Testbericht Waldorf ROCKET: Quadratisch, praktisch, gut…?

Testbericht von PERRY STALTIC

Schon seit einiger Zeit kann man im Bereich der Hardware-Synthesizer zwei Trends beobachten, die bisweilen auch gemeinsame Früchte tragen. Zum Einen ist der „Analogue-Revival-Hype“ längst in vollem Gange, zum Anderen erfreuen sich vermehrt kleine, schreibtischfreundliche Geräte, häufig ohne eigene Tastatur und/oder mit nur eingeschränktem Parametersatz, einer zunehmenden Beliebtheit.

Nicht etwa, dass diese beiden oben genannten Trends etwas bisher noch nie Dagewesenes darstellen würden, solche handlichen analogen Geräte kennen wir bereits aus den 1980ern, beispielsweise in Form der beliebten ROLAND-Erzeugnisse MC-202 und TB-303. Und eigentlich könnte man das noch ältere OBERHEIM SEM weitläufig ebenfalls zu dieser Kategorie zählen.

Als Vorreiter bei den aktuellen Inkarnationen dieser Gerätegattung kann man hier sicherlich Firmen wie KORG, MFB oder auch DSI bezeichnen, aber selbst MOOG hat inzwischen Derartiges im Portfolio. Und nun auch die Firma WALDORF aus deutschen Landen, obwohl das ja nicht so ganz stimmt, denn zumindest einen Desktop-Synthie stellt WALDORF bereits seit einigen Jahren her, nämlich den BLOFELD.

Der neue ROCKET (Schade übrigens, dass man bei WALDORF wieder von der lustigen Tradition abgekommen ist, die Sprösslinge aus eigenem Hause nach Bösewichten und Gadgets aus den James Bond-Filmen zu benennen, warum hat man das Teil denn nicht einfach DRAX getauft…?) stellt einen klangtechnischen Hybriden dar, denn während das Filter des ROCKET komplett analog aufgebaut wurde, ist die Oszillatorsektion digitalen Ursprungs.

Äußerlichkeiten:

Nach dem Auspacken hält man ein kleines, quadratisches Kästchen mir einer Seitenlänge von etwa 18,5 cm in den Händen (die Gesamthöhe inklusive Potis beträgt 6,5 cm). Während der Korpus aus einem recht stabil wirkenden Kunststoff gefertigt ist, bestehen die Abdeckplatte mit der Bedienoberfläche und das rückseitige Anschluss-Panel aus Metallblech.

Auch die metallenen Kippschalter machen einen guten Eindruck, ebenso wie die Potis, die groß genug sind und jeweils soviel Abstand zueinander haben, dass sie sich wohl auch mit Wurstfingern noch gut bedienen lassen sollten. Letzteres vermag ich aber (zum Glück) nicht zu testen… 😉

Die in erster Linie durch die eher spartanische Parameterausstattung gegebene Übersichtlichkeit der Bedienoberfläche wird durch aufgedruckte grafische Elemente, die die einzelnen Sektionen voneinander abtrennen, optisch noch weiter unterstützt.

Erwähnt sei hier noch, dass drei der Drehregler jeweils über eine mehrfache Belegung verfügen, welche dabei durch korrespondierende Kippschalter definiert wird. Von diesen Ausnahmen abgesehen besitzt aber jeder übrige Parameter seinen eigenen Regler, was einen ungleich schnelleren Workflow sowie einen deutlich höheren Spaßfaktor mit sich bringt, als etwa die Bedienung mittels Display-Menüs, virtueller Regler oder auch via eines MIDI-Controllers. Der ROCKET verfügt weder über einen EIN-/AUS-Schalter noch über eine Regelmöglichkeit für den Lautstärkepegel des Audioausgangs (im Cubase-Mixer lag der Spitzen-Eingangspegel bei mir aber recht konstant bei etwa -3 dB, damit ließ sich schon vernünftig arbeiten…), lediglich die Kopfhörerlautstärke lässt sich mittels dezidiertem Poti regeln. Ein zusätzlicher Kippschalter, mit dem dieser Poti alternativ auch den Audioausgang regelt, wäre die paar Cent an Mehrkosten vielleicht wert gewesen…

