kann, die zudem nur die von mir favorisierten elektronischen Klängen beinhalten und damit nicht das vollständige Spektrum der Möglichkeiten dieser Effekte abzubilden vermögen. Angesichts eines ganze 22 Plugins umfassenden Bundles musste ich mich zwangsläufig auf relativ wenige, exemplarische Demonstrationen beschränken. Dies nur zur Information.


Busbahnhof…

Das erste Plugin, das ich hier begutachte, ist ein mit der FX COLLECTION 2 vorgestellter Neuzugang bei ARTURIA und nennt sich BUS FORCE. Es handelt sich um das bis dato einzige Plugin der FX COLLECTION, dass gleich mehrere Effektmodule unter einer Haube vereint. Geboten werden hier Equalizer, Hoch- und Tiefpassfilter, Kompression, Sättigung sowie ein ausgangsseitiger Clipper, ähnlich einem Channel-Strip.

Im Gegensatz zu den meisten Plugins der FX COLLECTION 2 handelt es sich bei BUS FORCE auch nicht um die Emulation eines bestimmten Vorbilds, sondern um eine Eigenkreation ARTURIAs. Gleichwohl finden hierbei aber diverse Nachahmungen unter einer Haube zusammen, so wurde etwa das Filter dem hauseigenen SEM V entliehen und der Equalizer orientiert sich an einem klassischen PULTEC-Design.

BUS FORCE funktioniert sowohl auf Mono- als auch auf Stereo-Kanälen, und obwohl der Name eine Verwendung auf Bussen oder gar auf der Stereosumme nahelegt, lässt er sich auch prima auf Einzelspuren gewinnbringend einsetzen.

Wer BUS FORCE gerne zum Mastering heranziehen möchte, der dürfte sich an der Möglichkeit erfreuen, dass sich der Phasengang zwischen Linear Phase und Minimum Phase um schalten lässt. Erstere Option verspricht einen linearen Phasengang (ach was…), bringt dafür jedoch etwas mehr Latenz ins Spiel, während Minimum Phase sich hingegen eher für latenzfreie Mixing-Anwendungen eignet. Übrigens kommt bei BUS FORCE stets ein Oversampling zum Einsatz.

Erwähnenswert ist auch noch der interne DC Blocker, der sich bei keinem der anderen ARTURIA-Plugins findet und der sich bei Bedarf hinzuschalten lässt. Dieser erspart gegebenenfalls eine nachträglich notwendige DC Offset-Korrektur.

Die Bedienoberfläche gibt sich einigermaßen schnörkellos und praxisbezogen, einzig bei den virtuellen Drehreglern konnte ARTURIA es sich nicht verkneifen, durch emulierte Lichtreflexionen der Sorte „hübsch, aber nutzlos“ einen gewissen Photorealismus zu erzeugen, im Gegensatz zu manch anderen Plugins wird hierdurch die Bedienung und die Ablesbarkeit jedoch zum Glück nicht unnötig erschwert.

ARTURIA BUS FORCE
ARTURIA BUS FORCE

Als weitere Besonderheit vermag BUS FORCE mit einer umfassenden Parallelbearbeitung des zugeführten Audiosignals aufzuwarten, und dies alles innerhalb des Plugins selbst, ohne umständliche Routing-Fummeleien in der DAW. Dazu bietet BUS FORCE drei interne Audiopfade: Einen für das trockene Signal, einen für das komprimierte Signal und einen für das gesättigte Signal. Für alle drei gibt es getrennte Pegelsteller. Sehr praktisch finde ich auch die auf Wunsch zuschaltbare Lautstärkekompensation, die dafür sorgt, dass der Gesamtausgangspegel automatisch an den jeweiligen Eingangspegel angepasst wird.

ARTURIA BUS FORCE - verschiedene Routing-Konfigurationen
ARTURIA BUS FORCE – verschiedene Routing-Konfigurationen

Wo die einzelnen Effektmodule im Signalweg positioniert sind, lässt sich durch ein flexibles Routing definieren. So kann beispielsweise bei einer seriellen Verknüpfung ein vorab entzerrtes und gefiltertes Audiosignal zunächst komprimiert und danach saturiert werden, ebenso kann es aber auch parallel komprimiert und saturiert werden. Insgesamt existieren sechsunddreißig verschiedene Routing-Kombinationen. Bei Bedarf können einzelne Module unabhängig voneinander komplett deaktiviert werden.

ARTURIA BUS FORCE - adaptives Display
ARTURIA BUS FORCE – adaptives Display

Die im linken oberen Bereich platzierte Display-Sektion schaltet selbsttätig seine Ansicht passend zu dem sich aktuell in Bearbeitung befindlichen Effektmodul um und präsentiert dabei jeweils eine Wellenformansicht des Audiosignals sowie weitere, effektspezifische Parameterkurven.

Die eigentlichen Effektmodule selbst sind umfassend ausgestattet, so kann etwa der Equalizer mit drei parametrischen Bändern dienen, Hochpassfilter und Tiefpassfilter verfügen jeweils über einen eigenen Resonanzregler, der Compressor besitzt nicht nur eine Sidechain-Sektion für interne und externe Quellen, sondern auch einen FORCE getauften Regler, der anstelle des sonst üblichen Ratio-Regler agiert und neben der Ratio auch gleich einige weitere Parameter verändert, zugunsten etwas extremerer Klangergebnisse. Der Saturator emuliert eine Röhrensättigung mit einstellbaren Harmonischen (gerade, ungerade oder beides) und einem zusätzlichen Verzerrer.

Klanglich gibt es für mich an BUS FORCE nichts auszusetzen, ARTURIA hat es also durchaus drauf, gutklingende und konkurrenzfähige Effekt-Plugins zu produzieren, obwohl dies ja eigentlich gar nicht das Kerngeschäft der Grenobler ist.

Für mein Klangbeispiel kommt ein technoider Drumloop zum Einsatz, die ersten vier Takte sind sind zum Vergleich unbearbeitet, anschließend folgen sieben Durchläufe mit jeweils anderen Einstellungen am Plugin. Insbesondere beim letzten Beispiel finde ich recht interessant, dass BUS FORCE hier nicht nur das einfach Klangbild verändert, sondern auch einen starken Einfluss auf den Rhythmus selbst nimmt.

Klangbeispiel ARTURIA BUS FORCE

Wenngleich ARTURIA mit BUS FORCE nun zwar nicht gleich das Rad neu erfunden haben dürfte (wer tut dies schon…?) und der Plugin-Markt darüber hinaus bereits ähnliche Effekte einzeln oder in Kombination bietet, so muss man dennoch zugestehen, dass man sich hier Gedanken gemacht hat, wie man diese an sich ja eher unspektakuläre Zusammenstellung mit ein paar sinnstiftenden Extras aufwerten könnte, Stichwort Parallelbearbeitung. Und einmal mehr gilt hier die bekannte Erkenntnis Aristoteles, nach der das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile…


Gleichbehandlung…

Mit dem ebenfalls neuen EQ SITRAL-295 hat ARTURIA nun endlich auch ein eigenes Equalizer-Plugin im Sortiment. Als Vorlage dienten hier drei auf Transistortechnik basierenden Entzerrer der deutschen Firma SIEMENS (ja, unter dieser Marke gab und gibt es weitaus mehr Produkte als etwa bloß Waschmaschinen…) aus den frühen 1970ern, der vor allem für den Einsatz in Rundfunkanstalten konzipiert worden waren, sich jedoch bald auch in so manchen Recording-Studios wiederfanden. Genauer gesagt hat ARTURIA die EQ-Module W293, W294 sowie W295b analysiert und die Ergebnisse dann zu einem Plugin verarbeitet. Der EQ SITRAL-295 soll sowohl für Busse als auch für Einzelspuren geeignet sein, zudem erlaubt er auch eine Mid/Side-Bearbeitung des Audiosignals.

ARTURIA EQ SITRAL-295
ARTURIA EQ SITRAL-295

Der Equalizer bietet pro Stereokanal unabhängige Kontrollen, auf Wunsch können diese aber gekoppelt und so gemeinsam geregelt werden. Eine Autogain-Funktion hilft dabei, durch die Bearbeitung eventuell entstehende Lautstärkeveränderungen zu kompensieren. Mittels Range-Schalter lässt sich der Wirkungsgrad proportional abschwächen, und mit CHARAKTER lässt sich das Klangbild von dem der klassischen Hardware zu einem etwas moderneren Grundsound wechseln.

Wer den Klang nicht nur rein nach Gehör einstellen möchte oder kann, der klickt einfach auf die rechts oben befindliche Schaltfläche namens VISUALIZER, und schwupps wird die Emulation um eine modernes Feature des Computerzeitalters ergänzt, nämlich einer großen Anzeige für den eingebauten Analyser und den Verlauf der Regelkurven.

ARTURIA EQ SITRAL-295 - Visualizer
ARTURIA EQ SITRAL-295 – Visualizer

Der eigentliche Equalizer integriert das schaltbare Hochpassfilter des SITRAL W293, das ebenfalls schaltbare Tiefpassfilter des SITRAL W294 sowie das aus drei Bändern bestehende EQ-Modul des SITRAL W295b (Letzteres dürfte wohl auch für die Namensgebung des Plugins hergehalten haben) unter einer Haube. Dieses EQ-Modul umfasst einen Low Shelf mit den festen Frequenzen 50, 100 oder 300 Hz, einen High Shelf mit 5, 10 oder 30 kHz und ein PRÄSENZ genanntes Glockenfilter.

Obgleich der EQ SITRAL-295 wie sein Vorbild auch hier nur eine Auswahl fester Werte auf seiner Bedienoberfläche präsentiert, so ist diese vermeintliche Einschränkung nur scheinbar, denn das Plugin erlaubt in Wirklichkeit eine stufenlose Parameteränderung. Wer aber die fixen Stufen des Originals eigentlich als eine Stärke ansieht, weil er damit schneller zu arbeiten vermag, der kann STEPPED CONTROLS am unteren Rand des Plugins aktivieren und damit dann tatsächlich auch nur die jeweils auf dem Bedienpanel angezeigten Werte auswählen.

Den Drumloop von eben hört Ihr auch im folgenden Klangbeispiel, dieses startet wiederum zunächst mit einem trockenen Durchlauf, danach folgen sieben Variationen:

Klangbeispiel ARTURIA EQ SITRAL-295

Und so ein schnöder Loop ist sicherlich nicht das Ende der Fahnenstange, auch auf feinsinnigerem Audiomaterial vermag der EQ SITRAL-295 seine Stärken zu entfalten, hier vielleicht sogar noch viel mehr. Auch wer schon allerlei Equalizer-Plugins besitzt, kann durchaus vom EQ SITRAL-295 profitieren, bringt er doch eine eigene Klangcharakteristik ins Spiel, die sich von der anderer EQs unterscheidet.


Verdichterpumpen…

Zum Thema Kompression hat ARTURIA ja bereits seit ein paar Jahren ein Trio am Start, bestehend aus den Plugins COMP VCA-65, COMP FET-76 und COMP TUBE-STA. Die FX COLLECTION 2 fügt diesem Set nun noch den neuen COMP DIODE-609 hinzu (wobei ARTURIA Letzteren eigentlich ebenso wie den EQ SITRAL-295 zusammen mit BUS FORCE zum Bus-FX-Trio zählt…). Wie schon bei seinen älteren Geschwistern, handelt es sich auch bei diesem um die Emulation eines realen Vorbilds, und zwar des auf einer Dioden-Schaltung basierenden NEVE 33609 Compressor/Limiter. ARTURIA empfiehlt seinen Einsatz vorrangig auf Stereobussen, schließt aber eine Verwendung auf Einzelsignalen auch hier nicht aus. Der COMP DIODE-609 eignet sich zudem auch für Mid/Side-Anwendungen.

