Testbericht: UJAM BEATMAKER Bundle – Klopfgeisterbeschwörung

Ein Testbericht von Perry Staltic
veröffentlicht am 20.02.2020

Unter dem Titel BEATMAKER bietet UJAM eine Reihe an virtuellen Drumcomputern für diverse elektronische Musikstile an. Bisher umfasste das Portfolio drei Versionen namens EDEN, DOPE und HUSTLE, die im vergangenen Dezember allesamt ein Upgrade mit zahlreichen Verbesserungen erhalten haben.

Ganz frisch und dieser Tage erst veröffentlicht gesellt sich mit VOID nun ein vierter Ableger der Reihe dazu. Ich hatte das perkussive Quartett UJAM BEATMAKER Bundle zu Besuch bei mir im Testlabor, um abzuchecken, ob es sich dabei nur um einfache Spielzeuge oder doch um ernstzunehmende Produktionswerkzeuge handelt.


DNA-Abgleich…

Bei der BEATMAKER-Reihe handelt es sich prinzipiell um ROMpler bzw. Preset-Player, will sagen, diese Plugins bringen einen von UJAM festgelegten Satz an Klängen und Rhythmen für die jeweilige Stilrichtung mit, der sich vom Anwender weder ändern noch erweitern lässt. Daher bleibt das Laden eigener Samples ebenso außen vor, wie das freie Programmieren von Patterns.

UJAM BEATMAKER-Bundle
UJAM BEATMAKER Bundle

Letzteres gilt zumindest für die Rhythmuserstellung innerhalb des Plugins selbst. Verwendet man die BEATMAKER-Plugins jedoch als reine Klangerzeuger, die via DAW oder externem Step-Sequencer angesteuert werden, lassen sich damit natürlich auch eigene Patterns verwirklichen.

Insofern tritt die BEATMAKER-Reihe an, um die Lücke zwischen mehr oder minder statischen Drumloops bzw. Construktion-Sets sowie ausgewachsene Drum Machines zu schließen.

Neben dem unbedarften Einsteiger, der sich nicht lange mit einem gut klingenden Rhythmusgerüst herumschlagen möchte oder kann, kommt hierbei als Zielgruppe sicherlich auch der professionelle Musiker in Frage, der unter einem gewissen Zeitdruck Auftragsarbeiten abliefern muss, beispielsweise für Werbespots oder TV-Produktionen, und der dabei authentische Klänge und Rhythmen aus den von den BEATMAKER-Produkten abgedeckten Stilrichtungen benötigt.

Es würde mich also nicht sonderlich wundern, wenn mir der einen oder andere Beat beim Fernsehschauen oder beim Radiohören wiederbegegnet…


Drum(s) herum

Die BEATMAKER-Serie läuft unter WINDOWS und unter MAC OS-X, an Plugin-Formaten existieren VST und AAX sowie AU. Wie üblich, habe ich mich für den Test bloß auf die VST-Plugins beschränkt, die ich auf einem mit aktuellem WINDOWS 10 bestückten Notebook installiert habe. Waren in der ersten Ausgabe von EDEN, DOPE und HUSTLE jeweils auch noch 32-Bit-VSTs verfügbar, so sind diese mit dem Upgrade auf Versionsnummer 2 nun weggefallen, während VOID von vornherein als reines 64-Bit-Plugin den Markt betritt.

UJAM weist ausdrücklich darauf hin, dass mit der Installation eine der aktuellen 2er-Versionen aus der BEATMAKER-Reihe oder auch aus der hauseigenen VIRTUAL DRUMMER-Serie eventuell bereits vorhandene 1er-Versionen unwiderruflich ersetzen. Rückgängig lasse sich dies lediglich durch eine Deinstallation der Version 2 und anschließende Neuinstallation der Version 1 machen.

Ein kleiner Test ergab bei mir aber Folgendes: Auf meinem Rechner befand sich schon die Version 1 des EDEN, und nachdem ich die neue Version 2 einfach in ein davon getrenntes Verzeichnis installiert hatte, blieb mir Version 1 erhalten, hatte aber nun ebenfalls die zusätzlichen Presets von Version 2 mit an Bord. Wer also aus irgendeinem Grunde noch das alte 32-Bit-Plugin von Version 1 benötigt, der sollte wie gerade beschrieben vorgehen. Ansonsten aber ist Version 2 völlig abwärtskompatibel zu Version 1, so dass sich auch mit Version 1 begonnene DAW-Projekte problemlos mit Version 2 laden und weiterführen lassen.

