Test Presonus „Studio One“ 5.2 – Auf zu neuen Sphere(n)

2 Kommentare

Ein Testbericht von Klaus Feurich,
veröffentlicht am 27.03.2021

Es ist immer wieder erschreckend, wie schnell doch die Zeit vergeht. Da hat Presonus doch letztes Jahr im Juli das neue Major Update der hauseigenen DAW „Studio One“ von 4 auf 5 veröffentlicht – inklusive der Onlinecommunity „Sphere“ – und ich bin irgendwie bis jetzt noch nicht wirklich dazu gekommen, den dazugehörigen Testbericht zu schreiben. Im Oktober 2020 kam dann schon das Update auf v5.1, und jetzt hat der Studiorechner grade das Update auf 5.2 installiert. Und damit wird es nun wirklich dringend Zeit, dazu was zu schreiben. Also… here we go… der Test zu Presonus „Studio One 5“.

Testbericht „Presonus Studio One 5“

Zunächst folgender Gedanke: Was mir auffällt ist, dass Presonus offenbar die Schlagzahl zwischen den Major- und Zwischenupdates deutlich verkürzt hat. Genauer gesagt wurde Version 4 erst im September 2018 veröffentlicht, Version 5 dann nicht einmal 2 Jahre später. Und jetzt, ein weiteres dreiviertel Jahr später, sind wir bereits bei Version 5.2. Das sah früher durchaus anders aus. Ich will hoffen, dass die Qualität der sonst ausgezeichneten Recording-Software darunter nicht leidet, oder die Updates eigentlich zu kostenpflichtigen Serviceupdates verkommen. Aber genau das werden wir uns ja jetzt mal anschauen.

(Nein, natürlich werden wir uns das nicht JETZT erst anschauen, ich habe ja schon eine ganze Zeit mit der DAW getestet, ich bin nur noch nicht zu Schreiben gekommen. Und ich kann euch sagen…ach nee, lest lieber weiter…)

Den Testbericht für die Version 4 findet ihr übrigens hier. Ich gehe also wieder nur auf die Neuerungen ein, beziehe mich aber jetzt natürlich schon auf Version 5.2. Ich werde aber auch die großen Neuerung seit Release der 5.0 aufgreifen.

Was auch mit Release der v5 von „Studio One“ dazu gekommen ist, ist übrigens die Onlinecommunity „Sphere“, die mehr als nur ein kostenpflichtiger Abodienst ist. Darauf werde ich hier dann an passender Stelle gleich noch mit eingehen.

Zunächst vorweg: das Update von Version 5.x auf Version 5.2 von „Studio One“ ist natürlich für alle Besitzer der DAW wieder kostenlos.

Infobox: „Studio One“ – was ist das eigentlich?
Presonus „Studio One“ ist eine Recordingsoftware, eine sogenannte DAW.

Es handelt sich um eine bandmaschinenbasierte, oder korrekter, timeline-basierte DAW. Sie arbeitet somit wie eine klassische Bandmaschine, also wie Cubase oder Samplitude, und nicht auf Pattern- oder Clipebene, wie zum Beispiel Ableton oder FLStudio. Allerdings bringt sie als DAW natürlich einen „digitalen Schneidetisch“ mit, der die sehr interessante Zusatzfunktion namens „Scratchpad“ besitzt, mit der man verschiedene Arrangements ein und desselben Tracks testen kann. Natürlich gibt es einen Arranger, einen Midi-, einen Audio- und – jetzt neu – einen Notationseditor. Und einen Mixer. Der Mixer verfügt dabei über Sub- und VCA-Gruppen, echtes Sidechaining, und pre- und postfader konfigurierbare Insertslots und jetzt auch über speicherbare Scenes. Außerdem gibt es eine Projektseite, um ganze Sets oder eben CDs zusammenzustellen und zu Mastern, und, auch das ist neu, eine Show Page.

Zum Lieferumfang gehört ebenfalls eine gute Ausstattung an virtuellen Instrumenten und Effekten, so dass eigentlich alles vorhanden ist, was man zum direkten Einstieg in die Musikproduktion benötigt.


Die Besonderheit von „Studio One“ ist, dass man aufgrund des im Arrangerfenster integrierten Browsers vieles über Drag and Drop realisieren kann, indem man einfach Instrumente oder Effekte einfach aus einer Liste auswählt und in die zu bearbeitende Spur zieht. Dadurch entsteht ein recht einzigartiger Workflow, den ich so nur von „Studio One“ kenne.


