Testbericht: ARTURIA V COLLECTION 9 – Eine Kiste Maibock

Ein Testbericht von Perry Staltic und Stefan Federspiel,
veröffentlicht am 10.06.2022

Die V COLLECTION 8 ist seit noch nicht einmal eineinhalb Jahren auf dem Markt, da überrascht uns ARTURIA bereits im Mai 2022 mit dem Nachfolger, von dem wohl nicht nur ich angenommen hatte, dass er erst gegen Jahresende veröffentlicht würde. Einige der früheren Plugins haben mit der V COLLECTION 9 eine Frischzellenkur erhalten, aber natürlich sind auch wieder ein paar Neuheiten hinzugekommen.

Nachdem ich die Vorgängerversion in Eigenregie begutachtet hatte, habe ich mir für die V COLLECTION 9 Hilfe ins Boot geholt, und so ist dieser Testbericht eine gemeinschaftliche Patchworkarbeit von Stefan Federspiel und mir geworden. Stefan hatte dazu das PIANO V und den PROPHET-5 V unter der Lupe. Beim Letztgenannten hat er zudem einen Vergleich mit dem U-HE REPRO 5 angestellt. Und den Rest vom Schützenfest habe ich verbrochen. Daher kann es also durchaus vorkommen, dass dieser Testbericht nicht immer wie aus einem Guss wirkt, schließlich hat jeder von uns beiden seinen eigenen Schreibstil und legt seinen Fokus auch auf unterschiedliche Dinge.


Fleißarbeit…

Mit jeder neuen Versionsnummer der V COLLECTION wächst auch die Anzahl der in ihr enthaltenen Instrumente. Die neunte Auflage wartet mittlerweile mit 33 Klangerzeugern auf. In diesem Testbericht berücksichtigen wir jedoch wieder nur diejenigen Plugins, die entweder ganz neu hinzugekommen sind oder die in einer komplett runderneuerten Version vorliegen. Wer dennoch mehr über die restlichen Instrumente erfahren möchte, findet nachfolgend ein paar Links zu unseren früheren Testberichten:

SQ80 V

V COLLECTION 8

V COLLECTION 7

SYNCLAVIER V

PIANO V

V COLLECTION 4 – Teil 1

V COLLECTION 4 – Teil 2

V COLLECTION 4 – Teil 3

Herrschaften, ich erwarte, dass Ihr das alles bis zur kommenden Woche durchgearbeitet und verinnerlicht habt, damit Ihr gut vorbereitet seid, denn wir schreiben dann einen Test darüber, der auch benotet werden wird!


Generalmobilisierung…

Kümmern wir uns zunächst einmal wieder um die instrumentenübergreifenden Gemeinsamkeiten der Plugins, die unabhängig von ihrer Klangerzeugung bei allen identisch ausfallen.

Schon seit einigen Versionen ist die V COLLECTION nicht mehr für 32-Bit-Systeme verfügbar, die enthalteten Instrumente liegen daher ausschließlich als 64-Bit-Varianten vor. Wer aus irgendeinem Grund trotzdem auf 32-Bit-Plugins angewiesen ist, der kann es ja einmal mit dem recht empfehlenswerten jBridge, das es auch ermöglicht, 64-Bit-Plugins in einer 32-Bit-Umgebung zu nutzen..

Wenngleich ARTURIA als Mindestvoraussetzung für die V COLLECTION 9 die beiden Betriebssysteme WINDOWS 8.1 und macOS 10.13 nennt, ist auch die Installation und der Betrieb unter dem guten alten WINDOWS 7 möglich, es gibt hier lediglich keinen Support von Seiten ARTURIAs mehr, wenn doch mal irgendwelche Probleme damit auftauchen sollten.

Von jedem Instrument existiert eine ohne separaten Host lauffähige Standalone-Version, die Plugin-Varianten umfassen die derzeit üblichen Formate VST2, VST3, AAX sowie AU. Bis auf das ANALOG LAB V beherrschen mittlerweile alle enthaltenen Instrumente das von NATIVE INSTRUMENTS entwickelte NKS, einem Standard, bei dem die wichtigsten Parameter eines Presets bereits für den Einsatz mit einem kompatiblen MIDI-Controller vorgemappt sind.

ARTURIA V COLLECTION 9
ARTURIA V COLLECTION 9

Seit seiner Abkehr vom eLicenser-Dongle schon vor vielen Jahren setzt ARURIA auf das hauseigene ASC (ARTURIA SOFTWARE CENTER), einer separaten Anwendung, die nicht nur die Lizenzverwaltung der erworbenen Produkte ermöglicht, sondern bei Bedarf auch deren Download, Installation und Update.

Dazu ist logischerweise eine Internetverbindung auf dem Host-Rechner notwendig. Wer sein virtuelles Studio jedoch nur offline betreibt, dem steht die etwas aufwendigere Option offen, sich auf einem anderen, internetfähigen Computer die Installationsdateien der jeweiligen Plugins einzeln bei ARTURIA herunterzuladen und anschließend im ASC den Weg der Offline-Aktivierung zu wählen.

Hatte ich zum vorab kostenlos veröffentlichten AUGMENTED STRINGS INTRO noch verschiedentlich von Perfomance-Problemen aufgrund eines hohen Ressourcen-Bedarfs lesen müssen (auch Kollege Andreas Eberhardt war davon trotz eines durchaus potenten Rechners betroffen), so scheint ARTURIA vor Veröffentlichung der V COLLECTION 9 noch einmal nachgebessert zu haben. Zumindest vermochte ich auf meinem System, das ähnlich wie das von Andreas ausgestattet ist (CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 GB RAM), auch bei den neuen Plugins der V COLLECTION keine Aussetzer festzustellen.

ARTURIA V COLLECTION 9 - Settings
ARTURIA V COLLECTION 9 – Settings

Die Instrumente der V COLLECTION 9 verfügen jeweils über skalierbare Bedienoberflächen. Auf der rechten Seite findet man bei allen Plugins ein ausklappbares Menü mit Zusatzfunktionen. So lassen sich hier etwa im Menüpunkt SETTINGS diverse Einstellungen vornehmen, unter anderem auch die MPE-Optionen für den Einsatz eines entsprechenden Controllers.

Nach wie vor lassen sich übrigens bei keinen der Instrumente in der V COLLECTION die Parameter mittels des Mausrads steuern, was insofern verwunderlich ist, als dies bei den Effekt-Plugins aus dem Hause ARTURIA sehr wohl möglich ist.

ARTURIA V COLLECTION 9 - MIDI-Learn-Funktion
ARTURIA V COLLECTION 9 – MIDI-Learn-Funktion

Dafür werden jedoch umfassende MIDI-Optionen geboten, mit denen ein Controller zur Steuerung herangezogen werden kann. Dabei lassen sich dessen Bedienelemente via Lernfunktion mit den gewünschten virtuellen Reglern verbinden und auch maximale und minimale Regelwerte definieren. Eine nachträgliche manuelle Änderung der Zuordnungen ist jederzeit möglich und eine derartiges Mapping lässt sich auch als gesondertes Preset abspeichern. Praktisch sind auch die UNDO- und REDO-Funktionen inklusiver eigener Historie.

ARTURIA V COLLECTION 9 - Macro-Regler
ARTURIA V COLLECTION 9 – Macro-Regler

Alle Instrumente verfügen unten rechts über vier MACRO-Regler, die sich jeweils mit beliebigen Parametern verknüpfen lassen (auch mit mehreren gleichzeitig), die anschließend über einen gemeinsamen Regler gesteuert werden können.

Ab Werk liefert ARTURIA bereits zu jedem Plugin eine individuelle Belegung mit, es können jedoch einen separaten Menüpunkt auch eigene Zuweisungen vorgenommen werden. Die MACRO-Regler ihrerseits können wiederum in die Steuerung durch einen MIDI-Controller einbezogen werden.

Nur bei den zwei AUGMENTED-Plugins sind die MACRO-Regler mittig auf dem STANDARD PANEL platziert, zudem erfolgt die Zuweisung der Macros bei ihnen im ADVANCED PANEL und nicht im rechtsseitigen Ausklappmenü.

ARTURIA V COLLECTION 9 - In-App-Tutorials
ARTURIA V COLLECTION 9 – In-App-Tutorials

Eine hilfreiche Sache, zumindest für diejenigen, die der englischen Sprache einigermaßen mächtig sind, sind die aufrufbaren In-App-Tutorials, die einerseits die verschiedenen Funktionen der Klangarchitektur des jeweiligen Instruments beschreiben und andererseits den einen oder anderen praktischen Tipp parat halten.

Was übrigens die Bedienungsanleitungen in PDF-Form angeht, die ARTURIA auf seiner Website für die einzelnen Instrumente bereithält, diese sind nur zum Teil auch in deutscher Sprache verfügbar. Grundsätzlich gilt, je älter ein Plugin ist, desto größer ist die Chance, dass auch eine deutsche Bedienungsanleitung angeboten wird. Bei den neuen Plugins der V COLLECTION 9 gibt es eine solche bereits aber zumindest für AUGMENTED STRINGS und AUGMENTED VOICES.

ARTURIA V COLLECTION 9 - Preset-Browser
ARTURIA V COLLECTION 9 – Preset-Browser

Der komfortable Preset-Browser hat sich in der V COLLECTION 9 im Vergleich zur Vorgängerversion eigentlich nicht verändert, wozu auch, bringt er doch bereits alles mit, was man so braucht, seien es Bänke und Kategorien, diverse Filter zur Eingrenzung einer Suche, Playlists oder eine Favoriten-Funktion (hier LIKED genannt). Zudem gibt es kurze Beschreibungen zu den jeweiligen Presets.

Zur V COLLECTION 9 wurden vierzehn neue Soundbänke hinzugefügt. ARTURIA gibt die Gesamtzahl der enthaltenen Presets mit über 9000 an, verständlicherweise haben wir diese jedoch nicht nachgezählt und schon gar nicht alle Klänge komplett durchgehört, ein Tag hat auch bei uns nur 24 Stunden… 😉

Bevor wir uns nun den einzelnen Neuankömmlingen widmen, folgt hier der Vollständigkeit halber noch einmal eine Auflistung aller 33 in der V COLLECTION 9 enthaltenen virtuelllen Instrumente in alphabetische Reihenfolge, neu hinzugekommene sowie überarbeitete Plugins sind dabei durch Fettschrift gekennzeichnet:

– ANALOG LAB V
– ARP2600 V
AUGMENTED STRINGS
AUGMENTED VOICES
– B-3 V
– BUCHLA EASEL V
– CLAVINET V
– CMI V
CS-80 V4
– CZ V
– DX7 V
– EMULATOR II V
– FARFISA V
– JUN-6 V
– JUP-8 V
KORG MS-20 V
– MATRIX-12 V
– MELLOTRON V
– MINI V
– MODULAR V
– OP-XA V
PIANO V
PROPHET-5 V
PROPHET-VS V
– SEM V
– SOLINA V
SQ80 V
– STAGE-73 V
– SYNCLAVIER V
– SYNTHI V
– VOCODER V
– VOX CONTINENTAL V
– WURLI V


SQ80 V

Dass der von ARTURIA bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte SQ80 V mit in die V COLLECTION 9 aufgenommen würde, sobald diese erscheint, war nicht anders zu erwarten.

Andreas hat sich mit dem SQ80 V schon zu Beginn diesen Jahres auseinandergesetzt und ihn dabei auch einem Vergleich mit seinem Hardwaregerät ENSONIQ ESQ-1 unterzogen, dem direkten Vorgänger des sehr ähnlichen von ARTURIA emulierten SQ80. Seine Erfahrungen hat er anschließend hier festgehalten. Einen kompletten, ausschließlich mit dem SQ80 V erstellten Track, findet Ihr ebenfalls dort.


