AtomicReverb von MolecularBytes – Testbericht

Hallerzeuger gibt es seit Steinbergs Erfindung der Audio Plugins inzwischen wie Sand am Meer, bei den meisten DAW`s werden Reverb Plugins in guter bis sehr guter Qualität bereits mitgeliefert, da stellt sich doch die Frage warum soll ich mir ein zusätzliches Reverb Plugin zulegen?

Wir haben seit einiger zeit das AtomicReverb von MolecularBytes für einen Testbericht im Einsatz und wollen einmal beleuchten, warum es sich sehr wohl lohnen kann, ein zusätzliches Reverb in der Sammlung zu haben.

Beim AtomicReverb handelt es sich nicht um einen auf Impulsantworten basierenden Hallprozessor, sondern um ein rein auf algorithmischer Berechnung basierendes Plugin. Die Räume werden also nicht vorher „gesampelt“ und dann dem Audiosignal beigemischt, sondern komplett im Programm mit allen Reflexionen und sogar simulierten Luftströmungen erschaffen.

Dazu nutzt MolecularBytes volle 64 Bit interne Signalberechnung mit 2-fach Oversampling und Doppelpräzision. AtomicReverb zeigt sich zudem sehr kontaktfreundlich da es sowohl als VST 2 wie auch als VST 3 und AU zu haben ist, es ist kompatibel zu Windows bis hin zur neuesten Version Windows 8 und zu MAC Systemen ab OS-X 10.6. Erfreulicherweise kann AtomicReverb auch in einer 64bit Version installiert werden. (Windows & MAC)

Installation und Aktivierungen

atomicReverb-Activation-failedDie Installation ging einfach und schnell vonstatten, AtomicReverb beinhaltet eine 2 Rechner Lizenz kann demzufolge also auf zwei Rechnern gleichzeitig eingesetzt werden, was wir als sehr fair dem Kunden gegenüber erachten, zudem ist die Anzahl der Aktivierungen nicht eingeschränkt, sollte also ein Rechnerwechsel anstehen kann AtomicReverb auf dem alten Rechner deaktiviert werden (Button Info ? Deactivate) um es dann auf dem neuen Rechner zu aktivieren.

Lobenswert hervorzuheben ist zudem, dass die Aktivierung auch über einen anderen Rechner erfolgen kann, wenn der Studiorechner nicht ans Internet angeschlossen ist. Das gesamte Prozedere der Installation und Aktivierungen wird sehr ausführlich in der deutschsprachigen oder in der englischsprachigen PDF Bedienungsanleitung erklärt.

Wir hatten bei der Aktivierung von AtomicReverb leider das Problem, das die uns übermittelte Seriennummer als nicht gültig angesehen wurde, nach einer kurzen Nachricht an den Support bekamen wir dann umgehend eine funktionierende Seriennummer und die Aktivierung ging damit dann einfach und schnell vonstatten.

Benutzeroberfläche alles so schön Blau hier…

Das in Blautönen gehaltene GUI (Graphical User Interface) begeistert den farblichen Geschmack des Testers, schön wäre für die Inhaber anderer Farbgeschmäcker eine Option das Ganze auch in Grün oder Rot usw. färben zu können, ist nicht so wichtig aber manche Menschen fahren auf so etwas ab. Nun für mich passt es und was viel bedeutsamer ist als die Farbgebung ist der Aufbau der GUI. Diesen darf man als absolut gelungen bezeichnen, alles ist logisch angeordnet und zu jedem der Bedienelemente wird unten rechts ein Hilfetest angezeigt, sobald man Selbiges mit dem Mauszeiger berührt, sehr schön!

atomicReverb-1-1
AtomicReverb-1-1

Im linken Bereich finden wir die Presetauswahlliste welche geordnet nach Subgruppen wie Hall, Umgebungen, Instrumente, Plattenhall usw. eine gewaltige Anzahl an gut gemachten und direkt einsetzbaren Presets bietet. Für die zahlreichen guten Presets hat MolecularBytes ein dickes Lob verdient. Es ist ja nicht so das Presetnutzer einfach nur zu faul dazu sind jede Hallsituation von vornherein neu zu programmieren, der Einsatz eines Presets und eine Anpassung an die eigenen Vorstellungen geht einfach schneller und ist auch dementsprechend meist viel effektiver. Was die einzelnen Presets angeht, ist hier wirklich so ziemlich alles vorhanden, was in einer Produktion in Bezug auf Hall und Raum benötigt werden könnte.

