Testbericht: PLOYTEC PL2 und PL2 LEUKOS – Schwimmt sogar in Milch!


Testbericht von Perry Staltic

Einmal mehr freut sich mein Testlabor über physischen Besuch in Form von Hardware-Equipment. Hätte ich nicht vorab bereits längst gewußt, was mir da in einem winzigen Päckchen ins Haus flatterte, so hätte ich nach dem Auspacken bestimmt erstmal blöd geguckt und anschließend länger geraten, worum es sich dabei wohl handeln möge:

Zwei nur durch ihre Farbe (einer ist schwarz, der Andere ist weiß…) zu unterscheidende, ansonsten jedoch optisch identische kleine Plastikquader mit jeweils nur wenigen Zentimetern Kantenlänge, die locker in jede Hosentasche passen. Beide Kästchen weisen keinerlei Anzeige- oder Bedienelemente auf, dafür aber einen Micro-USB-Anschluss, eine Cinch- sowie eine 5-polige Dyn-Buchse, wie man sie in MIDI-Geräten, aber bisweilen auch in alten Kassettenrekordern vorfindet.

Eine Einprägung auf der Oberseite verheißt in altgriechischen Buchstaben die Formel “Pi Lambda zum Quadrat”. Ich weise an dieser Stelle gleich mal darauf hin, dass die WordPress-Applikation, die wir hier bei BuenasIdeas.de zum Erstellen unserer Beiträge verwenden, anscheinend Probleme mit eben diesen griechischen Symbolen hat, selbst wenn man diese via Copy & Paste einbaut, macht WordPress daraus anschließend lauter unsinnige Fragezeichen. Aus diesem Grund benutze ich in diesem Testbericht auch nicht die originale Schreibweise des Herstellers…. 😉

Nun, was ist jetzt der Sinn dieser Winzlinge? Handelt es sich dabei um einen eher selten benötigten Überspieladapter? Um einen Trigger-to-MIDI-Konverter für E-Drums? Oder etwa um ein USB-Audio-/MIDI-Interface für Asketen?

PLOYTEC PL2 und PL2 LEUKOS

PLOYTEC PL2 und PL2 LEUKOS

Lötzinn-Blödsinn

Ich musste hier natürlich nicht großartig raten. Die im baden-württembergischen Schopfheim ansässige Firma PLOYTEC entwickelt seit vielen Jahren USB-Audio- und MIDI-Schnitstellen für andere Hersteller, kann also gut sein, dass der eine oder andere von Euch, ohne es zu wissen, bereits Komponenten von PLOYTEC benutzt. Darüber hinaus hat PLOYTEC auch noch allerlei urige MIDI-Gadgets im Portfolio, und dazu zählen unsere beiden Testkandidaten ebenfalls.

Es handelt sich dabei nämlich um das weltweit erste in Massenproduktion hergestellte Brain-to-MIDI-Interface!

Der Anschluss erfolgt über den NSA 3.0-Bus (Neural Scan Array), einer neuartigen Schnittstelle, die in einer Kooperation der Firmen Apple, Microsoft, Samsung, Google, Sony sowie einigen weiteren entwickelt wurde. Kommende Produkte, wie etwa das Apple iBrain, das Samsung Galaxy Synaptic oder auch die Sony Mindstation basieren gleichermaßen auf dieser Technologie, während Microsoft und Google entsprechende Cloud-Dienste bereitstellen wollen. Facebook entwickelt bereits ebenfalls eigene Applikationen für NSA 3.0.
Zur Nutzung ist beim Anwender allerdings die Implantation eines sogenannten Bioports vonnöten, ein Eingriff, der in der Regel aber nahezu schmerzfrei unter örtlicher Betäubung beim Arzt des Vertrauens erfolgen kann (Nein, die Krankenkasse übernimmt das leider nicht!), mittlerweile bieten aber auch schon zahlreiche Piercing- und Tattoostudios diesen Service an.

Das Ganze zwickt nur kurz ein bisschen und fertig! Man kann danach zwar sofort aufstehen, muss danach jedoch bis zur ersten Inbetriebnahme des Bioports noch etwa zehn Tage warten, bis die Wundheilung abgeschlossen ist, damit keine Infektionen auftreten. Anschließend muss man noch eine etwa 30 Minuten dauernde synaptische Kalibrierung der NSA 3.0-Schnittstelle vornehmen, was mittels einer speziellen App geschieht, dazu ist für den genannten Zeitraum auch eine Internetverbindung notwendig. Zu guter Letzt kann man dann eine der beiden PLOYTEC-Dosen direkt an den Bioport anstöpseln und sofort verwenden.