Waldorf ROCKET
Waldorf ROCKET Draufsicht

Auf der Rückseite finden wir von links nach rechts die beiden MIDI-Buchsen (rein und raus…), mit einem darüber angeordneten, versenkten Mikroschalter zur MIDI-Kanal-Wahl, ein USB-Port (dazu gleich mehr), eine Mono-Klinkenbuchse im 6,3 mm-Format für das ausgehende Audiosignal (der ROCKET ist schließlich nur monofon…), eine ebensolche Klinkenbuchse zum Einspeisen externer Audioquellen in Signalweg sowie schließlich auch noch ein Kopfhörer-Ausgang, diesmal allerdings nur als 3,5 mm-Klinkenbuchse.

Wer jetzt noch einen Anschluss für die Stromversorgung vermissen sollte, dem sei erklärt, dass hierfür der oben erwähnte USB-Anschluss zuständig ist. Entweder betreibt man den ROCKET an einem Rechner (idealerweise eingebunden in eine DAW), dann liefert dieser den notwendigen Strom, oder aber man verwendet den ROCKET autark als normalen MIDI-Expander, dann kommt ein mitgeliefertes USB-Netzteil zum Einsatz, wie man es auch von modernen Mobiltelefonen etc. her kennt. Ich persönlich finde diese Lösung praktisch und flexibel und deutlich besser als die herkömmlichen Wandwarzen-Netzteile. Das Netzteil kann man gegebenenfalls auch für andere Geräte verwenden, ebenso wie man bei eventuellem Verlust des ROCKET-Netzteils problemlos günstigen Ersatz erhält.

Waldorf ROCKET Anschlüsse
Waldorf ROCKET Anschlüsse

Am seitlichen Gehäuseboden des ROCKET sind mir noch diverse merkwürdig geformte Aussparungen aufgefallen. Möglicherweise kann man hier ja mehrere ROCKET-Module mittels adäquater Steckverbinder aneinanderkoppeln…?

Neben dem erwähnten USB-Netzteil und einem entsprechenden Kabel liegt der Verpackung übrigens auch noch eine Karte mit einer Download-Lizenz der WALDORF EDITION LE bei, diese bekommt man allerdings mittlerweile sowieso schon gratis im Netz (http://www.beat.de/waldorf/).

Schwingungserzeuger:

Die subtraktive Klangarchitektur des ROCKET erscheint ja nach einem ersten Blick auf die Bedienoberfläche zunächst recht simpel und eingeschränkt, beim Oszillator erwarten uns unter der Haube jedoch noch ein paar Extras, die man dem Gerät nicht sogleich ansieht.

Als primäre Klangquelle dient ein Oszillator, der mittels Kippschalter wahlweise eine Sägezahnwelle oder eine Rechteck-/Pulswelle erzeugt, also nichts Außergewöhnliches bis hierhin. Nachfolgend kommen jedoch die ersten beiden Drehregler mit einer Mehrfachbelegung ins Spiel, namentlich WAVE und TUNE. Dies ist im Prinzip auch die einzige Sektion des ROCKET, die sich nicht auf Anhieb erschließt, eine gewisse Einarbeitungszeit und eventuell auch einmal einen Blick in das PDF-Manual empfiehlt (Letzteres ist übrigens in Deutsch verfasst, recht ausführlich und zudem auch lesenswert geschrieben, vor allem nicht dröge!), bis man deren multiple Funktionen verinnerlicht hat.

