Camel-Audio Alchemy: Das Soundlabor – Testbericht

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Der kostenfreier SFZ Sample Player mit reichlich Content war ausschlaggebend für diesen Test der großen Version von Alchemy. Nachdem ich den kostenlosen Alchemy Player auf der Festplatte hatte und dieser mich schon bedingt durch das wahrlich exzellente Preis/ Leistungsverhältnis begeisterte wurde ich extrem neugierig auf das was denn die Kauf-Version des Alchemy bieten würde.

So orderte ich also umgehend Alchemy 1.55 und einige Soundpacks. Es sei vorausgeschickt, dass ich seitdem am Computer hänge und mich mit Unmengen an wirklich guten Sounds und Möglichkeiten der Klanggestaltung beschäftige. Diesen Testbericht habe ich bereits mehrfach begonnen und bin dann doch wieder abgedriftet in die Erkundung weiterer Features von Alchemy.

Installation

Alchemy wird als VST und AU Plugin für Windows sowie für MAC angeboten, für beide Betriebssysteme sind 32 bit wie auch 64 bit Versionen verfügbar. Die Installation ist einfach und schnell erledigt, Camel-Audio empfiehlt dass die vorgeschlagenen Speicherorte, für das VST / AU Plugin und die Daten, die während des Setup Prozesses angegeben werden so übernommen werden.

Allerdings habe ich die Daten auf eine andere Partition installiert, was auch ohne Probleme einwandfrei funktioniert hat. Das Setup Programm weiß bereits, für wen der Alchemy lizensiert wurde, dies äußert sich dadurch das nach dem Start des Alchemy der Name des Lizensnehmers in der Software eingeblendet werden. Ich finde es sehr gut das weder ein Kopierschutzkey alá iLok und auch keine online Aktivierung erforderlich ist.

 

Camel Audio Alchemy
Alchemy 1.50.1 Bedienoberfläche

Bevor es losgeht, wird erst einmal gescannt

Da Alchemy laufend weiterentwickelt wird und daher auch neue Sounds hinzukommen muss der gigantische Umfang an Sounds und Samples nach der Installation gescannt werden, dies dauert „ein wenig“ allerdings zahlt sich die Geduld hier aus, mittendrin abbrechen ist keine so gute Idee, auch wenn der Verdacht aufkommt, da passiert jetzt gerade nichts mehr ist Alchemy immernoch dabei die Sounds zu analysieren und in die Bibliothek aufzunehmen, mein Tipp daher abwarten! Insbesondere dann, wenn so wie in meinem Fall noch 5 optionale Soundsets mit im Paket sind, ist ausreichend Zeit für eine ausgiebige Kaffeepause.

64 Bit oder besser nit….

alchemy-data-folder-problemDa ich auf meinem Testrechner ein DELL Inspiron ONE Dualcore mit 3 GB und Multitouch Screen herstellerseitig schon Windows 7 in der 64 Bit Variante installiert habe, (das muss mal einer verstehen warum 64 bit und dann nur 3 GB Speicher … ich muss da mal nachrüsten, macht ja sonst eher wenig Sinn), wurde auch die 64 Bit von Alchemy auf meinen Rechner installiert. Allerdings hatte ich damit erhebliche Probleme unter Cubase 6 LE da sich die VSTBridge von Cubase (welches als 32 bit Version seinen Dienst klaglos unter Win7 64bit versieht) nicht mit Alchemy 64 bit verstehen wollte kam es zu Abstürzen. Außerdem meldete Alchemy sich immer beim Start mit der Fehlermeldung das ein Daten Ordner nicht gefunden würde. Nachdem ich dann die 64 bit Version deinstalliert hatte und dafür die 32 Bit Variante von Alchemy installierte, war alles in Ordnung und seit dem versieht Alchemy ohne Probleme seinen Dienst.

Die 32/64 bit Problematik hatten wir in der Vergangenheit schon einige Male unter die Lupe genommen, siehe hier: 64 Bit in der Musikproduktion problemfrei nutzen

Anmerkung: Natürlich ist es vorteilhafter auf einem 64 bit Betriebssystem auch die 64 bit Cubase Variante zu installieren, in welcher dann auch sicherlich alle 64 bit Plugins klaglos laufen sollten. ABER …. Da wir ja hier bei buenasideas viele Audio Software Plugins testen und nicht alle Plugins bereit in der 64 bit Variante zu haben sind, ist auf dem Testrechner die 32 bit Variante von Cubase installiert.