In den Browser eingebunden sind dabei auch die Onlineressourcen von Presonus Exchange, worüber sich Mappings, Presets, Pitchtaboes und ähnliches herunterladen und nutzen lassen

Außerdem liegt natürlich auch „Studio One 5“ wieder in den drei bekannten Editionen Prime, Artist und Professional vor. Die Unterschiede im Funktionsumfang haben sich auch nicht geändert. Alle Versionen sind für Windows oder Mac erhältlich.  Wer die Unterschiede genau wissen möchte, schaut bitte einmal hier: https://www.presonus.com/produkte/de/Studio-One/version-auswaehlen

Studio One 5 Test

Steigen wir also mal ein in den Review und stellen uns zuerst die wichtigste aller Fragen:

Was ist neu?

Schauen wir uns kurz mal an, was alles neu ist. Und weil es ja schon die 5.2 ist, muss ich ein wenig weiter ausholen. Nicht einzeln aufführen werde ich dabei die wie immer im Rahmen von Updates gemachten Bugfixes. Da ist Presonus dankenswerterweise ja immer relativ sorgfältig. Aber alleine an Features und Improvements gab es gut 70 kleine und größere Neuerungen.

Die Neuerungen von 4.x auf 5.0

Wichtigste neue Features der v5.x sind mit Sicherheit:

  • die Erweiterung um die Show Page – damit ist es jetzt möglich, die Recordingsoftware auch als Master für Liveshows zu verwenden und Setlists und komplette Setups hierfür zu erstellen, speichern und eben in der Show zu nutzen
  • die Ergänzung um AUX-Channels – damit können externe Instrumente jetzt mit wenigen Klicks auch um eine Audiospur ergänzt werden, statt dass, wie vorher, immer eine Midi UND eine Audiospur separat angelegt werden musste
  • speicherbare Mixersnapshots
  • ein unabhängiger Listening-Bus, mit dem das Abhören einzelner Spuren unabhängig vom Master möglich ist
  • die Integration der neuen Version 5 von Melodyne
  • die Clip Gain Envelopes – die eine weitere Lautstärkehüllkure unabhängig von der Spurlautstärke erlauben
  • 64-bit Float WAV Format Verarbeitung
  • das Userinterface und einige der integrierten Effekt-Plugins wurden grafisch aufgehübscht
  • ein Notationseditor
  • außerdem wurde mit der v5 „Sphere“ released

Und endlich gab es auch ein deutsches Handbuch!

(Die detaillierte Liste findet ihr bei Presonus im Blog.)


Studio One Test - Notation
Studio One 5 – der Notationseditor

Neuerungen 5.0 auf 5.1

Mit der v5.1 kam dann

  • Retrospektives Recording- damit zeichnet Studio One auch auf, wenn es nicht aufzeichnet. Solange Studion One aktiv ist, geht (theoretisch zumindest) keine einzige gespielte Note verloren. Nie wieder Ideen versehentlich nicht aufzeichnen.
  • die Möglichkeit des Druckens aus dem Notationseditor,
  • eine verbesserte Integration des ATOM Controllers (Testbericht hier)
  • die Einbindung externer Instrumente in die Show Page
  • ein überarbeites Ampire Pedal Board und einiges mehr.

(Die detaillierte Liste findet ihr bei Presonus im Blog.)

Studio One -  überarbeitete Effekte
Studio One 5 – überarbeitete Effekte im Vintage Look

Neuerungen 5.1 auf 5.2

Und dann das, was jetzt mit der v5.2 dazu gekommen ist:

  • Arranger Track für die Show Page – damit könnt ihr jetzt live während der Show in das Arrangement eines Songs eingreifen. Und zwar parallel mit mehreren Remoteusern gleichzeitig
  • der Notationseditor wurde um Drum-Notation und Tabulator ergänzt
  • Sound Variationen – damit können jetzt Artikulationen der Instrumente aus Samplelibraries in Controllerspuren abgelegt werden statt in der Pianoroll. Das klingt erstmal unspektakulär ist aber extrem praktisch, wenn man mit orchestralen Libraries arbeitet
  • Verbesserungen des Arrow Tools im Noteneditor
  • Verbesserungen der Integration der ATOM und Faderport Controller
  • Clip-basiertes Audio Editing
  • und, auch das ist nicht unwichtig: Studio One 5.2 arbeitet jetzt auch mit den Apple M1 Prozessoren, die unter Rosetta 2 laufen.