Nicht etwa falsch verstehen, das Ganze ist keineswegs kompliziert, aber die Drehregler verfügen eben je nach gewählter Wellenform über völlig unterschiedliche Funktionen. Bei einem hektischen Gig auf einer spärlich beleuchteten Bühne dürfte der eine oder andere versehentliche Fehlgriff zu unerwarteten klanglichen Ergebnissen führen, im Studio können derartige Fehleinstellungen natürlich bisweilen auch einmal inspirierend sein… 😉

Waldorf ROCKET OSC
Waldorf ROCKET OSC

Wenn der Kippschalter auf Pulswelle steht, dann dient der WAVE-Regler zur Einstellung der Pulsweite, diese lässt sich von unhörbar bis hin zu 50% (= Rechteckwelle) regeln. Die Minimalstellung des Reglers bei angewählter Pulswelle (und nur dann!) dient damit auch der Stummschaltung des Oszillators, was etwa dann wünschenswert ist, wenn man den externen Audioeingang nutzen möchte oder wenn man ausschließlich das Filter (mit hohen Resonanzwerten) als Klangquelle nutzen möchte.

Doch Obacht! Die gerade erwähnte Funktion zur manuellen Einstellung der Pulsweite steht nur auf dem halben Regelweg des Potis zur Verfügung. Sobald man nämlich die 12-Uhr-Stellung überschreitet, dient dasselbe Poti plötzlich zum Einstellen der Tiefe der Pulsweitenmodulation durch den LFO!

Auch bei angewählter Sägezahnwelle besitzt der WAVE-Regler in der ersten Hälfte seines Regelbereichs eine andere Funktion als in der Zweiten: Bis zur 12-Uhr-Stellung lässt sich hiermit die Oszillator-Synchronisation regeln. Wie bitte, Oszillator-Synchronisation mit nur einem einzigen Oszillator, wie soll das denn funktionieren…? Tut es ja auch nicht, allerdings bringt der ROCKET hier eines seiner verborgenen Gadgets mit ins Spiel (Also doch wie bei James Bond…), er erzeugt nämlich einfach intern den dazu notwendigen zweiten Sägezahn-Oszillator, anscheinend ein Vorteil seiner digitalen Herkunft.

In der 12-Uhr-Stellung des WAVE-Reglers hört man den „nackten“ Sägezahn, so wie bei anderen Single-Oscillator-Synths auch. Dreht man das Poti dann aber noch weiter auf, so werden sukzessive bis zu sieben weitere Sägezahnwellenformen hinzugefügt, was zu den allseits beliebten (ich bilde da vermutlich eine Ausnahme…) „Supersaw“-Klängen führt.

Auch der benachbarte TUNE-Regler weist je nach Wellenformwahl sowie nach Stellung des WAVE-Reglers multiple Funktionen auf. Ist die Pulswelle eingestellt, dann sorgt TUNE bis zur 12-Uhr-Stellung für eine Verstimmung im Centbereich (wiederum kommt hier unter der Haube ein weiterer Oszillator ins Spiel…). Darüber hinaus regelt TUNE eine Verstimmung der bis zu 8 Oszillatoren in musikalischen Intervallen, womit sich dann sogar diverse Akkorde einstellen lassen. Bei eingestellter Sägezahnwelle funktioniert der TUNE-Regler im Prinzip adäquat, allerdings aktiviert er hier in Maximalstellung einen UNISONO-Modus, was einen angenehm breiten Sägezahnklang bewirkt und sich dadurch für druckvolle Bässe eignet. Auch ist hier ein eingeschränktes polyfones Spiel möglich, denn eingehende MIDI-Noten werden jeweils direkt den acht einzelnen Sägezähnen zugewiesen. Nun ja, ich betrachte dies eher als Beigabe, denn mit der Polyfonie reduziert sich auch die Vollfettstufe wieder, ein einzelner Sägezahn pro Note klingt dann nämlich doch wieder eher dünn…

Zu guter Letzt finden wir in der Oszillator-Sektion auch noch einen GLIDE-Regler, der bei Legato-Spiel die typischen Portamento-Effekte liefert. Hieran dürften sich wohl auch Anhänger der Acid-Fraktion erfreuen.