Wie auch schon das unlängst von mir getestete Effekt-Plugin FINISHER NEO von UJAM, wird auch bei der BEATMAKER-Serie das AAX-Plugin automatisch in das entsprechende Standardverzeichnis installiert, was eigentlich völlig unnötig ist, wenn man gar kein PRO TOOLS verwendet. Wer es nicht braucht und wem danach ist, der kann das AAX-Plugin anschließend wieder von der Platte fegen, indem er es von Hand löscht.

Übrigens, aus einem mir bis dato nicht bekanntem Grund tauchte ausgerechnet HUSTLE nicht in der VST-Liste von MIXCRAFT 9 auf (die anderen drei BEATMAKER-Plugins aber sehr wohl) und ließ sich daher auch nicht laden. Bei anderen Hosts hatte ich dieses Problem jedoch nicht.

Ohne eine Aktivierung verbleiben die Plugins für 30 Tage im Demo-Modus, was genügend Zeit sein sollte, um sie ausreichend testen zu können. Wie bei UJAM üblich, geschieht die Freischaltung via Internet mit den Zugangsdaten des obligatorischen User-Accounts, kann aber bei Bedarf auch offline erfolgen (in diesem Fall ist aber natürlich ein weiteres, internetfähiges Gerät vonnöten, mit dem sich Mails samt Anhang versenden und empfangen lassen), was dann eben ein klein wenig umständlicher ist und nicht ganz so fix vor sich geht, aber es ist sehr erfreulich, dass diese Option überhaupt existiert!

Mein zum Test verwendetes 15,4“-Notebook weist die nicht untypische, aber bisweilen etwas unglückliche Bildschirmauflösung von 1366×768 Pixel auf. Während die schon vorher darauf installierte erste Version von EDEN gut damit klar kam, sind alle BEATMAKER-Plugins der zweiten Generation vertikal ein wenig mit der Streckbank behandelt worden, so dass ihre Bedienoberflächen leider nicht mehr in voller Höhe auf meinen kleinen Bildschirm passen, sondern unten hinter der Taskleiste verschwinden.

UJAM BEATMAKER EDEN Version 1 und 2 im Vergleich
UJAM BEATMAKER EDEN Version 1 und 2 im Vergleich

Ich persönlich hätte also nichts dagegen, wenn das GUI in der ja sowieso weitgehend leeren oberen Hälfte der Plugins wieder etwas abgespeckt würde, da könnte man sicherlich so an die 100 bis 150 Pixel unter den Tisch fallen lassen, ohne dass man diese tatsächlich vermissen würde… 😉


Kongruenz…

Alle BEATMAKER-Produkte basieren auf der selben Engine, und diese grundlegende Verwandschaft steht ihnen auch trotz ihrer kosmetischen, klanglichen und rhythmischen Unterschiede eindeutig ins Gesicht geschrieben. Das bedeutet zudem, dass man die an einem dieser vier Plugins erlernte Bedienung dann unmittelbar auf seine drei anderen Geschwister zu übertragen vermag. Daher handele ich im Folgenden auch erst einmal die Gemeinsamkeiten aller BEATMAKER-Klopfgeister ab, bevor ich dann zu den spezifischen Eigenheiten der einzelnen Versionen komme.

Beginnen wir mit der unteren Hälfte der Programmoberfläche, in der sich auch die meisten Bedienelemente versammeln. Bei allen BEATMAKER-Plugins befindet sich hier neben diversen Schaltern und Reglern das sogenannte interaktive Keyboard. Dieses ist in zwei Sektionen aufgeteilt, die linke Hälfte entspricht dabei dem Notenbereich von C1 bis D#2 und dient dem Triggern einzelner Drumsounds, während die rechte Hälfte von C3 bis B4 reicht und der Auswahl der jeweils 23 Songparts dient, aus dem jeder der insgesamt 45 Styles besteht, also etwa Intro, Strophe, Refrain, Fill usw.

UJAM BEATMAKER - Interaktives Keyboard
UJAM BEATMAKER – Interaktives Keyboard

Dieses interaktive Keyboard kann einerseits mit der Maus bedient werden, andererseits aber auch per externem MIDI-Keyboard, was sicherlich die komfortablere Variante darstellt. Eine bei Bedarf aktivierbare LATCH-Funktion bewirkt bei der Rhythmussektion, dass man die entsprechende Keyboardtaste nach dem Anschlagen nicht permanent gedrückt halten muss, damit der Beat weiterläuft. Der entsprechende Schalter dafür ist übrigens in der zweiten Generation der BEATMAKER-Plugins gehörig geschrumpft, so dass man ihn schon fast mit der Brille suchen muss. Warum eigentlich, Platz genug wäre doch da gewesen…?!

UJAM BEATMAKER - Micro Timing
UJAM BEATMAKER – Micro Timing

Direkt neben dem LATCH-Schalter befindet sich ein kleines Menü namens MICRO TIMING, dass Schaltflächen zur Halbierung sowie zur Verdopplung des Grundtempos erlaubt, eine recht gute Idee, die Nutzern des guten alten STYLUS RMX bekannt vorkommen dürfte. Der rechts daneben liegende Schieberegler erlaubt bei EDEN eine stufenlose Einstellung des Swing-Faktors (aka Shuffle), während er bei den drei anderen Plugins jeweils für die Quantisierung zuständig ist, die hier von einem sehr rigiden Raster bis hin zu eher lockeren Timings reicht.

Verschiedene Parts lassen sich stolperfrei und synchron zum Host-Tempo wechseln, Fills lassen sich als One-Shot einfügen, bevor der Rhythmus danach wieder zum zuletzt ausgewählten Part zurückkehrt, Breakdowns hingegen laufen genau so lange, wie die korrespondiere Keyboardtaste gehalten wird. Ein Triggern der Note B4 schließlich bewirkt eine Vollbremsung und das gesamte Playback stoppt. Das Ganze geht nach nur wenigen Minuten Einarbeitungszeit flott vom Finger, und es macht tatsächlich richtig Spaß, einfach nur mit dem Keyboard in Echtzeit herumzUJAMmen!

UJAM BEATMAKER - Styles-Auswahl
UJAM BEATMAKER – Styles-Auswahl

Die über ein separates Auswahlmenü abrufbaren Styles (von denen es in Version 2 nun jeweils doppelt so viele gibt) tragen vor ihrem Namen jeweils den für sie vorgesehenen numerischen BPM-Wert, was insofern von praktischem Nutzen ist, da die BEATMAKER-Plugins selbst ja keinerlei Tempo-Einstellung besitzen, sondern sich dabei ausschließlich nach dem Host richten, unter dem sie laufen.

Es hindert einen aber auch nichts daran, bei den einen oder anderen Styles einmal mit ganz anderen Tempi als den angegebenen zu experimentieren, denn nicht selten kommen dabei Ergebnisse heraus, die sich für völlig andere Stilrichtung verwenden lassen, als ursprünglich eigentlich angedacht!

Dazu habe ich hier einmal zwei kurze Beispiele vorbereitet. Zunächst habe ich einen Dance Hall-Rhythmus aus dem BEATMAKER VOID, dessen Tempo im Original 140 BPM beträgt, mit 124 BPM abgespielt, wodurch er nun etwa auch für House o.ä. geeignet erscheint:

Klangbeispiel UJAM Beatmaker VOID – Dance Hall to House

Im zweiten Beispiel habe ich dem BEATMAKER EDEN einen 120 BPM schnellen Tech Funk-Rhythmus entnommen und diesen auf gemütliche, zu Hip-Hop kompatiblen 80 BPM abgebremst:

Klangbeispiel UJAM Beatmaker-EDEN – Tech Funk to Hip-Hop

Eine der interessanten Neuerungen in den Zweier-Versionen ist die Möglichkeit, eine Rhythmusphrase einfach mittels Drag & Drop als MIDI-Datei in die DAW zu transferieren und dort dann nach Belieben zu editieren oder mit anderen Phrasen zu kombinieren. So lassen sich blitzschnell ganze Arrangement erstellen, inklusive individueller Variationen der ursprünglichen Vorlage. Gute Idee, das!

UJAM BEATMAKER - Instrumenten-Menü
UJAM BEATMAKER – Instrumenten-Menü

Ließen sich die integrierten Drumkits in der ersten BEATMAKER-Generation jeweils nur als Ganzes wechseln, so ist nun ebenfalls möglich, nur einzelne Drumsounds auszutauschen und sich somit eigene Kits aus den vorhandenen zusammenzustellen. Die Anzahl der mitgelieferten Drumkits wurde übrigens auf zehn Stück verdoppelt, womit pro Drum-Instrument nun also auch zehn Variationen bereitstehen.

Die verschiedenen Drumsounds selbst lassen sich jeweils in den Parametern Lautstärke, Ausklingzeit, Tonhöhe (je sechs Halbtöne nach oben oder nach unten) sowie Filter (bipolarer Regler, entweder als Tiefpass- oder als Hochpass-Filter verwendbar) anpassen.

UJAM BEATMAKER - Instrumenten-Sektion
UJAM BEATMAKER – Instrumenten-Sektion

Erfreulicherweise kann jetzt jeder Drumsound bei Bedarf seinem eigenen Einzelausgang zugewiesen werden, lediglich die Cymbals teilen sich einen solchen. Die ebenfalls vorhandenen Mute- und Solo-Taster funktionieren übrigens nur für auf den Stereoausgang geroutete Instrumente, was auch Sinn macht, denn die Signale auf den Einzelausgängen lassen sich ja sowieso separat in der DAW stumm oder solo schalten.

UJAM BEATMAKER - Master-Sektion
UJAM BEATMAKER – Master-Sektion

Zudem passieren die Instrumente auf den Einzelausgängen auch nicht die ausschließlich dem Stereoausgang zugeordnete Master-Sektion, die wiederum ein kombiniertes Tiefpass-/Hochpass-Filter, hier SWEEP getauft, ein Saturator-Modul für Sättigungs- und Verzerrungseffekte, einen Maximizer zur Erhöhung der wahrgenommen Lautheit sowie einen AMBIENCE genannten Raum-Effekt beinhaltet. Letzterer bietet in der BEATMAKER-Version 2 nun eine Auswahl aus sechs verschiedenen Programmen. Den Abschluss der Master-Sektion bildet ein Regler für die Gesamtlautstärke des Stereoausgangs.

UJAM BEATMAKER - Ambience-Effekte
UJAM BEATMAKER – Ambience-Effekte

In der oberen Hälfte der Bedienoberfläche tummeln sich längst nicht so viele Regler und Schalter wie in der unteren. Wie bereits oben erwähnt, hätte man hier daher noch allerlei Platz einsparen können, zugunsten einer besseren Darstellbarkeit auch bei geringeren Bildschirmauflösungen. Leider hat man sich an dieser Stelle aber wohl eher an der Design-Philosophie „Form über Funktion“ orientiert.

UJAM BEATMAKER - obere GUI-Hälfte
UJAM BEATMAKER – obere GUI-Hälfte

Auf der linken Seite findet sich die Auswahlmöglichkeit für komplette Drumkits. Da diese in der zweiten BEATMAKER-Generation zahlenmäßig von ehemals fünf auf nun zehn verstärkt wurden, dürfte hier wohl auch der Grund zu finden sein, warum die in der ersten Version noch vorhandenen großen Direktwahl-Buttons mit ihren verspielten Symbolen inzwischen durch kleine pfeilförmige Taster zum Durchsteppen ersetzt wurden. Eine direkte Anwahlmöglichkeit besteht aber noch immer in Gestalt eines zusätzlichen ausklappbaren Menüs.

UJAM BEATMAKER - Drumkit-Menü
UJAM BEATMAKER – Drumkit-Menü

Um das Drumkit-Auswahl herum platziert befinden sich zwei Schieberegler in Kurvenform, von denen der Regler auf der rechten Seite (von UJAM als SPECIAL SLIDER bezeichnet) bei jeder der vier BEATMAKER-Versionen eine individuelle Funktion aufweist, dazu komme ich aber gleich noch.

UJAM BEATMAKER - Kick-Snare-Fader
UJAM BEATMAKER – Kick-Snare-Fader

Der bipolare Regler mit automatischer Zentrierung auf der linken Seite (KICK/SNARE) stellt eine Art Crossfader dar, mit dem man stufenlos entweder die Kick oder die Snare aus dem aktuellen Rhythmus ausblenden kann. Dieser Schieberegler ist von Werk aus passenderweise dem Pitchbender (der ja ebenfalls mit solch einer Selbstzentierung ausgestattet ist) eines angeschlossenen MIDI-Controller zugeordnet, so dass man damit auf spielerische Weise weitere rhythmische Variationen etwa für Intros oder für Übergänge erzeugen kann.

UJAM BEATMAKER - Mix-Sektion
UJAM BEATMAKER – Mix-Sektion

Auf der rechten Seite ist die sogenannte Mix-Sektion untergebracht. Diese wird wiederum von zwei kurvenförmigen Schiebereglern umrahmt. Der rechte Regler, mit BEAT INTENSITY beschriftet, ist werksseitig mit dem Modulationsrad verknüpft und erlaubt eine einfache Reduzierung der Spieldynamik in Echtzeit.

UJAM BEATMAKER - Mix-Effekte
UJAM BEATMAKER – Mix-Effekte

Mit dem linken Regler (AMOUNT) hingegen stellt man die Stärke des jeweiligen Mix-Effekts ein. Von diesen existiert eine großzügige Auswahl mit recht phantasievollen Namen. Dabei handelt es sich nicht um Einzeleffekte, sondern um ganze Efffektketten, bei denen der der Fader als Makro-Regler für eine Vielzahl an Parametern fungiert. Das entspricht also vom Prinzip her den ebenfalls von UJAM erhältlichen Effekt-Plugins der FINISHER-Reihe (siehe hier). Jede der vier BEATMAKER-Versionen verfügt dabei übrigens über eigene, an den jeweiligen Stil angepasste Effekt-Presets, denn beim Hip-Hop mag es beispielsweise auf ganz andere Schwerpunkte ankommen als beim Techno oder beim Trap.

UJAM BEATMAKER - Preset-Auswahl
UJAM BEATMAKER – Preset-Auswahl

Die BEATMAKER-Serie kommt auch mit jeder Menge Presets, die allesamt eine Kombination aus einem Style und einem Drumkit nebst vorgenommenen Reglereinstellungen darstellen. Wer also ein Drumkit mit verschiedenen Styles oder einen Style mit unterschiedlichen Klängen ausprobieren möchte, der sollte die dafür extra vorgesehenen separaten Menüs benutzen, da ein Presetwechsel ja sowohl den Klang als auch den Rhythmus umschaltet, logisch.

UJAM BEATMAKER - MIDI-Learn
UJAM BEATMAKER – MIDI-Learn

Habe ich nun noch etwas ausgelassen? Ach ja, alle Regler lassen sich via MIDI-LEARN einem Hardware-Controller zuweisen, was dem Spielspaß und dem Live-Einsatz natürlich deutlich zugute kommen kann. Auch die von UJAM bereits vorgenommenen Verknüpfungen mit dem Pitchbender und dem Modulationrad lassen sich so bei Bedarf abändern.

Wenden wir nun den Spezialitäten der vier BEATMAKER-Plugins im Einzelnen zu.


Diesseits von EDEN…

BEATMAKER EDEN war das erste Plugin aus der Reihe, mit dem ich bereits seit seiner ersten Version Kontakt aufgenommen hatte. Den Vorgänger (siehe Screenshot weiter oben) hatte ich im vergangenen Jahr mal als Software-Zugabe zu einer einschlägigen Musiker-Zeitschrift erhalten und damals ohne große Erwartungen nur aus reiner Neugier installiert. Was sollte mir ein solcher Preset-Klopfgeist denn schon bringen? Umso überraschter war dann, als ich bemerkte, dass das Spielen damit ziemlich spaßig war und dass der Klang einen gehörigen Wumms auf der Pfanne hatte! Der war sogar so gut, dass ich inzwischen auch schon mal in meinen eigenen Projekten etwas zu schlappe Drums aus anderen Klangerzeugern durch das Schichten mit Sounds aus EDEN gehörig aufgepumpt habe, was hervorragend funktionierte.

UJAM BEATMAKER EDEN 2
UJAM BEATMAKER Bundle EDEN 2

Stilistisch ist EDEN vorrangig in treibender elektronischer Tanzmusik zu Hause, also in solchen Genres wie EDM, Techno, House usw. Geboten werden insgesamt 45 Styles mit jeweils 23 Parts, was laut Adam Riese also 1035 verschiedene Patterns ergibt.

Lag der Schwerpunkt dabei in der ersten Version noch überwiegend in typischen Four-to-the-Floor-Rhythmen, so weist EDEN 2 insgesamt eine etwas größere Bandbreite auf und bietet zwischendurch auch schon mal den einen oder anderen Breakbeat. Die Styles sind dabei abwechslungsreich und teilweise sehr inspirierend programmiert.

Der Sound ist amtlich, knallt ordentlich und setzt sich damit auch recht gut in einem Mix durch. Auch ohne Verwendung der eingebauten Rhythmen, also nur als reiner Klangerzeuger, macht EDEN 2 ebenfalls eine ziemlich gute Figur.

Der individuelle Schieberegler (Special Slider), den jedes BEATMAKER-Plugin rechts neben der Kit-Auswahl vorzuweisen hat, ist bei EDEN 2 mit dem Label KICK PUMP versehen. Dahinter verbirgt sich ein Sidechain-Kompressor, der dafür sogt, dass die Kick sukzessive im Gesamtmix noch dominanter nach vorne geholt wird.

Das nachfolgende Klangbeispiel habe ich live ohne DAW in einem Rutsch aufgenommen, indem ich EDEN 2 in einfach in den TONE 2 MINIHOST geladen, mit einem MIDI-Keyboard bedient und das Ausgangssignal dann direkt in WAVOSAUR aufgenommen habe.

Klangbeispiel UJAM BEATMAKER EDEN 2

Externe Effekte kamen dabei also nicht zum Einsatz, ebenso wenig irgendwelche anderen Klangerzeuger.


Take me to your dealer…

DOPE ist der Spezialist für klassisch angehauchten Hip-Hop, Boom Bap und Rap im Stile der 90er Jahre, und im Gegensatz zum gleichnamigen Hanferzeugnis ist er völlig legal erhältlich und hat er auch keinerlei Hustenanfälle oder Bewusstseinstrübungen zur Folge. Zudem hält er auch weit länger… 😉

UJAM BEATMAKER DOPE 2
UJAM BEATMAKER Bundle DOPE 2

DOPE 2 bringt 50 Styles á 23 Parts mit, bietet rein rechnerisch demnach also insgesamt 1150 Patterns (auf der Webseite ist allerdings von 1180 Rhythmusphrasen die Rede…).

Der Special Slider wurde bei DOPE mit einem VINYL DRIVE-Effekt belegt. Dieser mischt nicht nur einfach das typische Knistern und Knacksen alter Schallplatten hinzu, sondern bewirkt auch zunehmend eine gewisse Kompression des Audiosignals. Insgesamt ein durchaus gelungener Effekt und der Stilrichtung sicherlich angemessen.

Ich muss gestehen, dass Hip-Hop im Allgemeinen nicht unbedingt zu den von mir favorisierten Musikrichtungen zählt, und im Speziellen noch sehr viel weniger der allgegenwärtige Möchtegern-Gangster-Proll-Rap made in Germany („Isch figg Daine Mudda, wenn isch von die Sondaschule haimkomme!“), daher kann ich hier auch nur eher als Laie urteilen, wenn ich der Auffassung bin, dass die Styles und Sounds, die DOPE 2 im Gepäck hat, in meinen Ohren sehr authentisch rüberkommen.

Das Klangbeispiel zu DOPE 2 ist, wie die zu den anderen BEATMAKER-Plugins auch, ganz auf die Schnelle in Echzeit entstanden, ohne großartiges Rumgefrickel oder langwieriges Nachbearbeiten.

Klangbeispiel UJAM BEATMAKER DOPE 2

Do the HUSTLE…

HUSTLE präsentiert sich als Rhythmuslieferant für moderne basslastige Stilrichtungen, als da wären Trap, Dirty South und Grime. Demzufolge sind hierbei auch tonale Bassdrums mit langem Ausklang gefragt, die typischerweise vom Dauerbrenner TR-808 stammen und in diesem Musikstil häufig die Funktion eines melodischen Bassklangs übernehmen.

UJAM BEATMAKER HUSTLE 2
UJAM BEATMAKER Bundle HUSTLE 2

HUSTLE trägt dem nicht nur mit entsprechenden Drumsounds und dazu passenden Rhythmen Rechnung, auch der Special Slider erhält mit der BASS TUNE-Funktion eine adäquate Aufgabe zugewiesen. Damit lässt sich der hier auf der Keyboardtaste B1 liegende Bassklang im Notenbereich von D0 bis D1, also über eine Oktave hinweg, in Halbtonschritten stimmen.

Dieser BASS TUNE lässt sich zwar auch über einen MIDI-Controller steuern, in der Praxis ist das aber eine eher frickelige Angelegenheit, damit auch die gewünschten Töne zu treffen, ohne dabei eine der anderen Tonlagen zu erwischen. Aus diesem Grund bietet es sich eher an, solche tonalen Sprünge via Automation in der DAW zu erledigen, womit diese dann deutlich präziser gelingen.

Beim folgenden Klangbeispiel habe ich den Special Slider des HUSTLE 2 an einigen Stellen mit der Maus (eigentlich mit dem Trackball) bedient, da ich das mit dem Modwheel nicht wirklich exakt hinbekommen habe…

Klangbeispiel UJAM BEATMAKER HUSTLE 2

HUSTLE eignet sich über die oben genannten Genres hinaus natürlich auch für aktuellere Hip-Hop-Stile jenseits von Old School. Nicht ohne Grund bietet UJAM daher auch ein aus DOPE 2 und HUSTLE 2 bestehendes HIPHOP BUNDLE 2 an.


Into the VOID…

VOID stellt den jüngsten Kandidaten aus der BEATMAKER-Reihe dar, den UJAM aus der Taufe gehoben hat. Das Plugin wurde erst am Tag der Veröffentlichung dieses Testberichts in die Welt erlassen. Freundlicherweise hatte UJAM mir VOID aber schon rund eine Woche vor dem offiziellen Verkaufsstart zum Test überlassen, so dass ich hier nun nahezu zeitgleich bereits meinen Senf dazu abgeben kann.

UJAM BEATMAKER VOID
UJAM BEATMAKER Bundle VOID

VOID deckt die Genres Drum ’n‘ Bass, Dance Hall, Dub Step, Garage, 2 Step sowie Future Bass, die Tempi der 20 mitgelieferten Styles bewegen sich daher auch überwiegend in einem Bereich von 140 bis 170 BPM. Im direkten Vergleich zu seinen drei Kollegen wirkt der Vorrat an Styles zahlenmäßig ein klein wenig „übersichtlicher“. Dafür kostet VOID derzeit aber auch noch ganze 20,- Euronen weniger als seine älteren Brüder.

Einige der genannten Stilrichtungen, beispielsweise Garage und 2 Step, beschränken sich sogar auf einen einzigen Rhythmus, der durch die Presets lediglich in verschiedenen klanglichen Variationen dargeboten wird. Innerhalb dieser 20 Styles herrscht aber dennoch genügend Abwechslung.

Bei den Rhythmus-Patterns handelt es sich standesgemäß mehrheitlich um synkopische Breakbeat-Muster der frickligeren Sorte. Ich persönlich frage mich dabei ja eigentlich immer, wie man dazu tanzen kann, ohne sich dabei die Füße zu brechen… 😉

Aber auch hier kann ein radikaler Tempowechsel weit entfernt vom ursprünglichen Kontext bisweilen völlig neue Stimmungen erzeugen (siehe weiter oben). Daher kann selbst ich, der mit Drum ’n‘ Bass und dergleichen eher wenig an der Brause hat, doch so einige verwertbare Patterns entdecken, die nach einer Geschwindigkeitsanpassung eine tolle Ergänzung zu den von mir eher bevorzugten herkömmlichen 4/4-Beats darstellen.

Klanglich gibt sich VOID, wie es nach der Begegnung mit seinen Geschwistern aber eigentlich auch nicht anders zu erwarten war, ebenfalls keinerlei Blöße. Hört sich also richtig fett an!

Klangbeispiel UJAM BEATMAKER VOID

Ach ja, auch VOID verfügt natürlich über seinen eigenen Special Slider, hier VORTEX getauft, der einen netten Effekt über den Beat legt, welcher sich für meine Ohren irgendwo in Richtung Phaser/Flanger bewegt und den Klang gehörig durch die Mangel drehen kann. Laut UJAM handelt es sich dabei tatsächlich um eine Kombination aus einem Notch-Filter-Sweep sowie Kompression. Im obigen Klangbeispiel habe ich den Special Slider zwischendurch auch ein paar Mal zur Demonstration dieses Effekts bewegt.


Fazit:

Die BEATMAKER-Reihe von UJAM stellt hilfreiche Rhythmus-Werkzeuge bereit, sowohl für den musikalische Anfänger aus dem Hobbyistenbereich als auch für den hart arbeitenden Profi, dem andauernd die tickende Uhr im Nacken sitzt und der sich von einer Deadline zur nächsten hangeln. Dieses Merkmal scheint sich im Übrigen ja durch die gesamte Produktpalette von UJAM zu ziehen.

Als dritte Zielgruppe könnte ich mir zudem auch noch mit einem Laptop bewaffnete Djs vorstellen, die gerne ihre Live-Performance mit stilsicheren Klopfgeistern aufmöbeln wollen.

Klanglich sind die BEATMAKER-Plugins allesamt über jeden Zweifel erhaben, auch der rhythmische Content ist am Puls der Zeit und lässt authentische Vibes aufkommen. Gegenüber typischen Loop-Paketen sind diese Plugins auf jeden Fall deutlich flexibler und besser an die eigenen Bedürfnisse anpassbar. Insbesondere drastische Tempoänderungen gelingen mit einem BEATMAKER völlig frei von irgendwelchen Artefakten, mal abgesehen von den ganzen klanglichen Editiermöglichkeiten.

Als Nachteil könnte es allerdings manchen Anwendern erscheinen, dass sich die mitgelieferten Styles nicht mehr nachträglich erweitern lassen (es sei denn höchstens, über eventuelle weitere Upgrades durch UJAM selbst), wenn man sie „aufgebraucht“ hat ist also erstmal Schicht. Andererseits ist dies bei herkömmlichen Sample-Loops, gegen die die BEATMAKER-Reihe ja in erster Linie antritt, gleichermaßen der Fall.

Selbstverständlich ist da ein voll programmierbarer Drumcomputer bzw. Drumsampler an dieser Stelle noch mal deutlich überlegen, das ist wohl keine Frage, und wer gerne ausgiebig bis ins Detail an seinen Rhythmen herumbastelt, der wird einem solchen auch immer den Vorzug vor den BEATMAKER-Plugins geben, aber darum geht es hier ja schließlich gar nicht (siehe Zielgruppenbestimmung weiter oben).

Für Besitzer der Vorgängerversionen bietet das Update auf Version 2 jede Menge nützliche Neuerungen und es ist ihnen daher nicht zuletzt auch aufgrund des günstigen Upgrade-Preises auf jeden Fall ans Herz gelegt.

Die BEATMAKER-Plugins sind direkt bei UJAM sowohl einzeln wie auch im Bundle erhältlich. Als Einzelprodukte kosten jeweils EDEN, DOPE und HUSTLE jeweils 69,- Euro, während VOID aktuell zum Einführungspreis von 49,- EURO feilgeboten wird (dieser gilt noch bis zum 01.03.2020). Das oben erwähnte HIPHOP BUNDLE 2 gibt’s für 99,- Euro, und der Verkaufspreis für das BEATMAKER BUNDLE beträgt 189,- Euro. Darüber hinaus lassen sich die alten BEATMAKER-Plugins der Version 1 kostengünstig auf Version 2 upgraden, für jeweils schlappe 9,- Euro pro Plugin. Für Bundles wiederum gelten je nach Upgrade-Plan verschiedene Preise.


Positives:
+ durchsetzungsfähige Drumsounds
+ authentische Rhythmus-Styles
+ sehr einfache Bedienung
+ Einzelausgänge
+ Drag & Drop-Import von Rhythmen in die DAW
+ Offline-Aktivierung möglich

Negatives:
– GUI etwas zu hoch für geringere Bildschirmauflösungen (Laptop)
– Style-Content nicht erweiterbar


Produktwebseite UJAM BEATMAKER: https://www.ujam.com/Beatmaker

Walkthrough: https://support.ujam.com/hc/en-us/articles/360010864520-Walkthrough

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