Professor Pegel erklärt: Was sind Audio-Plugins?

Equalizer, Kompressor, Hall, Delay, Synthesizer, Sampler, Gitarrenverstärker, Analyzer oder virtuelle Bandmaschine – kaum eine moderne Musikproduktion kommt heute ohne Audio-Plugins aus. In einer gut ausgestatteten DAW können davon schnell Hunderte installiert sein.

Und manchmal liegt genau darin das Problem. Professor Pegel öffnet den Plugin-Browser seiner DAW. EQ. Eine Liste erscheint. Er scrollt. Und scrollt. Und scrollt. Nach einer gefühlten Ewigkeit blickt er etwas ratlos auf den Bildschirm. „Früher hatte ich einen Equalizer im Studio. Heute habe ich 47. Und bei 32 davon weiß ich nicht mehr, warum ich sie installiert habe.

Willkommen in der wunderbaren Welt der Audio-Plugins. Doch was ist ein Plugin eigentlich? Warum gibt es VST3, AU, AAX und CLAP? Was unterscheidet ein Effekt-Plugin von einem virtuellen Instrument? Was hat es mit 64-Bit auf sich? Und wie schafft es ein kleines Stück Software überhaupt, aus einem Computer einen Synthesizer, Kompressor oder Hallprozessor zu machen?

Zeit für Professor Pegel, den Plugin-Ordner einmal gründlich aufzuräumen.

Professor Pegel - Audio Plugins
Professor Pegel – Audio Plugins

Was ist ein Audio-Plugin?

Ein Audio-Plugin ist zunächst ein Softwaremodul, das innerhalb einer geeigneten Host-Anwendung betrieben wird. Diese Host-Anwendung ist in der Musikproduktion meistens eine DAW – Digital Audio Workstation. Die DAW stellt gewissermaßen die Studio­umgebung bereit. Sie verwaltet Audiospuren, MIDI-Daten, Aufnahme, Wiedergabe, Routing, Automation und Mischung.

Plugins erweitern diese Umgebung um zusätzliche Funktionen. Vereinfacht: DAW = STUDIO. PLUGIN = GERÄT IM STUDIO. Ein Equalizer-Plugin übernimmt etwa die Aufgabe eines Hardware-Equalizers. Ein Kompressor-Plugin bearbeitet die Dynamik. Ein Reverb erzeugt künstlichen Raum.

Virtuelle Instrumente gehen noch einen Schritt weiter. Ein Software-Synthesizer erzeugt selbst Klänge, während ein Sampler zuvor aufgenommene Audiodaten abspielt und bearbeitet. Der Computer wird dadurch zu einem modularen Tonstudio. Und genau darin liegt eine der wichtigsten Eigenschaften von Plugins: Sie erweitern eine vorhandene Software, ohne dass für jede neue Funktion ein eigenständiges Programm notwendig ist.

Plugin ist nicht gleich VST

Im täglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Plugin und VST häufig synonym verwendet. „Ich habe mir ein neues VST gekauft.“ Gemeint ist meistens: „Ich habe mir ein neues Audio-Plugin gekauft.“ Technisch ist das nicht ganz dasselbe. Plugin bezeichnet die grundsätzliche Art der Software. VST bezeichnet dagegen ein bestimmtes Plugin-Format beziehungsweise eine Schnittstellentechnologie.

Das ist ungefähr so, als würde man jeden Geländewagen als Jeep bezeichnen. Professor Pegel überlegt kurz. „Dann ist also nicht jedes Plugin ein VST.“ Richtig. „Aber jedes VST ist ein Plugin.“ Jetzt haben wir es.

Warum braucht man überhaupt Plugin-Formate?

Eine DAW und ein Plugin müssen miteinander kommunizieren können. Die DAW muss dazu wissen: Welche Audioeingänge benötigt das Plugin? Welche Ausgänge stellt es bereit? Welche Parameter können automatisiert werden? Empfängt es MIDI beziehungsweise Noten- und Controllerdaten? Erzeugt es selbst Audio? Welche Parameter besitzt es? Wie werden Presets verwaltet? Wie kommuniziert die grafische Benutzeroberfläche mit der Signalverarbeitung?

Dafür werden definierte Schnittstellen benötigt. Das Plugin-Format legt vereinfacht gesagt die Spielregeln für die Kommunikation zwischen Host und Plugin fest. In der Musikproduktion haben sich mehrere Formate etabliert.

