Testbericht „Realivox – The Ladies 2.0“ von Realitone für Kontakt 5

Testbericht von Klaus Feurich

Das kleine „Schubiduh“ für zwischendurch

Für fast alles, was der geneigte Produzent und Musiker heute an Klängen braucht, gibt es Sample Libraries. Warum also nicht auch für Gesang. Genau in diesem Bereich ist Realitone mit der Library „Realivox – The Ladies 2.0“ für NI Kontakt 5 zuhause. Wer sich erinnert, wir hatten vor einiger Zeit bereits einen Test zu „Realivox Blue“ (findet ihr HIER). Hatte man bei „Blue“ jedoch nur eine Sängerin zur Verfügung, so bietet uns „The Ladies“ gleich fünf Sängerinnen verschiedener Couleur. Ob sich die Investition für mehr als nur ein kleines „Schubiduh“ rechnet, werde ich in diesem Test hier versuchen zu ergründen.

Ladies2Banner

Die Library – Fakten, Fakten, Fakten

Fangen wir da an, wo sich „The Ladies“ von anderen mir bekannten Vocallibraries im gleichen Preissegment unterscheidet: Im Gegensatz zu Libraries wie „Voxos“ (Cinesamples) oder „Venus“ (Soundiron) haben wir es hier ausschließlich mit Solisten zu tun, während genannte Libraries eher auf ganze Chöre setzen. Zwar lässt sich auch mit „The Ladies“ ein bis zu 10 stimmiger Chor erzeugen, aber es wurde wesentlich mehr Augenmerk auf die einzelnen Stimmen gelegt, als bei den Chorlibraries. (Libraries mit Solosängerinnen, wie z.B. „Quantum Voices“ von East West, bei denen man nur vorgefertigte Gesangspassagen abrufen und kombinieren kann, lasse ich hier mal außen vor.)

Also, was genau haben wir hier: wir haben fünf Sängerinnen, deren Stimmen die verschiedenen Bereiche der Musikproduktion abdecken sollen und jeweils entsprechend mehr oder weniger markant sind. Wenn wir uns mal an dem Titelbild orientieren wollen, so sind das (v.l.n.r.):

  • Cheryl – von hauchig-rauchig bis zart, perfekt für z.B. atmosphärische Filmszenen
  • Toni – “schwarze” kräftige Stimme für R’n B
  • Julie – full range und all purpose Stimme
  • Patty – klare, kräftige Stimme für z.B. Pop oder Ethnic
  • Teresa – Opern Sopranistin mit kräftiger Koloratur

Insgesamt stehen 58 verschiedene Laute/Vokale und Artikulationen zur Verfügung. Dabei sind natürlich Standards wie „Oo, Ah, Eh, Ee, Oh, Uh, Mm“, aber auch, innerhalb des Phrasebuilders, diese hier: „Bah, Bee, Boh, Boo, Buh, Dah, Dee, Doh, Doo, Duh, Fa, La, Rey,Hey, Ha, Ho, Hoo, Kah, Kee, Koh, Koo, Mah, Mee, Moh, Moo, Sah, See, Soh, Soo, Shah, She, Show, Shoo, Tah, Tee, Toh, Too, Wah, Way, Wee, Whoa, Yah, Yeah, Yoh, You“. Dazu Shouts wie „Boom, Bom, Bop, Bow, Bah (Fall)“ und die Endings “f, l, m, r, s, sh“.

Das ist schon Einiges.
Und damit lässt sich natürlich auch unser „schubiduh“ zusammenbauen. 😉

Hier direkt einmal ein kurzer erster Eindruck von den fünf Stimmen (in obiger Reihenfolge der Sängerinnen). Im ersten Demo jeweils „Ah, Oo, Mm“ mit ein bisschen Musik darunter.

Im zweiten Demo eine kurze Phrase „Bah Bah Dah Bow“ und „Bop Bop Boom“ ohne Begleitung. Erst alle einmal solo und dann einmal als vierköpfige Backingvocalsektion. Hier fehlt allerdings Teresa, da diese Stimme für diese beiden Phrasen einfach nicht geeignet und gedacht ist.

