Testbericht G-Sonique „GSXL4070“ Equalizer-Plugin + Extra-Tipp

G-Sonique, die kleine Plugin- Schmiede aus der Slowakei, ist ja in den vergangenen Monaten ziemlich rege gewesen und hat schon fast im Monatsrhythmus neue Plugins auf den Markt gebracht. Leider vermochten jedoch nicht alle davon den Tester gleichermaßen zu überzeugen, so befanden sich darunter neben wenigen, dafür aber sehr guten Plugins, auch allerlei mediokre Kreationen, die man vorher nicht unbedingt vermisst hatte…

In diesem Testbericht schauen und hören wir uns einmal einen der jüngsten Neuzugänge aus dem Hause G-Sonique an, einem Plugin, dass sich GSXL4070 schimpft und sich, als „Solid State Mix Equalizer“ identifiziert.

Im Gegensatz zu diversen „Vintage“-EQs, wie sie G-Sonique selbst etwa mit dem (übrigens von mir gern verwendeten) Pultronic EQ-110P anbietet und bei denen ein emulierter Sättigungseffekt und die damit einhergehende Klangfärbung ja durchaus das Ziel sind, versteht sich der GSXL4070 also vielmehr als Lieferant für einen vollen, klaren und modernen Sound. G-Sonique drückt sich hier eher vorsichtig aus und umschreibt den GSXL4070 als von „berühmten britischen Mischpult-Equalizern inspiriert“. Da wollte man wohl einfach von vornherein eventuellen Lizenzproblemen mit SSL (Solid State Logic) aus dem Weg gehen… 😉

Equalizer-Plugins in allen Preiskategorien gibt es ja nun schon wirklich in inflationärer Anzahl, und selbst aus dem Freeware-Lager steht uns mittlerweile eine ganze Reihe von professionellen und gut klingenden Mitbewerbern zum Nulltarif zur Verfügung.

Von daher muss ein kommerzieller Anbieter, der ein neues EQ-Plugin auf den Markt wirft, dem vor der „Wahl der Qual“ stehenden potenziellen Kunden heutzutage auch schon etwas bieten, wenn er damit nicht in der Masse untergehen will. Ob G-Sonique mit seinem GSXL4070 aus eben dieser Masse hervorzustechen vermag, soll dieser Testbericht daher näher beleuchten.

Allgemeines (Installation, Optik, Bedienung etc.)

Getestet habe ich das Plugin auf folgendem System: Windows XP Professional x32 mit SP3, Athlon X2 4200+ mit 2,5 Gigabyte RAM. Als DAW wieder einmal EnergyXT 2.6 zum Einsatz, weil es damit so schön flott geht.

Der GSXL4070 ist als ein mit SynthMaker erstelltes VST-Plugin nur für Windows (2000, XP, Vista und 7) verfügbar, und zwar nur in 32bit-Ausführung. Die Installation kopiert das Plugin an einen selbst zu bestimmenden Ort Platz auf der Festplatte, anschließend muss beim ersten Aufruf des GSXL4070 nur noch die mitgelieferte Seriennummer sowie die zum Kauf verwendete E-Mail-Adresse eingegeben werden, damit das Plugin endgültig freigeschaltet wird. Dies funktionierte bei mir alles wie erwartet und lief ohne Ungereimtheiten ab.

Bei der Bedienoberfläche ist G-Sonique zur Abwechslung mal wieder von dem typischen Design der vergangenen „Creative“-Produkte, die alle irgendwie ähnlich aussahen, abgewichen. Dem geneigten Klangschrauber bietet sich eine schnörkellose und relativ große GUI, mit einem klaren Design, man kann also auf Anhieb mit dem Plugin arbeiten.

Allerdings entdeckt man beim Arbeiten mit den virtuellen Drehreglern dann auch gleich eine kleine Tatsache, die man – je nach Standpunkt – entweder als essenzielles Manko oder aber als willkommene Möglichkeit zur kreativen Freiheit ansehen mag: Die Parameterwerte der Regler sind nur sehr grob skaliert und es gibt auch ansonsten keinerlei Display, dass die exakten Werte anzeigt.

Somit ist man konzeptbedingt gezwungen, sich beim Arbeiten mit dem GSXL4070 ausschließlich auf sein Gehör zu verlassen (nachgeschaltete Analyzer-Plugins einmal außer Acht gelassen…), eben ganz wie zu alten Zeiten am Mischpult. Als jemand, der gewöhnlich die Vorzüge grafischer EQ-Kurven schätzt, mag es zunächst ein wenig ungewohnt sein, nur nach den Ohren zu regeln. Aber nach etwas Einarbeitungszeit ist man dann doch überrascht, wie gut dies dennoch funktionieren kann. Bei einem Analogsynthie geht man ja im Prinzip auch nicht anders vor. Die ganz alten Hasen am Mischpult unter Euch lachen sich jetzt wahrscheinlich einen Ast ab, weil sie es sowieso schon immer so gemacht haben und nicht anders… 😉

Leider akzeptiert – wie alle Plugins von G-Sonique – auch der GSXL4070 keine Reglerbedienung über das Mausrad, was ich ja in meinen Testberichten regelmäßig bemäkele und deshalb auch normalerweise mit einem Minuspunkt quittiere. Mittlerweile ist mir aber die Ursache dafür bekannt: Es scheint sich hier um ein allgemeines Defizit der verwendeten Entwicklungsumgebung „SynthMaker“ zu handeln, womit also allen damit erstellten Plugins dieser Makel anhängt. Ähnliches gilt übrigens auch für Plugins, die mit dem Konkurrenzprodukt „SynthEdit“ entstanden sind.