Zu den wichtigsten gehören heute:

  • VST3
  • Audio Units (AU)
  • AAX
  • CLAP

Daneben existieren weitere Systeme und ältere Formate, die historisch eine wichtige Rolle gespielt haben.

Plugin Manager Midifex - Plugoff
Plugin Manager Midifex – Plugoff

VST – der Standard, der die Musikwelt verändert hat

Eines der wichtigsten Kapitel der Plugin-Geschichte begann Mitte der 1990er-Jahre. Steinberg entwickelte mit VST – Virtual Studio Technology eine Schnittstelle, mit der sich Software-Effekte in eine digitale Produktionsumgebung integrieren ließen. 1996 erschien die erste VST-Version.

Das Konzept war revolutionär. Bis dahin war professionelle Signalbearbeitung stark von Hardware abhängig. Kompressoren, Equalizer, Hallgeräte, Delays und andere Prozessoren standen als physische Geräte im Studio. Mit Plugins konnten solche Funktionen zunehmend innerhalb des Computers realisiert werden.

Ein virtueller Effekt konnte einfach in einen Kanal geladen werden. Kein zusätzliches Rackgerät. Keine Patchkabel. Kein zusätzlicher Stromanschluss. Und vor allem: Die Einstellungen konnten zusammen mit dem Projekt gespeichert werden. Heute erscheint das selbstverständlich. Mitte der 1990er-Jahre war es ein enormer Fortschritt.

Von VST zu VST2

Das ursprüngliche VST-Konzept wurde schnell weiterentwickelt. Besonders wichtig wurde VST2. Damit etablierten sich nicht nur Effekt-Plugins, sondern auch virtuelle Instrumente zunehmend als fester Bestandteil computergestützter Musikproduktion. Software-Synthesizer, Sampler, Drumcomputer und andere Instrumente konnten direkt innerhalb der DAW verwendet werden.

Damit begann eine Entwicklung, die das Tonstudio grundlegend verändern sollte. Ein leistungsfähiger Computer konnte plötzlich Funktionen übernehmen, für die zuvor ganze Räume voller Hardware notwendig gewesen wären. Professor Pegel blickt auf sein virtuelles Instrumenten-Rack. „Das erklärt zumindest, warum mein Studiotisch heute kleiner sein könnte.“ Er blickt auf seine Hardware-Synthesizer. „Könnte.

VST3 – die moderne Generation

2008 stellte Steinberg VST3 vor. Dabei handelt es sich nicht einfach um „VST2 mit einer höheren Versionsnummer“, sondern um eine modernisierte Architektur. VST3 ermöglicht unter anderem flexiblere Ein- und Ausgangskonfigurationen, umfangreiche Automationsmöglichkeiten, dynamische Busstrukturen und weitere Funktionen moderner Produktionsumgebungen.

Auch Note Expression und andere fortgeschrittene Steuerungsmöglichkeiten lassen sich über die VST3-Architektur realisieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die effizientere Zusammenarbeit zwischen Host und Plugin. Dabei sollte allerdings ein verbreitetes Missverständnis vermieden werden: VST3 klingt nicht automatisch besser als VST2.

Professor Pegel - VST 3
Professor Pegel – VST 3

Das Plugin-Format bestimmt nicht grundsätzlich die Klangqualität eines Equalizers, Synthesizers oder Kompressors. Für den Klang sind in erster Linie die verwendeten Algorithmen, die interne Signalverarbeitung und das jeweilige Plugin verantwortlich. Das Format definiert vor allem die Kommunikation zwischen Plugin und Host.

Audio Units – Apples Plugin-Welt

Auf Apple-Systemen begegnet man außerdem Audio Units, kurz AU. Audio Units sind Apples eigene Architektur für Audio-Plugins und Bestandteil der Betriebssystemplattformen des Unternehmens. Besonders eng verbunden ist das Format mit Logic Pro und anderen Anwendungen innerhalb des Apple-Ökosystems.

Viele kommerzielle Plugins werden deshalb sowohl als VST3 als auch als AU angeboten. Für den Musiker bedeutet das häufig: Das gleiche Plugin kann in verschiedenen Formaten installiert werden. Klanglich muss sich dadurch nichts ändern. Der Unterschied liegt vor allem in der Schnittstelle, über die das Plugin mit seiner Host-Anwendung kommuniziert.