KORG MS-20 V

Für nicht wenige, mich eingeschlossen, dürfte es wohl eine Überraschung gewesen sein, dass ARTURIA ausgerechnet einen KORG MS-20 emuliert hat und diesen dann auch noch genauso nennt (natürlich mit dem obligatorischen angehängten V), zumal KORG ja selbst schon seit vielen Jahren einen eigenen virtuellen MS-20 im Portfolio hat. Wir können also getrost davon ausgehen, dass es hier eine Lizenzvereinbarung zwischen beiden Firmen gibt, die sicherlich nicht nur durch einen warmen Händedruck vergolten wird… 😉

Schon seit 1978 erfreut sich der MS-20 einer fortwährenden Fangemeinde, was nicht zuletzt dadurch ersichtlich ist, dass sowohl KORG als auch andere Firmen wie BEHRINGER in jüngerer Vergangenheit wieder diverse Neuauflagen gebaut haben, die ebenfalls keine Ladenhüter geworden sind.

Ob seines teilweise recht rüpelhaften Klanges ist es in der Realität vermutlich so, dass man diesen Synthie entweder mag oder ihn hasst. Ich persönlich zähle mich zu der ersteren Kategorie. Das Original war zunächst hauptsächlich durch seinen in Relation zur Konkurrenz von MOOG oder ARP günstigen Verkaufspreis interessant, hinzu kamen die semi-modularen Eigenschaften, die beim MS-20 allerdings nicht ganz so leicht verständlich und eingängig ausgefallen sind.

Wenngleich der MS-20 in ungezählten musikalischen Werken zum Einsatz kam, wird das Stück „Los niños del parque“ von Liaisons Dangereuses wohl stets mein subjektives Paradebeispiel darstellen.

Wie schon oben erwähnt, hat KORG schon seit einer gefühlten Ewigkeit im Rahmen der LEGACY COLLECTION ein entsprechendes Plugin im Angebot, zu dem es dereinst sogar einen eigenen MIDI-Controller im passenden Look gab, und auch CHERRY AUDIO hat mit dem PS-20 erst im vergangenen Jahr eine eigene virtuelle Interpretation des MS-20 veröffentlicht. Und nun also hat ARTURIA ebenfalls nachgelegt.

ARTURIA KORG MS-20 V
ARTURIA KORG MS-20 V

Das Layout der Bedienoberfläche orientiert sich auf den ersten Blick sehr nah am Orignal, erst bei genauerem Hinsehen und bei einem direkten Vergleich mit der Hardware fallen einem hier und da kleinere Unterschiede bezüglich der vorhandenen Parameter, der Position einzelner Regler, der Ausstattung des Patchfelds und der Beschriftungen auf, die offenkundig einerseits einer etwas eingängigeren Bedienung, anderserseits einem leicht erweiterten Feastureset geschuldet sind.

Was die Optik angeht, hier muss ich gestehen, dass ich mittlerweile kein sonderlicher Freund fotorealistischer Pseudo-3D-Darstellungen inklusive Licht- und Schattenspiel auf den Reglern mehr bin, so wie es hier der Fall ist. Diese sehen zwar schick aus, stören für mein Empfinden aber im Zweifel eher die Ablesbarkeit. So finde ich es zum Beispiel recht nervig, dass die Markierungsstriche der virtuellen Potentiometer beim KORG MS-20 V je nach Reglerstellung einen deutlichen Versatz zwischen Poti-Oberseite und -Rand aufweisen, dies fällt vor allem bei den Reglern negativ auf, die ganz weit links oder rechts positioniert sind. Zum Glück werden die aktuellen Reglerwerte aber noch zusätzlich in kleinen Popup-Displays angezeigt.

Zu den oben erwähnten Ergänzungen gegenüber dem Original zählen etwa der Regler für die Pulsweitenmodulation, kleine Erweiterungen bei LFO (MODULATION GENERATOR, kurz MG) und Hüllkurven (ENVELOPE GENERATOR, EG1 und EG2) und die UNISON-Funktion (die bei der ausschließlich monophonen Hardware im Gegensatz zum mehrstimmigen KORG MS-20 V auch keinen Sinn gehabt hätte…).

Des Weiteren finden wir Modulationsregler für Filter-Cutoff (via Anschlagsdynamik) und Verstärker vor. Das Patchfeld kann unter anderem mit beliebig vielen virtuellen Multiples sowie mit Einzelabgriffen für die beiden Oszillatoren aufwarten. Letztere können zum Beispiel für Frequenzmodulationen herhalten.

ARTURIA KORG MS-20 V - verborgene Stellschrauben für die Voice Dispersion
ARTURIA KORG MS-20 V – verborgene Stellschrauben für die Voice Dispersion

Der KORG MS-20 V kann übrigens maximal sechs Stimmen gleichzeitig erzeugen. Bei Bedarf lassen sich diese mittels der unter dem KORG-Logo verborgenen virtuellen Stellschrauben mit klanglichen Abweichungen voneinander versehen, um so das Verhalten analoger Hardware besser nachzuahmen und mehr Lebendigkeit im mehrstimmigen Betrieb zu erzeugen.

Bei der Filter-Sektion hat man die Auswahl zwischen den beiden klanglich sehr unterschiedlichen Revisionen des Originals, also zwischen einer Nachbildung des ursprünglich verbauten ruppigeren KORG 35 Filter-Moduls (MK1) oder der des später eingesetzten etwas zahmeren OTA-Filters (MK2).

ARTURIA weist darauf hin und warnt auch mittels eines entsprechenden Popups davor, dass die MK1-Filtervariante deutlich höhere CPU-Ressourcen benötigt und es daher auf schwächeren Rechnersystemen bei polyphoner oder unisono Spielweise zu einer übermäßigen Auslastung kommen kann.

Via LINK können die Cutoff-Regler von Hoch- und Tiefpassfilter miteinander verknüpft und dann gemeinsam gesteuert werden, wobei sie sich dann entweder in die gleiche Drehrichtung oder in gegensätzliche Richtungen bewegen können.

Ebenso wie bei der Hardware lassen sich auch beim KORG MS-20 V externe Audiosignale zur Weiterverarbeitung im Synthesizer einspeisen. Beim Plugin geschieht dies über zusätzliche Sidechain-Eingänge, deren Signal an der EXT OUT-Buchse des Patchfeldes abgegriffen und dann etwa in die Klangarchitektur oder in den EXTERNAL SIGNAL PROCESSOR geleitet werden kann.

Dazu muss aber einmal mehr auch die verwendetete DAW mitspielen und ein entsprechendes Routing erlauben, das kennen wir ja bereits von anderen Plugins. So schauen etwa die Anwender von STUDIO ONE, FL STUDIO, GARAGE BAND oder KOMPLETE KONTROL in die Röhre (und sollten dies einmal beim jeweiligen Hersteller in Form eines Feature Request kundtun…).

Seltsamerweise hatte ich während des Tests aber auch mit kompatiblen Hosts wie CUBASE 12 oder MIXCRAFT 9 keinen Zugriff auf die angepriesenen SIDECHAIN-Eingänge, die entsprechenden Auswahlmöglichkeiten fehlten in beiden Programmen beim KORG MS-20 V völlig, während sie etwa beim PS-20 sehr wohl vorhanden waren. Kollege Andreas Eberhardt hat mir auf Anfrage bestätigt, das er bei seinen Versuchen ebenfalls keinen Zugriff auf die SIDECHAIN-Eingänge erhalten konnte. Die genaue Ursache für dieses Problem konnte ich bisher noch nicht ermitteln. Ein Test der Sidechain-Eingänge des KORG MS-20 V war mir somit leider nicht möglich.

Dem originalen MS-20 hatte KORG seinerzeit den analogen Stepsequencer SQ-10 zur Seite gestellt, und ARTURIA hat diese Idee beim Plugin ebenfalls aufgegriffen. Ein Klick auf den SEQUENCER-Schalter in der oberen Menüleiste lässt das virtuelle Pendant über dem Synthesizer-Teil erscheinen und bildet zusammen mit den Effekten das ADVANCED PANEL, auch wenn es KORG MS-20 V nicht so genannt wurde..

ARTURIA KORG MS-20 V mit Sequencer
ARTURIA KORG MS-20 V mit geöffnetem Sequencer

Der Sequencer lässt sich bei Bedarf zum Host-Tempo synchronisieren und verfügt über drei Kanäle (A, B und C) mit jeweils bis zu zwölf Schritten. Die Kanäle A und B können dabei auch zu einer einzigen langen Sequenz verknüpft werden. Der Sequencer kann nicht nur Noten, sondern auch Steuersignale erzeugen, deren Gate-Länge ist dabei global einstellbar, ebenso wie je eine Portamento-Funktion für die Kanäle A und B gemeinsam sowie für C.

Kanal C lässt sich auf PITCH umschalten und ermöglicht dann eine in Halbtonschritten quantisierte Einstellung von melodischen Sequenzen. Über die virtuellen Patchkabel lässt sich der Sequencer wie beim Original mit dem Synthesizer-Teil verbinden.

ARTURIA KORG MS-20 V - Effekt-Sektion
ARTURIA KORG MS-20 V – Effekt-Sektion

Der KORG MS-20 V bietet eine integrierte Multi-Effekt-Sektion mit vier frei belegbaren Slots, die wahlweise seriell oder parallel betrieben werden können. Zur Auswahl stehen sechzehn unterschiedliche Effekt-Algorithmen, darunter drei Delay-Typen, Reverb, Distortion (mit wiederum sechzehn Typen) und Bitcrusher, Equalizer und Filter, zwei Kompressoren sowie diverse Modulationseffekte. Viele der Algorithmen kennt man bereits aus anderen ARTURIA-Synthesizern sowie zum Teil auch als separate Effekt-Plugins. Die Qualität bewegt sich wirklich in einem annehmbaren Bereich, aber das sind wir ja von ARTURIA inzwischen nicht anders gewohnt.

Was den Klang des KORG MS-20 V angeht, so gefällt mir dieser recht gut, zumal er auch den gewünschten Rotz nicht vermissen lässt. Ich habe zwar leider keinen echten MS-20 hier stehen (hatte früher aber mal Kontakt zur gesamten MS-Familie), um direkte Vergleiche anstellen zu können, zumindest aber einen BEHRINGER K-2 (auch wenn man diesem nachsagt, etwas sauberer und zahmer als das Original zu klingen) sowie ein KORG MONOTRIBE, zudem die beiden konkurrierenden Plugins von KORG und CHERRY AUDIO.

Exakt übereinstimmende Klänge auf allen vier Kandidaten einzustellen, erweist sich nahezu als ein Ding der Unmöglichkeit, zu sehr weichen sie im Grundklang und auch bezüglich ihrer Reglerskalierung voneinander ab. Gleiche Reglerstellungen führen also wieder einmal nicht auch zu gleichem Ergebnissen.

Der K-2 erscheint mir vor allem über Kopfhörer begutachtet gegenüber den Plugins stets noch etwas organischer zu klingen, dafür erlaubt ARTURIAs Emulation etwas extremere Einstellungen, nicht zuletzt auch aufgrund des schäferen Resonanzverhaltens und den zusäzlichen FM-Möglichkeiten. Der KORG MS-20 V kann bei Bedarf schon ordentlich kreischen!

Wenn ich die jeweiligen Init-Sounds, der drei Plugins miteinander vergleiche, also mit vollständig geöffneten Filtern und ohne jegliche Modulationen, dann ähneln sich die Emulationen von ARTURIA und KORG durchaus ein wenig, wobei das alte Plugin von KORG etwas höhenreicher, aber auch sehr viel statischer klingt und daher seinen Software-Charakter nicht so gut zu verbergen weiß, während das von ARTURIA auf mich lebendiger wirkt.

Der PS-20 von CHERRY AUDIO wirkt hingegen deutlich braver als das Plugin von ARTURIA, zudem vermochte ich auch in der Init-Einstellung (also bei nicht gegeneinder verstimmten Oszillatoren) stets eine leichte, langsam modulierte Schwebung zu vernehmen, die dort eigentlich gar nicht sein sollte und die bei den beiden anderen Plugins nicht auftrat.

Um es kurz zu machen, von diesen drei MS-20-Emulationen gefällt mir persönlich der KORG MS-20 V von ARTURIA soundmäßig am besten (aber meinen K-2 werde ich ebenfalls weiterhin behalten…).

Nachfolgend noch eine klangliche Demonstration des KORG MS-20 V, dazu habe ich auf die Schnelle einen einfachen Track zusammengeschustert:

Klangbeispiel ARTURIA KORG MS-20 V

Insgesamt waren fünfzehn Instanzen des Plugins daran beteiligt, und Ihr hört hier bis auf wenige Ausnahmen fast nur die von ARTURIA mitgelieferten Presets.