Während die weiße Box einen MIDI-Ausgang bereitstellt, über den dann mittels neuronaler Ereignisse angeschlossene MIDI-Empfänger wie Synthesizer, Sampler oder auch diverse DAW- und DJ-Software angesteuert werden können, verfügt die schwarze Box über einen MIDI-Eingang, der anliegende MIDI-Daten encodiert und in den synaptischen Datenstrom einfügt, beispielsweise um Tänzer bei einem Auftritt via MIDI-Clock-Signalen synchron zur Musikdarbietung performen zu lassen oder ihre Bewegungen via MIDI-CCs zu steuern.

Nanu, was macht denn der Krankenwagen da vor unserem Haus? Wollen diese ganzen Leute in den weißen Kitteln etwa alle zu mir?! Moment, es klingelt, ich muss mal eben zur Tür gehen…

Spy vs. Spy

Okay, das letzte Kapitel gehört leider (vielleicht aber auch zum Glück!) nur ins Reich der elektrischen Fabeln. Tatsächlich handelt es sich bei PLOYTECs Zwergen um zwei hybride subtraktive Synthesizer im Taschenformat!

Bevor wir uns deren Innereien widmen, seien hier zunächst einmal die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den beiden Gerätenchen jenseits ihrer Farbgebung genannt:

Während Agent Black, der auf den Decknamen Pi LAMBDA SQUARED (PL2) hört, über einen MIDI-Eingang verfügt und auch nur über diesen angesteuert und sogar mit Strom versorgt wird, bringt Agent White (Deckname: Pi LAMBDA SQUARED LEUKOS, kurz PL2 LEUKOS, dieses “LEUKOS” ist einfach altgriechisch für “weiß”…) an dieser Stelle einen MIDI-Ausgang zum Anschluss weiterer Geräte mit. Die Anbindung des PL2 LEUKOS selbst wiederum erfolgt ausschließlich über USB, womit zum Betrieb also stets ein Rechner notwendig ist.

Die bei seinem schwarzen Bruder PL2 ebenfalls vorhandene Micro-USB-Buchse dient diesem allein zur zusätzlichen Stromversorgung, sollte die Spannung am MIDI-Port einmal doch nicht ausreichen. In meinem Testlabor war dies übrigens nicht notwendig, ich habe den PL2 ganz einfach mit einem kurzen Kabel an mein MIDI-Interface (ein altes ESI M8U) angestöpselt, die Spannung an den MIDI-Ausgängen reichte offensichtlich völlig aus, um den PL2 in Betrieb zu nehmen.

Auch der PL2 LEUKOS wurde von meinem Windows 7-Rechner sofort am USB-Port erkannt und konnte danach ohne weitere manuelle Treiberinstallation verwendet werden.

Damit sind eigentlich auch schon alle Unterschiede zwischen den beiden Synthies aufgezählt, denn ihr Klang ist absolut identisch. Letzterer gelangt über eine monophone Cinch-Buchse die Außenwelt, für einen normalen Studioklinkenanschluss wäre auch schlichtweg kein Platz in den winzigen Gehäusen gewesen, mechanisch robuster als so eine fipsige Miniklinkenbuchse ist sie zudem auch.

PL2 & PL2 LEUKOS - Schwimmt sogar in Milch!

PL2 & PL2 LEUKOS – Noch leichter, und sie heben ab…

Die Plastikgehäuse wirken übrigens einigermaßen robust und sind dabei doch so leicht, dass man die Synthies, sofern man sie nicht einfach am Kabel (welches oftmals einiges mehr als der PL2/PL2 LEUKOS selbst wiegen dürfte…) baumeln lässt, mittels simpler Klettpunkte dort anbringen kann, wo es einem am besten passt, am MIDI-Controller, am Rack, am PC-Gehäuse oder auch am Laptop-Deckel (das bietet sich besonders beim PL2 LEUKOS an!).

Chipmunks

Die von PLOYTEC als “Square Wave Synthesis” bezeichnete Klangarchitektur basiert auf einem 8-Bit-Microcontroller, ist somit zwar digital, verfügt aber zudem auch noch über nachgeschaltete analoge Komponenten.