AAX – das Format für Pro Tools

Ein weiteres wichtiges Format ist AAX – Avid Audio eXtension. AAX ist eng mit Pro Tools verbunden und wird insbesondere in professionellen Recording-, Mixing- und Postproduktionsumgebungen eingesetzt. Wer ausschließlich mit einer DAW arbeitet, die VST3 oder AU verwendet, wird AAX möglicherweise nie benötigen.

In Studios mit Pro Tools gehört das Format dagegen zum Alltag. Damit zeigt sich bereits: Das richtige Plugin-Format hängt vor allem von DAW und Betriebssystem ab. Nicht jedes Plugin-Format funktioniert in jeder DAW.

CLAP – ein moderner Ansatz

Relativ jung ist CLAP – CLever Audio Plug-in API. Das offene Plugin-Format wurde ursprünglich von Bitwig und u-he initiiert und verfolgt einige moderne Ansätze bei Performance, Parameterverwaltung, Modulation und Host-Plugin-Kommunikation. Besonders interessant ist CLAP für komplexe Modulationssysteme.

Plugins können dem Host sehr detaillierte Informationen über ihre Parameter und Modulationsmöglichkeiten bereitstellen. Auch moderne Mehrkern-Workflows wurden bei der Architektur berücksichtigt. CLAP hat damit Bewegung in einen Bereich gebracht, der über viele Jahre von einigen wenigen etablierten Formaten geprägt wurde.

Professor Pegel - CLAP das neue Plugin Format
Professor Pegel – CLAP das neue Plugin Format

Ob sich ein Plugin-Format langfristig durchsetzt, hängt allerdings nicht allein von seinen technischen Möglichkeiten ab. Entscheidend ist auch, wie viele DAWs und Entwickler es unterstützen. Professor Pegel betrachtet die Formatliste seines Installers. VST3 – AU – AAX – CLAPUnd ich wollte eigentlich nur einen Kompressor installieren.

Effekt-Plugins und Instrumenten-Plugins

Audio-Plugins lassen sich zunächst grob in zwei große Gruppen unterteilen.

Effekt-Plugins

Ein Effekt-Plugin benötigt normalerweise ein vorhandenes Audiosignal und verändert dieses.

Dazu gehören:

Ein Signal wird in das Plugin geschickt, verarbeitet und anschließend wieder ausgegeben. Vereinfacht: AUDIO IN > PLUGIN > AUDIO OUT

Instrumenten-Plugins

Virtuelle Instrumente erzeugen dagegen selbst Audiosignale. Sie erhalten typischerweise Noten- und Steuerinformationen aus MIDI beziehungsweise den entsprechenden modernen DAW-Systemen und erzeugen daraus Klang.

Beispiele sind:

Der Signalweg sieht vereinfacht so aus: NOTEN / STEUERDATEN > INSTRUMENT > AUDIO Daneben gibt es Mischformen und spezialisierte Plugins, die sich nicht sauber in eine dieser beiden Kategorien einordnen lassen.

MIDI-Plugins und andere Spezialisten

Nicht jedes Plugin verarbeitet zwangsläufig Audio. Es existieren auch Plugins und DAW-Erweiterungen, die MIDI- beziehungsweise Notendaten bearbeiten. Ein Arpeggiator kann aus gehaltenen Akkorden automatisch Tonfolgen erzeugen. Ein Chord-Plugin kann einzelne Noten in komplette Akkorde verwandeln.

Ein MIDI-Sequencer erzeugt komplexe Patterns. Andere Werkzeuge analysieren Audiosignale, ohne deren Klang unmittelbar zu verändern.

Dazu gehören:

Das Plugin-Prinzip ist also wesentlich umfassender als nur „Software-Effekt“.

Was passiert eigentlich in einem Plugin?

Jetzt wird es interessant. Professor Pegel lädt einen Equalizer. Auf dem Bildschirm sieht er einige Kurven und Regler. Doch irgendwo hinter dieser grafischen Oberfläche muss der Computer tatsächlich rechnen. Das Audiosignal liegt digital als Folge numerischer Abtastwerte vor. Das Plugin erhält diese Daten vom Host und verarbeitet sie mithilfe mathematischer Algorithmen.

Bei einem Equalizer werden Filterberechnungen durchgeführt. Ein Kompressor analysiert unter anderem den Signalpegel und verändert abhängig von seinen Parametern die Verstärkung. Ein Delay speichert Samples vorübergehend in einem Speicherbereich und gibt sie zeitversetzt wieder aus. Ein Reverb kann Tausende beziehungsweise Millionen Berechnungen durchführen, um komplexe Reflexionen oder andere Raumstrukturen zu erzeugen.

