Testbericht: UJAM VIRTUAL BASSIST 2 – Bass und Bässer

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 27.04.2020

In den letzten Wochen und Monaten scheint sich für mich ja offenbar fast alles nur noch um eine einzige Sache zu drehen. Ihr wisst sicherlich ganz genau, was ich meine. Richtig, es geht um neue Software-Produkte aus dem Hause UJAM! Oder dachtet Ihr etwa, ich fange jetzt schon wieder von diesem vermaledeiten Virus an…? Nee, hier in meinem kleinen Testlabor ist die Welt noch weitgehend in Ordnung, mal abgesehen davon, dass ich langsam keine Dosenravioli mehr mag und ich mit dem ganzen gehorteten Toilettenpapier nun endlich mein Studio komplett schalldämmen kann. Der zwangsweise entschleunigte Alltag bietet genügend Zeit, um sich mit einigen der jüngeren Zuwächsen im UJAM-Portfolio zu befassen, nämlich der erst vor ein paar Wochen in die Welt entlassenen zweiten Generation der aus insgesamt drei Plugins bestehenden VIRTUAL BASSIST-Reihe. Und ich kann Euch jetzt auch schon mal ankündigen, dass das bestimmt nicht die letzten UJAM-Plugins sind, die wir hier abhandeln werden, Kollege Andreas und ich haben da schon längst ein paar weitere Dinge in der Pipeline…


Zielerfassung…

Wie eigentlich bei allen bisher veröffentlichten Instrumenten von UJAM, haben wir es auch bei den virtuellen Bassisten mit spezialisierten Sample- und Preset-Playern zu tun, hier nun eben mit einer Ausrichtung auf den Tieftonbereich. Neben dem Abspielen vorgefertigter und nicht veränderbarer Phrasen bzw. Styles erlauben diese Plugins aber auch den Einsatz als ganz normale Klangerzeuger und lassen sich dann innerhalb der DAW oder via MIDI mit eigenen melodischen und/oder rhythmischen Ergüssen befeuern.

Testbericht UJAM VIRTUAL BASSIST 2
Testbericht UJAM VIRTUAL BASSIST 2

Auch VIRTUAL BASSIST 2 ist konzeptbedingt der Verwendung herkömmlicher Sample-Loops weit überlegen, neben zahlreichen spielerischen Variationen lassen sich damit auch klangliche und tempobezogene Veränderungen sehr viel leichter realisieren.

Die Zielgruppe für diese Plugins ist leicht definiert. Songwriter und Komponisten, die eine authentisch klingende Bassbegleitung benötigen, ohne dieses Instrument selbst zu beherrschen oder über einen entsprechend versierten Instrumentalisten bzw. über adäquate Aufnahmebedingungen zu verfügen, kommen ebenso infrage, wie zeitlich meist knapp aufgestellte Auftrags-Produzenten für Jingles, Soundtracks und Werbespots. Insbesondere bei der letztgenannten Gruppe war ja schon der Urahn des VIRTUAL BASSIST 2, der seinerzeit noch unter dem Label WIZOO entwickelt und von STEINBERG vertrieben wurde, sehr gefragt, und als dieser schließlich nur noch gebraucht erhältlich war, hat er in der Bucht für Geldbeträge, die teilweise deutlich über dem früheren Neupreis lagen, seine Besitzer gewechselt (für den VIRTUAL GUITARRIST aus gleichem Hause galt dies übrigens in einem noch größeren Maße).

Auch die aktuellen Reinkarnationen von UJAM werden wir wohl immer wieder einmal in einem solchen kommerziellen Umfeld zu hören bekommen, da bin ich mir doch recht sicher.


Grundsatzpolitik

VIRTUAL BASS 2 gib es als VST- und AAX- und AU-Plugins (jeweils als 64-Bit-Version) und ist für WINDOWS sowie für MAC OS-X erhältlich. Wie immer, habe ich mangels eines Apfelcomputers einmal mehr nur die VST-Plugins getestet, sowohl unter WINDOWS 7 als auch unter WINDOWS 10.