(Auch hier findet ihr die genaue Auflistung wieder bei Presonus im Blog oder in unserer News zum Update.)

So, damit wisst ihr jetzt schon mal, was alles neu ist.

Nicht neu ist, dass der Workflow von „Studio One“ 5 zum Glück so erhalten geblieben ist, wie man das aus den Versionen davor kennt. Man kann sich immer noch recht schnell alles zusammenklicken und größtenteils mit Drag and Drop aus dem Browser rechts einfach in eine Spur ziehen kann, um dies dann mit wenigen weiteren Klicks entsprechend anzupassen.


Schauen wir uns aber mal einige der neuen Features etwas genauer an.

Einzelne Features im Test

Fangen wir mit einem der wirklich interessanten Features an, den

Artikulationen

Mit den neu hinzugekommenen Artikulationen bzw. den Sound Variationen lassen sich jetzt auch Keyswitches (getrennt) aufnehmen und bearbeiten. Artikulationen sind die verschiedenen Spielstile und Variationen, die in erster Linie in Samplelibraries von Instrumenten vorkommen. Also zum Beispiel in der Stringsektion eines Orchesters, wo sich darüber Pizzicato, Legato, Stakkato oder Tremolo. Diese Artikulationen werden normalerweise per nicht genutzter Tasten auf dem Keyboard ein- bzw. umgeschaltet. Daher stammt auch der Name Keyswitches.

Hm, werden einige jetzt sagen, dass konnte man doch schon immer aufnehmen, das sind doch auch nur ganz normale Tasten auf dem Keyboard. Ja, das ist prinzipiell richtig. Aber eben nur prinzipiell. Denn das unterliegt ja leider einigen Beschränkungen, die Presonus jetzt mit den Artikulationen umgeht. Denn jetzt werden die Artikulationen nicht mehr als Noten, sondern als Controllerdaten aufgenommen. Also wie z.B auch Velocity oder das Sustainpedal. Und das hat einige Vorteile. Vorausgesetzt, man hat die Artikulationen vorher definiert.

Studio One 5 - Artikulationen
Studio One 5 – Artikulationen – (Klick zum Vergrößern)

Das ist bei den Presonus eigenen Instrumenten, insbesondere natürlich Presence XT, bereits gegeben. Wie ihr sehr gut in der Grafik sehen könnt. Für andere Instrumente kann man das aber auch recht einfach selbst konfigurieren. Und Presonus stellt die Schnittstelle auch anderen Herstellern zur Verfügung. Bleibt also zu hoffen, dass andere Hersteller das in ihre Libraries integrieren. Ansonsten ist das Erstellen eigener Mappings aber auch relativ einfach.

Und was genau ist daran jetzt der Vorteil?! Nun, zu Allererst: die Artikulationen gehören nicht mehr zu den Notenevents der Pianoroll, sondern werden als Controller verarbeitet. Und das bedeutet insbesondere, dass sie nicht mehr transponiert werden. Denn das war bisher ein Problem mit Keyswitches. Hat man ein Pattern transponiert, hat man gleichzeitig auch die Keyswitches mit transponiert. Und damit die Artikulationen verändert. Das war ärgerlich und bedeutete eine Menge Arbeit, dann nur die Keyswitches wieder zu korrigieren.

Jetzt ist es so, dass die konfigurierten Keyswitches nicht mehr in der Pianoroll erfasst werden, folglich werden sie auch nicht mehr transponiert, sondern bleiben unabhängig von der Pianoroll erhalten. Und, wie man in der Grafik sehen kann, sie werden im Klartext und Farbe im Fenster der Soundvariation dargestellt. Man sieht also sofort, was Sache ist. Und natürlich lassen sie sich dort auch ganz einfach per Stift Tool in die Controllerspur einzeichnen bzw. genau so einfach bearbeiten.