Ein Synthesizer berechnet Oszillatoren, Filter, Hüllkurven und Modulationen. Das Herz eines Audio-Plugins ist deshalb die digitale Signalverarbeitung – DSP, Digital Signal Processing.

Audio Plugins verstehen
Audio Plugins verstehen

DSP – die Mathematik hinter dem Klang

DSP klingt zunächst nach Mathematikvorlesung. Und tatsächlich steckt dahinter jede Menge Mathematik. Filter, Fourier-Transformationen, Faltung, Interpolation, Dynamikberechnungen, Oversampling und viele weitere Verfahren gehören zur digitalen Audiotechnik. Für die praktische Arbeit muss allerdings niemand die zugrunde liegenden Gleichungen lösen können.

Entscheidend ist das Prinzip:

EINGANGSDATEN > ALGORITHMUS > AUSGANGSDATEN

Je komplexer der Algorithmus ist, desto mehr Rechenleistung kann benötigt werden. Das erklärt, warum manche Plugins praktisch keine wahrnehmbare CPU-Last erzeugen, während andere einen Computer erheblich beschäftigen können.

Warum benötigen manche Plugins so viel CPU?

Nicht alle Audioalgorithmen sind gleich aufwendig. Ein einfacher Filter kann vergleichsweise wenig Rechenleistung benötigen. Ein aufwendiger algorithmischer Hall, ein linearphasiger Equalizer, komplexes Physical Modeling oder ein Synthesizer mit zahlreichen Stimmen und Oversampling kann dagegen erheblich mehr Rechenoperationen verursachen.

Hinzu kommen Faktoren wie:

  • Abtastrate
  • Oversampling
  • Anzahl der Stimmen
  • Anzahl der Plugin-Instanzen
  • interne Filterqualität
  • Lookahead
  • Faltung
  • komplexe Modulationssysteme

Je mehr ein Plugin berechnet, desto stärker kann die CPU belastet werden. Deshalb existieren in vielen Plugins Qualitätsstufen wie Draft, Eco, Normal, High oder Ultra. Die höchste Einstellung ist nicht zwangsläufig während der gesamten Produktion notwendig. Manchmal reicht sie beim finalen Rendering.

Was bedeutet 32-Bit- oder 64-Bit-Plugin?

Hier lauert eine besonders häufige Verwechslung. 32-Bit- und 64-Bit-Plugins haben zunächst nichts mit der Audio-Bittiefe einer Aufnahme zu tun. Eine 24-Bit-WAV-Datei und ein 64-Bit-Plugin beschreiben vollkommen unterschiedliche Dinge. Bei einem 32- oder 64-Bit-Plugin geht es um die Softwarearchitektur und darum, für welche Prozess- beziehungsweise Betriebssystemumgebung das Plugin kompiliert wurde.

64-Bit-Anwendungen können einen wesentlich größeren Adressraum verwenden als klassische 32-Bit-Anwendungen. Das ist insbesondere bei speicherintensiven Anwendungen wichtig. Große Sampler und Orchester-Libraries können viele Gigabyte Arbeitsspeicher benötigen. Die moderne Musikproduktion ist deshalb praktisch vollständig in der 64-Bit-Welt angekommen.

Und noch etwas ist wichtig: Ein 64-Bit-Plugin klingt nicht automatisch besser als ein 32-Bit-Plugin. Die Softwarearchitektur darf nicht mit der internen Rechengenauigkeit der Audiosignalverarbeitung verwechselt werden.

Und was bedeutet dann 32-Bit Float oder 64-Bit Float?

Jetzt wird die Verwirrung komplett. Denn innerhalb der Audiosignalverarbeitung begegnen uns tatsächlich ebenfalls Angaben wie 32-Bit Floating Point oder 64-Bit Floating Point. Diese beziehen sich auf die numerische Rechengenauigkeit beziehungsweise Darstellung von Audiodaten innerhalb einer DAW oder eines Plugins. Das ist ein anderes Thema als die 32-/64-Bit-Architektur des Programms.