Wie auch schon bei den Upgrades der anderen UJAM-Produkte auf die Versionsnummer 2, betont der Hersteller explizit, dass dadurch die eventuell bereits vorhandenen Vorgängerversionen ersetzt werden. In meinem Testbericht zum BEATMAKER-Bundle vermochte ich jedoch festzustellen, dass sich dieser Umstand bei entsprechendem Bedarf (wenn man etwa noch die alten 32-Bit-Versionen der Plugins benötigt) durch die Installation in komplett voneinander getrennte Verzeichnisse umschiffen lässt. Ansonsten sind die neuen Versionen aber wieder einmal abwärtskompatibel zu den alten, womit sich also auch ältere DAW-Projekte klaglos laden lassen sollten.

Ebenso wie beim FINISHER NEO und bei der BEATMAKER-Serie, wird auch beim VIRTUAL BASSIST 2 das jeweilige AAX-Plugin vom Installations-Programm ohne Nachfrage in das dafür vorgesehene Standardverzeichnis (C:\Program Files\Common Files\Avid\Audio\Plug-Ins) kopiert, auch wenn man es eigentlich gar nicht benötigt, solange man nicht mit PRO TOOLS arbeitet. Das ist jetzt gewiss keine große Sache, aber etwas lästig ist es dennoch. Wer keine AAX-Plugins benötigt, der kann den oben genannten Ordner namens AVID mitsamt seinem Inhalt manuell löschen.

Wie von UJAM gewohnt, laufen die Plugins nach ihrer Installation zunächst für 30 Tage in einem Demo-Modus, eine endgültige Aktivierung erfolgt wieder einmal mit Hilfe der Zugangsdaten des persönlichen User-Accounts, eine funktionierende Internetverbindung auf dem Studiorechner vorausgesetzt. Ist Letzteres nicht der Fall, so besteht auch hier die (etwas zeitaufwendigere) Möglichkeit, den virtuellen Bassisten offline zu aktivieren.

Wie auch schon bei den Upgrades der BEATMAKER-Plugins vermerkt, sind die Bedienoberflächen der Plugins etwas zu groß geraten für die mit 1366×768 Pixel eher unpraktische Bildschirmauflösung meines 15,4“-Notebooks, allerdings bietet sich beim VIRTUAL BASSIST 2 insgesamt auch weniger diesbezügliches Einsparpotential, weil hier nicht ganz soviel ungenutzte Leerfläche vorhanden ist.


Bruderschaft…

UJAM-typisch weisen die einzelnen Vertreter innerhalb der verschiedenen Produktreihen optische und funktionelle Übereinstimmungen auf und unterscheiden sich in erster Linie durch ihren Content, also durch die mitgelieferten Samples und Patterns. Dies gilt, wer hätte es vermutet, natürlich auch für die drei Brüder der VIRTUAL BASS 2-Familie. Kennt man also erstmal einen, kommt man auch sofort mit den beiden anderen klar.

An oberster Stelle des GUI befindet sich ein Schalter, mit dem man bestimmt, ob der virtuelle Bassist als rhythmisch und/oder melodiös spielender Virtuose (PLAYER) oder aber lediglich als reiner Klangerzeuger (INSTRUMENT) tätig werden soll.

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 - Instrument Mode
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 – Instrument Mode

Im letzteren Falle wird die Sektion zum Abspielen der einzelnen Phrasen ausgeblendet und durch ein virtuelles Keyboard ersetzt, das neben dem kompletten Tonumfang auch die in der untersten Oktave von C0 bis C1 untergebrachten Key Switches zur Erzeugung verschiedener Spielweisen (etwa LEGATO, SLIDES oder DEAD NOTES) anzeigt.

Dieser Instrumenten-Modus eignet sich meiner Auffassung nach in erster Linie für Fortgeschrittene bzw. für Musiker, die Ahnung davon haben, wie ein echter Bass gespielt wird, denn es erfordert durchaus schon einige Kenntnisse und etwas Fingerfertigkeit, damit man auch authentisch erklingende Bassphrasen hinbekommt, sofern man nicht bereits vorgefertigte MIDI-Files verwendet.