ARTURIA COMP DIODE-609
ARTURIA COMP DIODE-609

Die Parameterkontrollen des Kompressors geben keine Rätsel auf und folgen dem bekannten Standard (der sonst üblichen übliche Release-Regler heißt hier halt bloß RECOVERY). Gegenüber dem Original von NEVE, das lediglich eine feste, nicht einstellbare Attack-Zeit aufweist, hat ARTURIA seinem COMP DIODE-609 zusätzlich eine freie Regelung verpasst.

Es gibt separate Regler für jeden der beiden Stereo-Kanäle bzw. den Mitten- und den Seiten-Kanal, diese können via PARAMETER LINK auch miteinander gekoppelt werden, ebenso wie der der Detektor sowohl ein Stereo- als auch zwei Mono-Signale zu verarbeiten vermag. Dies gilt aber logischerweise alles nur bei einem Einsatz auf einer Stereo-Spur. Wenn man COMP DIODE-609 hingegen auf eine Mono-Spur geladen, dann präsentiert er automatisch auch nur die dafür relevanten Kontrollen. Das finde ich weitaus praktischer, als etwa separate Mono- und Stereo-Plugins anzubieten, die dann gezielt insertiert werden müssen.

ARTURIA COMP DIODE-609 auf einem Mono-Kanal
ARTURIA COMP DIODE-609 auf einem Mono-Kanal

Die Limiter-Sektion verfügt über eigene Threshold- und Recovery-Regler, die Attack-Zeit kann mittels Schalter von schnell zu langsam gewechselt werden. Ein Mix-Regler in der Ausgangssektion ermöglicht auf einfache Weise eine Parallelkompression, auch als „New York Compression“ bekannt, der NEVE 33609 muss in dieser Angelegenheit ja passen.. Die beiden dem Vorbild nachempfundenen virtuellen VU-Meter lassen sich durch einen simplen Mausklick in ein modernes Display mit Anzeige des Audiosignals und der Gain Reduction verwandeln.

ARTURIA COMP DIODE-609 - Display
ARTURIA COMP DIODE-609 – Display

Auch der COMP DIODE-609 besitzt ein für ARTURIA typisches ADVANCED PANEL, das nach unten hin ausgefahren werden kann. Hier verbergen sich die Kontrollen für die zusätzliche Side-Chain-Option. Diese kann ein internes wie auch ein externes Signal heranziehen, bei Bedarf steht ein eigener Equalizer dafür zur Verfügung. Wer seinem Eingangssignal noch eine sehr subtile (!) Form der Verzerrung mit auf dem Weg geben möchte, der finden hier zudem einen Regler namens INPUT DRIVE.

ARTURIA COMP DIODE-609 - Advanced Panel
ARTURIA COMP DIODE-609 – Advanced Panel

Ach ja, ähnlich wie auch schon der weiter oben abgehandelte EQ SITRAL-295, kann beim COMP DIODE-609 über STEPPED CONTROLS einstellt werden, ob die Regler stufenlos funktionieren oder aber nur feste Werte anwählen sollen.

Und noch ein weiteres Mal muss der leidige Drumloop für das Klangbeispiel herhalten, wieder zuerst trocken und im Anschluss mit sieben unterschiedlichen Einstellungen.

Klangbeispiel ARTURIA COMP DIODE-609

Wenden wir uns nun noch den drei restlichen Kompressoren im Bundle zu, die ARTURIA ja schon seit einiger Zeit anbietet, die wir allerdings, wie alle anderen Effekte der FX COLLECTION 2 auch, bisher noch nie im Test hier bei uns hatten. Wenn man einmal die gerätespezifischen Unterschiede, die durch die Originale vorgegeben werden, außer Acht lässt, so ist der grundsätzliche Aufbau dieser drei Plugins recht ähnlich.

Den Anfang macht der COMP VCA-65. Die Kompressoren von ARTURIA tragen die jeweilige Schaltungstechnik der von ihnen emulierten Hardware-Vorbilder ja bereits in ihren Namen. Demzufolge ahmt der COMP VCA-65 auch einen Kompressor nach, der auf einem spannungsgesteuerten Verstärker basiert, nämlich den DBX 165A.

ARTURIA hat sich beim Layout der Bedienoberfläche einmal mehr vom Original inspirieren lassen, jedoch hier und da kleinere Änderungen vorgenommen. Die üblichen Regler eines Kompressors finden sich auch beim COMP VCA-65, der sonst meist mit RATIO betitelte Drehknopf ist hier mit COMPRESSION beschriftet. Die Attack- und Release-Zeiten lassen sich sowohl manuell einstellen als auch via Automatik regeln. Es gibt einen zusätzlichen Peak-Limiter, dessen einziger Parameter in der Einsatzschwelle besteht.

Der Mix-Regler hingegen war beim DBX 165A nicht vorhanden, ARTURIA hat kurzerhand allen seinen Kompressoren einen solchen verpasst, eine Parallelkompression ist also auch ohne eine Verdopplung von Spuren o.ä. möglich.

Ein virtuelles VU-Meter findet sich ebenfalls bei allen COMP-Plugins wieder, so auch beim COMP VCA-65. Die Anzeige lässt sich jeweils zwischen Eingangspegel, Ausgangspegel sowie der Pegelreduktion umschalten. Durch ein Menü am unteren Rand kann man die Emfindlichkeit des VU-Meters einstellen, man hat hierbei die Auswahl zwischen -18 dB (sinnvolle Voreinstellung), -14 dB und -8 dB.

ARTURIA COMP VCA-65
ARTURIA COMP VCA-65

Übrigens, auch wenn hier nur ein einziges VU-Meter existiert (und nicht derer zwei wie beim COMP DIODE-609), so eignet sich der COMP VCA-65 dennoch für den Einsatz auf Stereo-Spuren. Das VU-Meter zeigt dann standardmäßig den linken Kanal an (erkennbar am L), lässt sich jedoch auch auf den rechten Kanal schalten (durch einen Mausklick auf eben dieses L).

Der COMP VCA-65 besitzt wie alle seine Geschwister ein sogenanntes ADVANCED PANEL, welches die Bedienoberfläche nach unten hin erweitert. Hier befinden sich u.a. die Kontrollen für das Side-Chaining. Es kann hierfür, wie bei den anderen Kompressoren auch, eine interne oder eine externe Quelle herangezogen werden. Das Side-Chain-Signal lässt sich zur Kontrolle über LISTEN auch separat abhören.

Exklusiv beim COMP VCA-65 existiert aber auch noch ein manueller Modus, bei dem auf Knopfdruck eine Sinuswelle als Steuersignal generiert wird. Diese Funktion lässt sich auch via MIDI bzw. über Automationsdaten in der DAW auslösen, beispielsweise für die beliebten Ducking-Geschichten.

Ausschließlich bei der Verwendung des COMP VCA-65 auf einer Stereo-Spur bekommt man den Regler für den DETECTION MODE zu Gesicht, mit dem man festlegt, welche Signalanteile zur Erkennung dienen. Neben den beiden Stereo-Kanälen können dies auch Mitten- und/oder Seitenanteile sein.

Über TIME WARP lässt sich die Geschwindigkeit der Erkennung beeinflussen. Negative Werte in Richtung SNAP aktivieren einen Look Ahead-Modus, während positive Reglerstellungen (LOOSE) eine etwas weniger rigide Erkennung bewirken, bei der besonders schnelle Transienten ignoriert werden.

Zu den Side-Chain-Optionen zählt auch ein halbparametrischer Equalizer mit zusätzlichem Hoch- und Tiefpassfilter. Dieser EQ dient nur zur Frequenzbeeinflussung der Side-Chain-Quelle, nicht etwa des eigentlichen Audiosignals! So könnte man etwa die energiereichen Bassanteile herausfiltern, damit diese keine Kompression auslösen.

Last but not least befindet sich im ADVANCED PANEL auch noch ein COMPRESSION RANGE-Regler, mit dem sich die Pegelreduktion einschränken lässt. Bei einem Wert von 0 dB findet schließlich überhaupt keine Reduktion mehr statt und der Kompressor dient durch seine Verstärkerfunktion lediglich als klangfärbendes Element im Mix.

Bei meinem Klangbeispiel kommt ein anderer, etwas weniger hektischer Drumloop zum Einsatz. Der erste Durchlauf ist unverändert, danach folgen drei verschiedene Presets des COMP VCA-65. Dabei habe ich alle vier Durchläufe nach der Aufnahme normalisiert, um die durch die Bearbeitung entstehenden, teils drastischen Lautstärkeveränderungen zu kompensieren, damit diese nicht vom eigentlichen Klang ablenken.

Klangbeispiel ARTURIA COMP VCA-65

Auch beim COMP FET-76 deutet der bereits der Name auf die nachgeahmte Schaltungstechnik hin, denn FET steht für Field Effect Transitor. Das damit arbeitende Hardware-Vorbild ist der UREI 1176, der mittlerweile so etwas wie einen Kultstatus besitzt und der auch schon in zahlreichen Emulationen verewigt wurde. Da will ARTURIA natürlich auch nicht außen vor bleiben.

Auch hier orientieren sich die zur Verfügung stehenden Kontrollen sehr eng am Original, beispielsweise gibt es keinen Threshold-Regler, denn der Kompressionsgrad wird beim COMP FET-76 vom Eingangspegel festgelegt. Die Regler für Eingangs- und Ausgangspegel lassen sich miteinander verlinken, so dass Änderungen am INPUT-Regler automatisch am OUTPUT-Regler kompensiert werden (nicht jedoch umgekehrt!). Die Regler für die Attack- und die Release-Zeiten funktionieren gemäß dem UREI 1176 genau entgegengesetzt wie bei den meisten anderen Kompressoren, will sagen, dass Rechtsdrehungen kürzere Zeiten bewirken und Linksdrehungen dementsprechend längere Zeiten.

Die Radio Buttons, mit denen beim UREI 1176 die Ratio ausgewählt wird, gibt es beim auch COMP FET-76, natürlich nur in virtueller Form. Den berühmt-berüchtigten All Button Mode, der bei der Hardware durch ein beherztes Drücken aller Ratio-Schalter gleichzeitig erzeugt wird, hat ARTURIA löblicherweise ebenfalls emuliert, beim COMP FET-76 wird er über einen eigenen Schalter aktiviert.

VU-Meter und Mix-Regler schließlich entsprechen beim COMP FET-76 funktionell denen, wie man sie auch im COMP VCA-65 und im COMP TUBE-STA wiederfindet (siehe meine Beschreibung weiter oben).

ARTURIA COMP FET-76
ARTURIA COMP FET-76

Auch das ADVANCED PANEL ist recht ähnlich aufgebaut, wenngleich die Side-Chain-Funktionen hier minimal geringer als beim COMP VCA-65 ausfallen, etwa bei den Quellen und bei den M/S-Optionen. Der Auswahlschalter für den DETECTION MODE steht beim Einsatz des COMP VCA auf einer Mono-Spur nicht zur Verfügung und wird in einem solchen Falle automatisch ausgeblendet. TIME WARP-Regler, Side-Chain-Equalizer und COMPRESSION RANGE-Funktion erscheinen im Prinzip identisch wie beim COMP VCA-65.

