Testbericht: MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 – Plastic Fantastic

Ein Testbericht von Perry Staltic
veröffentlicht am 14.11.2019

Bereits im Testbericht zum SKULPT von MODAL ELECTRONICS (siehe hier) aus Großbrexitannien habe ich ja erwähnt, dass mir der deutsche Vertrieb TOMESO neulich auch gleich einen CRAFTsynth 2.0 des selben Herstellers zum Testen mitgeschickt hatte. Daher und auch aufgrund gewisser Ähnlichkeiten werde ich im vorliegenden Report immer wieder mal den einen oder anderen Vergleich zum SKULPT anstellen.

Auf den ersten, oberflächlichen Blick könnte man den CRAFTsynth 2.0 ja tatsächlich für den zurückgebliebenen kleinen Bruder des SKULPT halten, doch täte man ihm damit mehr als Unrecht! Denn obwohl der CRAFTsynth 2.0 deutlich billiger, kleiner und darüber hinaus auch nur einstimmig ist, so handelt es sich dabei nicht bloß um eine monophone Version des SKULPT, und in manchen Belangen ist der CRAFTsynth 2.0 diesem sogar überlegen.


C-3PO…

Die Versionsnummer im Namen des CRAFTsynth 2.0 deutet schon an, dass es dereinst einen direkten Vorgänger gegeben hat, nämlich den CRAFTsynth. Im Gegensatz zur v2.0 wurde dieser aber noch als gehäuseloser Bausatz angeboten und machte daher optisch eher den Eindruck eines YPS-Gimmicks, als eines ernstzunehmenden Synthesizers.

MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0

Bei der aktuellen Neuauflage hat man dem Kleinen aber endlich ein richtiges Gewand verpasst, er schaut nun also nicht mehr so nackig aus wie die frühe Inkarnation eines sehr bekannten Protokolldroiden…

Mit dem eben erwähnten SKULPT verbinden den CRAFTsynth 2.0 zwar durchaus auch einige Gemeinsamkeiten, doch während der Erstgenannte als VA-Synth mit wenigen und relativ einfachen Grundwellenformen konzipiert ist, kommt der CRAFTsynth 2.0 als waschechter Wavetable-Synth daher und bietet zudem auch noch einige zusätzliche Möglichkeiten zur Modulation seiner Oszillatoren.

Auch beim CRAFTsynth 2.0 hat MODAL ELECTRONICS keinerlei analoge Komponenten in der Klangerzeugung verwendet, es handelt sich dabei also ebenfalls um einen reinen Digitalsynthesizer.


Playmobil…

Der Lieferumfang fällt beim CRAFTsynth 2.0 signifikant geringer aus als beim SKULPT. Neben dem Synthie selbst gibt es auch hier noch eine (etwas kleinere) Pappkarte, auf deren Vorderseite die verschiedenen Tasten-Kombinationen aufgedruckt sind und auf deren Rückseite geistigen Tieffliegern vermittelt wird, wie man die Batterien richtig in das Gerät einsetzt (auch hier sollte sich das eigentlich von alleine erklären). Sonst gibt es nix weiter dazu!

Das man sich das Micro-USB-Kabel geschenkt hat, tangiert mich dabei weniger, allerdings vermisse ich die ebenso praktische wie schicke Schutzabdeckung, mit der der SKULPT aufwarten kann, die ist anscheinend leider dem Rotstift zum Opfer gefallen (was hätte die wohl in der Herstellung gekostet? Einen Euro, zwei Euro oder gar drei Euro…?).

MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 - Rückseite
MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 – Rückseite

Eine Bedienungsanleitung ist auch beim CRAFTsynth 2.0 nur als PDF vorhanden, eine entsprechende Download-Möglichkeit findet sich auf der Website von MODAL ELECTRONICS. Während Anglophile, Franzosen, Spanier oder Italiener ihre eigenen Übersetzungen erhalten, gehen deutsprachige Anwender mal wieder leer aus (zumindest gibt es doch eigentlich mehr Länder, in denen Deutsch gesprochen wird, als solche, in den Italienisch die Landessprache ist, oder…?).

Der CRAFTsynth 2.0 weist von seinen Abmessungen her die gleiche Tiefe und Höhe wie der SKULPT auf, lässt sich also gut direkt neben diesem aufstellen, mit fünfzehn Zentimetern ist lediglich seine Breite deutlich geringer ausgefallen. Damit präsentiert sich der CRAFTsynth 2.0 sogar noch portabler und taschenfreundlicher als sein großer Bruder.

MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 - Im Größenvergleich mit dem SKULPT
MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 – Im Größenvergleich mit dem SKULPT

Die Qualität der Hardware, also des Gehäuses und der Bedienelemente ist mit der des SKULPT vergleichbar, hier kommt wiederum nur günstig wirkendes Plastik zum Einsatz, angesichts des erheblich niedrigeren Verkaufspreises des CRAFTsynth 2.0 ist das hier aber auch akzeptabler.

Das Design und das Layout der Bedienoberfläche ist zwar ähnlich unorthodox wie die des SKULPT, allerdings fällt dies beim CRAFTsynth 2.0 nicht so schwer ins Gewicht, ganz einfach deshalb, weil hier deutlich weniger Bedienelemente gibt, die somit zwangsläufig auch übersichtlicher wirken (insofern schenke ich mir hier auch den Minuspunkt, den der SKULPT an dieser Stelle noch einheimsen musste…). Außerdem hat man die Beschriftungen der Regler etwas lesefreundlicher gestaltet und ausgerichtet.

Dafür gibt es allerdings bei den Dreheglern des CRAFTsynth 2.0 nicht nur Doppelbelegungen, sondern größtenteils sogar dreifach belegte Regler (mittels SHIFT und PRESET). Das ist auch hier nicht immer dem Workflow zuträglich.

Gut daher, dass die MODALAPP und das MODALPLUGIN (siehe weiter unten) ebenfalls mit dem CRAFTsynth 2.0 zusammenarbeiten, zumal hier aus Kostengründen erst recht auf ein aussagekräftiges Display verrichtet wurde und die als dürftiger Ersatz dienende LED-Reihe mit nur acht Leuchtdioden auch nur halb so lang wie beim SKULPT ausgefallen ist.

MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 - Bedienoberfläche
MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 – Bedienoberfläche

Die insgesamt zwölf Endlos-Encoder gleichen ebenfalls denen des SKULPT, ihr Drehwiderstand ist also gering bis gar nicht vorhanden, dafür hat MODAL ELECTRONICS ebenfalls kontaktlose Exemplare verwendet, was mit hoffentlich entsprechender Verschleißarmut einhergehen dürfte.

Wer den auch als Keyboard dienenden Sensorstreifen beim SKULPT schon nicht mochte, der wird ihn beim CRAFTsynth 2.0 vermutlich hassen. Soweit möchte ich persönlich nicht gehen, aber zumindest kann der SKULPT an dieser Stelle mit einem Layout aufwarten, dass der Aufteilung einer normalen Klaviatur entspricht und somit dedizierte schwarze Tasten für die Halbtonschritte aufweist.

Beim CRAFTsynth 2.0 wirkt das durch die schwarz-weiße Farbgebung aber nur auf den ersten Blick so. Bloß die untere, weiße Reihe der Sensortasten ist dem Notenspiel gewidmet, je nach eingestellter Skala (neben allerlei vorprogrammierten Skalen gibt es auch eine, die sich vom Anwender selbst definieren und in ihrem Grundton einstellen lässt) liegen hier die Halbtonschritte also direkt nebeneinander, ein normales Spiel ist damit eher schwierig. Lediglich Glissandi gelingen auch hiermit einfacher als mit einer normalen Tastatur.

Also habe ich auch den CRAFTsynth 2.0 zeitnah nach dem ersten Ausprobieren an ein externes MIDI-Keyboard angeschlossen, was Dank MIDI-Eingang und -Ausgang im bewährten DIN-Format kein Problem darstellt. Sehr schön, dass man auch hier nicht etwa auf die immer häufiger anzutreffenden Miniklinkebuchsen samt der dann jeweils notwendigen Adapter (die man gerne schon mal verlegt…) gesetzt hat!

Auch die übrigen Anschlüsse entsprechen denen des SKULPT, es gibt wieder ein Buchsenpärchen im Miniklinke-Fomat als Ein- und Ausgang analoge SYNC-Signale, je einen Audioausgang für Line-Out und Kopfhörer (auch hier wieder nur in mono) sowie eine Micro-USB-Buchse, über die der CRAFTsynth 2.0 zum einen seine Betriebspannung erhalten kann (sofern man keine Batterien oder Akkus verwendet), zum anderen mit einem Computer, wahlweise auch mit einem ANDROID- oder einem iOS-Gerät, verbunden werden kann. Der CRAFTsynth 2.0 ist class compliant und kommt somit ohne zusätzliche Treiber aus.