Dies beschränkt sich aber gar nicht auf VIRTUAL BASSIST allein, sondern lässt sich prinzipiell auf alle vergleichbaren Klangerzeuger verallgemeinern, die ein eigenständiges Instrumentenspiel notwendig machen. Erinnern wir uns an die Frühzeit der Sampler, als versierte Keyboarder plötzlich perlende Klavierläufe mit verzerrten Gitarrensamples zu spielen versuchten und ähnlich unglückliche Irrtümer…

Wer mit dem gekonnten Spiel der strombetriebenen Bassgitarre oder des gezupften Akustikbasses jedoch nicht sonderlich vertraut ist, und der Verfasser dieser Zeilen macht hiervon leider keine Ausnahme, dem sei stattdessen vorrangig der Player-Modus an Herz gelegt, bei dem einen VIRTUAL BASSIST auch in spieltechnischer Hinsicht unter die Arme greift. Dies ist dabei grundsätzlich mit der Funktionsweise aller bisherigen UJAM-Instrumente identisch, soll heißen, dass vorgefertigte Phrasen und Styles – im Falle des VIRTUAL BASSIST sind dies eben Bassläufe – über ein interaktives virtuelles Keyboard bzw. mittels der Tasten eines MIDI-Keyboards abgerufen werden können. Ein LATCH-Button lässt den Bassisten auch nach Loslassen der Keyboardtaste unberirrt weiterspielen bis der Arzt kommt oder die entnervte bessere Hälfte den Stromstecker zieht…

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 - Player Mode
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 – Player Mode

Die Tasten in den drei Oktaven unterhalb von C3 fungieren dabei als Key Switches zum Umschalten der Phrasen, ab C3 aufwärts dient die Klaviatur zum eigentlichen Abspielen der ausgewählten Phrasen in der gewünschten Tonhöhe. In diesem als PLAY RANGE bezeichneten Bereich lässt sich nicht nur der Grundton definieren, per Schalter kann man auch festlegen, ob der VIRTUAL BASSIST die Phrasen melodiös oder aber lediglich in dem vorgegebenen Rhythmus auf der selben Note spielen soll. Zudem werden auch gegriffene Akkorde erkannt und angezeigt.

Allen Bassisten gemein sind die sogenannten COMMON PHRASES, die bei den drei Plugins jeweils identisch ausfallen und die sich über die ersten beiden Oktaven verteilen. Es handelt sich hierbei um diverse Standard-Bassläufe, die man so immer wieder gebrauchen kann.

Der Tastaturbereich zwischen C2 und C3 ist den STYLE PHRASES vorbehalten, die bei jedem der drei Bassisten individuell ausfallen und dem jeweiligen Instrument und dem dafür intendierten Musikstil angepasst sind. Damit jetzt keine Missverständnisse entstehen: VIRTUAL BASSIST 2 verfügt nicht etwa bloß über ein Dutzend STYLE PHRASES, der oben genannte Tastaturbereich bezieht sich lediglich auf die verschiedenen Variationen inklusive der als One-Shots abgespielten Intros und Fills des jeweils ausgewählten Styles. ROWDY und MELLOW bringen Insgesamt 60 unterschiedliche STYLE PHRASES mit, bei ROYAL sind es derer sogar 65 (wenn ich mich jetzt nicht verzählt habe…), allesamt nach aufsteigendem Tempo sortiert. Diese können per Schalter durchgesteppt oder via Menü direkt ausgewählt werden. Übrigens, wie auch schon bei der BEATMAKER-Serie sollte man sich auch beim VIRTUAL BASSIST 2 nicht völlig rigide an die BPM-Angaben der einzelnen Phrasen halten, sondern diese eher als Empfehlungen betrachten, von denen man durchaus auch gerne einmal abweichen kann. Experimentieren lohnt sich auch hier!