Man sollte deshalb unterscheiden:

64-Bit-PLUGIN. > Software-/Prozessarchitektur

64-BIT-FLOAT-VERARBEITUNG > numerische Rechengenauigkeit der Audiodaten

Professor Pegel schreibt beide Begriffe auf zwei große Zettel. „Warum nennt man zwei völlig verschiedene Dinge fast gleich?“ Eine berechtigte Frage.

Latenz – wenn ein Plugin Zeit braucht

Manche Plugins können ein Signal nicht sofort verarbeiten. Ein Lookahead-Limiter muss etwa ein Stück in die Zukunft des Signals „sehen“, um Pegelspitzen rechtzeitig abfangen zu können. Linearphasige Filter benötigen ebenfalls zusätzliche Verarbeitung. Andere Algorithmen arbeiten mit internen Puffern. Dadurch entsteht Latenz.

Die meisten modernen DAWs können diese Verzögerung automatisch ausgleichen. Das Plugin meldet seine Latenz an den Host und die DAW verzögert andere Signalwege entsprechend. Dieses Verfahren wird häufig als Plugin Delay Compensation bezeichnet. Beim Mixing ist zusätzliche Latenz normalerweise kein großes Problem.

Beim Einspielen eines virtuellen Instruments oder bei einer Aufnahme mit Echtzeit-Monitoring kann sie dagegen störend werden. Deshalb bieten viele DAWs einen Low-Latency-Modus oder ähnliche Funktionen.

Was ist Oversampling?

Auch der Begriff Oversampling taucht in vielen Plugins auf. Dabei verarbeitet das Plugin bestimmte Berechnungen intern mit einer höheren Abtastrate als das eigentliche Projekt. Bei nichtlinearen Prozessen wie Verzerrung, Sättigung, Clipping oder bestimmten Syntheseverfahren kann das helfen, unerwünschtes Aliasing zu reduzieren.

Ein Projekt läuft beispielsweise mit 48 kHz, während ein Plugin bestimmte Berechnungen intern mit einem Vielfachen davon durchführt. Das kann die Qualität verbessern. Aber: Mehr Oversampling bedeutet auch mehr Rechenaufwand. Deshalb ist 16x oder 32x nicht automatisch bei jedem Plugin und in jeder Situation notwendig.

Professor Pegel - Oversampling
Professor Pegel – Oversampling

Professor Pegel aktiviert trotzdem überall die höchste Einstellung. Die CPU-Anzeige springt auf 98 Prozent.Klangqualität.“ Die Wiedergabe beginnt zu stottern. „Sehr hochwertige Stille.

Presets – Fluch und Segen

Fast jedes moderne Plugin besitzt Presets. Sie können hervorragende Ausgangspunkte sein. Bei einem Synthesizer zeigen sie, welche Klänge möglich sind. Bei einem Effekt können sie typische Anwendungen demonstrieren. Ein Vocal-Kompressor-Preset weiß allerdings nicht, wie die tatsächlich vorhandene Gesangsaufnahme klingt.

Ein Mastering-Preset kennt den Mix nicht. Und ein EQ-Preset weiß nicht, welche Frequenzen problematisch sind. Presets sind deshalb am sinnvollsten als: AUSGANGSPUNKT > HÖREN > ANPASSEN und weniger als: PRESET LADEN > FERTIG

Braucht man wirklich Hunderte Plugins?

Jetzt kommen wir zu einer Frage, die Professor Pegel besonders ungern beantwortet. Braucht ein Tonstudio 25 Equalizer? 18 Kompressoren? 14 Reverbs? Neun Tape-Emulationen? Technisch betrachtet: Natürlich nicht. Kreativ betrachtet: Vielleicht.

Plugins unterscheiden sich nicht nur durch ihre Funktionen. Bedienkonzept, Workflow und Klangcharakter können erheblich variieren. Ein moderner parametrischer EQ eignet sich hervorragend für präzise Korrekturen. Eine Emulation eines analogen Equalizers kann dagegen bewusst Einschränkungen besitzen und dadurch zu anderen Entscheidungen führen.

Ähnliches gilt für Kompressoren. Ein schneller FET-Kompressor verhält sich anders als ein Optokompressor oder ein Vari-Mu-Konzept. Mehr Auswahl kann also tatsächlich sinnvoll sein. Irgendwann entsteht allerdings das berüchtigte Plugin-Chaos. Wenn vor jeder Entscheidung zunächst 40 Alternativen ausprobiert werden, verbessert zusätzliche Auswahl den Workflow nicht mehr.