Ein weitere schöne Neuerung für die Menschen, die mit externen Klangerzeugern arbeiten, sind die

Aux Spuren für externe Instrumente

Für die von euch, die nicht nur mit virtuellen Instrumenten auf VSTi Ebene arbeiten, war es bisher relativ mühselig, die externen Instrumente auch per Audio in „Studio One“ einzubinden. Da hatte man dann eine Spur, die die Midi Events beinhaltete. Außerdem musste man eine zweite Spur anlegen, mit der ein externer Audioeingang für das dazugehörige Instrument konfiguriert wurde. Eine Menge Klickerei, aber vor allem mit dem Problem behaftet, zwei Spuren im Arranger zu haben, aber nur die Midispur im Mixer statt der Audiospur, und keine eigene Spur zum Beispiel auf dem Faderport Controller. Dafür musste dann erst der externe Eingang zusätzlich konfiguriert werden. Und die Midispur musste im Mixer noch ausgeblendet werden.

Das war nicht wirklich schön. Außerdem hatte man immer das Problem, wenn man nicht genau aufgepasst hat, dass man die Lautstärke nicht per Audio, sondern per Midicontroller (CC7) geregelt hat. Was auch nicht wirklich gut ist.

Abhilfe verspricht da aber jetzt das neue Feature „AUX Spur“ in „Studio One 5“. Jetzt muss nur noch eine Instrumentenspur angelegt werden. Gerne auch per Drag and Drop, denn jetzt stehen auch die externen Instrumente im Browser zur Verfügung. Dazu gibt es im Mixer jetzt die zusätzliche Schaltfläche „Extern“. Damit lassen sich „AUX Spuren“ anlegen und einzelnen Instrumenten zuweisen.

Studio One 5 – externe Instrumente per AUX einbinden
Studio One 5 – externe Instrumente per AUX einbinden – (Klick zum Vergrößern)

Durch die Zuweisung eines Audioeingangs des Interfaces wird dann die Zuweisung des Audioeingangs auf die „AUX Spur“ vorgenommen. Im I/O Menü wird dann auch angezeigt, welche Eingänge mit einem AUX verbunden sind. Und so wird dann im Arranger eine Midispur angezeigt, im Mixer aber die Audiospur verwaltet. Und das mit entsprechender Bezeichnung und farblicher Zuordnung.

Also einfach im Arranger das externe Instrument auf die Spur ziehen, im Mixer den entsprechenden AUX Eingang zuweisen. Fertig. So sollte das sein. So ist es jetzt auch.

Ich muss sagen, dass mir dieses Feature richtig gut gefällt und einiges an Arbeit einfacher und übersichtlicher macht. Immerhin muss man jetzt nicht mehr hingehen und im Mixer die ganzen Midi Spuren ausblenden, weil man die da gar nicht haben will, sondern verwaltet wirklich nur die Audiospuren. Auch im Zusammenspiel mit dem Faderport macht das einiges einfacher. Und auch das Problem des „mit was regel ich jetzt eigentlich die Lautstärke“ ist damit Geschichte.


Neu dazugekommen und von Presonus entsprechend herausgestellt ist dann noch die

Show Page

Die Show Page soll es ermöglichen, komplette Shows – zumindest im Bereich Audio – zu steuern. Dafür ist es möglich, ganze Setlists zu erzeugen, die entweder komplett automatisch durchlaufen oder nach jedem Song stoppen. Dabei können Songs aus mehreren Elementen zusammengebaut werden. Davon gibt es drei unterschiedliche: Backingtrack / Audiospur, externes Instrument oder virtuelles Instrument. Das Ganze läuft dann über den Mixer und kann dort mit Effekten und Inserts bearbeitet werden.

Studio One - die Show Page
Studio One 5 – die Show Page

Mit Backingtrack lässt sich entweder ein kompletter Backingtrack (Audio) einbinden. Oder über mehrere Backingtracks dann natürlich auch Stems bzw. Einzelspuren eines Songs, die dann natürlich auch einzeln geschaltet oder gemutet werden können. Und – in Zusammenhang mit „Studio One Remote“ (s.u.) auch von mehreren Musikern per Fernbedienung.

Externe und virtuelle Instrumente funktionieren wie auf der Song Page. Aber nur live gespielt. Wobei „extern“ natürlich beliebige externe Audioquelle bedeutet. Also auch Vocals oder Gitarre.

Denn das ist der Einsatzzweck der Show Page. Backings und Live zu verbinden und über die DAW mischen und ausgeben.