Die nachfolgende Grafik stammt von PLOYTEC und stellt symbolhaft die Klangerzeugung der PL2/PL2 LEUKOS-Synthies dar (Das ist nicht etwa der Software-Editor.):

PLOYTEC PL2 Synthese-Schema

PLOYTEC PL2 Synthese-Schema

Als Klangquelle stehen zunächst zwei digitale, und damit stimmstabile Oszillatoren bereit, die ihrerseits Rechteckwellen erzeugen, daher auch das SQUARED (“zum Quadrat”, “hoch zwei”) im Namen, ein einfaches Wortspiel. Genauer gesagt handelt es sich dabei um variable Pulswellen, aus denen PLOYTEC durch geschickte Manipulation sieben verschiedene Wellenformen heraus kitzelt.

Jeder der beiden Oszillatoren verfügt über gleich zwei Parameter zur Pulsweitenmodulation, was bei Synthesizern sicherlich nicht zu Standardausstattung gehört, meistens ist hier ja nur ein Regler dafür vorhanden. Der Sinn eines zweiten Parameters ist beim PL2/PL2 LEUKOS schnell erklärt: Obere und untere Halbwelle (in Bezug auf die Nulllinie…) können so getrennt in ihrer Pulsweite geregelt werden, womit das Klangspektrum weit über hohle “Rechteck-Klischees” à la Oboengenäsel oder Holzbässen hinaus geht.

Die beiden Oszillatoren können in vier alternativen Modi kombiniert werden: DUO (für “duophon”) bietet einen zweistimmigen Betrieb, DETUNE erzeugt eine Verstimmung zwischen den Oszillatoren, MONO dient, wir ahnen es schon, dem monophonen Betrieb, und OCTAVE entspricht einer simplen Oktavierung der zwei Oszillatoren.

Des Weiteren gibt es auch noch einen speziellen BASS DRUM-Modus, in welchem die angeschlossene Tastatur in zwei Split-Bereiche aufgeteilt wird. Während in der unteren Tastaturhälfte ein chromatisch spielbarer Kickdrum ertönt, ist die obere Hälfte mit einem Rauschsignal belegt, das jedoch nicht dem Tastaturspiel folgt. Dem Rauschen des PL2/PL2 LEUKOS konnte ich zugegebenermaßen nicht ganz soviel abgewinnen, da es mir persönlich ein wenig zu statisch klang.

Die Kickdrum hingegen hat mich wirklich überrascht! Erstens hat sie einen ordentlichen Bumms auf der Pfanne und zweitens lässt sich sich einfach über die Tastatur (oder den Sequencer…) passend zum Grundton der Musik stimmen, was dann auch gleich viel besser klingt. Beide Daumen hoch!

Eine Hüllkurve mit den allseits vertrauten ADSR-Phasen dient zur Lautstärkeregelung, kann bei Bedarf aber auch das Filter mitregeln. Natürlich wäre eine eigene Hüllkurve für das Filter noch schöner gewesen, aber viele andere Synthesizer (z.B. JUNO-60/106, oder MicroBrute) müssen ebenfalls ohne eine solche auskommen, was ihre Beliebtheit jedoch kaum schmälert.

Die Hüllkurve synchronisiert sich bei anliegender MIDI-Clock übrigens selbsttätig zum Songtempo. Das Gleiche gilt auch für den LFO, der auf Oszillator-Tonhöhe und -Pulsweite sowie auf Filter-Cutoff und Lautstärke einwirken kann. Dür den Fall, dass keine MIDI-Clock anliegt, kann auch eine feste Geschwindigkeit in BPM voreingestellt werden.

Die Filterstufe (eigentlich sind es derer zwei) des PL2/PL2 LEUKOS weicht von der üblichen Standardkost ab. Zunächst einmal gibt es ein digitales Multimodefilter, das als Tiefpass, Bandpass oder Hochpass arbeiten kann und über eine regelbare Resonanz verfügt. Das stellt nun ja noch nichts Außergewöhnliches dar.

Aber vor dem Filter gibt es einen mit DC OFFSET WAVE bezeichneten, zuschaltbaren Parameter, und nach dem Filter gibt es eine weitere, ebenfalls DC OFFSET titulierte Einheit, diesmal sogar stufenlos regelbar. Dabei handelt es sich jeweils um nichts anderes als um Bit Shifter (auch als “Bit Crusher” bekannt), die in der Lage sind, das Ausgangssignal gehörig durch den Dreck zu ziehen. Diese Bauguppenkombination bringt ordentlich Pfeffer mit ins Spiel. Übrigens lässt sich das Digitalfilter seit Firmware v2.1 auch in einem sogenannten H(igh)Q(uality)-Modus mit doppelter Auflösung betreiben, dies allerdings nicht, wenn bei den Oszillatoren die zweite, die dritte oder die vierte Wellenform ausgewählt wurde, bei allen anderen hingegen schon.