Sowohl die COMMON PHRASES als auch die STYLE PHRASES lassen sich seit Version 2 des VIRTUAL BASSIST mit der Maus vom virtuellen Keyboard der Plugins auf eine MIDI-Spur der DAW ziehen und dort nach Belieben editieren, variieren, kopieren und anordnen. Wenn Phrasen dann über eine solche MIDI-Spur gespielt werden, ist es übrigens völlig egal, ob der VIRTUAL BASSIST sich dabei im PLAYER- oder im INSTRUMENT-Modus, das Ergebnis bleibt gleich, im INSTRUMENT-Modus werden dann allerdings die jeweils gespielten Noten auf dem Keyboard angezeigt.

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 - Micro Timing
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 – Micro Timing

In dem mit MICRO TIMING bezeichneten Menü finden sich weitere, tempobezogene Feineinstellungen. Zunächst einmal kann das Grundtempo der Phrasen hier ganz fix auf Knopfdruck verdoppelt oder halbiert werden, dies lädt zum Experimentieren ein. Dann gibt es noch drei horizontale Schieberegler: FEEL erzeugt in Richtung PUSH eine getriebene Spielweise, während in es in Richtung PULL hingegen eher laid-back zugeht. Der SWING-Regler macht genau das, was man darunter vermutet, er sorgt für einen shuffle-artigen Rhythmus. TIMING schließlich erlaubt die stufenlose Einstellung von einer sehr hart quantisierten bis hin zu einer recht flapsigen Spielweise.

Während der mittlere, in einem silbernen Farbton gehaltene Bereich der Bedienoberfläche bei jedem der drei Plugins individuelle, auf das Instrument bezogene Einstellmöglichkeiten aufweist (zu diesen komme ich gleich noch), ist der Abschnitt am unteren Rand bei allen virtuellen Bassisten nahezu identisch gestaltet.

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 - Effektsektion
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 – Effektsektion

Ganz links findet sich ein Schalter namens DROP D, welcher die tiefste Saite des Basses von der Note E herunter auf die Note D stimmt, dies entspricht also dem sogenannten D-TUNER bei einem viersaitigen E-Bass. Ich gestehe, dass ich das auch erstmal nachschlagen musste, bei einem Synthie, mit dem ich normalerweise meine Bässe zu erzeugen pflege, hat man mit sowas ja nix an der Brause… ,-)

Daneben gibt’s einen stufenlos einstellbaren OCTAVER-Effekt, der dem Bassklang durch Erzeugung von Sub-Oktaven noch zusätzlichen Druck von unten verleiht.

Auf der rechten Seite kann der VIRTUAL BASSIST mit je einem einfachen EQUALIZER und einem COMPRESSOR aufwarten, beides ebenfalls One-Knob-Effekte, wobei der Equalizer hier beim MELLOW eine etwas andere Reglerbeschriftung hat. Der Kompressor greift übrigens beherzt zu und kann bei Bedarf die Dynamik auch regelrecht plattbügeln und einen knackigeren Anschlag erzeugen.

Mittig zwischen den vorgenannten Parametern angeordnet befindet sich ein großer Drehregler mit der Bezeichnung FINISHER. Wer meine letzten beiden Testberichte zu UJAM-Produkten gelesen hat (siehe hier und hier), der weiß nun schon, was Sache ist. Dabei handelt es sich nämlich um UJAMS eigene Version eines Multi-Effekts, der unter der Haube aus zahlreichen miteinander verknüpften Algorithmen besteht. Beim VIRTUAL BASSIST 2 steht eine eigens für seinen Einsatzzweck angepasste Variante mit 15 verschiedenen Modi zur Verfügung, wobei wiederum jedes der drei Plugins über seine eigene Zusammenstellung verfügt. Einerseits finden sich hier typische auf elektrische Bässe abgestimmte Effektketten, die auch ein „echter“ Bassist verwenden würde, etwa als Pedal-Effekte, andererseits gibt es doch so manche spezielle Kreation, die den eigentlich elektrischen (ROYAL und ROWDY) bzw. akustischen (MELLOW) Bassklang doch schon eher in Richtung Synthie bzw. Hybridformen zu verbiegen mögen, womit die klangliche Bandbreite des VIRTUAL BASSIST 2 noch einmal deutlich potenziert wird.

