Testbericht: ARTURIA DIST COLDFIRE – Verzerrgutschein

Ein Testbericht von Perry Staltic,
veröffentlicht am 10.09.2022

Unlängst erst hatten wir hier die FX COLLECTION 3 im Test, doch ARTURIA gönnt sich und uns keine lange Pause und legt mit DIST COLDFIRE bereits das nächste Plugin nach. Der Name verrät es schon, es handelt sich dabei um einen Verzerrer, doch dieses Mal haben die frischen Franzosen aus Grenoble keine weitere Nachahmung eines bekannten Bodentreters oder einer Rackeinheit im Gepäck, vielmehr haben wir es mit einer Eigenentwicklung zu tun, und die sind bei ARTURIA bekanntermaßen eigentlich am interessantesten. Ob dies wohl auch auf DIST COLDFIRE zutreffen mag?


Allgemeinwissen…

Zunächst kümmern wir uns wieder um die grundsätzlichen Merkmale, wie sie mehr oder weniger bei allen Plugins von ARTURIA zu finden sind. DIST COLDFIRE ist eine reine 64-Bit-Software. Zum Betrieb benötigt man zumindest nach offiziellen Angaben macOS ab Version 10.13 oder WINDOWS ab Version 8.1, wobei ich an dieser Stelle jedoch bestätigen kann, dass sich das Plugin durchaus auch unter WINDOWS 7 betreiben lässt, nur muss man dabei dann auf eventuell notwendigen Support seitens ARTURIA verzichten.

An Plugin-Formaten werden neben AU (nur macOS) und AAX natürlich auch VST 2.4 und VST 3 angeboten, und nur diese beiden habe ich wieder getestet, sowohl unter WINDOWS 10 als auch unter WINDOWS 7. DIST COLDFIRE ist zudem kompatibel zu NKS, sofern man über einen entsprechenden Controller verfügt.

Mein keineswegs mehr taufrischer Studiorechner (CPU i7-4790K mit 4 x 4,0 GHz und 16 MB RAM) ist für DIST COLDFIRE mehr als ausreichend und hat für das Plugin nur wenig Ressourcen einsetzen müssen, so hatte ich das aber eigentlich auch erwartet.

Die Installationsdateien für macOS und WINDOWS findet man in seinem Kundenkonto bei ARTURIA zum Download, das ist für all diejenigen interessant, deren Sturiorechner nicht mit dem Internet verbunden ist und die daher auch auf eine Offline-Aktivierung angewiesen sind. Eine solche kann über das obligatorische ARTURIA SOFTWARE CENTER (ASC) durchgeführt werden, welches zunächst separat zu installieren ist.

Wessen Host-Rechner über eine Online-Verbindung verfügt, der kann auch den schnelleren und bequemeren Weg gehen, das Plugin direkt über das ASC herunterzuladen, zu installieren und anschließend zu aktivieren. Auch zukünftige Updates lassen sich via ASC einspielen. Die Aktivierung einer einzelnen Lizenz ist übrigens auf bis zu fünf verschiedenen Rechnern möglich.

ARTURIA DIST COLDFIRE - obere Werkzeugleiste
ARTURIA DIST COLDFIRE – obere Werkzeugleiste

Bereits mit der FX COLLECTION 3 hat ARTURIA in der oberen Werkzeugleiste ihrer Plugins eine A/B-Funktion integriert. Damit kann zum Vergleich zwischen zwei leicht oder auch komplett unterschiedlichen Parametereinstellungen (eben A und B) hin und her geschaltet werden. Bei Bedarf lassen sich die Einstellungen von A nach B oder von B nach A kopieren.