Filteranlage:

Das Filter des ROCKET verfügt über die drei Modi Tiefpass (LP), Bandpass (BP) sowie Hochpass (HP). Wie bereits zu Anfang erwähnt, zählt dieses Filter zu den vollständig analog ausgeführten Komponenten des ROCKET. Grenzfrequenz, Resonanz und die Einwirkung der Hüllkurve lassen sich via dezidierter Potis regeln. Zudem erlaubt ein Kippschalter die Einstellung des Keytrackings (aus, 50% und 100%), also der Abhängigkeit der Filterfrequenz von der gespielten Note.

Waldorf ROCKET Filter (VCF)
Waldorf ROCKET Filter (VCF)

Dem Verfasser dieser Zeilen vermochte insbesondere der Klang von Tiefpass- und Bandpassfilter zu gefallen, aber auch das Hochpassfilter hat durchaus seine Berechtigung im ROCKET. Wie nicht anders zu erwarten, verfügt das Filter über einen typisch analogen Klangcharakter (Ach, woher kommt das wohl…?), hebt sich dabei aber deutlich vom Klang der Synthesizer etwa aus japanischer oder amerikanischer Fertigung ab. Klingt halt deutsch… 😉

Der Regelbereich der Resonanz reicht erfreulicherweise bis hin zur Selbstoszillation. Bei deaktiviertem Oszillator (Pulswelle mit WAVE-Regler auf Minimum einstellen…) lassen sich etwa Disco-Toms sowie Kraftwerk-Zipps und -Zapps erzeugen, aber auch die typischen Old-School-Sci-Fi-Klischees wie UFO- und Lasersounds werden gut bedient.

Besonders wohlwollend nahm der Verfasser zur Kenntnis, dass das Filter des ROCKET auch bei höheren Resonanzwerten nicht dazu neigt, den Bassbereich merklich auszudünnen, so wie es bei einigen anderen Synthesizern leider der Fall ist. Ganz im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, dass Resonanzreglerstellungen im Bereich um die „1 Uhr“ herum dem Bass sogar eher noch „dicke Eier“ verpassten.

Was denn Einsatzzweck als Filter für externe Signale angeht, gebe ich zu bedenken, dass der gesamte Signalweg des ROCKET ja nur monofon ausgelegt ist, womit sich das Filter beispielsweise nicht als Stereo-Effekt anwenden lässt, es sei denn, man hat die Kohle übrig und legt sich gleich zwei von den Kästchen zu…

Hüllkürvlein:

Wenngleich der ROCKET von Hause aus zwei Hüllkurven mitbringt, von denen jeweils eine für die Filtermodulation und eine für den Lautstärkeverlauf verantwortlich ist, so sind die Eingriffsmöglichkeiten hier nur als recht rudimentär zu bezeichnen, was für viele Interessenten sicherlich auch einer der Hauptkritikpunkte am ROCKET darstellen dürfte.

Beide Hüllkurven verfügen nur über einen identischen Parametersatz, lassen sich somit also nicht unabhängig voneinander einstellen. Dies ließe sich durchaus noch verschmerzen, kannte man so etwas beispielsweise ja auch schon von der alten ROLAND JUNO-Serie, allerdings könnte man selbst deren einfache ADSR-Hüllkurven als überaus üppig ausgestattet bezeichnen, wenn man den ROCKET danebenstellt…

So gibt es zum Beispiel keine regelbare Attack-Zeit, der Rocket ist einfach fest auf einen schnellen Anschlag eingestellt. Für zahlreiche Klänge (Bässe, Sequencer-Sounds und sonstiges Perkussives) mag dies ja auch praxisnah sein, aber für die Restlichen eben nicht. SUSTAIN und RELEASE sind zwar vorhanden, lassen sich jedoch bloß per Kippschalter an- oder abstellen. Während der SUSTAIN-Pegel dabei nur einen fixen Wert annimmt, lässt sich zumindest die RELEASE-Zeit mittels des DECAY-Reglers (dem im Übrigen einzigen frei einstellbaren Hüllkurven-Parameter des ROCKET) gemeinsam mit der Ausklangszeit einstellen.