Wem die Suppe anschließend zu scharf schmeckt, der kann mit einem nachgeschalteten zweiten Filter etwas Sahne dazugeben und damit alles ein wenig abrunden. Dieses zweite (Tiefpass-)Filter ist als analoges Bauteil ausgeführt, allerdings verfügt es weder über einen Resonanzparameter, noch ist es laut PLOYTEC dazu gedacht, in Echtzeit moduliert zu werden, etwa für Sweeps, denn darauf reagiert es bisweilen mit Störgeräuschen. Es dient also lediglich dazu, aufmüpfige Obertöne nach dem Bit Crusher abzufangen, und das macht es sehr gut.

Ebenfalls analog (Klar, denn die D/A-Wandlung hat ja bereits vor dem Analogfilter stattgefunden…) geht es weiter in eine Sättigungsstufe, die das Signal bei entsprechenden Pegeln noch einmal deftig zusammenquetscht, bevor es endlich zur Abnahme an die Cinch-Buchse gelangt.

Alle Klangparameter des PL2/PL2 LEUKOS können über die 128 bekannten MIDI-Continous Controllers angesprochen werden, seit der Firmware v2.1 ist die ehemals feste Zuordnung übrigens auch veränderbar.

Bleibt noch zu erwähnen, dass PLOYTECs Tonpygmäen mit 32 unveränderlichen ROM-Presets sowie 32 Speicherplätzen für eigene Klangschöpfungen daherkommen. Letztere enthalten ab Werk eine überschreibbare Kopie der ROM-Presets.

Speakers‘ Corner

Digitale, auf Microchips basierende Synthesizer haben einen unbestreitbaren Vorteil gegenüber vollanalogen Klangerzeugern: Wärhend man bei den Letzteren etwaige Modifikationen nur durch einen direkten Eingriff in die Hardwarearchitektur (sprich durch Rumfrickeln an den Platinen und elektronischen Bauteilen…) erzielen kann, genügt bei einem Digitalen zumeist ein Austausch der Firmware, so auch beim PL2/PL2 LEUKOS. Die eben aufgelisteten Features beziehen sich auf die von mir getestete Firmware v2.1, die derzeit aktuellste Version.

Daneben bietet PLOYTEC aber auch eine alternative Firmware mit der Bezeichnung “PL02.56 (SP0256-AL2 tribute)” an. Diese wird mittels Software-Editor über den MIDI-Port (beim PL2), bzw. via USB (beim PL2 LEUKOS) in die Synthies gepumpt und verwandelt die kleinen Tischhupen in Sprachsynthesizer.

Das Ganze darf man sich natürlich nicht wie beim labernden Navi vorstellen, es klingt eher vintage à la “Speak & Spell”. Auch kann man hier nicht einfach bequem einzelne Worte oder ganze Sätze eintippen, die anschließend vom Synthie vorgelesen werden, vielmehr muss man sich dazu auf die unterste Ebene der menschlichen Sprache hinab begeben und sich mit der Welt der Phoneme und Allophone befassen, viel Spaß dabei! Hier ist auch schon mal was zum Einlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Allophon

Vereinfacht ausgedrückt erzeugt die Synthese kleinste “sprachliche Moleküle”, die dann auf den einzelnen Noten der MIDI-Tastatur verteilt bzw. via Modulationsrad zum Abruf bereit stehen. Um daraus dann Silben, Worte oder ganze Sätze zu formen, müssen die Allophone (also die MIDI-Noten) in der richtigen Reihenfolge und mit passender Länge hintereinander gesetzt werden. Klingt fummelig? Ist es auch! Da kenne ich schnellere und einfachere Wege, um an synthetisches Gelabere zu kommen.

Allerdings bietet dieser alternative Betriebsmodus des PL2/PL2 LEUKOS auch interessante Klänge jenseits gesprochener Worte, die sich super zu stimmartigen Rhythmen verwursten lassen!

Übrigens, man kann zwischen den verschiedenen Firmware-Versionen hin- und herflashen, ohne dass die 32 User-Presets dabei überschrieben werden!