ARTURIA DIST COLDFIRE - untere Werkzeugleiste
ARTURIA DIST COLDFIRE – untere Werkzeugleiste

Die ebenfalls vorhandene untere Werkzeugleiste beherbergt neben einem Bypass-Schalter, einer Anzeige des prozentualen Ressourcenverbrauchs sowie einer mehrstufigen Undo-/Redo-Funktion inklusive eigener Historie auch Optionen bezüglich der Oversampling-Qualtität. Man hat hier die Auswahl zwischen STUDIO und RENDER, wobei STUDIO weniger Ressourcen benötigt und RENDER eine höhere Qualität bietet. Hiervon ist jedoch nur die unmittelbare Wiedergabe betroffen, denn bei einem Mixdown-Prozess innerhalb der DAW findet automatisch die höchstmögliche Qualitätsstufe Anwendung, so dass man sich nicht etwa erst manuell darum kümmern muss, gut so!

Bereits im Zuge meiner beiden Tests zur FX COLLECTION 2 und 3 hatte ich jeweils einen Minuspunkt dafür vergeben, dass ARTURIA zwar auf den Produktwebseiten angibt, alle Plugin-Parameter ließen sich problemlos an einen MIDI-Controller seiner Wahl zuweisen, während in der Realität gar keine entsprechenden Möglichkeiten zur Verfügungen stehen, etwa eine MIDI-Learn-Funktion. Auch bei DIST COLDFIRE ist dies wieder der Fall. Ich habe den Eindruck, dass die PR-Mitarbeiter bei ARTURIA hier mit Copy & Paste arbeiten und denselben Fehler einfach immer und immer wieder mitkopieren. Das mache ich dann halt mal genauso mit meinem Minuspunkt…

Ebenfalls bleibt es mir ein Rätsel, warum ARTURIA bei seinen FX-Plugins (und damit auch bei DIST COLDFIRE) eine Bedienung via Mausrad zulässt, dies aber bei seinen Instrumenten-Plugins „vergessen“ hat…

ARTURIA DIST COLDFIRE - Preset-Browser
ARTURIA DIST COLDFIRE – Preset-Browser

Der Preset-Browser entspricht, wie nicht anders zu erwarten, dem typischen ARTURIA-Standard. Presets lassen sich anhand diverser Kategorien und Untergruppen einteilen und herausfiltern, eine Suchfunktion fehlt ebenso wenig wie eine Favoristenliste zur Zusammenführung der bevorzugten Lieblinge.

ARTURIA DIST COLDFIRE - In-App-Tutorials
ARTURIA DIST COLDFIRE – In-App-Tutorials

DIST COLDFIRE hat auch wieder allerlei In-App-Tutorials für Anglophile an Bord. Diese führen in die verschiedenen Funktionen des Effekts ein und können zudem mit so manchem praktischen Tipp aufwarten. Ein herkömmliches PDF-Manual steht natürlich ebenfalls zur Verfügung, zur Zeit allerdings nur auf Englisch, eine deutsche Übersetzung wird sicherlich bald folgen.


Kaltfeuer…

Dass es sich bei DIST COLDFIRE um keine Emulation handelt, dürfte bei einem genaueren Blick auf die Bedienoberfläche klar werden, ähnelt diese doch in vielerlei Hinsicht einigen anderen Eigenentwicklungen aus dem Hause ARTURIA, etwa EFX FRAGMENTS oder dem Synthesizer-Plugin PIGMENTS. Dies wird spätestens dann offenkundig, wenn man das sogenannte ADVANCED PANEL öffnet.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Main Panel
ARTURIA DIST COLDFIRE – Main Panel

Zunächst aber präsentiert sich das Plugin in seiner normalen, minimierten Ansicht, die nur das Hauptbedienfenster (MAIN PANEL) anzeigt. Grundsätzlich verfügt DIST COLDFIRE über zwei unabhängige Signalpfade (A und B) mit identischer Ausstattung. Diese gliedern sich in drei Sektionen, die separat an- und abgeschaltet werden können: dem PRE-FILTER, der eigentlichen DISTORTION und dem POST-FILTER. Im MAIN PANEL können die beiden Filter lediglich aktiviert oder deaktiviert werden.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Pre-Filter
ARTURIA DIST COLDFIRE – Pre-Filter

Anders sieht es im ADVANCED PANEL aus, dort erhält man detaillierten Zugriff auf alle verfügbaren Parameter. Beim PRE-FILTER, mit dem das zugeführte Audiosignal noch vor dem Verzerrer vorgefiltert werden kann, sind dies etwa Filter-Charakteristik, Grenzfrequenz oder Resonanz bzw. Gain. Der PRE-FILTER stellt sechs verschiedene Filtertypen bereit: Tiefpass, Bandpass, Hochpass, Bandsperre sowie zwei Kammfiltervarianten (Feedback und Feedforward).

