Testbericht: Best Service Complete Orchestral Collection von Peter Siedlaczek

Die von der Firma Best Service vertriebene Complete Orchestral Collection bietet sage und schreibe über 2.800 Instrumente für KONTAKT 5 und KONTAKT 5 Player. (Der KONTAKT 5 Player wird von Native Instruments gratis zur Verfügung gestellt und ist in der Complete Orchestral Collection bereits enthalten.)

Was dabei neugierig macht, ist der Preis denn bei gerade mal nur 179,- Euro bekommen wir eine komplette Abdeckung aller Instrumente, die in einem Symphonie Orchester vorkommen, samt einem Chor, einer Kirchenorgel und einigen wirklichen interessanten Sounds für die Game- und Filmproduktion. Ich habe es gerade einmal ausgerechnet, bei 2.800 Instrumenten und einem Preis von 179,- Euro liegen wir bei etwas über 6 Cent pro Instrument.

Die Instrumente wurden von dem Tontechniker Peter Siedlaczek aufwendig in einem renommierten Tonstudio aufgezeichnet und in das NI KONTAKT Format überführt. Es handelt sich bei COC um ein Paket bestehend aus den String Essentials und der Complete Orchestral Collection, dazu kommt als Bonus noch eine Sammlung bisher nicht veröffentlichter orchestraler Figuren und Klängen für die Film- und Spiele Vertonung.

Die Installation

Die Installation ist recht einfach, wer NI KONTAKT 5 oder den KONTAKT 5 Player bereits auf dem Rechner hat, braucht nur die DVD 1, 2 und 3 in sein Sample Verzeichnis kopieren und das Instrument dann in KONTAKT über die ADDLibrary Funktion hinzufügen, danach muss das Ganze noch bei NI aktiviert werden und schon kann es los gehen. Das war zumindest die Theorie denn mir viel beim Testen, auf das einige Instrumente KONTAKT 5 zum Absturz brachten oder seltsame Geräusche erzeugten, die so gar nicht zum Klang klassischer Orchester Instrumente passen wollten.

Nun trägt die Firma Best Service Ihren Namen nicht zu Unrecht, und nachdem ich bei den freundlichen Mitarbeitern des Best Service Support nachgefragt habe, fanden wir gemeinsam schnell die Lösung des Problems, eine der drei DVDs war nicht in Ordnung, daher waren einige Sample-Bibliotheken fehlerhaft, schuld daran war wohl das Presswerk, den in der Version, die Best Service selbst auf dem Rechner vorliegen hat, traten die Probleme nicht auf.

Ich bekam vom Best Service Support einen Downloadlink mitgeteilt, nach dem ich die heruntergeladene Datei in das entsprechende Verzeichnis kopiert hatte, war alles in Ordnung und seit dem funktioniert die COC auch fehlerfrei. Sollten also bei Euch auch Probleme mit der COC auftreten, zögert nicht und wendet Euch an den Support, das Problem ist dort nun bekannt.

Der Aufbau

Je nach dem welches Instrument ausgewählt wurde werden mehr oder weniger Einstellungsmöglichkeiten geboten. Die „spielbaren“ Instrumente, also die, welche nicht nur gesampelte Phrasen abfeuern sind in der Überzahl, hier stehen folgende Parameter zu Verfügung.

complete Orchestra Collection
Complete Orchestra Collection – Browser und Instrumente

Die Erste Gruppe heißt „Group Effects“, hier finden sich ein Volume, ein Tune- und ein Panorama Regler sowie ein Hochpass und ein Tiefpass Filter mit den Reglern Cutoff und Resonanz.

Die nächste Unter-Gruppe in den „Group Effects“ widmet sich etwas detaillierter den Einstellungen der Lautstärke, hier kann sowohl die Anschlagsdynamik geregelt wie auch eine ADSR Hüllkurve eingestellt werden.

Weiter geht es mit der Untergruppe Tune&Effect in der sowohl ein Tune Regler wie auch ein LFO Modulator zur Verfügung stehen.

Die nächsten beiden Untergruppen widmen sich dann nochmals detaillierter den Filtersektionen, Low- + Highpass, neben den obligatorischen Filterreglern Cutoff und Resonanz kann hier zusätzlich eine Hüllkurve sowie ein LFO eingestellt werden.

Weiter geht es mit einer Hauptgruppe, die sich der Feinstimmung im englischen dem Microtuning widmet, es können hier eigene Stimmungen erstellt oder auf alt Bekanntes wie Werkmeister oder Kirchberger Stimmungen zugegriffen werden. Eigene Feinstimmungen können in diesem Bereich auch gesichert werden, um selbige später in anderen Instrumenten zu nutzen.

Die Gruppe Performance dien dazu festzulegen ob der Start einer Note mittels dem Midi Note on Befehl oder über einen Controller gesteuert wird. Welcher Controller dazu verwendet wird, lässt sich über die CC-Nummer festlegen zudem kann hier auch noch ein Versatz (Offset) geregelt werden. Des Weiteren finden wir hier die Bereiche Humanize, Harmonize und eine Legato Funktion.