Jeder VIRTUAL BASSIST bringt allerlei Presets mit, die jeweils eine Kombination aus STYLE PHRASE und Klang- und Effekteinstellungen darstellen, gleichwohl lassen sich natürlich auch eigene Zusammenstellungen abspeichern.

Während die Regler der Plugins zwar nicht auf Mausradbewegungen reagieren, lassen sie sich hingegen über eine MIDI-LEARN-Funktion problemlos mit einem Hardware-Controller verknüpfen.

Im Folgenden gehe ich nun noch gesondert auf die drei Plugins der VIRTUAL BASSIST 2-Serie und ihre individuellen Eigenheiten ein.


Blaues Blut…

VIRTUAL BASSIST 2 ROYAL stellt die virtuelle Umsetzung eines sogenannten „Fingered Electric Bass“ dar, also eines E-Basses, der mit den Fingern gezupft wird. Klanglich handelt es sich hierbei eher um einen Schönling edler Abstammung mit einem sauberen und runden Sound, der aber noch in weiten Bereichen anpassbar ist, womit sich ROYAL für vielerlei musikalische Stilrichtungen eignet, beispielsweise für Pop, Rock, Indie, Funk, Soul, Blues usw.

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROYAL
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROYAL

Im silbernen Bereich der Bedienoberfläche finden wir mit PICKUP eine Möglichkeit, stufenlos zwischen den Tonabnehmern von Hals (NECK) und Steg (BRIDGE) überzublenden, was in einer subtilen, aber dennoch wahrnehmbaren Klangänderung resultiert. Daneben bietet ein mit CHARACTER betitelter vierstufiger Auswahlschalter eine weitere klangliche Anpassung des ROYAL von SOFT über WARM und NEUTRAL bis hin zu HARD. Auch hier bewegen sich die Unterschiede zwar in eher feinsinnigen Bereichen, sind aber gleichwohl vorhanden und äußern sich in einem jeweils anderen Obertongehalt des Bassklangs. Schon etwas stärker fallen die Klangänderungen hingegen beim ebenfalls vierstufigen Schalter namens AMP aus, der verschiedene Verstärker inklusive regelbarem DRIVE-Parameter simuliert, als da wären ROCK, SOUL, POP sowie eine Direktabnahme (DIRECT). Die klangliche Bandbreite reicht hierbei von voll, satt und rund bis hin zu knackig und drahtig. Im Zusammenspiel aller dieser genannten Einstellmöglichkeiten ergibt sich ein breiter Spielraum für Klanganpassungen des ROYAL.

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROYAL - Finisher-Modi
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROYAL – Finisher-Modi

Noch einmal erweitert wird dieser durch die bereits oben erwähnte Effektsektion, wobei hier wohl der FINISHER mit seinen 15 recht unterschiedlichen Effekt-Modi den größten Beitrag leistet.

Nachfolgend ein Klangbeispiel, bei dem ich an den vorhandenen Klangreglern des ROYAL rumgespielt habe:

Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROYAL – Klangparameter

Und hier gibt’s noch einen Zusammenschnitt von einigen der mitgelieferten Presets:

Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROYAL – diverse Presets

Wie nahezu immer bei meinen Klangbeispielen, habe ich auch hier wieder auf externe Effekte verzichtet, um den Klang des ROYAL möglichst unverfälscht wiederzugeben.


Rohling…

Während ROYAL doch eher ein Allrounder mit einer weitgehenden Betonung auf wohlfeilen Schönklang ist, gibt’s beim VIRTUAL BASSIST 2 ROWDY von Anfang an eins auf die Zwölf. Mit seinem deutlich mittenbetonteren, aggressiven Grundklang stellt ROWDY unter den drei Plugins den Spezialisten für herzhafteren Rock, Punk, Metal und artverwandte Genres dar, wo er sich unter anderem auch gut gegen verzerrte Gitarren durchzusetzen vermag. Zurückhaltung ist also nicht unbedingt seine Stärke, die ist in den Musikstilen, in denen er sich zu Hause fühlt, aber wohl auch nicht sonderlich gefragt.