Weiche Seite

Da man all die bisher genannten Features auch irgendwie bedienen können muss, was aber für jedermann offensichtlich an den Gerätchen selbst nicht möglich ist, bietet PLOYTEC eine Software zum Editieren der Parameter des PL2/PL2 LEUKOS an. Diese ist für Windows, OSX sowie fürs iPad erhältlich. Ich habe hier aber nur die Windows-Version getestet.

PLOYTEC PL2 iPad-Editor

PLOYTEC PL2 iPad-Editor

Der Editor wirkt optisch recht schmucklos, aber funktional und erlaubt eine Veränderung aller genannten Stellgrößen. Auch ein kleines Keyboard nebst Mini-Sequencer ist vorhanden. Darüber hinaus lässt sich mit diesem Editor auch die Firmware austauschen und updaten.

PLOYTEC PL2 Windows-Editor 01

PLOYTEC PL2 Windows-Editor 01

Ich hatte vorher eine längere Zeit vergeblich die PLOYTEC-Webseite nach einer Downloadmöglichkeit für die verschiedenen Firmware-Versionen abgegrast, ohne dabei aber fündig zu werden, bis ich feststellte, dass eben diese unterschiedlichen Versionen bereits in der Editor-Software integriert sind und anscheinend auch nur von dort zum PL2/PL2 LEUKOS gelangen können.

PLOYTEC PL2 Windows-Editor 02

PLOYTEC PL2 Windows-Editor 02

Schließlich ermöglicht der Editor auf einer weiteren Seite noch die Zuordnung von MIDI-Controller-Nummern zu den einzelnen Parametern, sofern man mit der Werkseinstellung nicht zufrieden ist.

PLOYTEC PL2 Windows-Editor 03

PLOYTEC PL2 Windows-Editor 03

Die Software arbeitet soweit wie vorgesehen, allerdings scheint sich nicht darauf ausgerichtet zu sein, parallel zur DAW zu laufen, zumindest gab es in meinem Test mit Cubase diverse Probleme, welche die beiden Synthesizer dann auch jeweils erstmal zum vorübergehenden Verstummen brachten.

Liebes PLOYTEC-Team, wie wäre es denn mit einer Portierung des Editors ins VST-Format? Dann könnte man ihn einfach als Plugin in die DAW laden und von dort aus seinen PL2 im laufenden Betrieb editieren. Ein solches Plugin braucht dann ja lediglich MIDI-Daten ausgeben. Idealerweise verfügten seine Parameter-Regler dann über MIDI-Learn zur Anbindung an Hardware-Controller und wären auch automationsfähig, damit wäre die Integration des PL2 in die DAW dann nahezu perfekt!

Zwar gibt es auf der Webseite auch einen Link zu einem REAKTOR-Ensemble, das ein findiger PL2-User selbst erstellt hat und das die Editierung der Klangparameter erlaubt, doch extra erst den fetten REAKTOR laden, nur um ihn dann als MIDI-Controller für einen externen Synthie zu verwenden, ist nicht ganz so mein Ding.

PL2 REAKTOR-Editor

PL2 REAKTOR-Editor

Zur reinen Klang-Editierung ist man aber nicht auf Software beschränkt. Da PL2 und PL2 LEUKOS zum Glück keine komplizierten SysEX-Strings benötigen, sondern auf herkömmliche MIDI-CCs reagieren, fällt die Anpassung an übliche MIDI-Controller nicht sonderlich schwer.

PLOYTEC bietet sogar einige fertige Templates für diverse Geräte zum Download an (die offenbar ebenfalls von fleißigen Usern stammen), darunter findet sich sogar eine Datei für den guten alten BEHRINGER BCR2000!

PL2 TouchOSC Layout

PL2 TouchOSC Layout

Für TouchOSC wird ebenfalls ein Layout mit drei Bildschirmseiten angeboten, das laut Beschreibung eigentlich fürs iPhone gedacht ist, sich aber auch klaglos auf meinem Android-Tablet laden ließ, auf dem die Darstellung dann natürlich sehr augenfreundlich ausfiel. Mir dünkt, dass in diesem Layout ein paar der Parameter des PL2/PL2 LEUKOS fehlen (etwa getrennte Regler für PWM1 und PWM2), aber das kann man sich ja gegebenfalls dann noch selbst mit TouchOSC zurechtbiegen (oder sich alle Parameter auf eine einzige Bildschirmseite legen).