Im Gegensatz zum SKULPT benötigt der CRAFTsynth 2.0 für den Batteriebetrieb lediglich drei AA-Zellen (bemerkenswert aber, dass sich beide Geräte bei einer Stromversorgung via USB gleichermaßen mit den üblichen 5V begnügen…), auch hierbei bieten sich wiederaufladbare und damit etwas umweltschonendere Akkus an.

Der CRAFTsynth 2.0 besitzt ebenfalls einen dreistufigen Schalter, um damit zwischen Batterie- und USB-Betrieb umzuschalten oder das Gerät komplett auszuschalten. Dieser ist nur etwas versteckt auf der linken Seite unter dem überstehenden Bedienpanel angebracht.

Was den Anschluss via USB betrifft, ich hatte a schon im Testbericht zum SKULPT kurz erwähnt, dass der CRAFTsynth 2.0 gegenüber seinem großen Bruder leider dazu neigt, offenbar durch irgendwelche Masseschleifen erzeugte Störgeräusche ins Audiosignal einzustreuen. In meinem Test war deren Intensität bei Verwendung unterschiedlicher Kabel zwar nicht immer gleich hoch, gleichwohl aber waren sie stets vernehmbar, zumindest bei voll aufgedrehter Abhörlautstärke. Da dieses Manko in meinem Test des SKULPT nicht auftrat, scheint es somit wohl im technischen Design des CRAFTsynth 2.0 begründet zu sein.

Ich habe dann aus reiner Neugier mal ein wenig herumexperimentiert und dabei festgestellt, dass diese Störsignale hochfrequenter Natur immer nur bei einer USB-Verbindung mit meinem Computer auftraten, und zwar auch dann, wenn ich den Synth dabei mit Akkus betrieb (dann waren diese Einstreuungen allerdings deutlich leiser).

Zur besseren Verdeutlichung habe ich diese Störgeräusche einmal aufgenommen und anschließend auf -3 dB normalisiert, das bedeutet, dass diese Signale also in Wirklichkeit deutlich leider sind und so in der Praxis normalerweise vom Nutzsignal des CRAFTsynth 2.0 weitgehend überdeckt werden. Ihr hört sie hier jetzt also quasi einmal wie durch eine akustische Lupe vergrößert.

Klangbeispiel CRAFTsynth 2.0 USB-Noise
Klangbeispiel CRAFTsynth 2.0 USB-Noise bei Batteriebetrieb

Wenn ich den CRAFTsynth 2.0 hingegen über ein externes USB-Netzteil mit Spannung versorgte, herrschte Stille, dann war jedoch natürlich keine Verbindung mit der MODALAPP bzw. dem MODALPLUGIN auf dem Rechner möglich.

Schließlich habe ich auch noch mal diesen Y-Adapter rausgekramt, den ARTURIA für derartige Fälle zum BeatStep PRO mitgeliefert hatte und der eine USB-Verbindung zum Computer bei gleichzeitiger Benutzung eines externen Netzteils ermöglicht. Auch in diesem Falle wurden die Störgeräusche erfolgreich eliminiert.

MODAL ELECTRONICS scheint sich dieses Problems sehr wohl bewusst zu sein, denn im Troubleshooting-Kapitel der Bedienungsanleitung wird darauf hingewiesen und der Einsatz eines sogenannten USB-Isolators von einem Dritthersteller empfohlen (https://hifime.uk/usb-isolator), dessen Preis mit rund 30,- USD allerdings nicht ganz günstig erscheint (obwohl es hier auch noch deutlich teurere Konkurrenzprodukte gibt…), zumindest wenn man diesen in Relation zum Verkaufsaufpreis des CRAFTsynth 2.0 selbst setzt. Gegebenenfalls kommt man aber in der Bucht sehr viel billiger davon. Entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt, lässt sich so etwas übrigens auch selbst zusammenlöten: http://www.dl1dow.de/artikel/usb-isolator/index.htm


Innenarchitektur…

Obgleich die Klangerzeugung des CRAFTsynth 2.0 durchaus gewisse Gemeinsamkeiten zum SKULPT vorzuweisen hat, gibt es auch einige gravierende Unterschiede. Der Bedeutendste betrifft dabei die Oszillator-Sektion.