Das Klangbeispiel besteht aus dem Drumloop von gerade, ebenfalls wieder mit einem trockenen und drei komprimierten Durchläufen, die allesamt anschließend normalisiert wurden.

Klangbeispiel ARTURIA COMP FET-76

Bleibt schließlich noch der COMP TUBE-STA übrig. Sein Name verrät uns schon, dass wir es hier mit einer emulierten Röhrenschaltung zu tun haben. Als Vorbild diente dieses Mal der GATES STA-LEVEL, der bereits in den 1950ern zum Einsatz kam, damals vor Allem beim Rundfunk.

Der COMP TUBE-STA bietet von allen Kompressoren der FX COLLECTION 2 sicherlich die einfachste Ausstattung, zumindest was die zur Verfügung stehenden Kontrollen angeht. Aber weniger ist ja bekanntlich manchmal mehr…

Ähnlich wie beim COMP FET-76 existiert auch beim COMP TUBE-STA keine separate Threshold-Regelung. hier bestimmt ebenfalls der über INPUT einstellbare Eingangspegel den Kompressionsgrad. Anstelle der üblichen Attack- und Release-Regler gibt es lediglich einen Regler für die sogenannte RECOVERY TIME. Die damit eingestellten Reaktionszeiten können mit Hilfe des zusätzlichen MODE-Schalters bei Bedarf verdoppelt oder sogar verdreifacht werden.

Ansonsten gibt es noch den obligatorischen Regler für den Ausgangspegel, der bei Bedarf für eine automatische Lautstärke-Kompensation auch an den INPUT-Regler gekoppelt werden kann (der Ausgangspegel richtet sich dabei nach dem eingestellten Eingangspegel), sowie ein VU-Meter und einen MIX-Regler nach Art der anderen Kompressoren, und das war’s dann auch schon.

ARTURIA COMP TUBE-STA
ARTURIA COMP TUBE-STA

Okay, nicht ganz, denn auch der COMP TUBE-STA besitzt ein ADVANCED PANEL mit gegenüber dem Original erweiterten Funktionen. Hier verstecken sich, man ahnt es schon, die Side-Chain-Optionen, wobei auch hier der DETECTION MODE wieder nur dann verfügbar ist, wenn das Plugin auf einer Stereo-Spur insertiert wird, weil für diesen nun mal eben zwei Kanäle benötigt werden. Die Equalizer-Sektion für das Side-Chain-Signal entspricht dem der anderen Kompressoren, und auch der LISTEN-Schalter darf nicht fehlen.

Den Drumloop kennt Ihr ja nun bereits, wieder das gleiche Spiel mit einem trockenen und vier bearbeiteten Durchläufen, von denen insbesondere der letzte eine deutliche Klangveränderung durch den COMP TUBE-STA erfährt.

Klangbeispiel ARTURIA COMP TUBE-STA

Modulationsgewinn…

Die zweite Generation der FX COLLECTION verfügt nun auch über ein Quartett an Modulationseffekten. Mit an Bord sind PHASER BI-TRON, FLANGER BL-20 sowie CHORUS DIMENSION-D und CHORUS JUN-6. Letzteren spendierte uns ARTURIA ja zu Weihnachten 2020 auch schon für kurze Zeit gratis, inzwischen zählt er aber längst zum kommerziellen Portfolio des Herstellers. Bei alle vier Plugins handelt es sich um Emulationen alter Hardware-Boliden.

Der PHASER BI-TRON stellt eine virtuelle Nachbildung des analogen MU-TRON BI-PHASE aus den 1970ern dar. Geboten werden zwei unabhängige Phaser-Einheiten (und nein, damit ist NICHT die gleichnamige Strahlenwaffe aus STAR TREK gemeint…).

Es sind zwei LFOs vorhanden, die jeweils synchron zum Host-Tempo schwingen können. Die Geschwindigkeit des ersten LFO kann alternativ auch über den linksseitig platzierten Pedalbereich geregelt werden. Zu den Schwingungsformen des Originals (Sinus und Rechteck) hat ARTURIA noch einen aufsteigenden Sägezahn hinzugefügt.

Die beiden PHASOR-Sektionen lassen sich separat voneinander aktivieren und verfügen abgesehen von ihren Feedbackreglern über je gleich zwei DEPTH-Regler, denn während beim MU-TRON BI-PHASE jeder der LFOs nur einen einzigen PHASOR angesteuert hat, können sie beim PHASER BI-TRON beide PHASOR-Module gleichzeitig ansteuern. Bei dem zweiten PHASOR-Modul lässt sich auf Wunsch auch die Polarität des LFO-Sweeps umkehren. Die erzeugte Phasenverschiebung lässt sich ebenfalls wahlweise über den Pedalbereich steuern.

In der Routing-Sektion bestimmt man, wie anzunehmen, den Signalfluss. Wenn das Plugin sich auf einer Mono-Spur befindet, dann steht nur entweder ein paralleler oder ein serieller Betrieb der beiden Phaser-Einheiten zur Verfügung. Auf einer Stereo-Spur hingegen existieren auch noch weitere Optionen, beispielsweise eine Parallelbearbeitung mit kreuzweiser Verknüpfung von linkem und rechtem Kanal.

ARTURIA PHASER BI-TRON
ARTURIA PHASER BI-TRON

Der schon erwähnte Pedalbereich auf der linken Seite der Bedienoberfläche dient wahlweise der Steuerung der Geschwindigkeit des ersten LFO sowie der Phasenverschiebung der Einheiten. Hierbei existieren zwei verschiedene Modi. In der Betriebsart MANUAL lässt sich das virtuelle Fußpedal mit der Maus bewegen. Natürlich bietet sich hier eine Steuerung via MIDI oder mittels Automation geradezu an.

In der Betriebsart ENVELOPE FOLLOWER steuert die Lautstärkehüllkurve des anliegenden Audiosignals selbst den Phaser. Die Quelle des Steuersignals kann hierbei ausgewählt werden, dies kann etwa im Stereo-Betrieb der linke oder der rechte Kanal bzw. die Summe von Input Phasor A und Input Phasor B sein und im Mono-Betrieb der Input Phasor A oder der Input Phasor B. Zudem kann via Side-Chain-Funktion auch ein externes Steuersignal herangezogen werden.

ARTURIA PHASER BI-TRON - Envelope Follower
ARTURIA PHASER BI-TRON – Envelope Follower

Beim PHASER BI-TRON gibt es ebenfalls ein ADVANCED PANEL. Dieses ist recht klein geraten und versteckt sich hinter dem Namensschild ganz oben. Hier gibt es ein durchstimmbares Hochpassfilter, mit dem zum Beispiel der Bassbereich von der Bearbeitung durch den Flanger ausgespart werden kann.. Die Anzahl der Pole kann für jede Phaser-Einheit getrennt in Zweierschritten von zwei bis zwölf definiert werden. Außerdem gibt es für jede Einheit separate Mix-Regler sowie jeweils zwei Invertierungsschalter für die Phasen der beiden LFOs (nur bei einem Stereo-Betrieb).

ARTURIA PHASER BI-TRON - Advanced Panel
ARTURIA PHASER BI-TRON – Advanced Panel

Beim Klangbeispiel kam ein sich aufbauender Akkord mit Synth-Stringsound zum Einsatz, der trocken recht statisch und langweilig klingt. Ihm folgen sieben Variationen mit verschiedenen Presets des PHASER BI-TRON.

Klangbeispiel ARTURIA PHASER BI-TRON

Beim FLANGER BL-20 musste der BEL BF-20 aus den späten 1970ern als Vorlage herhalten, bei dem eine Eimerkettenspeicherung (auch bekannt als Bucket Brigade Device, kurz BBD) zum Einsatz kam.

Ein POWER-Schalter dient einmal mehr der Bypass-Funktion, während der MONO/STEREO-Schalter genau das macht, was man von ihm vermutet. Er steht übrigens nur dann zur Verfügung, wenn der FLANGER BL-20 auf eine Stereo-Spur eingefügt wird.

Der mit ZERO CR(ossing) beschriftete Schalter existierte beim Hardware-Vorbild nicht. Er aktiviert den Nulldurchgangsmodus, bei dem ein subtraktives anstelle des sonst üblichen additiven Flanging erzeugt wird, welches in einem intensiveren Effekt mit mehr Phasenauslöschungen resultiert. Hier bringt es sicherlich mehr, sich auf seine Ohren und seinen Geschmack zu verlassen, als über die exakten technischen Hintergründe zu sinnieren… 😉

Der Mix-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen dem trockenen und dem effektierten Signal, und das REGEN-Poti regelt die Feedbackintensität des Flangers.

Die Schalterreihe des CONTROL MODE bietet drei Optionen, die sowohl einzeln als auch in Kombination miteinander verwendet werden können. MANUAL steuert die Verzögerungszeit mittels des gleichnahmigen virtuellen Drehreglers, dies kann selbstverständlich auch automatisiert werden oder über einen entsprechend verknüpften MIDI-Controller erfolgen (wenn die DAW dies denn anbietet…). ENV steht für Envelope Follower, dieser bietet zwei Regler zur Anpassung sowie die Möglichkeit, anstelle des eigentlichen Audiosignals auch eine externe Side-Cahin-Quelle heranzuziehen. AUTO schließlich nutzt einen bei Bedarf zum Host-Tempo synchronisierbaren LFO zur Steuerung. Der Schalter ganz rechts (REVERSE SWEEP O/P 2) ist nur bei Stereo-Spuren verfügbar und sorgt dafür, dass die LFO-Phase des rechten Stereo-Kanals genau entgegensetzt zu der des linken verläuft.

ARTURIA FLANGER BL-20
ARTURIA FLANGER BL-20

Im ADVANCED PANEL des FLANGER BL-20 finden wir zunächst ein Hochpassfilter mit einer Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave. Dieses hilft dabei, den Bassbereich des Audiosignals vom Flanger-Effekt zu verschonen.

Den größten Bereich des Panels nimmt der Funktionsgenerator ein. Dabei handelt es sich im Prinzip um eine grafische Hüllkurve, die aufgrund ihrer Komplexität auch als Modulations-Sequencer oder als Super-LFO fungieren kann. Ein Synchronisation zum Host mit diversen musikalischen Werten ist genauso möglich wie der Einsatz verschiedener Zeichenwerkzeuge. Auch an einen Zufallsgenerator hat ARTURIA hier gedacht.

AUTO SHAPE bietet zusätzliche Wellenformen für den LFO auf dem Hauptbedienfeld, der ansonsten wie beim Original nur mit einer Dreieckswelle aufwarten kann.

Über STEREO OFFSET lässt sich ein Versatz zwischen dem linken und dem rechten Stereo-Kanal erzeugen, beim Einsatz des FLANGER BL-20 auf Mono-Spuren hat man keinen Zugriff auf diesen Regler.

Der Stringsound von eben lässt sich auch durch den FLANGER BL-20 deutlich beleben, wobei hier moderate Einstellungen für mein Empfinden am meisten bringen. Wie schon gehabt, erst ein trockener Durchlauf und dann sieben mit Effekt darauf.