Sounds alá Card, der Browser des Camel Audio Alchemy

Alchemy wird in der Vollversion mit einem riesigen Arsenal an Soundpresets geliefert, zudem kann der Kunde sich noch eines der vielen Soundsets, die speziell für Alchemy hergestellt wurden, aussuchen und bekommt dieses gratis dazu. Um das Heraussuchen eines Sounds anhand von Kategorien zu vereinfachen, ist in Alchemy ein Sound Browser vorhanden. In Selbigem kann nach Kategorie, Subkategorie, dem Namen der Soundlibrary, der Bezeichnung der Klangfarbe (Timbre), der Artikulationsvariante und dem Genre gezielt nach den passenden Sounds gefahndet werden.

Camel Audio Alchemy - Preset-Browser
Alchemy – Preset-Browser

Auch eine Suchfunktion ist in Alchemy vorhanden, mittels einem Edit Button kann die Kategorienvergabe angepasst werden und es ist möglich eigene Tags zu vergeben. Zudem ist eine Notizbuchfunktion enthalten und jeder Sound kann bewertet werden, sehr schön!

Der Performance Mode

Mein ganz persönliches Highlight sind die ausgereiften Perform- Möglichkeiten von Camel Audio Alchemy. Hier kann der gerade gespielte Sound mittels der Maus oder besser einem Hardware Midi Controller vielfältig verändert werden. Dazu stehen zum Einen acht Pads bereit, auf jedem der Pads liegt eine andere Klangeinstellung, zwischen den Pads kann nun stufenlos gewechselt werden um so den Klang zu verändern. Zum anderen finden wir zwei X/Y Fenster die vorher festgelegte Modulationsquellen beeinflussen, auch hier kann stufenlos gewütet werden. Schlußendlich gibt es auch noch acht frei zuweisbare Potis und eine ADSR Hüllkurve im direkten Zugriff.

Alchemy-Perform & Numark DJ2GO
Alchemy-Perform mit dem NUMARK DJ2GO
Ich habe hier den NUMARK DJ2GO Midi Controller zweckentfremdet, da dieser ja eigentlich den NI Tracktor steuert. Die beiden Fader außen eignen sich hervorragend um die horizontale und vertikale Steuerung der acht Buttons zu beeinflussen und die Potis können den X/Y Fenstern zugewiesen werden. Eine wirklich feine Sache und zudem ein Tipp von mir, ohne hier Werbung machen zu wollen, den NUMARK DJ2GO bekommt Ihr gratis wenn Ihr die BEAT 12 Monate abonniert, das ABO plus DJ2GO kostet dann 59,90 Euro, der DJ2GO solo wird für einen UVP von 79,90 Euro angeboten, ist aber bei bekannten Musikhändlern oder bei Amazon schon ab ca. 55,- Euro zu haben.

Die Klangerzeugungungen

Ja ich habe den Plural ganz bewusst gewählt, denn Alchemy verfügt nicht über eine Klangerzeugung, sondern um derer insgesamt vier. Wir finden Sampling mit Granularsynthese, Spectral Synthese und Additive Synthese und Virtuell Analoge Synthese. Alle diese Syntheseformen können kombiniert werden, dazu stehen vier Slots bereit die jeweils vier Klangerzeuger aufnehmen können. Also mit Sampleplayer hat das nun wirklich nicht mehr viel zu tun, ich möchte die Möglichkeiten die hier geboten werden eher mit dem Begriff hochflexibles Klanglabor bezeichnen.

Camel-Audio-Alchemy-AdvancedMode
Alchemy-AdvancedMode

Ganz besonders interessant ist die Möglichkeit der Resynthese einer WAV Datei, hierzu stehen neben dem normalen Sampling auch die Additive Synthese und die Spectralsynthese sowie eine Kombination aus beiden bereit. Alleine für die additive Resynthese gibt es 600 (!) Oszillatoren.