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROWDY
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROWDY

An individueller Klanganpassung bietet ROWDY einen FUZZ-Regler, mit dem man ihm zusätzlich zum Verstärker noch die Simulation eines Transistor-Verzerrers für einen noch ruppigeren Sound angedeihen lassen kann. Auch hier gibt es wieder die beiden Schalter mit ihren jeweils vier Auswahlmöglichkeiten, hier jedoch natürlich auf den speziellen Klang des ROWDY abgestimmt. So bietet CHARACTER die Geschmacksrichtungen TAME, ROUND. FAT und HARD, während AMP (wiederum mit separat regelbarem DRIVE) mit METAL, CREAM, CRISP und auch wieder DIRECT aufwartet. Wie auch schon beim ROYAL ergibt sich durch das Zusammenspiel dieser Parameter eine erstaunliche Bandbreite an klanglicher Veränderung, ohne dass ROWDY dabei seinen grundsätzlichen Klangcharakter verliert.

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROWDY - Finisher-Modi
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROWDY – Finisher-Modi

Die FINISHER-Sektion in ROWDY bringt ihre eigenen 15 Presets mit, wobei sich hier durchaus Überschneidungen zu denen des ROYAL ergeben, was allerdings keinen Nachteil darstellt.

Das erste Klangbeispiel bietet wiederum einen kleinen Eindruck von den der klanglichen Möglichkeiten des ROWDY:

Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROWDY – Klangparameter

Und dann folgt noch eine kleine Auswahl an Presets:

Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 ROWDY – diverse Presets

Auch bei den Klangbeispielen zum ROWDY habe ich natürlich wieder auf irgendwelche kosmetischen Beigaben in Form von zusätzlichen Plugins verzichtet.


Holzwolle…

VIRTUAL BASSIST 2 MELLOW ist der Akustiker im Bassisten-Trio von UJAM, will sagen, er imitiert einen sogenannten Double Bass, hierzulande auch unter der Bezeichnung Kontrabass bekannt, zumindest in den Gefilden klassischer Musik. Für Letztere eignet sich MELLOW jedoch nur sehr bedingt, denn es handelt sich hierbei ausschließlich um die gezupfte Variante, während MELLOW mit der in der Klassik vorwiegend verwendeten Spielweise (also mit dem Bogen gestrichen) nichts am Hut hat. In Musikstilen wie Jazz und Soul, aber auch in Urban und Hip-Hop, ja selbst in so manchem Ambient-Track und in Filmmusik sowieso dürfte MELLOW hingegen eine sehr gute Figur machen.

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 MELLOW
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 MELLOW

Die Optionen zur Klangformung in der silberfarbenen Abteilung des GUI fallen bei MELLOW aufgrund seiner akustischen Natur dementsprechend etwas anders aus, als bei seinen beiden elektrischen Brüdern. Der Regler POSITION bietet eine Überblendungsmöglichkeit zwischen Hals und Steg an, diese bezieht sich hier auf die Position der zupfenden Finger.

Der CHARACTER-Auswahlschalter bietet beim MELLOW sogar fünf Stufen an, nämlich SOFT, DEEP, NATURAL, HARD und TIGHT, allesamt wieder von subtiler Natur, aber in Bezug auf Dynamik und Obertongehalt durchaus unterscheidbar.

Statt mit einer Verstärker-Sektion kann MELLOW mit vier verschiedenen Mikrofon-Positionen aufwarten, HOLLOW, FULL, ROUND und PRESENT benannt. Auch hiermit lässt sich der Grundklang hörbar variieren. Wo bei ROYAL und ROWDY der DRIVE-Parameter zu finden ist, gibt es bei MELLOW einen Regler für ROOM. Mit diesem lässt sich die Intensität des originalen Raums, in welchem der Kontrabass stand, der für die Samples des MELLOW aufgenommen wurde, anpassen. Das Ergebnis ist eine subtile, aber sehr angenehme Räumlichkeit, die keiner Reglerstellung übertrieben wirkt. Selbst bei voller Intensität entsteht kein unbrauchbarer Klangmatsch, das gefällt mir gut!