ARTURIA DIST COLDFIRE - Verzerrer-Typen und Untertypen
ARTURIA DIST COLDFIRE – Verzerrer-Typen und Untertypen

In der Distortion-Sektion stehen elf unterschiedliche Verzerrer-Typen zur Auswahl (links im Screenshot), als da wären BIT INVERTER, BIT CRUSHER, WAVEFOLDER, RECTIFIER, WAVESHAPER, TRANSFORMER, FORCE, TAPE, TUBE, GERMANIUM und TRANSISTOR. Einige dieser Algorithmen verfügen zudem noch über weitere Untertypen (rechts im Screenshot).

Wie man sieht, hat ARTURIA sich bemüht, die gesamte Bandbreite an analogen und digitalen Verzerrungs- und Sättigungseffekten bereitzustellen, womit DIST COLDFIRE sich als ein recht generisches Distortion-Plugin heraustellt und nicht als eingeschränkter Fachidiot mit Tunnelblick (obwohl solche durchaus auch ihre Berechtigung haben mögen…).

ARTURIA DIST COLDFIRE - unterschiedliche Parameter der Verzerrer-Typen
ARTURIA DIST COLDFIRE – unterschiedliche Parameter der Verzerrer-Typen

Jeder Distortion-Typus verfügt dabei über sein individuelles Set an Parametern. Und je nach Algorithmus unterscheiden sich diese auch deutlich voneinander. In der Regel ist aber lediglich eibn DRIVE-, ein OUTPUT- sowie ein DRY/WET-Regler vorhanden (was dann für diesen Effekt aber auch völlig ausreichend ist).

ARTURIA DIST COLDFIRE - Post-Filter
ARTURIA DIST COLDFIRE – Post-Filter

Das POST-FILTER dient der nachträglichen Bearbeitung des verzerrten Signals (sofern die Distortion-Sektion überhaupt im jeweiligen im Signalpfad aktiviert war…). Dazu steht ein kombiniertes Hoch- und Tiefpassfilter bereit, die somit zusammen einen Bandpass mit frei einstellbaren Grenzfrequenzen ergeben, wobei der Einsatzpunkt des Hochpasses auch über dem des Tiefpasses bzw. der des Tiefpasses unter dem des Hochpasses liegen kann.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Routing-Optionen
ARTURIA DIST COLDFIRE – Routing-Optionen

Wie die beiden Signalpfade miteinander verknüpft werden, lässt sich in den Routing-Optionen festlegen, die sich in der bunten, mittig positionierten Grafik finden. Neben einem seriellen (Audiosignal durchläuft zuerst A und dann B) und einem parallellen (Audiosignal durchläuft gleichzeitig A und B) Betrieb, gibt es auch die Optionen STEREO (linker Kanal durchläuft A, rechter Kanal durchläuft B), MID/SIDE (Mittenanteil durchläuft A, die Seitenanteile durchlaufen B) sowie BAND SPLIT (Frequenzband 1 durchläuft A, Frequenzband 2 durchläuft B). Darüber hinaus lassen sich in diesem Menü auch die jeweiligen Einstellungen von A und B vertauschen.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Animation und Crossfader
ARTURIA DIST COLDFIRE – Animation und Crossfader

In allen Betriebsmodi außer dem seriellen erscheint unten in der Grafik ein Crossfader, mit dem das Lautstärkeverhältnis zwischen A und B eingestellt werden kann.