AUGMENTED STRINGS und AUGMENTED VOICES

Ebenfalls ganz neu sind die beiden Hybrid-Instrumente AUGMENTED STRINGS und AUGMENTED VOICES, die eine Kombination aus samplebasierter und synthetischer Klangerzeugung darstellen. Da beide Plugins bis auf lediglich der Verzierung dienenden Grafikelementen, der Kombination ihrer Soundengines und natürlich ihren Sample-Content in weitem Maße identisch sind, seien sie hier auch gemeinsam behandelt.

ARTURIA AUGMENTED STRINGS
ARTURIA AUGMENTED STRINGS

Schon rein optisch fallen beide Instrumente im Vergleich mit den übrigen Plugins der V COLLECTION 9 aus dem Rahmen. Da es sich hierbei nicht um die üblichen Emulationen klassischer Keyboards handelt, versuchen die Bedienoberflächen von AUGMENTED STRINGS und AUGMENTED VOICES auch keine bekannten Hardware-Geräte nachzuahmen.

Stattdessen finden wir nur einen großen, mittig angegeordneten MORPH-Regler, der von einem Kranz aus sechs kleineren Drehreglern umgeben ist. Bei ihnen handelt es sich allesamt um Macro-Regler, sie steuern also jeweils mehrere Parameter unter der Haube.

ARTURIA AUGMENTED VOICES
ARTURIA AUGMENTED VOICES

Angesichts dieser relativ wenigen Bedienelemente erscheint einem das GUI zunächst übertrieben groß, bleibt der meiste Platz in der Standard-Ansicht doch vollig ungenutzt, ohne einen Mehrwert zu bieten.

Erst bei Aktivierung des ADVANCED PANEL (das bei der kostenlosen AUGMENTED STRINGS INTRO fehlt) erkennt man den Sinn der großen Bedienoberfläche, denn dieses erscheint nicht wie bei den anderen Instrumenten der V COLLECTION 9 oberhalb des normalen Panels, sondern anstelle dessen, und nimmt dann auch den gesamten zur Verfügung stehenden Platz ein.

Die vier Macro-Regler COLOR, MORPH, TIME und MOTION wandern dann übrigens an den unteren Rand, dort wo die Macro-Regler beI den anderen Instrumenten ja ebenfalls zu finden sind.

ARTURIA AUGMENTED VOICES - Layers
ARTURIA AUGMENTED VOICES – Advanced Panel mit Layers-Tab

Das ADVANCED PANEL bietet auf fünf Tabs vollen Zugriff auf sämtliche Parameter der Klangsynthese. Wer den hauseigenen PIGMENTS kennt, dem dürfte einiges davon sicherlich sehr bekannt vorkommen. ARTURIA räumt auch selbst ein, dass bei den Instrumenten diverse Elemente von PIGMENTS wiederverwertet wurden.

Grundsätzlich verfügen die beiden AUGMENTED-Plugins über jeweils zwei Synthese-Stränge, LAYER A und LAYER B genannt, zwischen denen mit dem MORPH-Regler übergeblendet werden kann. Jeder Layer wiederum kann aus bis zu zwei Klangquellen (PART 1 und PART 2) zusammengestzt werden. Zum einen gibt es zwei Sample-Player, zum anderen zwei Synthesizer-Parts mit vier unterschiedlichen Syntheseformen.

Außerdem besitzt jeder der beiden Layers ein eigenes Multimode-Filter mit diversen Typen und zugeordneter ADSR-Hüllkurve. Ein Modulation-Strip nach Art des PIGMENTS ergänzt das Ganze.

ARTURIA AUGMENTED STRINGS - Browsers
ARTURIA AUGMENTED STRINGS – Browsers

Bezüglich der Layers finden sich gewisse Unterschiede zwischen AUGMENTED STRINGS und AUGMENTED VOICES. Denn während bei AUGMENTED STRINGS LAYER A aus SAMPLER 1 und SAMPLER 2 besteht und LAYER B aus SYNTH 1 und SYNTH 2, verfügt AUGMENTED VOICES über zwei identisch ausgestattete Layers mit je einem Sampler- und einem Synth-Part.

ARTURIA AUGMENTED STRINGS - Sampler 1 und 2
ARTURIA AUGMENTED STRINGS – Sampler 1 und 2

Die beiden Sampler stellen je nach Art der geladenen Samples unterschiedliche Parameter bereit. Bei AUGMENTED STRINGS lassen sich dabei zum Teil sogar die Verhältnisse zwischen der Nah- und der Raummikrofonierung einstellen (siehe linke Seite des oberen Screenshots). Neben eher “naturbelassenen” Samples finden sich auch viele stark verfremdete Versionen, die zu mancherlei Klangexperimenten einladen. Jeder Sampler verfügt über seine eigene ADSR-Hüllkurve zur Steuerung der Lautstärke.

ARTURIA AUGMENTED STRINGS - die vier Synth-Engines
ARTURIA AUGMENTED STRINGS – die vier Synth-Engines

Auf eine solche können auch die Synth-Engines zurückgreifen, die ebenfalls dem PIGMENTS entnommen scheinen. Wir haben auch hier die Wahl zwischen den vier Syntheseformen (Virtuell-)ANALOG, GRANULAR, HARMONIC (additive Synthese) sowie WAVETABLE. Der Screenshot oben stellt nur eine Montage dar. Im Vergleich zum PIGMENTS sind die Eingriffsmöglichkeiten bei den AUGMENTED-PLUGINS zwar deutlich eingeschränkter, bieten aber immer noch genügend Spielrraum zum Experimentieren. Zusammen mit den Sample-Playern lassen sich sehr prägnante Hybrid-Klänge erzeugen.

ARTURIA AUGMENTED VOICES - Modulation
ARTURIA AUGMENTED VOICES – Modulation

Im Tab MODULATION finden wir vier Unterseiten vor (der Screenshot ist wieder eine Montage aus diesen). Diese erlauben Zugriff auf je zwei LFOs, Funktions- und Zufallsgeneratoren sowie auf diverse Keyboard-Parameter wie Anschlagsdynamik, Aftertouch, Modulationsrad und Keyboard-Tracking.

Alle Modulatoren lassen sich über den bereits erwähnten Modulation-Strip bequem zuweisen. Auf einige der genannten Funktionen treffen wir auch bei den nachfolgenden Instrumenten in diesem Testbericht wieder, sie sind dort dann etwas näher beschrieben. Bei den LFOs finden wir übrigens zusätzlich noch unabhängige Einstellmöglichkeiten für Vibrato und Tremolo.

ARTURIA AUGMENTED VOICES - Arpeggiator
ARTURIA AUGMENTED VOICES – Arpeggiator

Der Tab ARPEGGIATOR bietet genau einen solchen, allerdings mit Funktionen, die weit über die eines herkömmlichen Arpeggiators hinausgehen und eher denen eines Step-Sequencers gleichen.

Auf bis zu sechzehn Schritten können Noten und sogar ganze Akkorde wiedergegeben werden, zudem lässt sich für jeden einzelnen Schritt die Anschlagsstärke und die Notenlänge definieren. Die letztgenannten Parameter können für polyrhythmische Experimente auch unterschiedliche Schrittlängen aufweisen. Außerdem gibt es für beide eine RANDOMIZE-Funktion, mit der ihnen zufällige Variationen hinzugefügt werden können.

Diverse Abspiel-Modi mit unterschiedlicher Abspielrichtung und -reihenfolge existieren natürlich ebenfalls, genauso wie ein Geschwindigkeitsteiler, eine Swing-Funktion, ein einstelbarer Oktavbereich sowie ein Hold-Button, der das Arpeggio auch dann fortführt, wenn alle Keyboard-Tasten losgelassen werden.

ARTURIA AUGMENTED VOICES - Effects
ARTURIA AUGMENTED VOICES – Effects

EFFECTS stellt auf zwei getrennten Unterseiten einerseits LAYER FX und andererseits MAIN FX zur Verfügung. LAYER FX bietet für jeden Layer getrennt bis zu zwei Effekte. Man hat hierbei die Auswahl aus vierzehn Algorithmen, die – wie bei den anderen Plugins der V COLLECTION 9 auch – so zielmlich alles abdecken, was man so gebrauchen kann.

Die Effektqualität entspicht ebenfalls dem von der anderen Intrumenten und von der FX COLLECTION 2 bekannten hohen Standard.

Letzteres trifft auch auf die MAIN FX zu, die global auf beide Layers wirken und ein Delay sowie ein Reverb mit jeweils verschiedenen Effekttypen anbieten. Es gibt hier DIGITAL-, PITCH SHIFT- und TAPE-DELAY, hinzu kommen ein algorithmisches DIGITAL- und ein auf Impuslantworten basierenes CONVOLUTION-REVERB mit 29 virtuellen Räumen.

ARTURIA AUGMENTED VOICES - Macros
ARTURIA AUGMENTED VOICES – Macros

Der letzte Tab im ADVANCED PANEL beider AUGMENTED-Plugins schließlich betrifft die MACROS. Auch hier finden wir wieder zwei getrennte Unterbereiche, nämlich SOUND und EFFECTS.

SOUND bietet eine Übersicht über die Parameter-Belegung der vier Macro-Regler COLOR, MORPH, TIME und MOTION. COLOR, TIME und MOTION verfügen über jeweils sechs frei zuweisbare Slots, bei MORPH sind es sogar acht plus vier weitere fest zugewiesene Slots, die mit den Lautstärken der insgesamt vier Parts beider Layers vorbelegt sind.

EFFECTS hingegen zeigt die jeweils vier Slots für die Effekte der Layers A und B sowie für die beiden MAIN FX Delay und Reverb.

In jedem Slot kann man die Modulationsintensität und die Charakterstik der Verlaufskurfe anpassen. Die Zuweisung der gewünschten Parameter zu den einzelnen Slots geschieht wiederum über den Modulation-Strip. Dazu wird dort das entsprechende Macro ausgewählt, anschließend wird im LAYERS-, MODULATION- oder EFFECTS-Tab der zuzuweisende Parameter mit der Maus ausgewählt.

Hierbei gibt es zwischen den SOUND- und den EFFECTS-Macros folgenden Unterschied: Während die SOUND-Macros auf allen drei der genannten Tabs funktionieren, somit also durchaus auch Effekt-Parameter zu steuern vermögen, können den EFFECTS-Macros tatsächlich auch nur die Parameter der ihnen zugeordneten Effekte zugewiesen werden.

Klanglich wissen beide AUGMENTED-Instrumente zu überzeugen. Wie oben schon angedeutet, bietet die Kombination aus Sample- und Synthese-Parts jede Menge Möglichkeiten zu durchsetzungsfähigen Sounds, die sich durch ihren oftmals synthetischen Charakter abseits der üblichen Orchester- und Chor-Bibliotheken bewegen, zu denen sie im Übrigen auch keine Konkurrenz darstellen (wollen).

Es ist jetzt nicht so, dass aus den Instrumenten völlig neues, bisher ungehörtes Klanggut entspringt, auch andere Hersteller habe zum Teil ähnliche Soundsammlungen im Programm, die AUGMENTED-Plugins können hier aber durch ihren schnellen Zugriff und die etwas ausgefeiltere Synthese-Sektion punkten.

Ich kann mir beide Intrumente gut in vielen Spielarten der elektronischen Musik vorstellen, auch in so manchem Film- oder Game-Soundtrack dürften sie eine tolle Figur machen, vor allem, wenn es dabei weniger um eine wirklichkeitsgetreue Nachahmung geht, sondern sich die Klangvorstellung eher in Richtung Hyperrealismus bewegt.

Nachfolgend habe ich für Euch noch diverse Werksklänge aus beiden Instrumenten angespielt:

Klangbeispiel ARTURIA AUGMENTED STRINGS
Klangbeispiel ARTURIA AUGMENTED VOICES

Bei allem Lob bezüglich des guten Klangs muss ich an dieser Stelle aber auch einmal anmerken, dass beide Instrumente meiner Ansicht nach rein konzeptionell nicht so recht in die V COLLECTION passen (mit dem PIANO V ist es mir übrigens auch immer schon so gegangen…).