Professor Pegels Regel lautet deshalb: „Das beste Plugin ist erstaunlich oft das, dessen Bedienung man wirklich kennt.

Hardware-Emulationen – das Studio im Computer

Ein großer Teil des Plugin-Marktes beschäftigt sich mit der Nachbildung klassischer Studiogeräte. Legendäre Kompressoren, Equalizer, Bandmaschinen, Mischpulte, Hallgeräte und Gitarrenverstärker werden als Software emuliert. Dabei versuchen Entwickler, nicht nur die offensichtliche Funktion des Originals nachzubilden.

Auch Eigenschaften wie:

  • Sättigung
  • Verzerrungen
  • Frequenzgang
  • Rauschen
  • Transformatoren
  • Röhren
  • nichtlineares Verhalten
  • Bauteiltoleranzen

können modelliert werden. Wie genau eine Software tatsächlich einem bestimmten Hardwaregerät entspricht, hängt stark von der jeweiligen Emulation ab. Der große Vorteil bleibt jedoch: Ein virtuelles Gerät kann beliebig oft im Projekt verwendet und vollständig gespeichert werden.

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DAW und hochwertige Plugins gratis – UAD LUNA

Niemand muss für 24 Instanzen eines Vintage-Kompressors 24 echte Geräte kaufen. Professor Pegel rechnet kurz nach. „Gut. Dann bleibt wenigstens noch Geld für Kaffee.

Plugin oder Standalone?

Viele Audioanwendungen können sowohl als Plugin als auch als eigenständiges Programm betrieben werden. Die Standalone-Version benötigt keine DAW. Das ist beispielsweise bei virtuellen Instrumenten, Gitarrenprogrammen, Messsoftware oder Audioeditoren praktisch.

Als Plugin lässt sich dieselbe Software dagegen direkt in den Produktionsworkflow der DAW integrieren. Beide Varianten können denselben klanglichen Kern verwenden, unterscheiden sich aber in der Einbindung.

Wie entsteht ein Audio-Plugin?

Wie programmiert man eigentlich ein Plugin? Die Grundidee hat sich nicht verändert. Am Anfang steht eine Funktion. Vielleicht soll ein Equalizer entstehen. Ein Synthesizer. Ein Delay. Ein ungewöhnliches Sounddesign-Werkzeug. Anschließend wird die eigentliche Signalverarbeitung entwickelt.

MaizeSoft MaizeSampler Übersicht
MaizeSoft MaizeSampler Übersicht

Das ist der DSP-Teil. Dazu kommt die Kommunikation mit dem Plugin-Host, die Verwaltung von Parametern, Presets, Automation, Audio- und gegebenenfalls Notendaten sowie die grafische Benutzeroberfläche. Danach beginnt ein enorm wichtiger Teil der Entwicklung: Testen.

Ein Plugin soll schließlich nicht nur in einer einzigen DAW auf einem einzigen Computer funktionieren. Unterschiedliche Betriebssysteme, Bildschirmauflösungen, Abtastraten, Buffergrößen, DAWs und Hardwarekonfigurationen können berücksichtigt werden müssen. Die Entwicklung eines professionellen Plugins besteht deshalb aus wesentlich mehr als einem guten Audioalgorithmus.

Womit werden Plugins programmiert?

Viele professionelle Audio-Plugins werden in C++ entwickelt. Dafür existieren unterschiedliche Frameworks und Entwicklungsumgebungen. Ein bekanntes Framework ist JUCE, das viele grundlegende Funktionen für Audioanwendungen und Plugins bereitstellt. Daneben existieren spezialisierte Systeme und Entwicklungsumgebungen.

Auch HISE ist interessant, insbesondere für samplebasierte Instrumente und komplexe Audioanwendungen. Das Open-Source-Projekt ermöglicht die Entwicklung eigener Instrumente und Plugins.

HISE Plugin Instrumente selbst erstellen
HISE Plugin Instrumente selbst erstellen

Wer programmieren kann und sich für digitale Signalverarbeitung interessiert, findet hier ein faszinierendes Gebiet. Denn irgendwann stellt sich fast zwangsläufig die Frage: Warum immer neue Plugins herunterladen? Warum nicht selbst eines bauen? Professor Pegel öffnet den Quellcode. Fünf Minuten später schließt er ihn wieder. „Vielleicht lade ich doch noch einen Kompressor herunter.