Übrigens, besagte Grafik ändert nicht nur je nach Auswahl der Distortion-Algorithmen ihre Farbe, sondern visualisiert den Effekteinsatz auch noch in Form einer Animation im Rhythmus des zugeführten Audiosignals. Wem dieses Gezappel auf den Zeiger geht, der kann es einfach mit dem kleinen Schalter rechts oben deaktivieren und spart dann sogar noch ein wenig CPU-Ressourcen ein.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Master-Sektion
ARTURIA DIST COLDFIRE – Master-Sektion

Direkt über der Grafik befindet sich die MASTER-Sektion. Hier lassen sich Eingangs- und Ausgangspegel einstellen. Die beiden dafür zuständigen Regler können auch miteinander gekoppelt werden, so dass eine Änderung des Eingangspegels automatisch eine kompensatorische Änderung des Ausgangspegels bewirkt.

COLER stellt eine einfache bipolare Klangregelung dar. Eine Drehung gegen den Uhrzeigersinn hebt die Bässe an, eine Drehung mit dem Uhrzeigersinn die Höhen, beides jeweils um bis zu 12 dB. Die Mittelstellung des Reglers liegt bei 630 Hz.

Der DRY/WET-Regler regelt das Mischungsverhältnis zwischen trockenem und verzerrtem Signal und erlaubt damit eine Parallelbearbeitung innerhalb des Plugins. Praktischerweise hat ARTURIA hier eine LOCK-Funktion integriert, die bei Aktivierung dafür sorgt, dass das eingestellte Mischungsverhältnis auch bei einem Wechsel des Presets erhalten bleibt.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Advanced Panel
ARTURIA DIST COLDFIRE – Advanced Panel

Ebenso wie die oben beschriebenen Filtereinstellungen sind alle weiteren Funktionen nur zugänglich, indem man das ADVANCED PANEL über die entsprechende Schaltfläche ganz rechts oben öffnet.

Den Platz unmittelbar unterhalb der bunten Grafik teilen sich die DYNAMICS- und die FEEDBACK-Sektion, sie sind dabei durch Tabs voneinander getrennt.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Dynamics
ARTURIA DIST COLDFIRE – Dynamics

DYNAMICS stellt wahlweise einen Compressor, dessen Algorithmus dem hauseigenen BUS FORCE entliehen wurde, einen Multiband-Prozessor oder einen Brickwall-Limiter zur Verfügung. Dabei bietet der PRE/POST-Schalter die Möglichkeit, die Dynamik-Sektion entweder vor oder nach dem Verzerrer einzusetzen, dies gilt immer für die beiden Signalpfade A und B gemeinsam.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Feedback
ARTURIA DIST COLDFIRE – Feedback

FEEDBACK macht genau das, was die Bezeichnung aussagt, nämlich das bereits durch den Verzerrer bearbeitete Audiosignal wieder erneut durch den Effekt zu jagen und so Rückkopplungseffekte zu erzeugen. Einzig der Distortion-Typ BIT INVERTER ist davon ausgenommen.

Ein weiteres Filter sitzt hier im Signalweg, es kann entweder als Bandsperre (Notch) oder als bipolarer Hoch- und Tiefpass arbeiten. Zudem besitzt die FEEDBACK-Sektion eine einstellbare Verzögerungszeit, die sogar zum Host-Tempo synchronisiert werden kann.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Modulationssektion
ARTURIA DIST COLDFIRE – Modulationssektion

Im unteren Bereich des ADVANCED PANEL befindet sich die Modulationssektion, die doch sehr an ihre jeweiligen Pendants in EFX FRAGMENTS, PIGMENTS und einigen anderen virtuellen Klangerzeugern aus dem Hause ARTURIA erinnert. Die Zuordnung von Modulationsquellen zu ihren Zielen erfolgt auf eine vergleichbare Weise und auch die animierten Regler kennt man bereits von den oben genannten Plugins.

Sechs Slots für Modulatoren stehen hier zur Verfügung und diese können je nach Bedarf LFOs, Funktionsgeneratoren, Hüllkurvenverfolger oder Step-Sequencer in beliebiger Kombination beherbergen. Modulationsquellen mitsamt ihren aktuellen Einstellungen können von einem Slot in einen anderen (oder mehrere andere) kopiert werden.