Klangbeispiel ARTURIA FLANGER BL-20

Der CHORUS DIMENSION-D bildet das (fast) gleichnamige Effektgerät von ROLAND aus dem Jahre 1979 nach, dass ebenfalls auf einer Eimerkettenspeicherung basierte. Genau wie dieses bietet es in der Grundeinstellung lediglich eine Handvoll Schalter und eine LED-Anzeige für den Ausgangspegel.

Bei Insertierung auf einer Stereo-Spur zeigt das Plugin einen virtuellen Knopf an, mit dem man zwischen einem Mono- und einem Stereo-Modus wählen kann. In der Stellung MONO werden linker und rechter Eingangskanal vor der Weiterbearbeitung zunächst zu einem Mono-Signal zusammengefasst, während bei STEREO eben eine Stereo-Bearbeitung erfolgt (wer hätte das gedacht…).

Die mit DIMENSION MODE betitelte Schaltereihe ruft die verschiedenen Intensitätsstufen des Chorus-Effekts auf. Der Modus 0 ersetzt den beim Original an dieser Stelle vorhandenen OFF-Schalter und stellt dabei nicht etwa einen vollständigen Bypass dar (ein solcher verbirgt sich vielmehr hinter dem POWER-Schalter ganz rechts), sondern umgeht bloß den emulierten BBD-Schaltkreis. Das Audiosignal erfährt dabei aber dennnoch eine Klangfärbung, da es in diesem Modus weiterhin eine Serienschaltung aus Kompressor, Expander, diversen Shelf-EQs sowie einer Stereoverbreiterung durchläuft.

Während die Modi 1 bis 3 den eigentlichen Chorus-Effekt in zunehmender Intensität aktivieren, wirkt Modus 4 lediglich im Zusammenspiel mit ihnen und sorgt für einen höheren Effektanteil im Ausgangssignal und damit auch für einen stärkeren Chorus-Effekt.

ARTURIA CHORUS DIMENSION-D
ARTURIA CHORUS DIMENSION-D

Während wir bei der Hardware von ROLAND nun bereits fertig mit der Beschreibung der Bedienelemente wären, kommt beim CHORUS DIMENSION-D von ARTURIA noch das ADVANCED PANEL hinzu.

Wo das Original lediglich mit einer Dreieckswelle für den Modulations-LFO aufzuwarten vermochte, bietet der CHORUS DIMENSION-D eine Auswahl an weiteren Wellenformen, nämlich Sinus, aufsteigender Sägezahn sowie Sample & Glide und Sample & Hold für Modulationen auf Zufallsbasis. Letztere eignen sich vorrangig für Klangexperimente.

Mit dem DYNAMIC COLOR betitelten Auswahlschalter lassen sich die Attack- und Release-Werte der unsichtbar unter der Haube arbeitenden Kompressor- und Expanderschaltungen beeinflussen. Die Wirkung ist stark vom jeweiligen Audiosignal abhängig und kann bisweilen eher subtil ausfallen, etwa in Form eines leichten analogartigen Sättigungseffekts.

Mit WIDTH kann die Basisbreite des Stereofeldes manipuliert werden. Dies reicht von einem kompletten Mono-Signal bis hin zu einem überbreiten Stereo-Effekt. Die mit STEREO beschriftete Reglerstellung markiert dabei die normale Basisbreite. Dieser Parameter ist logischerweise nicht verfügbar, wenn das Plugin auf einer Mono-Spur eingesetzt wird.

Als letzten Zusatz hat ARTURIA seinem CHORUS DIMENSION-D auch noch einen Mix-Regler mit auf den Weg gegeben, mit dem sich der Effektanteil zwischen „trocken“ und „volle Kanne“ einstellen lässt. In der 12-Uhr-Stellung, also bei genau 50 Prozent, entspricht dieser dem Original von ROLAND.

Beim Klangbeispiel ist wieder der schon bekannte Akkord mit einer unbarbeiteten und sieben bearbeiteten Versionen, die sukszessive extremere Klangeinstellungen beeinhalten, mit von der Partie. Auch der CHORUS DIMENSION-D weiß am ehesten mit subtileren Einstellungen zu überzeugen, plakative Effekte liegen ihm nicht so sehr. Am besten wirkt er dann, wenn man erst nach seinem Ausschalten bemerkt, das nun etwas wichtiges im Klang fehlt.

Klangbeispiel ARTURIA CHORUS DIMENSION-D

Auch der CHORUS JUN-6 hat eine Hardware von ROLAND zum Vorbild. Dabei handelte es sich jedoch nicht um eine eigenständiges Gerät, sondern vielmehr um die integrierte Chorus-Einheit, die in den Synthesizern JUNO-6, JUNO-60 und in leicht veränderter Form (nur zwei Presets) auch im JUNO-106 zum Einsatz kam. Einmal mehr wurde hier das Prinzip der Eimerkettenspeicherung verwendet. ARTURIA hat den in ihrem Softwaresynthesizer JUN-6 V vorhandenen Chorus zu einem eigenständigen Effekt-Plugin ausgebaut. Wie beim Original existieren zwei separate Schalter für die Presets I und II, ein weiterer kleiner Schalter darunter simuliert das gleichzeitige Drücken der Erstgenannten, mit dem beim JUNO-6 und beim JUNO-60 (nicht jedoch beim JUNO-106) eine dritte Einstellung aufgerufen werden konnte. Damit hätten wir die dem Original nachempfundenen Möglichkeiten auch schon abgehandelt.

ARTURIA CHORUS JUN-6V
ARTURIA CHORUS JUN-6V

ARTURIA hat dem CHORUS JUN-6 noch einige zusätzliche Parameter spendiert, alles findet dabei auf der Bedienoberfläche Platz, so dass man sich hier auch ein separates ADVANCED PANEL einsparen konnte.

Zunächst gibt es einen POWER-Schalter, der eine Bypass-Funktion erfüllt. Rechts daneben sitzt der Wahlschalter für MONO-IN, der wiederum nur dann zu sehen ist, wenn das Plugin auf eine Stereo-Spur geladen wurde. Er bewirkt im aktivierten Zustand wie beim CHORUS DIMENSION-D eines Summierung der beiden Eingangskanäle zu einem Mono-Signal, während das Ausgangssignal das Plugin stets in Stereo verlässt.

Neben den drei festen Einstellungen des Hardware-Vorbilds existiert beim CHORUS JUN-6 auch ein manueller Modus, in dem man Zugriff auf die drei Parameter RATE (die LFO-Geschwindigkeit, diese lässt sich auch zum Host-Tempo synchronisieren), DEPTH (die Modulationsstärke) und PHASE (Phasenlage mit einem Wertebereich von 0 Grad bis 180 Grad) erhält. Zu guter Letzt gibt es noch einen Mix-Regler, der ein stufenloses Einblenden des Effektsignals ermöglicht. Fertig!

Wie sich anhand der Klangbeispiele mit dem String-Sound leicht erkennen lässt, hat der CHORUS JUN-6 einen deutlich anderen Charakter als der CHORUS DIMENSION-D. Er tritt klanglich etwas mehr in den Vordergrund und ermöglicht bei Bedarf auch etwas stärkere Färbungen des Audiosignals.

Klangbeispiel ARTURIA CHORUS JUN-6V

Welchem der beiden Chorus-Effekte man nun den Vorzug geben sollte, hängt einzig und allein vom zu bearbeitenden Audiomaterial und vom eigenen Geschmack ab, klanglich vermögen jedenfalls alle beide zu überzeugen.

An dieser Stelle muss ich aber auch noch mal erwähnen, dass der kostenlos erhältliche TAL-Chorus-LX, auch wenn er weniger Einstellmöglichkeiten bietet, dem CHORUS JUN-6V klanglich in nichts nachsteht und damit eine empfehlenswerte Alternative zu diesem darstellt.


Verzögerungstaktik…

Echos zählen zu meinen Favoriten unter den Effekten, sehr schön also, dass ARTURIA auch diese Sparte bedient. Die drei Vertreter aus diesem Bereich ahmen jeder unterschiedliche Techniken zur Erzeugung von Verzögerungseffekten nach (klar, als Plugins arbeiten sie natürlich allesamt digital…), um damit ein breites Spektrum abzudecken.

Schon an seiner Bedienoberfläche ist erkennbar, dass das DELAY TAPE-201 eine Emulation des ROLAND SPACE ECHO RE-201 darstellen soll. Letzteres arbeitete mit Hilfe einer losen Tonbandschleife (Tape Loop) in seinem Inneren. Ein Aufnahme- und ein Löschkopf sowie drei Wiedergabeköpfe sorgen dabei für die gewünschten Echoeffekte. Eine zusätzliche Federhallspirale ermöglicht zudem analoge Halleffekte, die auch mit dem Echo gemischt werden können. Zu seiner Zeit galt der Klang des RE-201 als modern, heute verbinden wir damit den Begriff „vintage“.

Das Hauptbedienfeld des DELAY TAPE-201 bietet eine regelbare Eingangssektion mit virtuellem VU-Meter. Im Rahmen der FX COLLECTION 2 hat das Plugin ein Update erhalten, mit dem neue Optionen bezüglich der Vorverstärkung hinzugefügt wurden. So kann man sich nun aussuchen, ob überhaupt kein PreAmp, eine Nachbildung der originalen RE-201-Schaltung oder aber die eines Germanium-Vorverstärkers zum Einsatz kommen soll, mit jeweiligen klanglichen Unterschieden.

Der beim Original nicht vorhandene DELAY TYPE-Schalter erlaubt die Wahl zwischen einer getrennten Bearbeitung des rechten und des linken Stereokanals, einem Ping-Pong-Modus für im Stereofeld hin- und herspringende Echos und einem M/S-Modus für die separate Bearbeitung von Mitten und Seiten-Anteilen. Voraussetzung für die Nutzung dieses Schalters ist ein Betrieb des Plugins auf einer Stereospur.

Über den prominenten MODE SELECTOR erfolgt die Auswahl der insgesamt zwölf möglichen Eintellungen, die teils aus reinen Bandecho- oder Federhall-Nachbildungen und teils aus Kombinationen eben dieser beiden bestehen.

Die Verfügbarkeit der folgenden Parameter ist teilweise wieder von einem Stereo-Betrieb abhängig. So wird mit REPEAT RATE die simulierte Bandgeschwindigkeit und damit die Wiederholungsrate des Echos bestimmt. Auf Monospuren ist dieser Regler nur einmal vorhanden, auf Stereospuren dementsprechend zweimal. Im letzteren Fall kann man die beiden Kanäle auch via LINK-Schalter miteinander verkoppeln und dann gemeinsam regeln. Die Wiederholungsrate lässt sich bei Bedarf auch zum Host-Tempo synchronisieren. STEREO RATE OFFSET ist ebenfalls nur in einer Stereo-Konfiguration verfügbar und ermöglicht einen leichten Versatz der Verzögerung zwischen linkem und rechtem Kanal zugunsten eines erhöhten Stereo-Effekts. Das Gleiche gilt auch für STEREO WIDTH, mit dem die Stereobreite an sich verändert werden kann.

INTENSITY entspricht einem Feedback-Regler und ECHO VOLUME bzw. REVERB VOLUME (in einer älteren Version des Plugins und im Manual noch jeweils als AMOUNT bezeichnet) regeln die Lautstärken der Echo- und Hall-Simulationen getrennt voneinander. DRY/WET hat die selbe Funktion, wie der MIX-Regler in einigen der anderen Plugins, während BASS und TREBLE eine einfache Klangregelung des Echosignals (nicht jedoch des Halls) ermöglicht.

