ImageLine Morphine, Resynthese statt Sampling?

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Seit der Erfindung des Sampling sind wir in der Lage fast jedes Musikinstrument  im Tonstudio nachzubilden und sehr authentisch zu spielen, es gab jedoch auch immer Ansätze einen anderen Weg zu gehen, denn mittels der additiven Synthese ist es zumindest theoretisch möglich jedes Klangsignal durch das Zusammenstellen der gewünschten harmonischen Teiltöne zu synthetisieren und somit ohne Sampling reproduzierbar zu machen.

ImageLine der Hersteller des fantastischen FL-Studios hat einen additiven Synthesizer als Audio Plugin in seinem Sortiment, es handelt sich um das Plugin Morphine, das auch die Möglichkeit der Resynthese bietet.

Natürlich war ich gespannt wie ein Flitzebogen was die Resynthese denn nun zu leisten vermag, doch vor dem probieren kommt bekanntermassen das studieren und das wird bei Image Line durch die englischsprachige Bedienungsanleitung ermöglicht.

Aber schauen wir uns erst einmal die Funktionsweise der additiven Synthese an:

Die additive Synthese die auch als Fouriersynthese bezeichnet wird besagt das jeder Klang aus einer Mixtur vieler einzelnen Sinusschwingungen erzeugt werden kann. Um nun so einen komplexen Klang wie zum Beispiel die menschlich Stimme nachzubilden sind sehr viele Teiltöne notwendig, die wiederum dynamisch durch Hüllkurven (Envelopes) kontrolliert werden müssen.

Wenn man also nur 512 Teiltöne jeweils mit ADSR-Hüllkurven kontrollieren wollte, kommt man auf hier schon auf 2048 Parameter, dies macht das Editieren der Sounds natürlich nicht gerade einfach.

Zudem benötigen wir bei dieser Anzahl von Parametern einen sehr hohen Rechenaufwand der aber dadurch belohnt wird das die additive Synthese eine im Vergleich zur einfacher und weniger aufwändigeren subtraktiven Synthese, eine sehr präzise Klangcharakteristika bietet.

Das einfachste und allen bekannte Beispiel eines Instruments das mit additiver Synthese arbeitet dürfte wohl eine Zugriegel Orgel (z.B. Kirchenorgel) sein,
hier stellt jeder Zugriegel einen Teilton der Obertonreihe in Sinusform dar, dieser Teilton kann durch Herausziehen oder Hineinschieben des Zugriegels in der Lautstärke geregelt werden, was dann eben den Klang des Instruments beeinflusst.

Image Line Morphine geht aber hier etwas weiter, denn die normalen Orgeln haben ca. 9 Zugriegel, Morphine kann auf 4 Slots mit jeweils 128, ich will es hier für den Vergleich auch als „Zugriegel“ bezeichnen, Harmonische zugreifen.

Als erstes habe ich mich einmal durch die zahlreichen mitgelieferten Presetsounds gehört bzw. gespielt, die Pad Sounds sind sehr interessant und bieten durch die Möglichkeit des Morphing der 4 Klang Generatoren von Morphine sehr viel Abwechslung, bedingt durch das Prinzip der additiven Synthese sind insbesondere die Orgel Klänge hervorragend gelungen aber auch die Piano, Gitarren und E-Piano Sounds sind sehr gut.

Alles in allem wird hier schon sehr viel direkt einsetzbares und gutes Presetmaterial mitgeliefert, wie bereits am Anfang des Artikels hier erwähnt interessiert mich aber brennend die Resynthese, also schauen wir uns diese einmal etwas genauer an.

ImageLine Morphine Additive Synthesizer ResynthesisMittels der Resynthese kann eine Wave Audio Datei analysiert werden und dann mittels der additiven Synthese nachgebildet werden, dazu nutzt Morphine eine Serie von „Breakpoints“ die als Spektrum abgebildet werden, jeder dieser Breakpoints präsentiert einen harmonischen „Snapshot“ des zugrundeliegenden Klanges.

Der Vergleich von Original zu resynthesiertem Klangsignal kann über eine Play Funktion mit einem kleinem virtuellem Drehregler hörbar gemacht werden, am linken Anschlag wird das Original abgespielt und je weiter der Regler nach Rechts geöffnet wird um so mehr wird das resynthesierte Signal wiedergegeben.

Hier zeigt sich schon das wenn es um Authentizität geht ein Sampler klar im Vorteil ist, die Resynthese ist eine interessante Sache und man kann sehr viel kreatives damit anstellen, meine Erwartungen waren allerdings etwas zu hoch gesteckt und das Ergebnis klingt zwar klasse aber hat mit dem Original Sound nicht mehr viel zu tun.

Hier ist das Klangbeispiel als kleines Beispiel Video:

Natürlich kann man da noch mehr dran schrauben und sicherlich auch mehr Authentizität herauskitzeln, immerhin ist dies das reine resynthesierte Signal ohne Nachbearbeitung, ich hoffe aber das diese schon einmal einen Eindruck über die Möglichkeiten bietet die mit ImageLine Morphine machbar sind.

Es ist durchaus möglich das Original Wave File in allen 4 verschiedenen Slots von Morphine zu laden und jeden Slot einzeln nachzubearbeiten, dann kann mittels der MIX & Morph Funktion noch ordentlich Bewegung in den Sound gebracht werden, wem das noch nicht reicht der findet auch noch Effekte wie Reverb, Chorus und Delay.

Ausserdem verfügt Morphine über verschiedenen Filter Typen (Hochpass, Bandpass und Lowpass). Um verloerengegangene Attack Anteile des Signals wieder hinzuzufügen verfügt Morphine über zahlreiche Noise Samples die in der Einschwingphase des Klangsignals eingesetzt werden können, so finden wir hier zum Beispiel Zupfanschläge der Gitarre oder Plicks und Plocks eines perkussiven Instruments.

Hier sind die technischen Einzelheiten zu ImageLine Morphine:

  • High quality sound engine optimized for low CPU usage and fast amplitude and frequency modulation response.
  • 4 independent “Generators” per voice
  • Keyboard layering with 128 unique Keyboard Zones.
  • Unlimited number of harmonic “snapshots” (breakpoints) per spectrum.
  • Amplitude, Detune, Panning control for all harmonics.
  • Filtering and Velocity response for each Generator source.
  • Highly CPU optimized, accurate Resynthesis allowing emulation of audio samples with high precision.
  • Manual override options for the resynthesis process to achieve most accurate emulations.
  • Ability to import waveshapes from audio file.
  • Variable-time control for spectra, mix/morph envelopes (can also be linked to key number, velocity or any other controller).
  • 4 PWM Filters (spectral emulation of comb filtering, unison or pulse-width)
  • Additional generator that allows any Noise Sample audio file to be mixed with the synthesized sound, complete with filtering.
  • Morphing path, morphs harmonics in real-time, controlled internally or from external modulation source/s.
  • Morphing Square, mixes the 4 Generator sources with a single convenient interface.
  • 4 multipoint (EG) envelopes can be routed to many internal Morphine controls
  • 1 to 32 note polyphony, user selectable.
  • ADSR master envelope
  • Velocity response is adjustable.
  • Up to 5 built-in simultaneous effects: Chorus, Delay, Reverb, Equalizer, Distortion.
  • Attractive, user friendly interface, developed through 1000’s of man-hours testing and development.

Das Plug-In kostet aktuell 159,- US Dollar.

Weitere Informationen und mehr Klangbeispiele zu ImageLine Morphine findet Ihr auf der Herstellerseite: www.image-line.com/documents/morphine.html

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