Testbericht: CHERRY AUDIO QUADRA – Vier gewinnt

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 28.11.2021

CHERRY AUDIO hat eine neue Analog-Emulation am Start, überraschen dürfte dies inzwischen wohl niemanden mehr. Auch wenn es gefühlt eigentlich jeden alten Synthesizer mindestens einmal schon als Plugin zu geben scheint, finden die einschlägigen Entwicklerfirmen doch immer wieder noch das eine oder andere Gerät, an dem die Virtualisierung bisher vorbeigegangen war. So auch die Kalifornier von CHERRY AUDIO, die nach dem CA2600 nun mit dem QUADRA bereits ihre zweite Nachbildung eines ARP-Synthesizers anbieten. Auf zum Test…


Quadratur…

1978 hat uns einige klassische Synthesizer beschert, erblickten in eben jenem Jahr doch solche Boliden wie der SEQUENTIAL INSTRUMENTS PROPHET-5, der ROLAND JUPITER-4 und eben auch der ARP QUADRA das Licht der Welt. Letztgenannter wurde vom amerikanischen Synthesizer-Hersteller ARP wohl hauptsächlich deshalb auf den Markt geworfen, um der sich abzeichnenden Insolvenz zu entgehen. Die Firma hoffte auf ähnlich hohe Verkaufszahlen wie beim sehr erfolgreichen OMNI. Leider ging die Rechnung nicht so ganz auf, wie wir heute wissen.

Der ARP QUADRA vereinte einen einfachen monophonen Bass-Synthesizer, eine ebenso einfache paraphone Strings-Sektion, einen paraphonen Poly Synthesizer und auch noch einen monophonen Lead Synthesizer zusammen mit einem 61-Tasten-Keyboard in einem einzigen Instrument. Damit konnte man auf der Bühne, aber auch im Tonstudio ordentlich Platz (und Geld) sparen und die musikalisch wichtigsten synthetischen Klangkategorien abdecken.

Darüber hinaus vermochte der ARP QUADRA mit einigen weiteren interessanten Merkmalen aufzuwarten, etwa einem auch für externe Signale nutzbaren Phase Shifter sowie einer Aftertouch-Funktion für Teilbereiche der Tastatur. Der ARP QUADRA besaß sogar sechzehn Speicherplätze, die allerdings lediglich die Schaltzustände der damals recht futuristisch wirkenden Folientaster, nicht jedoch die der zahlreichen Schieberegler festhielten.

Genau aber das konnten die im selben Jahr erschienenen oben genannten Mitbewerber sowie der nur wenig später angebotene OBERHEIM OB-X, zudem waren diese Geräte tatsächlich polyphon mit separaten Filtern, Verstärkern und Hüllkurven für jede Stimme und nicht nur paraphon nach Art einer elektrischen Orgel oder eines String-Ensembles.

ARP QUADRA
ARP QUADRA

Klanglich war der ARP QUADRA trotz der vergleichsweise rudimentären Synthesearchitektur seiner einzelnen Sektionen über jeden Zweifel erhaben und fand daher Einzug im Instrumentenpark einiger nicht so ganz unbekannter Musiker, beispielsweise Joe Zawinul, Pink Floyd, Genesis oder New Order. Auch im Kultfilm „die Klapperschlange“ von John Carpenter ist der ARP QUADRA zu hören.

In der heutigen Zeit dürfte es ausgesprochen schwer sein, einen ARP QUADRA in einem technisch und optisch einwandfreien oder zumindest akzeptablen Zustand zu ergattern. Es gibt nämlich nicht mehr allzu viele Exemplare, und noch weniger, an denen nicht der Zahn der Zeit genagt hat, sei es durch Ausfall der offenbar recht anfälligen Folientaster oder des verbauten Microcontrollers oder sei es durch abgebrochene Tasten, weil das Keyboard im Jenseits von Gut und Böse angesiedelt ist und daher unpraktischer Weise vorne aus dem Gehäuse hervorragt.

Wem es dennoch gelingt, einen gut erhaltenen ARP QUADRA an Land zu ziehen, der darf sich wohl auf eine Kaufsumme vorbereiten, die jenseits von Gut und Böse angesiedelt ist. Und für die Normalverdiener unter uns hat CHERRY AUDIO ja nun etwas im virtuellen Portfolio.