Camel Audio Alchemy-Spectral
Alchemy-Spectralanalyse Foto Andreas

Die Spectral Synthese bietet einen grafischen Modus indem Mit einem Stift oder einem Pinsel im Spektrum gezeichnet werden kann, dies wirkt sich dann auf das klangliche Geschehen aus. Ausserdem kann auch ein Bild geladen werden, vorzugsweise sollte es eine bereits per Spektralanalyse angefertigte Grafik sein, allerdings könnt Ihr auch ein Foto oder eine sonstige Grafik einlesen, die einzige Voraussetzung ist, dass diese im PNG Format vorliegt. Ich habe es mit einem Foto von mir probiert und Woow ich klinge gar nicht mal so schlecht 🙂

Aber auch die gute alte Analoge Syntheseform, hier natürlich virtuell, beherrscht Alchemy. Der Oszillator kann mit zahlreichen Wellenformen gefüttert werden, abhängig davon welche optionalen Soundpacks mit Alchemy installiert wurden stehen auch weitere Wellenformen bereit, in meinem Fall eine Unmenge an Wellenformen aus dem Soundpack „Biolabs“.

Filterseitig stellt Alchemy eine Auswahl von ca. 50 Filtertypen bereit, hier ist vom normalen Low Pass, High Pass über Bandpass, Format, Notch und Peak wirklich alles zu finden. Mit einer normalen ADSR Hüllkurve gibt sich Alchemy auch nicht zufrieden denn neben dem Standard Envelope Modus findet sich noch ein äusserst komplexer MSEG Modus der das grafische Bearbeiten auch komplexerer Hüllkurven erlaubt.

Die Modulationssektion ist so ausgearbeitet das eigentlich jedes Element in Alchemy von jedem anderen Element beeinflusst werden kann. Das Ganze ist sehr komplex aber nicht kompliziert, allerdings sollte hier schon auf das Handbuch oder besser auf die kostenlosen Videotutorials für Alchemy zugegriffen werden.

Die Videos sollten unbedingt angesehen werden, nach Erlernen der einzelnen Tutorials geht die Arbeit mit Alchemy soviel einfacher von der Hand, schön ist das sich die Videos auch im MP4 Format herunterladen lassen, um sie zum Beispiel auf dem iPad oder iPhone anzusehen, die Alchemy Video Tutorials sind hier zu finden: http://www.camelaudio.com/tutorials.php?tID=14

ARP und Sequenzer

In Alchemy ist sowohl ein Arpeggiator wie auch ein Sequenzer integriert, wobei der Sequenzer eher für Modulationszwecke gedacht scheint. Der Arpeggiator lässt sich auf bis zu 128 (!) Steps einstellen, was natürlich äußerst vielfältige Muster möglich macht, was hier alles möglich ist, zeigt sehr gut das optionale Soundpack „Arp Dimensions“, das ich nur empfehlen kann.

Effekte, darf es etwas mehr sein?

Ja bitte, denn in Alchemy ist ein gut ausgestattetes Multieffektgerät mit 5 Slots enthalten. Jeder dieser fünf Slots kann einen der 19 Effekte aufnehmen, wobei die Reihenfolge beliebig geändert werden kann. Effekte wie Compressor, Equalizer, Distortion, verschiedene Filtertypen und natürlich alte Bekannte wie Reverb und Delay stehen zur Auswahl. Allesamt haben eine ausreichend gute Qualität. Für meinen Geschmack ist bei vielen der Presets etwas viel Effekt genutzt worden, was im Mix dann dazu führen kann, dass schnell ein matschiger Klangbrei entsteht, ich würde mir wünschen das es in Alchemy eine Option gäbe den Effektanteil entweder global in seiner Stärke zu regeln oder ein- und ausschalten zu können. Etwas schade ist, dass die Effektsektion nicht als auch für andere Audiospuren oder virtuelle Instrumente genutzt werden kann.

Der Klang, alles ist möglich

Ein Universum an Sounds, die mitgelieferten Sounds sind sehr umfangreich, es sind Chöre vorhanden, Synthesizerklänge, Arpeggios, akustische Instrumente und sehr viele lebendige Flächensounds. Zusätzlich bekommt der Käufer von Alchemy noch eines der vielen optional angebotenen Soundsets gratis. Die Klangqualität ist gut und bedingt durch den Perform Modus sind unendliche Variationen in den Klängen machbar.