Der CRAFTsynth 2.0 weist wie der SKULPT zwei in ihrem Lautstärkeverhältnis regelbare Basis-Oszillatoren auf, die jeweils mit unterschiedlichen Wellenformen belegt werden können und bei denen stufenlos zwischen zwei benachbarten Wellenformen gemorpht werden kann. So weit, so gut. Doch wo der SKULPT lediglich mit fünf Grundwellenformen plus Rauschen aufwarten kann, hat der CRAFTsynth 2.0 gleich acht Wavetable-Bänke à fünf Wellenformen sowie eine Extra-Bank mit Sinus- und Noise-Modellen in petto, das macht nach Adam Riese also eine Gesamtzahl von mehr als vierzig Wellenformen plus den durch das Morphing möglichen unzähligen Varianten davon.

Den Anfang machen noch ein paar simplere VA-Wellenformena à la SKULPT, wie etwa Sinus, Dreieck, Rechteck und Sägezahn, in den weiteren Wellentabellen geht es dagegen schon deutlich komplexer zu. So gibt es etwa zwei Bänke mit jeweils einer Auswahl von Wellenformen des hauseigenen Edelsynthies MODAL 002.

MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 – Wavetables und Wellenformen

Hinzu gesellen sich diverse mathematisch errechnete Wellenformen, vokale Formanten, auf Polygonen basierende Wellen, verschiedene Formen von Rauschen sowie weitere komplexe Kreationen. Man mag sich ohne Schwierigkeiten vorstellen, das sich bereits aus diesem Grundmaterial allerlei interessantes Klanggut stricken lässt.

Auch der CRAFTsynth 2.0 verfügt unter der Motorhaube noch zusätzliche, über den SPREAD-Parameter ereichbare Oszillatoren. Wie beim SKULPT dient der Regler bis zu seiner Mittelstellung zum Andicken mittels Hinzufügung zunehmend verstimmter Oszillatoren, darüber hinaus bewirkt dieser Regler dann sogar das Erstellen ganzer Akkorde. Letztendlich lässt sich mit SPREAD eine eine Summe von bis zu acht Oszillatoren erreichen.

Wo der SKULPT nur mit einer einfachen Frequenz- sowie mit Ringmodulation aufwarten konnte, stellt der CRAFTsynth 2.0 sage und schreibe sechzehn Wege zur Oszillator-Modulation bereit. Zu den gerade genannten Arten bietet er zusätzlich noch die Möglichkeit zur Phasenmodulation, Hard Sync und verschiedene Window Sync-Varianten, diverse Wavefolder und Phaseshaper, Bit-Crushing und Downsampling etc. Der CRAFTsynth 2.0 übertrifft den SKULPT also auch auf dieser Ebene in puncto Klangformungsmöglichkeiten um Längen.

Das 2-polige Multimode-Filter mit seiner Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave wiederum entspricht dem seines großen Bruders, es bietet die Modi Tiefpass, Bandpass und Hochpass und kann mittels MORPH-Parameter stufenlos zwischen diesen drei Charakteristiken eingestellt werden. Selbstverständlich gibt es auch hier eine regel- und modulierbare Filterresonanz, und auch scheint es nicht möglich zu sein, Klänge allein auf Basis eines selbstoszillierenden Filters ohne Beteiligung der eigentlichen Oszillatoren zu erzeugen. Ansonsten muss ich aber einmal mehr die überzeugenden klanglichen Qualitäten des MODALschen Digitalfilters loben, die nicht unwesentlich zum bisweilen recht „teuren“ Grundklang dieser kleinen Schachteln beitragen.

Auch die Ausstattung mit Modulatoren, namentlich Hüllkurven und LFOs scheint sich nicht wesentlich von der des SKULPT zu unterscheiden. Es gibt drei ADSR-Hüllkurven, davon je eine für Filter und Verstärker sowie eine frei zuweisbare für Modulationzwecke (unter anderem auch für das dynamische Morphen durch die Oszillator-Wellenformen).