Grundversorgung…

Obwohl sich die einzelnen Synthesizer-Emulationen von CHERRY AUDIO optisch jeweils stark voneinander unterscheiden und zudem klanglich deutliche Differenzen aufweisen, besitzen sie doch alle auch einige Gemeinsamkeiten, dies betrifft den QUADRA natürlich ebenfalls. Also im Prinzip alles wie gehabt, wer das schon längst kennt, der darf diesen Abschnitt überspringen, hier kommt nix Neues. Für alle anderen folgt ein Schnelldurchlauf.

Benötigt wird ein 64-Bit-Betriebssystem, entweder WINDOWS 7 und neuer oder macOS ab Version 10.9 (eine M1-CPU wird unterstützt). Es gibt eine Standalone-Version, die ohne Host-Software auskommt, ansonsten hat man je nach OS wieder die Wahl zwischen den Plugin-Formaten VST2, VST3, AAX sowie AU.

CHERRY AUDIO liefert zum QUADRA gleich zwei Plugins mit, eines mit Stereoausgängen und eines mit Einzelausgängen für jede Sektion der multitimbralen Klangerzeugung zum Zwecke einer individuellen Nachbearbeitung.

Zum Test habe ich, wie immer, nur die VST-Varianten berücksichtigt. Meine Testumgebung besteht dabei aus einem stationären Rechner (CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz, 16 GB RAM) sowie einem Notebook (CPU i5-4200m mit 2 x 2,50 GHz, 4 GB RAM), auf beiden ist WINDOWS 10 installiert.

Genau wie alle anderen Plugins von CHERRY AUDIO auch, benötigt man auf dem Host-Rechner sowohl zur Vervollständigung der Installation als auch für die Aktivierung der erworbenen Vollversion einmaligen Internetzugang. Anschließend kann der Computer aber wieder offline gehen. Wenn das Plugin nicht freigeschaltet wird, dann arbeitet es dreißig Tage lang als reine Demo-Version, bei der zwar alles so weit funktioniert, die dafür aber des Anwenders Ohren regelmäßig mit einem störenden Rauschen beglückt.

CHERRY AUDIO QUADRA
CHERRY AUDIO QUADRA

Die Bedienoberfläche ist dem ARP QUADRA zwar stark nachempfunden, aufgrund diverser Erweiterungen und Abänderungen jedoch nicht völlig identisch zu diesem. Anhand der prägnanten Farbgebung der Labels und der Schaltflächen sowie der Gestaltung der Schieberegler ist man aber sofort im Bilde darüber, welcher Synthesizer hier emuliert werden soll. Alternative Themes sind beim QUADRA übrigens nicht vorgesehen.

Natürlich lässt sich die Bedienoberfläche frei skalieren, und auch die von früheren Emulationen bekannte FOCUS-Funktion, mit der man einzelne Sektionen des GUI vergrößert in den Vordergrund zu rücken vermag, ist wieder mit von der Partie.

CHERRY AUDIO QUADRA - Focus-Funktion
CHERRY AUDIO QUADRA – Focus-Funktion

Und auch sonst treffen wir beim QUADRA auf allerlei Bekanntes: So ist die UNDO- und REDO-Funktion beim Editieren hilfreich und das linksseitig erscheinende MIDI-LEARN-Menü ermöglicht die schnelle und komfortable Einbindung externer MIDI-Controller inklusive einer detaillierten Feinabstimmung von Regelbereichen und -kurven. Die Steuerung von virtuellen Bedienelementen mit dem Mausrad ist ebenso möglich wie die Parameterautomation innerhalb einer DAW.

CHERRY AUDIO QUADRA - MIDI-Learn-Funktion
CHERRY AUDIO QUADRA – MIDI-Learn-Funktion

Die QWERTY KEYBOARD getaufte Bildschirmklaviatur fehlt auch beim QUADRA nicht und bietet eine einfache Möglichkeit, dem Plugin ohne zusätzliche MIDI-Hardware Töne zu entlocken, entweder mit Hilfe der Maus (typischerweise etwas fummelig) oder über die Tastatur des Host-Rechners (deutlich bequemer).