Schließlich stellen sie im Gegensatz zu den anderen Plugins keine Nachbildungen von Vintage-Hardware dar, sondern sind letztendlich (und das ist jetzt keineswegs böse gemeint!) ein “Abfallprodukt” von PIGMENTS, der ja ebenfalls nicht Teil der V COLLECTION ist.

Ich sehe sie daher eher in einer separaten AUGMENTED COLLECTION, die man nach und nach mit weiteren Instrumenten (AUGMENTED BRASS…?) dieser Art auffüllen könnte, während die V COLLECTION weiterhin den Emulationen vorbehalten bleiben sollte.


PROPHET-VS V

Der PROPHET-VS V ist eines der beiden neuen Plugins, die aus dem früheren PROPHET V hervorgegangen sind (mit dem anderen, dem PROPHET-5 V, beschäftigt sich Stefan Federspiel weiter unten sehr ausführlich). Mussten sich diese zwei PROPHET-Emulationen bisher siamiesischen Zwillingen gleich einen einzigen virtuellen Körper teilen, so residieren sie ab sofort nicht mehr unter einer gemeinsamen Haube, sondern sind nun zwei eigenständige Instrumente, die darüber hinaus noch anderweitig deutlich überarbeitet wurden.

Die Auftrennung in zwei separate Plugins bedeutet nun aber auch, dass der aus dem alten PROPHET V bekannte Hybridmodus, in dem die Klangerzeugungen des PROPHET-5- und des PROPHET-VS-Teils miteinander kombiniert werden konnten, nun komplett wegfällt. Eine Preset-Kompatibilität zwischen dem alten und den neuen Propheten ist ebenfalls nicht gegeben.

ARTURIA PROPHET-VS V
ARTURIA PROPHET-VS V

Beim PROPHET VS handelte es sich um einem Synthesizer mit hybrider Klangerzeugung (also mit digitalen Wellenformen und analogen Filtern), der 1986 von SEQUENTIAL CIRCUITS vorgestellt wurde und gleichzeitig der letzte Synthesizer dieser damaligen Firma darstellte.

Das VS steht dabei für Vector Synthesis, was jetzt geheimnisvoller klingt, als es tatsächlich ist. Letztendlich werden hier einfach vier Oszillatoren mit zahlreichen Wellenformen mittels eines kleinen Joysticks frei miteinander gemischt, wobei die Bewegung eben dieses sogenannten Vector-Sticks aufgezeichnet, via Hüllkurve gesteuert und zusammen mit dem Preset abgespeichert werden konnten. Dabei entstehen, abhängig von den gewählten Wellenformen, Klänge mit einem sehr dynamischen Obertonverlauf. Später fand sich dieses Prinzip in abgewandelter Form sowohl in der KORG WAVESTATION als auch in den YAMAHA-Synthesizern SY-22, SY-35 und TG-33 wieder.

ARTURIA PROPHET V im VS-Modus
Der frühere ARTURIA PROPHET V im VS-Modus

Optisch hat sich im Vergleich zur Vorgängerversion einiges getan. Ähnlichkeiten zwischen beiden herrschen nur noch bedingt und beschränken sich in erster Linie auf die vom Vorbild übernommene Farbgebung und natürlich auch den Vector-Stick.

ARTURIA PROPHET-VS V - Vector-Sektion
ARTURIA PROPHET-VS V – Vector-Sektion

Die linksseitige Vektor-Sektion bietet beim PROPHET-VS V nicht nur die Möglichkeit zur Überblendung der vier Oszillator-Wellenformen, hier lässt sich auch die Grob- und Feinstimmung eines jeden Oszillators einstellen. Im Gegensatz zur Hardware und zum alten PROPHET V werden hier die jeweiligen Wellenformen praktischerweise auch grafisch dargestellt. Ihre Auswahl kann auf zwei Weisen erfolgen. Einerseits kann mit den kleinen Pfeilen seriell zwischen hin- und hergeschaltet werden.

ARTURIA PROPHET-VS V - OSC-Wellenformen
ARTURIA PROPHET-VS V – Browser für die OSC-Wellenformen

Andererseits können die gewünschten Wellenformen aber auch direkt aus einem Browser heraus selektiert werden. Der Vorrat wurde gegenüber der Vorgängerversion gehörig aufgestockt. Neben den originalen Wellenformen des Vorbilds bzw. denen der damals in Form optionaler Cartridges erhältlichen Erweiterungen hat ARTURIA nun auch jede Menge neues Klangmaterial beigefügt. So finden sich hier unter anderem auch FM-Spektren, granular erzeugte Wellenformen sowie Natur- und Instrumentenklänge.

Doch damit nicht genug, wer möchte, der kann über den Browser auch seine eigenen Samples in das Plugin importieren. Der PROPHET-VS V akzeptiert WAV-Dateien, von denen jeweils nur die ersten 128 Samples in eine sogenannte Single-Cycle-Waveform konvertiert werden.

Die über die Standard-Bedienoberfläche erreichbaren Parameter sind, wie auch schon beim Original, einigermaßen überschaubar. Manche davon befinden sich im Direktzugriff, beispielsweise das resonanzfähige vierpolige Tiefpassfilter (bei der Vorgängerversion gab es übrigens noch weitere Filtertypen), der Chorus-Effekt, die stimmenbezogenen Einstellungen oder der Arpeggiator. Andere wiederum müssen zunächst mit einem Schalter angewählt werden, bevor sie editiert werden können.

So werden etwa die drei Hüllkurven (für Vektor-Mischung, Filter und Verstärker) nacheinander ausgewählt und können anschließend im Grafik-Display bearbeitet werden. Ein zusätzlicher RATE-Drehregler erlaubt eine Einstellung der generellen Hüllkurven-Geschwindigkeit.

Auch die beiden LFOs lassen sich nur alternativ zueinander bearbeiten, denn sie müssen sich im Gegensatz zur Vorgängerversion nun ein gemeinsames Set an Bedienelementen teilen. Bei teurer Hardware ist so etwas ja noch nachvollziehbar, bei einer Software jedoch eher weniger.

Der PROPHET-VS V verfügt über einen RANDOM-Schalter, mit dem sich zufallsgesteuert neue Klänge erzeugen lassen. Über ein separates Menü lässt sich für diverse Parameter der Grad auswählen, mit dem der Zufall seinen Einfluss auf sie ausübt.

ARTURIA PROPHET-VS V - verborgene Stellschrauben
ARTURIA PROPHET-VS V – verborgene Stellschrauben

Unter der Haube verborgen finden wir auch wieder einmal einige Stellschrauben, nämlich einmal für die klanglichen Abweichungen der einzelnen Stimmen voneinander sowie einmal für das Stereopanorama der jeweiligen Stimmen. Die letztere Option gewährt zwar nur Zugriff auf acht Trimmer, doch bei höher eingestellter Polyphonie werden auch die weiteren Stimmen davon beeinflusst (Stimme 9 von Trimmer 1, Stimme 10 von Trimmer 2 usw.).

ARTURIA PROPHET-VS V - Advanced Panel - Mix-Envelope
ARTURIA PROPHET-VS V – Advanced Panel – Mix-Envelope

Kaum ein ARTURIA-Plugin verzichtet auf das sogenannte ADVANCED PANEL, einer per Mausklick aufrufbaren Erweiterung der Bedienoberfläche mit zusätzlichen Funktionen. Beim PROPHET-VS V gliedert sich diese in drei via Tabs auswählbare Bereiche auf, die ihrerseits wiederum in Unterbereiche aufgegliedert sind.

ARTURIA PROPHET-VS V - Advanced Panel - Filter-Envelope
ARTURIA PROPHET-VS V – Advanced Panel – Filter-Envelope

Im Tab ENVELOPES lassen sich die oben erwähnten drei Hüllkurven für MIX, FILTER und AMP direkt anwählen und in vergrößerter Ansicht komfortabel editieren, zudem stehen hier erweiterte Optionen zur Verfügung.

So hat man etwa bei Filter und Verstärker die frei Wahl zwischen Hüllkurven, die dem originalen PROPHET-VS nachempfunden wurden, Multi-Segment-Hüllkurven mit beliebig setzbaren Punkten oder DADSR-Hüllkurven (also ADSR-Hüllkurven mit zusätzlicher Delay-Phase).

ARTURIA PROPHET-VS V - Advanced Panel - Modulations
ARTURIA PROPHET-VS V – Advanced Panel – Modulations

Der Tab MODULATIONS bietet, wie der Name schon verrät, verschiedene Modulationsmöglichkeiten, die weit über das hinausgehen, was mit den beiden LFOs auf dem MAIN PANEL erzielbar ist.

Es gibt drei Funktionsgeneratoren, wie wir sie bereits aus anderen ARTURIA-Plugins kennen. Sie wirken wie eine Mischung aus LFO und Hüllkurve auf Steroiden und erlauben komplexe Kurvenverläufe mit bis zu 64 Punkten. Zahlreiche Zeichenwerkzeuge sowie fertige Presets erleichtern die Arbeit.

Auf der rechten Seite befindet sich die Modulationsmatrix, aus Platzgründen aufgeteilt in zwei identische 8×8-Matrizen. Damit sind insgesamt bis zu 128 Verknüpfungen möglich, wenn man es denn derart auf die Spitze treiben möchte.

ARTURIA PROPHET-VS V - Advanced Panel - Effects
ARTURIA PROPHET-VS V – Advanced Panel – Effects

Der letzte Tab schließlich nennt sich EFFECTS und beinhaltet genau das, nämlich eine Effekt-Sektion. Drei seriell oder parallel betreibbare Slots bieten jeweils eine Auswahl aus sechzehn Effekt-Typen. Die angebotenen Algorithmen entsprechen dabei exakt denen des weiter oben beschriebenen KORG MS-20 V, ich spare mir daher an dieser Stelle eine Wiederholung.

Sofern man einmal den erwähnten Hybridmodus außer Acht lässt (dieser lässt sich übrigens auch nicht einfach durch Schichten mit dem PROPHET-5 V nachbilden, weil beim alten PROPHET V ja beide Klangerzeugungen miteinander interagieren konnten), sondern sich tatächlich auf den reinen Klang der Vektor-Synthese beschränkt, dann ist der PROPHET-VS V seinem Vorgänger eindeutig überlegen.

Und dies nicht nur deshalb, weil der Neue über weitaus mehr Wellenformen verfügt. Auch sein Grundklang erscheint mir plastischer, brillianter und druckvoller, was man recht gut anhand der in beiden Plugins vorhandenen originalen Factory Presets des PROPHET-VS vergleichen kann. Der PROPHET-VS V spielt diese übrigens genau eine Oktave höher ab als der alte PROPHET V, warum auch immer. Alles in allem gefällt mir der Klang des neuen PROPHET-VS V in den meisten Fällen besser als der seines Vorgängers.

Statt eines kompletten Tracks präsentiere ich Euch aus zeitlichen Gründen dieses Mal lediglich ein Dutzend der Presets des PROPHET-VS V:

Klangbeispiel ARTURIA PROPHET-VS V

Und nachfolgend habe ich zu einem kurzen Vergleich auch noch mal drei der Factory Presets angespielt, zuerst jeweils mit dem PROPHET V und anschließend mit dem PROPHET-VS V.

Klangvergleich ARTURIA PROPHET V und PROPHET-VS V

Entscheidet selbst, welche Klänge Euch besser gefallen!


Prophet-5 V

Der klassische PROPHET-5 Synthesizer von SEQUENTIAL CIRCUITS unter der Leitung des legendären, leider kürzlich verstorbenen Entwicklers Dave Smith ist einer der wichtigsten Synths der Musik-Geschichte. Wegen seines Klangs und weil es der erste mit vollständigen speicherbaren Presets war, die bei allen Parametern den vorherigen Zustand wiederherstellten. Zudem war er 5-stimmig polyphon und im Gegensatz zu anderen polyphonen Synths dieser Zeit, wie dem CS-80 gut transportabel.

Dies ist die nun vierte Version des PROPHET-5 von ARTURIA, neu programmiert und mit einer überarbeiteten Oberfläche versehen. Wie Perry Staltic ja bereits erwähnte, wurden dabei die zwei Instrumente, die in PROPHET V noch vereinigt waren, getrennt in PROPHET-5 V und PROPHET-VS. PROPHET-VS ist ein späterer und technisch vollständig anders gearteter, weitgehend digitaler Synth, der auf Vektorsynthese beruht. Es war nicht naheliegend, sie unter einer Haube zu packen, nur weil sie von derselben Firma hergestellt wurden und das wurde nun korrigiert. Verloren ging dabei das durchaus interessante Feature, Klänge beider Synths zu mischen, dafür hat man nun zwei von Grund auf neu programmierte Instrumente.