Waldorf ROCKET
Waldorf ROCKET Hüllkurve (ENV)

Boost and Launch:

In dieser Sektion finden wir auch noch einen weiteren Kippschalter, der mit BOOST betitelt ist, sowie einen bei Drucktaster namens LAUNCH.

BOOST fügt dem Signal gleich hinter dem Filter harmonische Verzerrungen hinzu, was vor allem bei Klängen mit hohen Resonanzeinstellungen doch zu recht brachialen Klangergebnissen führt. Auf manchen Klängen macht sich das gut, auf Anderen eher weniger. An dieser Stelle hätte ich mir anstatt eines Kippschalters mit einem Fixwert lieber einen stufenlosen Drehregler gewünscht. Aber besser so, als gar nicht… 😉

Der LAUNCH-Taster hingegen gehört nicht zur Syntheseeinheit des ROCKET, sondern dient vielmehr dem einfachen Triggern von Sounds auch ohne angeschlossenes MIDI-Keyboard. Der Taster sendet standardmäßig die Note C3 aus, er merkt sich allerdings die zuletzt über MIDI eingegangene Notennummer und gibt fortan diese wieder, solange bis er eine neue MIDI-Note empfängt (die er wiederum speichert und so fort…). Der LAUNCH-Taster leuchtet übrigens rot auf, wenn er betätigt wird oder wenn MIDI-Noten eingehen.

Darüber hinaus hat dieser Taster auch noch eine zweite Funktion: Wenn er etwa eine Sekunde lang gedrückt wird, dann gibt der ROCKET den aktuell am Bedienfeld eingestellten Klang als Datenpaket über MIDI aus, welches sich aufzeichnen lässt, beispielsweise im Sequencer oder auch mit Software wie MIDIOX, womit sich eine Möglichkeit zur Speicherung von Presets auftut. Es handelt sich hierbei um herkömmliche MIDI-CC-Datenpakete. Diese lassen sich auf eine MIDI-Spur in der DAW ablegen, die dem ROCKET zugeordnet ist, sinnvollerweise direkt an den Anfang (oder bei Presetwechsel an die passende Stelle im Track). Das habe ich schon zu ATARI ST-Zeiten so mit den Presets meines JUNO-106 so gemacht, der hatte netterweise auf Knopfdruck immer sofort den jeweiligen Klang als kleines SysEx-Paket abgeworfen. Bei meinen anderen Synthies war immer erst ein separat initiierter MIDI-Dump erforderlich (JD-800, TX81Z) oder der Sound ließ sich gar nicht speichern (MS-404).

Einzig die Stellung des BOOST-Schalters und der eingestellte Filtermodus werden beim ROCKET leider nicht mit abgespeichert.

Übrigens kann man natürlich auch die Reglerbewegungen der Potis als MIDI Continous Controller aufzeichnen, dabei findet dann aber logischerweise bei den analogen Komponenten eine digitale Rasterung in die 128 möglichen Schritte statt.

Modulationen:

Neben einem Niederfrequenzoszillator für Modulationszwecke ist auch noch ein kleiner Arpeggiator mit an Bord des ROCKET. Beide Einheiten teilen sich einmal mehr die vorhandenen Bedienregler. Der Kippschalter TARGET bestimmt, ob entweder der LFO oder der ARP aktiviert werden soll (beide zusammen geht leider nicht!) und ob der LFO auf die Tonhöhe (OSC) oder auf die Filterfrequenz (VCF) einwirken soll.

Der LFO verfügt über die frei Wellenformen Rechteck, Dreieck und abfallender Sägezahn, neben der der Modulationstiefe lässt sich auch die Geschwindigkeit regeln, diese reicht laut Manual von 0,05 Hz bis hin zu 50 Hz mit 1 Hz bei 12-Uhr-Stellung des Reglers. Ehrlich gesagt hätte ich mir gewünscht, dass der LFO-SPEED noch weiter hinein in den hörbaren Audiobereich gehen würde. Schon mein DOEPFER MS-404, den ich in den 1990er Jahren zu meinem Equipment zählte, verfügte über einen Schalter, der den LFO zum HFO mutieren ließ, und selbst der Regelbereich meines billigen KORG MONOTRON zeigt dem LFO des ROCKET, wo der Hammer hängt…

Wenn der SPEED-Regler auf Minimalstellung steht, dann wird der LFO gestoppt und stattdessen wird für jede eingehende Note ein Zufallswert generiert.