Ausführlichere Beispiele finden sich weiter unten und im verlinkten „Walkthrough“-Video.

Im Gegensatz zu „Blue“ wurde jedoch auf einen „vollwertigen“ Phrasenbaukasten verzichtet, es ist also nicht möglich, komplette Wörter oder Sätze nachzubauen.

Diesmal also kein „Alle meine Entschen…“. 😉 (Anmerkung Andreas: Schade 🙂  )

Das Augenmerk scheint hier vielmehr auf tonale Solomelodien und Backingvocals zu liegen.

Die Library hat mehrere Playmodi. Der interessanteste dürfte der „True Legato“ Mode sein. Es handelt sich um „echte“ Legatosamples, nicht um ein gescriptetes Legato. Dadurch klingt das ganz natürlich wesentlich authentischer, als wenn es nur gescriptet wäre. Dazu kommen ein Polylegato Modus, etwas ganz Feines, werde ich unten noch näher vorstellen, und der Phrasemodus, bei dem bei jedem Ton der nächste Baustein der aktuellen Phrase gespielt wird. Außerdem gibt es natürlich noch einen polyphonen „Standardmode“ ohne Legato, bei dem einfach jeder Ton einzeln gespielt wird, ohne durch Legatosamples verbunden zu werden. Wie gesagt, die Playmodi werde ich weiter unten noch genauer vorstellen.

Die Installation – und ab auf die Platte

Nach Kauf der Library geht’s los mit dem Download. Die Library besteht aus insgesamt 9 RAR Archiven mit den Samples und einer ZIP Datei, die die beiden nki Presets und Eure Seriennummer enthält. Alles zusammen in einen Ordner an einen beliebigen Ort Eures Rechners entpacken, mittels Kontakt „add library“ Routine hinzufügen, bei NI aktivieren und fertig.

Nach der Installation stehen zwei nki zur Verfügung. Eins mit allen Artikulationen und Phrasebuilder und eins nur mit den Standardartikulationen. Allerdings besteht der Unterschied tatsächlich nur in der Bezeichnung und denen am Anfang geladenen Samples und nicht darin, dass in dem zweiten Preset der Phrasebuilder deaktivert wäre. Das ist ganz praktisch so, reduziert es jedoch die Ladezeit, bis das nki einsatzbereit ist. Insgesamt verfügt die Library über ein ausgefeiltes eigenes „Load/Purge“ System, auf das ich später noch eingehen werde.

Die gesamte Library belegt knapp über 8 GB auf der Festplatte.

 „ Let’s sing!“ – Der Mainscreen

Nach dem Aufruf eines der beiden Presets landen wir erstmal im Mainscreen. Hier lassen sich die einzelnen Sängerinnen auswählen, weitere Stimmen zu- oder abschalten, sofern diese vorher im Mixer konfiguriert wurden, die verschiedenen Modi (Legato, Poly, etc.) anwählen und man erhält nie Übersicht über die Belegung der Keyswitches für die frei konfigurierbaren Phrasen und Playmodi.

Aber Vorsicht! Die Keyswitches funktionieren nur über ein Keyboard. Nicht durch Anklicken. Durch Anklicken wird immer eine eventuell bereits vorhandene Phrase mit der aktuell im Phrasebuilder eingestellten Phrase überschrieben. Auch die anderen Keyswitches werden nicht umgesetzt.

Realitone The Ladies 2 Mainscreen
Realitone The Ladies 2 Mainscreen

Wichtigstes Element der Seite ist mit Sicherheit die Auswahl der Sängerin. Die jeweilige Dame lässt sich sowohl über das Dropdownmenü der Namen auswählen, als auch über das Bild direkt. Aber auch über einen frei konfigurierbaren Midi Controller ist das möglich. Somit kann also auch innerhalb eines Tracks die Sängerin per CC Automation gewechselt werden. Überhaupt sind hier sämtliche Parameter per CC Learn beliebigen Midicontrollern zuweisbar.