Suppenwürfel

Wie immer, stellt die wichtigste Eigenschaft eines Synthesizers sein Klang dar. Beim PL2/PL2 LEUKOS fällt dieser überraschend variationsreicher aus, als man aufgrund seiner einfachen Struktur zunächst vermuten könnte, behält dabei aber immer einen gewíssen eigenen Charakter.

Auch wenn die beiden Knirpse ob ihrer 8-Bit-Architektur gerne in Zusammenhang mit der Schublade Chiptune-Mucke/8-Bit-Techno genannt oder mit dem SID (Sound Interface Device) des alten COMMODORE C64 verglichen werden, so tut man dem PL2/PL2 LEUKOS ziemlich unrecht, wenn man ihn nur darauf beschränkt.

Klar, dieses Genre bedient er zwar mit Leichtigkeit, allerdings fand ich unter den 32 Presets auch allerlei Klänge, die darüber hinaus gehen und die mich teilweise eher an andere digitale Synthesizer der 1980er Jahre erinnerten, etwa an meine damaligen CASIO CZ-3000 und YAMAHA TX81Z. Bei Bedarf klingt er sogar richtig aggressiv und gemein, etwas, das ich mit meinem ersten Synthie, dem vorgenannten CZ-3000, früher leider nie so recht hinbekam…

Dank der rotzigen Filter-/Bit Crusher-Verknüpfung und der analogen Bauelemente bringen PL2 und PL2 LEUKOS aber auch Klanggut hervor, dass durchaus aus einem Analogsynthie mit nachgeschaltetem Overdrive stammen könnte.

Der allgemeine Grundklang des PL2/PL2 LEUKOS tendiert aber schon weitgehend zu digitalen Gefilden, was auch an bestimmten Artefakten hörbar wird, die hier aber durchaus erwünscht sind. In Zeiten, in denen bei vielen virtuellen Synthesizern mit “aliasingfreien Oszillatoren” geworben wird (was beispielsweise bei Analogemulationen ja auch Sinn macht, um ihre digitale Herkunft besser zu verbergen) und typische digitale Workstations immer glattpolierter daherkommen, pfeifft PLOYTEC einfach selbstbewusst auf audiophiles Rumgetucke und bringt dafür eine gehörige Portion von dem mit ins Klanggeschehen, das ich so gerne mit “Edeldreck” umschreibe. Steril sind diese Kästchen jedenfalls nicht!

Das nachfolgende Klangbeispiel verwendet je einen PL2 und einen PL2 LEUKOS als einzige Klangerzeuger (natürlich habe ich dabei Track Bouncing angewandt, um mehr als nur zwei Spuren zusammen zu bekommen…). Den PL2 LEUKOS habe ich zudem auch noch mal in den alternativen Spachsynthie-Modus versetzt, um daraus weitere Klänge zu gewinnen.

Die meisten Synthesizer ohne integrierte Effektsektion klingen allein abgehört erst einmal etwas dröge. Mit nur ein wenig Hall und/oder Echo hört sich die Sache dann aber schon ganz anders an. Auch auch der PL2 bildet hiervon keine Ausnahme.

Dies ist vermutlich einer der Hauptgründe, warum viele Hersteller von Synthesizern (und Plugins) mit Onboard-Effekten dazu neigen, die Werks-Presets ihrer Produkte gerne in einer Effektsuppe zu ertränken, denn so klingen sie im Ladengeschäft einzeln abgespielt meist deutlich eindrucksvoller, als der Konkurrent ohne eingebaute Effekte direkt daneben, was bei so manchem volatilen Kunden dann wohl auch dessen Kaufentscheidung zugunsten des Effektierten beeinflussen dürfte.

Okay, ich will ehrlich sein, als ich vor über einem Vierteljahrhundert meinen CASIO CZ-3000 wieder loszuwerden versuchte, da verschwieg ich ebenfalls dem aufgrund meiner Kleinanzeige bei mir erschienenen braven Mann mittleren Alters, der offensichtlich kaum bis gar keine Ahnung von der Materie hatte, dass ich da auch noch ganz leise ein QUADRAVERB in den Signalweg eingeschleift hatte. Der gute Mann drückte nur eine einzelne Keyboardtaste, vernahm ein dezent verhalltes “Mööörrrps!” aus den Lautsprechern (Ich weiß nicht, wie ich diesen komischen Phase Distortion-Sound sonst beschreiben soll…), brummte ein zufriedenes “Mmh… Mmh…” aus dem Pelz, der seinen Mund umgab, und der Deal war abgemacht! 😉