„Studio One Remote“ – die Fernbedienung für „Studio One“ – hier im Perform Mode der Show Page

Dazu gibt es einen „Makroeditor“, mit dem sich eine übersichtliche und auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut erkennbare Steuerung für den Perform Mode der Show Page erstellen lässt. (s. Abb.)

Spannend dabei ist sicher, dass sich das Arrangement eines Songs dabei auch live verändern lässt, wenn man das vorher entsprechend angelegt hat. Da gibt es sicher viele Möglichkeiten, die ich hier gar nicht alle ergründen kann. Aber man muss eben nicht mur mit kompletten Songs arbeiten, sondern kann natürlich auch mit verschiedenen Bausteinen eines einzelnen Songs arbeiten und diese frei und neu zusammenstellen bzw. abrufen. Die Abbildung gibt da ja einen kleinen Einblick.

Was auf alle Fälle auch gut mit der Show Page geht ist: üben, üben, üben. Denn auch das geht ganz hervorragend damit. Und einfacher, als auf der Song Page. Stems ablegen, und das live zu spielende Instrument entweder virtuell oder extern einbinden und dann gehts schon los.

Ob man die Show Page jetzt aber wirklich braucht, ist bestimmt noch mal eine andere Frage. Ich betreibe eher klassisches Homerecording, für mich ist das nicht wirklich was. Das mag für andere aber sicher ganz anders aussehen. Grade mit dem Blick auf Ableton Live könnte das für den ein oder anderen von euch ganz spannend sein.


Notationseditor

Ich muss gestehen, nicht wirklich getestet habe ich den Notationseditor. Es sind aber soweit alle Elemente da, die man benötigt, um ganz klassisch per Notation zu komponieren. Natürlich ist das alles nicht so ausführlich, wie „Notation“, also das extra Notationsprogramm von Presonus, aber für eine DAW auf alle Fälle ordentlich. Aber auch eher zum Komponieren gedacht, als zum Editieren. Drucken lässt sich das Ganze seit v5.1 dann auch noch.


Weitere neue Features im Schnelldurchlauf

Und dann gibt es da noch einiges an neuen Features, die ich nicht im Detail besprechen möchte, die aber doch auch noch Erwähnung finden sollten.

Eins davon sind die Mixersnapshot, die es jetzt gibt. Damit kann man in verschiedenen Phasen des Mixes jetzt Snapshots des kompletten Mixingdesk speichern und ablegen. Diese sind links in der Mixerpage auch einblendbar, so dass man schnell für den A/B-Vergleich hin und her schalten kann. Dabei lässt sich auch feintunen, welche Elemente geladen werden sollen. Man kann also z.B. die Inserts unangetastet lassen, und nur Volumregler laden. Ich finde das sehr praktisch, muss man so doch für verschiedene Mixes nicht immer direkt den ganzen Song oder das Projekt neu speichern.

Auch aus dem Bereich Mixer kommt der Listening Bus. Über diesen lässt sich jetzt ein eigener Bus rein fürs Abhören anlegen. So dass es möglich wird, einzelne Spuren oder Subgruppen vorzuhören und beurteilen zu können, ohne dabei die Effekte des Masterbus deaktivieren zu müssen.

Ebenfalls in den Bereich Mixing fällt die überarbeitete Version der Fernbedienung „Studio One Remote“, mit der sich „Studio One“ über ein Tablet fernbedienen lässt. Grade im Zusammenhang mit der Show Page soll es hier auch möglich sein, mehrere Remotes einzubinden, so dass bei einer Performance die verschiedenen Musiker Zugriff auf „Studio One“ haben.

Die Zusammenarbeit mit den Presonus eigenen Controllern ATOM und Faderport wurde verbessert. So lässt sich jetzt grade mit dem ATOM – auch in der SQ Version – einiges mehr an der DAW steuern. Grade für den kleinen ATOM ist das eine gute Aufwertung.

Nicht zu verachten: es gibt endlich auch ein deutsches Handbuch. Bis zur Version 4 war das leider nur in Englisch verfügbar. Grade bei dem riesigen Umfang von „Studio One“ ist es aber gut, das jetzt auch in Deutsch zu haben. Immerhin war das auch ein immer wieder an uns herangetragener Kritikpunkt an der Version 4. Sollte also ruhig erwähnt werden.

Ebenfalls im Lieferumfang ist seit dem Sprung auf Version 5 nun auch das aktuelle Melodyne in der Version 5.