CHERRY AUDIO QUADRA - QWERTY Keyboard
CHERRY AUDIO QUADRA – QWERTY Keyboard

In den drei Tabs des Settings-Menü nimmt man diverse Grundeinstellungen vor, sei es den Speicherort der Presets, das Verhalten der Bedienoberfläche oder den Umgang mit eventuellen Updates betreffend. Auch die Eingabe der persönlichen Zugangsdaten zur Freischaltung des Plugins erfolgt hier.

CHERRY AUDIO QUADRA - Settings
CHERRY AUDIO QUADRA – Settings

Natürlich verfügt der QUADRA auch wieder über den für CHERRY AUDIO typischen Preset-Browser, vollgepackt mit Klangkreationen verschiedenster Couleur zum sofortigen Einsatz (laut CHERRY AUDIO über 400). Zum Standard gehören diverse Kategorien, eine Suchfunktion und eine persönliche Favoritenliste ebenso wie die Möglichkeit, via Pin-Funktion das automatische Schließen des Browsers unmittelbar nach der Auswahl eines Presets zu unterbinden.

CHERRY AUDIO QUADRA - Preset-Browser
CHERRY AUDIO QUADRA – Preset-Browser

Bereits mit dem letzten Synthesizer-Emulationen, MERCURY-4, hatte CHERRY AUDIO neue Oversampling-Optionen zur Verbesserung der Klangqualität eingeführt und diese mittlerweile bei allen älteren Plugins im Rahmen der Produktpflege über entsprechende Updates ebenfalls nachgeliefert. Aliasing-Artefakte insbesondere in sehr hohen Tonlagen lassen sich damit effektiv unterdrücken. Da das Oversampling aber auch mit einer erhöhten CPU-Belastung einhergeht, kann man es in vier Stufen einstellen und damit einen akzeptablen Kompromiss zwischen Klangqualität und Systemauslastung ermitteln.

CHERRY AUDIO QUADRA - Oversampling-Optionen
CHERRY AUDIO QUADRA – Oversampling-Optionen

Das auschließlich in englischer Sprache verfügbare Manual zum QUADRA ist wie immer einmal nur online auf der CHERRY-AUDIO-Webseite einsehbar und kann wieder einmal mit einigen humoristischen Einlagen punkten. Kleine Kostprobe gefällig? „The procedure for configuring multi outs varies depending on what DAW you’re using, so you may need to consult your DAW’s owners manual, or find a YouTube video where some windbag blabbers about nothing for six minutes and explains the actual procedure in the last 30 seconds of the video (amiright people???).“


Viererkette…

Die Klangerzeugung des QUADRA teilt sich wie bei seinem Vorbild in vier unabhängige Sektionen auf (daher rührt wohl auch der Name her), nämlich in BASS, STRINGS, POLY SYNTHESIZER und LEAD SYNTHESIZER. Im Gegensatz zum ARP QUADRA kann man bei der CHERRY AUDIOs Emulation separat für jede Sektion den bespielbaren Tastaturbereich frei definieren. Am einfachsten erfolgt dies mit einem angeschlossenen MIDI-Keyboard und der jeweiligen Lern-Funktion der entsprechenden Sektion. Alternativ dazu kann man die jeweils gewünschten Noten aber auch aus den zugehörigen Pop-up-Menüs auswählen.

CHERRY AUDIO QUADRA - Klangerzeugung
CHERRY AUDIO QUADRA – Klangerzeugung

Ganz links finden wir die Bass-Sektion die ausschließlich monophon arbeitet. Sie kommt mit einem Oszillator aus und bietet die beiden auch miteinander kombinierbaren Grundklänge ELEC(tric) BASS und STRING BASS. Letzterer verfügt über einen eigenen Lautstärkeregler, mit dem er sich stufenlos zum ELEC BASS hinzumischen lässt.

Hinzu kommen noch einige rudimentäre Parameter: So lassen sich für beide Grundklänge die Fußlagen 16′ und 8′ aktivieren, bei Bedarf auch gleichzeitig, beim ELEC BASS finden wir Schieberegler für die Abklingzeit und für die Filterresonanz. Die Grundoktave ist in drei Stufen einstellbar. Ansonsten gibt es nur noch einen Schalter, mit dem bestimmt wird, ob die Hülkurve bei jedem Tastenanschlag erneut getriggert werden soll oder aber einem Legatospiel folgen soll.