Nun denn, so gibt es jetzt auch noch mal eine Abmischung des eben gehörten Klangbeispiels, bei der ich diverse Spuren mit simplen Reverb- und Delay-Effekten nachgewürzt habe, einfach nur so zum Vergleich, nicht etwa, dass ich die beiden Handschmeichler hier jetzt verkaufen will… 😉

Fazit:

Ja, ich mag diese beiden Knirpse! Dabei geht ihnen eigentlich etwas ab, das ich sonst bei Synthesizern unbedingt bevorzuge, nämlich haptisch erfassbare und fest zugeordnete Bedienelemente für einen direkten Zugriff ins Klanggeschehen. Beim PL2/PL2 LEUKOS hingegen muss einmal mehr ein MIDI-Controller, ein Software-Editor oder auch ein Smartphone/Tablet mit TouchOSC herhalten. Ich persönlich wünsche mir auch noch das oben angesprochene VST-Plugin zur besseren Integration in die DAW dazu… 😉

Der Charme und der Klangcharakter, den PLOYTECs Pralinen dafür aufzuweisen, macht dies aber zu einem sehr guten Teil wieder wett. PL2 und PL2 LEUKOS, ebenso die Flexibiltät in Bezug auf die Firmware, deren Weiterentwicklung löblicherweise nicht stehen bleibt.
Die 32 Klangspeicherplätze sind aus Musikantensicht ebenfalls recht nett, im Vergleich zu Plugins mit zum Teil Tausenden von Presets zwar nicht unbedingt spektakulär, aber bei portablen Hardware-Synthesizern in dieser Preisklasse und auch ein gutes Stück darüber darüber wiederum meist gar nicht vorhanden (etwa bei KORG VOLCA, MFB NANOZWERG, WALDORF ROCKET, MEEBLIP ANODE, ARTURIA MicroBrute etc.).

Ein wenig erinnert mich das Konzept von PL2 und PL2 LEUKOS an diverse Klangmodule aus den späten 1980ern/frühen 1990ern, die ebenfalls keine eigene Klangerstellung am Gerät selbst ermöglichten, sondern dazu den Einsatz einer Editor-Software oder eines Hardware-Controllers notwendig machten (Ja, sowas gab es damals auch schon alles…). Neben dem OBERHEIM MATRIX 1000 (Okay, der war schon eine andere Liga…) und dem ROLAND MT-32 fällt mir hier vor allem der YAMAHA FB-01 ein. PLOYTEC treibt den Minimalismus hier einfach nur noch weiter auf die Spitze.

Während besagter FB-01 noch über fummelige SysEx-Befehle, welche auch gerne die MIDI-Leitung verstopfen, angesteuert werden wollte, reichen bei PL2 und PL2 LEUKOS einfache MIDI-CC-Daten.

Der Klang ist eigenständig und bietet sich von seinem Charakter her auch sehr gut als kontrastreiche Ergänzung zu typischen analogen Boliden an. Ich persönlich mochte es eigentlich schon immer am liebsten, analoge und digitale Klänge sowie verfremdete Samples miteinander zu einem Gesamtgebilde zu verweben, anstatt sich nur auf auf ein spezifisches Klangspektrum zu versteifen.

Auch ist mir die grundsätzliche Klangerzeugung eines Synthesizers im Prinzip einerlei, sofern das, was aus den Boxen kommt, meinen Ohren zusagt, und beim PL2/PL2 LEUKOS tut es das! Diese Aussage ist natürlich rein subjektiv, und so muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er meine geschmacklichen Eigenheiten teilt.

Diese Synthies sind sicherlich keine Allrounder für jedermann, aber wer ihren bisweilen rauen bis derben Klang zu schätzen weiß, wer Aliasing und andere Artefakte nicht bloß als technische Unzulänglichkeit, sondern auch als musikalisch einsetzbare Klangfärbung, eben als antisterilen “Edeldreck” betrachtet, der wird meinen Spaß am PL2 und am PL2 LEUKOS wohl nachvollziehen können.

Und als Goodies kommen dann auch noch eine fette Kickdrum sowie ein (zugegebenermaßen recht nerdiger) Sprachsynthesizer hinzu.
Auch wenn diese Synthesizer sich in den diversen Abarten von Techno, EBM und Industrial sofort wohl fühlen dürften, so möchte ich sie nicht nur auf bestimmte musikalische Genres beschränken. Mit ein paar nachgeschalteten Effekten kann man ihnen selbst tolle Ambientsounds entlocken. Was man damit macht und in welchen Stilrichtungen man die Dosen einsetzt, hängt, wie so oft, allein vom Nutzer ab.

