Testbericht: EaseUS DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL 12.8 – Hurra, wir leben noch!

Treue Leser wissen es, hier bei BuenasIdeas dreht sich alles in erster Linie um die computergestützte Musikproduktion. Umso erstaunter werden nun vielleicht einige von Euch ihre Augenbraue heben, wenn sie sich meinen aktuellen Testbericht reinziehen, hat die im Folgenden begutachtete Software der Firma EaseUS namens DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL doch vermeintlich rein gar nichts mit unserem Kernthema zu tun.

Doch wer dies denkt, dem spreche ich an dieser Stelle meinen herzlichen Glückwunsch aus, denn offenbar hat er oder sie sich in seinem musikalischen Schaffen bisher auch noch nie ernsthaft mit dem Thema Datenverlust auseinandersetzen müssen, sei es durch versehentlich gelöschte Dateien oder sei es durch Datenträger, die sich urplötzlich hartnäckig weigern, ihren Inhalt preiszugeben.

Alle anderen hingegen haben vermutlich bereits kleinere oder größere Bekanntschaften mit hopsgegangenen Dateien oder mit Speichermedien, die unvermittelt die Grätsche gemacht haben, schließen müssen. Da hier aber nicht in jedem Fall gleich Hopfen und Malz verloren ist, sondern sich mit der richtigen Medizin durchaus so mancher Verlust wieder rückgängig machen lässt, nur eben nicht mit den Bordmitteln von Windows und OSX, geht es in diesem Testbericht also ausnahmsweise mal nicht um elektronische Klangerzeugung oder -manipulation, sondern um einen Rettungsanker für die wertvollen Dateien im rechnerbewehrten Studio (und natürlich nicht nur dort).


Krankheitsbild…

Wohl dem, der stets ein Backup all seiner wichtigen Daten parat hält, das sollte eigentlich auch zur Pflichtübung aller Computermusikanten zählen (hier ein Tipp: siehe Link ganz unten), allein die Wirklichkeit sieht jedoch häufig anders aus: Backups und Images werden wider besseren Wissens nicht häufig oder regelmäßig genug erstellt, ob dies nun aus Zeitgründen oder aus reiner Faulheit geschieht (auch der Autor dieser Zeilen kann sich hier ehrlicherweise nicht völlig freisprechen…), ist aber bei einem tatsächlichen Datenverlust eigentlich auch einerlei.

Im besten Fall ist das Ganze dann einfach nur ärgerlich, wer aber die Computermusik nicht nur als reines Hobby betreibt, für den kann es unter Umständen auch richtig teuer werden, wenn wichtige Projektdateien, PlugIns, Samples, Artwork oder meinetwegen auch Emails mit Buchungsanfragen sowie irgendwelche steuerlich relevante Daten unerwartet und unwiederbringlich über die Wupper wandern.

Der Verfasser durfte bereits mehrfach unfreiwillige Erfahrungen mit verschiedenen USB-Sticks und SSDs machen, die noch am Vortag oder sogar nur wenige Stunden zuvor einwandfrei funktionierten, um dann bei einem erneuten Zugriff darauf ohne jegliche Vorwarnung „toter Mann“ zu spielen.

Eine Windows-Meldung, die sich niemand wünscht...
Eine Windows-Meldung, die sich niemand wünscht…

Erst vor wenigen Wochen behaupte Windows mal wieder steif und fest bei einem meiner Speichersticks, dass dieser angeblich kein Dateisystem enthalte und daher erst formatiert werden müsse. Die windowseigene Datenträgerverwaltung wies die Partition als RAW aus. Der Stick war über Nacht am USB-Port meines Büro-Laptops eingesteckt gewesen, und anscheinend hatte der plötzliche Spannungsverlust beim Übergang in den Ruhemodus gleich die komplette Dateizuordnungstabelle oder was auch immer mit ins Nirwana gerissen.

Ähnliches ist mir auch schon mal mit einem anderen Stick passiert, der zur MP3-Wiedergabe im USB-Port in der Mittelkonsole meines Autos steckte. Nach einem kurzen Parken und anschließendem Wiederantritt der Fahrt bestand das (übrigens offenbar mit einer Windows-Variante ausgestattete…) Autoradio darauf, dass sich kein Datenträger zur Wiedergabe mehr in besagtem Port befände. Eine tödliche Spannungsspitze von der Lichtmaschine?

Sogar die externe SSD an unserem Studio-Notebook, auf der u.a. sämtliche Plugins installiert waren, begrüßte uns vor einigen Jahren nach dem Rechnerstart mit gähnender Leere. Ich konnte damals zwar den Inhalt der PlugIn-SSD unseres Desktoprechners per Disk-Cloning darauf kopieren, aber da beide SSDs nicht identisch bestückt waren, fehlten dann trotzdem erstmal noch allerlei PlugIns auf dem Notebook und mussten manuell nachinstalliert werden.

Hier sollte man unbedingt ABRECHEN wählen!
Hier sollte man unbedingt ABRECHEN wählen!

Zurück zum oben erwähnten USB-Stick, der immer noch hier liegt. Auf den grenzdebilen Vorschlag von Windows, erstmal eine Formatierung durchzuführen, bin ich natürlich nicht eingegangen, denn damit hätte sich die Chance, doch wieder an die Daten zu gelangen nicht unbedingt erhöht!Also habe ich mein Glück einmal mit diversen Rettungstools versucht, nach Empfehlungen aus dem Web zunächst mit den beiden Freeware-Programmen TESTDISK und RECUVA. Beide hatten leider kein Erfolg mit dem Stick. Während TESTDISK einige Zeit herumrödelte, um dann zu vermelden, dass es auf dem Stick nichts zum Wiederherstellen finden könne, monierte RECUVA gleich nach dem Start, dass kein Dateisystem auf dem Laufwerk vorhanden sei. Ach ja…?


Traditionelle Chinesische Medizin…

Nach einer weiteren kurzen Recherche stieß ich dann auf das vielerorts beworbene Programm DATA RECOVERY WIZARD FREE der in China beheimateten Softwarefirma EaseUS und beschloss, diesem auch noch eine Chance zu geben, bevor ich die Daten auf dem Stick endgültig abschrieb.

Ich muss ja gestehen, dass ich anfangs gewisse Ressentiments hegte, da China nun mal eben nicht unbedingt als das Herkunftsland hochwertiger Softwareprodukte bekannt ist und ich in der Vergangenheit vornehmlich Begegnungen mit eher fragwürdigen Programmen hatte, die als Beigabe zu billiger chinesischer PC-Hardware geliefert wurde. Doch selbstverständlich kommt aus China nicht nur mieser Schrott, dort erblicken inzwischen längst durchaus auch hochwertige Produkte das Licht der Welt (das meiste an elektronischem Equipment nicht nur in meinem Studio dürfte wohl von dort stammen, darunter auch viele liebgewonnene Gerätschaften).

EaseUS DATA RECOVERY WIZARD FREE
EaseUS DATA RECOVERY WIZARD FREE

Also flugs die Vorurteile über Bord geworfen und die Freeware-Version des EaseUS DATA RECOVERY WIZARD installiert! EaseUS ist nach eigenen Angaben bereits seit 2004 auf dem Markt und hat seinen Fokus auf die Entwicklung von Software zum Transfer, zur Synchronisation, zur Sicherung und Wiederherstellung von Daten sowie zum Partition-Management für diverse Betriebssystemplattformen gelegt. Das Unternehmen verfügt sogar über eine deutschsprachige Webseite, und auch die angebotenen Programme liegen u.a. in deutscher Lokalisation vor.

Wer der deutschen Rechtschreibung einigermaßen mächtig ist, der wird sicherlich den einen oder anderen kleinen Übersetzungsfehler in den Programmen oder auf der Webseite entdecken, doch erstens gehen diese typografischen Eigenheiten zum Glück nicht soweit, dass dadurch der Sinn völlig entstellt wird (da habe ich schon weitaus befremdlichere Computerübersetzungen aus dem Chinesischen erlebt, die von unfreiwillig komisch bis hin zu völlig unverständlich reichten), und zweitens wage ich sogar zu behaupten, dass dies einer nicht unbeträchtlichen Anzahl an deutschen Muttersprachlern gar nicht auffallen dürfte, da ihr eigenes orthografisches und grammatikalisches Vermögen deutlich rudimentärere Ausmaße annimmt, wer schon mal eine bekannte Kleinanzeigenseite besucht hat, der mag meine Aussage sicher nachzuvollziehen. 😉

Doch ich schweife ab… Zurück zu unserem Testkandidaten EaseUS DATA RECOVERY WIZARD. Dieser ist für Windows und für OS X erhältlich, ich habe hier ausschließlich die erstere Version verwendet und getestet, welche mit den Betriebssystemen Windows XP, Vista, 7, 8, 8.1 und 10 und darüber hinaus noch mit Windows Server 2003, 2008, 2012 sowie 2016 zusammenarbeitet.

Unterstützt werden im Prinzip alle Datenträger und Speichermedien mit einem der Dateisysteme FAT12, FAT16, FAT32, exFAT, NTFS, NTFS5, ext2/ext3, HFS+ und ReFS.

Die Systemanforderungen des DATA RECOVERY WIZARD sind erfreulich gering, eine x86 CPU mit nur 500 MHz Taktfrequenz sowie 128 MB RAM-Speicher reichen bereits aus, auf der Festplatte werden auch nur 32 MB an Speicherplatz fällig. Damit lässt sich das Programm auch auf sehr alten Rechnern oder schwachbrüstigen Netbooks verwenden.

Vom EaseUS DATA RECOVERY WIZARD existieren insgesamt vier verschiedene Version, die sich im Funktionsumfang und natürlich auch im Preis unterscheiden. Neben dem kostenlosen DATA RECOVERY WIZARD FREE, der maximal 2 GB an Daten wiederherzustellen vermag und zu dem EaseUS auch keinerlei technischen Support gewährt, gibt es noch den hier getesteten DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL, bei dem die wiederherstellbare Datenmenge unbegrenzt ist und der lebenslange kostenlose Updates sowie einen kostenfreien Support beinhaltet.

Gegen einen Aufpreis ist dann noch der DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL + WinPE erhältlich, mit dem sich zusätzlich noch ein bootbares Notfallmedium erstellen lässt, was insbesondere dann praktisch ist, wenn Daten von einer eingebauten Festplatte gerettet werden müssen und das Betriebssystem des Rechners nicht mehr starten will (oder es sich dabei gar nicht um ein Windows-OS handelt).

Zu guter Letzt wird auch noch der DATA RECOVERY WIZARD TECHNICIAN feilgeboten, der deutlich teurer ist, dafür dann aber auch nicht lediglich eine Einzelplatz-Lizenz, sondern eine Lizenz für kommerzielle Datenrettungsdienste bietet, die damit das Programm auch auf den Rechnern ihrer Kunden benutzen können.

In meinem Fall hatte ich zunächst die Freeware-Variante installiert und diese erst später mit einem Lizenzschlüssel, den EaseUS mir freundlicherweise für diesen Testbericht zur Verfügung gestellt hat, nachträglich zur PROFESSIONAL-Variante umgewandelt. Eine Neu-Installation wurde somit praktischerweise nicht notwendig. Um die PROFESSIONAL-Version mit dem erworbenen Lizenzschlüssel freischalten zu können, wird einmal mehr eine Internetverbindung zwingend vorausgesetzt, das Programm schaut offenbar auf den EaseUS-Servern nach, ob die (Einzelplatz-)Lizenz bereits auf einem anderen Rechner aktiviert wurde. Ein Offline-Aktivierung ist somit also leider nicht möglich.

EaseUS DATA RECOVERY WIZARD FREE Upgrade-Fenster
EaseUS DATA RECOVERY WIZARD FREE Upgrade-Fenster

Es empfiehlt sich logischerweise sehr, den DATA RECOVERY WIZARD nicht etwa auf dem Laufwerk zu installieren, auf dem sich die zu rettenden Dateien befinden, den jeder weitere Schreibzugriff auf das Speichermedium vergrößert die Gefahr, dass eben genau diese Dateien dabei überschrieben und damit dann irreparabel korrumpiert werden!

Übrigens, der DATA RECOVERY WIZARD FREE bietet direkt nach der Installation ein Datenvolumen von lediglich 500 MB zur Wiederherstellung an. Nachdem man aber im Menü einen der Buttons zum Teilen auf den üblichen sozialen Netzwerken geklickt hat, wird dieses Volumen auf insgesamt 2 GB angehoben.

EaseUS merkt hierzu an, dass man aus Gründen des Privatsphärenschutzes nicht überprüfe, ob der Nutzer sich dann tatsächlich aktiv bei Fakebook und Co. zum DATA RECOVERY WIZARD äußere, das Programm registriere bloß, ob einer der Buttons angeklickt wurde und schalte dann die zusätzlichen 1,5 GB frei.

Das dies der Wahrheit entspricht, vermag ich zu bestätigen, denn ich bin bei keinem der aufgeführten Social Tracking Networks, noch bei irgendeinem anderen registriert und habe nach einem Mausklick dennoch das volle Volumen von 2 GB erhalten… 😉


Sprechstunde…

Zum Test musste der besagte USB-Stick, ein Modell mit 8 GB Speicherplatz, herhalten. Nach jedem Anstecken moppert Windows erneut herum, dass sich darauf kein Dateisystem befinde, und bietet an, eine Formatierung durchzuführen. Die Hinweisfenster kann man getrost schließen. Stattdessen startet man den DATA RECOVERY WIZARD, den die Meinung von Windows in diesem Punkt herzlich wenig interessiert.

EaseUS DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL
EaseUS DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL

Nach dem Start präsentiert das Programm eine sehr aufgeräumte und übersichtliche Bedienoberfläche, die eigentlich keine Rätsel aufgibt. Hier werden alle aktuell angeschlossenen Speicherlaufwerke angezeigt, so auch der USB-Stick der in meinem Fall den Laufwerksbuchstaben „F“ erhalten hat (er wird hier schlicht als „Lokale Festplatte“ bezeichnet).

Nachdem man das zu untersuchende Laufwerk ausgewählt hat, reicht ein Klick auf den SCAN-Button unten rechts, und der DATA RECOVERY WIZARD beginnt mit der Analyse des Datenträgers.

EaseUS DATA RECOVERY WIZARD beim Tiefenscan
EaseUS DATA RECOVERY WIZARD beim Tiefenscan

Noch während diese im Gange ist, werden bereits die ersten Ergebnisse in Form gefundener Ordner und Dateien angezeigt. Wer darunter schon die gesuchte Datei entdeckt hat, der kann den Scan-Prozess an dieser Stelle auch vorzeitig abbrechen und sich gleich der Wiederherstellung widmen.

Wer noch nicht fündig geworden ist oder sowieso alle verlustig gegangenen Daten auf dem Speichermedium aufspüren möchte, der sollte das Ende des Tiefenscans abwarten, der sich je nach Größe des Datenträgers durchaus auch schon mal etwas hinziehen kann. Bei meinem 8 GB-Stick beispielsweise vergingen einige Minuten.

Seltsamerweise zählte die kleine Uhr unten links, welche die verbleibende Zeit anzeigt, bei mir im Test immer von 1:00 Minute herunter, um dann bei deren Ablauf wieder zurück auf 1:00 Minute zu springen, diese erneut herunter zu zählen usw. Das ist aber natürlich bloß ein kleiner Schönheitsfehler. Ein dünner, blauer Balken am unteren Rand des Programms gibt darüber Auskunft, wie weit der Scan-Prozess tatsächlich fortgeschritten ist.

Der DATA RECOVERY WIZARD hat jede Menge gefunden...
Der DATA RECOVERY WIZARD hat jede Menge gefunden…

Nach Abschluss des Analyse-Vorgangs erfolgt eine kurze Rückmeldung, anschließend wird eine Auflistung aller Ordner und Dateien präsentiert, die der DATA RECOVERY WIZARD auf dem Speichermedium ausfindig machen konnte.

Scanergebnisse lassen sich auch abspeichern.
Scanergebnisse lassen sich auch abspeichern.

Das Programm bietet auch an, diese Scanergebnisse abzuspeichern, um so die Wiederherstellung erst zu einem späteren Zeitpunkt ohne erneuten Tiefenscan durchführen zu können. Eine gute Idee! Wenn man den DATA RECOVERY WIZARD vor der Wiederherstellung beendet, dann fragt dieser zudem sicherheitshalber noch mal nach.


Antlitzdiagnose…

Bevor man nun die Wiederherstellung der gefundenen Daten einleitet, bietet der DATA RECOVERY WIZARD die Möglichkeit, das Material vorab zu sichten. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man es mit großvolumigen Datenträgern, die dementsprechend viele Dateien beherbergen können, zu tun hat. Denn möglicherweise möchte man ja gar nicht alle Dateien darauf retten, sondern nur eine ganz bestimmte Auswahl.

Die gefundenen Verzeichnisse und Dateien werden im Programmfenster nach Art der Windows-Explorers präsentiert. Hierbei stellt der DATA RECOVERY WIZARD verschiedene Ansichten bereit. Der erste Reiter, der den Namen des Laufwerks anzeigt, in meinem spezifischen Fall also mit VERLORENE PARTITION betitelt ist (weil sich eben eine solche auf meinem USB-Stick befindet), listet den Inhalt so weit wie möglich nach der ursprünglichen Verzeichnisstruktur des Datenträgers auf. So weit wie möglich deshalb, weil es durch bereits vorhandene Beschädigungen natürlich auch zu gewissen Abweichungen kommen kann, etwa bei Ordner- und Dateinamen.

Die Scanergebnisse können nun durchforstet werden.
Die Scanergebnisse können nun durchforstet werden.

So hat die Verzeichnisstruktur auf meinem Stick offensichtlich einen derart heftigen Schlag erlitten, dass dabei viele der ursprünglichen Ordnernamen zerstört wurden und daher vom DATA RECOVERY WIZARD durch die Platzhalter DIR0, DIR1, DDIR2 usw. ersetzt werden mussten. In anderen Fällen werden aber durchaus auch die originalen Ordnernamen verwendet, sofern noch vorhanden. So befanden sich innerhalb der gerade erwähnten DIR-Verzeichnisse allesamt die ursprünglichen Unterordner mit ihrem korrekten Namen. Das galt ebenso für die wiederum darin erhaltenen Dateien.

Wer sich den Screenshot oben genauer ansieht, dem dürfte auffallen, dass das Programm 10.62 GB an gefundener Datenmenge anzeigt. Das ist natürlich viel mehr, als auf dem 8 GB großen Stick überhaupt Platz vorhanden ist. Die Erklärung für diese vermeintliche Unstimmigkeit ist schnell gefunden: Der DATA RECOVERY WIZARD hat nicht nur die Daten gefunden, die ich zuletzt bis zum Daten-GAU auf dem Stick gespeichert hatte, sondern auch noch viel ältere Dateien, die ich früher mal dort drauf und die ich zuvor dann selbst gelöscht hatte, um den Stick wieder frei zu bekommen…

Selbstverständlich sind nicht mehr alle diese Dateien unversehrt und nach wie vor benutzbar geblieben, denn logischerweise wurde ein guter Teil davon irgendwann wieder überschrieben, aber es ist schon interessant, was der DATA RECOVERY WIZARD alles auf einem von Windows als unformatierten ausgewiesenen Datenträger tatsächlich wiederzufinden vermag!

Der DATA RECOVERY WIZARD bietet auch Dateifilter.
Der DATA RECOVERY WIZARD bietet auch Dateifilter.

Der Menüreiter RAW U. ANDERE zeigt die Ergebnisse des Tiefenscans an und listet die gefundenen RAW-Dateien nach ihrem Typ auf, also zum Beispiel PDF, HTML, MP4, JPEG und so fort. EaseUS gibt an, dass der DATA RECOVERY WIZARD mehr als 1000 Dateitypen wiederherzustellen vermag und listet exemplarisch zahlreiche Datei-Erweiterungen aus verschieden Bereichen auf.

Dokumente: DOC/DOCX, XLS/XLSX, PPT/PPTX, PDF, CWK, HTML/HTM, INDD, EPS, etc.

Bilddateien: JPG/JPEG, TIFF/TIF, PNG, BMP, GIF, PSD, CRW, CR2, NEF, ORF, SR2, MRW, DCR , WMF, RAW, SWF, SVG , RAF, DNG, etc.

Videodateien: AVI, MOV, MP4, M4V, 3GP, 3G2, WMV, MKV, ASF, FLV, SWF, MPG, RM/RMVB, MPEG, etc.

Audiodateien: AIF/AIFF, M4A, MP3, WAV, WMA, APE, MID/MIDI, RealAudio, VQF,FLV, MKV, MPG, M4V, RM/RMVB, OGG, AAC, WMV, APE, etc.

Emaildateien: PST, DBX, EMLX, etc.(von Outlook, Outlook Express, etc.

Andere Dateien: z.B. Archivdateien (ZIP, RAR, SIT, ISO etc.), EXE, HTML, SITX, etc.

Doch das Programm stellt ebenfalls Dateitypen wieder her, die sich jetzt nicht unbedingt unter den vorgenannten Extensions befinden sollten, wie ich es etwa mit verschiedenen Projektdateien diverser DAW-Programme oder auch REX2-Files getestet habe (um damit den Bogen wieder zurück zum Thema Musikproduktion zu schlagen…).

EaseUS DATA RECOVERY WIZARD: Fortgeschrittener Filter
EaseUS DATA RECOVERY WIZARD: Fortgeschrittener Filter

Gängige Dateitypen lassen sich via Filter-Menü auch vorab selektieren, der DATA RECOVERY WIZARD zeigt dann auch nur diese an. Wer möchte, der kann diese Filterung auch noch auf weitere Attribute ausdehnen, wie etwa der Modifikationszeit, der Dateigröße oder dem Anfangsbuchstaben des Dateinamens.

Viele der gefundenen Dateitypen lassen sich zudem noch vor einer Wiederherstellung mittels der integrierten Vorschaufunktion des DATA RECOVERY WIZARD ansehen bzw. anhören. So kann man sich bereits in diesem Stadium einen Überblick darüber verschaffen, ob man die entsprechende Datei überhaupt noch benötigt und dafür auch den erforderlichen Speicherplatz bereithalten möchte.

Dateivorschau eines MP4-Videos
Dateivorschau eines MP4-Videos

Auf meinem angeblich leeren USB-Stick hatte der DATA RECOVERY WIZARD nicht nur die diversen Treiber und Tools, die ich zuletzt zwecks Neueinrichtung meines Laptops darauf abgelegt hatte, wiedergefunden, sondern auch noch ein gutes Dutzend an früher mal darauf gespeicherten Film-Dateien, die ich längst wieder gelöscht hatte, aber offenbar dann doch nicht ganz so „unwiderruflich“ wie von Windows stets in der Löschbestätigungs-Box behauptet … 😉

Bis auf einen einzigen, ganz alten Clip, der inzwischen wohl durch späteres Überschreiben korrumpiert worden war (aber dennoch vom DATA RECOVERY WIZARD gefunden wurde), ließen sich alle diese Filmchen noch mit der Vorschaufunktion des Programms ansehen!

Manchmal ist eine Vorschau aus technischen Gründen nicht möglich.
Manchmal ist eine Vorschau aus technischen Gründen nicht möglich.

Zwar kam es im Test auch das eine oder andere Mal vor, dass sich eine aufgelistete Datei der Vorschau partout entzog, etwa weil der DATA RECOVERY WIZARD das entsprechende Dateiformat nicht kannte, aber auch in einem solchen Fall ist es möglich, dass diese Datei dann nach der Wiederherstellung vom dazugehörigen Programm ganz normal lesbar ist, solange sie nicht schon vorher beschädigt war.


Therapiesitzung…

Wenn man schließlich alle benötigten Ordner und Dateien aus den vorhandenen Fundstücken oder wahlweise auch den kompletten Inhalt des Speichermediums (dessen Volumen je nach Größe des Datenträgers natürlich enorm ausfallen kann, daher sollte man sich gegebenenfalls auf das Wesentliche beschränken!) ausgewählt hat, dann kann es endlich an die Wiederherstellung gehen.

Eine Betätigung des dazu zuständigen Buttons rechts unten öffnet ein Dateiauswahlmenü, mit dem man den Speicherort für die zu rettenden Daten definiert. Logischerweise wählt man hier ein anderes Laufwerk als das, auf dem sich die Quelldateien befinden, zudem muss am Zielort natürlich auch noch ausreichend freier Speicherplatz vorhanden sein.

Fragen kostet nichts...
Fragen kostet nichts…

Sinnvollerweise gibt der DATA RECOVERY WIZARD eine Warnmeldung, wenn man eine Datei selektiert hat, die offenkundig defekt zu sein scheint, lässt einem dabei aber immer noch die Wahl, diese dennoch wiederherzustellen.

Es spricht übrigens auch nichts dagegen, eine Wiederherstellung zunächst nur mit einem Teil der Daten durchzuführen, um weitere Dateien dann später auf andere Datenträger zu verteilen, hierbei ist die Speichermöglichkeit der Scanergebnisse von besonderem Vorteil.

Die Wiederherstellung ist im Gange.
Die Wiederherstellung ist im Gange.

Nach Auswahl und Bestätigung des Zielortes beginnt der Wiederherstellungsversuch des Programms, je nach Menge und Größe der Dateien, aber auch der Datenrate und der Schreibgeschwindigkeit des gewählten Speichermediums kann dieser Vorgang längere Zeit in Anspruch nehmen, ein Fortschrittsbalken hält einem hierbei auf dem Laufenden.

Hurra, wir leben noch! :-)
Hurra, wir leben noch! 🙂

Den Abschluss des Rettungsversuchs quittiert der DATA RECOVERY WIZARD dann mit einer gesonderten Mitteilung unter Angabe des Speicherorts. Fertig! Im Zielverzeichnis finden wir nun einen neuen Ordner mit der Bezeichnung RECOVERED DATA sowie dem Datum und der Uhrzeit seiner Erstellung vor. Darin wiederum befinden sich dann die weiteren Unterordner mit ihren Dateien.

EaseUS DATA RECOVERY WIZARD: Nach getaner Arbeit...
EaseUS DATA RECOVERY WIZARD: Nach getaner Arbeit…

Von meinem Stick konnte ich tatsächlich alle jüngeren Dateien, auf die es mir ankam, wieder zurück an die Sonne bringen, zudem habe ich testweise auch einige der Files, die ich als gelöscht gewähnt hatte wiederhergestellt, der ein guter Anteil davon, der vorher noch nicht dem zumindest teilweise Überschreiben durch andere Daten zum Opfer gefallen war, war ebenfalls noch intakt. Lediglich derart korrumpierte und defekte Daten vermag auch der DATA RECOVERY WIZARD logischerweise nicht wiederherzustellen, dass schafft im Übrigen auch niemand!

Aus reiner Neugier habe ich zum Abschluss den selben Stick noch mal mit dem Freeware-Programm QPHOTOREC, welches zu TESTDISK mitgeliefert wird, durchforsten lassen. Dieses fand zwar ebenfalls recht viele Dateien, allerdings weitaus weniger, zudem landeten diese nach der Wiederherstellung einfach der Reihe nach mit kryptischen

Dateinamen à la F01234567.mp3 in einem Ordner. Der Anwender darf dann also erstmal selbst alle Files von Hand durchgehen, um herauszufinden, was sich genau dahinter befindet. Danach darf man dann auch noch alles umbenennen. Eine zeitraubende Strafarbeit, wenn es sich dabei etwa um einen Digitalfotospeicher, den kompletten MP3-Ordner eines DJ-Programms oder eine umfangreiche Loop-Sammlung handelt… Beim DATA RECOVERY WIZARD bleibt einem so etwas größtenteils erspart!


Zweite Meinung…

Bisher hatte ich ja ausschließlich meinen oben erwähnten und USB-Stick mit seiner verlustig gegangenen Partition und einem weitläufig zerstörtem Dateisystem zum Test herangezogen. Zum Vergleich habe ich danach aber auch noch mal einen zweiten, zuvor gründlich formatierten Stick mit diversen Dateien unterschiedlichen Typs befüllt, die ich im Anschluss dann gleich wieder manuell gelöscht habe.

Eine Tüte Buntes vor dem Löschen...
Eine Tüte Buntes vor dem Löschen…

Darunter befanden sich beispielsweise auch Projektdateien der DAW-Programme CUBASE, MIXCRAFT sowie ENERGY XT, darüber hinaus auch ein REX2-Loop, je eine MIDI- und eine SysEx-Datei, ein OpenOffice-Dokument, ein WAV-File, ein portables Programm usw.

Diesen derart präparierten USB-Stick habe ich anschließend dem DATA RECOVERY WIZARD zum Fraß vorgeworfen, wieder einen kompletten Tiefenscan durchlaufen lassen und danach alle Fundstücke wiederherstellen lassen.

...und nach der Wiederherstellung.
…und nach der Wiederherstellung.

Auch das Ergebnis dieser Aktion konnte sich sehen lassen. Wie man aus dem Screenshot ersehen kann, wurden nicht nur alle Dateien wiederhergestellt, es fanden sich hinterher sogar vier weitere Files im Zielordner (die im Screenshot markierten Dateien).

Während zwei davon bloß Varianten anderer Dateien auf dem Stick waren, die ich umbenannt, aber nicht gelöscht hatte (ZIP und PDF), war eine vor dem Versuch gelöschte Datei (EXE) unbeschädigt und lauffähig, und lediglich eine große WAV-Datei, bei der ich den Kopiervorgang vorzeitig abgebrochen hatte, die somit also auch nie vollständig auf dem Stick gelandet war, konnte nicht mehr geöffnet werden (logisch, das war ja auch nur Datenschrott!).

Alle anderen Dateien jedoch ließen sich auch nach dieser mutwilligen Aktion klaglos wieder öffnen bzw. von den entsprechenden Programmen lesen. Das MIXCRAFT-Projekt, das nicht nur aus einer einzelnen Datei bestand, sondern aus einem kompletten Ordner mit mehreren Dateien darin, wurde ebenfalls in seiner ursprünglichen Struktur wiederhergestellt, so dass auch hier keinerlei Nacharbeit erforderlich wurde.

Nur bei drei der Dateien war nach der Wiederherstellung der Anfangsbuchstabe ihres Namens durch ein # ersetzt worden, warum auch immer. Doch auch diese Dateien waren ansonsten völlig intakt. So muss dass sein, Daumen hoch!


Fazit:

Auch der DATA RECOVERY WIZARD ersetzt natürlich keine regelmäßige Datensicherung und Backups (dazu gibt es von EaseUS ein anderes, kostenloses Programm, siehe Link ganz unten), das will er auch gar nicht, aber im Ernstfall ist er mehr als hilfreich, wenn es darum geht, wichtige Dateien, von denen keine Sicherheitskopie mehr existiert, erfolgreich von den Toten wiederzuerwecken.

In meinem Test konnte er sich gegen die oben genannten kostenlosen Mitbewerber durchsetzen, insbesondere bei RAW-Datenträgern mit einer zerschossenen Partition. Der Löwenanteil der Daten darauf wurde in meinem Fall wieder hergestellt, und zwar größtenteils sogar mit korrekten Verzeichnis- und Dateinamen.

Die interne Vorschaufunktion hilft dabei, schon mal vorab den Weizen von der Spreu zu trennen, die wichtigsten Dateitypen und noch einige mehr werden bereits vor der Wiederherstellung erkannt und angezeigt.

Die Freeware-Version vermag zwar nur bis zu 2 GB wiederherzustellen, vielen mag dies in einem Notfall vielleicht auch schon reichen, zur Rettung größerer Datenmengen ist dann eben der DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL fällig, der derzeit für 66,69 Euro feilgeboten wird, ein Preis, der oftmals immer noch deutlich unter dem Wert der verlorengegangenen Daten liegen dürfte, insbesondere im professionellen Bereich. Ein kommerzieller Datenrettungsservice kommt hier sicherlich teurer.

Fairerweise erlaubt bereits die kostenlose Version DATA RECOVERY WIZARD FREE festzustellen, ob und welche Dateien auch von Datenträgern jenseits des 2 GB-Limits gerettet werden könnten, bevor man zur kostenpflichtigen Variante greift, man muss hier also nicht etwa die Katze im Sack kaufen!

Wer sich an der Einzelplatz-Lizenz stört, weil er sich nicht auf einen einzelnen Rechner festlegen möchte, für den kommt wohl eher die Version DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL + WinPE in Frage, mit der zusätzlich ein bootbares Notfallmedium erzeugt werden kann, dass sich dann auf allen Rechnern starten lässt. Dafür werden derzeit 95,14 Euro fällig.


Positives:

+ sehr gut funktionierende Datei-Wiederherstellung

+ arbeitet auch mit RAW-Datenträgern und verlorenen Partitionen

+ Datei- und Ordnernamen bleiben größtenteils erhalten

+ interne Vorschaufunktion für viele Dateitypen

+ Scanergebnisse können abgespeichert werden

+ stabiler und zuverlässiger Betrieb

+ sehr geringer Ressourcenbedarf

Negatives:

– keine Offline-Aktivierung möglich

– Lizenz nur für 1 Rechner gültig


Produktwebseite: 

EaseUS DATA RECOVERY WIZARD PROFESSIONAL 12.8

Freeware-Version: 

EaseUS DATA RECOVERY WIZARD FREE

Tutorial:  

Wiederherstellung gelöschter Dateien

Kostenlose Backup-Software zur Datensicherung:  

EaseUS TODO BACKUP FREE

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