Der LFOs gibt es zwei, im Gegensatz zum SKULPT handelt es sich hier aber beide Male um monophone Varianten, was angesichts des ja lediglich einstimmigen CRAFTsynth 2.0 auch mehr als logisch erscheint. Auch diese LFOs bieten morphbare Wellenformen (und können ihrerseits auch wieder die OSC-Wavetables modulieren). Bei den RATE-Einstellungen der LFOs gibt es verschiedene Optionen, jeweils abhängig von positiver oder negativer Reglerstellung. Damit ist unter anderem auch eine flexible MIDI-Synchronisation zum Projektempo mittels verschiedener Teiler möglich. Der zweite LFO ist darüber hinaus auch fähig, Geschwindigkeiten bis in den Audiobereich zu erreichen.

MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 - Parameter
MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 – Parameter

Weiterhin stehen für die Klangformung mit Distortion aka Waveshaper und Delay die gleichen Onboard-Effekte zur Verfügung, mit denen schon der SKULPT aufzuwarten vermag. Hier wie dort hätte das Delay natürlich von einem Stereo-Ausgang beim LINE OUT profitieren können, auch wenn es sich beim CRAFTsynth 2.0 nur um einen Mono-Synth handelt (vielleicht aber auch gerade deshalb…). Die Verzögerungszeit lässt sich auch via MIDI synchronisieren.

Zu guter Letzt hat auch der CRAFTsynth 2.0 eine Modulations-Matrix vorzuweisen, bei dieser treffen maximal acht Quellen auf bis zu 36 Ziele, wobei aber auch hier nicht alle denkbaren Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, es wurde aber schon eine sinnvolle Vorauswahl von MODAL ELECTRONICS getroffen. Einige der Zuordnungen können auch nicht am Gerät selbst vorgenommen werden, sondern bedürfen vielmehr der MODALAPP oder dem MODALPLUGIN, angesichts der in dieser Hinsicht durch seine Doppelbelegungen etwas fummeligen Bedienung des CRAFTsynth 2.0, ist dies aber sowieso empfehlenswert.

Obwohl die Sensortastatur des CRAFTsynth 2.0 selbst keine Anschlagsdynamik und auch keinen Aftertouch (Nein, nein, das ist jetzt nicht etwa das, was der Proktologe macht…) erzeugen kann, ist der Synth aber sehr wohl in der Lage, beides via MIDI von externen Geräten zu empfangen und als Modulationsquelle in der Matrix zu verwenden, ebenso wie das Modulationsrad sowie einen mittels MODALAPP definierbaren MIDI-Continous-Controller.

Für eigene Klangkreationen hält der CRAFTsynth 2.0 übrigens 64 Speicherplätze bereit.


Animateur…

Auf den Echteit-Sequencer inklusive seinem vierspurigen Parameter-Recording des SKULPT muss der CRAFTsynth 2.0 leider verzichten, wobei ich gerade den letzteren Aspekt, also die Aufnahme von Regler-Bewegungen, auch hier sehr begrüßt hätte. Beim CRAFTsynth 2.0 muss für derartige Parameterfahrten also auf eine externe DAW ausweichen.

Dafür gibt’s aber wenigstens noch einen Arpeggiator, und beim CRAFTsynth 2.0 kann dieser neben seiner üblichen Funktion des Akkordaufbrechens sogar auch als programmierbarer Step-Sequencer für Notenfolgen dienen. Dank seiner Möglichkeit, Pausen setzen zu können, sind hiermit auch rhythmische Patterns kein Problem. Die eingegebenen Sequenzen lassen sich erfreulicherweise auch in Echtzeit transponieren. Das Abspieltempo kann wahlweise durch eine interne Clock bestimmt oder alternativ auch über MIDI bzw. über ein analoges SYNC-Signal von außen vorgegeben werden.

MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 und BASTL KASTEL in Sync
MODAL ELECTRONICS CRAFTsynth 2.0 und BASTL KASTEL in Synchronisation

Da der CRAFTsynth 2.0 wie auch der SKULPT interne und externe Clocksignale an seinen SYNC-Ausgang weiterleitet, können beide Synthesizer nebenher auch noch zum Synchronisieren von rein analogen Gerätschaften zu einem MIDI-Sequencer oder einer DAW dienen.


APPetit…

Hat der geneigte Anwender ja schon beim SKULPT aufgrund dessen weniger Regler und deren Doppelbelegungen sowie dem fehlenden Display gewisse Einschränkungen in der Bedienbarkeit hinzunehmen, so gestaltet sich ein intuitiver Workflow beim CRAFTsynth 2.0 durch noch weniger Bedienelemente und damit verbundener Dreifachbelegungen bei gleichzeitig aber komplexerer Klangerzeugung nicht unbedingt leichter.