Eine neue „Sphere“

In der Überschrift schon verwurstet und ja – dafür muss auf alle Fälle was ins Phrasenschwein. Zusammen mit der Veröffentlichung von „Studio One 5“ hat Presonus auch die Onlinecommunity „Sphere“ gestartet.

Die kostenpflichtige Mitgliedschaft in „Sphere“ umfasst dabei die Vollversionen „Studio One“ in der Pro Ausführung, die Vollversion von „Notation“ , alle zusätzliche Plugins für „Studio One“ und etliche Sample Libraries. Also quasi das komplett Paket für die digitale Musikproduktion zum sofort loslegen. Zu einem Preis, der sich sehen lässt. Grade einmal 14,50€ ruft Presonus monatlich auf, wobei es auch möglich ist, monatlich zu kündigen. Zahlt man für ein ganzes Jahr, wird es billiger, dann sind es nur gut 160€, das entspricht ca. 13,30€.

Zusätzlich zu der Software umfasst Sphere allerdings auch „Workspaces“, also einen Cloud Speicherplatz mit 30 Gigabyte und eine entsprechende Plattform, um zum Beispiel mit anderen „Sphere“ Nutzern gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Und den Zugang zu einem „Exchange“ genannten Netzwerk, über dass sich Loops, Samples, Presets, Mappings und mehr mit anderen Nutzern tauschen, hochladen und nutzen lässt. Das Ganze natürlich im Broswer des Arrangers eingebunden. Dazu kommen viele Videos, Tutorials, Events und andre Specials für „Sphere“ Mitglieder.

Die Software wird dann Moment übrigens nicht mehr über Seriennummern freigeschaltet, wie man das sonst kennt, sondern „Studio One“ prüft regelmäßig auf ein aktives Abo, und aktiviert sich darüber. Heißt, der Rechner muss dauerhaft mit dem Internet verbunden sein. Es gibt keine Offlineaktivierung.

Mehr zum Umfang und den Leistungen zu „Sphere“ erfahrt ihr direkt bei der Presonus Produktpage von Sphere.

Presonus Sphere

Aber Sphere ist doch ein Abodienst! Muss das sein?!

Nun ist das ja mit Abodiensten im generellen immer so eine Sache. Bei vielen Diensten mag man da zu Recht sehr skeptisch sein. Statt die Lizenz einer Software zu kaufen und diese dann unbegrenzt nutzen zu können, soll man monatlich zahlen. Sonst läuft die Software nicht. Das klingt im ersten Moment immer nach Abzocke. Aber ist es das wirklich auch? Und wo steht Presonus „Sphere“ dabei? Ist das überhaupt ein Abodienst?!

Wenn ich mal ganz ehrlich bin, bei vielen Softwares mag das (subjektiv) durchaus hinkommen. Grade bei Softwares, bei denen sich über Jahre hinweg nicht wirklich etwas ändert. Aber das muss eben nicht unbedingt stimmen. Grade hier bei Presonus „Sphere“ sehe ich das durchaus differenzierter. Also betrachten wir mal kurz, warum Presonus „Sphere“ nutzen bzw. warum nicht.

Warum?

Da fallen mir direkt zwei gute Gründe für ein:

1. Das Preisleistungsverhältnis

Bei Sphere bekomme ich für aktuell 14,50€ pro Monat nicht nur „Studio One“ in der jeweils aktuellsten Pro Version, sondern auch noch sämtliche(!) Plugins für „Studio One“ und außerdem auch noch die Vollversion von „Notion“, der umfangreichen Notationssoftware. Dazu kommt, dass das Ganze monatlich kündbar ist. Das sind also nicht nur fast 600€ für die Vollversionen, sondern es kommen auch nochmal ein paar hunderte Euros für die Plugins hinzu. Zusätzlich bekomme ich bei „Sphere“ aber noch einiges weitere an Leistung dazu. Denn eigentlich ist „Sphere“ kein Abo, sondern die Mitgliedschaft in einer Onlinecommunity. Das bringt weitere Vorteile.