Direkt neben dem Foto befindet sich der Timbre Regler. Dieser Bedarf der Erklärung: Die Library verzichtet auf den Einsatz von RoundRobin. D.h. 1 Tonhöhe = 1 Sample. Um jetzt aber doch auch mehrere gleiche Töne nacheinander nicht gleich klingen zulassen nutz die Library die „ borrow neighbour“ Funktion. D.h. es wird das Sample des Nachbartons genommen und per Pitch wieder auf die passende Tonhöhe transponiert. Dadurch klingen die Töne dann doch minimal unterschiedlich. Dies lässt sich über die Kesyswitches „Shift + / – “ erreichen, wo jeweils ein Halbton nach oben oder unten genutzt wird. Allerdings kann man auf diese Art und Weise eben auch den Klang der Stimme insgesamt beeinflussen. Und das macht der Timbreregler. Durch das Nutzen z.B. eines tieferen Tons und das anschließende hochpitchen wirkt die Stimme dunkler. Allerdings darf man nicht zu weit pitchen, sonst klingt die Stimme künstlich. Außer natürlich man möchte genau diesen Effekt erreichen.

Oberhalb der Auswahl der Sängerin befindet sich die Auswahl der Playmodi bzw. des Legatostils. Drauf gehe ich gleich noch in einem eigenen Abschnitt ein.

Über die „Voices“ lassen sich die im Mixer konfigurierten zusätzlichen Stimmen zu- oder wegschalten. Stimme eins ist allerdings immer aktiv.

Dann haben wir da noch „Expression“. Hier haben wir es nicht nur mit einem reinen Lautstärkeregler zu tun. Mit Ändern des Wertes ändert sich ebenso minimal aber sehr natürlich auch das Klangbild der jeweiligen Stimme. Eben genau so, wie sich auch eine „echte“ Stimme im Klang in den verschiedenen Lautstärken anders anhört. Allerdings sind die Regelmöglichkeiten begrenzt und bleiben immer im Bereich Gesang. Also eine flüsternde Stimme kann man hier nicht erreichen.

Die restlichen Einstellungen Attack, Release , Delay und Reverb dürften selbsterklärend sein. Delay und Reverb lassen sich zusätzlich noch rudimentär in den Settings anpassen.

„ Legato oder doch lieber Poly?!“ – Die 4 Playmodi

Die Library stellt uns vier verschiedene Playmodi zur Verfügung, von denen drei Modi als Legato und zwei davon als „True Legato“ ausgeführt sind. „True Legato“ bedeutet, dass das hier verwendete Legato nicht einfach ein gescriptetes Legato ist, sondern tatsächlich per Sample realisiert wird.

Zur Steuerung der vier Modi stehen uns drei Schaltflächen zur Verfügung. Allen Modi gemeinsam ist, dass immer der per Keyswitch gewählte Vokal/Ton beziehungsweise Phrase vewendet wird. Wie dieser Vokal oder die Phrase aber intoniert wird, genau da unterscheiden sich die Modi ganz erheblich. Zur Verdeutlichung habe ich jeweils ein Audiobeispiel mit jeweils der gleiche Phrase, ja endlich das „Shubiduh“, verwendet.

Ist kein Modus angewählt, befinden wir uns im normalen poly non-legato Mode. Hier wird mit jeder Taste ein neuer Ton mit einem eigenen Envelope getriggert. Dabei ist es auch möglich, mehrere Töne zu spielen und so mehrstimmigen Gesang zu erhalten.

Im sogenannten “Vowel”-Modus haben wir es dann mit einem hervorragenden „True Legato“ Modus zu tun. Dieser ist, wie bei Legato meist üblich, monophon angelegt. In diesem Modus werden gebunden gespielte Noten verbunden, ohne dass die Tonhüllkurve neu getriggert wird. Das heißt, wir erhalten schöne Melodielinien innerhalb des gleichen Vokals des jeweiligen Phrasenbausteins oder des Einzelvokals/-tons. Auch das Eingangsdemo oben habe ich im „Vowel“-Mode eingespielt.

Der Polymodus ist etwas ganz besonderes. Im Gegensatz zum normalen Modus, der ja auch polyphon funktioniert, haben wir es hier mit einem polyphonen Legatomodus zu tun. Was heißt das?! Das bedeutet tatsächlich, dass es möglich ist, Legatolinien mit Akkorden zu kombinieren. Das ist nicht ganz so einfach zu erklären, also hört mal in das Audiobeispiel rein.