Bei der Gruppe „Effects“ handelt es sich wiederum um eine Hauptgruppe mit 5 Untergruppen, als da wären Kompressor und Färbung, parametrischer Equalizer, Delay, Phaser / Chorus und ein Nachhall also Reverb-Effekt. Ich denke die einzelnen Effekte sind allen klar und ich muss dazu nicht noch ins Detail gehen, interessant ist allerdings das Best Service Wolfgang Lenden den Macher von „Halls of Fame“ einer recht gut ausgestatteten Reverb Library dazu überreden konnte Zehn Convolution-IR-Impulse-Responses für die Verwendung in der Complete Orchestral Collection zur Verfügung zu stellen.

Die letzte Gruppe widmet sich dem Bereich Automation, hier kann festgelegt welcher Parameter über welche Midi CC Nummer, wie angesprochen wird. Selbst die einzelnen Parameter in den Effekten sind hier ansprechbar. Sehr schön.

Der Inhalt

Es fällt auf das die Sounds, die hier zur Verfügung gestellt werden, schon etwas länger auf dem Markt sind. Bei meinem Klangbeispiel (weiter unten) erntete ich dann auch direktes Feedback, da für irgendeine „Pokemon“-Geschichte die vor recht langer Zeit vertont wurde, die gleiche Orchester Einstimmungs- Phrase genutzt wurde, wie die welche sich in der Complete Orchestral Collection befindet, also aufpassen, insbesondere bei den längeren Loops!

Complete Orchestra Collection
Complete Orchestra Collection die Auswahl über den Browser in KONTAKT 5

Der Inhalt teilt sich auf in Instrumente und Multis, widmen wir uns zunächst den Instrumenten. Hier finden wir zunächst einmal sieben Hauptgruppen:

Complete Orchestral Collection

Das Advanced Orchestra: Beinhaltet das Klangmaterial eines Symphonieorchesters mit unterschiedlichen Spielweisen. Einzelne Instrumentengruppen und Solo Instrumente.

  • Streicher Ensembles: 14 Violinen, 10 Violas, 8 Celli, 6 Bässe.
  • Phrasings/Articulations: Gehaltene Noten F & P, Con Sordino, Short Detaché 2x, Langsamer + lurzer Glissando, Grace Notes, kurze Akkorde, Runs.
  • Solo Strings: Violinen, Violas, Celli.
  • Phrasings/Articulations: Sustained Notes f & p, Con Sordino, Short detaché 2x, Pizzicato 2x, Col Legno 2x, Tremolo f, Tremolo pp, Crescendo, Cresc. Tremolo, Trill, Glissando, Grace Notes, Short chords, Arpeggios.
  • Holzbläser: 3 Flöten, Solo Flöte, Alto Flöte, Piccolo Flöte, Oboe, English Horn, 3 Klarinetten, Bass Klarinette, Fagott.
  • Phrasen & Artikulationen: Gehaltene Noten F & P, Staccato 2x, Grace Notes.
  • Brass & Effekte: Trompete, Solo Trompete, Piccolo Trompete, 3 Posaune, Solo Posaune, 4 French Horns, Solo French Horn, Tuba. Half & Whole Tone Trill, Crescendo, Runs.
  • Perkussion & Harfe: Cymbals, Timpani, Gran Cassa, Trommel, Tamtam, Gong, Triangles, Vibraphone, Marimba, Xylophone, Orchestra + Tubular Bells, Harfe.
  • Perkussion.: Einzelne Schäge, Tremolo, lang/ mittel und kurz, Crescendo, Glissando; Harp: Glissandi – lang/ mittel und kurz, / Dur + Moll.
  1. Classical Choir: Multigesampelte Ahh, Ohh, Rrr, Zzz..-Chöre (in Terz-Schritten) sowie Vocal Effekte (Cluster, Vibrato, Glissando, Crossfade, Flüstern….), Männer solo, Frauen solo und gemischter Chor.
  2. Orchestral Colours: Gemafreie orchestrale Klangelemente (3 – 7 Sekunden lang). Orchestrale Phrasen, Effekte, Impressionen, Finals, Hits, Flächen und in Bpm eingespielte Loop Elemente.
  3. Smart Violins: Melodiephrasen, Läufe und Discolicks, aufgenommen in allen Tonarten und in verschiedenen Tempi (100, 120, 140 BPM) von einem 16-köpfigen Violinenensemble eingespielt und mehrstimmig miteinander kombinierbar.
  4. Total Piano: Gut klingender klassischer Flügel inklusive einem Pop-Piano, präpariertem Piano sowie recht vielen unkonventionellen Spieltechniken wie Thumb Tack, Honky Tonk und einige schräge Klaviereffekte.
  5. X-Bonus Tracks: Eine nützliche Zusammenstellung an Bonussounds aus den Advanced Media Serien von Best Service. Darunter befinden sich Natur-Aufnahmen aus der BlueBox Serie von Best Service sowie Orchester- und Ambient-Aufnahmen aus der Advanced Composer Serie und einige Synth-Ambiences und Pad-Sounds aus diversen Best Service Libraries.
  6. X-Elements: Aus den einzelnen klassischen Instrumenten extrahierte Einzelsamples, welche mit Kontakt in synthetische Flächensounds umgewandelt worden sind. Recht brauchbar für die Komposition von Filmmusik.