Die GUI von AtomicReverb teilt sich in die Bereiche „General / Room“ und „Damping / EQ“ auf, das Plugin startet in der Ansicht „General / Room“ mittels zweier Buttons kann oben unter den Displays der beiden Bereiche in den jeweils anderen Bereich geschaltet werden.

General / Room

Hier finden wir vier Bereiche, starten wir mit dem Bereich „General“ dort befinden sich 4 virtuelle Drehregler, mittels Gain wird die Eingangsverstärkung eingestellt, der Regler „Dry/Wet“ regelt den Anteil des Effektsignals, mittels dem Regler „Position“ kann die Schallquelle also das Eingangssignal innerhalb des von AtomicReverb generierten Raumes im Stereobild angeordnet werden. Der Regler mit dem Namen „Panorama“ hat nichts mit der Wirkungsweise eines Pan Potis im Mischpultkanal zu tun, denn hier wird die Stereobreite geregelt, 0% = Mono, 50% entspricht in etwas 18 cm also dem Abstand vom linken zum rechten Ohr und bei 100% liegen die beiden Stereokanäle virtuell unendlich auseinander. Ich finde die Bezeichnung „Panorama“ für diesen Regler etwas verwirrend, „Stereowidth“ wäre hier wohl die passendere Bezeichnung.

atomicReverb-EarlyReflectionsWeiter geht es mit dem Bereich „Room“, der Regler „Room-Size“ stellt die Raumgröße in Metern ein, hier sind Werte von 0,1 Meter bis hin zu 50 Metern möglich. Mit dem „Predelay“ Regler wird die Verzögerung eingestellt, nach der das Hallsignal erscheint, was in etwa der Entfernung von der Schallquelle entspricht. Mit „ER / Tail“ wird das Verhältnis zwischen den frühen Reflexionen (ER = Early Reflexions) und der Hallfahne eingestellt, mit dem Auswahlfeld „ER / Typ“ haben wir Zugriff auf mehr als 170 Voreinstellungen von Raumklängen (die Reflexionen die der Raum wiedergibt, nicht der Hall!) alles ist wiederum nach Raumarten sortiert und übersichtlich angeordnet.

Mit den Buttons A + B neben dem Regler ER / Tail kann die Detaildichte der Hallfahne eingestellt werden. Darunter befindet sich ein Regler, mit dem die Rechenleistung von AtomicReverb eingestellt werden kann, es gibt drei Werte: Normale Details für geringe CPU Last, hohe Details für moderate CPU Last und excelente Details, welche eine hohe CPU Beanspruchung erfordern.

Im rechten Bereich finden wir weitere Einstellungen für die Bereiche „Frühreflexionen“ (ER) und „Tail“ was man aus dem englischen mit Schwanz übersetzen könnte ich denke aber hier ist eher der Begriff Schweif gemeint, welcher sich auf die Hallfahne bezieht. Ich möchte hier jetzt nicht genau auf jeden Regler einzeln eingehen, da dies den Umfang dieses Testberichts sprengen würde und empfehle daher das sehr informative deutschsprachige Handbuch, was hier kostenfrei heruntergeladen werden kann: AtomicReverb Benutzerhandbuch (Deutsch) .

Sehr schön ist das im Bereich Tail schon eine Gate Funktion mit den entsprechenden Reglern enthalten ist, Reverb und Gate funktionieren gerade bei Drums sehr gut zusammen.