Man hat also die Möglichkeit, innerhalb einer Stimme sowohl Noten liegen zu lassen, weitere Stimmen hinzuzufügen und einzelne Linien trotzdem Legato, ohne sie erneut zu triggern, zu spielen. Über den Parameter „Poly Legato Release Window“ wird bestimmt, bis zu welcher Zeit nach dem Loslassen der vorherigen Taste, das Script noch von einem Legato ausgeht und dies mit der losgelassenen Taste verbindet oder eben der nächste gespielte Ton die Tonhüllkurve neu triggert und als zusätzliche Stimme dazu kommt.

Der „Phrase“-Modus arbeite ein wenig anders, als man vielleicht erwartet. Da es hier in erster Linie darum geht, die gewählte Phrase darzustellen, erhält man hier in dem Sinne kein echtes „Legato“. Vielmehr wird hier die Phrase passend Ton nach Ton abgespielt, ohne dass es, wie im „Normal“-Modus, zum Überschneiden der einzelnen Töne kommt. Wichtig ist, dass die Phrase jedes Mal neu startet, sobald keine Taste mehr gedrückt ist.

Allen Legatomodi gemeinsam ist noch die Einstellung „Legato Speed“, die die Zeit bestimmt, die die jeweilige Sängerin benötigt, um per Legato zur nächsten Tonhöhe zu gelangen. Man könnte also auch von der Portamento Dauer reden. Der Schalter „True“ aktiviert hier das gesampelte „True Legato“ in der tatsächlich aufgenommenen Geschwindigkeit. Wird dieser deaktiviert, kann die Portamento Dauer mit dem Regler festgelegt werden.

Insgesamt lässt sich mit diesen vier Modi auf alle Fälle schon einiges erreichen und an Gesang darstellen.

„ Mix it up!“ – Der Mixer

Wenn uns die Stimme einer Sängerin nicht reicht, so haben wir mit dem Mixer die Möglichkeit bis zu 10 Sängerinnen für eine Backingline oder einen kleinen Chor zusammenzustellen.

Realitone The Ladies 2 Mixer
Realitone The Ladies 2 Mixer

Die Kontrollelemente sind im Grunde dieselben wie im Mainscreen, deswegen spare ich mir die nochmalige Erläuterung. Jedoch lassen sich die einzelnen Spuren zusätzlich über den Tuneregler gegeneinander verstimmen und mittels des Delayreglers gegeneinander verzögern, sodass ein etwas natürlicheres Timing und Intonationsverhalten erzeugt werden kann. Eben ein wenig „menschlicher“ und somit authentischer. Die hier konfigurierten Stimmen können auf dem Mainscreen ein- und ausgeschaltet werden. Es stehen selbstverständlich sämtliche Playmodi und Artikulationen zur Verfügung.

Alle Stimmen singen jedoch jeweils die gleichen Töne bzw. Phrase. Will man mehrere verschiedene Phrasen gleichzeitig parallel verwenden, so benötigt man eine zweite Instanz des „Instruments“.

Ein interessantestes Detail an dieser Seite ist jedoch der links unten angeordnete „Load“ Button. Hier handelt es sich um die bereits oben erwähnte interne „Purge/Load“ Funktion der Library.

Wem „purge“ jetzt in diesem Zusammenhang nichts sagt: es handelt sich dabei um eine Funktion, nicht benötigte Samples für einen Track bzw. innerhalb eines Instrumentes aus dem Speicher zu „ent“laden, um so nicht benötigten Speicher wieder zur Verfügung zu stellen.