Warum Plugins die Musikproduktion verändert haben

Der eigentliche Einfluss von Audio-Plugins lässt sich kaum überschätzen. Ein modernes Heimstudio kann heute über Werkzeuge verfügen, die vor einigen Jahrzehnten ausschließlich sehr großen professionellen Studios vorbehalten waren.

Auf einem einzigen Computer können gleichzeitig laufen:

  • virtuelle Synthesizer
  • Sampler
  • Orchester
  • Gitarrenverstärker
  • Kompressoren
  • Equalizer
  • Hallgeräte
  • Delays
  • Mastering-Prozessoren
  • Restaurationswerkzeuge
  • Analyzer
  • und unzählige Spezialeffekte.

Dazu kommt ein entscheidender Vorteil digitaler Produktion: Recall. Ein Projekt wird geöffnet und die Plugins erscheinen mit ihren gespeicherten Einstellungen wieder genau dort, wo sie beim letzten Speichern standen. Bei einem vollständig analogen Studio bedeutete die Rekonstruktion einer Mischung dagegen teilweise erheblichen Aufwand.

Die Schattenseite: Plugin-Sammelleidenschaft

Natürlich hat die Sache einen Haken. Plugins sind leicht verfügbar. Sehr leicht. Es gibt kommerzielle Plugins, kostenlose Plugins, Bundles, Sonderaktionen, zeitlich begrenzte Gratisangebote und ständig neue Veröffentlichungen. Damit beginnt eine seltsame Entwicklung. Zunächst installiert man Plugins, weil man Musik produzieren möchte.

Die Jagd nach Audio-Plugins

Irgendwann produziert man Musik, um endlich einmal die Plugins auszuprobieren, die man installiert hat. Und schließlich verbringt man mehr Zeit im Plugin-Manager als im Mixer. Professor Pegel kennt das Problem. Sein Plugin-Ordner trägt inzwischen den Namen: FINAL_PLUGIN_FOLDER_7_REALLY_FINAL

Weniger kann mehr sein

Gerade für Einsteiger kann eine kleine, gut verstandene Plugin-Auswahl produktiver sein als eine riesige Sammlung. Moderne DAWs liefern bereits erstaunlich leistungsfähige Werkzeuge mit. Ein guter Grundbestand könnte beispielsweise aus einem flexiblen Equalizer, einem Kompressor, einem Limiter, einem Reverb, einem Delay, einem Saturation- beziehungsweise Distortion-Werkzeug und einigen Analysewerkzeugen bestehen.

Dazu kommen die Instrumente, die tatsächlich für die eigene Musik benötigt werden. Wer diese Werkzeuge wirklich versteht, kann damit bereits sehr weit kommen. Weitere Plugins sollten dann möglichst eine konkrete Lücke schließen oder einen besonderen Workflow beziehungsweise Klangcharakter bieten.

Professor Pegels Fazit

Audio-Plugins gehören zu den wichtigsten Entwicklungen der modernen Musikproduktion. Sie verwandeln einen Computer in ein nahezu beliebig erweiterbares Tonstudio. Dabei ist VST nicht gleich Plugin. VST3 ist lediglich eines von mehreren Plugin-Formaten. Daneben existieren unter anderem AU, AAX und das jüngere CLAP.

Auch die Begriffe 32-Bit und 64-Bit sollten nicht mit der Audio-Bittiefe verwechselt werden. Sie können je nach Zusammenhang die Softwarearchitektur oder – bei Floating-Point-Angaben – die interne numerische Verarbeitung beschreiben.

Im Kern bleibt das Prinzip erstaunlich einfach: HOST / DAW > PLUGIN-SCHNITTSTELLE > PLUGIN > DSP > AUDIO

Was früher einen Raum voller Geräte erforderte, passt heute auf eine SSD. Das hat Musikproduktion günstiger, flexibler und zugänglicher gemacht. Ob dadurch automatisch bessere Musik entsteht, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Professor Pegel betrachtet noch einmal seine Plugin-Liste.

847 Einträge.

Er schließt den Browser und lädt den Standard-EQ seiner DAW. „Den kenne ich wenigstens.“ Und manchmal ist genau das die beste Entscheidung.

Weitere Informationen zum Thema Audio-Plugins: https://de.wikipedia.org/wiki/Virtual_Studio_Technology#:~:text=Expression%20Maps%20Integration.-,Geschichte,Stereo%20Echo%20und%20Auto%2DPanner.

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