UJAM VIRTUAL BASSIST 2 MELLOW - Finisher-Modi
UJAM VIRTUAL BASSIST 2 MELLOW – Finisher-Modi

Wer das Signal aber unbedingt in Hall baden möchte, der kann dies immer noch über den FINISHER erledigen, dieser hat ein paar entsprechende Presets dafür im Gepäck, aber auch diverse andere Effekte, die MELLOW in ganz andere klangliche Sphären zu beamen vermögen.

Bei den folgenden Klangbeispielen gibt’s ebenfalls nur den reinen MELLOW zu hören, zunächst wieder eine Präsentation der editierbaren Klangparameter, anschließend noch eine (sehr!) kleine Rundreise durch die Presets:

Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 MELLOW – Klangparameter
Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 MELLOW – diverse Presets


Chimäre…

Rein persönlich bin ich ja in den ganzen Musikstilen, für die die drei Bassisten vornehmlich gedacht sind, eigentlich überhaupt nicht unterwegs. Deshalb habe ich bisher auch noch keinerlei Bedarf an derartigen authentischen Klängen und wie von Hand gespielt wirkenden Phrasen gehabt, nutze ich selbst doch für den Tieftonbereich nahezu ausschließlich Synthesizer aller Art, die zudem auch gerne in hörbar maschineller Spielweise daherkommen dürfen. Andererseits schadet es ja nie, einmal über den eigenen Tellerand hinaus zu spähen, und so fragte ich mich gleich beim ersten Anspielen der VIRTUAL BASSIST-Plugins, ob man deren prägnante Klänge nicht auch gut dazu nutzen könnte, um sie mit Synthiebässen zu mischen und diese dadurch durchsetzungsfähiger zu machen. Folglich habe ich mich also noch mal daran gemacht, testweise auf die Schnelle ein paar solcher Hybridklänge zu schmieden.

Der Basslauf dazu entstammt einem der Common Phrases des VIRTUAL BASSIST 2 (Kommt Euch der auch sehr bekannt vor…?). das Schema der Klangbeispiele ist dabei immer das selbe: Zunächst folgt ein viertaktiger Durchlauf mit dem jeweiligen Synthesizer alleine, dann kommt für die nächsten drei Durchläufe der ROYAL hinzu, der anschließend auch noch mal einen Durchlauf ohne den Synthie läuft. Dieses Spielchen wiederholt sich dann ebenso mit dem ROWDY und dem MELLOW.

Für den Anfang habe ich die drei virtuellen Bassisten mit einem BEHRINGER MODEL D gekoppelt, der einen moog-typischen Bassklang beisteuert (na, was wohl auch sonst…?). Beide ergänzen sich klanglich für meinen Geschmack in allen drei Fällen ganz gut, insbesondere beim ROYAL und beim MELLOW gelingt dies stimmig.

Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 + BEHRINGER MODEL D

Als nächstes folgt die Kombination mit meinem midifizierten KORG MONOTRIBE, hierbei musste ich beim MONOTRIBE in der DAW noch einen steilflankigen Tiefpassfilter anwenden, weil sich ansonsten das bei diesem Gerät sehr lästige VCA-Knacken störend bemerkbar machte. Dafür empfand ich das Zusammenspiel mit den drei Bassisten noch stimmiger als beim MODEL D, da der MONOTRIBE sich nicht so sehr in den Vordergrund drängt, aber dennoch für zusätzlichen Schub von unten sorgt.

Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 + KORG MONOTRIBE

Das ich das Ganze auch noch einmal mit einem FM-Bass testen wollte, habe ich schließlich noch den DX7 V von ARTURIA bemüht. Mir persönlich gefällt dabei die Kombination mit dem MELLOW am besten, dessen etwas holziger Klang passt für mein Empfinden recht gut zum eher knochigen FM-Sound.