Bietet Kontakt 5 selbst schon diese Funktion, so macht die Library selber noch etwas ausgefeilter Gebrauch davon. So ist es möglich, jeweils über einen Klick auf den „Load“ Button direkt alle verwendeten Samples zu laden und nicht benötigte aus dem Speicher zu entfernen. Danach werden neue Samples jedoch nur erneut geladen, wenn erneut „Load“ gedrückt wird. Dabei ist es nicht, wie in der Kontakt internen Routine nötig, erst einmal z.B. einen Track komplett abzuspielen, damit Kontakt Purge Marker setzen kann. Hier werden einfach komplette Stimmen und nicht genutzte Phrasen entladen. Das heißt im Umkehrschluss jedoch auch, dass man bei erneuter Hinzunahme von Stimmen oder Phrasen jedes Mal wieder den Button drücken muss, da diese dann leider nicht mehr automatisch geladen werden. Deswegen gibt es diesen Button sowie einen „Purge (all)“ Button auch noch einmal auf der Seite des Phrasebuilders.

„ Schubiduh“ – Der Phrasebuilder

Ja, jetzt endlich. Wir bauen uns ein „Schubiduh“! Na sagen wir mal so, zumindest kann man mit dem Phrasebuilder eins zusammenbasteln. Konntet Ihr ja schon hören 😉

Realitone The Ladies 2 Phrase Builder
Realitone The Ladies 2 Phrase Builder

Im Phrasebuilder können aus den vorhandenen Phrasebausteinen komplette Phrasen zusammengeklickt werden und dann einem Keyswitch durch Anklicken der korrespondierenden Taste zugewiesen werden.

Zur Verfügung stehen 18 Keyswitches, die mit Phrasen belegt werden können. Jede Phrase kann aus bis zu 8 Elementen bestehen. Die Bausteine „-f, -k, -m, -r, -s, -sh“ dienen immer nur als Abschluss für eine Phrase. Nach der Auswahl einer dieser Bausteine kann die Phrase nicht weiter ergänzt werden.

Hat man sich beim Klicken vertan, kann natürlich auch der letzte Baustein oder auch die ganze Phrase wieder gelöscht werden.

Unabhängig von den Keyswitches wird im Phrasebuilder immer die aktuell im Infofenster angezeigte Phrase genutzt. Somit ist die Kontrolle über die gerade in Arbeit befindliche Phrase immer gegeben.

Im Gegensatz zum „Blue“ können hier allerdings nicht per „Lautschrift“ komplette Wörter zusammengebaut werden. Es handelt sich hier eher um die typischen Phrasen , Lines und Shouts von Backgroundvocals. Trotzdem findet man eine ordentliche Sammlung an allerlei sprachlichen Bausteinen für entsprechende Vocals. Ein Beispiel habe ich ja weiter oben schon gezeigt.

„ Sonst noch was?!“ – Weitere Settings

Wem das Gebotene noch nicht reicht, der kann auf der Settings Seite noch einige Anpassungen vornehmen. So ist es tatsächlich möglich, für die einzelnen Artikulationen jeweils den Attack separat festzulegen. Dazu kommt das Finetuning fürs Vibrato. Auch kann hier der Hall in Länge und Anteil eingestellt werden.

Realitone The Ladies 2 Settings
Realitone The Ladies 2 Settings

That’s, what it’s all about…“ – Der Klang

Wow. Im ersten Moment bin ich genauso wie bei „Blue“ erstmal hin und weg von dem Klang und den gebotenen Möglichkeiten. Jemand wie ich, der eher im elektronischen aber eben genauso im akustischen Film- und Gamebereich unterwegs, ist, erhält hier die Möglichkeiten, die man schon immer gesucht hat. Ein Beispiel sei das allererste Demo ganz oben. Das klingt so erstmal fantastisch und man kann komponieren und produzieren, ohne jedes Mal direkt eine Sängerin dazu holen zu müssen.

Der Klang der Library darf echt als gelungen angesehen werden. Die Stimmen sind alle in ihrem Charakter deutlich zu unterscheiden und eignen sich dementsprechend für unterschiedliche Genres. In erster Linie handelt es sich hier um Stimmen, mit denen man Musik im populärmusikalischen Bereich ein wenig aufpeppen kann. Aber auch rein tonale Melodielinien lassen sich ganz hervorragend umsetzen.

Zwar haben wir auch eine ausgewiesene Sopranistin dabei, doch ist deren Stimme in meinen Ohren bereits zu speziell, um sie in anderen Bereichen, außer der E-Musik oder im Film- und Gamegenre, einzusetzen.