ARTURIA DELAY TAPE-201
ARTURIA DELAY TAPE-201

Das ADVANCED PANEL des DELAY TAPE-201 bietet mit dem INPUT EQUALIZER eine weitere Klangeregelung in Form eines Hoch- und eines Tiefpassfilters sowie eines parametrischen Peakfilters an, diese ist jedoch für das Eingangssignal zuständig, noch bevor es mit den Echo- und Hall-Algorithmen bearbeitet wird.

MOTOR bietet Zugriff auf die emulierte Antriebsmechanik des Bandechos. FLUTTER bildet dabei Gleichlaufschwankungen nach, die sich in leichten Tonhöhenänderungen äußern. INERTIA simuliert die Trägheit, mit welcher der Motor auf Geschwindigkeitsänderungen reagiert, erzeugt also fließende anstatt abrupter Tempo-Veränderungen. Mit NOISE schließlich lässt sich ein Grundrauschen des Motors hinzufügen, für einen realistischeren Vintage-Touch.

Zu guter Letzt gibt es auch noch einen synchronisierbaren LFO mit sechs Wellenformen, mit Hilfe dessen sich die meisten Effektparameter des DELAY TAPE-201 dynamisch modulieren lassen (jeweils einer).

Für die Klangbeispiele zu den drei Delays habe ich zur besseren Vergleichbarkeit der Plugins jeweils ein und den selben elektronischen Drumloop bemüht, den ich mit einer TR-808-Emulation erstellt habe. Dieser ändert sich alle vier Takte, beginnend mit dem trockenen Signal und gefolgt von sieben verschiedenen Delay-Einstellungen. Hier ist das Beispiel zum DELAY TAPE-201:

Klangbeispiel ARTURIA DELAY TAPE-201

Das DELAY MEMORY-BRIGADE verwendet, wie schon einige der oben aufgeführten Modulationseffekte, die Nachbildung einer Eimerkettenspeicherung (BBD), dies erklärt auch seinen Namen. Die Hardware, die hierbei Pate stand, ist die Deluxe-Version des ELECTRO-HARMONIX MEMORY MAN, eines Effektpedals aus dem Jahre 1980.

Die Größe des emulierten BBD-Puffers ist dabei in zwei Stufen anpassbar. Neben dem Verzögerungsbereich des originalen Deluxe-Modells (40 bis 400 Millisekunden) ist auch der neuerer Modelle verfügbar (100 Millisekunden bis 1 Sekunde).

Die regelbare Eingangsverstärkung lässt sich bei Bedarf bis in die Sättigung fahren, einer virtuelle LED warnt vor eventuellen Übersteuerungen. Die Verzögerungszeit kann für jeden Stereokanal separat eingestellt werden, optional lassen sich auch beide Kanäle via LINK-Button gemeinsam regeln. Bei Verwendung des Plugins auf einer Monospur wird hier nur ein einziger Regler angezeigt. Eine Synchronisation zum Host-Tempo ist ebenfalls möglich. Der obligatorische Feedback-Regler ist natürlich auch mit von der Partie.

STEREO OFFSET und STEREO WIDTH entsprechen den gleichnamigen Funktionen, die uns auch schon beim DELAY TAPE-201 begegnet sind. ECHO LEVEL, BLEND (= DRY/WET bzw. MIX) sowie DELAY MODE heißen hier zwar anders, aber funktionieren ebenfalls genauso wie ihre Pendants beim DELAY TAPE-201.

Nur beim DELAY MEMORY-BRIGADE hingegen finden wir einen Auswahlschalter, mit dem man bestimmen kann, ob dem verzögerten Signal entweder ein zusätzlicher Chorus oder aber ein Vibrato hinzugefügt werden soll. Der jeweilige Effekt kann mit einem eigenen Regler in seiner Intensität eingestellt (und natürlich auch völlig stillgelegt) werden.

ARTURIA DELAY MEMORY-BRIGADE
ARTURIA DELAY MEMORY-BRIGADE

Das ADVANCED PANEL bietet sowohl einen INPUT EQUALIZER als auch einen LFO, die wiederum beide mit denen des DELAY TAPE-201 vergleichbar sind. Darüber hinaus gibt es auch noch einen ENV(elope) FOLLOWER, der anhand des Lautstärkeverlaufs des anliegenden Audiosignals einen definierbaren Effektparameter zu modulieren vermag. Man könnte damit beispielsweise die Verständlichkeit von Gesangsphrasen erhöhen, indem man die Echointensität immer nur dann ansteigen lässt, wenn die Stimme zwischen den einzelnen gesungenen Worten leiser wird.

Das Klangbeispiel zum DELAY MEMORY-BRIGADE folgt den weiter oben beschriebenen Schema, die ersten vier Takte hört Ihr also einen unbearbeiteten Drumloop, danach folgen sieben Variation mit Effekteinsatz:

Klangbeispiel ARTURIA DELAY MEMORY-BRIGADE

Der Dritte im Bunde der Verzögerungseffekte ist das DELAY ETERNITY. ARTURIA verlässt damit den gewohnten Pfad der Emulationen und präsentiert uns vielmehr eine Eigenentwicklung, die einmal keine konkrete Hardware ihr Vorbild nennt. Gleichzeitig vermag DELAY ETERNITY mit den umfangreichsten Funktionen des Trios aufzuwarten.

Grundsätzlich bietet das Plugin zwei unabhängige Verzögerungseinheiten. Da jede davon bei Einsatz auf einer Stereospur über einen linken und einen rechten Kanal verfügt, haben wir es je nach Betriebsart mit bis zu vier Delay-Lines zu tun. Der DELAY MODE bestimmt hier, ob nur eine oder beide Verzögerungseinheiten verwendet werden und wie diese gegebenfalls zusammenbeiten, beispielsweise parallel oder seriell.

Bei Stereobetrieb hat man zudem die Wahl zwischen einer Links/Rechts- oder einer Mitten/Seiten-Bearbeitung des anliegenden Audiosignals.

Interessant ist auch die TIME MODE-Sektion, in der man global definieren kann, wie das Delay reagieren soll, falls man eine Manipulation der Verzögerungszeit vornimmt. So erfolgt bei REPITCH eine Modulation der Tonhöhe, ähnlich einem Tonbandgerät, bei DIGITAL wird die Verzögerungszeit abrupt geändert und bei FADE schließlich findet eine Glättung bei einer Änderung der Verzögerungszeit statt, so dass diese fließend erfolgt.

Jede Verzögerungseinheit bietet die Parameter DELAY TIME (im Stereobetrieb mit getrennten Reglern für links und rechts, im Monobetrieb mit nur einem Regler), OFFSET (nur im Stereobetrieb) und FEEDBACK, hinzu kommen Schalter für eine Verlinkung der beiden DELAY TIME-Regler (ebenfalls nur im Stereobetrieb) sowie zur Synchronisation mit dem Host-Tempo.

Das Echosignal beider Verzögerungseinheiten lässt sich je nach Lust und Laune noch herzhaft mit einem BIT CRUSHER sandstrahlen, mit dem sowohl die Bitbreite als auch die Samplingrate reduzieren werden kann.

Des Weiteren steht ein Multimode-Filter mit den drei Typen Hochpass, Bandpass und Tiefpass sowie den drei Modi 6 dB pro Oktave, SEM und 36 dB pro Oktave zur Verfügung. Im Modus SEM lässt sich zusätzlich zur Grenzfrequenz auch noch die Resonanz regeln. Das Filter kann ebenfalls nur auf die erste, nur auf die zweite oder auf beide Verzögerungseinheiten gleichzeitig einwirken.

Ausgangsseitig gibt es je einen Regler für STEREO WITDH (nicht auf Monospuren…), ECHO VOLUME und DRY/WET, diese haben ihre Entsprechungen ja auch in den anderen Delay-Effekten der FX COLLECTION 2.

ARTURIA DELAY ETERNITY
ARTURIA DELAY ETERNITY

Das ADVANCED PANEL bietet auch hier wieder den bereits oben beschriebenen INPUT EQUALIZER, ebenso gibt es einen ENVELOPE FOLLOWER, diesmal sogar mit bis zu zwei möglichen Modulationszielen. Wie schon die anderen beiden Delays, so besitzt auch DELAY ETERNITY eine LFO-Sektion, die allerdings gleich doppelt besetzt ist. Beide können ebenfalls bis zu zwei Ziele ansteuern. Zudem lassen sich sich auch miteinander verbinden, in diesem Falle ist die Geschwindigkeit bzw. die Synchronisation des zweiten LFO 2 von der des ersten LFO abhängig, kann jedoch zu diesem mittels des RATIO-Reglers proportional vervielfacht werden.

Und noch einmal muss der Drumloop dran, einmal trocken und siebenmal effektiert:

Klangbeispiel ARTURIA DELAY ETERNITY

Alles in allem kann sich die Delay-Abteilung der FX COLLECTION 2 durchaus sehen lassen und deckt so ziemlich alles ab, was im Bereich der Verzögerungseffekte möglich ist, abgesehen vielleicht höchstens von Multi-Tap-Geschichten. Gefallen mir!


Raumausstatter…

Die Königin unter den Effekten, nämlich das Reverb, darf natürlich auch nicht fehlen. ARTURIA liefert die Emulationen eines Plattenhalls und eines Federhalls sowie ein algorithmisches Reverb im Geiste der Digitalgeräte aus den 1980ern.

REV PLATE-140 war bereits einmal für kurze Zeit als kostenlose Weihnachtsgabe erhältlich, daher kannte ich es auch schon vor diesem Testbericht. Das Plugin stellt die virtuelle Nachbildung einer klassischen EMT 140 Hallplatte dar, welche bereits 1957 auf den Markt kam und damals sehr viel teurer als ein üblicher Kleinwagen war. ARTURIA hat aber auch hier wieder einige Extras eingebaut.

Über die Optik kann man sicher streiten, das Plugin sieht so aus, als hätte es jemand im Hobbykeller unter Verwendung einer alten Pressspanplatte selbst zusammengetackert. Das mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack treffen, tut der Funktionalität aber keinerlei Abbruch, nicht zuletzt auch, weil sich die Anzahl der vorhandenen Parameter doch sehr übersichtlich gestaltet.

Beim Einsatz auf einer Monospur fehlt der rechtsseitige WIDTH-Regler, mit dem die Stereobreite eingestellt wird, ansonsten gibt es keine Unterschiede zum Stereobetrieb. Der POWER-Schalter ganz links übernimmt wieder einmal eine Bypass-Funktion. Das Eingangssignal durchläuft zunächst eine Vorverstärkung, die laut ARTURIA von alten TELEFUNKEN-Geräten inspiriert ist. Der DRIVE-Parameter sorgt hierbei für eine Sättigung, die der von Röhren gleichen soll.

MODEL bietet eine Auswahl zwischen drei verschiedenen Hallplatten-Emulationen, nämlich PUNCHY, CLASSIC EMT und MODERN. Das erste Modell erzeugt eine verstärkte Low-Mid-Antwort, das zweite orientiert sich klanglich am originalen EMT 140 und das dritte weist eine höhere Präsenz im oberen Frequenzbereich auf.

Via DECAY lässt sich die Abklingzeit des Halls in acht Stufen anpassen, wobei die tatsächlichen Zeitwerte der einzelnen Stufen sich hier je nach dem gewählten Modell voneinander unterscheiden, diese können von einigen hundert Millisekunden bis hin zu vollen fünf Sekunden reichen. Der BLEND-Regler schließlich übernimmt die Aufgabe einer Dry/Wet-Mischung.