ARTURIA PROPHET-5 V

Auf der Freeware-Seite sieht es bei Emulationen des PROPHET-5 schlecht aus, da kommt nichts auch nur annähernd nahe. Man kann höchstens einzelne Presets ähnlich nachbauen, aber die volle Klangpalette eines PROPHET-5 nicht erreichen. Bei den kommerziellen virtuellen Nachbauten machte der REPRO-1/REPRO-5 von U-HE bei seinem Erscheinen 2018 Furore und wurde sofort von fast allen als die neue Referenz angesehen. Ähnlich wie es mit DIVA bei den moogartigen Sounds gelang, wurden hier neue Maßstäbe gesetzt. Für REPRO gibt es mittlerweile auch eine größere Anzahl Soundbänke von Drittanbietern in hoher Qualität. Umso spannender also ein neu programmierter PROPHET-5 mit den aktuellen Techniken von ARTURIA.

Bei der grafischen Oberfläche bleibt ARTURIA nach wie vor näher am Layout und dem Aussehen des originalen PROPHET-5 als U-HE mit REPRO-5, das hat vermutlich lizenzrechtliche Gründe – wobei auf dem MS-20 V als erstem ARTURIA-Softsynth das Firmenlabel des Herstellers KORG prangt, was ja noch einmal eine andere Aussage macht, als nur der Instrumenten-Name.
Erweitert wird die Vintage-Oberfläche wie bei allen Instrumenten mit zusätzlichen Einstellungen, Parametern, LFO und Multisegment-Hüllkurve, die sich hinter dem Advanced-Button verbergen.

PROPHET-5 V ist bis zu 16-stimmig, übertrifft also das Original deutlich.

Vintage, wie es nur Vintage sein kann

Nun gut – das ist ohnehin das Motto von ARTURIA, was die weitgehend originalgetreu nachgebauten Oberflächen einschließt, was manchmal bei komplexeren Instrumenten auch kontraproduktiv bei der Bedienungsfreundlichkeit sein kann. Der PROPHET-5 ist jedoch von Natur aus so einfach und übersichtlich, dass das hier keine Rolle spielt.

Ein Synthesizer mit zwei Oszillatoren, einem Tiefpassfilter und einem LFO – das klingt zunächst mal sehr primitiv. Ergänzt wird das aber durch eine sogenannte Poly-Mod Sektion, in der man den zweiten Oszillator auf den ersten routen kann, oder auf dessen Puls-Weite oder auf den Filter-Cutoff. Das funktioniert mit Audio-Rate und im Niedrigfrequenzbereich, weil man den zweiten Oszillator auf LFO-Betrieb umschalten kann. Einen Oszillator mit einem anderen in voller Geschwindigkeit zu modulieren, bedeutet eine einfache Frequenzmodulation, ein frequenzmodulierter Filter-Cutoff klingt völlig anders, als ein mit einem LFO modulierter. Zudem beherbergt die Poly-Mod-Sektion einen Regler, mit dem man die Filter-Envelope auf die Frequenz und die Pulsweite des ersten Oszillators lenken kann – und auf den Filter-Cutoff, was doppelt gemoppelt ist, weil man das ja schon in der Filter-Sektion erledigen kann.

Poly Mod
Poly Mod

Der LFO mit den Wellenformen Sägezahn, Dreieck und Rechteck (wie der Oszillator 2) ist an das Mod-Wheel gebunden und kann auf die Frequenz und die Pulsweite von Oszillator 1 und 2 sowie auf den Cutoff geroutet werden. Eine Besonderheit ist hier, dass mit dem dazugehörigen Regler auch der Output des Rauschgenerators dem Modulationssignal mit zunehmender Stärke beigemischt werden kann, was der Modulation eine harsche Textur aufprägt.

LFO und Wheel Mod
LFO und Wheel Mod

Alles in allem werden die wenigen Modulationsquellen so miteinander verknüpft, dass es sozusagen mehr als die Summe der Teile ergibt und dem Prophet einen ganz eigenständigen Sound verleiht. Als eine moderne Erweiterung kann hier direkt an den Reglern nur der Sync-Schalter des LFOs gelten, der zum Host-Tempo synchronisiert, auch in Triplets und punktierten Notenwerten.

Die Oszillatoren an sich haben wenig besonderes, sicher, sie klingen relativ kräftig und kernig, Oszillator 1 verfügt über die Wellenformen Sägezahn und Rechteck, Oszillator 2 noch zusätzlich über die Dreiecks-Wellenform. In der Darstellung im Oszilloskop sehen sie mit den Rundungen und überschießenden Ecken sehr Vintage aus. Oszillator 1 kann mit Oszillator 2 synchronisiert werden, was zu einem typischen obertonreichen Squawky-Sound führt.
Die Pulsweiten-Modulation bezieht sich wie üblich nur auf die Rechteck-Wellenform.
Zu den Oszillatoren gehört ein Mixer, in dem man die Lautstärke der Oszillatoren regeln kann und die eines Noise-Generators, der weißes Rauschen produziert.

Oszillatoren
Oszillatoren

Das Filter des PROPHET-5 V ist nach der Revision 2 des Originals modelliert, das besonders kräftig und aggressiv klang. Die Resonanz ist sehr ausgeprägt und erzeugt einen deutlich wahrnehmbaren Extra-Ton um die Frequenz des Cutoffs, in dem Fall eher harsch als zwitschernd. Die Filter-Envelope kann stufenlos beigemischt werden, das Keyboard-Tracking ein- oder ausgeschaltet werden.

Filter
Filter

Der Verstärker (Amplifier) bietet die üblichen einfachen vier Kontrollen einer Hüllkurve. Separat gibt es noch ein Master Out Volume und daneben einen Master-Tune Regler, dessen Wert per Preset abgespeichert wird.

Amplifier
Amplifier
Legato und Unison
Legato und Unison

Zu den Keyboard-Kontrollen gehört der Glide-Regler zusammen mit dem Legato-Switch, Unison, bei dem man als zusätzliche Funktionen die Zahl der Stimmen und die Verstimmung untereinander festlegen kann. Auf der anderen Seite des Arpeggiators rechts unten wird das durch einen Hold-Switch ergänzt, der angeschlagene Noten hält, praktisch wie ein Sustain-Pedal, im Append-Mode erweitert er den Arpeggiator um eine Sequencing-Funktion.
Daneben, hinter dem Chord-Switch, verbirgt sich eine Akkord-Funktion, in dem Menü kann man entweder aus einigen Standard-Akkorden auswählen oder auf einer kleinen Tastatur selbst die Noten festlegen. Die dem Original nachempfundene Record-Funktion, die empfangene MIDI-Noten speicherte und als One-Key-Chord nutzbar machte ist entfallen und wurde schon vermisst.

Arpeggiator
Arpeggiator

An der Stelle der Preset-Verwaltung auf der Oberfläche des Originals hat ARTURIA dem Instrument einen Vintage-Arpeggiator spendiert. Er beherrscht die Modi Up, Down Up/Down, Order und Random und es kann Oktavbereich, Notenlänge und Wiederholungen eingestellt werden. Nicht spektakulär, aber nützlich.

Eine Besonderheit von ARTURIA ist die Voice Dispersion, die die vielfältigen Möglichkeiten simuliert, wie sich Stimmen in einem analogen Vintage Synth durch Umwelteinflüsse oder Alterung von Tastendruck zu Tastendruck unterscheiden können. Was dann zu diesem Charakter und Wärme führt, die man in digitalen Synths vermisst. Die Voice Dispersion ist sozusagen in einer virtuellen Klappe in dem Holz über der Tastatur verborgen und hier kann die Alterungserscheinungen entweder über drei Preset-Buttons festlegen oder man kann selbst Hand anlegen und bestimmen, wie weit Pitch, Pulse, Cutoff, Modulation usw. auseinanderläuft. Die Auswirkungen dieser Parameter-Drift sind je nach Preset durchaus wahrzunehmen und es ist wohl einzigartig, wie fein man das einstellen kann.

Voice Dispersion
Voice Dispersion

Moderne Ergänzungen

Advanced, Modulations
Advanced Panel – Modulations

Der Advanced-Button klappt nach oben eine die normalen und weitgehend originalen Funktionen des PROPHET-5 ergänzende moderne Sektion auf, die sehr dem Look & Feel des nicht in der V COLLECTION 9 V enthaltenen Synthesizers PIGMENTS entspricht.

Hier gibt es drei Tabs, der erste ist Modulations und hält zwei Quellen für zusätzliche Modulationen bereit. Die eine ist LFO 2, der zusätzlich noch die Wellenformen Sample & Hold und smooth S&H enthält. Und natürlich alle möglichen Features, wie Retriggering, als One-Shot Envelope oder eine Polyphone Funktion, bei der jede Stimme einen eigenen Startpunkt erhält. Auch eine Verschiebung der Phase ist möglich. Der LFO kann auf zwei Ziele geroutet werden.

Advanced, LFO 2
Advanced Panel – Modulation, LFO 2

Die zweite Modulationsquelle wird Function genannt und ist im Prinzip eine loopbare Multisegment-Hüllkurve. Die Punkte auf dieser Kurve werden entweder frei eingezeichnen oder mithilfe von Werkzeugen, die nur Stufen oder Sägezähne produzieren. Es sind auch 24 Presets mit vorgefertigten Kurvenverläufen verfügbar. Eigene Modulationskurven kann man nicht separat vom Preset in einem eigenen Format abspeichern, wie in einigen anderen Synths.

Advanced, Modulation, Function
Advanced Panel – Modulation, Function

Im zweiten Tab werden die Messages des Keyboards als Modulationsquellen herangezogen und sind ebenfalls mit Multisegmentkurven editierbar. Man kann damit genau einstellen, wie sich die Velocity, Aftertouch, Modulation Wheel und Keyboard-Tracking auf die bis zu drei Zielparameter pro Wert auswirken.

Advanced, Keyboard
Advanced Panel – Keyboard Einstellungen

Im dritten Tab finden sich schlussendlich die Effekte. Auch hier hat sich einiges getan und die Qualität der Effekte wurde verbessert. Es sind 16 Effekte, die von Delay, Reverb, Distortion bis hin zum JUNO-6-Chorus und einem EQ reichen. Sie können in drei Slots gepackt werden, wobei das Routing parallel oder seriell ablaufen kann. Ausser in den Vintage-Factory Original-Patches sind eigentlich immer Effekte sowie Modulationen aus dem Advanced-Panel beteiligt und tragen ihren Teil zu modernen analog klingenden Sounds bei, die weit über die Möglichkeiten des Originals hinausgehen.

Advanced, FX Chain
Advanced Panel – FX Chain

Wellenformen

Nachdem ich einige Patches von PROPHET-5 V und REPRO-5 verglichen hatte, fragte ich mich, wie groß der Unterschied bei den Grund-Wellenformen ohne eine weitergehende Beeinflussung durch andere Komponenten ist. Also rein ein Oszillator, das Filter ganz aufgedreht, gleiche Einstellungen beim Verstärker.

Beim Sägezahn hört man keinen Unterschied. Auch die Darstellung im Oszilloskop sieht sehr ähnlich aus, das Spektrogramm ist optisch identisch.

Wellenformen Saw
Wellenformen Sägezahn
Wellenformen Sägezahn, zuerst PROPHET-5 V dann REPRO-5

Beim Dreieck gibt es einen leichten Unterschied, im Oszilloskop sind die Spitzen der Dreiecke beim PROPHET ein ganz klein wenig runder. Im Spektrogramm sieht man, dass die Obertöne bei der Aufnahme des PROPHET ab 5000 Hz schwächer werden, beim REPRO nicht.