Alle Sängerinnen setzen sich in Mixes gut ab und klingen dort auch sehr natürlich. Auch bietet der Phrasebuilder genug typische Phrasen, um Backgroundvocals nicht nur auf „Uh‘s“ und „Ah‘s“ zu reduzieren, sondern auch ein wenig mehr Dynamik ins Spiel zu bringen.

Rein solo gehört merkt man jedoch, dass man es nicht mit echten Stimmen, sondern mit einer Library zu tun hat. Im Gesamtgefüge eines Mixes fällt dies jedoch kaum mehr auf. Da werden die Bestandteile und Transienten, die für die wahrgenommene Künstlichkeit sorgen vom Rest überdeckt bzw. maskiert. Im reinen „Vowel“-Mode, meinem persönlichen Favoriten, merkt man dies jedoch eh nicht. Kritisch sind eher kurze und schnelle Passagen und Töne.

Eben gerade bei zu kurzen Noten muss man sehr vorsichtig sein, die Stimmen brauchen jeweils einen kurzen Moment, um sich passend zu entfalten. Gleiches gilt für die Tonhöhe. Leider ist sind die Stimmen nicht per Skript im Umfang begrenzt worden, sodass man auch schnell einmal in Regionen gelangt, in denen die Stimmen künstlich klingen, da es dann nicht mehr eigene Samples sind, sondern hochgepitchte. Aber in dem Moment ist man eigentlich auch bereits jenseits des natürlichen Tonumfangs einer weiblichen Singstimme. Auch sind die einzelnen Noten nach ca. einer halben Sekunde geloopt. D.h., dass der Sängerin auch nie die Luft ausgeht. Auch hier muss man also ein wenig mitdenken, um nicht viel zu lange Töne zu spielen. Dies sollte man also immer im Hinterkopf haben. Es stellt deswegen in meinen Augen auch kein Nachteil dar.

Man muss halt schon wissen, was man hier mit dieser Library tut. Also genau so, wie bei jeder anderen Library auch. Gut und authentisch klingen kann es nur, wenn man versteht, was und wie das eigentlich zugrunde liegende Instrument gespielt wird. Das ist hier nicht anders.

Klar erreicht man mit dieser Library nicht den Klang und die Individualität, die man mit einer richtigen Sängerin erleben kann, aber das lässt sich auch nicht in einer Library erfassen. Schon gar nicht in einer Library, die noch dazu fünf verschiedene Sängerinnen zur Verfügung stellt, wie „The Ladies 2.0“.

Abschließend möchte ich euch dann noch ein paar Soundbeispiele von Realitone vorstellen, die m.E. sehr gut darstellen, für welche Einsatzzwecke sich „The Ladies“ eignet und wo man an Grenzen stößt. Außerdem sind die natürlich aussagekräftiger als mein mageres „Schubiduh“ in den obigen Beispielen.

Fangen wir an mit einem typischen Rocksong, bei dem einfach ein paar weibliche Backings benötigt werden:

Hier ein Beispiel für den Soloeinsatz einer der Stimmen:

Sehr gut auch ein Beispiel mit der Sopranstimme von Teresa:

Kritisch wird es dann bei reinem Acapella Einsatz der Stimmen. Wobei auch dieser noch recht gut klingt, man aber genau hören kann, dass die Stimmen in den höheren Bereichen schon an gewisse Grenzen stoßen:

Und zum Abschluss, ja, jetzt kommt es auch hier nochmal… ein „Schubiduh“! 🙂

„ It ain’t over till the fat lady sings…“ – Mein Fazit

FRAGE: Also, sehe ich das richtig?! Brauchen wir jetzt ab sofort keine Sängerinnen mehr?!

ANTWORT: Nein, definitiv falsch. Eine echte Sängerin kann auch eine noch so ausgefeilte Library nicht ersetzen. Dafür ist die menschliche Stimme als Instrument viel zu individuell und vielseitig in ihrer Klangformung, als dass man jemals ganz darauf verzichten könnte.