ARTURIA DIST COLDFIRE - LFO
ARTURIA DIST COLDFIRE – LFO

Der LFO bietet eine morphbare Wellenform, die nahezu stufenlos von Sinus über Dreieck, Sägezahn und Rechteck zu Sample & Hold eingestellt werden kann. Er kann positive oder bipolare Werte ausgeben und lässt sich in Symmetrie und Phase verschieben. Die Geschwindigkeit kann frei eingestellt werden oder mit verschiedenen Teilern dem Host-Tempo folgen.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Funktionsgenerator
ARTURIA DIST COLDFIRE – Funktionsgenerator

Funktionsgenerator weist Eigenschaften sowohl einer Hüllkurve als auch eines LFO auf und kann komplexe geloopte Modulationsverläufe mit bis zu 64 Knotenpunkten erzeugen. Diese können entweder mit Hilfe diverser Grafikwerkzeuge selbst eingezeichnet oder aus fertigen Presets ausgewählt werden. Auch hier ist wieder eine Synchronisation zum Host-Tempo möglich.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Envelope Follower
ARTURIA DIST COLDFIRE – Envelope Follower

Der ENVELOPE FOLLOWER (Hüllkurvenverfolger) generiert seine Modulationsmuster aus einem eingehenden Audiosignal, dass ihm entweder über den Haupt- oder über den Sidechain-Eingang zugeführt wird. Die Anwendung der zweiten Option ist maßgeblich von der eingetzten DAW abhängig, diese muss hier ebenfalls mitspielen und ein entsprechendes Routing erlauben. Neben einstellbaren RISE- und FALL-Zeiten steht auch ein synchronisationsfähiges Delay bereit.

ARTURIA DIST COLDFIRE - Step-Sequencer
ARTURIA DIST COLDFIRE – Step-Sequencer

Der SEQUENCER verfügt über bis zu sechzehn Schritte, kann aber auch ungerade Schrittlängen erzeugen. Er gibt keine Noten aus, sondern diskrete Modulationwerte. Auch hier gibt es einige Grafikwerkzeuge zum Einzeichnen von Patterns. Ein Sequencer-Pattern kann vorwärts, rückwerts, alternierend oder zufällig abgespielt werden.

Ein Synchronisstion zum Host-Tempo kann natürlich ebenfalls erfolgen, darüber hinaus sind Swing-Faktor sowie zufallsbedingte Variationen einstellbar und die Übergänge zwischen zwei Schritten können bei Bedarf geglättet werden.


Distorted Reality…

Die Zeiten, in denen nahezu jedes Verzerrer-Plugin rein akustisch ohne Mühe als softwarebasiert identifiziert konnte und auch der billigsten Distortion-Hardware unterlegen war, scheinen zum Glück vorbei zu sein. Mittlerweile stehen uns in diesem Bereich schon einige sehr gut klingende Vertreter zur Verfügung, die ihren Kollegen aus der realen Welt klanglich in nichts nachstehen. Die gute Nachricht: DIST COLDFIRE zählt ebenfalls dazu.

Von einer subtilen Anreicherung mit knusprigen Obertönen über die Erregung aggressiver Tendenzen bis hin zur hemmungslosen Zerstörung des ursprünglichen Audiosignals ist eigentlich alles drin. In Teilbereichen erinnert mich DIST COLDFIRE ein wenig an WAVES BERZERK, bietet aber noch deutlich mehr Möglichkeiten.