ARTURIA REV PLATE-140
ARTURIA REV PLATE-140

Das schon obligatorische ADVANCED PANEL gewährt Zugriff auf die Vorverzögerungszeit (PRE-DELAY, maximale Länge 250 Millisekunden). Ein zusätzliches Hochpassfilter mit einem Arbeitsbereich von 20 bis 700 Hz dient zum Ausdünnen der Bässe bzw. der tiefen Mitten des Nachhalls. Es ist ist im Signalfluss noch vor dem Vorverstärker platziert. Die aus einem subtilen Chorus-Effekt bestehende MODULATION-Einheit kann je nach Wunsch sowohl vor als auch nach der eigentlichen Hallstufe eingesetzt werden. Mit einem aus zwei Shelf-Bändern bestehenden POST EQUALIZER lässt sich der Nachhall noch ein wenig im Klang verbiegen.

Auch für die drei Reverb-Plugins habe ich der Einfachheit halber jedes Mal den virtuellen TR-808-Loop von eben verwendet, so lässt sich der unterschiedliche Klang der drei Kandidaten einfacher vergleichen. Die ersten vier Takte sind wie gehabt unbearbeitet, danach ändern sich die Effekteinstellungen alle vier Takte, und zwar sieben Male. Die ersten drei verhallten Beispiele entsprechen übrigens den drei verschiedenen Modellen des REV PLATE-201 bei ansonsten gleichen Einstellungen, und beim vierten Beispiel ist der DRIVE-Regler voll aufgedreht:

Klangbeispiel ARTURIA REV PLATE-140

Beim REV SPRING-636 versucht sich ARTURIA an einer Nachahmung des GRAMPIAN REVERBERATION UNIT TYPE 636, einem analogen Federhallgerät.

Der einzige Unterschied zwischen dem Einsatz auf einer Mono- oder Stereospur besteht auch hier wieder darin, dass nur im letzteren Fall der WIDTH-Regler verfügbar ist. Der POWER-Schalter ermöglicht einen Bypass des Plugins. Dem INPUT-Regler sind zwei Schalter für die beiden Eingangsmodelle MIC und AUX 1M? zugeordnet. Durch diese wird das Verhalten des Vorverstärkers beeinflusst, der sich für einen verzerrten Klang auch ordentlich übersteuern lässt.

Den DECAY-Parameter gab es beim Hardware-Vorbild nicht, bei diesem musste man immer mit der längsten Einstellung vorlieb nehmen. Praktisch und gut, dass ARTURIA beim REV SPRING-636 in diesem Punkt vom strikten Realismus abgewichen.

Der BLEND-Regler existierte ebenfalls nicht beim Original und dient im Gegensatz zu dem einfachen Dry/Wet-Regler des REV PLATE-140 hier vielmehr dazu, bei Verwendung des INPUT-Reglers das Mischungsverhältnis zwischen dem Vorverstärker und dem Nachhall einzustellen. Der reine Preamp kann somit auch ohne den eigentlichen Reverb-Effekt verwendet werden. Ist der INPUT-Regler hingegen in seiner Nullstellung, dann fungiert BLEND lediglich zur Dry/Wet-Einstellung des Halls.

Der OUTPUT-Regler kann via LINK für eine automatische Lautstärke-Kompensation an den INPUT-Regler gekoppelt werden.

ARTURIA REV SPRING-636
ARTURIA REV SPRING-636

Im ADVANCED PANEL des REV SPRING-636 finden wir wieder eine Möglichkeit zur Einstellung der Vorverzögerungszeit, die auch hier bis zu 250 Millisekunden betragen kann. Das PRE FILTER stellt wahlweise einen Tiefpass, Hochpass oder Bandpass zur Verfügung, dessen jeweilige Flankensteilheit entweder 6, 12 oder 24 dB pro Oktave betragen kann. Neben der Cutoff-Frequenz ist auch die Resonanz regelbar. Sowohl PRE DELAY als auch PRE FILTER sitzen im Signalfluss zwischen Vorverstärker und Halleinheit, sind also wirkungslos, wenn sich der BLEND-Regler in Linksstellung befindet.

Der POST EQUALIZER auf der rechten Seite ist im Gegensatz dazu nach dem Halleffekt platziert und eignet sich zu dessen klanglicher Nachbearbeitung mittels Hoch- und Tiefpassfiltern sowie einem parametrischen EQ-Band.

Von besonderem Interesse sind noch die acht Schaltflächen in der TANK-Sektion. Damit besteht nämlich die Möglichkeit, die virtuelle Hallspirale mit einem Knopfdruck auszutauschen. Zur Auswahl stehen hier neben dem originalen GiBBS-Tank, mit dem auch das Hardware-Vorbild ausgestattet war, diverse Alternativen, darunter etwa auch der Federhall des EMS SYNTHI A, einem analogen Synthesizer, von dem ARTURIA ja schon vor ein paar Jahren eine Emulation namens SYNTHI V veröffentlicht hat.

Das REV SPRING-636 klingt deutlich anders als das REV TAPE-201, wie der im Übrigen identische Versuchsaufbau zeigt:

Klangbeispiel ARTURIA REV SPRING-636

Beim dritten Reverb-Effekt der FX COLLECTION 2 handelt es sich ein weiteres Mal um ein von ARTURIA selbst entwickeltes Plugin, dem kein spezifisches Vorbild zugrunde liegt. REV INTENSITY bietet auch deutlich mehr Optionen als die beiden gerade vorgestellten Vintage-Emulationen. Es handelt sich dabei um ein algorithmisches Reverb und orientiert sich grob an den digitalen Hallgeräten der achtziger Jahre, etwa von LEXICON, ohne dabei aber eine Kopie zu sein. ARTURIA hat zudem mal wieder einige interessante Optionen hinzugefügt, die in den damaligen Geräten noch nicht existierten.

Die Hauptbedienoberfläche zunächst wieder eine Bypass-Funktion in Form eines POWER-Schalters. Daneben gibt es Regler für die Vorverzögerung (PREDELAY, der Maximalwert beträgt wieder 250 Millisekunden) und für den virtuellen Abstand der Schallquelle zum Ohr (DISTANCE). Je weiter Letzterer aufgedreht wird, desto weniger Direktschall erklingt im Vergleich zum Nachhall.

Mittig platziert präsentiert sich ein auffälliges rundes Anzeigeinstrument, das von einem ringförmigen Regler umgeben ist. Dieser SIZE genannte Parameter ist für die simulierte Raumgröße und somit auch für den jeweils zugrunde liegenden Algorithmus zuständig. Das Display bietet eine hübsche Visualisierung des Halleffekts (lustigerweise sah diese im praktischen Test nicht selten dem bekannten Batman-Zeichen ähnlich, das war aber wohl Zufall…). Unabhängig von der gewählten Raumgröße lässt sich die Abklingzeit mit dem DECAY-Regler justieren, und wenn man den FREEZE-Schalter anklickt oder via Automation fernsteuert, dann generiert man eine nicht enden wollende Hallfahne, die so lange erklingt, bis man den Schalter erneut betätigt (oder der Strom ausfällt…).

Mit DAMPING stellt man das Tiefpassfilter ein, das bestimmt, wie stark die hohen Frequenzen des Hallsignals gedämpft werden, ein Phänomen, dass ja auch einem natürlichen Hall zu eigen ist.

WIDTH regelt mal wieder die Stereobreite, aber nur dann, wenn das Plugin auch auf einer Stereospur leigt, ansonsten fehlt dieser Regler. DRY/WET arbeitet genau wie erwartet, damit stellt man das Verhältnis zwischen trockenem und verhalltem Audiosignal ein. REV LEVEL hingegen regelt den allein den Pegel des Hallsignals.

Um den Halleffekt weniger statisch zu gestalten, kann man sich einer eingebauten Chorus-Einheit mit den regelbaren Parametern DEPTH und RATE bedienen. Ebenfalls für einen interessanten Klang sorgen kann der FEEDBACK-Regler, der eine Rückkopplung im Hallsignal erzeugt. SOFTCLICK ist zur Kompensation von Lautstärkeverlusten gedacht, wie sie etwa bei Verwendung des POST FILTER im ADVANCED PANEL entstehen können, zudem kann damit eine Sättigung oder gar eine Verzerrung erreicht werden.

ARTURIA REV INTENSITY
ARTURIA REV INTENSITY

Neben dem gerade angesprochenen, dem Hallsignal nachgeschalteten POST FILTER befindet sich im erweiterten Bereich unterhalb des Hauptbedienfeldes auch noch ein PRE FILTER, das im Signalweg vor der Hallerzeugung positioniert ist. Beim PRE FILTER handelt es sich um das Multimode-Filter, welches auch im hauseigenen Synthesizer PIGMENTS zum Einsatz kommt, während das POST FILTER dem des SEM V entspricht. Beide Filter verfügen über Tiefpass, Bandpass und Hochpass (das POST FILTER auch noch über einen Notch-Modus), nur beim PRE FILTER ist die Flankensteilheit wählbar, während diese beim POST FILTER fest auf 12 dB/Oktave steht. Die Cutoff-Frequenz lässt sich bei beiden Filtern modulieren, beim POST FILTER darüber hinaus auch der Resonanz-Parameter.

Eben diese Modulation kann sowohl über den umfangreich ausgestatteten ENVELOPE FOLLOWER (auch via Side-Chain-Funktion fütterbar) als auch über den FUNCTION GENERATOR erfolgen. Bei Letzterem handelt es sich um eine loopbare grafische Hüllkurve, die auch als komplexer LFO bzw. als Modulations-Sequencer fungieren kann, natürlich auf Wunsch auch synchron zum Host-Tempo.

Durch diese üppige Zusatzausstattung sind mit dem REV INTENSITY neben herkömmlichen, aber schön dicht klingenden Raumsimulationen auch jede Menge abgefahre Spezialeffekte möglich.

Das REV INTENSITY ergänzt die anderen beiden Reverbs sehr gut und bietet ein völlig anderes Klangspektrum. Der viertaktige Drumloop in seiner nun schon bekannten Konfiguration, einmal unverhallt, danach mit sieben unterschiedlichen Effekt-Einstellungen:

Klangbeispiel ARTURIA REV INTENSITY

Die drei Reverb-Plugins zählen ganz klar zu meinen Favoriten in der der FX COLLECTION 2, von vintage über modern bis hin zu sci-fi-artigem lässt sich damit im Prinzip fast alles erzeugen, was man sich auf diesem Gebiet so wünschen mag. Zumindest bei mir wird ARTURIA hier seinem Motto von wegen „you’ll actually use“ vollkommen gerecht.


Filterblase…

Bei den drei Filtern im Bundle hatte ARTURIA vermutlich den geringsten Entwicklungsaufwand, konnten die Grenobler hierzu doch wohl ihren bereits längst vorhandenen Programmcode aus den entsprechenden Synthesizer-Emulationen wiederverwerten. Aber was weiß ich schon, bin ja kein Software-Entwickler… 😉

Beginnen wir mit dem FILTER MINI. Dieses Plugin hatte ARTURIA vor einigen Jahren ebenfalls mal im Rahmen einer Weihnachtsaktion für kurze Zeit gratis angeboten. Es basiert auf der Nachbildung einer klassischen Tiefpasskaskade nach Art des MINIMOOG, welche ja auch schon im MINI V von ARTURIA Verwendung findet..