ABER: Für den Produzenten von Jingels, Werbespots, Game-, TV- und Filmmusik oder ähnlichem, der „mal eben“ nur kurz ein paar Backgoundvocals oder einfache tonale Melodien benötigt, oder für eine Demoproduktion eines Komponisten in der Preproduktion ist das hier genau das Richtige! Der nicht gerade günstige Anschaffungspreis von doch fast 400,- € hat sich sicher bereits nach einer Produktion, in der man die Kosten für gebuchte Sängerinnen plus Studiokosten spart, amortisiert.

Somit eine klare Kaufempfehlung von mir für diejenigen von Euch, die weibliche Stimmen für genau solche Zwecke benötigen.

Für künstlerisch vollwertige Produktionen kommt man allerdings weiterhin nicht um echte Sängerinnen (und die damit verbundenen Produktionskosten) herum. Und das ist auch gut so.

Wichtig ist jedoch, dass man beim Einsatz der Stimmen sehr sauber arbeitet. So klingen zu kurze und zu hohe Töne einfach unnatürlich und künstlich. Man muss also immer im realen Tonbereich der jeweiligen Stimme bleiben und die Töne müssen sich entfalten können.

Und um zu den eingangs genannten Konkurrentinnen nochmal einen Bogen zurück zu schlagen: diese Library hier spielt in einem ganz anderen Einsatzbereich. Hier handelt es sich wirklich eher um Solo- und Backingvocals und nicht um das klassische Einsatzgebiet von Chören, wie bei den genannten Produkten.

Plus

+ Klang

+ Preis-/Leistungsverhältnis

+ sehr vielseitig für Backgroundvocals und tonale Melodielinien einsetzbar

+ wenig Speicherbedarf durch gute eigene Purge Funktion

Minus

– fehlende Begrenzung der Stimmen auf ihren natürlichen Tonumfang

– Samples werden nicht automatisch nachgeladen (nach Purge)

– Keyswitches für Phrasen auf der Mainpage nicht nutzbar

Die genannten Minuspunkte muss ich hier aber als „Jammern auf hohem Niveau“ abtun, diese tun dem Gesamteindruck der Library definitiv keinen Abbruch! 😉

Wer im Übrigen auf den Phrasebuilder verzichten kann, der sei unbedingt auf die Lite Version der Library hingewiesen, die zwar nur mit den Standardartikulationen und ohne die Opernsängerin Teresa daherkommt, aber immerhin auch nur knapp die Hälfte kostet und für viele Situationen bereits ausreichen sollte.

Bezugsquellen

„Realivox – The Ladies 2.0“ ist über die Webseite von Realtione ausschließlich als Download erhältlich.

UVP des Herstellers für die Vollversion:
399,- $ (ca. 370,- €) für die Kontakt Full Version
419,- $ (ca. 385,- €) für die Kontakt Player Version

UVP für die Liteversion (s.o.):
199,- $ (ca. 185,- €) für die Kontakt Full Version
219,- $ (ca. 205,- €) für die Kontakt Player Version

(Derzeit gibt es noch ein zeitlich begrenztes Einführungsangebot für alle Versionen:
299,95 $ bzw. 319,95 $ ( ca. 275,- € bzw. ca 295,- €) für die Full Versionen und
139,95 $ bzw. 159,95 $ ( ca. 130,- € bzw. ca. 148,- €) für die Lite Versionen.)

Für Besitzer der „The Ladies 1.0“ Version gibt es die Möglichkeit für ein vergünstigtes Crossgrade. Nähere Informationen hierfür stellt Realitone den Besitzern dieser Library per Email zur Verfügung.

Außerdem qualifiziert die Playervariante der Fullverison von „The Ladies 2.0“ zu einem vergünstigten Crossgrade von Kontakt Player 5 auf die Kontakt 5 Vollversion (249,- € statt 399,-€). Nähere Infos hierzu findet ihr auf der Realivox Homepage.

Link zur Herstellerseite: http://realitone.com/realivox/

 Klaus Feurich Über Klaus:
Musiker und Techniker: Keyboards, Gitarre, Sounddesign, Ton- und Studiotechnik, Computertechnik

 

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