Klangbeispiel UJAM VIRTUAL BASSIST 2 + ARTURIA DX7 V

Selbstverständlich stellen diese drei Beispiele, für deren Erstellung ich zudem nur ein knappes Zeitfenster hatte, bloß die Spitze des Eisbergs dar, das klangliche Spektrum möglicher Kombinationen ist angesichts der Unzahl an verfügbaren Synthesizern im Rahmen eines solchen Tests einfach nicht abdeckbar und bietet tatsächlich Experimentiermöglichkeiten für viele Stunden, Tage, Wochen, Monate…


Fazit:

Mit VIRTUAL BASSIST 2 hat UJAM drei spezialisierte Plugins am Start, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Songwriting und Produzieren in Bezug auf authentisch klingende E-Bass- und Kontrabassklänge sowie deren typische Spielweisen in kontemporärer Musik enorm zu beschleunigen. Das Ergebnis dieses Unterfangens kann man ohne Frage als gelungen bezeichnen.

Werden Bassisten aus Fleisch und Blut durch VIRTUAL BASSIST 2 nun arbeitslos? In einigen Fällen mag man tatsächlich auf sie verzichten können, aber ähnlich wie es immer noch Schlagzeuger gibt, obwohl bereits seit über vier Jahrzehnten Drumcomputer existieren, dürfte im Bassistenbereich die Nachfrage nach guten Musikern auch durch VIRTUAL BASSIST 2 nicht wirklich versiegen (eine Rockband oder eine Jazzcombo beispielsweise wird sich wohl kaum mit einem Laptop auf die Bühne stellen, damit dieser dann die Basslicks bei einem Gig spielt, musikalische Einzelkämpfer dagegen aber vielleicht schon…).

Im Studio hingegen, wo es in professionellen Gefilden häufig nach dem Motto „Zeit ist Geld“ zugeht, während im Heimstudio oftmals gar keine Möglichkeit zur Aufnahme eines echten Bassisten besteht (falls ein solcher denn überhaupt verfügbar ist), spielen die virtuellen Bassspieler von UJAM ihre Trümpfe voll aus.

Auch Klangvorstellungen jenseits eines unbedingten Realismus, etwa in Form der seit schon einiger Zeit angesagten Hybridklänge lassen sich mit VIRTUAL BASSIST 2 problemlos verwirklichen.

Ähnlich wie die anderen Plugins aus dem Hause UJAM ist auch VIRTUAL BASSIST 2 statischen Loops und Samplebänken durch seine zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten deutlich überlegen und daher auch vielfältiger einsetzbar.

Wer schon eine oder mehrere der Vorgänger sein Eigen nennt, für den hält die zweite Generation der virtuellen Bassisten Version 2 genügend überzeugende Argumente für ein Upgrade bereit.

Die drei VIRTUAL BASSIST 2-Plugins gibt’s direkt bei UJAM, und zwar sowohl als Einzelprodukte zum Preis von jeweils 129,- Euro wie auch als BASSISTS BUNDLE 2 für derzeit 269,- Euro. Für Besitzer der Version 1 gelten vergünstigte Upgrade-Preise: ROYAL, ROWDY und MELLOW lassen sich einzeln für 29,- Euro auf die neueste Version bringen, während sich das komplette Bundle für 59,- Euro aktualisieren lässt.


Positives:
+ hervorragender Klang
+ authentische Bass-Phrasen
+ sehr einfache Bedienung
+ integrierte Finisher-Sektion
+ Drag & Drop-Übertragung von Phrasen in die DAW
+ Offline-Aktivierung möglich

Negatives:
– GUI etwas zu hoch für geringere Bildschirmauflösungen (Laptop)
– Style-Content nicht intern erweiterbar (extern über MIDI sehr wohl)


Produktwebseite UJAM VITUAL BASSIST 2: https://www.ujam.com/bassist/


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