Dafür funktioniert der GSXL4070 aber einwandfrei zusammen mit „Novation Automap“ und einem passenden Controller aus gleichem Hause.

Die Systemanforderungen und die CPU-Auslastung des GSXL4070 bewegten sich innerhalb normaler Parameter (wie es der Bordcomputer der Enterprise wohl ausdrücken würde…). Abstürze und dergleichen Unbill kann ich ebenfalls nicht vermelden.

British Sound Equalizer Plug-in G-Sonique- GSXL4070

Die Parameter des GSXL4070

Auf der linken Seite finden wir zunächst einen Hochpassfilter (oder Low-Cut-Filter, je nach Betrachtungsweise…), der sich von 15 Hz bis 400 Hz durchstimmen lässt sowie über einen separaten Ein-/Aus-Schalter nebst virtueller LED verfügt. Hiermit lassen sich recht einfach unerwünschte Bassanteile aus dem Audiosignal entfernen.

Rechts davon folgen dann die vier vollparametrischen Bänder des Equalizers, optisch durch Verwendung unterschiedlicher Farben voneinander abgegrenzt und mit virtuellen Drehreglern für Filterbandweite (Q), für Absenkung bzw. Verstärkung (jeweils bis zu 12db) sowie für die Frequenz des jeweiligen Bandes. Die vier Equalizerbänder decken dabei verschiedene, sich weit überlappende Frequenzbereiche ab:

  • LF = low frequency, Bass (20-500Hz)
  • LMF = low mid frequency, tiefe Mitten (200 Hz – 3 kHz)
  • HMF = high mid frequency, hohe Mitten (700 Hz – 12 kHz)
  • HF = high frequency – Höhen (1.5 kHz – 20 kHz)

Separate Bypass-Schalter für jedes EQ-Band sind leider nicht vorhanden, wären aber durchaus wünschenswert.

Zum Abschluss finden wir auf der rechten Seite noch einen Bypass- Schalter für schnelle A/B-Vergleiche und einen Lautstärkeregler für das ausgehende Signal, mit welchem sich Übersteuerungen bei heftigen EQ-Boosts vermeiden und entstehende Lautstärkedefizite bei Absenkungen kompensieren lassen.

Presets lassen sich über ein entsprechendes Managementsystem am unteren Rand des GSXL4070 verwalten. G-Sonique liefert auch neun Presets mit, die bei einem derartigen Plugin allerdings nur als Ausgangsbasis für eigene Eingriffe verstanden sollten. Man muss also schon selbst Hand anlegen und den EQ an das jeweilige Audiosignal anpassen, logisch oder…?!

Der GSXL4070 verwendet intern übrigens zweifaches Oversampling zur Reduzierung von Aliasing und zur Vermeidung daraus entstehender klanglicher Artefakte.

Der Klang

Hier wird der vorliegende Testbericht endgültig subjektiv, denn Klangempfinden ist nun einmal eine höchst individuelle Angelegenheit und hängt in diesem Fall ja auch nicht unwesentlich vom verwendeten Satz Ohren, der Abhöre und den akustischen Verhältnissen im Studio ab.

An dieser Stelle kann ich Euch wieder einmal nur empfehlen, Euch einmal bei G-Sonique die Demo-Version des GSXL4070 zu besorgen und diese selbst zu testen.

Mir persönlich hat der Klang dieses Equalizers recht gut gefallen. Mit dem GSXL4070 sind sowohl subtile Entzerrungen als auch deutlich hörbare Klangveränderungen möglich. Im Test empfand ich das Klangverhalten als angenehm „voll“, ohne dass dabei das Signal an Klarheit verlor oder der Sound in Richtung „vintage“ verbogen wurde.

Der GSXL4070 zeigte bei meinen Experimenten auch in keinerlei klangliche Attribute wie „digital“, harsch oder näselnd, sondern reagierte stets ausgesprochen „musikalisch“ (Nein, der GSXL4070 kann nicht etwa Musikstücke komponieren oder Lieder singen…).

Als jemand, der EQs nur recht sparsam verwendet und dabei bevorzugt unerwünschte Frequenzen entfernt, anstatt gewünschte Frequenzen zu verstärken, ist mir aufgefallen, dass der GSXL4070 auch beherzte Eingriffe nicht mit einem zu ausgedünnten Sound quittierte, wie ich es schon von manch anderen Filtern gehört habe.