String Essentials

Bei den String Essentials handelt es sich um ein virtuelles Streichorchester mit einheitlich programmiertem Keyswitch-System und direktem Zugriff auf alle wichtigen Artikulationen. Mit fünf-fachem Alternation-Switch (Staccato, Viertelnoten) und Kontrolle über das dynamische Ansprechverhalten, basierend auf speziell dafür programmierter MIDI-Controllern. Auch Surround Sound ist hier machbar.

Complete Orchestra Collection
Complete Orchestra Collection Multis

String Tools

Eine Library mit einfach zu nutzenden orchestralen Figuren um Stimmungen und Kadenzen zu erstellen.

Die Multis

Hier handelt es sich um Zusammenstellungen von einigen Instrumenten aus den Bereichen String Essentials (Anspieltipp „Play me first“) und der Complete Orchestral Collection. Vermisst habe ich hier leider ein schon fertig zusammengestelltes Symphonieorchester.

Der Klang

Die Instrumente sind zwar gut gesampelt worden, klingen aber irgendwie nicht ganz so gut wie zum Beispiel die Action Strings oder die Session Horns von Native Instruments auch der Konzertflügel kann sich nicht mit den Konzertflügeln von Native Instruments messen, selbst die Streichersounds aus der NI KONTAKT Factory Library kommen irgendwie voluminöser rüber.

Allerdings sollte hier bedacht werden das die Complete Orchestral Collection ja dazu gedacht ist ein komplettes Orchester zu arrangieren, und sobald die einzelnen Instrumente zusammenkommen, spielt diese Bibliothek ihren Trumpf voll aus, denn alles bleibt schön durchsichtig und wirkt nicht vermanscht.

Was die Auswahl der einzelnen Instrumente angeht, wird hier wirklich sehr viel geboten, insbesondere die Kirchenorgel hat mir sehr gut gefallen aber auch die Phrasen bzw. Loops wissen zu gefallen, diese sind nicht nur für klassische Produktion, sondern auch in Pop, Rock, Hip-Hop usw. bestens einsetzbar. Einzig der Chor konnte mich bisher nicht wirklich überzeugen.

FAZIT:

Ich habe wirklich lange getestet und versucht mir so viele der 2.800 Instrumente anzuhören wie möglich, dabei sind mir dann auch ein paar Ungereimtheiten aufgefallen. So sind zum Beispiel in der Untergruppe: String Essentials ? Optimal ? Special Patches ? Repetions alle angebotenen Sounds ohne Funktion, selbige laden zwar aber aus den Monitoren erschallt nur Stille.

Zudem ist das Hangeln durch die einzelnen Untergruppen teilweise etwas mühselig aber andererseits findet man schon irgendwann das was man sucht, denn es ist ja reichlich Material vorhanden.

Gut gefällt mir hier das Preis/ Leistungsverhältnis, denn für 179,- Euro bekommt man eine sehr umfangreiche und interessante Sammlung von Orchesterinstrumenten und zusätzlich auch noch einen Konzertflügel sowie jede Menge Athmo-Geräusche. Der Kreativität kann hier also freier Lauf gelassen werden. Ich hätte mir vielleicht ein Preset gewünscht in dem schon ein komplettes Orchester zusammengestellt bereitsteht um es direkt über die Tastatur anzuspielen aber das kann man sich ja mit NI Kontakt auch selbst einrichten.

buenasideas-tippIch denke, dass die Anschaffung von Complete Orchestral Collection für viele Musikproduzenten eine lohnende Sache sein könnte da bei dieser Menge an Instrumenten , Artikulationen und Orchester Loops sowie Athmos sicherlich immer etwas brauchbares zu finden sein wird. Und aufgrund des wirklich sehr guten Preis / Leistungsverhältnisses vergebe ich hier einen wohlwollenden buenasideas.de Tipp.

Testurteil:

  • Klang: Befriedigend bis Gut
  • Bedienbarkeit: Gut
  • Zusammenstellung der Instrumente: Sehr Gut
  • Preis / Leistung: Sehr Gut

 Gesamtnote: Gut

Weitere Infos, sowie die Kaufmöglichkeit und einige weitere Klangbeispiele (wie die das mit dem Chor Klangbeispiel hinbekommen haben ist mir allerdings schleierhaft) findet Ihr bei: www.bestservice.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen