Testbericht: CHERRY AUDIO MINIVERSE – Mini-Me Too

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 17.05.2022

Nachtrag vom 11.06.2022: Ich habe gerade mitbekommen, dass CHERRY AUDIO das ursprünglich als MINIMODE veröffentlichte Plugin inzwischen in MINIVERSE umbenannt hat, warum auch immer. Ich habe daher den folgenden Testbericht ebenfalls entsprechend angepasst. Auf den Screenshots ist aber nach wie vor der alte Name zu sehen.

Ich muss gestehen, dass eine MINIMOOG-Emulation so ziemlich das Letzte war, was ich nach der kürzlich erfolgten Ankündigung eines neuen Plugins von CHERRY AUDIO erwartet hatte. Es ist ja nun auch nicht gerade so, dass sich nicht schon andere namhafte Software-Firmen daran versucht hätten, tatsächlich gibt es sogar bereits mehr davon auf dem Markt, als ich mit einer Hand aufzuzählen vermag, darunter einige sehr gute. Aber vielleicht hat der Kandidat von CHERRY AUDIO ja was auf dem Kasten, das ihn von den bisherigen Versuchen, einen MINIMOOG virtuell nachzuahmen, positiv abhebt? Lassen wir uns also überraschen.

MOOG MINIMOOG
MOOG MINIMOOG

Über den MINIMOOG selbst muss ich wohl nicht mehr viel schreiben, steht dieses vor über einem halben Jahrhundert erschienene und an unzähligen Musikstücken beteiligte Instrument doch wie kaum ein anderes für den Begriff „Analog-Synthesizer“ und erfreut sich ob seines Klangs der Sorte Vollfettstufe nach wie vor eines ungebrochenen Interesses, das die Preise für Gebrauchtgeräte in luftige Höhen getrieben und zudem allerlei Nachahmer auf den Plan gerufen hat.

Selbst die Firma MOOG selbst hat vor einigen Jahren eine Neuauflage veröffentlicht, zu einem Preis, den vermutlich nur wenige Interessenten aus der Portokasse zu entnehmen vermochten. Die Low-Budget-Varianten aus dem Hause BEHRINGER rannten daher so manche offene Tür ein, bei mir ebenfalls. Dennoch spricht so manches durchaus auch für ein Plugin, beispielsweise die Möglichkeit zur Speicherung von Klängen, die Reduktion von Kabeln oder eine optionale Polyphonie.


Allgemeinplätze…

Fangen wir wieder einmal mit den grundlegenden Eigenschaften des Plugins abseits seiner spezifischen Klangarchitektur an. Diese unterscheidet sich prinzipiell nicht von denen früherer Synthesizer aus dem Hause CHERRY AUDIO, abgesehen von einer kleinen Neuigkeit im Bereich der MIDI-Learn-Funktion, dazu gleich mehr.

Wie schon seine Geschwister, ist auch MINIVERSE nur als 64-Bit-Plugin verfügbar, das dürfte heutzutage aber wohl kaum jemand mehr enttäuschen. Ab WINDOWS 7 beziehungsweise ab macOS 10.9 ist man dabei, auch die neuesten Versionen dieser beiden Betriebssysteme werden unterstützt. Auf M1-Prozessoren läuft MINIVERSE ebenfalls, und zwar nativ.

Es existiert wieder eine Standalone-Version, darüber hinaus werden die Plugin-Formate VST2, VST3, AAX sowie AU angeboten, ich habe jedoch lediglich die VST-Plugins des MINIVERSE installiert und getestet. Meine Testumgebung besteht aus einem stationären Rechner mit i7-4790K-CPU (4 x 4,0 GHz) und 16 GB RAM, der wahlweise mit WINDOWS 7 oder WINDOWS 10 läuft.

Einmal mehr muss ich einen kleinen Minuspunkt bezüglich der Installations- und Aktivierungs-Prozedur vergeben, denn CHERRY AUDIO besteht dabei auch beim MINIVERSE auf eine Internetverbindung, und die ist nun mal nicht unbedingt in jedem Studio vorhanden,auch wenn das in unseren Zeiten für den einen oder anderen überraschend erscheinen mag. Ich selbst erlaube meinem Studiorechner jeweils nur temporär den Zugang zum Netz, eben für solche Aktivierungsgeschichten, und begrüße es immer, wenn ein Hersteller auch zumindest alternativ eine Offline-Aktivierung anbietet.

Bei CHERRY AUDIO ist der Internetzugang allerdings auch bereits für die reine Installation vonnöten, da hierbei noch diverse Daten nachgeladen werden. Möchte man den MINIVERSE anschließend freischalten, so sollte man die Zugangsdaten in Form von Email-Adresse und Passwort bereithalten, mit denen man sich auch in seinen Online-Account bei CHERRY AUDIO anzumelden pflegt. Ohne eine derartige Freischaltung verbleibt MINIVERSE in einem dreißigtägigen Demo-Modus, in dem zwar alle Funktionen verfügbar sind, jedoch immer wieder mal ein Rauschen als Störsignal ertönt.

CHERRY AUDIO MINIMODE
CHERRY AUDIO MINIVERSE

Bei der (skalierbaren) Bedienoberfläche des Plugins hat sich CHERRY AUDIO sich bis auf wenige Ausnahmen ziemlich genau am MINIMOOG orientiert. Das betrifft sowohl Farbe, Form und Anordnung der Bedienelemente als auch den Font für die Beschriftungen. Löblicherweise haben die Designer aber auf ein fotorealistisches GUI verzichtet, ich finde diese nämlich zumeist suboptimal, insbesondere wenn man dabei auch noch Schatten, Lichtreflexionen und dergleichen zu imitieren versucht.

CHERRY AUDIO MINIMODE - mit aktiverter FOCUS-Funktion
CHERRY AUDIO MINIVERSE – mit aktiverter FOCUS-Funktion

Auch beim MINIVERSE gibt es eine FOCUS-Funktion, mit der sich einzelne Bereiche der Bedienoberfläche fensterfülllend vergrößern lassen, wenngleich diese bei einem derart übersichtlichen Plugin mit nur wenigen Reglern vielleicht nicht ganz so unabkömmlich ist.

Die Möglichkeiten, seinen bevorzugten MIDI-Controller zur bequemeren Steuerung mit dem MINIVERSE zu verbinden, sind ebenfalls wieder vorbildhaft. Man kann sämtliche getätigten Mappings auch im Nachhinein noch anpassen, unter anderem lässt sich für jedes Element getrennt der Regelbereich mit Minimal- und Maximalwerten definieren und sogar invertieren, zudem lässt sich auch seine Regelkurve mit der Maus stufenlos verbiegen, so dass hier neben linearen auch exponentielle und logarithmische Verläufe möglich sind.

CHERRY AUDIO MINIMODE - MIDI Learn
CHERRY AUDIO MINIVERSE – MIDI Learn

Wie oben schon erwähnt, gibt es in dieser Sektion eine kleine, aber feine Neuerung: Wer genau hinschaut, dem dürfte die hinzugekommene Spalte namens PRESET aufgefallen sein. Mit den hier vorhandenen Schiebeschaltern kann man für jede Zuordnung festlegen, ob sie global oder bloß für das jeweilige Preset gelten soll. Der aktuelle Status lässt sich dabei jederzeit ändern. Auf diese Weise können die Bedienelemente eines MIDI-Controllers bei dem einen Preset etwas völlig anderes regeln als bei dem anderen. Es ist zu vermuten, dass CHERRY AUDIO diese neue Funktion per Update auch in seine früheren Plugins einfließen lässt.

Selbstredend lässt sich der MINIVERSE auch mittels Parameter-Automation steuern, wer mag, der kann dazu auch das Mausrad verwenden, und die praktischen UNDO- und REDO-Funktionen fehlen ebenfalls nicht. Besitzer eines MPE-fähigen Controllers können diesen zusammen mit MINIVERSE verwenden.

CHERRY AUDIO MINIMODE - QWERTY Keyboard
CHERRY AUDIO MINIVERSE – QWERTY Keyboard

Aber auch ganz ohne MIDI-Eingabegerät lässt sich der MINIVERSE spielen, dem sogenannten QWERTY KEYBOARD sei Dank. Dieses wird wahlweise mit der Maus oder der alphanumerischen Tastatur bedient, neben Noten können damit auch diverse Kontrollwerte wie etwa Anschlagsdynamik, Pitch Bender oder Modulationsrad erzeugt werden.

CHERRY AUDIO MINIMODE - Settings
CHERRY AUDIO MINIVERSE – Settings

Das Settings-Menü des MINIVERSE folgt ebenfalls dem CHERRY AUDIO-Standard, verteilt sich auf drei Tabs (GENERAL, INTERFACE und ACCOUNT) und ermöglicht diverse Grundeinstellungen, beispielsweise in Bezug auf Darstellung und Bedienung, Zugangsdaten und Updates oder des Verzeichnisses für die Presets. Auch der MPE-Modus kann hier aktivert werden, sofern man über entsprechende Hardware verfügt.

CHERRY AUDIO MINIMODE - Preset-Browser
CHERRY AUDIO MINIVERSE – Preset-Browser

Die Verwaltung der Letztgenannten erfolgt wie gewohnt über den Preset-Browser, der dazu über Optionen wie thematische Kategorien, eine Suchfunktion sowie eine vom Anwender bestückbare Favoritenliste verfügt. Die altbekannte Pin-Funktion verhindert bei Aktivierung, dass sich das Browser-Fenster sofort wieder schließt, nachdem man ein Preset ausgewählt hat. Die Presets können innerhalb des Browsers auch mit Hilfe der Cursortasten ausgewählt werden.

CHERRY AUDIO MINIMODE - Oversampling-Optionen
CHERRY AUDIO MINIVERSE – Oversampling-Optionen

Zu guter Letzt finden wir noch ein kleines Pulldown-Menü, das sich bei Betätigung der Schaltfläche mit dem Q öffnet. Hierin lässt sich der Oversampling-Faktor anpassen, die Voreinstellung betröägt dabei stets 1x. Höhere Werte verbessern die Klangqualität und beugen Aliasing-Artefakten vor, stellen aber gleichzeitig auch etwas höhere Ansprüche an die CPU. Da der MINIVERSE jedoch insgesamt recht ressourcenschonend auftritt, fällt dies nicht weiter ins Gewicht. Im Test brachten auch 17 Instanzen parallel bei höchster Oversampling-Qualität meinen nun schon etwas betagteren Rechner noch lange nicht ins Schwitzen. Pluspunkt!


Ein Moog ist ein Moog ist ein Moog…

Wer die Klangarchitektur des MINIMOOG (oder die eines seiner zahlreichen Derivate) kennt, der kennt auch die des MINIVERSE, denn CHERRY AUDIO hat sich hier nahezu vollständig an die Vorgaben des Originals gehalten.

So gibt es die aus drei weitgehend identisch ausgestatteten Schwingkreisen bestehende OSCILLATOR BANK. Jeder Oszillator kann eine von sechs Wellenformen erzeugen. Zur Auswahl stehen Dreieck, eine Dreieck-/Sägezahn- Kombination (bzw. abfallender Sägezahn bei OSC 3 ), aufsteigender Sägezahn (alias Ramp), Rechteck sowie zwei Pulswellen mit verschiedener Weite.

Die Fußlagen können jeweils in Oktavschritten von 32′ bis 2′ eingestellt werden, hinzu kommt noch eine spezielle LO-Stellung, in welcher der Oszillator als LFO zu Modulationszwecken eingesetzt werden kann. Hierfür kann OSC 3 bei Bedarf auch komplett vom Keyboard entkoppelt und mit einer festen Tonhöhe betrieben werden, während OSC 1 und OSC 2 durch ihn und/oder den ebenfalls vorhandenen Rauschgenerator frequenzmoduliert werden können. OSC 2 und OSC 3 lassen sich zudem gegenüber OSC 1 und auch gegeneinander feinstimmen.

Im MIXER werden die Signale der drei Oszillatoren plus dem des Rauschgenerators (erzeugt weißes oder rosa Rauschen) und dem des Sidechain-Eingangs mit frei wählbarem Mischungsverhältnis zusammengeführt. Jede dieser genannten Klangquellen lässt sich auch komplett aus dem Signalweg entfernen.

SIDECHAIN übernimmt die Rolle des beim MINIMOOG vorhandenen Eingangs zur Bearbeitung externe Audiosignale. Zur Nutzung dieser Möglichkeit beim MINIVERSE, muss auch die verwendete die DAW mitspielen und entsprechende Routing-Optionen bereitstellen. Das ist leider nicht immer der Fall, kann dann aber natürlich nicht dem MINIVERSE angekreidet werden.

Alternativ zum Sidechain-Signal kann man auch FEEDBACK wählen. Dann verhält sich der MINIVERSE so, als ob man bei der Hardware das Audiosignal mittels Kabel vom Kopfhörerausgang wieder zurück in den External In geleitet hätte. Bei ARTURIA nennt sich so etwas übrigens BRUTE-Faktor…

CHERRY AUDIO MINIMODE - Synthese-Parameter
CHERRY AUDIO MINIVERSE – Synthese-Parameter

Vom Mixer gelangen die Signale der einzelnen Klangquellen nach dem Summieren in das Filter. Dieses ist logischerweise eine Nachbildung der moogschen Transistorkaskade, auch bekannt als Ladder-Filter. Grenzfrequenz (CUTOFF) und Resonanz, hier EMPHASIS genannt, sind regelbar, ebenso der Einfluss der Filter-Hüllkurve. Via Schalter kann darüber hinaus eine Modulation durch OSC 3 aktiviert werden.

Die Resonanz reicht bis hinein in die Selbstoszillation und ermöglicht dann neben allerlei spacigen Effekten Dank des in mehreren Stufen zuschaltbaren Filter-Trackings (KEYBOARD CONTROL) auch spielbare Sinustöne. Wie schon beim Original, dünnen höhere Resonsanzwerte den Bassbereich zunehmend aus, eine Eigenschaft dieses Filterdesigns.

Die beiden Hüllkurven, in der MOOG-Terminologie als CONTOUR bezeichnet, stellen nur eine Minimalausrüstung bereit, aber so war das damals eben halt. Einstellbar sind lediglich die Attack- und Decay-Zeiten sowie der Sustain-Level.

Wird der unten links bei den virtuellen Spielhilfen positionierte DECAY-Schalter aktiviert, dann regelt die Decay-Regler der Hüllkurven zusätzlich auch noch die Release-Zeiten mit. Ansonsten bricht der Klang nach dem Loslassen einer Keyboardtaste wie bei einer Orgel sofort ab. Während die Position dieses Schalters beim Original durchaus Sinn macht, zumindest für den versierten Keyboardspieler, fände ich es beim MINIVERSE praktischer, wenn man den Schalter direkt bei den Hüllkurven untergebracht hätte.

In der Ausgangssektion ganz rechts finden wir die wenigen Erweiterungen, die CHERRY AUDIO dem MINIVERSE gegenüber seinem Vorbild zuteilwerden ließ. Die wichtigste davon ist sicherlich die Möglichkeit, das Plugin auch mehrstimmig spielen zu können. Mehr Stimmen bedeuten allerdings auch einen höheren Ressourcenverbrauch, daher hat man die Auswahl zwischen zwei-, vier-, acht- oder gar sechzehnfacher Polyphonie. Im monophonen Modus hat übrigens stets die am tiefsten gespielte Note Priorität, während es in den polyphonen Modi die jeweils kletzte Note ist.

Die zweite Erweiterung ist ein zuschaltbarer Limiter ohne weitere Regelmöglichkeiten. Auch dieser ist sehr hilfreich, wenn es darum geht, Übersteuerungen zu vermeiden, beispielsweise beim mehrstimmigen Spiel oder sehr herzhaften Einstellungen in der Mixer-Sektion.

Der mit A-440 beschriftete Schalter gibt bei Aktivierung einen Kammerton mit eben 440 Hz aus. Während dieser beim MINIMOOG oder einem seiner vollanalogen Nachahmungen ja durchaus sinnstiftend ist, hat CHERRY AUDIO ihn lediglich aus Gründen der Authentizität und der Vollständigkeit integriert, denn als Plugin neigt der MINIVERSE wohl kaum zur Verstimmung aufgrund thermischer Schwankungen. Somit ist das Ganze also eher als kleines Gimmick anzusehen.

Ganz links schließlich befindet sich der sogenannte CONTROLLERS-Bereich mit drei virtuellen Drehreglern für die Gesamtstimmung (TUNE), das Portamento (GLIDE, wird mit dem dazugehörigen Schalter bei den Spielhilfen aktiviert) sowie dem MODULATION MIX. Letzerer erlaubt eine stufenlose Einstellung des Mischungsverhätnisses zwischen den Signalen von OSC 3 und Rauschgenerator, wenn diese als Modulationsquellen eingesetzt werden. Ich beziehe mich hierbei auf reine Steuerspannungen und nicht etwa auf Audiosignale (zumindest beim analogen Vorbild, beim MINIVERSE erfolgt dies ja logischerweise auf digitaler Ebene…).


Kling-Klang…

Mit einem echten MINIMOOG kann ich zwar nicht aufwarten, aber wenigstens mit einem Klonkrieger der Sorte BEHRINGER MODEL D. Zudem tummelt sich auch schon die ein oder andere Emulation hier auf meiner SSD, etwa der ARTURIA MINI V und der NATIVE INSTRUMENTS MONARK. So sah ich mich in der Lage, zumindest einen kleinen subjektiven Klangvergleich für den internen Gebrauch anzustellen. Wie mit den weiteren, teils hochgelobten Konkurrenten aussieht, vermag ich jedoch leider nicht zu beurteilen (da macht bestimmt irgendwann einer der üblichen Synfluencer ein entsprechendes Video…).

Anhand des auf dem MODEL D aktuell für einen in der Mache befindlichen Track eingestellten Bassklangs habe ich einmal versucht, diesen mit dem MINIVERSE und auch mit den anderen beiden oben genannten Plugins nachzubauen. Und ich habe mich auch nur auf genau diesen einen Klang beschränkt, einfach deshalb, weil ich keine Lust hatte, den MODEL D zu verstellen, bevor ich ihn für erwähnten Track aufgenommen habe. Das ist der Fluch der nichtspeicherbaren Synthesizer…

Es reicht dabei übrigens nicht, einfach die Regler an den Plugins identisch zur jeweiligen Stellung an der Hardware einzustellen, die klanglichen Abweichung aufgrund unterschiedlicher Regelwege sind hier teilweise enorm, so dass man immer nach Gehör nachjustieren muss.

Um es kurz zu machen, es ist mir nicht gelungen, exakte Übereinstimmungen im Klang zu erzielen. Der MINIVERSE kam der Hardware vergleichsweise noch am nächsten (der MINIMOOG V klang etwas weichgespülter, der MONARK lag irgendwo dazwischen), doch lag der noch etwas organischer klingende MODEL D für meinen persönlichen Geschmack nach wie vor einen kleinen Ticken vorn. Wohlgemerkt, ich rede hier nur von Nuancen, und da ich hier wie schon erwähnt hier lediglich einen einzigen Klang verglichen hatte, kann das ganze Experiment kaum einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben.

Nichtsdestotrotz bekommt man aber mit allen aufgeführten Lösungen – sofern man sich im Rahmen „normaler“ Einstellungen bewegt – Klänge hin, die deutlich nach MOOG klingen, mal mehr und mal weniger, aber immer doch schon recht ähnlich, und der MINIVERSE spielt hier für mein Empfinden ziemlich weit vorne mit und gefällt mir persönlich von den drei genannten Plugins am besten. Einzig im Bereich extremer Modulationen, etwa bei der Filter-FM sehe ich bei allen Emulationen gegenüber der Hardware immer noch ein wenig Luft nach oben, aber auch hier wird der Abstand immer geringer. Und letztendlich wird man wohl die meiste Zeit einem MINIMOOG(-Klon) doch eher Standardklänge entlocken wollen.

Wer immer noch auf der Suche nach einer Lösung für fette Bassklänge mit analogem Charakter ist, der findet im MINIVERSE einen ebenso preiswerten wie überzeugenden Lieferanten und sollte ihn daher unbedingt einmal antesten.

Ich habe wie üblich auch noch einen kleinen musikalischen Erguss abgesondert, bei dem ausschließlich der MINIVERSE mitgewirkt hat, und zwar mit 17 Instanzen:

Klangbeispiel CHERRY AUDIO MINIVERSE

Da der MINIVERSE über keine eingebauten Effekte verfügt und ich auch keinerlei zusätzliche Plugins eingesetzt habe, klingt das Ganze vielleicht ein wenig trocken. Dafür kann sich der MINIVERSE aber auch nicht hinter irgendwelchen Reverbs und Delays oder dergleichen verstecken, so wie es bei seiner Konkurrenz teilweise der Fall ist.


Fazit:

Waasss?! Schon wieder eine MINIMOOG-Emulation, wozu das denn…? So etwas in der Art ging mir durch den Kopf, als ich zum ersten Mal vom MINIMODE erfuhr. Inzwischen habe ich mich allerdings mit dem Kleinen doch ganz gut angefreundet.

Auch wenn er meinen MODEL D nun nicht gleich obsolet macht, so hat er im direkten Vergleich zumindest mit den Mitbewerbern, die sich hier noch so in meinem Plugin-Ordner tummeln, die Nase vorn, insbesondere auch bezüglich klangliche Authentizität versus Ressourcenbedarf.

Aber auch komplett losgelöst von allen Vergleichen mit anderen MINIMOOG-Nachbildungen muss man dem MINIVERSE einen ziemlich guten Klang bescheinigen, insbesondere angesichts der preislichen Differenz zum Original. Ordentlich Druck auf der Pumpe hat CHERRY AUDIOs neuestes Baby auf jeden Fall und auch genügend analoges Flair.

Und dass CHERRY AUDIO diesmal – abgesehen von der Polyphonie – weitgehend auf Erweiterungen verzichtet hat (keine vollständigen ADSR-Hüllkurven, keine zusätzlichen LFOs, keine Effekt-Sektion), stört mich überhaupt nicht, ich begrüße es sogar, schließlich habe ich schon genügend andere Synthies mit mehr Möglichkeiten, und ein paar Effekt-Plugins nenne ich ebenfalls bereits mein Eigen. Dafür ist mit dem MINIVERSE ein fokussiertes Arbeiten möglich, ganz wie beim Vorbild (wenn man nun einmal die fehlende Haptik außer Acht lässt…).

Der MINIVERSE wird zu einem Einführungspreis von 39,- US-Dollar (das entspricht bei Veröffentlichung dieses Testberichts ca. 37,- Euro) angeboten und dürfte damit wohl die derzeit günstigste Möglichkeit darstellen, sich zumindest einen virtuellen MINIMOOG ins Haus zu holen, der nicht bloß eine optische, sondern auch eine akustische Ähnlickeit mit seinem Vorbild aufweist. Der reguläre Listenpreis soll übrigens 59,- USD (das sind rund 56,- Euro) betragen, aber wir wissen ja schon, bei CHERRY AUDIO ist diese Angabe vernachlässigbar… 😉


Positives:
+ guter und authentischer Grundklang
+ einfache Bedienung
+ Polyphonie
+ umfangreiche MIDI-Learn-Sektion
+ geringe CPU-Anforderungen
+ günstiger Verkaufspreis

Negatives:
– keine Offline-Aktivierung bzw. -Installation möglich


Produktwebseite: https://cherryaudio.com/products/miniverse