Nicht gleich offensichtlich ist der Umstand, dass der STRING BASS eigentlich von der Strings-Sektion nebenan erzeugt wird und daher auch durch deren Attack- und Release-Regler beeinflusst wird.

CHERRY AUDIO QUADRA - Bass-Sektion
CHERRY AUDIO QUADRA – Bass-Sektion

Auch die synthetischen Streicher müssen mit nur wenigen Einstellmöglichkeiten auskommen. Neben der bereits erwähnten, lediglich aus Attack- und Release-Phase bestehenden Hüllkurve (die festen AR-Presets des Vorbilds existieren nicht bei der Emulation) gibt es noch eine einfache Klangregelung für die tiefen und die hohen Frequenzen sowie wieder einen dreistufigen Oktavwahlschalter.

Zur Ergänzung der tiefen Lagen vom String Bass lassen sich noch die beiden Fußlagen 8′ und 4′ hinzuschalten, mit denen Violen und Violinen simuliert werden. Der Schalter namens HOLLOW WAVE bewirkt, dass die Grundwellenform von Sägezahn auf Rechteck wechselt und sich damit auch die Klangcharakteristik ändert. Beim Original wirkt sich dieser Schalter übrigens auch noch auf den POLY SYNTHESIZER aus, hier jedoch nicht.

Die Strings durchlaufen stets einen eigenen Chorus-Effekt, der sich weder deaktivieren lässt noch über einstellbare Parameter verfügt und der auch völlig unabhängig von dem Chorus in der Effekt-Sektion ist.

CHERRY AUDIO QUADRA - Strings-Sektion
CHERRY AUDIO QUADRA – Strings-Sektion

Die Strings-Sektion ist mehrstimmig spielbar, CHERRY AUDIO hat beim QUADRA die Oktavteilerschaltung des Vorbilds nachgeahmt. Paraphonie anstatt Polyphonie trifft den Sachverhalt also genauer. Das gilt gleichermaßen für den POLY SYNTHESIZER, der auf der selben Technik beruht, allerdings etwas großzügiger mit Parametern bestückt ist.

So gibt es hier etwa eine komplette ADSR-Hüllkurve mit einstellbare Modulationsintensität sowie ein Tiefpassfilter mit regelbarer Grenzfrequenz und Resonanz. Letztere reicht übrigens nicht bis zur Selbstoszillation. Im Gegensatz zum Original steht der Oszillator des Poly Synthesizers beim virtuellen QUADRA nicht in Abhängigkeit zur Strings-Sektion, sondern verfügt über sechs eigene Wellenformen, von denen sich die Pulswelle sowohl manuell als auch via Hüllkurve oder LFO in ihrer Weite beeinflussen lässt.

CHERRY AUDIO QUADRA - Poly Synthesizer
CHERRY AUDIO QUADRA – Poly Synthesizer

Der LFO vermag zudem die Tonhöhe des Oszillators als auch die Filterfrequenz zu modulieren, die Intensität ist für beide Ziele getrennt einstellbar. CHERRY AUDIO hat seiner Emulation noch eine zusätzliche dritte Fußlage (16′) spendiert, alle drei können einzeln oder in beliebiger Kombination angewählt werden. Die beiden Schalter zur Aktivierung der Anschlagsdynamik (wirkt nur auf die Lautstärke) und der DRIFT-Funktion (simuliert die für analoge Klangerzeuger typischen Tonhöhenverschiebungen) gab es beim ARP QUADRA ebenfalls nicht.

Der LEAD SYNTHESIZER schließlich ist am umfangreichsten ausgestattet. Er verfügt über zwei Oszillatoren mit getrennt einstellbaren Fußlagen und fünf (bei VCO 1) bzw. sechs (bei VCO 2, dieser kann zusätzlich noch einen abfallenden Sägezahn erzeugen) Wellenformen, darunter auch Rauschen.