Hier sind ein paar Klangbeispiele:

Alchemy-C7-Piano Akustisches Klavier:

Alchemy-VA-E-Piano:

Alchemy-Random:

(Einfach mal den Random Button gedrückt und Alchemy hat diesen Sound hier erstellt)

Die Soundsets, ein gewaltiges Arsenal an inspirierenden Presets

Empfehlen möchte ich hier zuerst das Soundset A Taste of Camel, selbst wenn ich eigentlich der Meinung bin, das Camel Audio diesen Appetizer gratis beilegen sollte, macht es doch Sinn die 15,- Euro für 120 Presets die aus allen 24 Libraries zusammengestellt worden zu investieren. So erhält man schnell einen guten Überblick über das, was die verschiedenen optionalen Soundsets bieten.

Hier ist ein Klangbeispiel das ich aus meinen bisherigen Soundfavoriten zusammengestellt habe, beinhaltet Sounds aus Dream Voices, ARP Dimensions, Cinematic u.a.

Camel-Audio-Alchemy-Various-SoundSets-Soundexample-128:

Es gilt bei allen Klangbeispielen das die Kompression in das MP3 Format der Klangqualität nicht dienlich ist, unser Server aber platzen würde wenn wir hier WAV Dateien posten würden. FLAC spielt wiederum der in der Webseite integrierte Media Player nicht ab, es ist also im Moment ein Kompromiss. Wer sich Alchemy auf seiner eigenen Abhöre original anhören möchte sollte zur TRIAL Version greifen. Da dieses Klangbeispiel ca. 10 Minuten lang ist habe ich es mit einer Bitrate von nur 128KB/S  anstatt 192Kb/S komprimiert.

Weiter unten gibt es dann noch einen kleine Song den ich mit Alchemy komponiert und performt habe.

Ich habe sehr viel Freude an dem Soundset Dream Voices, welches tolle Vocalsounds enthält. Aber auch das Soundset Shlomo Beatbox ist eine hervorragende Ergänzung zu Alchemy. Besonders gefallen mir auch die Soundsets ARP Dimensions sowie Dance & Trance, hier ist schnell ein Song in seiner Grundstruktur zusammengestellt. Für die Musikproduzenten die sich mit Game- oder Filmmusik befassen ist Alchemy übrigens ein Super-Werkzeug, die Soundsets Cinematic und Biolabs sind einfach nur genial geeignet, die passenden Atmosphären für die Vertonung zu erstellen.

Fazit

Alchemy ist eines der besten Synthesizer, Sampler, Resynthese Plugins, welches ich bisher unter die Finger bekommen habe. Die sehr vielen Möglichkeiten verlangen allerdings auch ein wenig Einarbeitung, dazu sind die englischsprachigen Videos sehr gut geeignet.

Schade finde ich das es keine Standalone Version von Alchemy gibt.

Die Auswahl an Sounds ist immens und die Klangqualität gut, allerdings wurde in vielen Fällen etwas zu tief in die Effektkiste gegriffen. Der Preis für Alchemy geht mit 199,- Euro meiner Ansicht nach für das Gebotene in Ordnung, das es zusätzlich noch ein Soundset freier Wahl gratis dazugibt finde ich sehr spendabel. Nicht spendabel ist das Camel Audio das Appetizer Soundset „A Taste of Camel“ nicht gratis dem Alchemy beilegt, es würde doch irgendwie Sinn machen.

Es gibt eine kostenlose TRIAL, also Probierversion, von Camel-Audio Alchemy, welche vier Wochen lang den vollen Funktionsumfang bietet, diese könnt Ihr auf der Camel-Audio Webseite ebenso wie den kostenlosen Alchemy Player anfordern.

Bewertung nach Schulnoten

  • Klang: Gut (1,8)
  • Bedienung: Gut (2,1)
  • Flexibilität: Sehr gut (1)
  • Möglichkeiten: Immens daher Sehr gut (1)
  • Mitgelieferte Sounds: Reichlich und Gut (1,6)

Gesamtbewertung: Gut+ (1,5)

Weitere Informationen, Klangbeispiele und die gratis Tutorial Videos gibt es auf der Camel Audio Website. Von unserer Seite gibt es für Camel Audio Alchemy einen absolut verdienten buenasideas.de Tipp!

Und einen kleinen Song, erstellt mit Alchemy, habe ich auch noch auf der Pfanne, einzig die Drums sind nicht aus dem Alchemy, diese kommen aus EZDrums von Toontrack.
Alchemy-SONG-1

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