Waldorf ROCKET
Waldorf ROCKET Modulationssektion

Im ARP-Modus dient der Wellenformauswahlschalter des LFO zur Einstellung der Notenabspielrichtung verwendet, während SPEED das Abspieltempo in BPM regelt. Der Drehregler, der beim LFO-Modus für die Modulationstiefe verantwortlich ist, funktioniert im ARP-Modus wieder „zweigeteilt“: Bis zur 12-Uhr-Stellung lässt sich damit einstellen, über wie viele Oktaven das Arpeggio laufen soll (bei Minimalstellung erfolgt kein Oktavsprung), auf dem restlichen Regelweg steht eine Auswahl von 8 unveränderlichen rhythmischen Mustern zur Verfügung, die dann dem jeweiligen Arpeggio aufgebrummt werden.

Sofern der ROCKET übrigens ein MIDI-Clock-Signal zugeführt bekommt, regelt SPEED das Tempo sowohl für den LFO als auch für den Arpeggiator automatisch in musikalischen Werten, wie etwa 1 Takt oder ¼ Takt etc.

Resurrection Ship:

Waldorf ROCKET
Waldorf ROCKET iPad APP

Wer im Besitz eines Apfel-Tablets ist, dem steht mit der kostenlosen ROCKET CONTROL App eine weitere Möglichkeit zur Verfügung, seine erstellten Sounds in die virtuelle Welt hinüberzuretten. Neben einem Touch-Keyboard findet man hier auch noch einmal die Bedienoberfläche des ROCKET nachgebildet, wenngleich ich mir nicht so recht vorzustellen vermag, warum man das Teil lieber mit dem Touchscreen und nicht direkt mit an der Hardware bedienen sollte…

Die interessanteste Option ist allerdings der integrierte Presetmanager zum Abspeichern und Verwalten der ROCKET-Klänge.

Da ROCKET CONTROL allerdings nicht für Android-Geräte verfügbar ist (warum eigentlich nicht…?!), muss ich mich an dieser Stelle mit einer reinen Erwähnung begnügen, da ich mangels iPad diese App nicht persönlich testen konnte.

Raketenklänge:

Jetzt lassen wir einmal die ganzen technischen Aspekte hinter uns und konzentrieren uns auf das Wichtigste, nämlich darauf, wie sich die Schachtel anhört.

Bevor ich hier aber meine subjektiven Ansichten kundtue, lasse ich zunächst mal Eure Ohren entscheiden. Im ersten Klangbeispiel habe ich im ARP-Modus (letztes ROM-Pattern) einfach nur drei Noten gehalten und anschließend diverse Klangparameter am Gerät in Echtzeit verändert:

Klangbeispiel Waldorf Rocket A:

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Da man ja beim ROCKET bei aktiviertem Arpeggiator auf den Einsatz des LFO verzichten muss, hier noch mal ein kurzes Klangbeispiel, bei dem der LFO verwendet wird. Man kann hier auch gut hören, wie weit dessen maximale Geschwindigkeit reicht:

Klangbeispiel Waldorf Rocket B:

[ca_audio url_mp3=“https://www.buenasideas.de/wp-content/uploads/2013/06/Klangbeispiel-Waldorf-Rocket-B.mp3″ url_ogg=““ skin=“regular“ align=“none“]

Zu guter Letzt habe ich auch noch mal einen Drumloop durch den ROCKET gejagt. Ihr hört es zu Beginn ein paar Takte lang unbearbeitet, anschließend kommen nacheinander Tiefpass- Bandpass- und Hochpassfilter (ohne und mit Resonanz) und danach auch noch die übrigen Klangparameter zum Einsatz:

Klangbeispiel Waldorf Rocket C:

[ca_audio url_mp3=“https://www.buenasideas.de/wp-content/uploads/2013/06/Klangbeispiel-Waldorf-Rocket-C.mp3″ url_ogg=““ skin=“regular“ align=“none“]

Was nun meine persönliche Meinung angeht, ich finde, dass der ROCKET grundsätzlich schon recht gut klingt, wenngleich eine einzelne Sägezahn- oder Rechteckwelle, also ohne die zusätzlichen Anfetter unter der Haube, mich ob ihres doch eher dünnen Klanges wenig beeindruckten.

Es ist jedoch schon verblüffend, welch breites Klangspektrum der (vermeintlich) eine Oszillator dann doch noch hinbekommt: Sync- und PWM-Sounds, britzelnde Acid-Klänge, moderne Multisaw-Geschichten inklusive Chord-Sounds und auch kraftvolle Sägezahnbässe im UNISONO-Modus. Aufgrund der Minimal-Hüllkurven eignet sich der ROCKET natürlich nur für Klänge mit schnellen Attack-Zeiten, also für Sequencer- und Arpeggio-Sounds aller Art, Bässe und auch Leads.

Er bietet also fast von allem etwas, gleichzeitig hatte ich allerdings auch ein wenig den Eindruck, dass innerhalb dieser so unterschiedlichen Klangkategorien jeweils doch nur wenig Spielraum herrschte, bedingt durch die eingeschränkte Parameterauswahl. Als Beispiel sei der schon erwähnte UNISONO-Modus angesprochen, der zwar schön volle Sägezahn-Sounds erzeugt, mit der Pulswelle hingegen sind solche fetteren Klänge eben nicht drin, sodass die Anzahl der klanglich möglichen Abweichungen hier für meine Begriffe etwas begrenzt ist. Ein „Mädchen für alles“ ist der ROCKET also dann doch nicht so ganz.

Andererseits ist der Variationsreichtum beispielsweise einer TB-303 sogar noch geringer, was aber deren Popularität trotzdem nicht verringert hat, ganz im Gegenteil, man liebt sie ja unter anderem auch gerade wegen ihres eingeschränkten, dafür aber umso prägnanteren Klanges wegen. Aber ich will jetzt nicht Äpfel mit Birnen vergleichen… 😉

Übrigens wies der ROCKET, vermutlich dank seines digitalen Oszillators, keinerlei Stimmungsschwankungen während des Tests auf, eine Aufwärmphase ist somit also überflüssig, was bei diversen Mitbewerbern leider nicht immer und bei pre-digitalem Vintage-Gear meist gar nicht der Fall ist.

Fazit:

Ehrlich gesagt fiel es mir nicht so ganz leicht, den ROCKET angemessen zu benoten. Auf der einen Seite hatte ich schon kurz nach dem Auspacken meinen ausgiebigen Spaß mit dem ROCKET auf dem Sofa, nur mit einem Kopfhörer bewaffnet und ganz ohne Computer. Auch die anschließende Integration in meine Rechnerumgebung mit Cubase 5.5 verlief vorbildlich. Und die unmittelbare Kontrolle eines Synthesizers über dezidierte, physische Bedienelemente macht allemal mehr Laune, als das Gefummel am Bildschirm oder über MIDI-Controller, deren Bedienelemente-Layout in der Regel völlig von dem des zu steuernden Synthies abweicht, was Workflow und Intuition auch nicht unbedingt fördert.

Auf der anderen Seite habe ich mir natürlich beim Testen des ROCKET wiederholt die Frage gestellt, ob ich damit etwas machen kann, was ich in meiner ansonsten inzwischen rein auf Plugins basierten Studioumgebung (mein MONOTRON habe ich leider immer noch nicht richtig eingebunden, ich bastele da gerade an einer kleinen Modding-Lösung rum…) nicht auch mit guten virtuellen Klangerzeugern und gegebenenfalls auch zusätzlichen Effekten nicht ebenfalls hinbekommen würde, zumindest annähernd jedenfalls (allerdings natürlich mit einem deutlich geringerem Spaßfaktor dabei…). Meine persönliche Antwort darauf fiel jedenfalls nicht immer zugunsten des ROCKET aus, aber das ist eine rein subjektive Geschichte, und Andere mögen mir da widersprechen wollen.