Wellenformen Dreieck
Wellenformen Dreieck
Wellenformen Dreieck, zuerst PROPHET-5 V dann REPRO-5

Die Rechteckform hört sich auf den Studiolautsprechern unterschiedlich an, der REPRO klingt typischer hohl und klarer, als der PROPHET, als mp3 aus einem kleinen Lautsprecher hört man praktisch keinen Unterschied. Die Wellenform an sich sieht im Oszilloskop ziemlich wild aus für ein Rechteck, am Anfang stark überschießende Spitzen, dann die Flanken beim PROPHET leicht abfallend, beim REPRO etwas bogenförmig. Im Spektrogramm sieht man bei dem Rechteck des PROPHET schwach alle Obertöne eines Sägezahns, beim REPRO kaum.

Wellenformen Rechteck
Wellenformen Rechteck

In der Wellenformdarstellung in AUDACITY sieht man noch einmal deutlicher die Unterschiede.

Wellenformen Rechteck in AUDACITY
Wellenformen Rechteck, zuerst PROPHET-5 V dann REPRO-5

Factory Vergleich

Bei allen anderen Presets, ausser den originalen Factory-Presets des historischen PROPHET-5, wirken in beiden Softsynths zusätzliche Modulatoren und Effekte mit, die man im jeweils anderen virtuellen Nachbau nicht zur Verfügung hat oder bei denen es wegen der unterschiedlichen Auswirkungen der Parameter-Werte sehr mühsam wird, einen ähnlichen Klang zu erreichen.

Also verglich ich einige ausgewählte Factory-Presets und kam zu einem sehr gemischten Ergebnis. Einige klingen sehr ähnlich, andere etwas unterschiedlich, manche völlig anders. Da ich natürlich keinen original PROPHET-5 Rev. 2 im Studio herumstehen habe, ist es nicht möglich festzustellen, welche Emulation näher am Original ist. Ich fand ein Video, in dem alle Factory-Presets auf einem Vintage-PROPHET-5 durchgespielt werden, aber das ist eine Revision 3.3, die etwas anders klingt, wegen dem unterschiedlichen verbauten Chipsatz. Vielleicht orientiert sich der REPRO-5 auch an einer späteren Revision. Aber hier ist das Bild auch durchmischt, mal ist die eine Emulation näher dran, mal die andere. Man muss hier allerdings sagen, dass der REPRO etwas öfter ähnlicher klingt als der PROPHET-5 V und dass der Original-Hardware-Synthesizer selbst trotz der Qualitätsminderung durch ein YT-Video meist etwas besser klingt… Tja.

Vergleichsbeispiele

Vintage Factory Preset 11 Brass – Dieses Presets hören sich auf beiden virtuellen Synths fast gleich an. Die Hardware ist etwas metallischer.

16 Harpsichord – Diese Factory-Presets klingen in beiden Synths gleich.

26Fiter Mod – Das Filter Mod Preset klingt im REPRO etwas ausgeprägter, aber der Unterschied ist nicht groß.

32 SyncII – Diese Presets klingen sehr ähnlich.

35Octave Sawteeth – Auch Octave Sawteeth ist in beiden Synths praktisch gleich.

42 Slow Sync – Hier entspricht das Timbre der Hardware eher dem des PROPHET-5 V, das Verhalten des LFO eher dem des REPRO-5.

44 Sweeping Harmonics – Hier ist der ARTURIA-Synth etwas näher dran, aber eigentlich klingt das Preset aus der Hardware deutlich anders.

48 Clangorous Bell – Dieser metallische Glockensound ist ein schwieriger Fall. Denn der von ARTURIA ist in sich verstimmt, kommt aber etwas näher an das Timbre der Hardware heran, während REPRO hier einen korrekten Grundton und Obertonreihe produziert, aber anders klingt. Die Hardware liegt irgendwo dazwischen.

51 Alien – Hier ist der REPRO näher an dem metallischen Grundklang dran.

52 Noise Sweep – Der Noise Sweep aus dem PROPHET-5 V hört sich etwas natürlicher nach Wind an. Seltsamerweise wird ab einem bestimmten Punkt das Rauschen aus dem REPRO nicht mehr lauter, obwohl der Output ganz aufgedreht wurde, musste ich stark normalisieren.

55 Helicopter – Bei diesem Effektsound ist es wiederum schwer zu sagen, welches Preset näher an der Hardware ist. Der REPRO ist etwas näher, das Hubschraubergeräusch ist in der Hardware etwas weicher. Beide hören sich nach Hubschrauber an.

Alles in allem haben diese beiden Spitzen-Emulatoren der PROPHET-5-Hardware über alle Presets hinweg ein etwas unterschiedliches Timbre, einen unterscheidbaren Charakter. Der ARTURIA PROPHET-5 V klingt generell kräftiger, harscher, dreckiger während der REPRO-5 zwar auch die charaktervollen, eher dreckigen Sounds des Originals widerspiegelt, aber oft im Vergleich etwas bedeckter, harmloser, schöner, mit „Edeldreck“. Das hat je nach Situation beides seine Vor- und Nachteile, mal passt das eine besser, mal das andere. Aber wenn man einen Synth sucht, mit dem man brachiale Sounds schrauben kann, die sehr vintage klingen, dann ist es eher der ARTURIA-Synth.

Moderne Sounds

So gut, klassisch und zeitlos einige der Factory-Presets sind, so richtig entfaltet der PROPHET-5 V sein Potential im Zusammenwirken der komplexeren Modulationen und der Effekte. Hier eine Auswahl.

PROPHET-5 V Bass-Presets
PROPHET-5 V Key-Presets
PROPHET-5 V Lead-Presets
PROPHET-5 V Pad-Presets

Der aktuelle PROPHET-5 V stellt gegenüber dem Vorgänger PROPHET V eine deutliche Verbesserung dar und wurde mit den neuesten Techniken, die ARTURIA zur Verfügung stehen neu programmiert. Das Bemerkenswerte an ARTURIA ist, dass sie ihre alten Emulationen tatsächlich permanent weiterentwickeln und nicht nur darauf setzen, beständig neue Instrumente rauszubringen und die bisherigen zu vernachlässigen. Das hat sich auch in diesem Fall wieder gelohnt, PROPHET-5 V ist nun ein Instrument, das auf Augenhöhe mit der bisherigen Referenz in diesem Bereich ist und einen eigenen, rohen und kräftigen Charakter aufweist. Er hebt sich mit seiner Mischung aus authentisch analogem Grundklang und den erweiterten Möglichkeiten durch moderne Modulatoren und Effekte von vielen aktuellen virtuellen Synthesizern ab.


CS-80 V4

Klar, beim YAMAHA CS-80 denken wohl viele sofort an diverse alte Stücke des kürzlich verstorbenen Musikers Vangelis, etwa an seinen Soundtrack zu “Blade Runner”. Ich persönlich verbinde damit außerdem stets die fetten Drone-Flächen in “Legends of the Wolves” auf dem gleichnamigen Album von Joerg Strawe. Und das ist sicherlich nur eine minimale Auswahl an Beispielen, in denen der CS-80 zu hören ist.

ARTURIA hat nun bereits seit fast zwei Jahrzehnten den CS-80 V im Angebot. Ich muss gestehen, dass ich mit diesem nie sonderlich viel anzufangen wusste. Nicht etwa, dass er schlecht war, aber für meinen Geschmack war er einfach nur ein durchschnittlicher Software-Synthesizer und bot mir nichts, dass ich nicht auch woanders in attraktiverer Form bekam. Aber das ist nur meine subjektive Meinung und es gibt sicherlich auch Anwender, die mir in diesem Punkt überhaupt nicht zustimmen und die die CS-80 V sogar richtig toll finden.

ARTURIA CS-80 V4
ARTURIA CS-80 V4

Und nun hat ARTURIA diesen in die Jahre gekommenen Recken ebenfalls ins Trockendock verfrachtet und ihm eine Runderneuerung verpasst. Rein äußerlich ist dabei auf den ersten Blick gar nicht mal so viel passiert, auf den zweiten stellt man dann fest, dass einige wenige Parameter nun ihre Positition gewechselt haben und dass die Bedieoberfläche nebst Schaltern und Reglern noch mehr ihrem Vorbild angegeglichen wurden, inklusive vermeintlichen Lichtreflexionen und Schattenwürfen.

ARTURIA CS-80 V4 - verborgene Stellschrauben
ARTURIA CS-80 V4 – verborgene Stellschrauben

Wo sich bei der Vorgängerversion unter den virtuellen Lüftungsgittern noch die erweiterten Funktionen verbargen, hat ARTURIA bei der vierten Auflage CS-80 V die nun auch schon aus den anderen Synthesizer-Plugins neueren Datums bekannten Trim-Potentiometer untergebracht, mit denen sich für diverse Parameter klangliche Abweichungen zwischen den einzelnen Stimmen zugunsten einer höheren Lebendigkeit einstellen lassen.

ARTURIA CS-80 V4 - Advanced Panel - Modulations
ARTURIA CS-80 V4 – Advanced Panel – Modulations

Das eigentliche ADVANCED PANEL des CS-80 V4 nimmt aufgrund der zugenommenen Zahl an Funktionen auch deutlich mehr Platz ein und öffnet daher nun nach oben. Drei Tabs beherbergen verschiedene Funktionsgruppen, die erste davon nennt sich MODULATIONS und ist in zwei gleich große Bereiche aufgeteilt.

Im linken Bereich befinden sich drei wiederum durch Tabulatoren voneinander getrennte Funktionsgeneratoren, die den beim PROPHET-VS V beschriebenen Modulatoren sehr ähnlich sind. Neben dem Aufruf vorgefertigter Einstellungen lassen sich auch hier wieder mit Hilfe verschiedener Zeichenwerkzeuge nahezu beliebige Kurvenverläufe erstellen, denen sich dann jeweils bis zu drei Parameter aus einer Liste von insgesamt 87 Zielen zuordnen lassen.

Der rechte Bereich beinhaltet den sogenannten MODULATION MIXER. Dieser ermöglicht es, zwei Modulationsquellen durch verschiedene mathematische Operatoren miteinander zu verknüpfen und das dadurch entstehende Resultat zur Modulation von bis zu drei Parametern gleichzeitig einzusetzen. Zu den möglichen Quellen gehören unter anderem auch die beiden LFOs und die vier Hüllkurven des CS-80 V, aber auch die gerade erwähnten Funktionsgeneratoren.

ARTURIA CS-80 V4 - Advanced Panel - Keyboard
ARTURIA CS-80 V4 – Advanced Panel – Keyboard

Der KEYBOARD genannte Tab dient der Einstellung der vier tastatur- und spielhilfenbezogegen Modulationsquellen Anschlagsdynamik, Aftertouch, Modulationsrad sowie Keyboard-Tracking. Für jeden einzelnen dieser genannten Parameter kann man sowohl die Regelkurve anpassen als auch bis zu drei mögliche Modulationsziele definieren und deren jeweilige Modulationsintensität einstellen.

ARTURIA CS-80 V4 - Advanced Panel - Effects
ARTURIA CS-80 V4 – Advanced Panel – Effects

Die Effekt-Sektion folgt einmal mehr dem aktuellen ARTURIA-Standard und gleicht zu der des PROPHET-VS, will sagen, auch hier gibt es drei Slots, die wahlweise seriell oder parallel geschaltet werden wönnen, und auch die sechzehn verfügbaren Effekt-Typen sind identisch, diese wurden von mir ja schon oben beim KORG MS-20 V aufgezählt, darum tue ich das hier nicht schon wieder.

ARTURIA hat bei der vierten Version des CS-80 V aber nicht nur die Optik und das ADVANCED PANEL überarbeitet, sondern auch die gesamte Soundengine komplett erneuert, so wie auch schon bei den Propheten und bereits vor einiger Zeit beim JUP-8 V4 ebenfalls. Aus diesem Grund sind auch die Presets der Vorgängerversion nicht in der V4 nutzbar. Man kann jedoch beide Versionen parallel installieren, um eine Kompatibilität zu alten Projekten zu gewährleisten.

Ein direkter Klangvergleich zwischen alter und neuer Version gestaltet sich beim CS-80 V etwas schwieriger, da keine übereinstimmenden Presets existieren. Selbst die über die farbigen Schalter im Bereich TONE SELECTOR aufrufbaren Nachahmungen der damaligen YAMAHA-Werksklänge klingen zum Teil völlig anders. Vor allem muss man bei beiden Plugins zunächst einmal alle Effekte ausschalten, weil diese häufig einen maßgeblichen Anteil am Klangcharakter der Presets haben und schon deshalb die V4 oft voller als die V3 ertönen lassen.