Der zweite Oszillator lässt sich zum ersten verstimmen und im Unterschied zum Vorbild von ARP auch stufenlos dazumischen. Er kann zudem komplett von der Tastatur entkoppelt werden und schwingt dann unabhängig von der jeweils gespielten Note in der manuell eingestellten Frequenz. Dies kann sich etwa für Drone-Klänge als sinnvoll erweisen, aber vor allem auch dann, wenn man VCO 2 in Zusammenhang mit der Sample & Hold-Funktion in der LFO-Sektion als Modulationsquelle verwenden möchte (dazu gleich mehr). Wenn das Keyboard-Tracking von VCO 2 deaktiviert wird, dann wird seine Tonhöhe übrigens automatisch um drei Oktaven nach unten transponiert, so dass er bei Bedarf auch im Sub-Audiobereich zu schwingen vermag. Dann macht es auch Sinn, den Lautstärkeregler von VCO 2 herunterzuziehen, ansonsten wird man nämlich mit einem tieffrequenten Knattern beglückt…

Ein Besonderheit, die man nicht so häufig bei Synthesizern antrifft, ist die für beide Oszillatoren separat einstellbare Portamento-Funktion, die zum Teil sehr interessante Tonhöhenverläufe ermöglicht.

CHERRY AUDIO QUADRA - Lead Synthesizer
CHERRY AUDIO QUADRA – Lead Synthesizer

Auch in dieser Sektion finden wir wieder eine vollständige ADRS-Hüllkurve (das Original vermochte nur mit einer ADR-Hüllkurve aufzuwarten, die dafür allerdings mittels Presetschalter um eine weitere Attack-Phase und gleich zwei Sustain-Pegel aufgemotzt werden konnte!), ein resonanzfähiges 24dB-Tiefpassfilter sowie regel- und modulierbare Pulsweite (für beide Oszillatoren gemeinsam). Die Grenzfrequenz des Filters lässt sich beim Lead Synthesizer entweder von der Hüllkurve oder vom LFO modulieren, nicht jedoch von beiden gleichzeitig.

Der Lead Synthesizer lässt sich wahlweise monophon oder duophon spielen. Im letzteren Modus spielt jeder der beiden Oszillatoren dann eine separate Stimme. Vom Original wurde auch die sogenannte TRILL-Funktion übernommen, die beim Halten einer einzigen Taste zwischen den beiden Noten eines frei definierbaren Intervalls wechselt. Die Einstellmöglichkeiten reichen hier von einem Halbton bis hin zu mehreren Oktaven. Die Geschwindigkeit wird dabei vom LFO vorgegeben. Damit kann man beispielsweise sowohl ein Martinshorn als auch ein Vogeltrillern simulieren, und im Zusammenspiel mit dem Arpeggiator können dabei sogar sehr interessante Sequenzen herauskommen.

Genau zwischen dem Poly und dem Lead Synthesizer ist der OUTPUT MIXER positioniert, mit dem die Lautstärken der vier Sektionen abgeglichen werden können. Ein Mausklick auf die entsprechenden Text-Labels die jeweilige Sektion komplett stumm, ohne dabei die Fader-Stellung zu verändern. Beim Original gibt es hier ja noch einen fünften Fader für ein externes Signal, welches durch den Phase Shifter geschickt werden kann. Beim CHERRY AUDIO QUADRA ist so etwas nicht vorgesehen. Übrigens, wenn man die Multi-Out-Version des QUADRA verwendet, dann haben die Fader keinen Einfluss auf die Einzelausgänge, an diesen liegt immer der volle Pegel an. Das Stummschalten funktioniert aber sehr wohl auch hier.

CHERRY AUDIO QUADRA - Output Mixer und LFO
CHERRY AUDIO QUADRA – Output Mixer und LFO

Direkt unter dem Mixer, an der Stelle, an der aich beim ARP QUADRA der gerade erwähnte Phase Shifter befindet, hat CHERRY AUDIO den LFO untergebracht, der gegenüber dem Vorbild erweitert wurde und sich natürlich auch zum Host-Tempo synchronisieren lässt. Vier Wellenformen plus Sample & Hold stehen zur Auswahl. Die globale Modulationsintensität kann bei Bedarf durch das Modulationsrad des Keyboards geregelt werden.