Das eigentliche Filter ist beim FILTER MINI mit je einem Regler für die Grenzfrequenz (CUTOFF), für die Resonanz (EMPHASIS, reicht bis zur Selbstoszillation), für DRIVE, für das DRY/WET-Verhältnis sowie für den Ausgangspegel (OUTPUT LEVEL) ausgestattet. DRIVE entspricht hierbei dem die Übersteuerungs-Effekt, der dann entsteht, wenn man beim originalen MINIMOOG das Ausgangssignal erneut in den Filtereingang einspeist.

Damit das Filter nicht nur statisch oder manuell verwendet werden kann, hat ARTURIA ihm drei verschiedene Modulatoren spendiert. Auf der linken Seite ist ein synchronisierbarer LFO untergebracht, der mit sechs Wellenformen und einer einstellbaren Phasenlage aufwarten kann. Seine Geschwindigkeit reicht bis weit in den hörbaren Bereich hinein (0.1 Hz bis 2 kHz), womit er sich auch gut für allerlei FM-Experimente eignet. Sowohl die Grenzfrequenz als auch die Resonanz lassen sich damit modulieren. Mit SEQ>CUTOFF lassen sich zudem die Cutoff-Werte der jeweiligen Schritte des Step-Sequencers durch den LFO modulieren.

Rechtsseitig befindet sich ein ENVELOPE FOLLOWER. Dieser wird ausschließlich über das eingehende Audiosignal gesteuert, eine Side-Chain-Option für externe Steuersignale existert nicht. Als Modulationsziele können wiederum die Grenzfrequenz und die Resonanz dienen, darüber hinaus auch die LFO-Rate.

ARTURIA FILTER MINI
ARTURIA FILTER MINI

Der STEP SEQUENCER ist ein weiteres Werkzeug, um Leben in die Bude zu kriegen. Er verfügt über bis zu acht Schritte und kann selbstverständlich synchron zum Tempo der DAW laufen bzw. mit einem Teiler oder einem Vielfachen davon. Um abrupte Parametersprünge zu vermeiden, glättet der SMOOTH-Regler bei Bedarf die ausgegebenen Werte zwischen den einzelnen Schritten. Auch hier können wieder die Grenzfrequenz, die Resonanz und die LFO-Rate moduliert werden.

Das war’s dann auch schon, ein ADVANCED PANEL existiert beim FILTER MINI ebenso wenig wie bei seinen beiden Geschwistern.

Ich besitze mittlerweile diverse analoge Filter bzw. Synthesizer mit entsprechenden Eingängen als Hardware, unter anderem auch die ERICA SYNTHS ACIDBOX II und den BEHRINGER MODEL D. In einem direkten Klangvergleich zeigen diese dem FILTER MINI ganz eindeutig, wo der Hammer hängt. Da kann der ARTURIA-Filter nun mal einfach nicht mithalten (das gilt letztendlich auch für die beiden anderen Filter). Nichtsdestotrotz hat auch das FILTER MINI seine Daseinsberechtigung und sogar einige Vorteile. Neben der natürlich deutlicheren Einbindung in eine DAW-Umgebung ist hier etwa der Stereobetrieb zu nennen, denn meine Hardware-Geräte haben alle nur monophone Ein- und Ausgänge. Auch ist die Ausstattung mit Modulatoren, die zudem alle gleichzeitig verwendet können, beim Plugin etwas großzügiger, bei meiner Hardware wäre hier in der Regel noch der Einsatz weiterer Gerätschaften notwendig (zum Beispiel ein Step-Sequencer, eventuell auch ein externer LFO sowie Multiples, für einen Envelope Tracker müsste ich wohl mein DISTING Mk4 Modul bemühen). Auch die Speicherbarkeit dürfte wohl für nicht wenige Nutzer von Bedeutung sein.

Bei den Klangbeispielen für die drei Filter bin ich diesmal ein klein wenig vom gewohnten Schema abgewichen. Es gibt je ein Beispiel mit einem vier Takte lang gehaltenen obertonreichen Klang aus einem Synthesizer und mit dem virtuellen TR-808-Drumloop. Beide starten mit einem trockenen Durchlauf, anschließend folgen jeweils fünf Durchläufe mit verschiedenen Presets des verwendeten Filter-Plugins. Hier zunächst die Klangbeispiele mit dem FILTER MINI:

Klangbeispiel ARTURIA FILTER MINI – Synth
Klangbeispiel ARTURIA FILTER MINI – Drumloop

Für das FILTER M12 hat sich ARTURIA bei seinem virtuellen Synthesizer MATRIX-12 V bedient, der wiederum seinerseits eine Emulation des OBERHEIM MATRIX-12 darstellt. Im Gegensatz zu den beiden anderen Filtern in der FX COLLECTION 2 vermag das FILTER M12 mit gleich zwei Filter-Sektionen aufzuwarten (A und B). Diese verfügen über separate Einstellmöglichkeiten, die Grenzfrequenz und der Gesamtausgangspegel beider Filter können mit dem mittig platzierten MASTER CUTOFF-Regler jedoch auch gemeinsam gesteuert werden.

ARTURIA FILTER M12 - Filterauswahl
ARTURIA FILTER M12 – Filterauswahl

Für Filter A und B lassen sich jeweils getrennt voneinander einer von insgesamt fünfzehn Charakteristiken auswählen. Darunter befinden sich Tiefpass, Hochpass und Bandpass mit unterschiedlicher Flankensteilheit, aber auch je ein Notch- und ein Phase-Filter sowie diverse Kombinationen aus jeweils zwei verschiedenen Filtern (einer der zwei ist dabei stets ein einpoliger Tiefpass).

Neben individuellen CUTOFF- und RESONANCE-Reglern verfügt jedes Filter auch über Regler für den Pegel und das PAN(orama), so dass breite Stereo-Effekte flugs erstellt sind. Das ROUTING bestimmt, ob das eingehende Audiosignal nur Filter A, nur Filter B, zuerst Filter A und danach Filter B (serielles Routing) oder aber Filter A und B gleichzeitig (paralleles Routing) durchlaufen soll.

ARTURIA FILTER M12
ARTURIA FILTER M12

In der Mitte der Bedienoberfläche befindet sich ein großes mit ENVELOPES beschriftetes Display. Dieses Sektion entspricht prinzipiell den Funktionsgeneratoren bei einigen der anderen Plugins von ARTURIA, das heißt, dass es sich hier nicht bloß um reine (loopbare) Hüllkurven handelt, sondern bei Bedarf auch um aufwendige LFOs oder Modulations-Sequencer. Es gibt drei dieser Hüllkurven, die über Tabs erreichbar sind und die jeweils bis zu sechzehn Phasen mit einstellbarer Verkaufskurve umfassen können. Bei Bedarf könne ndie Hüllkurven auch auf eigene Presets zurückgreifen.

Links vom Hüllkurven-Display ist die RANDOM SOURCE zu finden, ein Zufallsgenerator, der neben einem Geschwindigkteitsregler (RATE) lediglich über einen SYNC-Schalter verfügt, damit er brav zur Master-Clock mitlaufen kann. Welches Ziel mit RANDOM beeinflusst werden soll, muss man in der Modulationsmatrix definieren.

Auf der rechten Seite gibt es noch den MOD(ulations) OSC(illator), der ebenfalls über die Modulationsmatrix zugewiesen wird. Er bietet die fünf Wellenformen Sinus, Dreieck, abfallender und aufsteigender Sägezahn sowie Rechteck und weist einen sehr weiten Regelbereich (0.01 Hz bis 10 kHz) auf, womit neben extrem langsamen Modulationen auch FM im Hörspektrum möglich wird (und natürlich alles dazwischen).

Die schon erwähnte Modulationsmatrix befindet sich im unteren Bereich der Bedienoberfläche und ermöglicht die Zuweisung von bis zu fünf Quellen (die drei Hüllkurven, RANDOM sowie der MOD OSC) zu maximal acht Modulationszielen, die sich aus einem Menü heraus einer breiten Auswahl an Parametern bestücken lassen.

Auch die Klangbeispiele zum FILTER M12 beinhalten den Synthesizerklang sowie den Drumloop in jeweils fünf Bearbeitungen und mit einem vorangestellten trockenen Vergleichssignal:

Klangbeispiel ARTURIA FILTER M12 – Drumloop

Bleibt noch das FILTER SEM, bei dem uns bereits der Name vermuten lässt, dass ARTURIA es aus dem hauseigenen SEM V extrahiert hat. Spätestens die Optik der Bedienoberfläche bestätigt dann unsere Vermutung.

FILTER SEM ist ein sogenannte zustandsvariables Filter, bei dem mit einem einzigen Drehregler fließend von einer Filtercharakteristik zur nächsten überblendet werden kann. Die einzige Ausnahme bildet hier der Bandpass-Modus, der bei Linksstellung des MODE-Reglers fest eingestellt wird. Ansonsten aber lässt sich das Filter vom Tiefpass über Notch bis zum Hochpass regeln, mit allen dabei möglichen Zwischenstufen.

Das Filter hat eine Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave und verfügt natürlich über Regler für die Grenzfrequenz und die Resonanz, wobei Letztere nicht bis zur Selbstoszillation reicht, ganz gemäß dem Vorbild von OBERHEIM.

Neben dem Eingangssignal kann auch ein zumischbares Rauschen als Signalquelle herhalten. Darüber hinaus hat ARTURIA dem FILTER SEM eine zuschaltbare SOFT CLIP-Funktion, die dem Signal eine Sättigung verpasst, einen DRY/WET-Regler sowie einen Regler für den Ausgangspegel spendiert.

ARTURIA FILTER SEM
ARTURIA FILTER SEM

An Modulatoren für das Filter stehen eine einfache, aus drei Phasen bestehende Hüllkurve (ATTACK, HOLD und DECAY/RELEASE), ein synchronisierbarer LFO, dessen Geschwindigkeit bis 2 kHz reicht und der sechs Wellenformen und eine SMOOTH-Option zur Vermeidung von Wertesprüngen bietet, sowie ein GATE SEQUENCER, der bis zu sechzehn Schritte verfügt, mit denen sowohl die Hüllkurve als auch der LFO separat voneinander getriggert werden können. Zu guter Letzt gibt es auch noch eine Modulationsmatrix mit der Hüllkurve und dem LFO als Quelle und bis zu acht Modulationszielen.

Und noch einmal kommen der Synthesizerklang und der Drumloop für die Klangbeispiele zum Einsatz, beide Male zuerst unbearbeitet und danach in fünf Variationen:

Klangbeispiel ARTURIA FILTER SEM – Synth
Klangbeispiel ARTURIA FILTER SEM – Drumloop

Wie ich schon beim FILTER MINI angemerkt habe, können die drei Filter nur bedingt ein echtes Analogfilter ersetzen, das noch mal deutlich organischer zu ertönen vermag. In einem direkten Vergleich ziehen sie also unweigerlich den Kürzeren, zumindest in rein klanglicher Hinsicht. Wenn man sich aber einmal von dem Gedanken löst, dass diese Plugins eigentlich realen analogen Vorbildern nacheifern, sondern sie einfach als für sich selbst stehend und erklingend betrachtet, dann stellt man fest, dass ARTURIA damit durchaus ein gewinnbringend einsetzbares Filter-Trio im Portfolio hat, das seine ganz eigenen Stärken besitzt.