Stellt man allerdings bei beiden Versionen einen Init-Sound ein und gleicht die Lautstärke der beiden einander an, dann werden die hörbaren Unterschiede deutlich geringer, gleichwohl sind sie aber durchaus vorhanden. So empfand ich die V4 im Vergleich etwas weniger britzelig im Grundklang, dafür insgesamt etwas dunkler. Das klingt dann so (zuerst V3, dann V3):

Klangvergleich ARTURIA CS-80 V3 und CS-80 V4

Die Unterschiede zum direkten Mitbewerber MEMORYMOON ME80 fallen übrigens ähnlich gering aus.

Hier könnt ihr auch noch ein paar der Presets des CS-80 V4 hören:

Klangbeispiel ARTURIA CS-80 V4

ARTURIA PIANO V3

Vor sechs Jahren brachte ARTURIA die erste Version des physikalisch modellierten akustischen Pianos heraus, hier findet sich der Testbericht dazu. Darin verglich ich sehr ausführlich die verschiedenen Piano-Modelle mit ihren gesampleten Gegenstücken anderer Hersteller. Das Fazit war, dass es ein respektabler Erstling in dem kleinen Feld modellierter Pianos darstellte, eine sehr hohe Variationsbreite bei den möglichen Sounds aufweist und je nach Situation gut einsetzbar ist. Heute würde ich rückblickend sagen, eher im Mix als solo. Aber nun haben wir eine neue, verbesserte Version, genau genommen die zweite verbesserte, denn die Version 2 wurde natürlich auch schon verbessert.

Piano V3 American Grand
PIANO V3 American Grand

Generell finde ich physikalisch modellierte Instrumente faszinierend, denn es bleibt für die Programmierer eine besondere Herausforderung, das akustische Verhalten und Zusammenwirken von Materialien und ihre Resonanzen in mathematische Beschreibungen zu packen. Damit an Aufnahmen realer Instrumente heranzukommen ist schwer – und besonders schwer bei einem so verbreiteten und in der Hörerfahrung der Menschen präsenten Instrument wie dem Piano.

Nach den Stimmen im Netz gab es in der Version 2 schon deutliche Verbesserungen im Sound und Grad des Realismus. In der Version 3 wurden nun die drei Haupt-Grands noch einmal von Grund auf neu programmiert, das American, German und Japanese Grand, mit den anderen Modellen waren sie weiterhin zufrieden. Das Mikrofon-Setup wurde neu gemacht und hat einen deutlichen Einfluss auf den Klang aller Instrumente, keine Phasing-Probleme mehr mit den virtuellen Mikrofonen.
Was gleich ins Auge fällt, ist die überarbeitete Oberfläche, die visuellen Repräsentationen der Pianos stehen nun in passenden Räumen, die Advanced-Einstellungen sind auf eine modern wirkende Extra-Seite gewandert und auf der Hauptseite bleiben unten nur noch Makro-Regler für die wichtigsten Parameter. Soweit ich das rekonstruieren kann, kam kein neues Piano-Modell dazu, es blieb bei den 12 Modellen, auf die die Liste in der Version 2 von den 9 in Version 1 erweitert wurde.

Piano V3 Tack Upright
PIANO V3 Tack Upright

Dazu gekommen ist bei den Effekten ein Amplifier-Effekt mit Harmonics und Overdrive, der ordentlich Wärme hinzufügen kann, wenn es passt.

Nach der Installation mit dem ASC (Arturia Software Center), bei der ich endlich nach einem Hinweis von Perry Staltic checkte, dass man über das Eigenschaften-Fenster den Installationsort ändern kann und ich daraufhin den gesamten ARTURIA-Ordner vom knapp bemessenen Laufwerk C auf eine andere Festplatte verschob, ploppte als erstes das Keyboard-Kalibrations-Fenster auf. Damit kann man in mehreren angeleiteten Schritten die Velocity-Response-Kurve von PIANO V an das eigene Keyboard anpassen.

Bei mir klappte das nur sehr bedingt, auch nach mehreren Anläufen musste ich abrupte senkrechte Stufen aus der Kurve nachträglich manuell heraus editieren. Das taugt vielleicht als erster Anhaltspunkt, aber so wirklich sicher bin ich mir da nicht. Letztendlich behielt ich zwar den flachen Anstieg bei den niedrigen Anschlagsstärken bei, den Rest gestaltete ich aber wesentlich weniger extrem.

Man kann dann diese Kurve speichern und sie gilt dann für alle Pianomodelle. Mehrere Versionen für verschiedene verwendete Keyboards kann man nicht parallel abspeichern. Verwendet man eine “neutrale”, nicht mit dieser Einstellung eingespielte MIDI-Datei muss man alle Knotenpunkte löschen und auf einem linearen Verlauf zurück stellen, sonst ist die Dynamik komplett verfälscht.

Keyboard Calibration
Keyboard Calibration

Beim ersten Anspielen der Presets hatte ich gleich den Eindruck, dass sich da einiges getan hatte. Da waren etliche schöne Pianos dabei, die es in der Qualität in der ersten Version nicht gab. Zumindest hinter PIANOTEQ braucht sich PIANO V nicht mehr zu verstecken. Doch wie sieht es mit anderen, Sample-basierten Pianos aus?

Zunächst verglich ich aber den Lauf über alle Oktaven, den ich mit PIANO V1 mit dem Grand gemacht hatte mit dem American Grand clean Preset. Was soll man sagen? Der Unterschied ist sehr deutlich, die überarbeitete Version ist viel definierter, klingt natürlicher. Es ist ein sehr ähnliches Piano, aber besser – sicher die Einstellungen in dem Preset sind nicht genau gleich, aber beide Out of the Box, das neutrale Preset dieses Piano-Modells.

Kompletter Lauf über alle Oktaven Piano V Version 1
Kompletter Lauf über alle Oktaven PIANO V Version 3
Ausschnitte aus dem Lauf, jeweils zuerst Version 1 dann 3

Hinter dem Zahnrad in der Top-Leiste rechts verbergen sich die globalen Einstellungen für den MIDI-Channel, die Multi-Core-Nutzung des Prozessors und die Polyphonie. Man kann MIDI-Keyboard-Typen zuweisen und CC-Controller Nummern zu Reglern. Im Macro-Tab werden die vier Macro-Regler auf der Frontseite unten konfiguriert und Reglern auf der Advanced-Seite zugewiesen.

Globale Einstellungen
Globale Einstellungen, hier Macro

Die Keyboard-Darstellung unten hat meiner Ansicht nach einen ärgerlichen optischen Fehler, da die schwarzen Tasten, wenn sie gedrückt werden nur minimal schwärzer werden. Man sieht das im Gegensatz zu den weissen Tasten kaum, es wäre viel besser, wenn sie als Reaktion heller werden würden.

PIANO V3 verfügt über einen ausgefeilten Preset-Browser, mit einer Suche, Favoriten, Kategorien, man kann nach Types, Styles und Banks ordnen und suchen. Presets können in Playlists für Performances zusammengefasst werden. Presets können einzeln oder ganze Bänke gespeichert werden, als Backup oder zum Austausch mit anderen Nutzern.

Piano V3 Presets
PIANO V3 Presets

Das Main Panel mit der Darstellung des aktuell ausgewählten Piano-Modells umfasst unten links über der Tastatur eine Liste der verfügbaren Modelle. Man kann damit mit den gültigen Regler-Einstellungen auf der Advanced-Seite im Hintergrund durch die Modelle steppen und sich anhören, wie sich das auf den Klang auswirkt. Daneben befinden sich die vier Makro-Regler mit dem Zugriff auf die wichtigsten Klang-Parameter, jedem Regler können im Hintergrund mehrere Parameter zugewiesen werden. Mit unterschiedlichen Verlaufskurven, es kann also mit einem Dreh im Uhrzeigersinn der Wert des einen erhöht und der des anderen verringert werden. Die Konfiguration und Werte der Makro-Regler werden auf Preset-Ebene abgespeichert. Der Mix-Regler des Reverbs bleibt immer sichtbar, Volumen regelt den Output-Gain.

Das Advanced-Panel

Advanced, Model
Advanced Panel – Model

Bei den grundsätzlichen Klang-Parametern des Instruments selbst hat sich gegenüber der Version 1 nichts geändert. Der Vorteil der physikalischen Modellierung eines Instruments liegt vor allem darin, dass damit dynamisch und stufenlos grundlegende Eigenschaften geändert werden können. Im Model-Panel sind die verschiedenen Einstellmöglichkeiten thematisch gruppiert. In der Action-Gruppe ist die Hammer-Härte davon eine der wichtigsten, sie bestimmt, wie weich oder hart der Filz auf den Hämmern ist, simuliert sozusagen das Alter und den Verschleiß. Ganz nach rechts gedreht produziert der harte Hammer-Belag mehr Obertöne. Ganz soft nimmt dann schon viel von den Transienten weg, nimmt dann aber eher schon einen unrealistischen Charakter an. Leider gibt es keine Möglichkeit, damit den Klang eines Felt-Pianos zu simulieren, was sicher ginge und als Feature bei jedem Piano interessant wäre. Sozusagen unter ganz soft der typische Klang eines extra mit Filz abgedämmten Hammers, das wäre cool.

Advanced, Model, Action
Advanced Panel – Model, Action

Mit der Hammer Position wird simuliert an welcher Stelle der Hammer die Saite anschlägt, an der Verankerung, dann ergibt das ein helleres, Obertonreicheres Klangbild oder mehr in der Mitte, was in dunkleren Tönen resultiert.

Dynamics regelt die Auswirkung der Velocity-Werte, die das Plugin erreichen. Auf Null gedreht ist alles gleich laut, aufgedreht wird der Unterschied zwischen leisen und lauten Tönen immer größer.

Die Release Time bestimmt, wann der Hammer nach dem Anschlag wieder zurück auf die Saite fällt und sie abdämpft. 12 Uhr ist die normale Verzögerung bei einem Piano. Sie kürzer zu machen kann helfen, dass das Piano in einem dichten Mix besser durchkommt. Verlängert wirkt es beinahe so, als sei das Sustain-Pedal gedrückt.

Advanced, Model, Strings
Advanced Panel – Model, Strings

Unter Strings befinden sich Parameter, die mit der Stimmung der Saiten zu tun haben. Tuning erlaubt ein Fine-Tuning zwischen 320 und 480 Hz. Unison Detune verstimmt die mehrsaitigen Töne in den mittleren und hohen Lagen in sich und ist ein Teil der Verstimmung, die bei einem länger nicht gestimmten Klavier eintritt. Der Age-Regler fügt hier noch die Verstimmung und Änderungen in der Obertonstruktur hinzu, die vollends aus dem eben noch funkelnagelneuen Klangmöbel ein stark gebrauchtes und nicht gewartetes machen. Stretch Tuning ist eine Spezialität, die Uprights und Baby Grands betrifft, bei denen der Klavierstimmer nach und nach in den oberen Lagen die Oktavabstände dehnt, damit die Obertöne besser mit denen der unteren Lagen zusammenklingen.

Advanced, Model, Acoustics
Advanced Panel – Model, Acoustics

Unter Acoustics sind die eher generellen akustischen Eigenschaften, die mit dem Gehäuse zu tun haben versammelt. Bei Lid Position gibt es die Werte geschlossen, etwas geöffnet und offen, die eine deutliche Auswirkung bei allen Pianos, auch den Uprights haben. Geschlossen ist etwas dumpfer und softer.
Soundboard Resonance bestimmt wie stark der Resonanzboden des Pianos mitschwingt und aufgedreht verlängert sich der Ausklang. Sympathetic Resonance simuliert das Mitschwingen der ungedämpften anderen Klaviersaiten, wenn ein Ton angeschlagen wird.

In Noises regelt man die Stärke der Eigengeräusche der Tasten, Hämmer und des Sustain-Pedals, wenn sie gedrückt oder wieder los gelassen werden.