Daher ist es lobenswert, das die beim Hersteller kostenlos erhältliche Standalone-Software MODALAPP (erhältlich für WINDOWS, OSX, iOS und ANDROID) sowie seine entsprechende AU/VST3-Variante (64-bit) MODALPLUGIN auch den CRAFTsynth 2.0 unterstützt. Der Redundanz halber sei hier noch einmal wiederholt, dass die App ab WINDOWS 7 und OSX 10.10 bzw. ab iOS 9 und ANDROID 6 lauffähig ist. Wie ebenfalls schon im Testbericht zum SKULPT erwähnt, muss die Verbindung zur Hardware dabei zwingend über den USB-Anschluss hergestellt werden, denn über die MIDI-DIN-Ports funktioniert das Ganze nicht.

MODALAPP bzw. MODALPLUGIN interagieren mit dem jeweils angeschlossenen Synthesizer in beide Richtungen, eine vorgenommene Änderung am Bildschirm wirkt sich sofort auf den aktuellen Klang aus, wie auch das Schrauben an einem der Drehregler des CRAFTsynth 2.0 sich unmittelbar am entsprechenden Parameter auf dem Bildschirm verfolgen lässt.

Wie auch schon beim Test des SKULPT festgestellt, scheint die Pluginversion der MODALAPP, die überraschenderweise MODALPLUGIN getauft wurde, mit einigen Hosts gewisse Probleme zu haben (oder umgekehrt…), denn während sie im Verlauf der Testphase unter STUDIO ONE 4.5 und auch unter REAPER ihren Dienst gemäß den Erwartungen verrichtete, vermochte sie sowohl unter MIXCRAFT 8 als auch unter meinem alten, aber eigentlich recht bewährten CUBASE 5.5 nicht den an den Rechner angeschlossenen Synthesizer erkennen, im Falle des CRAFTsynth 2.0 verhielt es sich ebenso. Das VST3-Plugin selbst ließ sich dabei zwar problemlos auch in diesen DAWs aufrufen, jedoch dann nicht die Bedienoberfläche des zu editierenden Synthies.

MODALAPP und MODALPLUGIN unterscheiden sich übrigens im Prinzip lediglich darin, dass das Plugin in der Lage ist, aus der DAW heraus MIDI-Spuren an den Synthie zu schicken. Zudem erlaubt das Plugin auch noch, Parameteränderungen des CRAFTsynth 2.0 in der DAW zu aufzuzeichnen und zu automatisieren sowie vorgenommene Klangeditierungen zusammen Projekt abzuspeichern, ohne sie erst zuvor am CRAFTsynth 2.0 selbst auf einen seiner 64 internen Preset-Speicherplätze abzulegen. Beim Aufruf des DAW-Projekts wird der Klang dann vom MODALPLUGIN automatisch in den temporären Editierspeicher des CRAFTsynth 2.0 geladen. Eine schöne Sache, denn in alten Zeiten musste ich hierzu meine Hardware-Synthesizer (sofern diese überhaupt dazu befähigt waren) noch erst vergleichsweise umständlich via MIDI mit den entsprechenden SYSEX-Datenpaketen betanken, welche ich dazu jeweils vorher in leeren Takten vor Beginn des eigentlichen Musikstückes untergebracht hatte.

MODALAPP - CRAFTsynth 2.0 - Editor
MODALAPP – CRAFTsynth 2.0 – Editor

Zu besseren Unterscheidung hat MODAL ELECTRONICS die Bedienelemente in der Software blau eingefärbt, sofern die App mit dem CRAFTsynth 2.0 verbunden wird (beim SKULPT herrscht dagegen eine orange Farbgebung vor). Selbstverständlich wird die GUI dabei automatisch an die Möglichkeiten des jeweils angeschlossenen Synthesizers angepasst, so besitzt der CRAFTsynth 2.0 beispielsweise ja leider keinen Parameter-Sequencer, daher man logischerweise auch keine entsprechende Bildschirmseite zu Gesicht, wie es etwa beim Anschluss eines SKULPT der Fall ist.