2. Die Einsteigerfreundlichkeit

Und den Punkt finde ich eigentlich ganz besonders interessant. Jemand, der finanziell nicht gut aufgestellt ist, gerne aber professionell Musik machen möchte, bekommt hier für 14,50€ die komplette Pro Ausstattung und kann sofort mit Produzieren loslegen. Für grade mal 14,50€! Statt für mehrere hunderte an Euros. Und wenn es das alles nicht bringt, kann man es sofort wieder kündigen. Oder eben kurzfristig mal projektbezogen wieder für zwei oder drei Monate aktivieren. Und hat jedes Mal das komplette Paket zur Verfügung. Das geht nur mit einem solchen, unkomplizierten Modell. Und grade hier wird die Onlinecommunity auch nochmal besonders interessant, findet man grade hier doch etliche Ressourcen, die einem den Einstieg noch einfacher machen.

Warum nicht?

Nicht lohnen dürfte sich „Sphere“, wenn man bereits (die ganzen) Plugins im Besitz hat und/oder einmal eine der Pro Versionen gekauft hat. Denn dann sind die Kosten für ein Update auf die nächste Pro Version immer niedriger, als die Mitgliedschaft bei „Sphere“ in der angenommenen Zeit zwischen zwei Vollversionen kosten würde. Und dabei vorrausgesetzt halt, dass man die zusätzlichen und nur über „Sphere“ zur Verfügung stehenden Features der Onlinecommunity wie die Workspaces für Kollaborationen, die Tutorials oder den Exchangebereich nicht benötigt.

Zwischenfazit zu Sphere

Man kann Abomodelle im Allgemeinen mögen oder eben nicht. Mit Presonus „Sphere“ bekommt man aber ein gutes Angebot, welches insbesondere für Menschen mit schmalem Budget interessant sein dürfte. Denn hier hat man für einen günstigen monatlichen Preis den kompletten Umfang der Pro Version von „Studio One“ zur Verfügung. Und das bei nur monatlicher Bindung.

Viel wichtiger ist aber, dass es sich bei „Sphere“ eben nicht einfach nur um einen Abodienst handelt. Deswegen spricht Presonus selber bei „Sphere“ ja auch nicht von einem Abodienst, sondern zurecht von einer einzigartigen Mitgliedschaft in einer globalen Onlinecommunity. Bei der die Software nur ein Teil des Pakets bzw. der Mitgliedschaft ist. Und zu dem eben auch die ganzen Onlinefeatures wie Workspaces, die Kollaborations Tools, das Exchange Netzwerk, Tutorials, Trainings und Events für die Mitglieder gehören. Das zusammen macht „Sphere“ aus.

Und ein weiterer, wichtiger Punkt: wer es nicht mag, muss es nicht nutzen! Denn im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern, die komplett auf „Software as a service“ umgestellt haben, lässt Presonus einem die Wahl. Man kann die Software nach wie vor auch kaufen. DAS finde ich ganz besonders gut.

Insgesamt bekommt man also mit „Sphere“ zu einem extrem günstigen Preis nicht nur den vollen Umfang von „Studio One“, sondern auch noch den Zugriff auf viele weitere Ressourcen der Presonus Onlinecommunity.


Fazit

Mal abgesehen davon, dass ich mal wieder ein wenig zu spät mit meinem Testbericht hinterherhänge: Presonus hat auch mit „Studio One 5“ erneut gut abgeliefert. Die Software hat keine größeren, sofort auffallenden Bugs, sondern punktet stattdessen mit vielen kleinen Detailverbesserungen, aber auch mit einigen guten, sinnvollen Ergänzungen. Und damit meine ich nicht nur das deutsche Handbuch, welches es auch endlich gibt.

Sehr gut gefällt mir – als jemand, der hier durchaus die ein oder andere Hardwarekiste stehen hat- insbesondere die Möglichkeit, jetzt ganz einfach externe Instrumente mit einigen wenigen Klicks einbinden zu können. Das war vorher wesentlich umständlicher und unübersichtlicher. So ist das jetzt richtig gut gelöst.

Auch die Arbeit mit großen Libraries, und eben insbesondere mit den Artikulationen ist durch die Ergänzung um die Sound-Variationsspur bei den Controllern sehr übersichtlich geworden und das nickelige Problem beim Transponieren von Tracks fällt endlich weg. Wenn jetzt noch Native Instruments die Schnittstelle nutzt, wäre ich beinahe glücklich. Noch muss man die Keyswitchsets allerdings selber konfigurieren. Kann diese dann aber wenigstens als Preset abspeichern und wieder abrufen. Aber bei der Menge an Libraries, die man so hat, kann das in eine ganz schöne Fleißarbeit ausarten. Inzwischen gibt es allerdings auch bereits die ersten Usersets auf Exchange.