Advanced, Model, Mics
Advanced Panel – Model, Mics

Die Mic-Positionen wurden wie gesagt komplett neu programmiert und sollen nun besser klingen. Neben den Mikrofonierungen Classical, Home und Mono haben die Grand Pianos noch Pop. Interessant sind in diesem Zusammenhang noch die Ambient-Mics, die weiter weg in dem simulierten Raum stehen und im Gegensatz zu den nahen anderen Positionen ein Raumgefühl vermitteln, sie können variabel beigemischt werden.

Rechts unten findet sich die Velocity-Kurve, die man neu bearbeiten oder noch einmal den Kalibrationsprozess durchlaufen kann, falls notwendig.

Advanced, Effects
Advanced Panel – Effects

Die Effekt-Seite bietet die schon von den Vorgängerversionen bekannten Effekte an, die jedoch gegen neuere Algorithmen aus dem stetig anwachsenden Effekt-Pool von ARTURIA ausgewechselt und damit modernisiert und verbessert wurden. Neu hinzu kam ein Pre-Amplifier mit Harmonics und Overdrive. Auch die Impulsantworten für das IR-Reverb sind neu. Zu allen Effekten kann man sagen, dass sie eine hohe Qualität haben und nicht durch externe Effekte ersetzt werden müssen.

Vergleich der Modelle

Teils ist bei möglichst gleichen, neutralen Einstellungen, ohne EQ und Reverb der Unterschied zwischen den Modellen gar nicht so groß. Den Unterschied machen hier die Parameteränderungen in den Presets, die den Grundcharakter des Modells hervorheben. Bei den “kreativen” Modellen, wie Glass Grand oder Plucked Grand ist das nicht so, hier ist der Grundklang ein völlig anderer.

Bei den Grand Pianos sind in meinen Augen (Ohren) American Grand und German Grand die zentralen Modelle, das Japan Grand klingt etwas Obertonreicher. Einen deutlichen Einfluss haben wie gesagt auch die Mikrofone, Home klingen am wärmsten.

Piano V3 German Grand
PIANO V3 German Grand

Neutral (clean), gleiche Einstellungen, ohne EQ und Reverb, ausser EQ bei Wunderkind. Die Modelle American Grand und German Grand, dann von German Grand das Preset Wunderkind mit nur leicht unterschiedlichen Einstellungen und ein bisschen EQ.

American Grand, German Grand, German Grand, Preset Wunderkind

Nur die Anfänge des Klangbeispiels, im Vergleich das PIANO V3 German Grand Preset Wunderkind, dann die gesampleten Pianos Bechstein Grand mit dem Preset Warm Chords, EZPiano Grand mit dem Init Factory Preset und 8Dio Passionate Piano mit dem Init Factory Preset. Zuerst alle hintereinander, dann jeweils PIANO V3 und eines der gesampelten Pianos direkt gegenübergestellt. Das Passionate Piano fällt etwas aus dem Rahmen und wirkt im Vergleich dumpf, Bechstein und EZPiano Grand sind unten rum viel fülliger und klingen etwas natürlicher.

Aber – und das finde ich das Bemerkenswerte – der Unterschied ist nun minimal, keiner würde sich auch bei einem Solo-Einsatz fragen, ob das jetzt am Ende nicht etwa ein algorithmisch erzeugter Klang ist und nicht ein aufgenommener. Das ist einfach ein Piano mit einem anderen Timbre, so wie sich die anderen auch deutlich voneinander unterscheiden – in einem Blindtest ohne die Fragestellung: ist da ein physikalisch modelliertes Piano dabei? würde niemand darauf kommen. Mit dieser Fragestellung vielleicht, aber wohl auch nur Experten mit einem geschulten Ohr.

Vergleich der Anfänge des Teststücks über alle Pianos

Die neutralen Aufnahmen der Grand Modelle in voller Länge:

American Grand neutral
German Grand neutral
German Grand, Preset Wunderkind
Japanese Grand neutral

Die gesampleten Grands anderer Hersteller zum Vergleich:

Bechstein, Preset Warm Chords
EZPiano Grand
8Dio Passionate Grand

Die Upright Modelle:

Classical Upright neutral
Jazz Upright neutral
Piano Bar Upright neutral
Pop Upright neutral

Die Kreativ-Modelle:

Glass Grand neutral
Metal Grand neutral
Plucked Grand neutral
Tack Upright neutral

Viele Noten

Ein bisschen ein Sonderfall sind viele gehaltene Noten auf einmal. Mit einem Ausschnitt eines Klavierstücks von Rachmaninov kann man das gut mit den gesampleten Pianos vergleichen. Dabei fällt auf, dass zwar die tiefen Lagen wiederum bei den gesampelten Pianos voller klingen, aber insgesamt alles mehr verschwimmt, während PIANO V3 immer definiert ist und die Noten besser unterscheidbar bleiben.

Rachmaninov, German Grand, Preset Clean, Mikrofonierung Home
Rachmaninov, Bechstein, Preset Warm Chords, Mikrofonierung Side
Rachmaninov, EZKeys Grand, Preset Standard
Rachmaninov, Vergleich Piano V3, Bechstein, EZKeys Grand

Die Presets

Auf der Grundlage der verschiedenen Modelle erstellten die Sound Designer von Arturia an Themen angepasste Presets, wie 80ies, Modern, Cinematic usw. Dabei unterscheiden sich die meisten normalen Presets am deutlichsten bei den EQ-Einstellungen, das Zusammenspiel von Hammerhärte und Soundboard Resonance hat auch zusammen Auswirkungen und natürlich welches Reverb ausgewählt wurde. Mit der entsprechenden Parameter-Kombination erreichen sie etwas mehr Charakter oder sogar Natürlichkeit. Extremere Unterschiede liegen dann daran, dass kreative Modellen die Grundlage sind oder an aufgedrehtem Unison Detune und Age.

Von den normalen Presets fand ich die interessantesten und in sich abgerundeten die zum Thema Jazz.

Preset Bills Best Jazz

Hier gleich zum Vergleich das gesamplete Bechstein, das ein sehr gutes Jazz-Piano ist:

Bechstein, Preset Standard (Enjoy)
Preset West Coast Upright
Preset Warm Jazz
Preset Martha’s Upright

Angespielt mit Jazz oder Ambient entfalten die Presets mit Kreativen Modellen ihren Charme.

Preset Electro Mechanix
Preset Grand Electrique
Preset Metal Grand
Preset Plucked Grand
Glass Mellow ist ein stark modifiziertes Glass Grand mit reduzierter Hammerhärte

Presets mit Hall

Preset Hallowes Eve
Preset Cosmic Closet
Preset Island Vibe
Preset Black Forest

ARTURIA begab sich mit einem physikalisch modellierten Piano auf einen anders gearteten Seitenpfad zu ihrem normalen Geschäft mit Vintage-Synthesizer Emulationen. Mit der generalüberholten Oberfläche und den neu programmierten Grands kann man sagen, dass dieser Versuch mit der dritten Generation des Instruments erwachsen wurde und einen Erfolg darstellt, der qualitativ auf dem gleichen Stand wie die unmittelbare Konkurrenz bei modellierten Pianos ist und sich mit sehr guten gesampleten Pianos messen kann. Das ist nun ein Piano-Sammlung, die man für jeden Zweck einsetzen kann und das finde ich ein erstaunliches Stück Programmierkunst.


Fazit:

Am regulären Grundpreis hat sich bei der V COLLECTION 9 im Vergleich zum Vorgänger nichts geändert, trotz der gestiegenen Anzahl an Instrumenten beträgt er nach wie vor 599,- Euro. Abgesehen davon, dass ARTURIA zu verschiedenen Gelegenheiten immer wieder mal befristete Sonderaktionen mit erheblichen Rabatten durchführt, gibt es für Bestandskunden zudem individuelle Angebote. je nachdem, wieviele und welche Produkte man in der Vergangenheit bereits von ARTURIA erworben hat, kann der Preisnachlass hier bis zu satte 450,- Euro betragen!

Perry Staltic meint:
Ich muss zugeben, dass die V COLLECTION 9 auf mich ein wenig so wirkt, als habe ARTURIA sie etwas unter Eile zusammengebündelt, um noch vor sdem Sommer mit etwas Neuem auf dem Markt präsent sein zu können.

Denn während der ziemlich gelungene KORG MS-20 V (der in meinen Ohren die derzeit beste virtuelle MS-20-Kopie darstellt) ebenso wie der für gut befundene SQ80 V und die runderneuerten Propheten sowie der CS-80 V4 durchaus typische V-COLLECTION-Produkte darstellen, kommen mir die beiden (nichtsdestotrotz sehr gut klingenden!) AUGMENTED-Instrumente hier irgendwie etwas fehl am Platze vor und wären deshalb meiner Meinung nach in einer eigenen Plugin-Reihe weitaus stimmiger aufgehoben.

Stattdessen würde ich mir von ARTURIA aber gerne einmal einen MICROBRUTE V gefallen lassen, nachdem das Original aus eigenem Hause ja nur noch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich ist (dies nur als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl…).

Stefan Federspiel meint:
Seit 2016, dem letzten Test von PIANO V, lag für mich der Testzeitraum der Versionen der V COLLECTION immer zu ungünstig, von daher kamen für mich einige Instrumente hinzu, die ich noch nicht kannte, die aber in dieser Ausgabe der ARTURIA V COLLECTION 9 nicht im Fokus stehen. Es sind für jeden wieder andere Instrumente aus dieser inzwischen sehr umfassenden Sammlung besonders interessant.

Für mich war das vor allen anderen der BUCHLA EASEL V mit seinem völlig anders gearteten Synthese-Ansatz, der zudem noch semimodular ist. Ich hatte jetzt wegen der anderen zu schreibenden Testberichte noch nicht viel Zeit damit verbringen können und er hat wegen dem exotischen Aufbau eine steile Lernkurve. Die Presets klingen jedenfalls hochexperimentell und außergewöhnlich. Ich beschäftige mich immer wieder mit dem virtuellen Modularsystem VOLTAGE MODULAR und habe da schon einige der ungewöhnlicheren Module, aber es ist auf jeden Fall erstaunlich, mit wie wenigen Abteilungen und ein paar Steckverbindungen der BUCHLA EASEL V tief in dieses Territorium vorstößt. 

Aber auch der neue KORG MS-20 V ist herausragend. ich verglich ihn ebenfalls mit dem PS-20 von CHERRY AUDIO und schätze die Emulation von ARTURIA als authentischer ein. Der JUP-8 V, der SYNTHI V und der CS-80 V4 sind hochinteressante neuere Synths.

Die AUGMENTED STRINGS und AUGMENTED VOICES fallen noch weiter aus dieser Vintage-Synthesizer-Sammlung heraus, als das PIANO V, das man ja noch als eine Ergänzung der elektrischen Pianos ansehen kann. Durch den hybriden Charakter dieser Instrumente und der Überblendung der akustischen in elektronische Klänge gibt es einen weiter gefassten Bezug.

Ich vermute, dass dies ein Versuch ist, sich gegenüber NATIVE INSTRUMENTS als dem größten Bundle-Hersteller neu aufzustellen, zumal NI kürzlich sowohl IZOTOPE als auch BRAINWORX aufgekauft hat und damit auch mit der Plattform PLUGIN ALLIANCE mindestens eng kooperiert.

Insgesamt erweitert die AUGMENTED-Serie die tonale Palette der V COLLECTION 9 zum gleichen Preis wie bisher in eine neue Richtung und stellt aus meiner Sicht eine willkommene Ergänzung als Hintergrund-Soundbeds oder akustische Akzente auch für Tracks mit elektronischen Instrumenten dar. 


Positives:
+ Gelungene KORG MS-20-Emulation
+ gut klingende AUGMENTED-Plugins
+ Klangverbesserung bei den runderneuerten Emulationen
+ viele brauchbare Klassiker
+ jede Menge gute Presets
+ leicht erlernbare Bedienung
+ praktische In-App-Tutorials
+ umfangreiche MIDI-Learn-Sektion
+ Offline-Aktivierung möglich

Negatives:
– allgemein: nichts
– nur KORG MS-20 V: Pseudo-3D-Regler teilweise schlecht ablesbar
– nur KORG MS-20 V: Sidechain-Eingänge funktionierten im Test nicht
– nur AUGMENTED-Plugins: konzeptionell etwas unpassend


Produktwebseite: https://www.arturia.com/products/software-instruments/v-collection/overview#de

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