Störende Artefakte waren ebenfalls keine zu vernehmen, auch nicht beim Echtzeit-Regeln mit laufendem Sequenzer, was den GSXL4070 somit auch für kreative Automationsfahrten empfiehlt. Manch andere Plugins reagieren hier mit fiesen Glitches.

Kurz und gut, der Klang des GSXL4070 weiß sich durchaus zu behaupten und dabei zu gefallen. Für meinen Geschmack ist er deutlich besser, als die diversen Filtermodelle, die man in den G-Sonique-Plugins der vergangenen Monate vorfand, die mir insgesamt nicht so besonders zusagten. Das bei diesen damals bemängelte, etwas „plastikmäßige“ Klangverhalten ist beim GSXL4070 zum Glück völlig absent.

Ob Ihr das ebenso empfindet wie ich, ist natürlich eine andere Frage, daher gibt es hier auch noch einmal etwas zu hören, nämlich ein einfacher Loop aus dem internen Drumsampler von EnergyXT mit einem der mitgelieferten Werks-Pattern. Ihr hört immer abwechselnd vier Takte des unbearbeiteten Signals, danach vier Takte mit einem der neun Presets des GSXL4070, dann wieder zum Vergleich der unbearbeitete Loop und so weiter.

Damit Ihr auch wisst, was Ihr denn da gerade hört, sagt Euch eine freundliche Computerstimme jeweils, ob ihr den Loop „unprocessed“ oder aber mit einem GSXL4070-Preset drauf hört:

[soundcloud params=“auto_play=false&show_comments=true“]http://soundcloud.com/andreas-eberhardt/klangbeispiel-g-sonique-1[/soundcloud]

Fazit

Braucht die Plugin-Welt denn nun wirklich noch einen weiteren Equalizer? Und ist der G-Sonique GSXL4070 ein unverzichtbares Muss? Nun, die erste Frage werdet Ihr hier mit Sicherheit auch nicht beantwortet bekommen… 😉 Was die zweite Frage angeht, welches Plugin, gleich welchen Herstellers, ist das schon wirklich? Genau, nämlich das, auf das DU bei Deinen Produktionen nicht mehr verzichten möchtest! Frage beantwortet…? 😉

Was ich damit sagen möchte, ist einfach die Tatsache, dass es – einige technische Aspekte ausgenommen (kein Display, kein MacOS etc.) – eine reine Geschmackssache ist, ob der GSXL4070 in das persönliche Setup passt oder nicht. Wer noch auf der Suche nach einem gut klingenden Equalizer-Plugin jenseits der DAW-eigenen EQs ist und wem der Klang des GSXL4070 zusagt (und das kann nur ein persönlicher Test der Demo-Version zeigen …), für den ist dieses Plugin durchaus eine in Betracht zu ziehende Option.

Auf jeden Fall gibt es aus rein audiophiler Perspektive nichts zu vermelden, was einen den Kauf verleiden könnte. Also kein Sound-Dreck irgendwelcher Art, der dort nicht hineingehört. Der GSXL4070 liegt meilenweit über den EQs aus den eigentlich erst wenige Jahre zurückliegenden Anfängen der Studio-Virtualisierung!

Der Preis des GSXL4070 liegt bei 28,- Euronen. Damit bewegt er sich eher in einem Low-Budget-Bereich, was allerdings keinesfalls mit billigem Klang oder dergleichen verwechselt werden darf! Es handelt sich schließlich um Software-Code und nicht um Hardware! In diesem Preissegment befinden sich noch einige weitere Hersteller mit zum Teil ebenfalls hervorragenden EQ-Plugins, und von Unten her schieben natürlich auch die kostenlosen Plugins von Variety of Sound (Bootsy) etc. die Messlatte gehörig nach oben.

Von daher wird mit dem GSXL4070 wohl für den Einen oder Anderen die Qual der Wahl einfach nur noch ein wenig größer… 😉

Was mir besonders gut gefiel:

– voller und dennoch sauberer Klang

– nur mäßige CPU-Belastung

– grundsätzliches optisches Design

– benutzerfreundlicher Kopierschutz (Seriennummer, kein Dongle etc.)

Was mir weniger gut gefiel:

– keine eindeutige Skalierung bzw. Parameter-Anzeige bei den Drehreglern

– keine separaten Bypassschalter für die einzelnen EQ-Bänder

– keine Bedienung der Regler via Mausrad möglich ( ein „Synthmaker“-Defizit)

Mein subjektives Testurteil nach Schulnoten: gut (2)

Achtung! Zu guter Letzt habe ich auch noch einen kleinen Tipp für Euch:

Wer sich für G-Soniques Bass-Enhancer-Plugin namens Xbass 4000 interessiert, der sollte sich pflugs mal bei Prime Plugins registrieren, denn dann erhält er mit der Begrüßungsmail einen Download-Link zu einer Gratis-Version des Xbass 4000 (kostet ansonsten nämlich 15,- Steine). Keine Ahnung, wie lange diese Aktion noch gültig ist…

Hier ist der Link: primeplugins.com

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