Truppenverstärkung…

Die drei Preamps in der FX COLLECTION 2 sind ebenfalls bereits länger erhältlich, sowohl einzeln als auch im Dreier-Bundle. Jedes dieser Plugins bildet einen spezifischen Vorverstärker mitsamt Equalizer-Sektion nach. Der Sinn dieser Preamps liegt natürlich nicht wie bei ihren Vorbildern darin, ein Audiosignal tatsächlich vor der Aufnahme vorzuverstärken (dies geschieht beim Computer ja bereits vor der AD-Wandlung im Audiointerface), sondern ihm vielmehr eine ganz bestimmte Klangfärbung aufzuprägen.

Jeder Preamp besitzt Phasenumkehrschalter und lässt sich entweder im Stereo- oder im M/S-Modus nutzen. Die beiden Stereokanäle lassen sich sowohl separat als auch via LINK-Funktion gemeinsam editieren. Lädt man die Plugins auf eine Mono-Spur, dann reduzieren sich die Bedienelemente auf jeweils einen Kanal, die Möglichkeiten für die Zweikanal- bzw. M/S-Bearbeitung fallen dabei logischerweise weg. Bei allen drei Preamps kann man den Equalizer separat deaktivieren. Dank einer automatischen Gain-Kompensation wird der durch die Eingangsverstärkung erzeugte Pegelanstieg ausgeglichen, so dass keine Erhöhung der rezipierten Gesamtlautstärke stattfindet. Der Signalfluss ist leider unveränderlich, so dass das Audiosignal immer zunächst den Vorverstärker und dann erst den Equalizer durchläuft.

Den Anfang macht der PRE 1973. Dieser wurde dem NEVE 1073 nachempfunden. Wie bei den anderen beiden Preamps auch, befindet sich links der Equalizer und rechts die Vorverstärker-Sektion. Letztere verfügt über kalibrierbare VU-Meter, die Standard-Einstellung liegt bei -18 dBFs, kann aber auch auf -14 dBF oder -8 dBF umgeschaltet werden.

ARTURIA PRE 1973 - Stereo-Version
ARTURIA PRE 1973 – Stereo-Version

Die Eingangsverstärkung umfasst einen Regelbereich von -80 dB bis -20 dB. Auch bei einer Linkstellung des Reglers und bei deaktiviertem Equalizer findet bereits eine subtile Klangfärbung statt. Der Ausgangspegel des Plugins lässt sich von -24 dB bis +24 dB einstellen.

Der PRE 1973 bietet auch noch die Wahl zwischen zwei verschiedenen Übertrager-Typen. TYPE 1 steht für eine Emulation des originalen Übertragers im NEVE 1073, während TYPE 2 laut ARTURIA eine „modifizierte Nachbildung des Übertragers eines anderen berühmten Vintage-Geräts“ darstellen soll. Mysteriös, mysteriös…

ARTURIA PRE 1973 - Mono-Version
ARTURIA PRE 1973 – Mono-Version

Die Equalizer-Sektion bietet drei Bänder (High Shelf mit fester Frequenz, Midrange Bell und Low Shelf) plus ein zusätzliches Hochpassfilter. Gegenüber dem NEVE 1073 lassen sich beim Midrange Bell, beim Low Shelf und beim Hochpass nicht nur die auf der Bedienoberfläche angegebenen Frequenzen anwählen, sondern auch sämtliche Zwischenwerte. Zudem hat ARTURIA die Anhebung und die Absenkung von den originalen +/- 16 dB auf +/- 18 dB erweitert.

Beim PRE TridA dienten Vorverstärker und Equalizer aus den Mischpulten A-RANGE-Reihe von TRIDENT AUDIO als Vorbild, die inzwischen auch hochpreisig als separate 19“-Rackgeräte angeboten werden.

Wie auch beim PRE 1973, kann die Kalibrierung der VU-Meter auf -18 dBFs, -14 dBF oder -8 dBF eingestellt werden. Die Eingangsverstärkung lässt sich von -60 dB bis -20 dB regeln, der Ausgangspegel reicht von -24 dB bis +24 dB. Auch der PRE TridA erzeugt ohne eine aktive Vorverstärkung und ohne den Einsatz des Equalizers schon eine minimale Färbung des Audiosignals, sobald dieses das Plugin passiert.

ARTURIA PRE TridA - Stereo-Version
ARTURIA PRE TridA – Stereo-Version

Der Equalizer umfasst vier Bänder (Low Shelf, Low-Mid Bell, High-Mid Bell und High Shelf), dazu gesellen sich noch ein Hoch- und ein Tiefpassfilter. Allen ist gemein, dass sie nicht frei durchstimmbar sind, sondern jeweils über feste Einsatzfrequenzen verfügen. Bei den EQ-Bändern werden diese per virtuellem Drehschalter, beim Hoch- und beim Tiefpassfilter über Radio Buttons ausgewählt.

ARTURIA PRE TridA - Mono-Version
ARTURIA PRE TridA – Mono-Version

ARTURIA hat sich auch auf diese fixen Frequenzen des Originals beschränkt und bietet nicht etwa wie beim PRE 1973 oder auch beim EQ SITRAL-295 an, beliebige Zwischenwerte einzustellen. Auch bei den Regelbereichen für die Anhebung und die Absenkung der Frequenzbänder hat sich ARTURIA strikt an die von der Hardware vorgegebenen +/- 15 dB gehalten.

Der PRE V76 ist der letzte Preamp des Trios (und auch das letzte hier vorgestellte Plugin der FX COLLECTION 2). ARTURIA hat dazu zwei Vintage-Geräte der ehemaligen deutschen Firma TELEFUNKEN (heutzutage ist dies lediglich ein reiner Markennahme, ähnlich wie GRUNDIG, AEG oder BLAUPUNKT) in einem Plugin zusammengefasst, nämlich den Röhren-Vorverstärker V76 sowie den Equalizer V612.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Preamps des Bundles existieren beim PRE V76 in der Vorverstärker-Sektion keine VU-Meter, sondern lediglich nachgeahmte Anzeigeleuchten. Deren Empfindlichkeit lässt sich in drei Stufen (hoch, mittel und niedrig) anpassen, als Werkseinstellung steht sie bereits auf dem höchsten Wert.

Während das Original bei der Eingangsverstärkung bloß eine stufenweise Änderung in Schritten von jeweils 6 dB erlaubte, kann diese beim PRE V76 stufenlos von 3 dB bis 76 dB eingestellt werden. Die emulierte Röhrenschaltung ermöglicht hierbei sanfte Sättigungseffekte, aber auch zünftige Übersteuerungen mit den daraus resultierenden Artefakten. Der Ausgangspegel lässt sich von -24 dB bis +24 dB regeln.

ARTURIA PRE V76 - Stereo-Version
ARTURIA PRE V76 – Stereo-Version

Die Equalizer-Sektion besteht aus gerade mal zwei Bändern, nämlich einem Low Shelf mit einer festen Frequenz von 100 Hz und einem High Shelf mit fixen 5 kHz, die gemeinsam durch ihre niedrige Flankensteilheit eine sogenannte Baxandall-Kurve erzeugen. Eine Anhebung bzw. eine Absenkung kann um jeweils maximal 10 dB erfolgen.

ARTURIA PRE V76 - Mono-Version
ARTURIA PRE V76 – Mono-Version

ARTURIA hat seinen PRE V76 auch noch um ein Hochpassfilter ergänzt. Dieses war beim V612 zwar nicht vorhanden, dafür aber beim originalen V76. Es bietet die zwei festen Frequenzen 80 Hz und 300 Hz sowie einen kombinierten Modus mit beiden Einsatzfrequenzen gleichzeitig, was dann eine höhere Flankensteilheit zur Folge hat.

In meinen Klangbeispielen habe ich zur Abwechslung alle drei Preamps für einen Vergleich jeweils direkt hintereinandergestellt. Ihr hört immer zuerst das unbearbeitete Signal, dann folgt eine recht moderate Bearbeitung und anschließend eine ordentlich angezerrte Version. Die Reihenfolge der Preamps ist dabei stets die Gleiche: erstens PRE 1973, zweitens PRE TridA und drittens 3PRE V76.

Das erste Beispiel hat wieder den 808-Loop als Basis (gähn…):

Klangbeispiel ARTURIA PRE – Drumloop

Das gleiche Spielchen habe ich auch noch mal mit einem Synthbass wiederholt:

Klangbeispiel ARTURIA PRE – Synthbass

Fazit:

Viel Negatives lässt sich beim besten Willen nicht über die Plugins der FX COLLECTION 2 sagen, dafür aber umso mehr Positives! Die Effekte sind durch die Bank weg gelungen, machen einen professionellen Eindruck und brauchen sich keineswegs vor den Mitbewerbern zu verstecken.

Sicherlich gibt es einige der Emulationen in vergleichbarer Form auch von anderen Herstellern (zum Beispiel UAD, SOFTUBE, WAVES, IK MULTIMEDIA u.a.), doch unterscheidet sich der Workflow hier zum Teil recht deutlich, zudem ist man unter Umständen auf spezielle Hardware zum Betrieb der Plugins angewiesen (etwa im Falle UAD). Wer hingegen bereits mit Software von ARTURIA arbeitet, beispielsweise den Instrumenten aus der V COLLECTION, der wird sich auch bei den Effekten sofort zurechtfinden, weil viele basale Funktionen identisch sind.

Das Einzige, was ich tatsächlich zu bemängeln habe, ist der Umstand, dass entgegen der eindeutigen Beschreibung auf der Produktwebseite keine direkte Anbindung von MIDI-Hardware zur Echtzeitsteuerung möglich zu sein scheint. Eine MIDI-Learn-Funktion fehlt schlichtweg. Vielleicht liefert ARTURIA hier ja noch nach, derweil muss man den Umweg über die DAW gehen, sofern diese über entsprechende Optionen verfügt.

Welche der Effekte man im Produktionsalltag tatsächlich benötigt, hängt nicht zuletzt auch von der Art der Musik ab, die man macht, aber die Plugins lassen sich prinzipiell in nahezu jedem Musikstil sinnvoll einsetzen (Klassik lasse ich jetzt bewusst mal außen vor…), warum auch nicht. Meine persönlichen Favoriten sind neben den Reverbs und Delays die Modulationseffekte sowie BUS FORCE, aber auch die Filter machen durchaus Spaß, und wirkliche Ausreißer nach unten gibt es in der FX COLLECTION 2 sowieso nicht. Man erhält somit also ein stimmiges Gesamtpaket an Effekten.

Die FX COLLECTION 2 gibt’s in ARTURIAs Webstore zum regulären Preis von 399,- Euro, das macht dann umgerechnet gerade mal rund 18,- Euro pro Effekt, eine deutliche Ersparnis im Vergleich zum Kauf der einzelnen Plugins. Ein gutes Stück günstiger kommt man derzeit noch bei den üblichen Verdächtigen weg, diverse große Onlinehändler führen das Bundle momentan nämlich sogar für unter 300,- Euro.


Positives:
+ guter Grundklang der einzelnen Effekte
+ große Bandbreite an verschiedenen Effekten
+ gelungener Mix aus retro und modern
+ zahlreiche Extra-Funktionen integriert
+ leicht erlernbare Bedienung
+ praktische In-App-Tutorials
+ Offline-Aktivierung möglich
+ CPU-freundlich

Negatives:
keine direkte MIDI-Controller-Anbindung verfügbar


Produktwebseite: https://www.arturia.com/products/software-effects/fx-collection/overview#de

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