MODALAPP - CRAFTsynth 2.0 - Preset-Verwaltung
MODALAPP – CRAFTsynth 2.0 – Preset-Verwaltung

Da der CRAFTsynth 2.0 über interne Speicherplätze für Presets verfügt, bietet die MODALAPP folgerichtig ebenfalls einen Preset-Browser und -Manager für den kleinen Synthie an, über den die Klangkreationen verwaltet und ausgetauscht werden können.

MODALAPP - CRAFTsynth 2.0 - Live
MODALAPP – CRAFTsynth 2.0 – Live

Für den SKULPT bietet die MODALAPP eine Bildschirmseite mit der Bezeichnung CONTROLLER, eine ebensolche existiert auch für den CRAFTsynth 2.0, wird hier allerdings LIVE genannt. Sie dient als virtueller MIDI-Controller nebst Keyboard und ist daher vorrangig für Geräte mit einem Touchscreen prädestiniert, also für ein Tablet oder für ein Smartphone.

MODALAPP - CRAFTsynth 2.0 - Settings
MODALAPP – CRAFTsynth 2.0 – Settings

Verschiedene Grundeinstellungen des CRAFTsynth 2.0 lassen sich ebenfalls wieder bequem auf einer dedizierten Bildschirmseite tätigen.

Und auch an den schon beim SKULPT vorhandenen Randomisierer zur Erzeugung von zufallsgesteuerten Presets auf Knopfdruck wurde beim CRAFTsynth 2.0 gedacht, nicht alles vielleicht, was dabei herauskommt, mag von einem direkten musikalischen Nutzwert sein, dennoch entsteht damit durchaus so manche brauchbare Vorlage, die nach ein wenig manueller Nacharbeit eine interessante Klangkreation ergibt.


Tonerzeugnisse…

Bereits der SKULPT vermochte mich klanglich zu überzeugen, und erfreulicherweise ist dies auch beim sehr viel günstigeren CRAFTsynth 2.0 der Fall (wenn man hierbei einmal die weiter oben beschriebenen lästigen Störgeräusche bei bestimmten USB-Konstellationen außer Acht lässt, doch diese lassen sich ja mit geeigneten Maßnahmen eliminieren…).

Der CRAFTsynth 2.0 kann ebenfalls deutlich teurer klingen, als es sein Preis vermuten lassen mag, dabei wahlweise eher schlank oder aber sehr voll und kräftig. Er taugt für so ziemlich alles, bei dem man einen monophonen Synthie gebrauchen kann.

Es ist zwar durchaus eine gewisse klangliche Verwandschaft zum SKULPT vorhanden, insbesondere das gutklingende Filter trägt hierzu wohl maßgeblich bei, dennoch punktet dabei jeder der beiden Synthesizer in einem eigenen Bereich. Flächenklänge etwa liegen dem SKULPT eher, einfach schon aufgrund seiner Polyphonie, während der monophone CRAFTsynth 2.0 sich beispielsweise noch besser auf Drones und experimentelles Klangmaterial versteht, nicht zuletzt durch seine aufgebohrten Oszillatorfähigkeiten. Mir persönlich haben die Sync-Sounds des CRAFTsynth 2.0 ebenfalls sehr zugesagt.

Auch der CRAFTsynth 2.0 beherrscht diverse virtuell-analoge Standardklänge, doch mehr noch als der SKULPT ist er, bedingt durch seine zahlreichen komplexeren Wellenformen und durch seine erweiterten Möglichkeiten im Bereich der Oszillator-Modulationen, für Klanggut prädestiniert, das einen hörbar digitalen Ursprung aufweist.

Die Klangbeispiele habe ich ähnlich wie beim SKULPT-Test konzipiert, es gibt keinen kompletten Musiktrack mit vergleichsweise wenigen Klängen, sondern dafür wieder viele angespielte Presets, die das breite Klangpektrum des CRAFTsynth 2.0 wiedergeben sollen.