Zum Glück hat man weiterhin die Finger von dem unglaublichen Drag and Drop Workflow gelassen. Dem Feature, welches „Studio One“ von anderen DAWs deutlich abhebt und eine unheimlich schnellen Workflow ermöglicht. Es wäre auch fatal, wenn man hier Hand anlegen würde. Denn grade dadurch macht „Studio One“ so einen Spaß beim Arbeiten. Es geht einfach nach wie vor flott von der Hand.

Und durch einige der neuen Features sogar nochmal etwas flotter. Zum Beispiel den bereits erwähnten AUX Spuren, aber auch den Mixer Snapshots.

Das Einzige, was mich so ein bisschen nachdenklich macht: man könnte befürchten, das Presonus in Gefahr gerät, „Studio One“ auf Dauer mit Features zu überfrachten. Was dann im Endeffekt Kosten von Stabilität, Größe und Qualität gehen könnte. Und das wäre extrem schade.

Von „Sphere“ mag man sicher halten, was man will. Es bietet mit seiner Mitgliedschaft jedoch einiges an Mehrwert, und das zu einem guten Preis. Gut finde ich auf jeden Fall, dass es nicht verpflichtend ist. Ich hoffe, das bleibt auch so. Aber dazu hab ich ja eigentlich im vorhergehenden Absatz schon alles geschrieben.


Kurzfazit

Mit dem Update auf „Studio One 5(.2)“ macht Presonus da weiter, wo sie bei der Version 4 aufgehört haben. Der erfolgreichen Weiterentwicklung ihrer herausragenden DAW. Mit der Ergänzung um interessante Features wie Artikulationen, AUX Spuren und auch der für Live Performer interessanten „Show Page“ kommen einige sinnvolle Features hinzu. Außerdem wurden die integrierten Effekte und Instrumente überarbeitet, das aktuelle Melodyne 5 integriert und etliche Verbesserungen „unter der Haube“ vorgenommen.

Gleichfalls dazu gekommen ist die Onlinecommunity „Sphere“, deren Mitgliedschaft das gesamte Bundle der Recordingsoftwares von Presonus zu einem wirklich überschaubaren monatlichen Preis nutzen lässt. Mit einigen weiteren und etliche weitere Benefits mitbringt. So man es denn will.

Denn „Studio One 5“ wird auch weiterhin als stand-alone Kaufversion angeboten, was ich sehr gut und wichtig finde.

Plus

+ ausgereifte DAW mit vielen guten Features
+ sehr guter Workflow durch Drag and Drop
+ großer Lieferumfang an integrierten Effekten und Instrumenten

und neu mit 5.x dazu gekommen:
+ nahtlose Einbindung externer Instrumente
+ Show Page für Live Performance
+ Artikulationen als Controllerspur
+ Notationseditor
+ Mixersnapshots

Minus

– keine


Bezugsquellen

Die Recordingsoftware „Studio One 5“ ist u.a. direkt über die Seite des Herstellers Presonus oder die diversen (Online-)Fachhändler als Download oder im Rahmen des kostenpflichtigen Abodienstes „Sphere“ erhältlich: https://shop.presonus.com/Studio-One


Preise

Die Preise von Presonus „Studio One“ reichen von der kostenlosen „Prime Version“, über ca. 100€ für die „Artist Version“ bis zu knapp 395€ für die „Professional Version“. Außerdem gibt es wieder die diversen Upgrade und Crossgrade Optionen, so kostet das Update von „Studio One 4 Pro“ auf Version 5 ca. 147€.

Die Mitgliedschaft in Presonus Onlinecommunity „Sphere“ gibt es für 14,52€ monatlich bis 159,64€ für 12 Monate bei einmaliger Zahlung. (Stand 03/2021)

Es werden weiterhin keine Dongles, eLicenser oder iLok benötigt!

Weitere Informationen findet ihr auf der Herstellerseite: http://www.presonus.com/produkte/de/Studio-One


Video

Zum Abschluss noch ein kurzes Video von Presonus zum Update.


Klaus Feurich
Über Klaus:
Musiker und Techniker: Keyboards, Gitarre, Sounddesign, Ton- und Studiotechnik, Computertechnik
http://lunymarmusic.com

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