Damping / EQ

Im Bereich Damping (deutsch = Dämpfung) wird das Absorbierungsverhalten des Raums eingestellt, Teppiche oder Vorhänge dämpfen Schallschwingungen, genau dies kann hier mittels der Regler „Damp Low“ und „Damp High“ eingestellt werden, zusätzlich ist es möglich, mit den Reglern „Range High“ und „Range Low“ die Feinabstimmung des Charakters des Raumes vorzunehmen.

atomicReverb-Equalizer
AtomicReverb-Equalizer

AtomicReverb beinhaltet auch einen parametrischen Equalizer, hier finden wir sowohl einen Tief- wie auch einen Hochpassfilter sowie drei frei einstellbare Bandfilter mit den Parametern Filterfrequenz, Amplitude und Bandbreite. Mit dem Equalizer kann der Halleffekt sehr umfangreich angepasst werden, alle Einstellungen werden zudem oben in einem kleinen Display anhand einer Kurve angezeigt.

Plugin und Standalone

Standalone bedeutet hier nicht das eine Partnervermittlungsagentur im Internet bemühen müssten, sondern wir finden eine weitere interessante Besonderheit die MolecularBytes dem AtomicReverb spendiert hat. Um AtomicReverb zu betreiben, ist für Windows Nutzer noch nicht einmal ein DAW vonnöten, da das Reverb hier als einzelnes Programm startet und sowohl im „Live“ Modus (Verarbeitung von Signalen der Audioeingänge) wie auch im „File“ Modus (direktes Bearbeiten von WAV Audiodateien) seinen Dienst versieht.

Als Plugin kann AtomicReverb in allen VST oder AU fähigen DAWs sowohl im 32bit wie auch im 64bit Modus eingesetzt werden.

Der Klang

Wir haben sehr viele Reverb Plugins und auch noch ein paar alte Hardware Schätzchen hier im Einsatz (Ibanez SDR1000+ und Alesis Quadraverb), gerne arbeiten wir mit den Plugins EAReverb von EAReckon oder mit Steinbergs REFERENCE, diese beiden stellen also unsere Referenz dar. AtomicReverb ist sehr umfangreich einstellbar und klingt sehr natürlich. Ich würde das Klangverhalten als warm und dicht bezeichnen. Der Hall ist nicht ganz so natürlich wie der Hall des EAReverb hat dafür aber einen noch wärmeren Charakter. Die Echtheit der Räume eines Faltungshall Reverbs wie Steinbergs REVERENCE kann AtomicReverb nicht erreichen, allerdings klingt es dafür auch nicht nach gesampeltem Raum. Ich möchte den Hall und die Raumsimulation eher mit einem Lexicon Hardware Reverb aus den 90ern vergleichen.

FAZIT

buenasideas-tippMachen wir es kurz, made in Germany ist und bleibt ein Gütezeichen, was MolecularBytes hier abgeliefert hat, ist Qualität pur, der Klang ist natürlich und warm, die Bedienung einfach und logisch aufgebaut. Die riesige Presetauswahl ist extrem nützlich in vielen Aufnahmesituationen und vor allen Dingen ist der Preis von 69,- Euro für das Gebotene mehr als fair, immerhin bekommt man ja eine Lizenz für den gleichzeitigen Einsatz auf zwei Rechnern.

AtomicReverb wird ab sofort auch bei uns im Studio seinen Dienst versehen und bekommt für den guten Klang und die einfache Bedienung den buenasideas.de Tipp verliehen.

Hier sind noch einige Klangbeispiele verschiedener Reverbplugins zum Vergleich:

Bongos-Dry-Signal

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Bongos-EAREVERB (EAReckon)

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Bongos-UHBIK-A (UHE)

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Bongos-CLASSICREVERB (Freeware)

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Bongos-ATOMICREVERB (MolecularBytes)

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 Bewertung nach Schulnoten

  • Klang: Gut+ (1,8)
  • Einstellmöglichkeiten: Sehr gut (1,3)
  • Benutzeroberfläche: Gut (2)
  • Lieferumfang: Sehr gut (1,3) Bedingt durch die zahlreichen Presets, die Doppel Lizenz und dem deutschsprachigen Handbuch
  • Preis / Leistung: Gut (2,3)

Gesamtbewertung: Gut (1,74)

Mehr Infos zum AtomicReverb, eine kostenlose Demoversion und weitere Klangbeispiele gibt es hier: www.molecularbytes.com/mbcms/index.php/de/produkte/atomicreverb

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