Zu Beginn folgt eine sehr lange gehaltene Note, bei der ich gleichzeitig den SPREAD-Regler langsam voll aufdrehe, um ihn danach wieder sukzessive zurück in seine minimale Ausgangstellung zu bringen. Man kann sehr gut das zunächst stattfindende allmähliche Andicken des Klanges durch die zusätzlichen Oszillatoren hören, welches dann schließlich in diskrete Tonintervalle und Akkorde überwechselt,

Klangbeispiel CRAFTsynth 2.0 – SPREAD-Parameter

Der nachfolgende, fast zehnminütige Track bietet einen Zusammenschnitt der vielfältigen Presets des CRAFTsynth 2.0 (natürlich jetzt nicht aller 64 Stück…):

Klangbeispiel CRAFTsynth 2.0 – Preset-Rundflug

Fazit:

Der CRAFTsynth 2.0 macht eindeutig Spaß! Er teilt sich zwar mit seinem großen Bruder SKULPT das Manko der mehrfachbelegten Bedienelemente, aber das ist letztendlich ja auch nur seiner großen Klangvielfalt bei gleichzeitig kleinem Verkaufspreis geschuldet. Mehr Hardware-Regler hätten das Teil sicherlich ordentlich verteuert, andererseits hätten dementsprechend weniger Parameter die klangliche Bandbreite unnötig eingeschränkt. Der CRAFTsynth 2.0 ist halt nun mal nicht nur ein Einfachsynth à la 303 o.ä.

Auch beim CRAFTsynth 2.0 wird die MODALAPP schon sehr bald unabdingbar, wenn man sich nicht in endlosen Fummelorgien verlieren will, die „Generation Smartphone“ dürfte damit aber vermutlich die wenigsten Probleme haben, die legt ihr Handy sowieso niemals aus der Hand und trägt damit im Prinzip immer einen komfortablen Software-Editor für den CRAFTsynth 2.0 inklusive eingebauter Stromversorgung mit sich herum.

Klanglich vermag der CRAFTsynth 2.0 ebenso wie der SKULPT zu begeistern und bildet mit diesem zusammen ein potentes Gespann, das sich hervorragend ergänzt, wobei jeder der Synths seinen eigenen klanglichen Schwerpunkt vorzuweisen hat. Und der CRAFTsynth 2.0 ist dabei nicht einfach nur ein eingedampfter SKULPT, sondern ein eigenständiges Instrument mit einer noch noch größeren Bandbreite, dafür aber wiederum leider nur in einstimmiger Ausführung und bisweilen auch noch mit Störgeräuschen behaftet, die dem SKULPT völlig abgehen.

Der CRAFTsynth 2.0 wird hierzulande von den einschlägigen Musikhändlern für gerade mal 137,- Euro angeboten. Das ist in Anbetracht des gelieferten Gegenwerts als sehr günstig zu bezeichnen. Die in diesem Preissegment (sagen wir mal bis 200,- Euro) erhältlichen Synthesizer stellen meiner Ansicht nach weniger eine Konkurrenz für den CRAFTsynth 2.0 dar, als eine klangliche Ergänzung, denn der CRAFTsynth 2.0 kann mit einer ganzen Reihe an klanglichen Merkmalen aufwarten, die ihn von seinen üblichen Mitbewerbern, wie den diversen KORG VOLCAs, den verschiedenen MEEBLIPs (sofern überhaupt noch erhältlich) oder auch dem IK Multimedia UNO SYNTH abheben. Der ebenfalls digitale PLOYTEK PL2 (LEUKOS) klingt auch gut (aber anders!) und ist sogar noch günstiger als der CRAFTsynth 2.0, dafür besitzt er aber weder physische Bedienelemente noch einen Sequencer/Arpeggiator und auch nicht die komplexen Wellenformen und Modulationsmöglichkeiten.

Aber wie bereits erwähnt, der günstige Preis dieser genannten Klangerzeuger ermöglicht es ja auch ohne ein dickes Bankkonto, sie alle miteinander in musikalischer Koexistenz zu verwenden…

Und bevor ich es vergesse: Demnächst steht ja schon wieder Weihnachten vor der Tür, der CRAFTsynth 2.0 ist sicher auch ein schönes Geschenk für jeden Elektromusikanten… 😉


Positives:

+ sehr guter Grundklang
+ variable Klangerzeugung mit breitem Spektrum
+ morphbare Wellenformen
+ Arpeggiator/Step-Sequencer
+ normale MIDI-DIN-Anschlüsse
+ analoge SYNC-Anschlüsse
+ Batterie-/Akkubetrieb möglich
+ Software-Editor für diverse Betriebssysteme
+ Plugin zur DAW-Integration
+ preisgünstig

Negatives:

– teilweise ungünstige Mehrfachbelegung der Bedienelemente
– Störgeräusche bei USB-Verbindung mit dem Computer


Produktwebseite: https://www.modalelectronics.com/craft/

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