Neben dem herkömmlichen Einsatz in Musikproduktionen und bei Live-Konzerten könnte ich mir PL2 und PL2 LEUKOS auch gut in etwas spezielleren Projekten vorstellen, beispielsweise bei interaktiven Klanginstallationen und ähnliche Geschichten. Durch ihren winzigen Formfaktor und ihrem geringen Stromverbrauch lassten sich PLOYTECs kleine Quader ja problemlos irgendwo einbauen oder unsichtbar integrieren.

Welchem der beiden Synthies man den Vorzug geben sollte, ist abhängig von den eigenen Bedürfnissen und dem vorhandenen Hardware-Setup. Während ich persönlich meist die MIDI-Buchse einem USB-Anschluss vorziehe (Ich habe allerdings auch ausreichend MIDI-Ports an meinem Interface…), weil ich meine MIDI-Geräte dann einschalten kann, wenn ich sie tatsächlich benötige, während USB-Geräte zwingend vor der DAW geladen werden müssen, damit sie von dieser auch erkannt werden können, sieht das beim Betrieb an einem Laptop ganz anders aus, hier scheint mir der PL2 LEUKOS die bessere Wahl zu sein: Man benötigt kein gesondertes MIDI-Interface, im Gegenteil, der PL2 LEUKOS bringt ja sogar noch einen zusätzlichen MIDI-Ausgang mit, an dem man einen weiteren MIDI-Empfänger anschließen kann. Den PL2 LEUKOS würde ich dann wie erwähnt einfach mittels Tesa oder Klettpunkt an den Deckel des Laptops pappen.

PL2 und PL2 LEUKOS sind beide für jeweils 99,- Euro zu haben und liegen damit preislich unter den meisten anderen brauchbaren Hardware-Synthies. Ein wenig versteckt auf PLOYTECs Webseite findet man zudem noch eine Bestellmöglichkeit für einen PL2-Bausatz, der nur schlappe 44,- Euro kostet. Für diesen benötigt man allerdings eine Lizenz zum Löten! Wer im Umgang mit elektronischen Bauteilen nicht sonderlich versiert ist (ich bin’s jedenfalls nicht…), der sollte tunlichst den Aufpreis von 55,- Euronen für ein Fertiggerät investieren, die sind gut angelegt! Lötkolbenartisten hingegen finden beim PL2-Bausatz ein paar Features vor, welche den hier getesten Kandidaten abgehen, etwa einem regelbaren Kopfhörerausgang und gleich zwei Cinch-Ausgänge. Dafür ist der Formfaktor etwas größer, und der PL2-Bausatz benötigt zwingend eine externe Stromversorgung (5 Volt über die inzwischen übliche Micro-USB-Buchse).

PLOYTEC PL2 Assembly Kit

PLOYTEC PL2 Assembly Kit

buenasideas-TippEin humoreskes Zitat aus der Anleitung zu diesem sogenannten PL2 ASSEMBLY KIT möchte ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten: “Bitte bewahren Sie sämtliche Kleinteile und das fertige Produkt außerhalb der Reichweite von Kindern, Tieren und weiteren neugierigen Zeitgenossen auf. Sie schmecken nicht besonders gut und können bei unsachgemäßer Handhabung ernstzunehmende Verletzungen verursachen. Ploytec GmbH übernimmt keine Haftung.” In der Tat, ich gebe zu, ich fand den Geschmack auch ein wenig seltsam… 😉

PL2 und PL2 LEUKOS erhalten von meiner Seite den “BuenasIdeas-Tipp”, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass diese Synthesizer nur etwas für diejenigen sind, die sich mit dem deutlichen Freak-Faktor und dem frechen Klangbild fernab von lieblichem Workstation-Gedudel anfeunden können!

Positives:

+ guter, eigenständiger Grundklang

+ eingebauter Edeldreck

+ geringster Platzbedarf

+ Stromversorgung über MIDI/USB

+ gut klingender Bassdrum-Modus

+ Möglichkeit der Sprachsynthese

Negatives:

–  Editor leider nicht auch als VST-Plugin verfügbar

–  Keine Sicherung gegen Taschendiebe… 😉
–  Kein Editor für den ATARI ST… 😉

Produktwebseiten:

http://www.ploytec.com/pl2/

https://www.usb-audio.com/pl2_assembly_kit/

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