Die Sample-and-Hold-Funktion ist noch eine nähere Betrachtung wert. Vereinfacht ausgedrückt entnimmt ein derartiger Schaltkreis bei einem Analogsynthie aus einer kontinuierlichen Spannung einzelne, sprunghafte Werte zur Steuerung von Parametern wie Tonhöhe oder Filterfrequenz und hält diese dann so lange bei, bis ein neuer Wert anliegt. Üblicherweise wird als Spannungsquelle das Signal eines Rauschgenerators verwendet, um so die bekannten Zufallsmodulationen zu erzeugen. Diesm muss aber nicht zwangsweise so sein, denn via Sample & Hold lassen sich durchaus auch andere Quellen abscannen, etwa herkömmliche Wellenformen.

Genau dies ermöglicht die Sample-and-Hold-Funktion des QUADRA, indem sie die jeweils eingestellte Wellenform von VCO 2 heranzieht und damit periodische treppenartige Verläufe ermöglicht. Für die erwähnten Zufallswerte kann aber wahlweise auch weißes Rauschen herangezogen werden, entweder durch entsprechende Auswahl bei VCO 2 oder direkt über den NOISE-Schalter beim LFO, die klanglichen Ergebnisse sind dabei identisch. Wie oben erwähnt, lässt sich sich das Leyboard-Tracking für VCO 2 ja abschalten. Dies gewährleistet stets gleichbleibende Tempi bei der Verwendung als Modulationsgenerator, unabhängig von der gespielten Note.


Aktionsbündnis…

CHERRY AUDIO hat seinem QUADRA auch einige Möglichkeiten zur Anpassung an das Keyboardspiel mitgegeben. So finden wir links unten auf der Bedienoberfläche die beiden Sektionen BENDER und TOUCH SENSOR, rechts zudem einen ARPEGGIATOR.

Unter BENDER lässt sich für jede der vier Klangerzeuger separat definieren, ob und wie stark das Pitch Bend-Rad Einfluss auf die Tonhöhe nehmen soll, beim Poly Synthesizer und beim Lead Synthesizer darüber hinaus auch auf die Grenzfrequenz des Filters.

CHERRY AUDIO QUADRA - Spielhilfenzuweisung
CHERRY AUDIO QUADRA – Spielhilfenzuweisung

Der Begriff TOUCH SENSOR wurde vom ARP QUADRA übernommen und meint nichts anderes als eine Aftertouch-Funktion. Diese lässt sich in ihrer Intensität sowohl für den Poly Synthesizer als auch für den Lead Synthesizer einstellen, per Auswahlschalter bestimmt man, ob dadurch die Lautstärke und die Filterfrequenz oder aber die Tonhöhe verändert wird. Der verwendete MIDI-Controller muss natürlich in der Lage sein, Aftertouch-Daten zu senden.

CHERRY AUDIO QUADRA - Arpeggiator
CHERRY AUDIO QUADRA – Arpeggiator

Der ARPEGGIATOR dient, wie schon beim Original, ausschließlich zur Ansteuerung des Lead Synthesizers. Er lässt sich zum Host-Tempo synchronisieren, verfügt über einen Notenumfang von ein bis drei Oktaven und verschiedene Abspielmuster inklusive Zufallsreihenfolge und kann via HOLD-Funktion auch nach dem Loslassen der Keyboardtasten weiterspielen.


Effektivitätskontrolle…

Auch hinsichtlich der integrierten Effekte passt der Name QUADRA ganz gut, es sind nämlich ebenfalls vier an der Zahl, lässt man den fixen Chorus in der Strings-Sektion jetzt einmal außen vor. Bei jedem Effekt-Modul lässt sich separat einstellen, welche der vier Klangerzeuger hindurchgeleitet werden sollen, eine Mehrfachauswahl ist hierbei jeweils möglich. Mit Ausnahme des Phasers arbeiten alle Effekte in Stereo.

Den Anfang macht der PHASE SHIFTER mit den beiden Parametern (LFO-)Geschwindigkeit und Rückkopplungsintensität. Anstelle des internen Dreieckswellen-LFO (nicht identisch mit dem LFO der Klangerzeugung), kann auch die ADSR-Hüllkurve des Lead Synthesizers sowie die pben erwähnte Sample-and-Hold-Funktion zur Modulation des Phasers verwendet werden. Vor allem Letztere ermöglicht recht interessante rhythmische Klangverläufe.