Auch wenn sich unter den Presets ein paar gitarrenspezifische Kreationen befinden, so habe ich dieses Mal bei meinen Klangbeispielen das Klampfengezupfe mit voller Absicht außen vor gelassen. Hatte einfach keine Böcke darauf… 😉

Stattdessen beginnen wir mit einem kurzen Sprachsample, das einmal trocken und danach mit sieben verschiedenen Verzerrer-Bearbeitungen zu hören ist (das Hintergrundrauschen war übrigens bereits in der Aufnahme vorhanden, es entstammt nicht etwa dem DIST COLDFIRE!):

Klangbeispiel ARTURIA DIST COLDFIRE – Vox

Als nächstes habe ich einen elektronischen Drumloop mit DIST COLDFIRE bearbeitet. Die ersten vier Takte sind trocken, im Anschluss folgen elf Variationen, ebenfalls jeweils vier Takte lang:

Klangbeispiel ARTURIA DIST COLDFIRE – Drumloop

Auf einer TB-303 oder einer seiner zahlreichen Nachahmungen kann eine zünftige Distortion das Salz in der Suppe bedeuten. Daher habe ich DIST COLDFIRE mal mit verschiedenen Einstellungen auf eine sechzehn Takte lange Acid-Sequenz aus der ABL3 gelegt. Der erste Durchgang ist zunächst wieder unbearbeitet, anschließend gibt es Bratmaxe in fünf Geschmacksrichtungen:

Klangbeispiel ARTURIA DIST COLDFIRE – Acid-Bassline

Zu guter Letzt habe ich auch noch mal ein recht unspektakuläres String-Pad genommen und vier Takte lang nur auf einer Note gespielt: langweilig… Danach habe ich probiert, eben diesem statischen Pad mit Hilfe von DIST COLDFIRE in zehn unterschiedlichen Versuchsanordnungen etwas mehr Leben einzuhauchen. Hier sind die Ergebnisse:

Klangbeispiel ARTURIA DIST COLDFIRE – Pad

Fazit:

Klar, Distortion-Plugins gibt es mittlerweile wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Kaum ein Verzerrerpedal, das nicht mindestens einmal virtualisiert wurde. Die kommerziell erhältlichen Plugins sind unzählbar, dazu erscheint gefühlt im Wochentakt igendeine neue Freeware-Distortion. Wer soll das alles nutzen?

Angesichts einer solchen Vielfalt sollte man also meinen, dass ein weiterer Vetreter es sehr schwer haben dürfte, auf diesem Markt Fuß zu fassen. Nun, in diesen Punkt räume ich DIST COLDFIRE dennoch ganz gute Chancen ein, bietet das Plugin doch eine große Flexibilität und Bandbreite bei einer einfachen Bedienung und vor allem einem überzeugenden Klang.

Der einzige Minuspunkt in meinem Test betrifft wieder einmal die – entgegen der Behauptung auf der Produktwebseite – nicht vorhandene Möglichkeit, das Plugin via MIDI-Controller steuern zu können. Hallo McFly …ähh… ARTURIA, jemand zu Hause…?!

Ich frage mich natürlich auch, warum DIST COLDFIRE nicht im Rahmen der FX COLLECTION 3 veröffentlicht wurde (falls es damals noch nicht fertig war, hätte man ja durchaus noch ein wenig mit der FX COLLECTION 3 warten können…). Dahinter dürften vermutlich vorrangig wirtschaftliche Erwägungen stecken.

Immerhin bietet ARTURIA wieder spezielle Einführungs-Rabatte an, auch beim gemeinsamen Kauf von DIST COLDFIRE und FX COLLECTION 3. Denn noch bis zum 15.09.2022 erhält man beide Produkte zusammen für 299,- Euro.

Wer nur an DIST COLDFIRE interessiert ist, der zahlt als Bestandskunde ebenfalls bis zum genannten Datum einen individuell reduzierten Preis, der sich danach richtet, wieviele andere ARTURIA-Produkte man bereits besitzt. Dabei kann man bis zu 50 Prozent des regulären Verkaufspreises von 99,- Euro sparen.


Positives:
+ guter Grundklang
+ große Bandbreite an Distortion-Effekten
+ flexible Modulationssektion
+ leicht erlernbare Bedienung
+ praktische In-App-Tutorials
+ Offline-Aktivierung möglich
+ CPU-freundlich

Negatives:
– keine MIDI-Controller-Anbindung verfügbar, trotz gegenteiliger Angaben


Produktwebseite: https://www.arturia.com/products/software-effects/dist-coldfire/overview

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