Irgendwie sitzt WALDORF mit dem ROCKET aber doch schon ein wenig zwischen den Stühlen. Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass man bei der Entwicklung anscheinend primär auf den verhältnismäßig geringen Verkaufspreis von 240,- Euro (UVP, der aktuelle Straßenpreis bewegt sich sogar nur um rund 220,- Euronen…) fokussiert war, der wohl eine ähnliche Zielgruppe anzielen soll, die etwa auch ein MFB NANOZWERG oder ein KORG MONOTRIBE anvisiert. Da WALDORF dabei aber offenbar auch einen gewissen eigenen Qualitätsstandard nicht unterschreiten wollte, hat man halt versucht, den Rotstift so anzusetzen, dass am Ende immer noch ein durchaus attraktives und gut klingendes Instrument mimt, hohem Spaßfaktor übrig bleibt, dass durchaus mehr als nur ein Fun Toy ist, dafür aber auch mit gewissen, die klangliche Vielfalt betreffenden Einschränkungen leben muss.

Eine unbedingte Kaufempfehlung mag ich daher an dieser Stelle auch nicht aussprechen, ebenso wenig wie das Gegenteil, denn dazu sind die Ansprüche des Einzelnen einfach zu unterschiedlich. Für den Einen mag der ROCKET das Gerät sein, auf das er immer schon gewartet hat, ein notorischer Synthie-Sammler nimmt den ROCKET vermutlich sowieso mit, der Nächste wartet lieber erst noch auf die neue KORG VOLCA-Serie, die für einen ordentlichen Preisdruck von unten sorgen dürfte, und wieder ein Anderer spart noch eine Weile und investiert die Kohle dann in einen ausgewachsenen Synthesizer, bei dem er dann auch nicht so schnell an die klanglichen Grenzen stößt.

Bei aller Kritik an den mickrigen Hüllkurven und den anderen kleinen Mankos muss man aber auch ganz klar positiv erwähnen, dass der ROCKET neben einem guten Grundklang (der auf Wunsch auch richtig „böse“ ausfallen kann) und einer praktischen MIDI-Implementation auch über eine hinreichend vernünftige Hardware verfügt (gute Größe, übersichtliches Layout, keine fipsigen Potis und Schalter, große Klinkenbuchsen…)

Geeignet ist der ROCKET gleichermaßen für Anfänger, die die Bedienung sicherlich nicht überfordern dürfte, als auch für Profis, die genau wissen, was sie aus so einer beschränkten Schachtel alles herausholen können.

Drum ist es den WALDORFS auch zu wünschen, dass ihre neue Rakete einen guten Start bis in den Orbit hinlegt und nicht vorzeitig als Sternschnuppe endet (eine ziemlich abgedroschene Metapher, ich weiß…).

Was mir besonders gut gefiel:

  • Guter Grundklang
  • Günstiger Preis
  • Ordentliche Hardware
  • Eingang für externe Signale
  • Trotz Single-Oszillator variables Klangspektrum
  • Hohe Filter-Resonanz dünnt den Bass nicht aus
  • MIDI-Implementation inklusive Preset-Dump
  • Arpeggiator

Was mir weniger gut gefiel:

  • Nur für vorwiegend perkussive Klänge geeignet
  • Kein UNISONO-Modus für die Pulswelle verfügbar
  • Teilweise wenig intuitive Mehrfachbelegung von Drehreglern
  • Kein Volume-Regler für den Audioausgang
  • Maximaler LFO-Speed könnte noch höher sein
  • ARP und LFO nur alternativ nutzbar

Mein subjektives Testurteil nach Schulnoten: irgendwo zwischen gut und befriedigend (2- bis 3+)

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