Da die beiden Modulationseffekte CHORUS und FLANGER technisch grundsätzlich sehr ähnlich sind, teilen sie sich beim QUADRA ein Modul. Sie können daher auch nur alternativ zueinander eingesetzt werden. Die regelbaren Parameter umfassen Geschwindigkeit, Modulationsstärke sowie Rückkopplungsintensität, Letztgenannte ist nur im Flanger-Modus verfügbar.

CHERRY AUDIO QUADRA - Effektsektion
CHERRY AUDIO QUADRA – Effektsektion

Das ECHO ist wiederum zum Tempo der DAW synchronisierbar. Neben der Delay-Zeit und der Wiederholungsintensität lassen sich auch eine Höhendämpfung und das Mischungsverhältnis zwischen dem trockene und dem verzögerten Signal einstellen.

Der REVERBERATOR schließlich ist für Halleffekte zuständig und bietet die drei Algorithmen SPRING, PLATE und HALL sowie Regelmöglichkeiten für Abklingzeit Höhendämpfung und Mischungsverhältnis, im Prinzip kennen das ja so schon aus früheren CHERRY AUDIO-Plugins.

Die Effekt-Sektion kann sich durchaus hören lassen und leistet gute Dienste dabei, einen einfachen Synthesizerklang noch einmal gehörig aufzublasen. Die vier Effekt-Module ergänzen sich auch im gemeinsamen Einsatz sehr gut, der Phase Shifter lässt den Klang schön schweben, der Chorus zieht ihn in die Breite, Echo und Reverberator sorgen für viel Räumlichkeit. Und wer doch lieber seine eigenen Effekte einsetzen möchte, der nimmt halt ganz einfach die Multi-Out-Version des Plugins.


Quadraphonie…

Nein, einen echten ARP QUADRA hatte ich noch nie unter den Fingern und ich gebe auch gleich mal zu, dass ich mich erst in Zusammenhang mit diesem Testbericht überhaupt mit diesem Gerät näher beschäftigt habe und mir bewusst Videopräsentationen davon angesehen und -gehört habe. Vorher kannte ich bloß den Namen und hatte schon mal Bilder davon gesehen, den Synthie ansonsten aber nur unter „ferner liefen“ abgespeichert, weil ich keinen weiteren Bezug zu ihm entwickelt hatte.

Ich kann, will und werde Euch also keinen vom Pferd erzählen, wie nah ARP QUADRA und CHERRY AUDIO QUADRA sich klanglich tatsächlich kommen und wie authentisch der Letzgenannte doch ist. Wie soll ich das denn glaubwürdig beurteilen können? Ich vermute allerdings auch mal stark, dass die Mehrheit der werten Leserschaft ebenfalls noch niemals persönlichen Kontakt mit einem ARP QUADRA hatte und daher auch nicht vorrangig daran interessiert ist, ob wirklich eine einhundertprozentige Übereinstimmung zwischen Hardware und Plugin besteht. Liege ich da richtig?

Lösen wir uns also von derartiger Haarspalterie und befassen uns nicht mit iregendwelchen Soll-, sondern lieber mit den realen Istwerten. CHERRY AUDIO liefert wieder mal gewohnt gute Klangqualität ab, und für mein Empfinden gelingt es dem virtuellen QUADRA recht gut, die allgemeine Klangästhetik und den Geist der späten Siebziger einzufangen und wiederzugegeben. Will sagen, das Teil klingt gut!

Ich fühlte mich beim Spielen diverser Presets sofort in die Ära der klassischen elektronischen Musik à la Monsieur Jarre oder Berliner Schule zurückgebeamt. Vergleiche mit diversen Youtube-Videos (ja, ich weiss…) vom ARP QUADRA scheinen mir auch sehr darauf hinzudeuten, dass CHERRY AUDIO sich hier schon in die richtige Richtung bewegt. Der QUADRA klingt hier allerdings etwas sauberer und nicht so muffig wie manch alte Hardware-Kiste.

Wenngleich der Schwerpunkt eher auf recht konventionellen Synthesizerklängen der Marke Schönklang liegt (wir haben hier schließlich kein Modularsystem vor uns…), zeigen die Presets der Kategorie SPECIAL FX, dass der QUADRA durchaus auch einige schräge Geschichten auf Lager hat, die sehr gut aus einem alten Sci-Fi-Movie stammen könnten.

Sicherlich kann man den QUADRA auch in moderneren Stilrichtungen gebrauchen, doch würde ich ihn jetzt auch nicht unbedingt als erste Wahl etwa für technoide Produktionen bezeichnen (was aber nicht bedeutet, dass er dort in dem einen oder anderen Fall sehr wohl ebenfalls eine gute Figur machen könnte!).

Nachfolgend ein simples Klangbeispiel, das sich aus insgesamt 17 Spuren mit dem QUADRA zusammensetzt und das mit einem kleinen retro-futuristischen Intro beginnt:

Klangbeispiel CHERRY AUDIO QUADRA

Kick, Snare und Hihat habe ich hier ebenfalls mit dem QUADRA erzeugt, man kann hören, dass dies mit ihm zwar machbar, es aber nicht unbedingt seine Domäne ist. Wie immer gilt übrigens: keine Kompression, kein Equalizing und keinerlei weitere Plugins im Klangbeispiel.


Fazit:

Keine Frage, mit dem QUADRA hat CHERRY AUDIO erneut einen sehr wohlklingenden Software-Synthesizer mit Vintage-Flair abgeliefert. Zudem handelt es sich hierbei um die allererste Emulation des ARP QUADRA überhaupt, er steht also bisher völlig ohne jede Konkurrenz da.

Ich gestehe allerdings, dass ich mir noch nicht so ganz im Klaren darüber bin, warum man sich ausgerechnet diesen Synthesizer zum Vorbild für eine virtuelle Nachbildung ausgesucht hat, war das Original doch wohl vorrangig für den Live-Einsatz konzipiert worden, damit der tourende Tastenspieler auch ohne große Keyboard-Burgen von jeder Klanggattung ein bisschen in einem einzigen Gerät vereint dabei haben konnte.

Gerade im Reich der Plugins ist dieser Ansatz jedoch eher irrelevant, kann man hier doch für jede erdenkliche Sound-Kategorie ausgemachte Spezialisten bemühen und braucht eigentlich keine abgespeckten Vertreter unter einer gemeinsamen Haube. Und grundsätzlich kann man eine große Teilmenge der Klänge auch mit den bereits bestehenden Emulation von CHERRY AUDIO erzeugen, zumindest so ähnlich.

Nun ja, ist letztendlich auch ziemlich egal. Vermutlich stand bei der Erschaffung des QUADRA einmal mehr die Nostalgie im Vordergrund und natürlich auch die Marketing-Strategie, Begehrlichkeiten sowohl bei den potentiellen Kunden zu wecken, die einst einmal einen echten ARP QUADRA besaßen, und denen, die sich immer schon einen ob ihrer musikalischen Vorbilder wünschten, aber nie in den Besitz eines der inzwischen seltenen und teuren Exemplare kamen.

Der QUADRA kann direkt bei CHERRY AUDIO oder bei diversen Onlineshops erworben werden. Der Einführungspreis beträgt 39,- US-Dollar (zur Zeit des Verfassens keine 35,- Euro), als (im Prinzip imaginärer) Listenpreis werden 59,- USD (keine 53,- Euro) genannt, Letzterer hat sich zumindest bisher nur als reiner Marketingtrick erwiesen.

Wen es nach der vollen Packung gelüstet, dem kann mit dem ebenfalls neuen SYNTH STACK 2 geholfen werden, für 199,- USD (ca. 177,- Euro und ein paar Zerquetschte), gibt es hier alle bisherigen Emulationen von CHERRY AUDIO plus VOLTAGE MODULAR CORE inklusive der Erweiterung ELECTRO DRUMS.


Positives:
+ guter Grundklang
+ einfache Bedienung
+ Multi-Out-Version wird mitgeliefert
+ Arpeggiator (nur Lead Synthesizer)
+ gut klingende Effekt-Sektion
+ umfangreiche MIDI-Learn-Sektion
+ Oversampling-Funktion
+ CPU-freundlich (bei einfachem Oversampling)
+ günstiger Verkaufspreis

Negatives:
– keine Offline-Aktivierung bzw. -Installation möglich


Produktwebseite QUADRA: https://cherryaudio.com/products/quadra

Produktwebseite SYNTH STACK 2: https://cherryaudio.com/products/synth-stack-2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*